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Guntolf Herzberg 
(Hrsg.)

Rudolf Bahro: 

Denker, Reformator 

Homo politicus 

Nachgelassene Texte, Vorlesungen, 
Aufsätze, Reden und Interviews  

 

Klientelismus

 

Begrenzungsordnung

Guntolf Herzberg:  Rudolf Bahro: Denker, Reformator, Homo politicus (2007)  - 

2007     553 Seiten

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Lesebericht bei Buchtips.net 

 

detopia: 
Harich (1991) Weltrevolution jetzt 

 

 

2007 im 
Verlag am Park,
Berlin 

ISBN-13:
978-3897931510 

 

Auszug mit freundlicher Genehmigung
von Marko Ferst für detopia

2007 gab es mindestens drei Gründe, um an Rudolf Bahro zu erinnern:

  • Vor 30 Jahren erschien seine Sozialismusanalyse  <Die Alternative> und machte ihn weltberühmt. 

  • Vor 20 Jahren kam die  <Logik der Rettung> - in der er essentielle Kritik am Industrialismus übte und zur Umkehr aufrief. 

  • Und schließlich waren 10 Jahre seit Bahros Tod vergangen. 

Guntolf Herzberg hat aus gegebenem Anlaß und auf Bitte des Rudolf-Bahro-Archivs der Humboldt-Universität zu Berlin den Nachlaß gesichtet. 

Sein Sammelband bietet einen bislang unveröffentlichten Essay Bahros aus dem Jahr 1995, einen Extrakt aus seinen mehr als 60 Vorlesungen sowie Reden, Interviews und Aufsätze, die bislang verstreut publiziert wurden.

Die Textsammlung zeigt Bahro einmal mehr als tiefgründigen Denker, der die drängendsten ökologischen Weltprobleme reflektierte. 

Angesichts der Debatte über die endlich wahrgenommene Klimakatastrophe wird deutlich, wie sehr Bahro seiner Zeit voraus war und wie aktuell er ist.

 

Autor Guntolf Herzberg (*1940):

  • Studium der Philosophie, Physik und Geschichte an der Humboldt-Universität

  • Assistent am Institut für Philosophie an der Akademie der Wissenschaften der DDR und Lehrtätigkeit an der HU und einer künstlerischen Fachschule

  • Ausschluß aus der SED 1973 und Berufsverbot

  • 1976 Promotion an der HU

  • freiberuflicher Lektor und Redakteur

  • 1976/77 Zusammenarbeit mit Rudolf Bahro bis zu dessen Verhaftung

  • Vortragstätigkeit im Rahmen kirchlicher Institutionen

  • ab 1983 aktiv in der unabhängigen Friedensbewegung.

  • 1985 Ausreise nach Westberlin, 

  • Mitglied der Alternativen Liste (DIE GRÜNEN)

  • Mitbegründer der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Menschenrechte der GRÜNEN (mit Petra Kelly),

  • aktiv in der Ost-West-Arbeit der GRÜNEN und des Europäischen Netzwerkes

  • Mitbegründer des Unabhängigen Historikerverbandes (UHV)

  • 1991 Gründungsmitglied der Partei BÜNDNIS 90 

  • seit 1994 tätig an der HU 

   

Rudolf Bahro

Über Kleinkariertes — oder: 

Über die Gefangenschaft im Klientelismus 

1995 an die PDS/Linke

 

Den man hin und wieder einmal radikal ausbrennen muß, oder man wird verdientermaßen politisch daran ersticken — und würdet Ihr auch noch zwanzig Jahre lang für den Kleinvieh-Mist gewählt, der Euch aber nicht die geringste echte politische Existenz begründen kann.

Ich sehe, daß Ihr Euch vor lauter noch dazu selbstischer Sozialarbeit, andere wieder vor lauter anachronistischem Rechtfertigungsbedürfnis, um den fortgesetzten Weltuntergang nicht schert, an dem aber die eigene Klientel ebenso unausgesetzt heuschreckenartig mitwirkt wie Ihr selbst, wie übrigens wir alle, sofern wir das Wesentliche überall, egal ob rechts oder links oder in der Mitte, für den Sanktnimmerleinstag liegen lassen.

Allzu detailliert muß ich dazu vielleicht doch nicht werden, weil Ihr im Grunde wißt, wie sehr Ihr in der Vertretung der verschiedensten am Ende wesenlosen Sonderinteressen festsitzt. 

Was ist Klientelismus ?  

Es gibt wohl, sind wir erst einmal auch nur wenige Schritte über die reine Stammesgesellschaft hinaus, kaum ein älteres sozialhistorisches Phänomen als eine Klientel, als viele Klientelen. In den englischen mittelalterlichen Zeiten hatten auch etwa schottische Clan-Chefs zugleich schon ihre Klienten, da überschnitt sich oft schon neues vormodern Interessehaftes mit den alten quasi-natürlichen Abhängigkeiten. Es begann "eine Hand die andere zu waschen".

In gewissem Sinne ist Klientel etwas "Feudales", jedenfalls etwas unterhalb der ganz modernen Klasseninteressen Gelegenes, wobei es nun freilich die letzteren so unvermischt wie der Begriff und sein politischer Zweck vermuten lassen wohl auch nie gegeben hat (selbst Arbeiterführer hatten, und nicht nur im gewerkschaftlichen Bereich, oft auch noch ihre spezielle Klientel). Standesinteressen, organisatorisch dann oft zu solchen von Verbänden mutiert, werden insbesondere dann "klientelistischer", wenn die Stände an direkt gesamtgesellschaftlicher Bedeutung verlieren.

Andererseits fällt ein so modernes Phänomen wie der politische Lobbyismus auch unter diesen Begriff. Ein Wechselbalg wie eine im politischen Raum antretende "Autopartei" ist der Gipfel der Perversion. Wir haben Lobbyismus in Reinkultur soeben als internationales Phänomen gesehen: Offenbar waren die Erdölinteressen auf dem so schon zweifelhaften Berliner Klimagipfel "besser" vertreten als die der Nationalstaaten oder gar der Menschen als Menschen.

Schließlich, um die Sache so kompliziert zu zeigen, wie sie ist: Ein Bauarbeiter — dergleichen haben wir in mancher Konfrontation um Ökologisches gesehen — mag sowohl in seiner Gewerkschaft engagiert als auch von Fall zu Fall zum Beispiel der Autobahnlobby verpflichtet sein. "Filz" ist der volkstümliche Name für das am Ende recht unübersichtliche Netz der verschiedensten sich überschneidenen Klientelen.

Kurt Biedenkopf spricht, an seiner "Freiburger Schule" orientiert, für die modernen Gesellschaften sehr sinnfällig von "Besitzständen", von "Interessen­haufen", die soviel Macht und Einfluß geltend machen können, daß sich de facto immer öfter die Frage nach der "inneren" Souveränität des Staates stellt. Übrigens hatte die "Treuhand" einen (Wesens-) Zug, der sie als Klientel altbundesdeutscher wirtschaftlicher Gesamtinteressen erscheinen lassen konnte.

Doch rücke ich dies alles hier nur ins Licht, damit wir vor dem Blick auf den spezifischen Klientelismus, der die PDS kennzeichnet, so etwas wie einen allgemeinen Begriff von der Sache haben.

Sieht es doch bei der PDS auf den ersten Blick gerade nicht nach dem so mächtigen Besitzständen und Interessenhaufen aus, gerade nur nach dem Schutz gegen eine "konkret-historisch" übergreifende Staatssouveränität und zuweilen auch deren mafiosen Ersatz und Fortsatz. Es handelt sich — abgesehen nur vom Bezug der Partei auf sich selbst, die ja eine Rückverbindung zur einst zentralen Machtposition in der DDR-Gesellschaft und ein entsprechendes Rachebedürfnis nicht ganz verleugnen kann — um einen Underdog-Klientelismus.

Worin der wurzelt, ist wenigstens vordergründig allen klar, so daß ich die Phänomene nicht sehr viel näher beschreiben muß. Es ist halt bei der Vereinigung eine Unmenge von Arbeitsplatz-, von Status-, von regionalen und lokalen Interessen verschiedenster Art unter die Räder gekommen. Da sollte nicht um Gleich­stellung gekämpft werden?!

Und um es aus diesem Anlaß noch extra zu betonen: Daß es Klientelen — seien sie nun Top- oder Underdog oder irgendwo dazwischen, und gerade in dieser Beziehung zuweilen, wie gezeigt ja sehr vermischt —, daß es Klientelen gibt, ist an sich erst einmal nur "wertneutral" festzustellen. Das Problem beginnt mit ihrer sozialpolitischen Vertretung. Bisher wird die PDS als politische Partei fast erdrückt durch ein offensichtliches Übermaß an sozialpolitischen Defizitinteressen (tatsächlichen wie bloß empfundenen, das ist eine zweite Frage), die sie möglichst pur vertreten soll oder vertreten zu müssen meint. Ich sage: Sie läßt sich fast erdrücken, sie scheint das fatalerweise gern zu haben.

Daß es so herum liegt, hat sich am deutlichsten an der Sache mit den Gerechtigkeits-Komitees gezeigt, aus denen zum Glück für die PDS nicht viel wurde, weil das Ex-DDR-Volk doch nicht so klientelistisch gesinnt war, wie selbst ansonsten kluge Parteimatadore dachten. "Gerechtigkeit" dieser Lesart, das war die Versuchung, die psychologisch reaktionärste Tendenz zu pflegen und auszubeuten, die man im Nachlaß finden konnte. Ich weiß, wie nahe das lag. Obwohl ich Gysi sagte, da kannst Du nur Ressentiment organisieren, hatte ich wegen irgendeiner Treuhand-Sauerei doch einen schwachen Augenblick lang Verständnis für den entsprechenden Impuls.

Besonders problematisch wird es, wenn man diese "Linie", die wahrhaft keine ist, auch noch nach Westdeutschland verlängert, z.B. um in Bremen auf — bei dem jetzigen Profil dennoch nicht wahrscheinlich — 5% für die Bürgerschaft zu kommen. Ich lese zufällig in einer Bremer Lokalausgabe der taz, Gysi gibt dem Betriebsrat der dortigen Vulkanwerft recht, eine Aufstockung der Subventionen zu verlangen, weil die Bundesrepublik das einzige OECD-Land sei, das die entsprechenden Töpfe nicht ausschöpft. Die OECD ist der Club der mächtigsten Industriestaaten, unter denen wiederum die Bundesrepublik einer der allermächtigsten ist. Man darf also erst einmal den Sachverhalt bezweifeln. Immerhin ist's möglich, daß sich auch der größte Hai einmal einen "ihm zustehenden" Brocken entgehen läßt.

Worum handelt es sich bei diesen Subventionen? Es handelt sich darum, welches dieser reichsten Länder — zu den u.a., aber vergleichsweise immer noch abgeschlagen, auch Spanien gehört — seine teure Produktion, in diesem Falle von Schiffen, im Preis so heruntersubventioniert, daß sie auf den Weltmarkt gedrückt werden können, und die Produkte anderer Nationen, z.B. Schiffe aus der baskischen Werft Bilbao, aus dem Weltmarkt hinaus. Sollen doch die Spanier bzw. Basken als erste stempeln gehen. Gleichzeitig würde sich Gysi wahrscheinlich freuen, noch mal von Gonzalez empfangen zu werden (der seinerseits Werften subventioniert hat, was das Zeug hält, aber die schlechteren Karten hatte).

Die Sünde ist einfach Prinzipienlosigkeit. Wahrscheinlich ist seit dem Untergang der SED, auf dem er und andere im Herbst '89 mit einem noch DDR-bezogenen Machterhalts-Reformansatz reagiert hatten, gar keine Zeit mehr zum Nachdenken gewesen. Was das "alles ist erlaubt" bzw. "anything goes" betrifft — gibt es kein postmoderneres Projekt als die PDS.

Die unmittelbaren Interessen der deutschen Werftarbeiter, immer noch einer der reichsten und saturiertesten Sektoren einer der reichsten Arbeiterklassen der Welt, drängen sich auf. Insofern ihre Branche seit 20 Jahren im Abstieg ist, könnten sie ja zu Underdogs werden. Wenn man schon für die Ostseeküste um die entsprechenden Subventionen wirbt, wieso nicht für die Nordseeküste auch? Mehr braucht es nicht, um pragmatisch "an ihrer Seite zu stehen".

Andermal, wie kürzlich im Falle von Biskys Stellungnahme gegen die Fusion Berlin-Brandenburg trifft die Partei, ebenso prinzipienlos, denn echte Gründe gegen dieses Projekt stellt sie anscheinend bewußt nicht in den Vordergrund, zufällig mal eine richtige Entscheidung. Sie mag ja jedesmal meinen, mit der Wurst nach dem Schinken zu werfen. In Wirklichkeit wirft sie mit dem Schinken nach der Wurst. Politisch, als politische Partei hat sie bei diesem Spiel nichts zu gewinnen, am Ende alles, vor allem alles, was es wert ist, zu verlieren.

Daß dies von ihr selbst nicht genug bemerkt und auch nicht halbwegs kontrolliert wird, macht die Sache als das Niveauproblem ihrer ganzen Existenz kenntlich. Was fehlt, könnte für den Anfang eine vierwöchige Klausur — realpolisch eine kleine Ewigkeit, für eine echte Einkehr immer noch recht kurz — sein, um einmal, immer noch postmodern, wenigstens die in der Situation liegenden Möglichkeiten nebeneinander auf die Reihe zu bringen.

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Rudolf Bahro

Eine Begrenzungsordnung einrichten

Die Mitverschwörung an dem allgemeinen Monopoly beenden  

Aus dem Essay "Über Kommunismus, Ökologie und linke Parteistrategien" 

 

In meiner <Alternative> hatte ich an Rudolf Herrnstadts Buch über die Entdeckung der Klassen erinnert. Mir kam es damals beinahe so vor, als hätte er es, als Vermächtnis seines [nach dem 17. Juni] 1953 gebrochenen Lebens, nur deshalb geschrieben, um die Erinnerung an jenen ebenso großen wie kurzen Augenblick der Französischen Revolution wachzurufen, da das Volk von Paris eine gewisse Evidenz für die Selbstlosigkeit seiner jakobinischen Führung hatte – und deshalb zu jeder Stunde zu jedem politischen Einsatz bereit war.

Natürlich beruhte auch das und gerade das auf Interessenvertretung; auch handelt es sich durchaus nicht darum, aus der Kenntnis der übrigen Geschichte desselben Jahres 1793 die ganz anderen politisch-psychologischen Momente zu verdrängen, die den Jakobinismus auch zum — freilich wiederum unobjektiv gespiegelten — Schreckgespenst gemacht haben. Was Herrnstadt zu beschreiben hatte, war dennoch eine jener Sternstunden der Geschichte, in denen von dem eigentlich unausrottbaren Phänomen der Klientel und der Klientelen der "ismus" abfällt. Da war kein Klientelismus mehr, weil sich Volk und Führung vor allem in einem wesentlich allgemeinen Interesse trafen.

Und das Aufschlussreichste: Indem wir nun außerdem wissen, wie hochgradig individualistisch die meisten Köpfe der Bergpartei waren, ist völlig klar, dass der eigentliche Akzent in der ganzen, gleichwohl nur als Einheit verständlichen Bewegung jenes Augenblicks beim Volk von Paris (und natürlich auch Frankreich) gelegen haben muss. Insofern erscheint mir immer noch als die einzig erlaubte nostalgische Anwandlung hier bei uns, nach dem freilich nur soviel kürzer stabilen Augenblick von '89 zu fragen, in dem "Wir sind das Volk!" noch nicht umgeschlagen war in das — unabhängig von der objektiven Bedeutung des Wiedervereinigungsthemas — einfach seelisch ausflüchtige "Wir sind ein Volk!"

Und: Kein demütigenderer Beweis für das 40- oder 45-jährige Versagen unseres Sowjet- bzw. SED-Sozialismus als diese allzu rasche Kapitulation des DDR-Volkes vor der D-Mark, die ja in dem Parteiverhältnis zu der Strauß-Milliarde vorweggenommen war und die bis in die wiederum so verständliche Leninsche Anbetung des Taylorismus wie der deutschen und Züricher kapitalistischen Kultur zurückreicht.

Aus dem alten, "hölzernen" Russland das neue zu machen, mit Sergej Jessenin gewissermaßen, dann also nicht einfach ein "eisernes" an seine Stelle setzen zu wollen, das hatte sich Lenin, das hatte sich der Bolschewismus nicht vorgenommen. Er ist eben, belehrt durch die Notwendigkeit der Maschinengewehre, der Tanks, der Flugzeuge, der Atom- und Wasserstoffbomben – auch, nicht nur, natürlich – an seinem eigenen Modernismus in den unterschwellig stets als Maßstab angesehenen Westen abgestürzt. Auch hat er – dies die Lehre bis in unser ’89 hinein – das Volk, die sowjetischen Völker [...] letztlich in der Richtung dieser Abhängigkeit erzogen.

Selbst und gerade der Sputnik war eben ein temporärer Sieg auf dem Boden der westlichen "Werte", die zudem um diese Zeit längst nicht mehr primär aufklärerische waren, wie es Russland 100 Jahre früher, zu Zeiten Tschernyschewskis, noch scheinen konnte, sondern technologische, in ihrem eigenen Kontext unvermeidlich siegreich nach dem vor jetzt schon 150 Jahren von Marx so genannten "Gesetz der gefühllosen baren Zahlung", inzwischen eben über Schecks und Chips ...

Die Stunde von 1793, wie sie Herrnstadt beschrieb, hatte nun mal – offenbar ein unausgleichbarer Unterschied – innerhalb eines der laut Hegel/Marx "fortgeschrittenen" Völker gespielt, deren mit sowas denn doch überfordertes Proletariat auch die menschheits-allgemeine Emanzipation verbürgen sollte. Dies für Marx noch selbstverständlich nach englisch-französisch-deutsch-amerikanischem Muster rund um die ganze Welt – die nun durch dieses selbe metropolitane "Proletariat", das in der Rolle der "zweiten industriellen Klasse", des egoistischen Copiloten der "Bourgeoisie" (dieser "ersten industriellen Klasse"), festsitzt, beinahe noch heftiger verwüstet wird als durch die Superreichen selbst, einfach weil das nördliche weiße Volk die weitaus größere Zahl der "Agenten" stellt.

Genau darin ist heute der sozialökonomische Zusammenhang der weltweiten ökologischen Krise mit Händen zu greifen. Inzwischen ist auch jeder dem Wolfsburger gegenüber soviel ärmere Arbeiter von VW do Brasil ein Agent derselben Weltzerstörungsmaschine, von den darüber gesetzten Weißkitteln und von all den "drittweltstädtischen" Beamtenscharen, die gleich uns die entsprechenden Autos "brauchen", zu schweigen.

Ist zu sehen, hier noch einmal, auf welchen verhängnisvollen Weg die Russische Revolution gesteuert und gezwungen war und auf welchen verhängnisvollen theoretischen Kurs zuvor schon sich unsere Väter Marx und Engels eingelassen hatten?! Und warum die russische "Entwicklung" jetzt, den Rest von Autonomie verloren, noch einmal überschnappt, aber völlig in der Logik ihres bisherigen Weges? Man muss bereit sein, die Sache bis in die Leninsche Verehrung für den fürchterlichen Zaren Peter zurückzuverfolgen. [...] Es wäre so wichtig, dem auf den Grund zu gehen, denn näher können wir uns selbst nicht kommen, und ohne diese Selbstbegegnung wird sich nie wieder jemand kommunistisch nennen dürfen [...]

Heute müsste, wer überhaupt erst einmal kommunistisch denkt, sogar leichter als manche(r) Andere sehen, dass dieses „Entwicklungs“-Konzept in seiner bloßen gedankenlosen Fortschreibung der Untergang der Menschheit ist, dass damit spätestens seit der Renaissance die Evolution der Gattung Mensch schief geht, weil es kein immanentes Maß enthält. Denn seine tatsächliche psychologische Perspektive ist, dass wir alle absolutistische Sonnenkönige werden – wo wir Dienerlnnen des universellen Zusammenhangs sein sollten.

Das kapitalistische Monopoly ist nur das Non-plus-ultra-Verfahren der Machtakkumulation dafür, bei dem halt manche Spieler verlieren. Wollen wir – bei diesen Spielregeln illusorisch – alle gewinnen machen oder endlich erreichen, dass das verdammte Spiel abgebrochen wird?! Dann aber stimmt an der Strategie der LINKEN – was da auch immer angeboten wird – absolut nichts.

Von der Ökologischen "Plattform" will ich nicht reden, weil sie einstweilen — selbst auch noch etwas grobschlächtig — vielleicht noch nicht mehr als ein Trojanisches Pferd für euch ist, während die Kommunistische "Plattform" — unabsichtlich/unbewusst bis absichtlich/bewusst — den Bodensatz der sowjetischen Modernisierungs-Katastrophe, der abhängigen Industrialisierung hütet.

Aber die LINKE als solche agiert [...], nun mit jenem französischen Beispiel verglichen – als die Klientelpartei schlechthin und im schlimmsten Sinne als die Partei des allgemeinsten Nationalinteresses – ich meine dessen objektiv imperialen Charakter. Indem sie sich nicht darauf beschränkt, ihre eher erbärmlichen eigenen unmittelbaren Interessen und die Interessen der Vereinigungs-Zukurzgekommenen im Osten zu promovieren, sondern sich – ganz logisch – um das nationale Optimum für diese ihre Anliegen sorgt, kommt ihre Option nämlich dem nationalen Optimum überhaupt recht nahe.

So funktioniert es jetzt generell mit den Interessen der metropolitanen Underdogs; sie sind meist "noch schlimmer". Im gegebenen Sonderfall bedarf es bestimmt keiner besonderen Bosheit dazu, weil es die quasi automatische Quintessenz "normaler" Interessenvertretung für die "unterentwickelten" Ostprovinzen ist. Das ist das Übersozialdemokratische an dem Verein. Die klügeren Strategen im Lande wissen auch längst, dass man ihm eigentlich dankbar sein müsste. [...]

Es hat sich keine andere als die (west-)europäische Zivilisation erlaubt, aus Anlass des tatsächlichen Scheiterns von Kaisertum und Papsttum die beiden Integrationsebenen des gesellschaftlichen Prozesses abzuschaffen bzw. de facto außer Kraft zu setzen, für die diese beiden Instanzen einstmals standen und ohne die kein größeres menschliches Gemeinwesen kultiviert existieren kann. Und jetzt wird die Welt, die Menschheit an diesem unserem hausgemachten Manko zugrunde gehen, es sei denn, uns fällt etwas anderes dazu ein als die Schürung der alten Ängste, aus denen wir uns schrittweise in aufgeklärten Absolutismus, bürgerliche Kriegsrepublik und Faschismus bis Golfkriegsimperialismus hinein "gerettet" haben.[...]

Ja nicht zugeben, dass da etwas zu Ende, dass da mehr als der russische Kommunismus gescheitert ist, nämlich das ganze abendländische "Projekt der Moderne", dem die Kupierung der höchsten gesellschaftlichen Instanzen wesenseigen ist?! Denn es hat eben selbst in den reichsten Ländern nicht vollbracht — und verrät im Weltmaßstab schon gar keine Aussicht, dies nachzuholen —, was es versprochen hatte, nämlich im aufgeklärten Citoyen das Königliche und das Meisterliche herauszubringen, indem es die entfremdeten Höfe und die entfremdete Klerisei überwand. [...]

Worum es geht, das ist eine allerdings umwälzende, eine fundamentale Ergänzung der de facto herrschenden, im Grundgesetz nicht einmal wirklich wider­gespiegelten Realverfassung der Gesellschaft. Eine Begrenzungsordnung, nicht weniger und nicht mehr, muss bei dieser Ergänzung herauskommen, schon soweit wir unseren vernünftigen Egoismus walten lassen — so dass ich die Veränderung sogar für letztlich "machbar", für "politisch durchsetzbar" halte.

Das Volk ist in seiner Mehrheit hüben wie drüben nicht so blöd, das jetzige Spiel seiner Politiker und sein eigenes jetziges Spiel mit den Politikern nicht zu durchschauen. Hier könnte schon mittelfristig die richtige Kandidatur, könnten die richtigen, überparteilich, d. h. problemangelegten Kandidaturen in zwei oder drei Anläufen neu die Weichen stellen. [...] 

Es gibt ja bisher gar keinen institutionellen Rahmen für eine ökologische Wende. Wer den nicht schaffen will, sollte wenigstens aufhören, die Resignation zu verallgemeinern, die nur bei der jetzigen Unangemessenheit der Verfassung an die unabweisbare Herausforderung begründet ist.

 

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