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Die allgegenwärtige Privatbesitzvermehrungsideologie (PVI)

»Ich werde mich gegen jeden Sozialdemokraten wenden, der öffentlich seine Angst bekennt. 
Früher mal ist es tapfer gewesen, seine Angst zu bekämpfen. 
Heute gilt es als tapfer, sich zu seiner Angst zu bekennen.« 
(Kanzler Schmidt, 1982)

Detopia ist ja nichts Besonderes. Sie ist ja nur eine vernunftbegabte Gesellschaftsordnung. Allerdings um den Preis des Gleichbesitzes (das wollen die Leute gefühlsmäßig nicht). Und kurzfristig um den Preis der "Armut".  

"Kurzfristig" deshalb, weil langfristig diese "Armut" zum Reichtum werden wird: Auf dem gegenwärtigen Wege werden wir alles verlieren. Und es gibt einen zweiten Grund: Das Materielle (unser materieller Besitz) macht uns immer mehr Probleme und schafft uns Nachteile. Als Beleg kann man den Gesundheitszustand der Bevölkerung anführen. Er wird schlechter, wenn wir auch alle "Psycho-Indikatoren" einbeziehen, wie Suizid, Burn-out, Frühdemenz, Hartz 4, Wohnungslosigkeit, Süchten und Abhängigkeiten, usw. - Auch die Entwicklung von Übergewicht, Diabetes, Allergien, Krebs geben kein positives Bild. - Und ich denke: Einige Sachen (negative, schlechte Gesundheit, als Folge unserer gewünschten Vorteile) sind noch im Aufstieg, im Fortschritt, im Wachstum. Die Ursache sind jetzt schon da. Aber die gesundheitliche Folgen treten verzögert ein. Zum Beispiel vermute ich von Feinstaub, Nanopartikel und Elektrosmog noch viel viel Schlechtes.

Das als Hinweis, dass ich von einer weiteren Erhöhung des "Massenwohlstandes" keine weitere Erhöhung der Zufriedenheit und Freude erwarte. - Es wird Fortschritte geben, aber auch gleichzeitig Rückschritte auf Nachbargebieten. So bleibt die Zahl der Getöteten im deutschen Straßenverkehr trotz mehr Kfz unter 4000 (30-Tages-Frist), aber die Zahl der Verletzten steigt an auf 400.000 (2016). (Quelle: Stat. BA)

Soweit zur Veranschaulichung dafür, dass die "Armut" nur kurzfristig ist. Ringen wir uns zu einer Zahl für "kurzfristig" durch: Maximal 30 Jahre. (Auch nur 15 wären möglich.) Danach wird ein detopisches Land spürbar und deutlich reicher sein, also jedes nichtdetopische drumherum.

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Und wie geht es weiter mit der Apokalypse? 
Also mit der gegenwärtigen Zukunft? 

 

Apokalyse ist eine furchterregende Vokabel. Zum Fürchten. Zum Wegrennen. Sie heißt zwar nur "Offenbarung", aber man weiß schon, wie die gemeint ist. Nämlich wie Dürers Holzschnitte.

Und irgendwie konzentriert sich der Begriff auch auf eine kurze Zeit und auf Waffentechnik gegen Menschen. Also: Alles, was länger als ein Jahr dauert, ist schon keine Apokalypse mehr. Und wenn doch alle Bienen verschwinden, dann ist das auch keine richtige Apokalypse, obwohl es uns dann ans Getreide geht.

Lassen wir das mal mit der ollen Apokalyse.

Sagen wir einfach: Der Mensch stirbt in diesem Jahrhundert aus den verschiedensten Gründen entweder ganz aus, oder aber nicht ganz.

Mit "nicht ganz" drücke ich aus, dass zwar noch lange Menschen irgendwie existieren können, also irgendwie nicht verhungern und auch noch genug Lebensfreude haben, um sich vermehren zu wollen. Aber: Was bedeutet das schon? Jedenfalls wird nichts so sein, wie in den letzten fünfzig postapokalyptischen Hollywoodfilmen behauptet wurde. Ich wiederhole: Nichts wird so sein. Es wird anders sein. Es wird viel weniger Actionstars geben, die noch genug gute Laune haben, um für was Gutes (Gerechtigkeit?) zu kämpfen.

Ich denke, dass es heute, 2016, sichtbar ist (für den, der hinguckt), dass die Zivilisation sinkt, so wie die Weltwaffenproduktion steigt. Eine Frage ist, wie schnell die Zivilisation sinkt. Eine andere ist, ob sie den Sinkflug stoppt. Eine dritte: Ob sie jemals wieder aufsteigt. Und ob sie den Willen dazu hat.

Ich gehe hier bei detopia.de davon aus, dass die Z. jedes Jahr weiter absteigt. Jetzt ist sie vielleicht bei 60%. Dann gehe ich weiterhin davon aus, dass bei 20% kein Wiederaufstieg möglich ist. Weil die antizivilisatorischen Kräfte dies verhindern wollen und werden. Stichwort: Warlords und Maffia, die sich keiner Zentralgewalt und Menschenrechten unterordnen wollen. (Mit Maffia meine ich die internationale organisierte Kriminalität.)

Jedenfalls hatte ich in diesem Jahr 2016 viele "Volksgespräche" geführt (durch engen täglichen Volkskontakt in einem Bildungszentrum.) Geschimpfe habe ich viel gehört. Aber wenig: "Ich bin bereit, viel mehr zu tun - für meine Zukunft, meine Kinder und die Menschheit."

Wenn ich es "auf den Punkt bringen" soll, aber es hört immer holprig an, welche Formulierung ich auch wähle: Am 1.1.2050 ist die Zivilisation futsch und am 1.1.2100 der Mensch. Für diese beiden Zeitangaben kann es keinen mathematischen Beweis geben. Auch keinen "Computerbeweis" (Modelle als Programme). Aber es gibt Bücher von klügeren Leuten als ich. Manche habe ich hier auf detopia.de eingestellt. Da stehen sie nun. Und in ihnen steht es geschrieben. Was auf uns zukommt. Was also sein wird. Denn es gibt Trends. Es gibt Wachstum. Es gibt Wachstumsmotoren. Es gibt gewolltes Wachstum. Und auch die Weltbevölkerungsexplosion muss als gewolltes Wachstum gelten. Und viele andere "Wachstumsbranchen" und Trends ebenfalls. Also werden "Wachstumtrends" morgen nicht "umgekehrt". Weil das ja das gar keiner will. "Wachstumsförderung" wollen die Leute.

Und deshalb werden wir "morgen" ganz viel Metall in der Luft haben (meist Aluminium der Flugzeuge) und viel Metall auf den Weltmeeren (meist Containerschiffe, aber auch ein paar Supertanker und Kreuzfahrtschiffe; Kriegsschiffe, auch unter Wasser; in Zukunft gerne auch als "Drohne", also Roboterunterwasserraketenträger.) Und viel Plastik wird den Pazifik bedecken (und den Atlantikboden). - Es ist lange bekannt, dass wir schon jetzt 5 Erd-Planeten bräuchten (als Rohstoffliferanten), um unseren Lebensstandard abzusichern. Wenn aber 8 und 9 und 10 Milliarden den heutigen Lebensstandard eines "Westlers" erzwingen wollen, dann brauchen wir "Planetennachschub". 

Solche Überlegungen meines ungesunden Menschenverstandes gelten für mich anstatt eines juristischen oder mathematischen Beweises für die Vorhersage nach einem Blick in die Zukunft, also für die obigen Zahlen zum Datum 1 und Datum 2. Im übrigen gibt es weltweit auch richtige Institute mit echten Professoren (und Prozessoren), die solche Berechnungen zur Zukunftsauflösung durchführen. Ist denn Trump, Erdogan, Duterte und die (machtlose) UNO noch nicht Beweis genug - für den Zivilisationauflösungsprozess (bzw. den der Hochkultur)?

Und kann es ohne Zivilisation Umweltschutz (bescheidener: Umweltschonung) geben? Im Kleinen ja, aber nicht bei Großkatastrophen wie Erdöltankerschiffbruch, Bohrloch offen in der Tiefsee, Kernreaktor offen. Und die AtomBioChem-Waffen in den Händen von Kleinstaaten werden auch die Umwelt nicht verschonen. Und die Umwelt wird den Menschen nicht verschonen, der den Patronen davonlaufen konnte. 

Das Wort Klimakatastrophe kennen wir seit 30 Jahren. Aber auch als das Wort noch jung und frisch war, war es schon falsch: Das Wort verharmlost, es wiegelt ab. Es sagt: "Hier gibt es eine Katastrophe, die mit dem Klima zu tun hat. Dagegen setzen wir unseren Katastrophenschutz in Marsch, wie bei einer Schiffskatastrophe." - Aber das stimmt nicht. Sie ist die größte vorstellbare und die größtmögliche Katastrophe. Sie ist weltweit. Sie ist nicht regional begrenzt. Sie dauert lange. Sie ist nicht "nach der Katastrophe" vorbei, wie ein Erdbeben oder Vulkanausbruch. Sie verstärkt sich an/ab einem "Zeitpunkt" (Wärmepunkt, ab 3°+) von selbst. Sie geht also nicht zurück, erstmal. Die "Katastrophe" ist zeitlich gesehen ein Prozess und ein Zeitraum von über 100 Jahren. Weite Weltgebiete würden menschlich unbewohnbar. Lebensräume werden kleiner. Wie will man da noch ordentlich arbeiten? Oder Kultur machen? Geht nicht. Die Science-Fiction-Autoren haben sich da Verschiedenes ausgedacht, aber ich denke: Geht nicht. Geht alles nicht! Und auch manche Naturwissenschaftler schreiben in ihren Büchern manchmal was dazu, wie sie sich die Gesellschaft in einer schlechten Zukunft vorstellen. Etwa Lovelock 2006 schreibt, dass Lebensraum für eine Milliarde in Polnähe ist. Auch das ist zu kurz gesprungen. Aber ich weiß, was er damit sagen will. - Es hat vergessen, dass der Mensch ein Mindestmaß an Freude, Liebe und Hoffnung braucht, um nicht destruktiv zu werden. Nur mit Angst und Zwang kann eine Gesellschaft nur wenige Jahrzehnte bestehen. Daher sind alle Staatsgebilde nach der Zivilisation nur kurz für Jahre fähig, und daher in meinem Zusammenhang: nicht der Rede wert. 

Und nochmal: 

In den Kinofilmen aus Hollywood aus einer miesen Zukunft werden die entscheidenen Fragen nie gestellt bzw. sie können aus Zeitgründen nicht tief ausgeleuchtet werden. Etwa: Wo kommt das Essen her, das Trinken, die Fremdenergie, die Erholung, die Entspannung, der Schlaf, die Medikamente, das Altersheim? Und: Wer bestimmt? Was geschieht nach dem Tod des Diktators? Wo kommt ein fähiger Nachfolger her? Wie ist die Ideologie, die die Gesellschaft zusammenhält? -- Daher darf ich hier in diesem Text nicht in diese Kinobilder wechseln. Eher dann schon in Romane; dort ist mehr Zeit für die "Tiefenstruktur" einer Gesellschaft. - Wir dürfen auch nicht leichtfertig in den Stalinismus wechseln, etwa in dem wir sagen: Stalin hat seine Leute so sehr geknechtet, und trotzdem haben sie sich nicht umgebracht, sondern haben gut gearbeitet. (Der Massenalkoholismus der späten Sowjetunion ist ein Hinweis, dass in der frühen Sowjetunion noch Hoffnung, Liebe und Religion war; aber später ab 1970 nur Resignation war, welcher dann zur Destruktion führte, obwohl die harte Repression abgenommen hatte.) Kurz: Ich behaupte, auch aus der Vergangenheit können wir wenig lernen, wenn wir die Gesellschaft der Zukunft ermitteln wollen. Es wird vermutlich so, wie im mittleren Osten, in großen Gegenden Afrikas und Mexikos sein. Also ständig-waffentragende Männer, die sich nehmen, was sie brauchen und nicht brauchen, aber die wenig Interesse an "Kulturstiftungen" und dem "Gemeinwohl" haben, und hauptsächlich an sich und den nächsten Tag denken. Der Neuaufbau eines größeren Staatsgebildes ist für mich nicht vorstellbar. Vorstellbar ist, dass sich die vorhandenen Großstaaten noch bis 2070 behaupten, wobei ich aber nur an die USA, Russland und China denke. Alle anderen, auch Indien, werden in kleinere Einheiten zerfallen, was sie aber erstmal nicht ungefährlicher macht, wenn sie schwere Waffen haben. Aber langfristig können die kleinen und Vielvölker-Staaten nicht genug Nahrungsmittel herstellen.

Aber der Leser verstehe mich hier nicht falsch! Mir geht es hier nicht um eine wissenschaftliche Zukunftsbeschreibung, sondern nur darum, die massenmedialen Zukunftsbilder der Populärkunst durchzurütteln, um zu gucken, ob was Echtes dabei ist. Also kurz: Wir dürfen nicht so leicht und nicht zu schnell den Denkschablonen erliegen, welche sich aus den gelesenen Romane und gesehenen Zukunftsspielfilmen speist. Auch die Historie (z.B. Hitler- oder Stalinzeit) sehe ich für die Zukunft als nicht wiederholbar an. (Weil die Volksbegeisterung für eine Ideologie fehlt.) -- Im einfachsten Fall: Einige Jahrzehnte "Irgendwas" (Religion als Gesellschaftskitt; versuchter Staatsaufbau damit.). Dann wird die Schwere und die Freudlosigkeit des Lebens zur allgemeine Destruktion und Selbstdestruktion führen. Einzelne selbstorganisierte und selbstversorgende Gruppen ("Stämme zweiter Ordnung") wird es auf jeden Fall geben, aber durch die Satelliten- und Flugtechnik werden diese (über kurz oder lang) dann doch in ihren abgeschiedenen Tälern gefunden - und ausgeraubt. 

Die Herrschenden werden natürlich versuchen, "Bauern zu fangen", also Menschen zu versklaven, welche Nahrung produzieren. (Nur Nahrung rauben: das genügt langfristig nicht.) Aber - aus den besprochenen Umweltgründen - es kann nicht genug Nahrung hergestellt werden, um die minimal benötigten Soldaten zu ernähren. Möglicherweise gibt es dann nochmal eine Ruhephase, in der Großfamilien ihr Auskommen haben; und es keine übergeordneten Machtstrukturen gibt, weil diese nicht ernährt werden können. Danach kommt es darauf, wie es mit der Umweltverseuchung aussieht. Nach heutigem Erkenntnisstand könnte auch diese archaische Lebensform nur begrenzt (ein Jahrhundert?) durchhalten, weil die Kunststoffe in die Umwelt gehen und schließlich doch alle Landflächen besetzen (vergiften). 

Wie gesagt: Im Detail weiß das niemand. Vielleicht behalte ich recht (damit, dass am 1.1.2100 die Erde menschenfrei ist). Vielleicht behalten andere recht, die den Tod des letzten Menschen erst für 2300 erwarten. Ich will ja gar nicht recht behalten. Und mir ist es auch nicht wichtig, ob, wie lange, wie viele und wo Menschen bzw. Menschengruppen ("über-") leben. Mich interessiert die Auflösung der Zivlisation. (Und die gegenwärtige Uninteressiertheit der Menschen daran.) 

Natürlich: Wenn ein Kind am 2.2.2222 in einem Bauernhof in den Alpen zur Welt kommt, dann nimmt es sein Leben an, wie es nunmal ist. Auch, wenn es hinunter in Flachland geht und die toten Städte sieht. Nur, wenn in dem Kind ein Intellektueller steckt, wird es später die große Zeit der Menschheit beschmerzen und - hoffentlich - betrauern. Wenn es ein Bauernkind bleibt, dann wird es nie darüber nachdenken.

Trotzdem ist alles irgendwie schade. Die Lebenserwartung wird selbstverständlich wieder zurückgehen. Es wird keine Schmerztabletten bei Zahnweh geben. Keine Impfung. Keine Unfallchirurgie, keine Nähnadeln, keine lukullische Genüsse, außer Salz. - Zivilisation und Kultur hatten neben ihren Nachteilen auch viele Vorteile; nun muss man wieder sein ganzes kurzes Leben jeden Tag arbeiten.

Aber gut: Nehmen wir mal an, Menschen (egal wie viele) leben noch im Jahr 3000. Dann werden sie sicher die Trauerzeit abgeschlossen haben, und die Entwicklung als "natürlich" oder "notwendig" oder "gesetzmäßig" akzeptiert haben. Insofern sage ich erstmals: Ende gut, alles gut. 

 

(Man soll sich aber keine Illusionen über die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen machen. Diese werden unter Stress und Armut bzw. von alleine oder durch die Zeit nicht besser. Man darf gerade hier nicht an Hollywoodkino denken, denn das hat immer einen guten Helden mit an Bord. Man kann eine alte Dorfgeschichte lesen, über die schlechte Moral bei Stress und Armut. Etwa das autobiografische <Niemandmensch> von Stephani.)

 

 

 

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