Rudolf Bahro

"Ich werde meinen Weg fortsetzen"

Eine Dokumentation (Sammlung)

1977 by EVA Köln # Lektorat: Günther Heyder  #  Herstellung: Heinz Biermann # Umschlag: Heinz A. Bauer #  Printed in Germany 1977  #  ISBN 3-434-00366-5  

 

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1977+1979  

111 Seiten

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detopia: 
Rudi Dutschke  

 

Inhalt 

Einführung (7)

Nachwort  (109)

Stimmen zum Fall Bahro (110)

Wer sich über Jahre hin entfremdet hat, kehrt nicht in einer Nacht zurück. Rudolf Bahro, 1966 

 

Rudolf Bahro 
Zur Kritik des real existierenden Sozialismus — Sechs Vorträge über das Buch »Die Alternative«   (9)

Rudolf Bahro  Selbstinterview  (56) 

Rudolf Bahro  Handgeschriebener Lebenslauf (Faksimile)   (74)

Rudolf Bahro  Handgeschriebener Brief an Erich Fromm (Faksimile)  (75) 

Das trifft den Parteiapparat ins Herz. Ein SED-Funktionär kritisiert den DDR-Sozialismus (SPIEGEL-35/1977)  (76)

»Gegen sich selbst und gegen das Volk«  Rudolf Bahro über die Kommunistische Bürokratie  SPIEGEL-35/1977  (82) 

Dirk Sager  Interview in »Kennzeichen D«  (ZDF-Sendung am 23.8.1977)   (90)

Lutz Lehmann  Interview  (ARD-Sendung am 23.8.1977)   (95)

Peter Pragal  Mit einem Buch das Visier hochgeklappt   (SZ-24.8.1977)    (101)

DDR: Geistige Leere  (SPIEGEL-36/1977)   (104)

Jürgen Fuchs  Nicht freiwillig gekommen  (FR-5.9.1977)   (107) 

 

    

Einführung  

 

7

Beides traf ein: Was er fürchtete und was er sich erhoffte. Am 23. August 1977 wurde Rudolf Bahro von den Sicherheitsorganen der DDR verhaftet. Einen Tag nachdem im SPIEGEL ein Interview mit ihm veröffentlicht worden war und ein Vorabdruck aus seinem Buch <Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus>. Die völlig absurde Begründung für die Verhaftung lieferte das »Neue Deutschland« am 24. August nach: Verdacht auf nachrichten­dienstliche Tätigkeit.

Die SED-Führung konnte Bahro zwar hinter Gitter bringen, mundtot machen konnte sie ihn aber nicht. Dafür hatte er vorgesorgt. Vor allem mit seinem Buch. Aber auch mit Interviews, die er kurz vor seiner Verhaftung dem SPIEGEL, Dirk Sager, Lutz Lehmann und Peter Pragal geben konnte. Zusätzlich dazu sprach er ein Selbstinterview auf Band und schrieb auf etwa fünfzig Schreibmaschinenseiten eine Zusammenfassung der Thesen, die er in seinem Buch vertritt. 

Die genannten Dokumente halten wir in doppelter Hinsicht für wichtig. Zum einen spiegeln sie das persönliche Engagement des überzeugten Marxisten Rudolf Bahro wider, dem es um den emanzipatorischen Anspruch des Sozialismus geht und nicht darum, Herrschaft zu stabilisieren. Zum anderen verdeutlichen sie, daß die kommunistische Opposition in den Ländern des real existierenden Sozialismus nicht sprachlos ist und nicht ziellos, sondern daß hier systemimmanente Kritik virulent wird, die das Herrschaftssystem stärker gefährdet als jedweder Druck von außen.

Rudolf Bahro gebührt höchster Respekt für die Zivilcourage, mit der er wider den Leviathan der Apparatherrschaft ficht. Es war Paul Valery, der einmal schrieb: II faudrait un Don Quichotte raisonable. Man müßte ein vernünftiger Don Quichotte sein. Das meint, daß man sich mit dem Ethos und dem persönlichen Engagement, das der Ritter von der traurigen Gestalt für Hirngespinste verschwendete, vernünftigen Zielen zuwenden sollte.

Rudolf Bahro kommt dem sehr nah. Er kommt ihm nah, weil es die Vernunft ist, die die Haupttriebkraft abgab für sein couragiertes Unterfangen, der Apparatherrschaft östlicher Prägung Paroli zu bieten. Er kommt ihm nah, weil diese Vernunft sich bei ihm verbindet mit einer ethischen Grundhaltung, die fernab liegt von jeglicher zynischer Menschenverachtung wie sie verkrusteten Machtstrukturen eigen ist, weil er im krassen Gegensatz dazu die Freiheitsrechte des einzelnen in den Mittelpunkt stellt — seine Selbstbestimmung, seine Mitbestimmung.

Sicher läßt sich über die strategische Konzeption, die Rudolf Bahro vorschlägt, um eine Gesellschaft der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu erreichen, trefflich streiten. Jedenfalls aber leistet er auch hier, wenn auch nicht in einer so unstrittigen Weise wie bei seiner fundierten Analyse des real existierenden Sozialismus, einen ernstzunehmenden Diskussionsbeitrag. Dies vor allem, weil er deutlich macht, daß der Zweck, die sozialistische Gesellschaft, keineswegs Mittel heiligt, die der Menschenwürde entgegenstehen. Und weil er eine breite Diskussion der Mittel und der Ziele als unabdingbare Voraussetzung ansieht für die Verwirklichung der von ihm angestrebten freien Assoziation, in der die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.

So stellt es denn einen makabren Treppenwitz der Geschichte des real existierenden Sozialismus dar, daß Rudolf Bahro, weil er für die Freiheit seiner Mitmenschen eintrat, die eigene Freiheit verlor. Unsere Aufgabe bleibt es, für ihn und für die anderen politischen Gefangenen die Weltöffentlichkeit zu mobilisieren, Solidarität zu beweisen. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben wir die nachfolgende Dokumentation zusammengestellt.

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