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9  Die Kommunikation in der Gesellschaft  -  Die Medien

 

 

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Durch die Besuche der chinesischen und der sowjetischen Delegation in unserem Lande wurden einige wichtige Probleme aufs Tapet gebracht, wie das der gesellschaftlichen Kommunikation überhaupt, der Informationsfreiheit und der Rolle, die Funk, Fernsehen und Presse in der Neuen Ära spielten.

Die Kommission für gesellschaftliche Kommunikation stand unter der Leitung von Eduarde Cantón, einer der Personen, die dem Präsidenten sehr nahestanden und die die von uns durchgeführte soziale Reform am stärksten mitgetragen hatten. Eduardo, Mercedes und ich waren zweifellos die Vertrauensleute Martins und seine nächsten Berater. Die Kommission für Soziale Kommunikation, wie sie nach vielen Diskussionen offiziell benannt wurde, hatte denn auch eine sehr große Bedeutung für das Land und seine neue Gesellschaftsform.

Obwohl die Kommunikationswissenschaft Elemente der Soziologie, der Psychologie, der Informations- und sogar der Systemtheorie enthält, ist sie doch eine eigene Disziplin mit eigenem Arbeitsfeld und eigener Methodologie. "Für diese Wissenschaft und ihre Anwendungen kann die verhaltenspsychologische Basis der Neuen Ära unserer Geschichte sehr wichtig sein", hatte Eduardo in einem vorläufigen Papier erklärt, das als eine Arbeitsgrundlage dem Präsidenten zugeleitet wurde.

Das erste, was die Kommunikations-Kommission in Angriff nahm, war eine Inhaltsanalyse des Materials, das die Zeitungen in den letzten Monaten vor Beginn der Neuen Ära veröffentlicht hatten. Man analysierte regierungsfreundliche und regierungsfeindliche Zeitungen, seriöse Blätter und seichte der "Regenbogenpresse". Man untersuchte auch den Inhalt von Rundfunk- und Fernsehsendungen und ebenso andere wichtige Medien, wie Romane, Schlager, Werbung und so weiter. 

Dies sollte die Basis sein für eine gründliche Reform der Massenmedien.

Die Ergebnisse dieser Analyse waren fürchterlich, dramatisch, ergaben ein deprimierendes Bild. Presse, Rundfunk und Fernsehen übermittelten vor allem sensationelle Nachrichten von Verbrechen, Gewalt, Terror, Botschaften, in denen die Sexualität überbetont wurde und in denen die Frau nur ein Lust- und Verführungsobjekt für den Mann war. Die Werbung war ebenso primitiv wie stumpfsinnig, mit dem einzigen Ziel, in das Gedächtnis der Rezipienten lächerliche Botschaften einzuhämmern — über das beste Shampoo, über einen Laden, der höchst überflüssige Sachen zu dumping-Preisen zu verkaufen vorgibt, über die beste Möglichkeit, mit achtzig Jahren noch eine rosige Babyhaut zu besitzen und ähnlichen Unsinn mehr. 

Die Schlager waren besonders läppisch, meist ohne jede Aussage, mit Ausnahme der Mitteilung, daß eine Frau ihren Mann verläßt, um zu einem anderen zu gehen. Gerade diese Botschaft vom Verlassenwerden und von der Einsamkeit wurde in den Liedern tausendmal wiederholt, während es doch in Wirklichkeit, zumindest in unserem lateinamerikanischen Kulturkreis, so ist, daß der Mann die Frau verläßt (jedenfalls in den allermeisten Fällen) und nicht umgekehrt.

"Es ist schon reichlich kurios, daß alle Schlager dasselbe Thema behandeln", meinte Eduardo. "Es ist immer das gleiche: Sie geht weg und läßt ihn einsam und verlassen zurück. ,Sag' ihr, daß sie zurückkommen soll, daß sie zurückkommen soll, daß die Zeit vergeht und das Leben weitergeht ...' — das etwa ist die Synthese der Botschaften aus den Schlagern. Und das ist praktisch in allen Ländern so. Ob in Argentinien, Mexico, Spanien, Venezuela — die Lieder sagen überall dasselbe aus. Das ist doch wirklich merkwürdig, nicht?"

"Wolltest du denn nicht auch mal Sänger werden ...?" fragte ich ihn etwas boshaft.

"Na ja, mein Lieber, eigentlich gehört das nicht hierher", antwortete er. "Aber, es stimmt, ich wollte tatsächlich mal Sänger werden und ich habe sogar ein paar bescheidene Platten aufgenommen. Das war gar nicht so einfach, weil es eine Menge Konkurrenz gab. Außerdem interessierten mich eher tiefgründige, philosophische Themen, und nicht die primitiven, öden Schlager. Ich wäre nie ein erfolgreicher Sänger geworden, wegen meiner Persönlichkeit, meiner Einstellungen. Deshalb habe ich dann auch Ingenieurwesen studiert und ein Zusatzstudium in den Vereinigten Staaten absolviert."

"Aber es gibt natürlich auch Sänger, die etwas auszusagen haben, die politische Texte bringen und das mit recht viel Erfolg. Zum Beispiel Joan Baez, die man nach vielen Jahren immer noch gern hört. Oder denkt an Violeta Parra und andere ,seriöse' Interpreten", meinte Mercedes.

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Währenddessen saßen wir Kaffee trinkend in meinem Büro, entspannten uns ein wenig von der Arbeit dieses Tages und diskutierten die Aufgaben, für die die Kommission für Gesellschaftliche Kommunikation zuständig war.

"Hast du schon etwas davon gehört, daß ,ein Lied jemals den Krieg beenden könnte'? Das finde ich richtig, so ist's wirklich", sagte ich.

"Deshalb muß man ,singen, nur um des Singens willen, und ohne einen Grund zur Sorge'. Aber man darf nicht, mal ganz im Ernst, den Menschen mit diesen simplen, monotonen, absurden und realitätsfernen Botschaften den Kopf vollstopfen. Diese Lieder schaden, sie nehmen im Rundfunk viel Raum ein und sie nehmen in den Köpfen der Leute viel Platz ein. Ich hab' mal gelesen, daß der ,Kopf, der Geist des Menschen nicht mehr ist als sein Inhalt. Beim modernen Menschen wie bei Ibsens Peer Gynt ist die Persönlichkeit wie eine Zwiebel. Wenn man die Häute abnimmt, entdeckt man, daß nichts darunter ist. Die Zwiebelhäute sind die Dinge, die jemand liest oder von denen er hört, Dinge, die ihm jemand gezeigt hat, sind die Erwartungen, die andere an ihn stellen, sind das, was jemand denkt, daß die anderen denken... Kurzum, was ist der Mensch? Ein Nichts, genauso ein Nichts wie Peer Gynt, wie eine Zwiebel."

",Meine Seele ist nicht mehr als ihr Inhalt, ihre Vorstellungen', heißt es bei Hume", bemerkte Mercedes.

"Wenn es so ist, müssen wir auf diesen Inhalt sehr aufpassen. Die Köpfe der Menschen sind mit Nachrichten über sensationelle Verbrechen und sexuellen Phantasien von unerreichbaren Super-Frauen vollgestopft... mit ein paar widerlich süßen Melodien, die man unreflektiert vor sich hinsummt, wenn man alleine ist, mit Propaganda von Sachen, die man sich entweder nicht leisten kann oder die man in Wirklichkeit gar nicht braucht. Was müssen unsere Bauern in den Zeitungen für Nachrichten lesen? Über Urlaubsreisen nach Europa im Frühling, über die geschickte Anlage von Centavos, durch die man Millionen von Dollars verdient und über Mörder und Attentäter, die einen Minister entführten, ihn folterten und ermordeten, obwohl man ihnen ein Lösegeld bot, wobei die Polizei niemals fähig ist, die Verbrecher zu erwischen. Das ist es doch, was Presse, Radio, Fernsehen bringen. Und das müssen wir ändern, mit Hilfe unserer Wissenschaft."

"Die ,Grundrate', die Basis hast du damit schon formuliert. Jetzt mußt du allerdings noch einen ,Behandlungsplan' entwerfen und durchführen. Ich beneide dich absolut nicht um diese Aufgabe, Junge! Das wird keine leichte Sache!"

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Der <Mann von der Straße> wunderte sich ziemlich, als das Radio plötzlich anfing, Sendungen über Gesundheit, Erziehung und bessere Lebensführung zu bringen. Plötzlich hörte er anstelle des üblichen Versprechens vom "besten Shampoo der Welt" eine Empfehlung mit dem Inhalt, die Eltern sollten immer wieder mit ihren Kindern reden, sollten ihnen zuhören und versuchen, ihre Freunde zu sein, und daß man so das Problem des Generationen­konflikts lösen könnte.

Andere Sendungen, 'Botschaften', befaßten sich mit den ansteckenden Krankheiten (einschließlich der Geschlechtskrankheiten), wie man sie feststellt und ihre Verbreitung verhindert. Es wurden detaillierte und einfach formulierte Informationen über biologische Tatbestände gegeben und darüber, wie man sie in den Griff bekommt; man beschrieb Symptome und Ursachen von Krankheiten (soweit sie bekannt waren) und gab die Adressen der städtischen Behandlungszentren an. (Wobei auch nicht versäumt wurde, darauf hinzuweisen, daß alle Behandlung kostenlos war.)

An anderer Stelle sprach man über die Arbeit und ihren Stellenwert für das Verhalten des Menschen. Man stellte zum Beispiel heraus, daß die Arbeit und die Liebe als die zwei Grundpfeiler des menschlichen Lebens betrachtet worden sind, daß aber viel mehr über die Liebe gesagt wurde als über die Arbeit. Dabei sei es für den Menschen ein Grundbedürfnis, aktiv zu sein, nützlich zu sein und einmal gesteckte Ziele zu verwirklichen. Jeder müsse die Beschäftigung bekommen, die ihn zufriedenstelle, die es ihm ermögliche, sich als menschliches Wesen zu verwirklichen. (Dafür gab es dann Orientierungs- und Beratungszentren in der Stadt, deren Adressen auch mitgeteilt wurden.) Arbeit müsse einen Sinn haben, attraktiv sein und auf die Erfüllung intrinsischer Motivationen ausgerichtet sein. Man dürfe nicht nur ausschließlich des Geldes wegen arbeiten, weil dies eine einseitige, verkürzte Lebensauffassung sei.

Anfangs wunderten sich die Leute über diese Botschaften, aber dann begannen sie, sie ernst zu nehmen. Es gab Informationen zur körperlichen und geistigen Gesundheit, zum Thema Ordnung und Disziplin, zu Unterhaltung und Zeitvertreib. Für die Regierung (insbesondere ihre Kommission für Erholung) waren Freizeit und Sport sehr wichtig. Aber Eduardo machte mit Nachdruck klar, weshalb die Kommunikations-Kommission keine Propaganda für die Regierung betreiben sollte: Wenn die Neue Ära alle Dinge so wunderbar toll geraten ließ, wie wir es alle behaupteten, welche Notwendigkeit bestand dann, Propaganda zu betreiben? Die Errungenschaften sprachen doch für sich!

Außer den Informationen erzieherischen Charakters brachten Radio und Fernsehen auch Musik, Reiseprogramme, geschichtliche Sendungen, Theaterstücke und Romane, aber alle mit einer Aussage, einer Botschaft.

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Die Verantwortlichkeit für Radio- und Fernsehprogramme lag bei der "Regierungsabteilung für Permanente Erziehung". Ihr ging es darum, die Werte und Ideale unseres Landes und die Lateinamerikas zu betonen, ohne sie jedoch isoliert darzustellen. (Es galt vielmehr, alle Anstrengungen zu unternehmen, unsere Werte zu integrieren, sie einzubeziehen in die universelle Kultur.) Man brachte auch die literarischen Werke der Autoren unserer Nation — leider gab es nicht allzu viele — und versuchte, ihre Bedeutung für unser Wertsystem herauszustellen.

Die "traditionellen" Lieder, das heißt die romantischen Schlager, die vor der Neuen Ära stundenlang im Radio zu hören gewesen waren, wurden auf zehn Prozent der Zeit reduziert. Um aber dem verbreiteten Wunsch nach dieser Art von Melodien nachzukommen, wurden Verträge mit einer Gruppe von Komponisten geschlossen, die Lieder mit 'Botschaften' — mit Aussagen zu gesellschaftlichen, philosophischen, psychologischen Themen — schreiben und dabei die nationalen Werte und die Bedeutung der Neuen Ära hervorheben sollten. Ein neues Lied handelte zum Beispiel von den armen Bauern, die hoffnungsvoll in die Stadt ziehen, dort aber Hungers sterben oder als Bettler oder Verbrecher ihr Leben fristen, dann aber schließlich aufs Land zurückkehren, nachdem die Bedingungen dort besser geworden sind. Ein anderes neues Lied erzählte die Geschichte einer Frau namens Dolores, die in einem Elendsviertel geboren wurde, später Bettlerin und Blumenverkäuferin wurde und es doch schaffte, Lehrerin zu werden. Man versuchte immer wieder zu zeigen, daß ein Mensch lieber seine Lebensbedingungen verbessern sollte, anstatt nur seine persönliche Tragödie zu bedauern und das schlimme Schicksal, das ihn getroffen hatte, anzuklagen.

"Maria bittet in der Kathedrale um Almosen...", trällerte eines Abends Mercedes, als ich in ihr Haus trat, ohne vorher angeklopft zu haben, "... Maria, Maria, ave Maria, Maria..." — "Mädchen, das ist gar nicht gut! Du sabotierst unsere Rundfunk- und Fernseh-Reform! Ich muß dich daran erinnern, daß wir jetzt Optimisten sind und in einer Neuen Ära leben!"

"David, alter Junge! Wie geht's dir? Dir geht's ganz gut, wie man sieht, kein Wunder, du kannst dir einen schönen Lenz machen als Schoßhund des Präsidenten. — Gefällt dir das Lied etwa nicht? Ich glaube sogar, es stammt aus der Neuen Ära, aber ich bin mir nicht sicher. Wie läuft denn so alles? Hast du übrigens schon das neue Theater und Kulturzentrum besucht? Wir sollten mal zusammen hingehen. In ein paar Wochen wird wohl der wichtigste Saal eröffnet werden, mit einem wirklich gigantischen Propaganda-Schauspiel, es heißt ,Erfahrung der Neuen Ära'."

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"Ja, Eduarde hat mir davon erzählt. Dieses Schauspiel beschreibt die Geschichte unseres Volkes, seit der Zeit, als die ersten Ureinwohner nach Panama kamen, die Kultur der Eingeborenen, der Indianer, die Ankunft der Spanier, das Eintreffen der Negersklaven, die Unabhängigkeit und so fort. Aber der größte Teil des Schauspiels ist den Errungenschaften der neuen Regierung gewidmet, ihren Programmen zur Beseitigung des Analphabetentums und der Arbeitslosigkeit, des Elends und des Hasses unter den Menschen. Es wird auch etwas über die Programme zur Reform der Familie, der Kindererziehung, der Arbeit und des Kalenders gesagt. 

Das alles geschieht mittels simultan projizierter Filme, mit Diapositiven, Licht- und Ton-Spielen und einer Anzahl fantastischer Spezialeffekte, um die uns jeder Filmproduzent in den Vereinigten Staaten beneiden würde. Ich glaube, Eduardo hat sich dabei von den Schauspielen einer Gruppe namens ,London Experience' aus London anregen lassen, allerdings hat er die Technik sehr verbessert und alles in seinem Programm darauf ausgerichtet, Propaganda für unsere gesellschaftlichen und psychologischen Reformen zu machen. Eduardo natürlich sagt, daß seine Sache mit .London Experience' nichts zu tun hat und daß sein Schauspiel für nichts und für niemanden Propaganda betreiben wolle — ihm gehe es einzig darum, die Errungenschaften der Neuen Ära vorzuführen."

"Wie bescheiden und maßvoll! Jedenfalls möchte ich mir diese ,Erfahrung der Neuen Ära' ansehen."

"Natürlich. Es gibt jetzt so viele ausländische Besucher, die in unser Land kommen und wollen, daß man ihnen alles zeigt — die Kliniken und die Schulen, die Bauern-Kommunen, die Schulen für Ersatzmütter, die Leute, wie sie während der letzten Tage im Jahr meditieren... Das ist allmählich ein ganz schön hartes Stückchen Arbeit, Mercedes. Ich verliere viel Zeit damit, den Touristenführer zu spielen, nachdem wir so bedeutende Zeitgenossen geworden sind und unsere Revolution in aller Welt beachtet und beobachtet wird. V

or kurzem hat sogar die Zeitschrift Time ein Interview mit unserem Herrn Präsidenten gemacht und eine Menge Fotos geschossen. Ich hoffe nur, daß dabei ein guter Bericht herauskommt, ohne viel Hinzufügungen und ohne viel Interpretationen: Time ist schließlich eine seriöse Zeitschrift. Martin strahlte übers ganze Gesicht, als er mir erzählte, daß er für eine so angesehene Publikation interviewt worden war. Ich schluckte meinen Ärger hinunter, als ich an seine messianischen und hochtrabenden Aussprüche dachte, die die nordamerikanischen Journalisten sicherlich nicht verstanden hatten und die ihrer Art zu denken wohl kaum entgegenkamen. Wie dem auch sei, heute jedenfalls spricht man von der Neuen Ära überall mit einer gewissen Achtung, wenngleich wir auch mehr Feinde als Freunde haben. 

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Die Popularität der Neuen Ära hat viele Leute nach Panama gezogen, aber jetzt, wo wir das große 'Erfahrungs-'Spektakel von Eduardo — also die 'Erfahrung der Neuen Ära' — haben, können wir die Besucher einfach dorthin schicken, anstatt sie selbst auf Besichtigungen zu führen."

Ein sehr schwieriges, ernstes Problem der Kommunikations-Reform betraf die Beziehung zur "Fakten-Information". Wie früher kamen die Nachrichten der internationalen Agenturen per Kabel nach Panama, Nachrichten, die sich mit den Reisen des Präsidenten der Vereinigten Staaten befaßten, den Konflikten zwischen Arabern und Juden im Nahen Osten, Erdbeben in Japan, mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Fortschritten, die hier oder dort vermeldet wurden. 

Ich persönlich befürwortete, daß unsere Zeitungen und genauso Rundfunk und Fernsehen alles wahrheitsgemäß und ohne Verzug weitergaben. Damit aber war die Kommission nicht einverstanden. Jede Einzel-Information mußte geprüft werden, bevor ihre Weiterverbreitung erlaubt wurde. Das erschien mir sehr bedenklich, gefährlich, aber andererseits war die <Falschinformation> (nach Ansicht der Kommunikationsexperten) noch gefährlicher. Ich dagegen hatte immer gedacht, je mehr Informationen es gebe, um so besser ...

Aus dem Ausland bekam ich Zeitschriften, psychologische und andere. Seit langer Zeit war ich nicht mehr gereist. Da ich die letzten Jahre voll der neuen Regierung gewidmet hatte, war es mir einfach nicht möglich gewesen. Ich mußte bei so vielen Dingen dabei sein, daß die Außenwelt ziemlich an Bedeutung verloren hatte. 

Aber beim Durchlesen der ausländischen Zeitschriften kam ich immer mehr zu der Überzeugung, daß es notwendig und wichtig ist, über alles informiert zu sein, all das zu wissen, was draußen passiert. Informiert zu sein, sich informiert zu fühlen, ist ein psychisches Bedürfnis, das genauso wie andere Bedürfnisse — zu essen, gesund zu sein — etwas so Grundsätzliches ist, daß wir einen Anspruch darauf haben, es respektiert zu wissen. Es ist dies das Grundrecht auf Information oder Informationsfreiheit, auf Pressefreiheit. Niemand durfte die Information zurückbehalten oder "säubern". In diesem Punkt war die neue Regierung im Irrtum, und zum ersten Mal stimmte ich nicht mit dem Präsidenten und seinen Beratern überein.

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