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Arten der Hoffnung

 

von Horst-Jürgen Helle

 

 

Worauf können wir hoffen?

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  Wer in einem der hochentwickelten Industrieländer lebt und bei guter Gesundheit im Kreis friedlicher Mitmenschen den Wohlstand genießt, kann sein Hoffen darauf richten, daß alles so bleiben möge, wie es ist. Es mag bei einem solchen Menschen der Ausdruck von Zufriedenheit und Bescheidenheit sein, wenn er sich die unveränderte Fortdauer seiner Lebensbedingungen wünscht.

Besonders wahrscheinlich ist solche Zufriedenheit bei jemandem, der während einer hinter ihm liegenden Phase des Lebens Schweres ertragen mußte. Darum gestehen wir die Haltung der Hoffnung, daß sich nichts ändern möge, eher dem älteren Menschen zu als dem jungen. Von dem Jugendlichen und dem jungen Erwachsenen wird jene Dynamik erwartet, die ihn eine aufsteigende Entwicklung seines Lebens erhoffen läßt, eines Lebens, dessen Erfüllung in der Zukunft liegt.

Andererseits leben in hochentwickelten Industrieländern heute viele junge Menschen, die durchaus keine Dynamik entfalten. Die Verantwortung als Erwachsener in Privatwelt, Beruf, Politik und Religion ängstigt manchen mehr als sie ihn anzieht. Die Hoffnung auf raschen Erfolg, auf die Chance, die Zeit optimal nutzen zu können, erscheint aus der Sicht dieser oder jener Jugendkultur als Ungeduld, gar als Hektik. Höher rangiert dort eine andere Hoffnung: daß die Gesellschaft verändert, die politische Ordnung gewandelt, die neue Religion immer weiter verbreitet werde. Darauf zu warten erfordert Geduld und Gelassenheit.

Man sieht, es gibt ganz verschiedene Arten der Hoffnung, und welche von ihnen man antrifft, hängt von den Lebensverhältnissen, vom Lebensalter und sicher auch vom religiösen Bekenntnis des Hoffenden ab.

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Wen seine Religion lehrt, daß er ein einziges Leben hat, daß er keine weitere Chance erhält, daß er alle Möglichkeiten in diesem Leben verwirklichen muß oder sie gar nicht verwirklichen kann, dessen Hoffnung wird andere Inhalte haben als die Hoffnung dessen, der fest daran glaubt, daß seine Seele zu mehrfacher Wiedergeburt bestimmt ist und darum Pläne, die sich in diesem Erdenleben nicht verwirklichen lassen, auf die Zeit eines zukünftigen verschoben werden können. Das lebhafte Interesse an asiatischen Religionen stammt aus der Bereitschaft, den Glauben an eine mehrfache Geburt der Seele des Menschen anzunehmen, um dadurch ein Scheitern des Lebens eher ertragen zu können.

Die Arten der Hoffnung ergeben sich aus den Weltbildern der Hoffenden. Piaton und das Christentum haben den Menschen zwei verschiedene Welten vor Augen geführt: ein Diesseits und ein Jenseits. Das eine unterliegt der Zeit und muß vergehen, das andere ist ewig, unwandelbar, ein Reich der Wahrheit und des Lichts; es konnte vor der Erfindung von Flugzeugen als beinahe anschaulich oder doch leicht auszudenken erlebt werden: es lag oberhalb der Wolken, so hoch, daß selbst ein Adler es nicht erreichen konnte. Es gibt daher eine Weise des Hof-fens, die von der Wirklichkeit zweier Welten ausgeht. Der Himmel des Christen ist das Ziel, auf das seine religiöse Hoffnung sich richtet, der Ort, zu dem die Zukunft nach dem Tode ihn tragen soll.

Eine andere Weise des Hoffens geht zwar auch von zwei Welten aus, unterscheidet aber die wirkliche, in der wir handeln, von der anderen, die eine konstruierte ist. Sir Thomas More schrieb 1516 von dem Land Utopia als einer glücklichen Insel, auf der es unter den Menschen keine äußerlich erkennbaren Hinweise auf Rangunterschiede gibt. Montesquieu erdichtete einen Briefwechsel zwischen zwei in Frankreich reisenden Persern, um in diesen >Persischen Briefen< von 1721 anonym die Zustände in seinem Land kritisieren zu können. Aus dem Vergleich mit der Insel Utopia oder mit einem Persien, das Montesquieu gedanklich konstruiert hatte, ergab sich eine neue Sicht der gegebenen Zustände, die Hoffnung schuf, weil sie zeigte, daß der eigene Staat sehr wohl anders eingerichtet werden könnte.

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Eine dritte Weise des Hoffens legt das Modell des Andersseins vollends ins Diesseits hinein. Immer mehr Menschen unternehmen weite Reisen, erleben andere Länder und begegnen Fremden. Die Vielfalt ist so groß, daß der Hoffnung eine bunte Fülle von Anregungen gegeben wird. Die erhoffte Alternative erscheint wirklich und gegenwärtig, man kann hier etwas erhoffen, weil es das dort schon gibt. Die Welt insgesamt wirkt als Quelle von Hoffnung, weil sie stellenweise und zeitweise das schon sichtbar enthält, was der Hoffende sich als erwünschte Möglichkeit in der Zukunft ausgeweitet, verallgemeinert denkt. Die drei Arten der Hoffnung unterscheiden sich danach, wo die Alternative zum Ist-Zustand ihren Ort hat: im Jenseits, in der Phantasie oder in ausgewählten Zonen des Diesseits.

Hoffnung auf das Andere

Wenn die Alternative ihren Ort im Jenseits hat, ist die darauf gerichtete Hoffnung am sichersten vor Enttäuschung geschützt. Die Personen, die Zustände, die Erfahrungen, die als jenseitiges Glück vorgestellt werden, hat kein Auge je gesehen, auch und gerade das Auge des Hoffenden nicht. Darum sind der Phantasie bei der Idealisierung keine Grenzen gesetzt. Die Chance der Erfüllung liegt ebenso weit entfernt wie die Gefahr der Enthüllung. Der Ort ist den Sinnen unerreichbar, die Zeit liegt jenseits des Todes. Darum kann eine Bestätigung dieser Hoffnung zu Lebzeiten ebensowenig erhofft werden, wie ihre Widerlegung als irrig befürchtet zu werden braucht.

Dennoch ist die Hoffnung auf das Andere nicht belanglos für das erfahrbare Leben im Diesseits. An ihren Inhalten wird ja gemessen, was hier und heute geschieht. Das Handeln im Alltag wird wohl auch gedeutet als Vorbereitung auf das Andere oder als Versuch, es hier schon vorwegzunehmen. Das ist dann nicht Angelegenheit einer einzelnen Person, sondern Anliegen der Gemeinde jener, die in ihrer Hoffnung übereinstimmen. Darum kann es

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innerhalb der Gemeinde zwischen deren Teilgruppen oder zwischen einzelnen und ihrer Gesamtheit zum Streit darüber kommen, ob und wie die Inhalte der Jenseitshoffnung im Diesseits schon präsent gesetzt werden dürfen.

Bei der Gründung des Staates Israel opponierte eine Gruppe gläubiger Theologen und Anhänger der mosaischen Religion, weil sie darin eine häretische Vorwegnahme der Endzeiterwartung sahen. Erst bei der Ankunft des Messias werde dem auserwählten Volk das ihm zugesagte Land zurückgegeben, der Mensch dürfe nicht durch die politische Aktion der Gründung eines Staates die Einlösung dieser Zusage vorzeitig erzwingen. Ähnlich verläuft im christlichen Kontext die Debatte über die politische Bedeutung der Bergpredigt: Sind die Seligpreisungen Aussagen über den Zustand der Erwählten im Himmel, sind sie Handlungsanweisungen an Politiker im Diesseits, oder sind sie beides zugleich?

Die Hoffnung auf das Andere kann auch eine Hoffnung auf den Anderen sein. Viele Generationen von Eheleuten haben vergleichsweise geringe Anforderungen an den Menschen gerichtet, der ihnen für das gemeinsame Leben als Mann und Frau im Diesseits angetraut war. Falls trotz solcher Bescheidenheit Enttäuschungen und Leid nicht ausblieben, wurde die Hoffnung auf eine andere Person gerichtet, wenngleich feststand, daß die ersehnte Nähe zu ihr im Diesseits nicht erwartet werden durfte. Der Kreis zu Piaton schließt sich mit dem Begriff der platonischen Liebe. Die Brücke zwischen den beiden Wirklichkeiten, die Platon und der christliche Glaube voraussetzen, kann nur eine unsterbliche Seele überqueren. Darum setzt die Hoffnung auf die andere Welt den Glauben an das ewige Selbst voraus. Wer in seinem Tod nichts als ein Ende sieht, weil ihm der Glaube an die Fortdauer der eigenen Seele fehlt, dem kann die Hoffnung auf das Andere nicht gelingen.

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Hoffnung als Deutung

Der vorbehaltlose Glaube an die Realexistenz einer ewigen anderen Welt wird in dem Maße schwieriger, in dem die Anleitung zu naturwissenschaftlich experimentellem und technischem Denken immer mehr und das religiöse Erlebnis immer weniger Raum einnimmt. Genau das trifft für den modernen Menschen zu: Kräfte, deren Wirksamkeit im Experiment nicht nachweisbar sind, gelten als nicht existent. Der Gedanke, daß etwas sein könnte, obschon niemand in der Lage ist, es wahrzunehmen, entspricht nicht der Methode naturwissenschaftlicher Beweisführung. Je mehr diese Methode sich durchsetzt, desto mehr gerät Metaphysik in Bedrängnis. Der gesunde Zweifel, ehemals höchst bedenklich als Symptom des Unglaubens, wird zur modernen Tugend, und Wilhelm Dilthey setzt als Rechtsnachfolger des Skeptikers den Erkenntnistheoretiker ein.

Zweifel braucht aber nicht zu Hoffnungslosigkeit zu führen. Der Skeptiker gibt normalerweise zu, daß er weder die Existenz noch die Nichtexistenz des Jenseits mit Gewißheit voraussetzen möchte. Er läßt somit die Möglichkeit offen, daß es die andere Welt vielleicht tatsächlich geben könnte. Das reicht aus, um sie als Hypothese gelten zu lassen. Die in dem Gleichnis Piatons gefesselt in der Höhle Sitzenden, die wegen ihrer ins Innere des Berges weisenden Blickrichtung nur Schatten an der Wand sehen, glauben dann zwar nicht mehr, daß die farbenfrohe und dreidimensionale Welt im Sonnenlicht real ist, doch sie postulieren deren Existenz, um die wahrgenommenen Schatten verstehen und deuten zu können.

So wird aus Glaube ein heuristisches Prinzip, aus einer anderen Welt wird eine Perspektive zur Interpretation dieser einen. Der Menschheit wäre sehr damit gedient,

iwenn ein Konsens darüber erzielt werden könnte, welche Entwicklung des Diesseits wir erhoffen sollen. Das würde die Annahme einer einheitlichen Deutungsperspektive voraussetzen. Denn je nach den Zuständen, die wir für die gedanklich konstruierte Insel Utopia annehmen, je nach den Kommentaren, die zwei erstaunte Besucher aus

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Montesquieus Persien über den Status quo unserer sozialen und politischen Ordnung abgeben, wird unsere Hoffnung auf eine bessere Zukunft in diese oder jene Richtung geleitet.

Ob es einen Urkommunismus wie von Marx erdacht oder anders oder gar nicht gegeben hat, das ist nicht wichtig. Aber an welchem gedachten Idealzustand die Hoffenden sich orientieren, entscheidet ihre Einstellung zum Ist-Zustand und ihr darauf gerichtetes Handeln. Ob Margaret Mead von der Sexualmoral der Ureinwohner Samoas richtig oder, wie Derek Freeman schreibt, falsch berichtet hat, muß die Fachleute der Völkerkunde bewegen. Für die ethische Wirkung der Schriften der Amerikanerin kommt es darauf an, was junge Menschen nach deren Lektüre für »natürlich« und »menschlich« halten. Die Bedeutung einer Utopie hängt nur von ihrer Plausi-bilität als Alternative zur ungeliebten Routine ab.

Der Gewinn einer Deutungsperspektive ermöglicht Hoffnung auch im Umgang mit den Personen, die dem Hoffenden nahestehen. Der Nächste wird durch die Brille der benevolenten Interpretation gesehen, was er oder sie sagt und tut, gilt bis zum Beweis des Gegenteils als gut gemeint, jeder Spielraum des Verstehens wird genutzt, um im Umgang miteinander ein Erlebnis zu ermöglichen, das die Hoffnung nicht enttäuscht, sondern ihr recht gibt.

Um Optimismus als »self fulfilling prophecy« wirken zu lassen und als eine positive Einstellung, die erfreuliche Zustände zunächst ohne sachlichen Grund unterstellt, sie dann aber eben dadurch im nachhinein herbeiführt, reicht es aus, mit einer Hypothese von den guten Möglichkeiten und Absichten der Mitmenschen auf das Leben zuzugehen.

 

Zukunft als Aspekt der Gegenwart

Die dritte Weise des Hoffens bedient sich weder der Überzeugung von einer anderen Wirklichkeit im Jenseits, noch setzt sie die als Deutungsperspektive. Sie arbeitet statt dessen unmittelbar aus der diesseitigen Erfahrungsweit die Aspekte heraus, die hoffen lassen.

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Nicht die Bewohner der Insel des Sir Thomas More, auch nicht Montesquieus Besucher aus Persien, sondern unsere realen Mitbewohner dieser Erde, die der eine sich in Japan, ein anderer in Rußland und ein dritter in den USA als bewundernswert vorstellt, werden zu Hoffnungsträgern. Damit ist die Zukunft in Gestalt des jeweils bewunderten Zeitgenossen schon mitten unter uns. Die Zukunft wird im Diesseits antizipierbar, weil sich Entwicklung in verschiedenen Teilen der Menschheit mit ganz unterschiedlicher Geschwindigkeit vollzieht, und weil die einen das für ihre Zukunft halten, was für die anderen schon Gegenwart ist.

Unklarheit über langfristige Menschheitsziele und wachsendes Mißtrauen in die Richtung der Entwicklung lassen bei dieser Art des Hoffens auch Furcht aufkommen. Ernst Bloch beginnt sein Philosophieren über Hoffnung und Angst an dem Punkt, an dem der Mensch sich der Unklarheit über sein Ziel bewußt wird, an dem er sich gedrängt sieht, die Sinnfrage zu stellen. Angst und Furcht haben eine soziale und eine zeitliche Dimension, in ihnen spiegeln sich die Beziehungen des Verängstigten zu anderen Subjekten, in ihnen pulsiert die Zeit wie das Blut in den Schläfen. Die Zukunft, die der Mensch in der Wirklichkeit enthalten findet, ängstigt ihn um so mehr, je nachdrücklicher er davor auszuweichen sucht.

Darum läßt sich Angst nicht überwinden mit dem Bemühen, die Zukunft zu negieren. Sie hat selbst ihren Ursprung in der Zukunft und kann gebannt werden nur von einem anderen Prinzip, das seinen Ort ebenfalls dort hat. Bloch, dessen Denken die katholische (Karl Rahner) und die protestantische Theologie (Jürgen Moltmann) beeinflußt hat, nennt es »das letzte Prinzip Hoffnung«: »Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen. Seine Arbeit entsagt nicht, sie ist ins Gelingen verliebt statt ins Scheitern. Hoffen, über dem Fürchten gelegen, ist weder passiv wie dieses, noch gar in ein Nichts gesperrt.

Der Affekt des Hoffens geht aus sich heraus, macht die Menschen weit, statt sie zu verengen, kann gar nicht genug von dem wissen, was sie inwendig gezielt macht, was ihnen aus-

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wendig verbündet sein mag. Die Arbeit dieses Affekts verlangt Menschen, die sich ins Werdende tätig hineinwerfen, zu dem sie selber gehören.« (Das Prinzip Hoffnung, S. 1)

Bloch meint, daß der Mensch primär in der Zukunft lebe, daß er sich später erst Vergangenes aneigne und daß er fast keine echte Gegenwart habe. Da er in seiner Gegenwart leben muß, die die Zukunft als einen Aspekt dieser Gegenwart schon enthält, hat er nur die Wahl zwischen Angst und Hoffnung. Die Wirksamkeit der Hoffnung sieht Bloch als das »in Zeiten aufsteigender Gesellschaft« Normale an. »Einzig in Zeiten einer niedergehenden alten Gesellschaft, wie der heutigen im Westen, läuft eine gewisse partielle und vergängliche Intention nur abwärts. Dann stellt sich bei denen, die aus dem Niedergang nicht herausfinden, Furcht vor die Hoffnung und gegen sie. Dann gibt sich Furcht als subjektivistische, Nihilismus als objektivistische Maske des Krisenphänomens: des erduldeten, aber nicht durchschauten, des beweinten, aber nicht gewendeten.« (S. 2)

Je mehr der Mensch den Orientierungspunkt in der Gegenwart sucht, desto mehr findet er sich in Dunkel gehüllt. »Der gelebte Augenblick selber bleibt mit seinem Inhalt wesenhaft unsichtbar, und zwar desto sicherer, je energischer Aufmerksamkeit sich darauf richtet: an dieser Wurzel, im gelebten Ansich, in punktueller Unmittelbarkeit ist alle Welt noch finster.« (S. 338) Das gilt selbst für jene Gegenwart, in der sich lang gehegte Hoffnungen verwirklichen. Die Distanz zu der nun gegenwärtig gewordenen Erfüllung ist zu kurz, die Verfassung des Empfangenden zu unvollkommen. »Werd ich zum Augenblicke sagen, verweile doch«, dann bin ich ganz in deiner Gewalt, so paktiert Goethes Faust mit Mephisto.

Diese dritte Art der Hoffnung bedeutet im Umgang mit dem oder der Nächsten, daß jeder sein Gegenüber so sieht, wie der andere sein könnte. Die erfreulichen Elemente werden hervorgehoben, miteinander zu einem Kontext verbunden und als die in der erlebten Persönlichkeit schon sichtbar angelegte Möglichkeit zelebriert. Doch das Erkennen der nicht realisierten Potentiale drängt den Hoffenden auch dazu, ihre Verwirklichung zu wollen. Im anderen Menschen, in der nächsten sozialen Umgebung, in Staat und Gesellschaft, in der modernen Welt, überall wiederholt sich ein beklemmendes Entweder-oder: Hoffnung löst sich auf in Zweifel und Furcht, oder sie wird zu einem konkreten Handlungsplan umgestaltet, an dessen Ende ihre aktive Verwirklichung zu denken ist.

Mit der Frage konfrontiert, wie Hoffnung davor geschützt werden könne, daß sie abgewertet wird als »schöner Traum«, als »pie in the sky«, sieht der Hoffende in der Kulturgeschichte zwei Wege vorgezeichnet: den des asketischen Aktivismus und den der schwärmerischen Meditation. Max Weber hat beides als alternative Wege der Weltablehnung beschrieben: den der innerweltlichen Askese mit dem Ziel, sich in eine bessere Zukunft hinein zu agieren, den der Mystik mit dem anderen, sich in ein besseres Sein hinein zu meditieren. Das Christentum hat beide Wege miteinander zu kombinieren gewußt und um den Preis fehlender Eindeutigkeit und mangelnder innerer Konsequenz diese Lösung erkauft: daß die Hoffnung soweit eben möglich in Verwirklichung überführt wird, daß sie aber gleichwohl nicht aufgegeben wird, wann immer ihre Erfüllung unmöglich erscheint.

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