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Edward Palmer Thompson 

Exterminismus
als letztes Stadium
der Zivilisation
 

1980    1924-1993 (69)

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detopia-2018:

Exterminismus.PDF   G.Heinemann   R.Bahro.1987   Petra Kelly 

 

  

   

       

    

 

       

    

[detopia-2016:  T.htm  Ordner   Ökobuch  A.Toynbee   General.Butler.1999   L.Mumford  A.Huxley    Petra.Kelly ]

 


 

"Wir haben es hier mit einer inneren Dynamik und einer gegenseitigen Logik zu tun, die eine neue analytische Kategorie erfordert. Wenn <die handbetriebene Maschine uns die Gesellschaft mit dem Feudalherren bescherte und die Dampfmaschine die mit dem industriellen Kapitalisten> (Marx) - was bescheren uns dann diese satanischen Maschinen, die heute laufen und die Mittel zur Ausrottung der Menschheit hervorbringen? Ich habe diese gedanklichen Punkte früher schon mehr als einmal erreicht und mich in verzweiflung abgewandt. Wenn ich nun direkt darauf schaue, weiß ich: wir brauchen einen neuen Begriff, den <Exterminismus>, den Drang zur Auslöschung also."

 

 

in: Arbeitskreis atomwaffenfreies Europa (Hrsg.): <Alternativen Europäischer Friedenspolitik> # , Berlin 1981   amazon1 

zuerst auf deutsch in: <Befreiung, Zeitschrift # rar Politik und Wissenschaft>, Nr. 19/20, Berlin 1980.

in: 1982 (81?) Erich Knapp / Die Grünen: Entrüstet euch, wir wollen leben, Analysen zur atomaren Bedrohung, Wege zum Frieden

Exterminismus in Zeitschrift Befreiung  

 

Werke: 

Plebeische Kultur und moralische Ökonomie. Aufsätze zur englischen Sozialgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, 1980

Writing by candlelight, London 1980

Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse 

Blauer Montag - Über Zeit und Arbeitsdisziplin 

Wahrnehmungsformen und Protestverhalten - Studien zur Lage der Unterschichten im 18. und 19. Jahrhundert

 


Was ist Exterminismus? 

1980 schrieb Edward Thompson, der visionäre britische Historiker, um den Widerstand gegen die »Nach­rüst­ungs«-Pläne zu begründen, seinen Essay über Exterminismus als letztes Stadium der Zivilisation. Im Englischen ist das zwar ein neues Wort, aber kein Fremdwort. Wenn man Unkraut vertilgt oder Ungeziefer ausrottet, sagt man exterminate, ähnlich den romanischen Sprachen, aus denen das Verb kommt. 

Es meint die massenhafte Vernichtung von Leben, das wir für unwert befunden haben. In diesem Sinne hat es 1958 auch Gustav Heinemann* gebraucht, als er im Bundestag erklärte, man könne die Atombombe nicht eine Waffe mehr nennen: Sie sei ein Ungeziefer­vertilgungsmittel, diesmal angewandt auf Menschen.

Ich empfand gleich, daß Exterminismus nicht nur auf militärischen Overkill — auf solche Erfindungen wie die Neutronen­bombe,* die nur Lebendiges vernichtet — paßt, sondern tatsächlich auf die Industrie­zivilisation insgesamt und zwar in sehr vielen, nicht nur materiellen Aspekten, obgleich diese letzteren zuerst ins Auge fallen. Es hatte seinen Sinn, daß die Ökopax-Bewegung nicht bei den Atomwaffen, sondern bei den Atomkraftwerken und bei scheinbar noch harmloseren Anknüpfungs­punkten begann. Die Kernkraft ist nur der geile Spitzentrieb eines Krebses, der unserer Gesamt­kultur innewohnt. 

Hinter den verschiedenen Abwehrbewegungen stand unaus­gesprochen schon die allgemeine Erkenntnis: In den Regelkreis, der unsere Gattungs­entwicklung lenkt, hat sich der Tod eingenistet. Thompsons Satz von der »zunehmenden Bestimmtheit des exterministischen Prozesses«, von der »letzten Disfunktion der Menschheit, ihrer totalen Selbst­zerstörung«, kennzeichnet die Lage insgesamt. 

Rudolf Bahro in <Logik der Rettung>


Exterminismus  ( Ulrich Albrecht )

Der Begriff wurde im Frühjahr 1980 von dem britischen Historiker und (besonders seither) Aktivisten der Friedensbewegung Edward P. Thompson (1924-1993) geprägt. Zuvor ist Thompson als engagierter Sozialhistoriker (1961) sowie durch seine Polemik gegen Althusser (1979) und als Wissenschaftskritiker bekannt geworden (1980).

In seinen Arbeiten sucht Thompson die theoretische Debatte in der neuen Friedensbewegung mit einem undogmatischen Marxismus zu verbinden. Seine öffentliche Wirkung umriss der Guardian 1982 mit der Wertung, Thompson sei »der beste politische Essayist« des Landes.

Der Sache nach, nicht im Begriff, taucht das Konzept zunächst in dem Pamphlet Protest and Survive auf (einer Ironisierung des Titels der amtlichen britischen Schrift zum atomaren Zivilschutz, Protect and Survive), die Thompson im Februar 1980 schrieb. 

Provoziert durch eine Zuschrift des Oxforder Militärhistorikers Michael Howard an die Times vom 30.1.1980, entgegnet Thompson in einer breit bekannt werdenden Polemik, dass es nach der Aufstellung von Marschflugkörpern nicht um einen verbesserten Zivilschutz gehe. Das Problem sei umfassender. 

Dabei geht Thompson von einer Sprachbeobachtung aus: »Mysterien umgeben das Treiben der technologischen ›Alchemisten‹. ›Abschreckung‹ ist nunmehr Normalität, und die Gehirne sind an das Vokabular wechselseitiger Auslöschung [extermination] gewöhnt worden.« (1980) 

 


 

Edward P. Thompson  

Exterminismus als letztes Stadium der Zivilisation  

2012 gekürzt und leicht umgearbeitet durch detopia

 

 

 

"Eine Verschwörungstheorie lag allen Untersuchungen aus dem stalin­istischen Einflußbereich zugrunde: <Die herrschenden Kreise der USA setzen alles daran, einen neuen Krieg vorzubereiten.>; <Genau diese Kreise bereiten ununterbrochen neue Aggressions­pläne vor.> 

So schreibt man dem Feind einen kriminellen Vorbedacht zu, der kaum einleuchtet und marxistischen Kategorien fremd ist. 

Was Wright Mills den <Drift und Drang in Richtung Dritter Weltkrieg> nennt, läßt sich in der Tat der Existenz oligarchischer und militärischer herrschender Klassen zuschreiben; die sich übrigens gleichmäßiger auf alle Kontinente des Globus verteilen als Friedens­anhänger vermuten.

Die Kriegsgefahr erwächst jedoch nicht aus der bewußten Planung dieser Eliten. Wäre dem so, dann könnten wir ruhig schlafen, denn die <herrschenden Kreise> (siehe oben) dürften kaum die eigene Vernichtung planen.  

Der Krieg kann aus politischen Entscheidungen dieser unverant­wortlichen Minder­heiten resultieren, als das letzte, unvorhergesehene Glied einer kausalen Kette, die in jedem Stadium von den vorangegangenen Entscheidungen einer herrschenden Klasse geschmiedet worden ist. 

Der dritte Weltkrieg könnte als <etwas, was keiner wollte> ausbrechen, als Ergebnis widerstreitender Formationen sozialer Kräfte... 

Wenn die Menschheit je durch ihre eigenen Waffen von dieser Erde ausradiert wird, dann wird es auf die Frage <Zog es sie oder sank sie hin?> keine einfache Antwort geben."2

2)  Peter Sedgwick: <NATO, the Bomb and socialism>, in: <Universities & Left Review>: Nr. 7, Herbst 1959 

 

Einundzwanzig Jahre sind seit 1959 vergangen. Die Frage und die politischen Folgerungen brennen noch genauso auf den Nägeln. Ich kann nicht mehr anbieten als Anmerkungen und Teilstücke von Argumenten. Manche dieser Fragmente nehmen die Form von Fragen an. Sie wenden sich an die Unbeweglichkeit der marxistischen Linken. 

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Edward  Palmer "E. P." Thompson   1980   Exterminismus als letztes Stadium der Zivilisation 

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