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Arman Sahihi

Designer-Drogen

(synthetische, künstliche, chemische)

Gifte, Sucht und Szene 

Ein Psychologie-Heute-Taschenbuch

 

1990 by Beltz-Verlag

1995 by Heyne-Verlag

 

Designerdrogen  -- Gift, Sucht, Szene  - 

1990   *19xx  282 Seiten  

 

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Wikipedia  Designerdroge 

 

detopia:  S.htm  (Ordner
Psychobuch    Borowiak.Alk    Blubb.1992 

 

Inhalt

Einleitung  (7) 

Literatur  (113)  

Drogen Glossar
von A-Z
 (117-282)
mit Drogenjargon 

 

1   Designer-Opiate  (13) 

2   Crack - Kokain  (35) 

3   Ketamin - PCP - Angel Dust (53)

4   Speed, Crystal  (67) 

5   Ecstasy - XTC - MDMA   (87) 

6   MPTP   (99) 

7   Abschließende Gedanken  (109)

 

(d-2015:) Das Buch ist kurz und bündig. Mittlerweile gibt es mehr Aufklärung und Information. Etwa bei youtube sind gute "Dokus" der letzten Jahre verfügbar. Jedoch: detopia.de ist keine "Drogenseite", sondern eine Seite über Zukunft; insofern lautet unser Blickwinkel: "Was noch alles auf uns zukommt.".

Audio 2008 Crystal in Sachsen  19:00

Audio 2013 Crystal ist Ende  2:30

Audio 2014 Crystal in Bayern  29:00

Lange Zeit schienen Designer-Drogen und viele andere synthetische Rauschgifte ein typisch amerikanisches Problem zu sein. Die schnell und billig herzustellenden Designer-Drogen machen das ohnehin gefährliche Spiel um die künstlichen Paradiese zu einem regelrechten Russischen Roulette. 

Arman Sahihi informiert über diese neuen, tödlichen Drogen, warnt eindringlich vor den damit verbundenen Gefahren und beweist, daß diese Probleme keinen Aufschub dulden, wenn uns die Zukunft unserer Gesell­schaft am Herzen liegt. 

 

    

Einleitung

7

Der Begriff Designer-Drogen ist für manchen irreführend. Er denkt vielleicht zuerst ganz diffus an Drogen für Designer und fragt sich, was das wohl sein mag. 

Die Designer-Drogen (<DD> - der Einfachheit halber) sind solche Rauschmittel, die synthetisierend, entweder von natürlichen Giften und Drogen deriviert, abgeleitet, oder — ganz ohne natürliche Grundlagen — auf Papier entworfen und errechnet (designed) und von "Chemikern" (im weitesten Sinne des Wortes) mit einigen wenigen, fast immer legalen Chemikalien hergestellt werden. 

Die letztgenannte Methode, die zu vollsynthetischen, also rein chemischen DD führt, bringt ein juristisches Problem ins ohnehin hochkomplizierte Spiel: Solange die neue Droge nicht beschlagnahmt, analysiert und per Gerichtsentscheid für illegal erklärt worden ist — solange ist sie eben legal.

Designer-Drogen schienen lange Zeit ein eher amerikanisches Problem zu sein. Aber der Schein trügt: Auch in Europa gibt es inzwischen Dust, Crack, Fentanyl-Derivate, Methamphetamine, Crystal, Smack etc. Die Entwicklung ist in Europa jünger, weniger fortgeschritten als in den USA. Leider aber gilt auch in diesem Punkt, daß, was heute in Amerika modern ist, morgen auch bei uns modern sein wird.

Die DD haben zahlreiche Turbulenzen ausgelöst: Sie haben die Handelswege und Vertriebstechniken des Schwarzmarktes umgekrempelt, haben die Schutz­maßnahmen der Gesetz­geber und die Aktivitäten der internationalen Drogen-Polizei reichlich unterminiert; sie demonstrieren, was alles möglich wäre und was alles noch passieren könnte, und sie sind eine Gelegenheit, unser kollektives Verständnis der Rauschgifte aufs neue zu überprüfen.

Fast bis Anfang der achtziger Jahre galten die DD als ein regionales Problem Kaliforniens, bestenfalls noch der amerikanischen Großstädte. Man wußte erst seit kurzem von ihnen, aber nichts Genaues. (Dabei wurde seit gut 20 Jahren schon in den USA wie auch in Europa Amphetamin, Methamphetamin, PCP und Ketamin gekocht, verkauft und konsumiert.) 

Ausgerechnet 1984 kam es dann in den Vereinigten Staaten zu einigen sehr merkwürdigen Fällen des Parkinson-Syndroms: Junge Menschen alterten — buchstäblich über Nacht —, wurden teilweise oder völlig gelähmt, stumm und zitterten für den Rest ihres verschenkten Lebens vor Kälte. Kurze Zeit später, als das amerikanische Rauschgift-Dezernat DEA, die <Drug Enforcement Administration>, ein Waschküchenlabor für Amphetamine und Methamphetamine aushob, entdeckte man dort rätselhafte Rezepte und verfeinerte Anlagen: <Zur Produktion synthetischer Narkotika>. 

Ein morphin- oder heroin-identisches Rauschmittel zu schaffen, ganz ohne Opiat als Grundlage, hatte bis dahin eigentlich als fast unmöglich gegolten. 

Genauere Untersuchen ergaben, daß das vollsynthetische, äußerst potente Designer-Opiat, wahrscheinlich aufgrund eines kleinen Fehlers im Herstellungs­prozeß, hochgiftige Nebenprodukte enthielt, auf die die Parkinsonschen Syndrome zurückzuführen waren.

8/9

Gleichzeitig löste sich nun die Frage nach der Häufung der Überdosis-Toten in der jüngsten Vergangenheit wie von selbst: Es mußte mehr von diesem künstlichen Heroin geben, sauberer und durch die extreme Potenz schon bei der kleinsten Über­dosierung tödlich.

Die Welt war alarmiert: 

Die zerstörerischen Konsequenzen organischer Drogen wie Heroin oder Kokain waren ja inzwischen ausführlich erforscht und beschrieben. Nun drohte Gefahr aus einer anderen Richtung. Menschen rauchten, schluckten, schnupften, inhalierten oder injizierten synthetische Drogen, die selbst oder deren Nebenprodukte geeignet waren, irreparablen neurologischen Schaden anzurichten oder auch den sofortigen Tod zu bewirken.

Die Chemiker der amerikanischen Polizei begannen mit intensiven Studien der DD — und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Bald folgten die Niederlande mit eigenen Untersuchungen, dann auch andere Länder. Denn plötzlich schienen alle möglichen neuen (deshalb noch legalen) Rauschmittel die Drogenmärkte der westlichen Welt zu beherrschen. Des Rätsels Lösung: DD müssen nicht geschmuggelt werden. Hat einer die Rezepte und elementare Kenntnisse im Umgang mit Kochtöpfen, so kann er fast überall mit wenigen, in der Regel legal zu erwerbenden Chemikalien große und größte Mengen des entsprechenden Rauschmittels herstellen — mit Aussicht auf tausendprozentige Gewinne.

9/10

Diese leichte Verfügbarkeit der DD machte es notwendig, die vielen möglichen Opfer zu warnen. 
Doch die Chance, daß eine solche Warnung fruchtet, ist sehr gering: 

Eine Gesellschaft, die in den dreißiger Jahren behauptete, einige Züge Marihuana würden zu unkorrigierbarem Kifferwahn (<reefer's madness>) führen, die in den sechziger Jahren behauptete, daß schon eine halbe Portion LSD Chromosomen­abberationen herbeiführten (<Trips cripple!>) und vor Speed als tödlicher Droge warnte (<Speed kills!>), darf nicht glauben, daß gerade jene ihrer Kinder, die zum Strandgut der Moderne zählen, solchen gutgemeinten Warnungen Glauben schenken. Fehlinformationen kosten Autorität und Glaubwürdigkeit.

Es ist mit Sicherheit kein Zufall, daß nach jeder Anti-Drogen-Kampagne der Mißbrauch von Drogen zunahm, als sei die Kampagne ein Werbeträger für Drogen­konsum gewesen. Die Drogenpolitik hat den unverzeihlichen Fehler begangen, zwischen gefährlichen und ungefährlichen Drogen nicht zu unterscheiden, Haschisch und Heroin über einen Kamm zu scheren, als ob es kleine Kinder zu täuschen gelte. Aber Menschen und gerade auch Kinder haben ein Gespür für Unehrlichkeiten dieser Art — und fühlen sich schnell hinters Licht geführt. Hätte die Drogenpolitik seit jeher mit realen, authentischen Informationen, mit Tatsachen gearbeitet, so wären die Berater heute glaubwürdiger, ihre Meinung respektierter und das Drogenproblem insgesamt erheblich kleiner.

Ein anderer, gravierender Fehler der Drogenpolitik war: die Augen vor den Tatsachen zu schließen. Um nur ein Beispiel zu geben: Der Politiker sieht nie einen Fixer oder würde gar mit ihm reden; die Forscher haben keinen Kontakt zur Polizei und hören nicht auf sie; die Polizei ihrerseits weiß nur um ein zu bekämpfendes Übel und fast nichts über sozialpsychologische und neurophysiologische Hintergründe des Drogenkonsums.

Alle zusammen überhören die Stimme des Schwarzmarkts, es sei denn, sie wird so laut, daß sie nicht mehr zu überhören ist: 

Dieses Buch, daß keineswegs für sich beansprucht, das letzte Wort zum Thema Drogen zu sagen, will aufklären, vor allem über die breite Spanne der pharmakologischen und toxikologischen Gefahren. Es soll aber auch Einsicht bieten in soziale und psychologische Hintergründe des Drogenmarktes wie auch in neurobiologische Ursachen der Sucht.

Um das zu leisten - und um die klassischen Fehler der Drogenpolitik zu vermeiden - habe ich in der Drogenszene selbst recherchiert: Ich sprach mit Forschern und Toxikologen, mit Detektiven verschiedener Rauschgift-Dezernate und Sonder-Kommandos, mit Straßen-Dealern, mit den unterschiedlichsten süchtigen und nichtsüchtigen Drogenkonsumenten in Europa und in den USA. 

Ihre Informationen sind in dieses Buch eingeflossen und werden an einigen Stellen direkt zitiert. Ich will so einen Beitrag leisten, das Drogenproblem umfassender betrachten zu können und Zusammenhänge dort herzustellen, wo bisher allzuoft verengte Blickwinkel eine erfolgreiche Arbeit behinderten. 

10-11

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