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"Das grüne Manifest"

Aus dem Programm der ersten Umweltpartei Deutschlands, 
<Grüne Aktion Zukunft> (GAZ)  1978

Quelle: herbert-gruhl.de

 

 

 

1. Unsere Politik ist verantwortlich gegenüber Kindern, Enkeln und künftigen Generationen. Für ihr und unser Überleben ist die Bewahrung der ökologischen Grundlagen alles Lebens - Luft, Wasser, Boden, Pflanzen- und Tierwelt - Voraussetzung.

2. Das derzeitige ökonomische System der Menschen in den Industrieländern zerstört diese Voraussetzungen mit der Folge der Selbstvernichtung. Darum muß die Ökonomie in Übereinstimmung mit den Naturgesetzen gebracht und in sich selbst zu einer Wirtschaft des dynamischen Gleichgewichts ausgestaltet werden.

3. Es ist ein Irrtum, daß die jetzige materialistische Verschwendungswirtschaft noch das Glück und die Lebens­erfüllung der Menschen fördere. Der Mensch wird in diesem materialistischen Frondienst immer gehetzter und unfreier, je länger er dem Götzen dient, den man fälschlich “wirtschaftliches Wachstum” nennt.

4. Die unhaltbare Wachstums-Ideologie ist bereits im Begriff, weltweit zusammenzubrechen. Die jetzigen Versuche, weiteres “wirtschaftliches Wachstum” zu erzwingen, werden die Krise verschärfen und umso eher in eine noch größere Katastrophe münden.

5. Die wahrheitsgemäße Aufklärung muß an die Stelle der haltlosen Versprechungen treten, die das materielle Anspruchsdenken immer höher treiben, welches auf einer begrenzten und überfüllten Erde nicht mehr erfüllt werden kann. Es kann nicht mehr angehen, jeder Bevölkerungsgruppe reihum das Meiste zu versprechen, sondern allen - besonders den schwachen Gruppen - das Mindeste auf Dauer zu sichern.

6. Nur in einer Gleichgewichtswirtschaft können Preise und Löhne stabil gehalten und damit sozial gerechte Verhältnisse geschaffen werden; denn die Inflation trifft die Schwächsten. Sie verhindert die dauerhafte Sicherung der Renten und die Steuergerechtigkeit.

7. Unser Ziel ist es, allen Menschen ein sinnerfülltes Leben zu ermöglichen. Die Erfüllung findet jeder Einzelne vorwiegend in seinen geistig-seelischen, kulturellen und religiösen Erlebnissen sowie in den sozialen Bindungen seiner Familie und der Wohn- und Arbeitsgemeinschaft innerhalb seines Heimatlandes. Gegenseitiges Vertrauen und Helfen  muß die ökonomische Rücksichtslosigkeit ablösen. Auch das Opfer kann den Wert unseres Daseins erhöhen.

8. Alles muß einfacher werden: der Mensch, die Verwaltung, die Technik, der Verkehr. Nur dann bekommen wir wieder mehr Freiheit, weniger Konsumzwang und Leistungsterror, damit auch weniger Streß, Neurosen und andere Leiden.

9. Das Leben beginnt in der Familie. Den Müttern als dem wichtigsten Stand des Volkes muß mehr Anerkennung und Gerechtigkeit zuteil werden. Den Frauen stehen überall die gleichen Rechte zu wie den Männern, besonders das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

10. Die Bildungspolitik muß davon ausgehen, daß der junge Mensch verschiedene Entwicklungsstadien durchläuft und auch unterschiedliche Begabungen und Möglichkeiten mitbringt. Eine echte Lebens-Schule dieser Verschiedenheit gerecht werden. 

11. Im gesamten Bildungssystem muß der verantwortliche Umgang mit der Umwelt gepflegt und gelehrt sowie zu solidarischem handeln erzogen werden. Das Ziel ist eine angstfreie und selbständige Persönlichkeit. Mammutschulen sollten abgebaut und private Ausbildungsstätten gefördert werden. Die Freiheit von Forschung und Lehre muß garantiert sein, ohne daß sich beide der gesellschaftlichen Verantwortung entziehen.  

 

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