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5. Die Folgen der Technik  

 

 

"Wir haben die Erde nicht von unseren Vätern geerbt, wir haben sie von unseren Kindern geliehen." (Sprichwort der amerikanischen Amish People)

    

"Der weiße Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht zu bemerken; wie ein Mann, der seit vielen Tagen stirbt, ist er abgestumpft gegen den Gestank." (Seattle)

 

   Die zerstörte Landschaft   

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Seit seiner Seßhaftwerdung begann der Mensch zwar immer mehr Land zu roden, störte jedoch dabei die Natur noch nicht wesentlich in ihrem Gleichgewicht und in ihren Erscheinungsformen. Auch später, als die ersten Siedlungen entstanden, erst Dörfer und dann vereinzelt auch Städte, sowie Verbindungen zwischen ihnen, Handelsstraßen, fügten sich all diese künstlichen Gebilde noch in die Landschaft ein. Die Wege benutzten beispielsweise natürliche Pässe und Furten. Die naturnahe Landschaft erfuhr nun zwar schon bedeutende Eingriffe des Menschen, sie wurde jedoch von ihm noch nicht nachhaltig belastet. Sie wurde genutzt aber noch nicht ausgenutzt, die Natur begann man zu beherrschen, man vergewaltigte sie jedoch noch nicht. Und sie konnte immer noch wieder zu sich zurück finden.

Erst die Zivilisationslandschaften als Folge der Industriellen Revolution seit dem 19. Jahrhunderts schufen hier eine andauernde Veränderung. Wir haben inzwischen das Antlitz der Erde total verändert. Zur Ernährung der wachsenden Bevölkerung sind wir zu ertragsintensiver Landwirtschaft übergegangen. Sie verändert nicht nur großflächig das Erscheinungsbild der Erde, sie belastet auch den Boden erheblich und laugt ihn aus. Heutige flurbereinigte Landschaften, Felder von ausgedehnten Monokulturen, sind künstliche, instabile Systeme, die nur bei andauernder menschlicher Bearbeitung bestehen können. 

Die anorganische Düngung, die chemische Vernichtung unerwünschter Lebewesen, von "Unkräutern" und "Ungeziefer", die Beschneidung pflanzlichen Wildwuchses wie auch die künstliche Zuchtwahl, sind Maßnahmen, ohne die dieses menschliche Machwerk schnell in völlig andersartige, stabile, natürliche Lebens­gemeinschaften übergehen würde. Sie sind somit der Selbstregulation nicht mehr fähig, anfällig für eine Vielzahl sog. Schädlinge, denen das unausgewogene System viele Lebensnischen bietet. Dabei bleibt für Insektenräuber, den natürlichen Feinden der Schädlinge, nicht genügend Lebensraum übrig. Diese Landschaften stellen nurmehr gestörte oder vielmehr zerstörte Ökosysteme dar. Ihre einst frei lebenden wilden Bewohner sind vertrieben oder sogar ausgerottet worden.

Diese Intensivkulturen erfordern für ihre Bearbeitung hochmechanisierte Methoden. Sie setzen eine groß­flächige Flurbereinigung voraus, die jegliche Hindernisse, seien es Terrassen, Bäume oder Sträucher, beseitigt und größere Gefälle schafft. Das Wasser fließt dann schnell ab und der Boden wird trocken. Die Beweidung, die mechanische Bearbeitung beim Pflügen und Ernten, das damit verbundene ungeschützte Freilegen der Ackerfläche für längere Zeit und der Kahlschlag des Waldes zerstören den Boden. Seine von der Vegetationsdecke entblößte obere Schicht, humushaltige, fruchtbare, belebte Muttererde, wird in seiner organischen Substanz zersetzt, verliert Porosität und die Fähigkeit Wasser zu absorbieren, trocknet aus und wird der Erosion, der Verwehung und Wegschwemmung durch Wind und Regen, preisgegeben. Auf diese Weise büßt landwirtschaftlich genutzter Boden nicht nur seine natürliche Fruchtbarkeit ein, die daher durch künstliche Düngung aufrechtgehalten werden muß, er verliert auch Masse.

Während 1 qkm Wald jährlich etwa 10 t und die gleiche Fläche Grasland im gleichen Zeitraum etwa 100 t Erde durch Erosion verlieren, büßt in Mitteleuropa 1 qkm Ackerland jährlich durchschnittlich etwa 1000 t wertvolle Erde ein, in den USA und Afrika in Baumwoll-, Mais- und Erdnußkulturen sogar das 5- bis 16-fache. Jährlich gehen so durch Erosion auf der Erde etwa 2,5 Mrd cbm Mutterboden unwiederbringlich verloren.

Folgen der modernen Landwirtschaft sind so die Verschlechterung der Bodenfruchtbarkeit, Bodenverluste und Sedimentierung, Erosion und Verödung. Boden und Wasser versalzen, das Wasser verschmutzt durch Düngemittel und Pestizide, seine Qualität wird vermindert. Hochertragssorten in Monokulturen werden zunehmend anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Der Wasserspiegel schwankt; schließlich sinken die Erträge. Überkultivierung und Überweidung veröden das Land wie schon vor Jahrtausenden im Mittelmeerraum, nun auch in Afrika und Südasien und bald auch in Lateinamerika.

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Auch die verbleibenden Waldflächen haben unter der Kultivierung gelitten. In den Industrieländern gibt es heute nur mehr wenige Naturwaldflächen. Die Zusammensetzung unseres Nutzwaldes spiegelt eine lange Geschichte der Bewirtschaftung zur Gewinnung vor allem von Bauholz, weniger von Brennholz wieder. Durch die Intensivierung dieser Bewirtschaftung wurden die Wälder jünger, raschwüchsiger und artenärmer. Es entstanden so Holzplantagen ertragreicher Monokulturen, die der Düngung und Bekämpfung von Schädlingen bedürfen, was die Verschlechterung der Böden und des Wassers bedingt, ökologische Nischen verschwanden, viele Tier- und Pflanzenarten änderten ihre Populationsdynamik bzw. starben ganz aus.

Im Gebirge hat Wald eine große Bedeutung zur Regulierung des Wasserabflusses und zum Schutz der Einzugs­gebiete. Wo Hänge nicht mehr von Wald bedeckt sind, da er entweder abgestorben ist oder aber Skipisten weichen mußte, fehlt es an Hindernissen, kommt es zu Erdrutschen und Geröll stürzen und fließt das Regenwasser oberirdisch ab. Es wird nicht mehr vom Boden gereinigt und gefiltert. Der Regen löst leicht das Bodenmaterial. 

Ablagerungen in Flußbetten führen zu Hochwasser und Überschwemmungen. Sie beschädigen und zerstören Kanäle, Brücken und Dämme, Muttererde wird zu den Flußmündungen transportiert. Andererseits fällt der Grundwasserspiegel. Reservoire und Bewässerungsanlagen verstopfen. Man muß sie entweder reinigen oder aufgeben. Bei fehlenden Wasserspeichern kommt es zu Dürrezeiten. Wärme kann nicht zur Wasserverdunstung führen. Somit erhöht sich die Temperatur, was sich negativ auf Saat, Tiere und Menschen auswirkt.

 

Um die wachsende Bevölkerung der sog. Entwicklungsländer zu ernähren, um mehr Ackerfläche zu schaffen und Brennholz und Bauholz für Exportzwecke zu gewinnen, werden dort riesige Wälder abgeholzt, Sümpfe und Moore nutzbar gemacht, Savanne, Busch und Steppe abgebrannt. Die so gewonnenen Böden sind aber nur kurzfristig fruchtbar, sie veröden schnell, vergrasen und verhärten, der Grundwasserspiegel sinkt ab. Auf den ausgelaugten Böden kann sich in absehbarer Zeit kein Wald wieder regenerieren. Bei den tropischen Urwäldern stecken nämlich die Nährstoffe hauptsächlich in der Pflanzendecke und weniger im Boden. 

Bei der Brandrodung geht Stickstoff verloren, andere Nährstoffe wie Kalzium, Kalium und Phosphor finden sich in der Asche wieder, sind als solche löslich und versickern im Boden, dem absorptionsfähige Tonmineralien fehlen, der also keine Aufnahmebereitschaft zeigt. Die Stoffe werden tief in den Boden gespült. Mit den Nährstoffen geht der Wassergehalt des Bodens verloren und mit dem Wald verschwinden alle ihn belebenden Tiere, die ökologische Vielfalt nimmt ab, Schädlinge vermehren sich explosionsartig. Das Ödland beschleunigt den Regenabfluß. Die Kleintierfauna im Boden stirbt ab, der Boden wird nicht mehr belüftet und verliert Nährstoffe und Humus. Auf Brachland wachsen nurmehr Hartgräser und Dornensträucher, es eignet sich weniger für Ackerbau und Wiederaufforstung, selbst kaum für Viehhaltung. Die Brandrodung fördert die Bodenerosion und Humusabtragung durch Wind, Regen und Wasser. Der Regenabfluß wird nicht mehr reguliert und verzögert. Flutkatastrophen, Verschlammung aber auch zeitweise Austrocknung sind die Folgen.

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Bewässerungs­anlagen versumpfen, werden durch Schlick und Flutwellen unbrauchbar bzw. versanden. Die fehlende Walddecke destabilisiert Wasser- und Nährstoffkreisläufe. Der Boden ist ungeschützt Regen, Wind und Sonnenhitze ausgesetzt. Es resultieren größere Temperatur- und Feuchtigkeitsgegensätze, sowie geringere Fruchtbarkeit. Über Erosion und Klimaveränderungen führt die Entwicklung schließlich zu Steppen und Wüsten.

Die Begradigung von Bächen und die Regulierung von Flüssen gibt den Wasserläufen größeres Gefälle. Das fördert die Tiefenerosion und damit die Absenkung des Grundwasserspiegels, wodurch nicht nur die Ufer austrocknen und versteppen. Die Umleitung von Flüssen und die Anlage von Stauseen zur Hochwasser­regulierung, Bewässerung und Wasserkrafterzeugung ändern ganze Landschaften und ihr lokales Klima. Künstliche Stauseen und Bewässerungsanlagen erhöhen die Wasserverdunstung, führen zur Austrocknung von Seen, zum Rückgang des Fischfangs und zur Versalzung der Umgebung. Das wird am Beispiel des Aralsees deutlich, dessen Oberfläche seit 1960 um 8 m gesunken ist. Die Flußverhältnisse verändern sich sowohl oberhalb als auch unterhalb eines Staudammes. 

Künstlich geschaffene, stehende Gewässer ermöglichen die Entstehung von Brutstätten von Krankheits­erregern wie Moskitos für Malaria oder Schnecken für Bilharziose. Ökosysteme an Flußläufen, die jahreszeitlich bedingt mehr oder weniger Wasser führen, entwickeln Lebenszyklen, die den Hochwasserzyklen angepaßt sind. Sie werden durch die Anlage von Staudämmen zur Regulierung des Wasserlaufs und für ständige Bewässerung empfindlich gestört. Auch werden die Wanderwege flußaufwärts wandernder Fischarten unterbrochen.

 

Ein warnendes Beispiel der Landzerstörung stellt der Assuan-Staudamm dar, ein Riesenprojekt mit enormen Kosten und zweifelhaftem Gewinn. Es verlangte die Umsiedlung von 100.000 Menschen und die Bergung großer einmaliger, historischer Tempel. Der Energiegewinnung von 8.000 MW und der kurzfristigen Verdopplung der landwirtschaftlichen Erträge durch jetzt dauernde Bewässerung stehen der Verlust an Bodenfruchtbarkeit und der Zusammenbruch der Sardinenfischerei im Meer, die einst 50% des ägyptischen Fischfangs ausmachte, entgegen. 

Durch die Ablagerung fruchtbaren Schlamms im Staubecken verliert das Land am Flußlauf unterhalb des Damms wie auch die Küstengewässer vor dem Nildelta ihre natürliche Fruchtbarkeit. Vielmehr wird das Delta jetzt noch vom Meer ausgewaschen und erleidet so zusätzliche landwirtschaftliche Produktionsrückgänge. Die künstliche Bewässerung des Deltas, wo sich rund 60% des Ackerlandes befinden, hebt den Grundwasserspiegel, wodurch das Land versalzt und kostspielige Entwässerungs­maßnahmen nötig werden.

 

Durch den Bergbau werden weite Gebiete zur Gewinnung von Bodenschätzen im Tagebau umgewühlt und verwüstet, in große Abraumhalden verwandelt, oder bei Untertagebau durch Absenkungen beeinträchtigt. Jährlich werden so auf der Erde etwa 10.000 qkm Ländfläche zerstört, das macht in 25 Jahren etwa die Fläche der BRD aus.

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Die sich vermehrende Weltbevölkerung ballt sich zusammen in wild wuchernden Groß- und Millionen­städten mit riesigen Mietskasernen und ausgedehnten, erbärmlichen Slums. Daneben dehnen sich Industriegebiete mit gewaltigen industriellen Produktionsanlagen aus. Die hochmotorisierten Gesellschaften brauchen ausgedehnte Verkehrsflächen, wie Straßen und Autobahnen, die als breite Betonbänder das Land zerschneiden, sich immer weniger der natürlichen Landbeschaffenheit anpassen, nicht nur künstliche Verbindungen herstellen, sondern auch natürliche Zusammenhänge zerreißen. Vor allem braucht die zunehmende Zahl von Fahrzeugen auch immer mehr Abstellfläche. Ähnliches gilt für Eisenbahnlinien, Kanäle, Hochspannungsleitungen, Hafen und Flugplätze. Das Land wird zubetoniert, so daß das Regenwasser nicht mehr überall in den Boden versickern kann, sondern über die Kanalisation abfließen muß und der Grundwasserspiegel sinkt. In der BRD wuchsen in 10 Jahren die Siedlungs- und Industrieflächen um 25%, die Verkehrsflächen um 10%.

 

Natur wird zerstört durch hemmungslose Neuerschließung von Feriengebieten. Freizeitgebiete verbrauchen große meist noch natürliche Landschaftsflächen und verdrängen sowohl Pflanzen als auch Tiere. Dabei werden auch die letzten Rückzugsgebiete der ursprünglichen Natur in den Hochgebirgen der menschlichen Freizeit in Form des Massentourismus geopfert. 

Sport als Massenbewegung bedroht die Natur. Spektakulär sind die durch den Skisport verursachten Schäden. Nicht nur bei der Errichtung von Seilbahnen und Liften oder der Einrichtung und Präparierung breiter Pisten wird Natur vernichtet, auch abseits von Pisten wird bei wenig Schnee die Grasnarbe verletzt, das Wild aufgescheucht, werden junge Bäume abrasiert. Im Sommer sind Pisten öde Flächen, auf denen nichts mehr wächst. Das Regenwasser kann ungehindert zu Tal strömen und reißt dabei den Boden mit sich. Motorrossfahrer verschandeln ganze Landschaften mit tiefen Spuren, zermahlen Pflanzen und verjagen Tiere. Hinzu kommen Zufahrtsstraßen, Kioske, Campingplätze, Restaurants und die Probleme der Abwasser- und Müllbeseitigung. Motorbootsportler, Surfer und Segler stören brütende Vögel, zerstören Schilf, vertreiben im Wattenmeer Seehunde von den Sandbänken.

Aber auch die moderne Kriegstechnik bedeutet nicht nur im Krieg verheerende Folgen für den Menschen, seine Zivilisation und die Natur. Selbst im Frieden beim Ausprobieren der Waffen auf Übungsplätzen, bei Atombombentests oder bei Manövern zeigt sie unheilvolle, zerstörende Auswirkungen.

All die geschilderten Eingriffe des Menschen in die Natur machen diese in zunehmendem Maße kaputt. Wir zersiedeln und verändern nicht, nur unser Land, wir versündigen uns dabei auch an den vier Naturelementen, die unsere Lebensgrundlage darstellen: wir verunreinigen die Luft mit Abgasen, verschmutzen das Wasser mit Abwässern, vergiften den Boden mit Abfällen und vergeuden dabei Unmengen natürlicher, kostbarer Energievorräte zu Abwärme.

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Während man früher noch die Natur nur sich selbst überlassen brauchte, auf daß sie sich wieder erholen konnte, ist sie heute der weltweiten Belastung nicht mehr gewachsen. Wir ersticken sie regelrecht mit den Erzeugnissen unserer Zivilisation und verändern sie irreversibel.

 

    Die verunreinigte Luft  

 

Abgesehen von der Luftfeuchtigkeit schwankte die Zusammensetzung der Luft über lange Zeiträume nur wenig. Seit der Industrialisierung erhöhte sich jedoch vor allem über Städten und Industrieanlagen der Gehalt der Luft an sichtbaren Stäuben und unsichtbaren Schadgasen. Zum Schutz der Bevölkerung vor ihrem unangenehmen Schmutz und üblen Geruch sind wegen der in unseren Breiten vorherrschenden westlichen Windrichtung Industriebetriebe vorwiegend an den östlichen Stadträndern angesiedelt worden und wurde der Westen zur bevorzugten und damit teuren Wohngegend. Besonders berüchtigt wegen seiner schlechten Luft war das Ruhrgebiet. Dort wurde aber auch schon bald in der Umgebung von Hüttenwerken Tannensterben beobachtet.

Die Verunreinigungen der Luft setzen sich zusammen aus Kohlendioxid, Stickstoffoxiden, Schwefeldioxid, wie auch aus Staub und Schwebeteilchen, sog. festen oder flüssigen Aerosolen. Hinzu kommen Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffe, Chlor- und Fluorverbindungen sowie organische Verbindungen. Diese Abgase entstehen vor allem bei der unvollständigen, aber auch vollständigen Verbrennung hauptsächlich von Kohle und Erdöl, wie auch bei der Bearbeitung schwefelhaltiger Erze von Metallen wie Kupfer, Nickel, Blei und Zink.

Die Schadstoffe werden somit vom Straßen- und Luftverkehr, von Haushaltungen und Industrieanlagen verursacht. Bei letzteren sind es vor allem Hüttenwerke, Zementwerke, Elektrizitätswerke, Raffinerien und chemische Fabriken, aber auch Müllverbrennungsanlagen, die zur Luftverunreinigung beitragen. Vielfach laufen chemische Reaktionen unvollständig ab und liefern so Nebenprodukte, welche die Luft verunreinigen. Der Staub setzt sich zusammen aus Ruß, Asche, Abrieb von Autoreifen, Bremsbelägen sowie Asphalt, Zement-, Quarz- und Asbeststaub, Öl- und Tabakrauch, sowie radioaktiven Aerosolen. Er enthält viele Schwermetalle, wie beispielsweise Blei, Quecksilber und Cadmium. Auch die Landwirtschaft trägt zur Verunreinigung der Luft durch ihre Schädlingsbekämpfungsmittel bei.

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Während Kohlenmonoxid sich schnell wieder verflüchtigt, bilden Schwefeldioxid und Stickoxide mit der Luftfeuchtigkeit Schwefel- und Salpetersäure, die Bestandteile des "Sauren Regens". Der normale pH-Wert des Regens von 5,7 erniedrigt sich dadurch auf saure Werte um 4. Er kommt Hunderte von km vom Ursprungsort windwärts auf die Erdoberfläche herab und versauert dort die Umwelt. So findet man in Skandinavien fern von jeder Zivilisation Seen mit pH-Werten von weniger als 4,3, wobei keine Fische mehr existieren können. Bei Reaktionen mit Stickoxid entsteht auch das für die Atemwege gefährliche Ozon.

 

Während der grobe Staub absinkt, bleibt der feine länger in der Luft. Lungengängiger Feinstaub ist gesundheits­gefährlich. Er enthält vielfach Gifte wie das krebserregende 3,4-Benzpyren oder bewirkt, katalytisch die Entstehung von Schwefelsäure. Er setzt sich in den Lungenbläschen fest. Wegen seiner besonders großen Oberfläche ist er besonders reaktionsfähig. So hat man einen Zusammenhang festgestellt zwischen dem Feinstaubgehalt der Luft und der Erkrankungs- bzw. Sterblichkeitsziffer beim Menschen.

Mit Ausnahme der Dunstglocken über den eigentlichen Emissionsgebieten werden die Verunreinigungen durch horizontale und vertikale Luftbewegung (Wind bzw. Aufwind) meist gut verteilt. Dafür sorgen auch die hohen Industrieschornsteine. Bei bestimmten Wetterlagen jedoch wird die natürliche Bewegung der wärmeren Luft von unten nach oben durch Inversionsschichtung verhindert. Dann liegt eine wärmere Schicht wie ein Deckel über einer kälteren und damit schwereren Bodenschicht, die ohne stärkeren Wind mit allen ihren Verunreinigungen am Boden festgehalten wird. Es entsteht der gefürchtete Smog über industriellen Ballungsräumen. Erinnert sei nur an den Londoner Smog vom 5. - 9.12.1952, bei dem die Menschen stark unter Atembeschwerden, Husten, Auswurf, Nasensekretion, Halsschmerzen, Erbrechen, Atemnot, Blausucht, und Fieber litten. Während der Zeit gab es etwa 4000 vom Smog verursachte Todesfälle und noch einmal soviele in der Folgezeit. Die Luftverunreinigungen waren damals etwa fünfmal stärker als normal.

Die Verunreinigungen der Luft werden entweder von Bäumen aus der Luft gefiltert oder gelangen mit den Niederschlägen auf die Erde, wo sie den Boden und das Wasser vergiften. Sie haben in den letzten Jahr­zehnten allgemein Konzentrationen angenommen, mit denen sie dauerhaft die natürlichen Umwelt­bedingungen für die gesamte Biosphäre ändern, unser globales Ökosystem empfindlich stören und schädliche, ja bedrohliche, Auswirkungen zeigen. Die veränderten Bedingungen schmälern nicht nur die landwirtschaftlichen Erträge sondern tragen auch zum Waldsterben insbesondere der den Schadstoffen dauernd ausgesetzten Nadelwälder bei und schädigen die Vegetation ganz allgemein. Sie gefährden die Gesundheit aller Lebewesen, auch die des Menschen, indem sie zum Ansteigen der Erkrankungen der Atemwege führen.

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Schließlich zerstören die Schadstoffe in der Luft sogar unsere Kulturwerke, Bauten, Glasfenster, Skulpturen, Gemälde usw. Schwefelsäure setzt sich auf Monumenten ab und verbindet sich mit dem Kalziumkarbonat des Marmors. Dabei entsteht Gips, der zerbröselt. Marmorfiguren verlieren dadurch ihre Gesichter. Das Mauerwerk wird schwarz und blättert ab, wie beispielsweise am Kölner Dom zu beobachten.

Da die natürlichen, biologischen Verarbeitungsprozesse, welche die Schadstoffe nach ihrem Eindringen in den Boden durch Bodenbakterien wieder abbauen wurden, dem Tempo ihrer Entstehung nicht mehr gewachsen sind, muß nun die Technik selbst eingreifen. Durch immer aufwendigere Maßnahmen wird versucht, die Verunreinigung der Luft zu verhindern oder wenigstens auf ein erträgliches Maß zu verringern. Dazu gehören Verfahren zur Filterung bzw. katalytischen Nachverbrennung von Abgasen oder der Übergang zu sauberen Verfahren und Energien. Man soll nicht verschweigen, daß hier bereits Verbesserungen erzielt werden konnten. In den letzten zehn Jahren gelang es so in der BRD, die Staubemissionen etwa auf die Hälfte, den Gehalt an Kohlenmonoxid auf ein Drittel zu reduzieren und den Gehalt an Schwefeldioxid konstant bei etwa 3 Mill. t jährlich zu halten. Dies genügt jedoch bei weitem noch nicht um die Folgen aufzuhalten. Vor allem haben die Gifte weiterhin zugenommen.

Verunreinigte Luft stellt nicht nur ein ästhetisches Problem dar mit Schmutzablagerungen und verminderter Sicht, sondern kann schließlich sogar zu Klimaveränderungen führen. Die staubhaltigen Abgase von Industrie, Verkehr und Haushalten vermehren den Gehalt an Partikeln in der Luft. Dazu bewirken die sich ausdehnenden Wüsten und die durch Landwirtschaft zeitweise fehlende Pflanzendecke durch Winderosion einen erhöhten Staubgehalt der Atmosphäre.

Eine besonders fatale Auswirkung auf den Naturhaushalt dürfte der erhöhte Gehalt an Kohlendioxid in der Atmosphäre haben. Er führt zu Änderungen des Klimas, damit zu Veränderungen der Vegetation und hat Einfluß auf die Wasserversorgung und die landwirtschaftliche Produktivität.

Auch die Stratosphäre, die in 16 km Höhe beginnt, wird von unserer Technik beeinflußt. Chlorfluorkohlen­wasser­stoffe, harmlose Halogenderivate des Methans aus Spraydosen, die jedoch durch, UV-Strahlung zerfallen, wobei aktive Chloratome entstehen, und Stickstoffverbindungen aus Düngemitteln, womöglich auch die Auspuffgase von Düsenflugzeugen in der Stratosphäre bauen das Ozon ab und schädigen so die Ozonschicht, die wegen der Absorption des ultravioletten Sonnenlichts nicht nur klimabestimmend, sondern auch von wesentlicher Bedeutung für das irdische Leben ist. Die Ozonschicht ist ja mit eine Grundvoraussetzung für die Existenz tierischen und pflanzlichen Lebens.

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    Das verschmutzte Wasser  

 

Jedes Gewässer stellt ein Ökosystem dar. Seine Bewegung, seine Temperatur sowie sein Gehalt an Sauer­stoff und Kohlendioxid wie auch an anorganischem und organischem Material bestimmen die in ihm herrschenden Lebensbedingungen, wie auch die Möglichkeiten der biologischen Selbstreinigung. Diese Bedingungen werden jedoch in der Zivilisationslandschaft stark gefährdet.

So spülen einmal Regen und Schneeschmelze Erosionsmaterial mit toten Organismen, wie auch überschüssige Dünge- und Schädlingsvertilgungsmittel vom Land in Flüsse und Seen. Zum anderen liefern Haushalte und Industrie große Mengen von Abwasser mit organischen und anorganischen Stoffen, Salzen, Laugen und Säuren, mit Schlamm, Öl und anderen Kohlenstoffverbindungen, mit Fäkalien, Küchenabfällen und Reinigungsmitteln, verschiedenen Giften und schließlich noch Abwärme. Vor allem Klärschlamm, Abfälle der Papierindustrie, von Gerbereien, Schlachthöfen und Ölraffinerien, der chemischen und anderer Industrien, schließlich das Sickerwasser von Müllhalden verschmutzen und vergiften die Gewässer und das Grundwasser.

Wasser dient unserer Zivilisation schon immer und ganz allgemein zur Abfallbeseitigung.. So stellen Flüsse nicht nur Verkehrswege dar, sondern sind auch Anziehungspunkt für Industrieanlagen, die mit ihrer Hilfe billig ihre Abwässer und Abwärme los werden. Der Schiffsverkehr, voran die riesigen Öltanker verpesten die Gewässer. Besonders die Unterläufe von Flüssen, viele große Seen und schließlich das Meer sind so einer unnatürlichen Belastung ausgesetzt. Sie verfärben und trüben sich, nehmen üblen Geruch und Geschmack an und bilden Schaumkronen.

Die Übersättigung mit Nährstoffen, Phosphorverbindungen aus Industrie und Haushalt, Stickstoffverbind­ungen aus der Düngung mit Nitraten, stören das Fließgleichgewicht der natürlichen Gewässer, indem sie zu einer Überproduktion pflanzlicher Organismen wie Algen und tierischen Planktons führen (Eutrophierung). Die notwendigen bakteriellen Abbauvorgänge verzehren allen gelösten Sauerstoff, so daß an die Stelle der aeroben Mineralisierung anaerobe Fäulnisprozesse treten, die Methan, Ammoniak und Schwefelwasserstoffe, also Gifte, erzeugen.

Ökologisch intakte Gewässer sind der biologischen Selbstreinigung fähig, ein Fluß wegen der besseren Sauerstoffzufuhr durch die bewegte Oberfläche eher als ein See. Diese Fähigkeit wird jedoch in der Zivilisationslandschaft stark gefährdet. Die Reinigung erfolgt durch Lebewesen, die die überschüssigen Stoffe abbauen, und hängt von den Wasserbedingungen ab, von Sonneneinstrahlung, Temperatur und Turbulenz, die den Sauerstoffgehalt bestimmen. Störung der Klimafaktoren, insbesondere Temperaturerhöhung durch Abwärme, verringert die Selbstreinigungskraft, so daß das Gewässer fault und umkippt.

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Diese Veränderung der Ökosysteme hat eine Veränderung in den Populationen der Mikro- und Makro­organismen zur Folge. Bestimmte Fischarten sterben. Dabei sind vor allem die Fische an den Enden von Nahrungsketten gefährdet, da sich in ihnen Schadstoffe, Schwermetalle, Pestizide und Insektizide, anreichern. Verunreinigtes, vergiftetes bzw. hygienisch unreines Wasser führt nicht nur bei Fischen zu Schädigungen der inneren Organe, des Zentralnervensystems, zu Seuchen, Krebs und Tod. Vielfach müssen auch Menschen durch Badeverbote vor gesundheitlichen Schäden wie Hautausschlägen, Augenentzündungen, Magen- und Darmbeschwerden, Leberleiden und Infektionskrankheiten geschützt werden.

 

Ein weiteres Problem stellt die Versäuerung der Gewässer durch den Sauren Regen dar. Sie vermindert den bakteriellen Abbau organischer Reste, Pflanzen ersticken, und der Fischbestand geht zurück. So sind in skandinavischen Seen Forellen und Lachse heute ausgestorben. In der BRD spielt die Versalzung des Rheins und der Werra durch die Kaliminen im Elsaß und der DDR eine ähnliche Rolle.

Da die biologischen Bedingungen in den Gewässern von der Sauerstoffkonzentration abhängen und diese wiederum von der Wassertemperatur, wird das ökologische Gleichgewicht in Flüssen, deren Wasser zur Kühlung von Kraftwerken herangezogen wird, durch deren Abwärme empfindlich gestört. Der bei erhöhten Wassertemperaturen verringerte Sauerstoffgehalt einerseits und der gleichzeitig beschleunigte Stoffwechsel der Lebewesen anderseits führt zum Rückgang des Fischreichtums. In den Tropen sind solche Verhältnisse tödlich, da die Lebewesen bereits an der oberen Grenze ihres Existenzbereiches leben.

Die Verschmutzung der Gewässer durch kommunale, gewerbliche und industrielle Abwässer wird bei uns heute weitgehend in Kläranlagen verhindert. Sie kombinieren mechanische, biologische und chemische Verfahren. Das Wasser wird durch Klärung von unlöslichen Bestandteilen, Abbau organischer Verunreinigungen und Ausfällen löslicher Stoffe gereinigt.

Besonders hohe Anforderungen werden verständlicherweise an die Qualität unseres Trinkwassers bezüglich Reinheit, insbesondere Keimfreiheit, und Frische gestellt. Reines Wasser, von der Natur gefiltert, kommt aus dem Grundwasser, aus Quellen und Brunnen. Es muß, um unseren Bedarf zu decken, heutzutage jedoch vermehrt auch aus Seen und Flüssen entnommen, entsprechend aufbereitet und ferngeleitet werden. Die Aufbereitung erfolgt in einer Reihe aufeinanderfolgender Sieb- und Filterprozesse, die das Wasser von allen organischen Stoffen, Bakterien und Schwebstoffen befreien und schließlich das so gewonnene Rohwasser mit Sauerstoff belüften. Den anfallenden Klärschlamm läßt man mit anäroben Bakterien ausfaulen. Das dabei entstehende Methangas dient zur Energieversorgung, der Trockenschlamm zur Bodenverbesserung. Letzterer vergrößert, den Humusanteil und führt den Pflanzen Nährstoffe in Form von Phosphor- und Stickstoffverbindungen zu.

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Die meisten Abfälle gelangen jedoch schließlich in die Meere, den Endlagerstätten fast allen irdischen Mülls. Sie sammeln sich an den Flußmündungen und in den küstennahen Bewässern, die 10% der gesamten Wasseroberfläche ausmachen, jedoch etwa 99% der Fischereiertrage liefern. Dieser Lebensraum, der heute 2% unserer Nahrung und 15% — für einige Länder sogar bis zu 50% — des tierischen Eiweißes stellt, wird dadurch vergiftet und zerstört. Die Schadstoffe, Klärschlamm, Abfallsäuren, Asche oder industrielle Abfälle, gelangen entweder durch Abwässer bzw. Abflüsse ins Meer oder werden direkt vor der Küste ins Meer gekippt. Auch werden Tanker dort gereinigt. Die Förderung von Erdöl auf dem Meeresboden und sein Transport in Großtankern über die Weltmeere tragen bei zur Verpestung von Küsten und Meeren. Zudem gelangen Schadstoffe über die Atmosphäre ins Meer.

Dadurch werden nicht nur der ästhetische Reiz und der Erholungswert des Meeres für den Menschen verringert, sondern auch viele Lebewesen vernichtet oder ungenießbar gemacht. Durch diese Giftflut nehmen die Lebewesen mehr und mehr ab.

Jährlich wird das Meer mit etwa 6 Mill. t Erdöl verseucht, die Nordsee allein mit etwa 100.000 t. Die Kohlen­wasser­stoffe haben eine mehrjährige Verweilzeit und bilden eine dünne Ölschicht, die das Ökosystem des Meeres erheblich stört. Ins Meer geschwemmte landwirtschaftliche Düngemittel, Phosphate und Nitrate, führen zu einer Vermehrung von Algen, was Sauerstoffmangel verursacht, woran Fische und andere Lebewesen sterben.

Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Kupfer, Nickel und Quecksilber sammeln sich vor den Küsten an. Sie verweilen über lange Zeiträume, Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte, im Meer und lagern sich dort ab. Sie sind hochgiftig, vernichten schmutzfressende Bakterien und reichern sich in Fischen an. Dies gilt vor allem für metallorganischen Verbindungen, wie beispielsweise das Methylquecksilber. Dieses führte seit 1939 zur Quecksilbervergiftung der Minamata-Bucht in Japan, wo verbrauchte Katalysatoren, die Quecksilber enthielten, ins Meer versenkt wurden und mit der Zeit Verhaltensstörungen bei Katzen, Vögeln und Menschen verursachten.

Des weiteren spielen Chlorkohlenwasserstoffe eine Rolle, wie Dichlordiphenyltrichloräthan (DDT), polychlorierte Biphenyle (PCB) und Hexachlorbenzol (HCB). 

DDT, ein Pestizid, macht Fische unfruchtbar. PCB stört die Zellteilung, das Wachstum und die Photosynthese. In der Ostsee sind beispielsweise die Seehunde stark dezimiert worden, nachdem sie mit PCB verseuchte Fische gefressen hatten. HCB, ein Getreidefungizid, ist resistent gegen jedweden Abbau und sammelt sich in Meeresorganismen an. Die verschiedenen stabilen Schadstoffe verweilen über lange Zeiträume in den Bewässern und sammeln sich dort an. Sie erregen Krebs, rufen Mutationen hervor und verursachen Geburtsschäden. Dabei dürften auch noch zusammenwirkende Effekte auftreten.

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    Der vergiftete Boden   

 

Auch der Boden, die äußerste Erdkruste, ist Opfer unserer Technik und mit Zivilisationsprodukten belastet. Er steht mit der Luft und dem Wasser im Stoffaustausch, d.h., er nimmt Stoffe aus der Luft und dem Wasser auf, absorbiert sie und wirkt so als natürlicher Filter. Die Stoffe lassen sich im Boden meist abbauen und neutralisieren. Hinzu kommen aber heute vermehrt Stoffe, die nicht abbaufähig sind, da sich im Laufe der Evolution kein passender Destruent entwickelt hat. Sie reichern sich etwa bei der Düngung im Boden an, erreichen übermäßige Konzentrationen und können dann vom Boden nicht mehr gehalten werden. So dringen sie ins Grundwasser ein und verseuchen es. Diese Giftstoffe, wie beispielsweise Nitrat aus Dünger und Jauche, gelangen dann entweder direkt über das Trinkwasser oder indirekt über die pflanzliche Nahrung in den tierischen und menschlichen Organismus.

Der Saure Regen sammelt sich im Boden, versauert ihn und beeinflußt die Bodenorganismen. Selbst bei der Herausfilterung des Schwefeldioxides aus den Abgasen der Kohlenkraftwerke wird der aus den Entschwefelungs­prozessen sich ansammelnde Schlamm eine Umweltgefahr darstellen.

Besonders giftig sind Schwermetalle in größeren Konzentrationen. Dazu zählen Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber. Sie stammen vielfach aus Industrie- und Autoabgasen. So dienen Blei Verbindungen als Antiklopfmittel im Benzin und finden sich in den Abgasen der Kraftfahrzeuge wieder. Als solche sammeln sie sich in unerträglichen Konzentrationen an den Straßenrändern. Cadmium wird bei der Kohleverbrennung frei gesetzt. Es ist im Dünger enthalten, sowie Farben und Lacken beigemischt.

Reifen- und Bremsabrieb, Streusalz und Mineralöle sind weitere Schadstoffe, mit denen der Straßenverkehr den Boden belastet. Mineralöle wirken schon in kleinen Mengen und werden nur über Zeiträume von Jahrzehnten abgebaut.

Die Landwirtschaft und der Obstbau fügen dem Boden anorganische Düngemittel und chemische Bekämpfungs­mittel gegen Schädlinge, Pestizide, zu. Die Düngemittel enthalten im wesentlichen Phosphor, Kalium und gebundenen Stickstoff. Neben dem gewünschten Effekt, die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhöhen, bewirkt die erhöhte Zufuhr von Stickstoff die Reduzierung der organischen Bodensubstanzen, damit eine Verschlechterung des Bodens und die Freisetzung von Kohlendioxid in die Atmosphäre. Pestizide schädigen auch die Mikroorganismen im Boden, die als Destruenten wichtig für die organische Restezersetzung sind.

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Ungeeignete Bodenverhältnisse, Wasser minderer Qualität und ungeeignete Entwässerung, die lösliche Salze nicht abführt sondern durch Ansteigen des Grundwassers an die Oberfläche spült, bewirken bei hoher Verdunstungsrate die Versalzung des Bodens. Über 50% der künstlich bewässerten Fläche sind dadurch und durch Versumpfung geschädigt. Das führt zur Minderung der Erträge oder gar zur Aufgabe von bewässertem Land. Im Altertum gingen durch Versalzung der Böden die Zivilisationen in Mesopotamien und am Oberen Nil in Ägypten nieder. So war einst die Gegend am Zusammenfluß von Euphrat und Tigris bei Shatt-al-Arab, das Reich Sumer, durch künstliche Bewässerung mit dichten Dattelpalmen- und Zitrushainen bedeckt, bevor sie versalzten.

 

Zur Verunstaltung und Vergiftung des Bodens trägt in steigendem Maße der Müll der Konsumgesellschaft bei. Das ist einmal der Hausmüll, der neben den üblichen Küchenabfällen heute vorwiegend aus Verpackungs­materialien, Papier, Pappe, Plastik, besteht. Unserer fortschrittlichen Wegwerfmentalität entsprechend enthält er viele Dinge, die nicht mehr modern sind oder deren Ersatz bequemer und billiger ist als ihre Reparatur. So sammeln sich heute Mengen von Einwegflaschen, Dosen und anderen "nicht wiederverwendbaren" Gegenständen an. Zu diesem Wohlstandsmüll zählt auch der sog. Sperrmüll, ausgediente Möbel, Haushaltsgeräte und Autowracks. Dazu kommen schließlich Berge von Bauschutt und Abraummaterial, wie auch Klärschlamm aus der Abwasserreinigung.

Dieser Müll wurde lange Zeit unbedacht auf wilden Müllhalden abgelagert, wo er zu Schwelbränden führte und Staub, Rauch und üble Gerüche verursachte, weswegen solche Halden immer bald mit Erde zugedeckt wurden und überwucherten. Solche ehemaligen wilden Müllkippen, von denen es in der BRD allein etwa 50.000 geben soll, stellen ein akutes Problem dar. Wer weiß, wo sie sich befinden und was sie enthalten? Das Gleiche gilt für verseuchte Betriebsflächen von ehemaligen Gaswerken und Kokereien, die ihre Rückstände einfach in Erdgruben ohne Abdichtungen ablagerten. Die in ihnen enthaltenen Gifte werden mit der Zeit in den Boden geschwemmt und gelangen schließlich ins Grundwasser, das sie verseuchen.

Heute sind wir vielfach einsichtiger und vorsichtiger geworden: Wir ermöglichen die Absonderung giftiger Stoffe als Sondermüll und führen sie einer Sonderablagerung zu. Aber auch andere Stoffe wie Papier, Glas und Metall werden vielfach schon getrennt gesammelt und der Wiederverwendung als Rohstoff zugeführt, wie auch Küchen- und Gartenabfälle zu Humus verkompostiert. Die verbleibenden, dennoch stetig zunehmenden, vielfach unverrottbaren Abfälle werden in Müllverbrennungsanlagen verbrannt oder auf geordneten, vom Grundwasser isolierten Mülldeponien abgelagert. Die Müllverbrennung mag eine wirksame Weise der Müllbeseitigung sein, bei der sogar Heizwärme abfällt, sie ist jedoch teuer und belastet wiederum die Luft.

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Immer dringender wird die Frage nach der Verarbeitung des radioaktiven Mülls, seiner Wiederaufbereitung bzw. seiner Endlagerung. Äußerste Sicherheitsmaßnahmen sind hier nötig, um die strahlenden Endprodukte für lange Zeiten unschädlich aufzubewahren, daß sie nicht ungewollt, aber auch nicht gewollt, Unfälle verursachen und Tausende oder gar Millionen von Menschen-, Tier- und Pflanzenleben gefährden.

Die Vergiftung des Bodens schmälert schließlich die landwirtschaftlichen Erträge und wirkt sich negativ auf die Hygiene des Grundwassers aus.

 

     Die vergeudete Energie   

 

Energie ist Grundlage alles Lebens und Wirkens. Während die Natur auf der Erde mit der zugestrahlten Sonnen­energie auskommt, diese zum Teil sogar noch speichern konnte, genügte das unserer Zivilisation bei weitem nicht. Die Menschen sahen sich daher seit Menschengedenken nach weiteren Energiequellen um.

Als natürlichste Energiequelle bot sich schon immer Holz an. Es spielt in den unterentwickelten Ländern auch heute noch eine Hauptrolle. Für Holzkohle und Brennholz zum Kochen und Heizen aber auch für Bretter und Balken zum Bauen werden jährlich riesige Waldflächen abgeholzt. Der ehemalige Waldreichtum der Erde wird bei einem Waldverlust von jährlich etwa 300.000 qkm bald zu Waldarmut. Die unterentwickelten Länder holzen alles ab, was zugänglich ist. Dabei verzichten sie schon auf jegliche Wohlstandsprodukte aus Holz, wie beispielsweise Papier. Der Holzmangel macht sich auch dadurch bemerkbar, daß mehr Geld und Zeit zur Beschaffung von Holz geopfert wird und der Wohlstand dabei nur schwindet. Aus Mangel an Holz werden vielfach Viehdung und Ernterückstände verheizt, sie also dem Boden vorenthalten, so daß damit dessen Fruchtbarkeit sinkt.

 

Nun erschöpfen wir aber auch die von der Natur angelegten reichen fossilen Energielager. Was die Natur seit etwa 350 Millionen Jahren an fossiler Energie in Form von Kohle, Erdöl und Erdgas gespeichert hat, wird von uns Menschen in weniger als 1000 Jahren großzügig, sorglos und verschwenderisch aufgebraucht. Die Vorräte sind begrenzt, ihre Erschließung und ihr Abbau werden immer schwieriger. Dabei dient vor allem das Erdöl auch noch der Herstellung vieler Kunststoffprodukte, die manche früher natürlich hergestellten Erzeugnisse ersetzen und aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken sind. Daher ist die einfache Verbrennung von Kohle und Öl zu Kohlendioxid zur Gewinnung von Energie bei geringem Nutzungsgrad und unter Erzeugung schädlicher Nebenprodukte eine unverantwortliche Vergeudung kostbarer Rohstoffe. Jeder andere Verwendungszweck des Erdöls wäre wichtiger als derjenige, mit geringer Ausbeute als Kraftstoff für den privaten Autoverkehr zu dienen.

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Zur Zeit verdoppelt sich etwa alle 10 Jahre der Energiebedarf auf der Erde. Unsere hochtechnisierte Zivilisation verbraucht immer mehr Energie» in den immer reicher instrumentierten Haushalten, dem immer größeren motorisierten Verkehr und der sich immer weiter ausbreitenden Industrie, wie auch der energieintensiven Landwirtschaft. In der Bauindustrie verwenden wir immer teurere Materialien. So verschlingt, beispielsweise die Herstellung von Aluminium als Baustoff 15 mal mehr Energie als diejenige von Stahl und sogar 150 mal mehr als die von Holz. Auch zur Erzeugung synthetischer Textilien sind große Energiemengen nötig, während natürliche Fasern nur die Sonne brauchen.

Der Bedarf hängt für die einzelnen Länder stark vom Grad ihrer Industrialisierung ab. Ein US-Amerikaner braucht beispielsweise pro Jahr ein Energieäquivalent von etwa 10t Kohle, das ist doppelt soviel Energie wie ein Deutscher und etwa 60 mal soviel wie ein Inder oder 120 mal soviel wie ein Nigerianer. Und auf die USA, die nur 6% der Erdbevölkerung ausmachen, entfallen daher allein 30% des Gesamtenergieverbrauchs.

Billige Energie in scheinbarem Überfluß, etwa in Form des nur so aus dem Boden sprudelndem Erdöls, verleitete unsere Industriegesellschaft zu Energie- statt arbeitsintensiven Arbeitsmethoden, so in der Landwirtschaft, zum Bau schlechtisolierter Gebäude mit energieverzehrenden Einrichtungen wie etwa Klimaanlagen, zur Herstellung immer größerer und leistungsfähigerer, dabei aber Benzin nur so schluckender Kraftfahrzeuge, die sich viele Menschen leisten können und die diese zu Kilometerfressern werden lassen. Schließlich verdrängten aus Erdöl hergestellte Kunststoffe und Kunstfasern weitgehend natürliches Holz, Wolle und Baumwolle.

Durch schlechte Nutzung, geringe Wirkungsgrade, gehen in der Industrie etwa 45% der angebotenen Energie verloren, in den Haushalten etwa 55% und im Verkehr sogar bis zu 85%. Im Durchschnitt sind das rund 65%. Die Verluste treten sowohl bei der Gewinnung, als auch beim Verbrauch auf. Ganz allgemein ist der Wirkungsgrad bei der Umwandlung von Kohle oder Öl in elektrische Energie nur 30-35%.

Mit ein Grund für die Energieverschwendung ist einmal das marktwirtschaftliche Streben der Energie­versorgungs­unternehmen, möglichst viel Strom zu erzeugen und zu verkaufen. Darüber hinaus werden aber durch staatliche Subventionen auch solange Kraftwerke gebaut, bis bedeutende Überkapazitäten entstehen, die dann geradezu zur Verschwendung zwingen.

Während einem natürlichen Ökosystem die von der Sonne zugestrahlte Energie zur Aufrechterhaltung seiner Vorgänge genügt, bedarf der moderne voll technisierte Ackerbau eines zusätzlich hohen Energieaufwandes für seine unnatürlichen Monokulturen. 

Dabei werden etwa die Hälfte für Benzin bei der Bodenbearbeitung, beim Düngen und Säen, bei der Schädlings­bekämpfung und beim Ernten, ein Drittel zur Erzeugung von chemischen Dünge- und Bekämpfungsmitteln, der Rest zur Herstellung von Maschinen und anderer Geräte gebraucht. 

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Die Landwirtschaft in den USA hat so einen Energieverbrauch von, bezogen auf Erdöl, jährlich etwa 1000 Liter zur Bearbeitung eines Hektars Land. Dabei erreichen die USA eine Ausbeute von durchschnittlich nur der Hälfte (0,5), d.h. sie bringen doppelt soviel Energie auf, wie sie solche in Form landwirtschaftlicher Produkte gewinnen. Das ist nur möglich durch den Einsatz billigen, ja fast geschenkten Erdöls. Hinzu kommt in den USA jedoch noch der dreifache Betrag für Zubereitung, Veredelung, Verpackung und Verteilung der Nahrung. Nur ein Bruchteil der aufgebrauchten Energie findet sich daher schließlich in den Nahrungsmitteln wieder. Übrigens soll der landwirtschaftliche Energieaufwand in der BRD den der USA pro Flächeneinheit noch um einen Faktor über 2 übertreffen.

In Indien wird bei gleicher Fläche dagegen nur das Äquivalent von etwa 75 Liter Erdöl benötigt, wobei aber ein Ausbeutefaktor 16 erzielt wird. Braucht die vorindustrielle Landwirtschaft je Flächeneinheit eine bestimmte Energiemenge und erzielt dabei einen bestimmten Ertrag, so wendet die hochtechnisierte Landwirtschaft für die gleiche Fläche etwa die tausendfache Energiemenge auf und erzielt nur etwa das dreifache. Die Einsatz-Ertragsentwicklung kann an der Reiserzeugung verdeutlicht werden, die eine typische Sättigungskurve darstellt (Abb.7). Durch weiter erhöhten Energieeinsatz ist für die industrielle Produktionsweise keine Ertragssteigerung mehr zu erzielen ist.

 

Abb.7: Einsatz-Ertrags-Entwicklung der Reiserzeugung

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Unsere Zivilisation hat somit einen enormen Bedarf an Energie entwickelt. Den heutigen Betrag des welt­weiten, jährlichen Energieverbrauch, eines wichtigen Maßes für unseren Lebensstandard, zeigt die folgende Tabelle in 1000 kWh pro Kopf:

 

Gesamt

USA

100

Übrige Industrieländer

40

Ostblockländer

20

Unterentwickelte Länder

3

Gesamte Welt

20

Jeglicher Energieverbrauch erzeugt Wärme, die letztendlich von der Erde abgestrahlt wird und somit verloren geht. Mit dem Einsatz zusätzlicher Energienformen, etwa der Verbrennung fossiler Energieträger, erreichen wir nur eine Aufheizung unseres Planeten, was sich schließlich in Klimaänderungen auswirken muß. Solche machen sich in Großstädten bereits lokal bemerkbar.

In letzter Zeit hat man, veranlaßt durch die Ölkrise des Jahres 1973, zwar Anstrengungen unternommen, den Energieverbrauch zu reduzieren. Man mag sogar gewisse Erfolge dabei erzielt haben, indem man unnötig verbrauchten elektrischen Strom etwa für überflüssige Beleuchtung einsparen konnte. Ein grundsätzlicher Wandel ist jedoch nicht eingetreten, da man sich mit der Zeit an die erhöhten Energiepreise gewöhnt hat.

  

 

Zusammenfassung 5  

  1. Unsere Technik zerstört die Erdoberfläche, indem sie mit modernen landwirtschaftlichen Methoden natürliche Landschaften in weitflächige, monotone, aber ertragreiche Fluren überführt. Zudem überzieht sie das Land mit ausgedehnten Wohnsiedlungen, Industrieanlagen, Verkehrsflächen und Feriengebieten und macht es für viele Lebewesen unbewohnbar.

  2. Unsere Technik verunreinigt die Luft mit Abgasen aus Industrieanlagen, Verkehr und Hausbrand. Smog und Saurer Regen sind dabei die übelsten Folgen, die nicht nur der menschlichen Gesundheit sondern der ganzen Natur schaden.

  3. Unsere Technik verschmutzt das Wasser von Seen, Flüssen und vom Meer. Abwässer und Abwärme stören die Ökosystem der Gewässer und bringen sie zum Umkippen, so daß viele Fische sterben und wir uns einer bisher reichen Nahrungsquelle berauben.

  4. Unsere Technik vergiftet den Boden mit chemischen Dünge- und Vertilgungsmitteln und anderen Industrie­erzeugnissen. In steigendem Maße trägt auch unser Müll dazu bei, insbesondere in vielen in der Vergangenheit zugeschütteten Müllkippen.

  5. Unsere Technik vergeudet Energie in unbeschreiblichem Maße. Das nur so aus dem Boden sprudelnde Öl und Erdgas verführen die Industrieländer zu einem Lebensstandard von unverantwortlicher Verschwendungs­sucht.

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 Max Albert  1987  Kritik an der vermeintlichen Vernunft