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Alain Badiou

Utopischer Denker in Paris, Mathematiker

"Provisorische Moral"

Die kommunistische Hypothese

Die Idee des Kommunismus

Ist Politik denkbar?

Audio 2011 dlf  zu Ist Politik denkbar?

Audio 2017 dlf  zu Trumps Amerika

wikipedia.Autor  *1937 

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(aus wikipedia-2012) 

Alain Badiou (* 17. Januar 1937 in Rabat) ist ein französischsprachiger, marxistisch bzw. kommunistisch orientierter Philosoph und Romancier. Er ist Professor und Direktor des Institutes für Philosophie an der <École normale supérieure> in Paris. 

Seine politischen Aktivitäten drücken sich in der von ihm 1985 mitbegründeten, aus Teilen der <Union des communistes de France marxiste-léniniste> (UCFML) hervorgegangenen <Organisation politique> aus, einer Bürgerrechtsorganisation, die sich insbesondere mit Themen wie Einwanderungspolitik, Asylrecht, Arbeit und Gewerkschaften beschäftigt. 

Alain Badiou war lange einer der führenden Köpfe des französischen Maoismus. 

1982 veröffentlichte Badiou <Théorie du sujet>. In dem Buch suchte er nach Verbindungen zwischen Politik und Philosophie. Er konstatierte aber später, dass dem Buch "kein öffentlicher Erfolg“ beschieden war. Es war jedoch Anlass für Philippe Lacoue und Jean Nancy, ihn zu zwei Sitzungen in einem Seminar an der <École normale supérieure> einzuladen, was Badiou als "Beginn des sehr langen Weges, der zwanzig Jahre dauern sollte, um mich aus der einsamen Anonymität herauszuführen“ empfand. 

Das Seminarthema war <Der Rückzug des Politischen>. Auf Grundlage der Seminarsitzungen erschien das Buch <Ist Politik denkbar?>, das jedoch nach Aussage Badious "kaum mehr Erfolg“ als <Théorie du sujet> hatte.  

 

 

Alain Badiou: Lob der Liebe - Warum die Liebe bedroht ist

Passagen-Verlag 2011, 89 Seiten

Der größte Feind der Liebe ist der Egoismus: Der französische Philosoph Alain Badiou räsoniert über zwischenmenschliche Gefühle - und befreit nebenbei den Begriff der Treue von allem ideologischen Ballast.

"Liebe - garantiert": Auf diesen Zusammenhang lassen sich die meisten Anzeigen einschlägiger Partnerschaftsvermittlungen reduzieren. Dass solche Versprechungen unhaltbar sind, ist fast schon ein Allgemeinplatz, aber selten hat jemand so elegant und entschlossen die Liebe als Treue zum Zufall der ersten Begegnung verteidigt wie der französische Philosoph Alain Badiou. In seinem neuen Buch "Lob der Liebe" antwortet er auf die klugen Fragen des Philosophen Nicolas Truong; die sechs Kapitel des schmalen Bandes sind die bearbeitete Abschrift eines Gesprächs, das 2008 im Rahmen eines Theaterfestivals stattfand.

Badiou beginnt seine Ausführungen mit der These, dass die Liebe bedroht sei - nicht nur vom Sicherheitsdenken, für das er eine herrlich punktgenaue Verachtung hat, sondern auch von ihrer Entwertung als bloße Spielart hedonistischen Genießens. Dem stellt der Autor die Liebe als Ereignis entgegen, das den Liebenden lehrt, "dass man die Welt vom Unterschied aus erfahren kann, und nicht nur von der Identität aus". Dieser Austausch geht über das geteilte Genießen hinaus, er ist der Anfang einer "Bühne der Zwei", die entsteht, wenn der andere "mit seinem Sein bewaffnet in mein Leben getreten ist und es damit zerbrochen und neu zusammengesetzt hat".

Mit dieser Bühne der Zwei, die sowohl im Annehmen als auch im Aushalten der Unterschiedlichkeit der Liebenden besteht, wendet sich Badiou explizit gegen die "Rache des Einen" - verstanden als Umlenkung der Liebe der zwei auf einen christlichen Gott oder gar die erstickende Verschmelzung der Liebenden zu einem sprachlosen Wir. Ihm geht es um eine andere Art von Universalität, denn "jede Liebe bietet eine neue Wahrheitserfahrung darüber an, was es bedeutet, zu zweit und nicht einer zu sein".

Das führt Badiou zu Fragen der Dauer, und zu einer immer wieder zu leistenden Liebeserklärung: "Ich werde aus dem, was ein Zufall war, etwas anderes machen. Ich werde daraus eine Dauer, eine Hartnäckigkeit, eine Verpflichtung, eine Treue machen." Dieser Begriff von Treue ist von allem ideologischen Ballast befreit und im radikalen Sinn persönlich, gerichtet auf ein einmaliges Du. So entwirft sich die Liebe als Entscheidung für eine Welt, die vom Unterschied aus erfahren wird - während die Liebenden die immer gleichen Punkte passieren: Kinder, Reisen, Freunde, Ausgehen, Krankheit, Ferien usw. Dabei muss die erste Liebeserklärung von jedem Punkt aus neu formuliert werden. Badiou scheut sich nicht, das Wort "mühsam" auszusprechen und benennt im gleichen Atemzug den größten Feind der Liebe: den Egoismus, verstanden als Identitätshunger des einzelnen Ichs.

Hier spricht ein Liebender, einer, der gelebt und gewagt und gelitten hat und dessen unaufdringliche Weisheit lange nachhallt. An einer Stelle sagt Badiou: "Es gab Dramen, Zerfleischungen und Ungewissheiten, aber ich habe niemals mehr eine Liebe verlassen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diejenigen, die ich geliebt habe, auf ewig geliebt habe und noch liebe." Man möchte ihm glauben. Und es ihm gleichtun.

Besprochen von Ariadne von Schirach

dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1514899/ 

RADIOFEUILLETON: KRITIK

28.07.2011

 

          

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