detopia.de 

Theodore J. Kaczynski

Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft 

Das "Unabomber-Manifest" 

Zur Kritik des modernen Leftismus 

The Industrial Society and its Future

1995 

Washington Post vom 19.09.1995 

Wikipedia.Autor  *1942 in Chicago 

DNB.Kaczynski    Google.Autor    Amazon.Autor   

detopia:

Manifest: Solschenizyn 1990

Einer gegen alle: Waleri.Sablin.1975  

K.htm  (Ordner Utopiebuch   Ökobuch   

 Einer gegen alle: G.Elser 1939   Vorläufer: Jack London 1906    Vorläufer: Henry Thoreau 

 

detopia-2019:

T.K. liegt nicht auf meiner Theorie-Linie. Er beeindruckt durch seine 'unbeugsame Haltung'. 

Ich bin gegen 'Kapitalismus', aber nicht aus Prinzip, sondern 'nur' deshalb, weil der 'gegenwärtige Weg' in die 'gegenwärtige Zukunft' führt.

'Kapitalismus' ist aber nur die momentane Ausformung von 5000 Jahren Zivilisation, die immer auf Herrschaft und Unterdrückung beruhte (und Raub und Mord). Insofern 'bin ich für' Urkommunismus und Basisdemokratie..... bei voller Technologieanwendung.

T.K.'s Schrift ist auch ein volkstümlicher Beitrag zur Gesellschaftstheorie: auch weil sie kurz ist - und kurz sein musste.

T.K. spricht die 'Herrschaftsverhältnisse' an. Er fühlt wie typischer US-Bürger. Und sieht alles als 'links' an, was 'die Freiheit' einschränkt. Aber man soll darüber nachdenken - auch im Zusammenhang mit Solschenizyns Manifest.

 

 

  

 

 

 

 

Theodore J. Kaczynski :  "Das Unabomber-Manifest"  (1995)   -

 

Morgenpost 1998   Artikel

 

Yonan 1996  Artikel

kultur-netz.de/numinos (Yonan)   heise suche Autor 

 

 

Telepolis:

 

Maschinenstürmer im Netz  Florian Rötzer 1996 - (detopia: weit hergeholt)

 

heise.de/tp/artikel/2/2340/1.html   Paranoide Angst vor Technologie   14.03.2013     Peter Mühlbauer

 

Bomben aus der Wildnis - 13. November 1997 – Florian Rötzer - Der Unabomber und sein Kampf gegen die wissenschaftlich-technische Elite:  heise.de/tp/artikel/1/1331/1.html 

Zusatz:

2013 über mexikanischen Ökoterroristen: heise.de/tp/artikel/38/38743/1.html  (detopia: ein Albtraum wird war.)

 

 


 

Aus Wikipedia 2015:

 

Festnahme, Verurteilung und Haft:

Kaczynski nach seiner Festnahme Die ermittelnde UNABOM Task Force richtete eine 1-800-Hotline ein und setzte eine Belohnung von 1.000.000 $ für Informationen aus, die zur Identifikation und Gefangennahme des Unabombers führen würden.

Nach dem Zeitungsabdruck des Manifests erkannte Teds jüngerer Bruder David darin den Schreibstil seines Bruders und verständigte nach eigenen Ermittlungen die Behörden. Ted Kaczynski wurde am 3. April 1996 in Lincoln (Montana) vom FBI verhaftet. 

Die Ermittlungen zu diesem Fall hatten insgesamt rund 50 Millionen US-Dollar gekostet und etwa eine Million Arbeitsstunden verursacht, der bis dahin größte in den USA je betriebene Aufwand zur Festnahme eines Täters.

Am 4. Mai 1998 wurde Kaczynski nach vorheriger Absprache von Verteidigern (darunter Judy Clarke) und Staatsanwaltschaft zu achtmaliger lebenslanger Freiheitsstrafe ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt. 

Kaczynskis Verteidigung ging, auch bestärkt durch entsprechende Aussagen seines Bruders, von Beginn an davon aus, dass er an einer schweren psychischen Störung leide und seine Schuldfähigkeit bezweifelt werden müsse. 

Kaczynski selbst jedoch torpedierte die darauf abzielende Verteidigungsstragie seiner Anwälte insofern, als er es zurückwies, psychisch krank zu sein und auch die Möglichkeit einer dadurch begründeten Verhandlungsunfähigkeit zu jedem Zeitpunkt vehement ablehnte. 

Auch noch nachdem seine Anwälte ihn davon überzeugen konnten, auf eine zumindest verminderte Schuldfähigkeit zu plädieren, lehnte er es ab, als „psychisch krank“ bezeichnet zu werden, und bestand darauf, sich selbst zu vertreten.

Eine von ihm aus diesem Grund tolerierte gutachterliche Untersuchung durch die Psychiaterin Sally Johnson kam indes zu dem Schluss, dass er an einer paranoiden Schizophrenie leide. 

Dadurch unter Druck gesetzt und in der Befürchtung, der Prozess könnte scheitern, machte die Staatsanwaltschaft Kaczynski und seiner Verteidigung das Angebot einer Verständigung im Sinne der lebenslangen Freiheitsstrafe. 

Kaczynski willigte ein. Er verbüßt seine Haft im Bundesgefängnis ADX Florence, einer Hochsicherheitshaftanstalt in Florence (Colorado).

In der Haft schreibt Kaczynski und korrespondiert mit etwa 400 Personen. Seine Dokumente werden in der Labadie Collection der Bibliothek der University of Michigan verwahrt. Die Namen vieler Briefpartner werden bis 2049 nicht veröffentlicht. # 

 

 

 

"Seines Bruders Hüter" oder 

Die Einsamkeit des Unabombers 

Von Hans Branscheidt 

 

Theodore J. Kaczynski lebt seit 25 Jahren im Wald. 50 Millionen Dollar hat die längste und aufwendigste Fahndung gekostet, die es in der Geschichte des FBI je gegeben hat. Seit Wochen schon haben Rangers und Agenten des Federal Bureau of Investigation die Wälder observiert, haben Mikrophone und Sensoren und Infrarotgeräte installiert. Sogar ein Aufklärungssatellit der US-Armee ist auf das Tal fokussiert. Eine Million Dollar ist als Prämie auf seinen Kopf ausgesetzt.

An diesem 3. April 1996 zieht ein dünner Rauch aus dem Kamin des Blockhauses, wo Kaczynski lebt, den kein Raster zu erfassen mochte, weil er nicht einmal mehr mit einer Kreditkarte der Zivilisation verbunden war. Doch manchmal kehrte er aus der Einsamkeit der großen Montana-Wälder in die Gesellschaft zurück, um seine außerordentlich sophisticated präparierten Brief- oder Paketbomben zu dislozieren, die Wissenschaftler des Gentech-Business und der Biowissenschaft trafen, die, — damals noch unbekannt — heute als die Cracks der Spitzenwissenschaften der 3. Technischen Revolution in aller Munde sind. 

Er wollte sie durch seine Bomben nicht nur töten, er wollte sie vor allem stigmatisieren. 

Die FBI-Truppe schickt Butch Gehring an seine Hütte, einen Holzhändler aus der Umgebung, der klopft an — und als Kaczynski öffnet, fallen die Nahkampfprofis schon über ihn her. Wortlos lässt er sich abführen. Kein Kommentar. Die Staatsanwälte überführen ihn in eine der technisch am besten überwachten Zellen: 24 Stunden umgeben von Kameras und Mikrophonen. Alles geht automatisch vor sich. Einzelhaft. Absolute Isolation. Genug Beweise scheinen vorzuliegen, um den Mann demnächst auf den elektrischen Stuhl zu bringen, der einst als mathematisches Wunderkind galt, der später als mathematisches Genie gefeiert wurde, dem Kollegen an den renommiertesten Universitäten des Landes prophezeiten, er würde eines Tages den Nobelpreis erhalten, für den er dann tatsächlich auch vorgeschlagen wurde.  

Aber, wie in Tony Richardsons Film "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers", hatte sich Theodore J. Kaczynski kurz vor dem triumphalen Aufstieg auf die anerkanntesten Höhen der akademischen Gesellschaft für eine große Verweigerung entschieden und radikal "nein" gesagt. 

In der Schule hatte man bei Theodore einen IQ von 170 gemessen, den Wert eines absoluten Genies. Mit 16 Jahren beendet Ted die High-School und erhält sofort ein Stipendium der Harvard-University, der berühmtesten akademischen Lehranstalt der USA. Mit seiner Doktorarbeit über "Grenzfunktionen der Mathematik" gewinnt Kaczynski den Preis für die beste mathematische Dissertation des Jahres 1967. Mit gerade 25 Jahren wird er Professor an der Berkeley Universität. 

Eines Tages jedoch schließt Kaczynski die Türe zur Gesellschaft ab. 

Er kauft für 2.000 Dollar ein kleines Grundstück in Montana und baut selber eine dürftige dreimal vier Meter kleine Holzhütte. Er pflanzt Gemüse, schießt Wild und grillt die Beute unter freiem Himmel. Im schneereichen Winter heizt er die Hütte mit Holz und schreibt im Licht einer Kerosin-Lampe. Kein Strom, kein Telefon, kein fließendes Wasser, keine Post, nicht einmal eine Kreditkarte. Die sozialpsychologisch ausgetüftelten Fahndungsraster des FBI finden so einen nicht.

Er liest viel, auch deutsche Bücher, französische ebenso, die Werke des Rechtsphilosophen Jaques Elul. Er liest auch sehr viel Henry David Thoreau, den Adalbert Stifter Amerikas, liest dessen naturlyrische Berichte über die Concord und Merrymack-Rivers. 

Thoreau, der vor mehr als 90 Jahren lebte und keine Steuern an den Staat zahlte und deshalb ins Gefängnis geriet, wo sein Freund ihn aufsuchte, der Schriftsteller Ralph Waldo Emerson, der ihn leicht vorwurfsvoll fragte: "Was machst Du denn hier, Henry?" Und dem Thoreau antwortet: "Das, Waldo, ist die falsche Frage, richtig heißt sie: Warum bist Du nicht hier?"  

Thoreau hatte einen Preis gewonnen für die Herstellung der besten Bleistifte der USA — und alles gratulierte ihm und meinte, jetzt sei er groß raus und geschäftlich auf dem Durchbruch, worauf Thoreau erwiderte: "Ich weiß jetzt nur eines, ich werde niemals wieder einen Bleistift herstellen". Thoreau, ein früher großer Verweigerer, hatte andere Qualitäten als die des "Besten" besetzt: sieben Stunden lang konnte er sich mit größter Geduld einer Schneeeule nähern, bis sie ihn schließlich zu sich ließ.

Kaczynski ist auch von dieser Art: 

Alles an der menschlichen Existenz erscheint ihm als einzige hochsträfliche Seinsvergessenheit, alle Zivilisation ist ihm das Unwahre. Und die Vertreibung aus dem Paradies erscheint ihm als der erste "Fortschritt" in der Geschichte der Menschheit, für deren weiteren Fortschritt er nicht zur Verfügung steht. "Soviel Vorgeschmack auf die Hölle - so wenig Nachgeschmack vom Paradies". Aber so kann man nicht leben, nicht unter Menschen leben, nicht in der Gesellschaft sein. 

Kaczynski verkriecht sich als Eremit, er hinterlässt seinen Eltern nur "Ich liebe die Natur. Den tiefen Wald". 

Kaczynski muss ein sehr einsamer Mensch vorher schon gewesen sein, jetzt will er nicht anders mehr existieren. Seine Tarnung ist perfekt. Das FBI realisiert nach 17 Jahren: "Wir finden ihn nicht, obwohl wir ihn eigentlich finden müssten, denn er ist nicht irgendwer, er ist hochintelligent."

Seine Achillesferse, seine wunde Stelle, die ihm schließlich zum Verhängnis wird, ist seine Inkonsequenz: er will einsam sein und ist einsam vor allen Menschen, und doch liebt er und will deshalb ein "Manifest" veröffentlicht wissen, richtet sich also doch an alle Menschen, was nur der tut, der doch noch an den Menschen glaubt, seinen Verstand, seine Liebe, seine Aufmerksamkeit und seine Veränderbarkeit. 

Das "Manifest" schickt er dem FBI, für die große Presse — und das FBI, am Ende des Lateins, und ursprünglich zu keinem Entgegenkommen bereit, entschließt sich nun, den Text der New York Times zu übergeben. 

Aufsehen erregte seine Forderung im letzten Jahr, daß große Zeitungen ein langes von ihm verfaßtes Manifest mit dem Titel Die Industriegesellschaft und ihre Zukunft abdrucken sollten, wobei er versprach, dann zumindest die Attentate auf Menschen einzustellen. Die Zeitschrift Penthouse wollte dem Unabomber als Kompensation gleich eine monatliche Kolumne zur Verfügung stellen. Aber Penthouse war ihm zu wenig seriös oder zu wenig verbreitet. 

Er drohte mit einem weiteren Attentat, bis schließlich die Times und die Washington Post eine gekürzte Fassung abdruckten. 

Irgendwie schien der Unabomber durch den blutigen Anschlag von rechtsgerichteten Desperados am 19.4.1995 in Oklahoma City, der 168 Todes­opfer gefordert hatte, verwirrt worden zu sein. 

Plötzlich richtete sich das öffentliche Interesse nicht mehr auf ihn, und der anti-staatlich motivierte Terrorismus der Rechten verfolgte zumindest oberflächlich ähnliche Ziele wie der selbsternannte Retter der Menschen vor der entfremdenden Industriegesellschaft. 

Er sei ärgerlich, schrieb er, als er nach seinem Motiv gefragt wurde, den Terror aufzuhören: "Wir bedauern zutiefst die Art des willkürlichen Gemetzels", teilte er der Times mit, "das sich durch den Vorfall in Oklahoma City ereignete." 

Diese Geschichte ist auch hier mittlerweile bekannt, sein Manifest jedoch weniger oder gar nicht. Gelesen und diskutiert hatte man es in Amerika vor allem deswegen, weil er durch seine Taten die Aufmerksamkeit der Medien fand. 

Die "Propaganda der Tat" ist ein altes anarchistisches Konzept, das wie die Anarchisten selbst mit dem Massenmedium Zeitung entstand. 

Und der Unabomber machte von ihr explizit und in klaren Worten Gebrauch, weil er der sicher richtigen Meinung war, daß es für die "meisten Individuen und kleinen Gruppen nahezu unmöglich sei, in der Gesellschaft nur durch Worte Aufsehen" zu erregen: "Um unsere Botschaft mit einer gewissen Chance, einen dauerhaften Eindruck hervorzurufen, zur Öffentlichkeit zu bringen, mußten wir Menschen töten."   

Die wesentliche Aussage dieser Schrift, die von der Presse als "Manifest" bezeichnet wird, ist: die moderne Technologie unserer Zeit zerstört die Autonomie des einzelnen Menschen und macht ihn von einem nicht mehr durchschaubaren System abhängig. 

Das FBI ging immer von einem Einzeltäter aus, obwohl in den Briefen und im "Manifest", die mit den Initialien "FC" gezeichnet waren, der Plural "wir" gebraucht wurde.

Im "Manifest" ruft "FC" dazu auf, das bestehende System notfalls mit Gewalt zu zerstören und bekennt sich zu den vorangegangenen tödlichen Anschlägen als Protest gegen die Zerstörung der Natur und die technologische Versklavung der Menschen.

Die beiden bedeutenden Tageszeitungen <New York Times> und <Washington Post> entschlossen sich nach Beratungen mit dem FBI und dem General­staats­anwalt zu einer Veröffentlichung des vollen Textes, der am 19. September 1995 in einer achtseitigen Beilage der Washington Post erschien.

Die Druckkosten wurden von beiden Zeitungen getragen. Der Abdruck führte schließlich zur Verhaftung des Verdächtigen. 

#

  ^^^^  

 

 

Theodore (Ted) J. Kaczynski (Unabomber) 1995  Die industrielle  Gesellschaft und ihre Zukunft  "Unabomber-Manifest"  Zur Kritik des modernen Leftismus

www.detopia.de      https://detopia.de