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Atilio Boron

Den Kapitalismus
aufgeben  

Den Sozialismus
neu denken

Sozialismus des 21. Jahrhunderts: 
Gibt es ein Leben nach dem Neoliberalismus?

2008 by Cordoba
2010 by VSA-Verlag

 

2008    120 Seiten  

wikipedia eng Autor  *1943 in Buenos Aires

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Bücher von Atilio Boron: 

  • Zivilisationskrise und Agonie des Imperiums: Dialog mit Fidel Castro (Buenos Aires, 2009)

  • Staat, Kapitalismus und Demokratie in Lateinamerika (Euskal Herria, 2008)

  • Sozialismus des 21. Jahrhunderts: 
    Gibt es ein Leben nach dem Neoliberalismus? (Córdoba, 2008)

  • The Truth about Capitalist Democracy
    (UK, Merlin Press, 2006)

  • Imperium und Imperialismus: Eine kritische Lektüre von Michael Hardt und Antonio Negri  (Buenos Aires, 2002)

 

 

 

Atilio Boron ist einer der bedeutendsten Politologen und Soziologen Lateinamerikas.

Er unterrichtet politische Theorie an der Universität Buenos Aires, ist Mitglied des Nationalen Wissenschafts- und Technischen Forschungsinstituts Argentiniens und leitet das Lateinamerikanische Fernstudienprogramm für Sozialwissenschaften. 

Für sein Engagement um die Integration der Länder Lateinamerikas erhielt Atilio Boron 2009 den UNESCO-Preis »José Martí«. 

2009 veröffentlichte er den Band <Die Krise der Zivilisation und die Agonie des Kapitalismus: Dialoge mit Fidel Castro>.

Dieses Werk wird im Rahmen des »Sur«-Programms zur Förderung von Übersetzungen des Außenministeriums der Republik Argentinien verlegt.

"Sozialismus des 21. Jahrhunderts" zur Rettung der Welt

 

  • Interview mit dem politischen Denker Atilio Boron

  • Von Manola Romalo    31.01.2010   heise.de/tp/artikel/31/31882/1.html 

  • Der Soziologe Dr. Atilio Boron, Professor für politische Theorie an der Universität in Buenos Aires, ist ein international bekannter radikaler politischer Autor. 

  • Für seine "unermüdliche Mitwirkung an der Einheit und Integration der Länder Lateinamerikas" verlieh ihm die UNESCO am 17. Juli 2009 den "internationalen Preis José Martí". 

  • Atilio Boron leitet das Lateinamerikanische Fernstudien­programm für Sozial­wissen­schaften, um nach eigenen Angaben Studenten und Volksorganisationen den Zugang zu den "besten aktuellen kritischen Gedanken" zu ermöglichen.

 

1) Obwohl die Industrieländer das verbindliche Ziel des Kyoto-Protokolls, den Ausstoß von Treibhausgasen um 30 Prozent zu reduzieren, nicht erreicht haben, verlangten sie auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen weitere Anstrengungen von den Entwicklungsländern. Worum geht es in Wirklichkeit?

A.Boron:  Das Hauptproblem wurde durch ein vollkommen irrationales und räuberisches Konsummuster verursacht: Dieses Muster ist dem kapitalist­ischen System jedoch inhärent. Es ist der Ausdruck eines genauso irrationalen und räuberischen Produktionsmodus. Es zu ändern, setzt voraus, den Kapitalismus aufzugeben und ein höheres ethisches, soziales und ökonomisches System zu konstruieren. Was aber in den Köpfen der Leader der entwickelten Länder nicht im Entferntesten reinpasst.

 

2) Was muss getan werden?

A.Boron:  Solange das ökonomisch-soziale System Männer, Frauen und die Natur nur als simple Objekte der ständigen Gewinnmaximierung betrachtet, kann es keine Lösung geben. Diese historisch-ökologische Krise führt unseren Planeten in den kollektiven Selbstmord. Ein solches System ist nicht lebensfähig. 
Seine Aufgabe zugunsten eines humaneren Systems ist nur eine Frage der Zeit. Man muss den Konsum und die Verschwendung des Nordens sofort einschränken, anstatt zu verhindern, dass die Afrikaner, die Völker Mittelasiens und Lateinamerikas ein größeres Wohlbefinden erreichen.
Unter den jetzigen Umständen - wenigsten solange der Kapitalismus noch existiert - bedeutet das einen größeren Energiekonsum. 
Aber unmittelbar ist das Einzige, was den Planeten retten wird, die Abschaffung des Kapitalismus und die Errichtung einer höheren Produktions- und Zivilisations­form, eines neuen Sozialismus.

 

Was in Honduras geschieht, ist die erste Generalprobe

3) Nachdem die USA den Putsch gegen Präsident Manuel Zelaya unterstützt haben, erkannte Nobelpreisträger Obama die illegitimen Präsidentschafts­wahlen in Honduras an. Was bedeutet sein Zurückkehren zu der traditionellen US-Politik?

A.Boron:  Ein wahres Unglück für Lateinamerika und die Welt! Das bedeutet, dass Washington seine zögerlich adoptierte Politik, als Konsequenz des Fortschreitens des Volkskampfes in Lateinamerika seit Ende des 19. Jahrhunderts, aufgibt. Dieses Aufbegehren produzierten das Entstehen von Regierungen, wie diejenigen von Hugo Chávez (Venezuela), Evo Morales (Bolivien) und Rafael Correa (Ecuador), und ermöglichte das Weiterleben der kubanischen Revolution, die Realisierung des Weltsozialforums in Porto Alegre und darüber hinaus die Entstehung von Mitte-Links-Regierungen, die dem Imperialismus die Stirn boten und die ALCA (US-Freihandelsprojekt in Lateinamerika) vernichteten.

In diesem neuen ideologisch-politischen Kontext mussten die Vereinigten Staaten ihre traditionelle Politik der Anerkennung der De-Fakto-Regime beenden. Aber jetzt haben sie diese Politik aufgegeben. Was in Honduras geschieht, ist die erste Generalprobe. In dem "Todestrakt" befinden sich jetzt Guatemala und Paraguay, zwei Länder mit einer ähnlichen institutionellen Situation wie Honduras: Eine von der Legislative und der Judikative in die Zange genommene Exekutive, Regierungen, die sich an dem von Chávez initiierten ALBA-Bündnis (Bolivarianische Allianz für die Völker unseres Amerikas) annähern, etc.. Bald werden andere Länder folgen.

In der aktuellen Situation lädt sich das Imperium neu auf. Es nimmt jedes Mal eine zunehmend aggressivere Haltung ein: Die sieben Militärbasen in Kolumbien, die Aktivierung der 4.Flotte, die Unterstützung von Staatsstreichen, die Billigung von gefälschten Wahlen und neuerdings die Drohungen von Hillary Clinton an lateinamerikanische Staaten, die mit Washington "nicht genehmen" Partnern Handel treiben, wie z.B. Iran. Es kommen schlechte Zeiten auf Lateinamerika zu und indirekt auf die restliche Welt. Das Imperium fühlt sich bedroht und antwortet deshalb mit zunehmender Gewalt.

 

Das wahre Ziel der USA ist, den südamerikanischen Kontinent zu kontrollieren

4) Obwohl der US-Kongress 2008 befand, dass der zehnjährige "Plan Colombia" den Drogenhandel und den Terrorismus nicht eingeschränkt hat, unterschrieben Washington und Präsident Álvaro Uribe im Oktober 2009 einen Vertrag, um sieben US-Militärbasen in Kolumbien aufzustellen, angeblich für den gleichen Zweck. Was ist Ihrer Ansicht nach der wahre Grund?

A.Boron: Der Grund ist nicht der Kampf gegen den Drogenhandel, wie behauptet wird. Die zwei Länder, wo Produktion und Export von Rausch­mitteln am meisten anwuchsen, sind Afghanistan und Kolumbien! Beide sind von den USA militärisch besetzt. Diese von den Vereinten Nationen herausgegebene Information haben wir in unserem mit Andrea Vlahusic verfassten Buch <Die dunkle Seite des Imperiums> (Buenos Aires, 2009) veröffentlicht. Wenn die Präsenz Nordamerikas in diesen Gegenden etwas bewirkt hat, dann ist es eine intensivere Drogen-Produktion und Export, nicht aber deren Bekämpfung. Im 19. Jahrhundert haben die Engländer das Gleiche mit dem Opiumkrieg in China getan.

Das wahre Ziel der Militärbasen und des großen nordamerikanischen militärischen Aufgebotes ist, den südamerikanischen Kontinent zu kontrollieren. Hier befindet sich die Hälfte der Trinkwasserreserven des Planeten, die Hälfte aller Biodiversität, große Öl- und Gasvorräte, alle Sorten kostbarer und strategischer Mineralien, große Flächenkapazitäten für die Lebensmittelproduktion, etc. Das ist das wahre Ziel. 
Aus diesem Grund, beabsichtigen sie von den Militärbasen in Kolumbien bis zum südlichsten Teil Patagoniens heranzukommen, in dem sie die Kontrolle des Luftraumes (die sie schon haben) und der Meere - mit der 4.Flotte - zu vervollständigen.

 

5)  Indem sie ihren Völkern weitgehende politische Entscheidung- und Teilnahmemöglichkeiten geben, praktizieren die ALBA-Regierungen eine in der Welt einzigartige Linkswende. Welche Elemente rettet der Sozialismus des 21. Jahr­hunderts im Gegensatz zu den sich wiederholenden Krisen des Kapitalismus?

A.Boron:  Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts hat Weichen aufgestellt, mit denen die lang anhaltende System­krise überwunden werden soll, indem die Gesellschaft auf ein neues Fundament gestellt wird: Zuerst geht es darum, eine ökologisch nachhaltige Produktionsweise aufzubauen.

Deshalb die Forderung nach Respektierung der "Mutter Natur", die "Pachamama", wie Evo Morales sie nennt. Und aus diesem Grund hat Ecuador in seiner Verfassung festgelegt, dass die Natur ein Rechtssubjekt ist, was eine radikale Innovation in der juristischen Denkweise bedeutet. 

Zweitens geht es um die Neubildung der Gesellschaft durch radikale politische Maßnahmen der Umverteilung des Besitzes, des Reichtums und der Einnahmen.  

Keine Gesellschaft ist auf lange Sicht lebensfähig, wenn sie in eine soziale Schicht von 10 Prozent Superreichen und eine von 90 Prozent extrem armen, bedürftigen und unter erbärmlichen Umständen lebende Menschen, polarisiert wird. In diesem Sinne muss man sagen:

Der Kapitalismus ist weder ökologisch noch nachhaltig von einem sozialen Gesichtspunkt aus betrachtet. Es ist ein System das die gesellschaftlichen Schichten auf denen sie basieren, zerstört. 

Drittens geht es schließlich darum, eine genuin demokratische Ordnung neu zu errichten, welche die Farce der liberalen Demokratien überwindet. Eine teilnehmende Demokratie, wo die Menschen Haupthandelnde sind, ist unabdingbar. 

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