detopia.de

Gerhard Gundermann 

 

Umwelt-Vordenker

Idealist und Utopist

Rockpoet des Ostens

Informant und Überläufer

Die Kassandra vom Kohlebagger

Politoffiziersschüler und Lebenshilfesänger 

21.2.1955-21.6.1998

DNB.Gundermann.Autor 

DNB.Gundermann.Stichwort  

Wikipedia.Gundermann 

Google.Autor   Amazon.Autor  

detopia-2018:  Rudolf Bahro.1987  

[detopia-2016:  Kommbuch   Ordner   G.Pannach   R.Reiser   T.Danz ]

 

"Seit Gundermanns Tod 1998 mit nur 43 Jahren ist aus dem Baggerpiloten eine Art posthumer Popstar geworden. Für Fans ist das nun erschienene Erinnerungsbuch von Andreas Leusink eine Fundgrube. Anders als der Kinofilm zeigt es, dass Gundermanns Leben mehr war als eine verkorkste Stasi-Episode." (MDR, 2018)

 

Hier bei detopia interessiert seine Umweltrede vom 1.3.1989, die man genausogut als 'Perestroika'-Rede oder 'Grenzen-des-Wachstums'-Rede bezeichnet kann. "Der amtierende Kulturminister H.-J. Hoffmann soll [sie] auf dem Kongress folgendermaßen kommentiert haben: Der Gundermann sei ein derart kluger Mann, dass man ihn eigentlich sofort zum Kulturminister machen müsste." (Fußnote 49 bei Simone Hain) 

 

Umweltrede von Gerhard Gundermann auf dem Kongreß der Unterhaltungskünstler am 1.3.1989  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuerst Musik

Halte durch, Planet (Gundermann, 1988)  (2004: Das Lied im Schulunterricht)

Mal nicht nur Gundermannmusik (kennt der Leser), sondern anderes, um die Hörnerven zu regenerieren:

Waldeslust (Robert Koppel, 1920)

Im schönsten Wiesengrunde (Viktor Nikitin, Berlin 1948, Openair Gendarmenmarkt)

Die Stadt, die (Wacholder)   Jesus war ein Sozialist? (Ruhrgebiet? auch bei youtube)

 

Dann großer Text

Sammelnachruf zu Gundermann, Danz und Pannach (1999) von Christine Wagner

Umfassender Gundermann-Essay von Simone Hain  (2004) detopia-2018: Genauer geht's nicht.


 

www

 

Gundi.de  Gundermann-Portal mit Forum 

 

youtube MDR 2013  (15 Jahre dead, 7min)

 

Gundermann bei youtube  mit aktuellen TV-Berichten 

 

buschfunk.com   diskografie  Gerhard_Gundermann  mit vollständiger Titelliste, auch Bonustracks

 

mdr.de/kultur   buch-ueber-gundermann  2018 mit Links zu MDR-Berichten der letzten Jahre

 

 

detopia

 

Video MDR 2013  wie oben, 15 Jahre dead, mp4, 7min

 

Das erste Album 1988 Männer, Frauen und Maschinen  (Musik, wma) 

Das letzte Album 1998 im Dorf Krams bei Hagenow in Mecklenburg  (Zweitbester Sommer, mp3)

2015 60 Jahre Gundermann MDR-Audio (28 min, wma) mit Würdigung von "Halte durch, Planet"

2008 Feature von Ed Stuhler <Hier bin ich gebor'n, hier hat mich mein Gott verlor'n>  (mp3, 44min)  

Gundermann über die DDR  mp3, 2min  ("... in dem Moment war'n die Hebel fort...")

Gundermann über die Stasi  mp3, 2min  ("... ich hab' eine relativ ausgeglichene Bilanz ...") 

 


Schmerzen der Lausitz  (1989)  Dokumentar-Film von Peter Roche (55 min)

Video Gundermann auf dem Bagger in <Die Schmerzen der Lausitz>  mp4, 3min

Der authentische Filmessay von 1990 zeigt das Ausmaß der Verwüstungen in der Lausitz wegen einer verfehlten Energiepolitik. Zu sehen sind Luftaufnahmen vom gesamten Lausitzer Braunkohlerevier, dem bereits Dutzende von Dörfern zum Opfer gefallen sind. Einbezogen ist ein Bericht aus Klitten bei Niesky, das sich gegen seine Zerstörung wehrt. Zur Situation in der Lausitz äußert sich der sorbische Schriftsteller Jurij Koch, der Baggerfahrer und Liedermacher Gerhard Gundermann, der Landschaftsarchitekt Dr. h. c. Otto Rindt und der Bruder des Dichters Erwin Strittmatter, Heinjak Strittmatter.

 


Gerhard Gundermann, geboren 1955, im Osten Deutschlands ein Sänger mit Kultstatus, starb in der Nacht vom 21. zum 22. Juni 1998 in Hoyerswerda. Ein unerwarteter Tod. Über zwanzig Jahre arbeitete Gundi in einem Braunkohlenbergbau der Lausitz. Er fuhr Bagger - und sang. Romantisch-rauhe Lieder, aufsässigen Rock. Er war so ziemlich alles, was man in der DDR sein konnte: Oberschüler und Hilfsarbeiter, Offiziersanwärter und Befehlsverweigerer, SED-Genosse und -Verfemter, renitenter Kumpel und IM, und: ein grandios geistsprühender Spinner in der Nachfolge produktiver Taugenichtse.  

detopia-2006:

2005 war ich am Grab-Feld-Stein auf dem Waldfriedhof in Hoyerswerda. G.G. war zerfurcht wie Rudolf Bahro. Nur ein oller Stein. In die Weltgeschichte an einen ganz bestimmten Platz hineingeworfen. Seine schwarze Platte zu DDR-Zeiten höre ich heute noch. Unvergessen auch seine Verdienste in den 90ern um unsere "DDR-Identität" mal auf den Punkt zu bringen. - Jedoch: Seine IM-Arbeit redet er klein. Die war nicht so nebenbei, wie er meinte (zumindestens öffentlich sagte). Sicher hatte er hier auch noch seelische Prozesse der Weiterentwicklung von denen wir nichts wissen. Auch deshalb ist sein früher Tod ein Verlust, denn eines Tages hätte er davon berichtet und ihm wäre ein Lied geglückt, daß die ganze Stasi-Sache auf den Punkt bringt.


 

Männer, Frauen und Maschinen (1988)

1.  Lancelots Zwischenbilanz 1   2. Halte durch  3.  Lohntag   4.  Verzweifeltes Kinderlied mit kleinbürgerlichem Einschlag   5. Scheißspiel   6.  Meine Hände  7. An Vater   8. Wie ein Freund  9. Mann aus Eisen   10. Trauriges Lied vom sonst immer lachenden Flugzeug   11. Hoy Woy  12. Honky Tonk Woman  13. Kleine leise Traurigkeit  14. Männer und Frauen  15. Kummer  16. Zu wenig  17. Lancelots Zwischenbilanz 2

 


Einsame Spitze (1992)  

1. Terminator I   2. Einsame Spitze   3. Blau und Blau  4. Nach Haus   5. Grüne Armee  6. Brigitta   7. Gras Ii   8. Alle Oder Keine   9. Kann mich nicht Erinnern   10. Soll sein   11. Dickes Ende  12. Terminator II (Raf-Mix)   13. Gras   14. Komm nicht zu spät #

 


Der 7te Samurai (1993)  

1. Der Siebente Samurai   2. Sieglinde   3. Niemandsland   4. Wenn Ich Wär   5. Ruhetag   6. Linda   7. Herzblatt   8. Sehnsucht nach dem Rattenfänger  9. Ich mache meinen Frieden  10. Pferd Aus Holz  11. Kämpfen Wie Männer  12. Kann dich nicht mehr leiden  13. Schwarze Galeere  14. Einmal #

 


Silly + Gundermann & Seilschaft . Unplugged  (1994) 

Disk 1:  1. P.S.  2. Der 7te Samurai  3. Niemandsland  4. Einsame Spitze  5. Halloween in Ost Berlin  6. Rot wie Mohn  7. Schlohweißer Tag   8. Krimi­nelle Energie  9. Nicaragua (Cuba) 10. Linda  11. Kann mich nicht erinnern  12. Gras  13. Neider  14. Fliegender Fisch  15. So 'ne kleine Frau
Disk 2: 1. Herzblatt  2. Vater  3. Einmal  4. Hurensöhne  5. S.O.S.  6. Die wilde Mathilde  7. Traumpaar  8. Grüne Armee  9. Bataillon d'amour  10. Räuber (wenn ich wär)   11. Bye Bye   12. So wird es Tag  13. Paradiesvögel  14. Alle oder keiner  15. Ruby Tuesday  16. Nach Haus #

 


Frühstück für immer (1995)  

1. Frühstück Für Immer  2. Krieg  3. Sag Wolltest Du Nicht Doch   4. Spricht Der Teufel   5. Wenigstens Bis Morgen  6. Macht Ja Nischt  7. Das Wars Dann Wohl   8. Revolution Nr. 10   9. Keine Zeit Mehr   10. Vögelchen   11. So Wird Es Tag   12. Sonntag In Schwarze Pumpe  13. Hier bin ich geboren  14. Ist da irgendwer #

 


Engel über dem Revier (1997)

1. Heyaheya   2. Owehoweh   3. Wer Hat Ein Helles Licht Bei Der Nacht  4. Weiss tu noch   5. Morgen Morgen  6. Leine Los  7. Streunende Hunde   8. Brunhilde   9. Und Musst Du Weinen  10. Vater  11. Engel über dem Revier   12. Fliegender Fisch II  #

 


Krams - Das letzte Konzert (1998) mit Zwischentexten

(Disk 1) 1. Der Narr  2. B 97  3. Strasse Nach Norden   4. 21. Juni   5. Lancelots Zwischenbilanz   6. Father   7. Gras   8. Einmal   9. Der Hundebuden­besitzer  10. Das war mein zweitbester Sommer   11. Vögelchen   12. Fotoalben   13. Vater   14. Tochter Und Vater   15. Und Musst Du Weinen  16. Hardware & Software  17. Atlantik City  18. Hauptsatz der Thermodynamik   19. Krieg  20. Über Produktevernichter  21. Oweh

(Disk 2)  1. Wo Bleiben Wir  2. Christiane  3. Stalinismus & Tschernobyl   4. Kein Land In Sicht   5. Freundinnen  6. Brunhilde  7. War Dein Freund  8. Nostradamus  9. Morgen, Morgen  10. Krebs  11. Rattenfänger  12. Vom Standpunkt der Homöopathischen  13. Die Zukunft  14. Peggy Sue Hat Geheiratet   15. Hier bin ich geboren   16. In der Lausitz   17. Engel über'm Revier  18. In der Nachbarschaft   19. Fliegender Fisch.II #

 


 

Werkstücke II  (2003)

1. Schneegebirge   2. Keine Märchen mehr   3. Die Letzen werden die Ersten sein   4. Streunende Hunde   5. Dem deutschen Volk   6. Cuba   7. Soll sein   8. Kein Land in Sicht   9. Es kommt der Tag   10. Old dixie down   11. Wo bleiben wir   12. Steinland   13. Für C.   14. Scheissspiel   15. Rocket launcher   16. Die Festung   17. Europa #

 

 

Torero... Werkstücke III  (2005)

(Disk 1)    1. Weißt du noch    2. Vögelchen  3. Text: der dicke olaf   5. torero (alle gegen einen) 5: schneegebirge Titel 6: text: carl schurz Titel 7: hey, bruder sag mir Titel 8: text: sommer 1849 Titel 9: rastatt (hey du leutnant) 10: text: keine rechnung ohne quittung   11: loblied auf die alten männer  12: text: internationale brigaden  13: cuba  14: vater  15: linda    16: wo bleiben wir (die kreuzung)  

(Disk 2)  17: gras Titel 18: text: ins wasser gehen Titel 19: hör die wölfe heulen Titel 20: kommen und gehen Titel 21: es kommt der tag Titel 22: sieglinde Titel 23: kleiner junge (zeig mir deine zähne) Titel 24: text: früher Titel 25: angelina Titel 26: text: wanderburschen heute Titel 27: drachentöters vater Titel 28: wer hat ein helles licht bei der nacht Titel 29: text: die alten sumerer 30: streunende hunde Titel 31: text: über elektrizität Titel 32: feuerwasser  33: engel über dem revier  34: hoywoy II  35: text: meine kapelle und ich Titel 36: rockn roll star Titel 37: fliegender fisch II  #  

 

 

 

 

1996, 352 Seiten

 

Keine Bücher:

 

 

Bücher

 

Gerhard Gundermann war Baggerfahrer und Liedermacher, Genosse und Rebell, Offiziersschüler und Befehlsverweigerer, Spitzel und Bespitzelter. Vor allem aber war er ein Idealist, einer, der immer nach vorn drängte und immer wieder aneckte. Das Buch enthält Briefe und Erinnerungen, Dokumente und Interviews und viele Fotos. So wird dieser eigenwillige Mensch verständlicher. 

Christiane Baumann hat in den Archiven der Staatssicherheit recherchiert. Kollegen erinnern sich an die Zeit der Musik mit ihm. Außerdem äußern sich die Filmemacher Andreas Dresen (Regie), Laila Stieler (Drehbuch) und Alexander Scheer (Gundermann-Darsteller). Das Buch erscheint parallel zum Start des großen Kinofilms GUNDERMANN. Fast alle Texte und Fotos werden hier zum ersten Mal veröffentlicht.

DNB Buch Leusink  mit Inhalt

 

Inhalt von Buch Leusink 2018

 

Für die einen Stützen des Gedächtnisses, für die anderen Flügel der Fantasie 
Andreas Leusink: Ein Vorwort (7)

Sehnsucht nach einem Leben ohne diesen Druck # Conny Gundermann im Gespräch mit Birk Meinhardt (11)

Szene: Aus dem Drehbuch zum Film von Laila Stieler (23)

Lieber Vati! Andreas Leusink: Der Umzug nach Hoyerswerda und die alle zermürbende Trennung der Eltern (27)

Szenen Aus dem Drehbuch zum Film von Laila Stieler (35)

Ich mochte seinen Humor und dass er keinen falschen Respekt kannte. # Lutz Kerschowski: Sieben Jahre Zusammenarbeit mit Gundermann (39)

Viel Arbeit für ein Lächeln # Ingo »Hugo« Dietrich: Unsere Zeit bei der Brigade Feuerstein in Hoyerswerda (47) 

Flötentöne raus, Gitarrenschub rein # Tina Powileit, Mario Ferraro, Sebastian Deufel und Jens Quandt im Gespräch mit Jürgen Balitzki (63)

Szene Aus dem Drehbuch zum Film von Laila Stieler (77)

Die sieben Jahre als Genosse »Grigori« # Christiane Baumann: Akten, Einsichten und Fragen (83)

Gundermann und seine Partei Andreas Leusink: Ein Zwischenruf (91)

Und dann diese Leere, diese Stille Laila Stieler: Notiz über einen Besuch in Hoyerswerda im Jahre 2009 (104)

Meine Reue kriegt ihr nicht. Laila Stieler im Gespräch mit Maxi Leinkauf (109)

Teamfotos von den Dreharbeiten (122)

Als ich das Drehbuch gelesen hatte, wusste ich, das ist mein Film! Alexander Scheer im Gespräch mit Birk Meinhardt (129)

Szenenfotos aus dem Film (145)

Wir wollen die Deutungshoheit über unsere Biografien zurück! Andreas Dresen im Gespräch mit Birk Meinhardt (161)

Anhang: Autorenverzeichnis 174  Besetzung und Stab des Films GUNDERMANN 178  Danksagung 179 Rechtenachweis 179

 


 

Inhalt von Buch Tankstelle für Verlierer

 

2018: aktualisierte Neuauflage: dietzberlin.de  schütt tankstelle verlierer 

http://d-nb.info/1159782954 mit Inhalt 

 

Hans-Dieter Schütt: Die Medaille ist eine Kugel (11)

Baggerfahrer und Rocksänger # Das erste Gespräch (15)

Richard Engel:  Eines Tages steigt er in sein Raumschiff  (51)

Jurij Koch: Die Schmerzen der endenden Art  (59)

. . . ABER GLÜCKLICHER WURDE ICH NICHT # Das zweite Gespräch  (67)

»Grigori« kommt von Kossonossow  #  Das dritte Gespräch  (85)

Jedes Paradies ist Ignoranz  #  Das vierte Gespräch  (105)

Volker Braun Die Leute von Hoywoy (2)  (127)

Noch mal die Leute von Hoywoy # Das fünfte Gespräch  (129)

 

Von Stefan W., Thüringen, 2007 zum Schütt-Buch

Er lässt sich in keine Schublade stecken, weil sie alle zu klein für ihn sind: der leider viel zu früh verstorbene Gerhard Gundermann, der zu Recht als ostdeutscher Liedermacher mit Kultstatus gilt. Immer unterwegs, von der Schicht auf dem Bagger im Tagebau zum eigenen Konzert, niemals stromlinienförmig, vom Rauswurf aus der SED zum IM der Stasi, die ihn auch wieder feuerte, weil er nicht "funktionierte", in seinen Liedern kritisch, ob gegenüber den erstarrten Ritualen der DDR-Zeit ("Lancelots Zwischenbilanz") oder Umständen der "deutschen Vereinigung" ("Krieg").
Hans-Dieter Schütt hat mit Gerhard Gundermann gesprochen und der hat ihn tief in sein Inneres blicken lassen. Daraus wurde ein Interviewbuch, das Gundermann als ganzen Menschen zeigt: trotzig, wild und engagiert, dann wieder leise und melancholisch, verletzbar und traurig. Ein Buch, so vielfältig wie seine Lieder, ein Buch, das dem ungewöhnlichen Leben von Gerhard Gundermann jederzeit gerecht wird. Es verdient viele Leser, diesseits und jenseits der alten Grenze, die immer noch einen tiefen kulturellen Graben markiert.

Richtig gut. 2007 Von S. Meier

Ein fantastischer Einblick in die Gedankenwelt Gundermanns. Ehrlich, kein Thema scheuend, traurig, witzig ... Manchmal muss man sich das Grinsen verkneifen, weil man denkt, der Gundi spinnt ein bisschen. Je mehr man liest, um so klarer wird einem, dass das keine Spinnerei ist, sondern weitsichtig, ja sogar genial, und dass man vielleicht selbst schon vom staendigen Biegen krumm denkt und daher Spinnerei vermutet. Jeder Satz ist seine Druckerschwaerze mehr als wert. Unbedingt empfehlenswert, wenn man ohnehin Gundermann und seine Lieder mag. PS: Ob auch "gundermannfremde Altbundeslaendler" aehnlich empfinden, muss ich demnaechst mal ausprobieren.

 


www - mehr

wikipedia Groß_Krams  bei Hagenow

klangkontext.de  Jürgen Trinkus im Norden  

Buschfunk.com  Verlag 

deutschlandfunk.de/hier-bin-ich-geborn-hier-hat-mich-mein-gott-verlorn 

 

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"Ich hab' auf's richtige Pferd gesetzt.

Aber das Pferd hat nicht gewonnen."

(Gerhard Gundermann im Film)

 

 

detopia-2018:

Mit 12 ist das mit der Pistole. Der Vater hat Bewährung gekriegt, war dann aber vorbestraft. Das bedeutet beruflich was (im Osten). Außerdem war er bestimmt reichlich in U-Haft und die Stasi (in diesem Fall = Kripo) hat ihn reichlich in die Mangel und in die Zange genommen, also gedroht und bedroht. Die Mutter als Frau bei der Gewerkschaft hat einen 'roten Job' gehabt; der verlangte 'Parteitreue' und 'Klassenstandpunkt'. Scheidung. Der kleine Gerhard ist schuld bzw. fühlt sich so. Umzug vom schönen Weimar ist häßliche Hoyerswerda mit 12. Verlust der alten Freunde, Schule, Umgebung. Die Mutter (ich weiß es aber nicht!) ist bestimmt genauso loyal zum Sozialismus wie zu ihren Kindern, also nicht sehr. Gundis Schwester soll im Jugendwerkhof gewesen sein. Das sagt mir, dass sie von der Familiensituation überfordert war. Das alles muss einen 12jährigen zutiefst verstören, durcheinanderbringen, prägen. Ich wundere mich nicht über seinen Zickzack-Lebensweg und frühem Erschöpfungstod ähnlich Rio Reiser. 

Das ist natürlich alles voll traurig. Aber mittlerweile kenne ich einige frühe Tode stark-scheinender Männer aus meinem Umfeld. Im Fall G.G. spielte die 'SED-und-Stasi-Hatz' nach 1989 eine große Rolle. Ähnlich, wie man sich auf einmal zwischen Linker ('Zecke') und Rechter ('Nazi') entscheiden musste. Das kam aus irgendwelchen Tiefen der Verunsicherung des kollektiven Unbewussten. Jedenfalls die Vehemenz. - Wir werden noch lernen müssen, gut von böse und falsch von richtig zu unterscheiden. Es wird noch nicht erkannt, dass die heutige selbstverständliche Vielfliegerei, Spaßautofahrerei, Massenkreuzfahrten 'böser' sind (in den Auswirkungen) als die MfS-Arbeit etlicher (nicht aller!) IMs und SED-nahen Angestellten. Wir werden das noch lernen müssen.  

Es ist ja immer interessant, warum jemand 'zu früh gegangen ist'. Genauer: warum man das später so kommentiert. Denn anders herum wissen wir nachträglich oft, wie jemand an seiner Gesundheit Raubbau betrieb bzw. wie Oscar Wilde, sich einfach nicht in den Zug London-Paris setze, also einfach nicht fliehen wollte, obwohl ihm seine Freunde damit in den Ohren lagen. Wie auch G.G. seine Freunde ihn zum Maßhalten ermahnten und ihm vielerlei Vorschläge dazu machten, also gar nicht nur sagten: Du musst mit deiner Baggerarbeit aufhören.

Oscar Wilde und G.G. hatten also eine "Mitschuld" (an ihrem frühen Tod) und vielleicht auch Rudi Dutschke, Rio Reiser, Wladimir Wissotzky und Rudolf Bahro.

Wir als Normale wissen nicht, wie sehr einen Künstler der Medienbetrieb aufpumpt und eine Art Abhängigkeit ("Adrenalin") entstehen läßt.

Das wäre die eine Seite der Medaille von "Er ging zu früh." Eine andere wäre: "Aber 43 ist doch ein schönes Alter.", wenn man es an der Urzeit misst. (Wobei es ein Unterschied ist, ob wir  10.000- oder 100.000- zum Vergleich heranziehen.)

Ich will aber noch auf eine weitere Seite der Medaille hinaus, nämlich: Wie holen wir heute noch Nützliches aus den zu früh Verblichenen heraus? 

Bei Künstlern geht das gut, in dem deren Werke weiter genutzt werden. Außerdem kann man ihr Leben rekonstruieren und Lehren daraus ziehen. Man möchte natürlich deren weitere Werke haben, die ungeschriebenen, besser: die, die auch in ihnen selber erst Jahrzehnte später entstehen, wenn sie sich weiterentwickelt haben. Wenigstens die Thematik ihrer nächsten Kunst wissen. Bei Gundermann müssen wir auf einen Nachfolger warten. Auf einen, der so ähnlich ist. Wir werden ihn vielleicht als Nachfolger nicht gleich erkennen. Erst ein Historiker sieht dann "die Parallelen".

'Die Zeiten' änderten sich bisher schnell. Und damit auch alle Darreichungsformen von Lebenshilfekunst. Ist Pussy Riot ein Nachfolger von Wladimir Wissotzky? Ähnlichkeiten sind vorhanden. Unterschiede aber auch.

Er war gut, dass Buch und Spielfilm erschienen sind. Damit sich der Kreis schließt. Damit "Gundi" nicht einfach so "einschläft". Auch zu Wissotzky gibt es einen Spielfilm, sehr sehr schlecht, aber immerhin. Auch zu Dschingis Khan gibt es neben den modernen aufwändigen Dokus einen aufwändigen, historisch genaueren Spielfilm. 

Ich finde den Film von Dreesen übrigens fade. Es ist richtig, wenn man "Das Leben der Anderen" als Phantasie-Thriller bezeichnet, der mit der Realität in der DDR, im MfS, nichts zu tun hatte. Insofern ist der Gundermannfilm von Dreesen gut, weil nah an der Realität. Es wurde nicht erklärt, wie die Gundi-Familie von der Platte ins Siedlungshäuschen kam. Und es viel auf, dass im Abspann die Namen der Stiefkinder nicht erwähnt waren. Ich fand zwar gut, dass der Film versucht, über die MfS-Arbeit einschließlich Entschuldigung alles zu sagen ("gründlich aufzuarbeiten"). Aber dass es dazwischen die DDR/BRD Wende gab, wird gar nicht erwähnt. (Und wenn man ein paar Fotos vom Mauerfall eingeblendet hätte.) So denkt man, es wäre ein ganz normaler bürokratischer Vorgang, dass nach einem neuen Gesetz, die Leute Akteneinsicht bekommen, oder nach einer Sperrfrist. 

Man wünscht sich eigentlich nun eine richtige dicke Biografie. Nunmehr. Die Schwester soll zu Wort kommen. Die Mutter. Die Stiefkinder. - Und zwar deshalb, damit wir uns ein richtiges rundes Bild von Gundi machen können. Er hat Großes geleistet - unter großen Belastungen. Das gilt es zu verstehen. Warum war sein Denken und Empfinden so weit entwickelt?

MfS: Wahrscheinlich nur der Zufall wollte es so, dass ich heute einen Persilschein als Oppositioneller habe und jedem präsentieren kann, dass 'ich es schon immer besser gewusst und auf der richtigen Seite stand', usw. Es hätte auch andersherum kommen können. Dann wäre ich ab 1990 in der Situation von Gundermann und vieler anderer Ex-IMs gewesen. Bei der richtigen Mischung von Bedrohung [meine Kinder kommen ins Heim] und Verlockung hätte ich dem allmächtigen MfS in meiner Einfalt nichts entgegensetzen können. Die SED konnte ich immer gut abwehren mit: Ich bin noch nicht soweit.

Es war und ist zwar schade, aber wohl unumgänglich, wie es mit der "Aufarbeitung" gelaufen ist und im Prinzip heute noch läuft. Scham, Schuld, Kränkung, 'das Gesicht verlieren', Ehre, Stolz -- das gehört  seit Beginn zum Hauptteil der überlieferten Geschichte. Schon die Mythen und Tragödien im antiken Griechenland handeln vorwiegend davon. Noch vor 150 Jahren gab es von Frankreich bis Russland Duelle, 'um die Ehre wieder herzustellen" (oft mit Todesfolge). Auf der anderen Seite muss es einen tiefen Grund geben, dass die Hauptwut der 'Unbescholtenen' ab 1990 sich auf die IMs richtete. Obwohl fast alle irgendwie mitgemacht haben. So gesehen könnte man Gundermann sogar 'vorwerfen und anklagen' dafür, dass er Strom und Gas produziert hat; denn hätte er 'nicht mitgemacht', dann wäre die DDR schon früher am Ende gewesen. Oder: Wieviele Leute haben denn 1983 "Schwerter zu Pflugschaaren" unterstützt? bzw. In ihren Betrieben und Wohngebieten gegen neuartige Raketen argumentiert?

Weitergesponnen: Ist 'die Moral' des heutigen 'Verbrauchers' besser als die der IMs aus der DDR? Sicher: Um die Zivilgesellschaft mit Zivilcourage aufzubauen, ist es nötig, dass jemand mir offen entgegentritt und nicht 'hintenrum' (geheim) mit der Macht kungelt und mich damit gar nicht ernst nimmt. Aber es ist noch nicht sicher, wie weit die Deutschen heute auf dem Gebiet der zwischenmenschlichen Offenheit gekommen sind. Manche Berichte von "Mobbing" und "Kampf um den Arbeitsplatz" (Kurzform: "DER JOB") sprechen ein deutliche Sprache.

Es muss eine ungeheure seelische Belastung für Gerhard Gundermann gewesen, nach 1990 mit seinem moralischen Idealismus und seinem überdurchschnittlichen Öko-Fachwissen als 'enttarnter Spitzel' vor Publikum aufzutreten. Nun stand er wieder in der Hackhierarchie ganz unten. 

Warum hat man nicht 1990 allen 'Systemdienern' ein moralisches 'Generalpardon' gegeben? Wohlwissend: Das war schon immer so - und wird wahrscheinlich immer so bleiben. Gleichzeitig hätte man 'ein doppeltes Generalpardon' ausloben können, wenn jemand 'sich erinnern kann' und bei der 'Aufarbeitung' mitmacht, mithilft, mit dabei ist.

Soweit, sogut.

Ich schreibe dann hier weiter, wenn ich eine vollständige Biografie über Gerhard Gundermann gelesen habe. 

Hoffentlich dauert es nicht sehr lange, bis die Biografinnen damit anfangen. 

Natürlich muss Gundis Familie zustimmen. Ansonsten würde ich es auch nicht lesen wollen. Herr Links hat schon Erahrung mit widersprüchlichen Zeitgenossen-Biografien (Rudolf Bahro, 2002). Aber was mich an Gundis Lebensweg interessiert ist eigentlich das Übliche, was in allen nunmal (psychologisch angehauchten) Biografien stehen muss, sonst wär' es keine. Ich plädiere für den moralischen Freispruch für alle Volkspolizeihelfer (die haben auch die Leute verpfiffen) und MfS-Helfer. 

Gerade kommt im Deutschlandfunk eine Serie zu einem äußerst krassem Fall aus dem Jugendwerkhof Torgau im Jahr 1989. Es wird also 30 Jahre danach noch immer Unglaubliches 'zu Tage gefördert' (September 2018). Und daher: Weil Gundi eigentlich vorfristig bei Büttner 'ne Platte gekriegt hat' (1988, aber die war besser als andere, die länger warten mussten), so kann er 2018 bei Links auch 'ne eigne Biografie 'kriegen'. Natürlich nur, wenn sich das Buch von Leusink gut verkauft, also wenn ein gewisses Interesse bzw. Bedarf oder 'Nachfrage' besteht.  #

 

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