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Teil 3    Kriege an heiligen Orten  — Europäisches Altertum

Skythen    Griechen   Perser

 

 

70-87

Während der vordere Orient etwa vom 3. Jahrtausend an immer entschiedener in das Licht der Geschichte trat, dort Großreiche gebildet wurden, von Gottkönigen geführt und »Schreibern« verwaltet, die bereits schriftliche Urkunden verfaßten, lag Europa noch in geheimnisvollem Dunkel. 

Nur durch die Archäologie, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten ungeheure Fortschritte erzielte, die Aussagen der Geistes­wissenschaft Rudolf Steiners sowie Sagen und Märchen, deren Wahrheitsgehalt durch intensive philologische Forschung immer mehr aufgehellt wird, wissen wir etwas von den Menschen, Völkern und Rassen, die unseren Kontinent belebten.

Über die Kriegführung in der Altsteinzeit in Europa ist uns nichts bekannt. Sicher ist nur, daß diese Menschen Waffen besaßen, die sie zur Jagd, aber auch zum Kampf Mann gegen Mann benutzen konnten. Wie eingangs erwähnt, lassen Skelettfunde, die Hieb-, Stich- und Schußwunden zeigen, sowie einige Felsmalereien darauf schließen, daß die Waffen auch gegen Menschen eingesetzt worden sind; doch ist nicht auszuschließen, daß es sich dabei auch um Opferhandlungen handeln könnte.

Die Berichte aus der Atlantis künden jedoch auch von Kriegen. Einen Hinweis gibt auch Sigismund von Gleich, der schreibt: »Die Wohnstätten der Eiszeitmenschen in den Jura-Kalk-Höhlen liegen, wie man bemerkt hat, z.B. im Schweizer Birstal, vielfach an strategisch besonders wichtigen Punkten, die im Mittelalter von Ritterburgen beherrscht wurden. Dies deutet vielleicht auf eine besondere militärisch-kriegerische Sendung, welche die Urmongolen in Alteuropa zu erfüllen hatten.«67  

Sigismund von Gleich nimmt die Urmongolen als Träger der Magdalénien-Kultur an, die als jung-paläolithische Rentierjäger-Kultur dem Ende der letzten Eiszeit zwischen 20.000 und 10.000 v.Chr. angehört.

In der Mittelsteinzeit, in die auch die Domestikation von Tieren und Pflanzen fällt — bei den Tieren vor allen Dingen die des Hundes —, kommt als technische Neuerung im Werkzeugbereich insbesondere das Beil und das Querbeil auf. Beide lassen sich auch als Waffen verwenden. Die im ersten Kapitel gegebene Etymologie des Wortes »Hammer« bietet dafür einen weiteren Hinweis. Auch der Bogen findet sich auf Abbildungen von in Linie vorgehenden Kriegern.


Die sich anschließende Jungsteinzeit kann für die Entwicklung der europäischen Menschheit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Man hat daher geradezu von einer neolithischen Revolution gesprochen. Neue Wirtschaftsformen, ein neues Siedlungs­wesen, vornehmlich in Dorfgemeinschaften, und neue Sozialordnungen entstanden; sie lassen sich deutlich aus den Funden erschließen. 

Besonders durch den Ackerbau war der Mensch von den Zufällen des Naturgeschehens, denen er während seiner Jäger- und Sammlerzeit ausgesetzt war, unabhängiger geworden. Ackerbau und Viehzucht stärkten auch das Gefühl der Unabhängigkeit des Menschen, und er wurde sich seiner Freiheit in zunehmendem Maße bewußt. Im sog. westeuropäischen Kreis entstand die Megalith-Kultur mit ihren Dolmen, Menhiren und Kromlechs. Die Leute der Glockenbecherkultur benutzten als Jäger, aber sicher auch als Krieger, den Bogen. Wir wissen nicht, ob es sich bei ihnen um ein einheitliches Volk handelt, eher ist an eine Verbreitung dieser Kultur von Spanien nach Mittel- und Nordeuropa, nach Italien und nach England und Irland zu denken. 

Im sog. Balkankreis sind befestigte Herrensitze ein deutlicher Hinweis auf kriegerische Verwicklungen. Das Pferd wird gezüchtet, und die Streitaxt ist das Kennzeichen des freien Mannes. In der Bandkeramik-Kultur deuten durch Wall und Graben geschützte Dörfer mit Großbauten auf ein kämpferisches Zeitalter hin. Skelettfunde in den Gräbern mit Spuren feindlicher Waffeneinwirkung sind ein weiterer Beweis für diese Tatsache. 

Aus dem nordischen Kreis schält sich besonders die Schnur­keramik- oder Streitaxt-Kultur in Sachsen, Thüringen, Schleswig-Holstein und im Mündungsgebiet der Oder heraus. Die wichtigste Waffe ist hier die kunstvoll polierte und technisch vollkommene Streitaxt. Auch buchten die Streitaxt-Leute Pferde, die ihnen auf ihren Wanderungen und Kriegszügen eine überlegene Beweglichkeit verleihen, selbst wenn das Pferd zunächst nur zum Ziehen und nicht zum Reiten benutzt worden sein sollte. Wahrscheinlich sind diese Streitaxt-Leute noch keine Indo­germanen, sie nehmen aber an der Indogermanisierung Europas Anteil.

Kupfer war im Vorderen Orient seit dem 4. Jahrtausend bekannt, Bronze etwa ab 2500 v.Chr. Die ältesten Bronzekulturen entstanden in Mesopotamien. Von dort aus gelangt die Kenntnis und Fertigkeit der Herstellung von Bronze nach Norden, in den Kaukasus und nach Anatolien, nach Ägypten, Kreta und später Mykene. Sehr rasch kommt Ungarn unter mykenischen Einfluß, und etwas später folgt das von Germanen besiedelte Gebiet. Diese Erkenntnisse der modernen Archäologie stimmen mit der Aussage Sigismund von Gleichs überein, der sich auf Rudolf Steiner stützt: 

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»Das Zinn stammt aus Irland und England, das Kupfer des alten Orients hauptsächlich aus Zypern, der klassischen Venus-Insel. Sargon I. von Akkad hatte seine Herrschaft erstmals bis ans Mittelmeer ausgedehnt und auch Zypern erobert. Gilgamesch wanderte aus dem Land der Kupfer-Zivilisation westwärts und begegnete im Burgenland einer Kolonie der hybernischen und irischen Mysterien, die in ähnlicher Art mit dem Zinn arbeiteten wie die babylonischen mit dem Kupfer. Gilgamesch vereinigte in sich beide Impulse. Und wenn nun einmal bewiesen werden sollte, daß im Burgenland um 2200 die Bronzebereitung entstanden ist, dann wäre sie als Frucht der Wanderung des Gilgamesch vom Osten nach dem Westen zu betrachten.«68 

Eine Differenz in den Aussagen der modernen Spatenwissenschaft und Sigismund von Gleichs besteht nur im Ansatz des Entstehungsdatums der Bronzezeit, das von der Archäologie für Europa etwa ab 1700 v. Chr. angegeben wird. Nach der bronzezeitlichen Epoche mit ihren Hockergräbern, unter die sich aber schon die sog. Fürstengräber unter hohen Grabhügeln mischen, beginnt die eigentliche Hügelgräberkultur, in der die Toten mit ihren Waffen beigesetzt wurden. Wahrscheinlich handelte es sich dabei nur um die Vornehmen, dennoch weist das darauf hin, daß die Waffen nicht nur der kostbarste und wichtigste Besitz des Mannes waren, vielmehr auch die Vorstellung herrschte, er brauche sie noch in der Welt der Toten. Ab 1300 breitet sich die Urnenfelder-Kultur, in der die Asche der Toten in Urnen auf großen Friedhöfen beigesetzt wurde, von der mittleren Donau nach Süden, der Donau entlang nach Böhmen, aber auch nach Polen, Mitteldeutschland, Westfrankreich, Mittelitalien und Nordspanien aus. 

 

Mit dieser Urnenfelder-Kultur werden zum ersten Mal zwei europäische Völker in Verbindung gebracht, die Veneter und die Illyrier. Wie es die Funde ausweisen, müssen sie eine starke politische Aktivität entfaltet habein und kriegerische Ausein­andersetzungen keineswegs gescheut haben. Für die Unsicherheit der Zeiten sprechen große Bronze-Depots und Schmuckverstecke. Die Kriegszüge dieser Urnenfelder-Leute führen das Ende- der mykenischen Zentren und der spätminoischen Kultur auf Kreta herbei, ihr Eindringen nach Kleinasien den Fall des Hethiterreiches; sie breiteten sich auch in Norditalien und Latium aus, auch der Einfall der sog. Seevölker in Ägypten steht mit ihnen im Zusammenhang. Den nordischen Kreis, der Norddeutschland und Skandinavien umfaßt, besiedeln die »Urgermanen«. Sie kennen den pferdebespannten Streitwagen, die steinerne oder bronzene Streitaxt, Lanzen, Wurfspeere und Kurzschwerter. Dennoch, scheint, nach den Funden zu schließen, der Friede während dieser Zeit vorgeherrscht zu haben. Die eigentliche kriegerische Zeit nimmt erst mit der ab etwa 800 beginnenden Eisenzeit ihren Anfang; sie wird in die wahrscheinlich illyrisch beherrschte Hallstattkultur und die ab 450 v.Chr. beginnende La-Tene-Kultur eingeteilt.

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 Letztere bildet den Höhepunkt der Eisenzeit. Beeinflußt wird sie vor allem von den Skythen, den Griechen und den Etruskern. Ihre eigentlichen Träger aber sind die Kelten, auf die genauso wie auf die Germanen noch eingegangen werden muß.

Doch kehren wir noch einmal kurz in die Bronzezeit zurück! Sie ist die Zeit des Trojanischen Krieges mit den Taten und Irrfahrten jener Helden, die uns in der »Ilias« und »Odyssee« geschildert werden. In ihrer ehernen, d.h. bronzenen Rüstung und dem mit einem Haarbüschel geschmückten Helm, mit dem in der Sonne hell aufblinkenden bronzebeschlagenen Schild, dem leuchtenden Bronzeschwert und der blitzenden Lanzenspitze treten sich zu Fuß oder auf pferdebespanntem Streitwagen die Heroen dieses Krieges im Zweikampf gegenüber. Heere, die von solchen Helden geführt wurden, brachten Mykene mit seinen gewaltigen Festungsmauern zu Fall und vernichteten die hethitische Großmacht um 1200 v.Chr. »Im Gedächtnis Europas scheint der Fall der alten Mächte lange als Beginn einer neuen Epoche bewahrt geblieben zu sein. 

Jahrhundertelang hielten sich unklare Erinnerungen, alsbald vermengt mit den trojanischen Sagen, und die neuen Völker des ersten Jahrtausends gefielen sich darin, ihre Anfänge mit den Irrfahrten der Heroen nach dem Trojanischen Krieg zu verbinden. Das gilt nicht nur für die Römer. Nach Berichten des ersten Jahrhunderts v. Chr. rühmten sich die Kelten eines ähnlichen Ursprungs, und wenn diese Suche nach berühmten Ahnen auch in erster Linie dem Bedürfnis entsprang, neben den Nachfahren eines Äneas zu bestehen, so kann durchaus mehr dahintergestanden haben. 

Ebensowenig brauchen die Erzählungen des Mittelalters über trojanische, skythische oder thrakische Ursprünge der Bretonen, Iren und Pikten lediglich gelehrte, einem Homer oder Vergil, dem Kreter Diktys, dem Phryger Dares und anderen abgelauschte Erfindungen zu sein, sondern können wenigstens teilweise unmittelbar auf einheimische mündliche Traditionen, also auf eine schwache Erinnerung an jene Zeit zurückgehen, als die Völker sich in einer — hauptsächlich westlichen — Bewegung befanden.«69 Allein diese Aussage eines bedeutenden Gelehrten sollte uns davor bewahren, Mythen und Sagen der Völker als »Ammenmärchen« abzutun. Wir werden immer wieder auf sie zurückkommen. 

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Skythen 

 

Bevor wir uns den großen Völkern der Antike zuwenden, müssen wir noch kurz auf ein Volk eingehen, das besonders für die späteren Germanen eine große Rolle gespielt hat. Es sind die Skythen, die, ursprünglich aus Turkestan kommend, vom Schwarzen Meer aus über den Dnjestr in den Balkanraum, an die untere Donau, in die pannonische Ebene und in den Raum südlich der Karpaten vorstießen. Sie griffen im Süden die Hochkulturgebiete an, gingen auch nach Westen vor und erreichten ostdeutsche Gebiete, Bayern und Norditalien.

Die Überlegenheit dieses Reitervolkes beruhte auf seiner hohen Beweglichkeit und variablen Kampfweise. Seine Heere bestanden aus Reitern mit leichter Bewaffnung, vor allem dem doppelt gekrümmten Bogen aus Horn mit einer Sehne und Pfeilen mit dreikantigen Spitzen aus Steinknochen, Bronze und Eisen. Nachdem sie Asien erobert hatten, wurden in der Folgezeit in der gesamten mittelöstlichen Welt die das Kriegswesen bestimmenden Reiterheere aufgestellt.

In Europa trafen sie bei ihrem Vorstoß zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert v.Chr. auf Völker der Hallstattkultur. Der am weitesten im Westen, im Innern Deutschlands angetroffene Fund, derjenige von Vettersfelde, zeigt, daß ihr Einfluß bis nach Mitteleuropa reichte; selbst wenn es sich bei diesem Fund, wie man neuerdings annimmt, nicht um die Hinterlassenschaft eines Kriegszuges, sondern um den Schatz einer Geisel oder eines Abgesandten der Skythen handelt.

Ihre Kriegszüge folgten, wie Hans Gsänger gezeigt hat, einer okkulten Achse, die sich quer durch Europa vom Ostende des Schwarzen Meers, wo Iason das Goldene Vlies holte, bis zu den hybernischen Mysterien in Irland zog. Während die Kolchischen Mysterien in die Vergangenheit zurückreichten, wiessen die von der anderen Seite kommenden hybernischen in die Zukunft. Die Sonnenmysterien von Kolchis waren die Lehrstätten der Griechen, die hybernischen diejenigen der Kelten. Durch die Skythen traten sie miteinander in Verbindung. Im Kreuzabnahme-Relief der Externsteine sind beide Strömungen dargestellt, dort flossen sie zusammen.70 

Aus diesem Zusammenfließen ergab sich für die Germanen ein höchst bedeutsames Ereignis, das ursächlich mit dem Entstehen der germanischen Sprache, des germanischen Volkstums und den Missionen der späteren germanischen Einzelvölker zusammenhängt.71 In diesem Sinne hatten die kriegerischen Vorstöße der Skythen eine revolutionierende geistige Bedeutung. 

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Griechen 

 

Mit diesen allgemeinen Bemerkungen sind wir den Ereignissen z.T. weit vorausgeeilt. Noch einmal müssen wir auf die Indogermanen zurückkommen, aus denen jenes Volk hervorging, dem wir uns nun eingehender zuwenden müssen. Die Frage nach der Urheimat der Indogermanen und der Zeit ihrer sprachlichen Gemeinsamkeit ist noch immer heftig umstritten. Mit Sicherheit aber liegt die Zeit der indogermanischen Gemeinsprache weit vor dem 2. Jahrtausend v.Chr., denn die aus diesem Jahrtausend überlieferten Schriftsprachen, wie etwa das Keilschrift-Hethitisch oder das Vedische und das Kretisch-Mykenische in der Linearschrift B, sind schon ganz ausgeprägte Individualsprachen. Das ist auch der Grund, weshalb — wie oben angedeutet — eine indogermanische Gemeinsprache bei den Schnurkeramikern der Jungsteinzeit ganz ausgeschlossen ist. Das setzt weit längere Perioden voraus.72

Im allgemeinen wird angenommen, daß sich die späteren griechischen Stämme etwa mit Beginn des 2. Jahr­tausends v. Chr. aus dem mitteleuropäischen Raum lösten und einige Zeit später begannen, ihre heutige Heimat Griechenland zu erobern. Die Eroberung des Landes mit den ununterbrochenen Kämpfen gegen die Urbewohner führte bei den erobernden griechischen Stämmen naturgemäß zu einem starken Egoismus. Um die negativen Wirkungen dieses Egoismus auszugleichen, begab sich lason auf seinen Argonautenzug. »Im Argonautenzug ist dargestellt das Suchen nach dem golddurchleuchteten Astralleib [goldenes Vlies], der durch den Eintritt des Egoismus verdunkelt worden war.«73

Wie bei den anderen alten Völkern zeigt sich bei den Griechen schon in den frühesten überlieferten Sagen und Heldengesängen die starke Abhängigkeit des Kriegs- und Kampfgeschehens von den Göttern. Sie lösen den Krieg aus, wie etwa beim Urteil des Paris, sie greifen lenkend in die Schlacht ein und sie entscheiden das Schicksal der Helden. Nach dem Streit zwischen achilles und agamemnon verleiht Zeus auf Bitten der Thetis den Trojanern den Sieg. Nach dem Tod des patroklos greift achilles wieder in den Kampf ein, nachdem ihm Thetis eine von Hephaistos geschmiedete neue Rüstung gebracht hat. Doch Apollon selbst lenkt den von paris abgeschossenen Pfeil, der Achilles tödlich trifft. Als Achilles dabei ist, das Schwert zu ziehen, um den Atreiden niederzuhauen, packt ihn die von Here entsandte Pallas Athene am Haar, »ihm allein sich enthüllend, der anderen schauten sie keiner. Staunend zuckte der Held und wandte sich; plötzlich erkannt' er Pallas Athenens Gestalt, und fürchterlich strahlt ihm ihr Auge«.74

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 Die gleiche Athene sagt zu Diomedes:

Auch das Dunkel entnahm ich den Augen dir, welches sie deckte,
Daß du wohl erkennest den Gott und den sterblichen Menschen.
Drum so etwa ein Gott herannaht, dich zu versuchen,
Hüte dich, seligen Göttern im Kampf entgegenzuwandeln,
Allen sonst; doch käme die Tochter Zeus', Aphrodite,
Her in den Streit, die magst du mit spitzigem Erze verwunden.
75

Oftmals treten die Götter auch in der Gestalt eines der Kämpfer auf, so etwa Poseidon als KALCHAS.76 Hermes begleitet den priamos als myrmidonischer Krieger.77 Athene dient dem Telemachos als Mentor. Und so könnten die Beispiele aus der »Ilias« bis ins Unendliche fortgesetzt werden.

Auf die Bedeutung von Mantik und Aberglauben im Kriegsgeschehen der Griechen soll nur mit einem Beispiel hingewiesen werden. Als sich während der 4. sizilischen Expedition von 415-413 v.Chr. die Syrakuser zu einem kombinierten Angriff von Flotte und Landtruppen entschlossen und die Lage im athenischen Heer noch zusätzlich durch schwere Krankheiten belastet wurde, entschlossen sich die Athener zur Abfahrt. Doch Thukydides berichtet: »Als alles fertig war und sie [die Athener] schon abfahren wollten, verfinstert sich der Mond — es war nämlich gerade Vollmond. Da geboten die Athener Feldherren Einhalt, wenigstens die große Menge, es sei doch unheimlich, und auch Nikias — er gab wohl etwas zu viel auf Propheterei und dergleichen — weigerte sich vor Ablauf von dreimal neun Tagen, wie es die Seher ausdeuteten, auch nur noch einmal zu beraten über einen früheren Aufbruch. Diese Bedenken also waren der Grund, warum die Athener noch blieben.«78 

Es ist zu erkennen, daß zwar der aufgeklärte Thukydides nicht an Vorzeichen glaubte, dafür aber noch immer der athenische Feldherr Nikias und die Masse seiner Truppen. Auch geht aus dem Text hervor, daß sich im Heer der Athener — und sicher auch bei ihren Feinden — nach wie vor Seher befanden. Auf die Rolle des Vollmondes im Schlachtgeschehen muß zusammenfassend hinsichtlich der Vorstellungen der antiken Völker anläßlich der Schlacht Cäsars gegen Ariovist im Jahr 58 v.Chr. noch eingegangen werden. 

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  Perserkriege  

 

Über das wichtigste Ereignis der Kriegsgeschichte zu Zeiten der Griechen, nämlich deren Freiheitskampf gegen die Perser, besitzen wir die Aussagen des »Vaters der Geschichtsschreibung«, Herodotos von Halikarnassos, der etwa von 484 bis 425 v. Chr. lebte und das für die Zukunft unseres Kontinents entscheidende Ringen der Griechen mit dem asiatischen Großreich der Perser beschrieb. 

Nach der in der »Ilias« beschriebenen Zeit mit ihren durch das Blut verbundenen Stammes- und Sippen­verbänden, die jeweils unter der Führung eines Königs standen, unterstützt von einem heroischen Kriegeradel, bestand Griechenland zu Beginn des 5. Jahrhunderts v.Chr. aus einer Reihe von Stadtstaaten, zu denen jeweils ein paar Dörfer und Bauernhöfe gehörten. An Einwohnerzahlen gemessen waren diese Stadtstaaten außerordentlich klein. Athen, der größte von ihnen, hatte z.B. etwa 300.000 Einwohner, von denen allerdings nur 30.000 zur eigentlichen Polis gehörten, also Freie waren, während der Rest aus Sklaven bestand, die nicht zum Kriegsdienst herangezogen wurden.

Obwohl einige griechische Städte mit den Persern sympathisierten und sie auch im Krieg unterstützten, entschlossen sich doch die wichtigsten Griechenstädte, Athen, Sparta und Platää, zum Widerstand gegen die Eroberungsgelüste des persischen Großkönigs. Sie siegten und schufen damit die Voraussetzungen dafür, daß griechischer Geist und griechische Kultur zu einem der Grundpfeiler des späteren Europa wurden, auf den sich noch Gegenwart und Zukunft stützen müssen, wenn Europa seine kulturelle Aufgabe in der Welt erfüllen soll.

Während noch bei der Belagerung von Troja im 12. Jahrhundert v.Chr. der schwerbewaffnete und prunkvoll gepanzerte ritterliche Kämpfer allein die Entscheidung herbeiführte und sich allein für das Kampfgeschehen verantwortlich fühlte — die Masse des Fußvolkes zählte nicht —, finden wir jetzt, zu Beginn der Perserkriege am Anfang des 5. Jahrhunderts, ein griechisches Heer vor, das fast ausschließlich aus Fußvolk besteht und als Bürgermiliz schwer gepanzert und schwer bewaffnet, das aus ritterlichen Qualitätskriegern bestehende Heer der Perser besiegt.

Jeder freie Bürger einer Polis fühlte sich nun als eines ihrer Teile und war damit auch persönlich für ihr Schicksal verantwortlich. Noch fehlte ihm jenes individuelle Ich-Bewußtsein, das die Menschen der führenden Völker Europas erst ab dem 15. Jahrhundert n.Chr. entwickelten. Der griechische Hoplit, der schwerbewaffnete Angehörige der Bürgermiliz, fühlte sich noch als Teil der Gruppenseele seiner Polis.

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Diese Art des Bewußtseins war die innere Voraussetzung für den erfolgreichen Kampf in der Phalanx. Wie aber sahen die äußeren Voraussetzungen aus, die im Gegensatz zu den Phalangen der vorderasiatischen Völker früherer Zeiten zu dieser Entwicklung geführt hatten?

Um 700 v. Chr. hat Phaidon, der König von Algos, das neue Rundgeld im Hera-Tempel geweiht und damit den im Lauf der Jahrhunderte immer größer werdenden Geldumlauf in die Wege geleitet, der, neben anderen Erscheinungen, zu einer sozialen Umschichtung führen mußte. Daß es sich mit diesem ersten Geld dennoch um etwas anderes handelte als mit unserem heutigen, das zeigt schon die Tatsache, daß es im Tempel geweiht wurde. Nun konnten sich nicht mehr nur die reichen Grundherren wie vor Troja den Luxus einer schweren Kampfausrüstung leisten, um ihrer Wehrpflicht zu genügen, sondern auch die freien Bürger, die zu Wohlstand gekommen waren und, wie es für das Altertum selbstverständlich war, ihre Heimat zu verteidigen hatten.

Die Vollbürger der Städte, zu denen je ein Krieger aus den reicheren Bauernfamilien trat, rückten jetzt als schwerbewaffnete Hopliten ins Feld. Wehrpflichtig waren sie bis zum 45. oder 50. Lebensjahr. Das Geld für die kostspielige Ausrüstung mußten sie selbst aufbringen. Zu dieser Ausrüstung gehörten ein leichter beweglicher Rundschild, ein Helm, Brustpanzer und Beinschienen. Die Bewaffnung bestand aus einem kurzen Hiebschwert und vor allem aus der zunächst noch etwa zwei Meter langen Stoßlanze. Panzer und Waffen waren selbstverständlich jetzt aus Eisen. Außerdem hatte jeder Hoplit für seine Verpflegung selbst zu sorgen. Das war möglich, da die Truppen sich anfangs nicht allzu weit von ihrer Basis entfernten. Trotzdem war es nötig, daß jeder Hoplit wenigstens noch einen Mann (psilos) bei sich hatte, der ihm sein Gepäck und seine schwere Ausrüstung während des Marsches tragen half. Daneben dienten diese leicht bewaffneten Männer in der Schlacht als Sanitäter und vor allem für Requirierungsaufgaben. Nicht selten hatten sie auch Verwüstungsaufgaben in feindlichem Gebiet durchzuführen. Diese Leicht­bewaffneten rekrutierten sich aus der ärmeren Bevölkerungsschicht oder waren Söldner.

 

In der Schlacht formierten sich die Hopliten zu einer Linie der Phalanx mit meist acht Gliedern Tiefe. Diese Phalanx war in Abteilungen von etwa 1000 Mann eingeteilt, die mit der politischen Einteilung der Bürger übereinstimmten. Sie wurden von »Strategen« geführt, die sich in späterer Zeit Taxiarchen nannten. Die Abteilungen gliederten sich wieder in Unterabteilungen von etwa 300 Mann unter einem eigenen Führer. Die Stärke der Phalanx lag im wuchtigen geschlossenen Angriff, wobei die ersten und letzten Glieder aus den besten Kriegern bestehen mußten. Da der Schild mit der linken Hand geführt wurde, zog sich die Phalanx beim Angriff fast automatisch leicht nach rechts, so daß man gewöhnlich diese Tatsache ausnutzte, den rechten Flügel stärker und ihn mit den besten Hopliten ausstattete.

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Voraussetzung für einen wirksamen Angriff der Phalanx war ein möglichst offenes und ebenes Gelände, damit sie nicht auseinanderriß. Die Schwäche der im Rechteck und mit der Breitseite zum Feind vorgehenden Phalanx lag an den Flanken, die vor allem gegen Reiterangriffe geschützt werden mußten. Wurde die Phalanx in der Flanke gefaßt, so war sie verloren. Die Leichtbewaffneten leiteten meist als Plänkler das Gefecht ein und zogen sich kurz vor dem Zusammenprall der feindlichen Truppen über die Seiten ausweichend hinter ihre eigene Phalanx zurück. Die griechische Reiterei bestand aus den wenigen Reichen, die sich ein Pferd leisten konnten. Aber sie war keine Reiterei im Sinne der Schlachtenkavallerie der Neuzeit, die geschlossen zur Attacke ritt. Die Reiterei der Antike löste sich bei allen Völkern im Gefecht in Einzelkämpfe auf und war nicht in der Lage, eine Phalanx frontal anzugreifen. Im Gegensatz zu den Hopliten bestand sie jedoch aus gut ausgebildeten Einzelkriegern, während die Hopliten nur durch ihre Masse wirkten.

 

Für unsere Darstellung erscheint als die wichtigste Schlacht des Perserkrieges die Schlacht bei Marathon, die 490 v. Chr. stattfand. In ihr entwickelte der schöpferische Genius des athenischen Feldherrn Miltiades zwei Grundsätze, die zu Grundsätzen jeder Gefechtsführung seither geworden sind: die richtige Ausnutzung des Geländes gegenüber einem zahlenmäßig überlegenen Feind und die taktische Überraschung. Wo immer bis dahin die langsam und wuchtig vorgehende griechische Bürgermiliz auf die persischen Bogenschützen gestoßen war, war sie hoffnungslos zusammengeschossen worden. Auf diese Erfahrung verließen sich auch jetzt die kampferprobten persischen Berufssoldaten unter Datis und Artaphrenes.

 

Die Perser sind bereits am Strand gelandet, haben mit ihren etwa 20.000 Mann Lager geschlagen und sind kampfbereit, als die 10.000 Athener und Platäer in der Ebene von Marathon auftauchten. Die Perser sind sich darüber im klaren, daß sie rasch schlagen müssen, bevor die Griechen Verstärkung erhalten, und die Athener und Platäer wissen, daß sie nur hier noch dem persischen Heer den Weg in ihre Heimat verwehren können. 

Dies alles hört sich an, als hätte ein moderner Feldherr das Gelände für die Entscheidungsschlacht ausgesucht. Die materialistische Geschichtswissenschaft übersieht dabei allerdings einen Punkt, der neben der Gunst des Geländes bei den Griechen eine große Rolle gespielt haben dürfte, vielleicht sogar die ausschlaggebende. Genau an dieser Stelle nämlich hatte der attische Heros und Göttersohn Theseus den wilden Stier von Marathon besiegt und den Göttern geopfert. So auch sollte es mit den Persern geschehen. 

Eine Entscheidungsschlacht bahnt sich nun an, nicht nur für Griechenland, sondern für ganz Europa, von deren Bedeutung diejenigen, die sie mit dem Mut der Verzweiflung schlugen, keine Ahnung haben konnten.

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Es ist sommerlich heiß, und beide Heere lagern unter den Waffen. Doch die Griechen nutzen die kurze Zeit, um ihre Stellung zu verstärken. Miltiades stellt seine Phalanx so auf, daß sie den Ausgang des engen Vranatals besetzt hält und den vor ihr am Strand verlaufenden Weg nach Athen sperrt. Die Flügel der Phalanx sind rechts und links an das aufsteigende Gelände und an Verhaue angelehnt, so daß ihre verwundbaren Flanken gedeckt sind. An dieser Abwehrstellung konnte der Feind nicht vorbei. Er muß die Schlacht annehmen. Taktisch wichtiger aber noch, daß er in diesem Gelände seine zahlenmäßige Überlegenheit nicht ausspielen und seine gewohnte Taktik des zerstreuten Gefechts nicht anwenden kann, in dem jeder einzelne persische Berufs­krieger dem Athener Bürger mit seiner mangelhaften Ausbildung weit überlegen ist. 

Datis muß diesen Nachteil erkannt haben, aber er vertraut seiner hervorragenden Truppe und der Wirkung ihres ununter­brochenen Pfeilhagels auf etwa einhundert Schritt Entfernung und führt sein Heer zum Angriff, um die Phalanx durch Wirkungsfeuer ins Wanken und dann zum Auseinanderfallen zu bringen. Den geschlossenen Zusammenprall muß er mit seinen Leichtbewaffneten und fast ungeschützten Kriegern vermeiden. Ist die geschlossene Phalanx aber erst einmal auseinandergefallen, so wirkt sich die kämpferische Überlegenheit seiner Krieger im Einzelkampf aus, und die Schlacht ist gewonnen.

So dachte er wenigstens.

Die Athener und wenigen Platäer sehen sie kommen und heben die Schilde zum Mund. Die Führer der Abteilungen und Unterabteilungen treten auf ihre Plätze in den engen Intervallen; alle erinnern sich an den seltsamen Befehl, der ihnen kurz zuvor besonders eingeschärft worden ist. 

Niemals zuvor hat eine Phalanx getan, was sie jetzt auf ein Zeichen hin tun soll.

Unbeweglich steht die eiserne Mauer der Phalanx, als die Griechen den Päan anstimmen. Da sind die Perser schon auf Schußentfernung heran, stemmen ihre geflochtenen Schilde vor sich in den Boden, legen die Pfeile auf die Sehne, und schon schwirren die Pfeile gegen die ehernen Reihen. Doch genau in diesem einen entscheidenden Augenblick kommt das Zeichen, auf das nach dem ungewöhnlichen Befehl alle Griechen gewartet haben. Die Phalanx setzt sich in Bewegung und wirft sich in geschlossenem Sturmlauf, den Pfeilhagel unterlaufend, auf den Feind. Wohl reißt das Zentrum der Griechen unter den unaufhörlichen Bogenschüssen auseinander, aber die Flügel brechen in die Perser ein und werfen sie in wuchtigem Stoß nieder. In richtiger Erkenntnis der Lage schwenken sie zur Mitte ein und hauen das Perserheer zusammen. 

Gegen diese eisenstarrende Masse, die von der Liebe zur Heimat getragen mit dem Mut der Verzweiflung ficht, vermögen selbst die persischen Qualitätskrieger nichts mehr auszurichten. Es bleibt ihnen nur die Flucht zu den Schiffen. Sie gelingt nur unter schweren Verlusten (Stegemann).

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Diese Schlacht wurde so ausführlich geschildert, weil sich bei ihr uralte Vorstellungen zum ersten Mal mit modernen verbinden. Die Wahl des günstigen Geländes an der Stelle, an der Theseus den marathonischen Stier niedergeworfen und geopfert hatte, entsprach der alten Vorstellung, wie wir sie bisher bei allen großen Schlachten der Antike angetroffen haben.

Die Planung der Schlacht durch Miltiades über den ersten Ansatz hinaus und seine Führungsmaßnahmen während ihres Verlaufs sind jedoch Beweis für ein neues Element, nämlich die verstandesmäßige Planung einer Schlacht durch einen echten Feldherrn, der sich dazu nicht mehr auf seine göttliche Abkunft oder Stellvertreterstellung eines Gottes beruft. Das war das neue, moderne Element, das der Entwicklungsstufe in der lateinisch-griechischen Epoche entsprach. In ihr wurde die Gemüts- und Verstandesseele ausgebildet, wobei die Griechen die ersten Grundlagen zur Entwicklung der Verstandesseele legten, die später vornehmlich von den Römern ausgebildet wurde.

 

Es ist hier nicht der Ort, über den weiteren Verlauf der Perserkriege zu berichten, es soll nur noch auf einige für uns wesentliche Dinge hingewiesen werden. So fand die Seeschlacht bei Salamis 480 v. Chr., in der die Griechen die persische Flotte besiegten, nicht nur in der für sie besonders günstigen Meerenge statt; wichtiger noch erscheint uns die Tatsache, daß hier der Zugang zur Bucht von Eleusis und damit zur berühmten Mysterienstätte gesperrt wurde (s. Fig. 2). 

Man mag diesen Hinweis als nicht beweisbar verwerfen; dennoch wird man zugeben müssen, daß die ständig wiederkehrende Wahl der Schlachtorte nach religiösen Gesichtspunkten — so wie das bisher gezeigt wurde und sich auch weiterhin erweisen wird — selbst den größten Skeptiker veranlassen muß, diese Hypothese zuzulassen. Im August des gleichen Jahres 480 v. Chr. fand auch die berühmte Schlacht an den Thermopylen statt, deren Paß Leonidas mit seinen 300 Spartiaten und 5600 anderen Griechen verteidigte, um den Rückzug des griechischen Hauptheeres zu decken. Nur die Spartiaten hielten stand. Bis zum letzten Mann verteidigten sie sich selbst dann noch, als die zahlenmäßig weit überlegenen Perser, von einem Verräter geführt, sie umgangen hatten. 

Ihr Opfertod rettete das Hauptheer, das ein Jahr später den Endsieg bei Platää erringen konnte. Dieser Paß zwischen Gebirge und Meer war im Altertum durch drei Tore gesperrt, die zusammen mit den heißen Schwefelquellen dem Ort den Namen gaben. Es widerspräche jedem Verständnis für die Antike, wollte man annehmen, daß diese Stelle den Griechen nicht geheiligt gewesen wäre. In der soeben erwähnten Schlacht bei Platää griff die Göttin Hera persönlich in das Geschehen ein, indem sie dem Pausanias mit seinen Spartiaten und Periöken befahl, im persischen Pfeilhagel unerschütterlich auszuharren. Dadurch und durch das Manövrieren der anderen griechischen Truppen wurde die Schlacht gewonnen.

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Fig. 2   Seeschlacht bei Salamis zum Schutz von Eleusis (480 v. Chr.)

Skeptiker mögen das für einen Trick oder für eine Art der moralischen Ermunterung der Gruppen durch Pausanias halten; wichtig für uns ist allein die Tatsache, daß die kämpfenden Griechen selbst an das Eingreifen der Göttin zu ihren Gunsten glaubten. Auch bei der fast ein halbes Jahrhundert später ausgetragenen Schlacht bei Salamis auf Zypern, in der Kimon von Athen einen Sieg über die Perser errang, handelte es sich nicht nur darum, diese wichtigste Griechenstadt an der Ostküste der Insel Zypern zu schützen. Dort, ostwärts von Nikosia und in der Nähe von Famagusta, befand sich eine riesige Tempelanlage, vor deren Toren die Schlacht als Gottesurteil ausgefochten wurde.

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Der Geist, der die Griechen in diesem so entscheidenden Krieg befeuerte, wird am besten von Aischylos wiedergegeben, der in seiner Tragödie »Die Perser« schrieb:

Söhne der Hellenen! Auf!
Befreiet unser Vaterland!
Befreiet Weib
Und Kind!
Befreit der Heimatgötter Heiligtum,
Der Ahnen Gräber!
Jetzt um alles gilt's den Kampf!

Wie ungeheuer bedeutungsvoll die Perserkriege waren, und zwar nicht nur für die Griechen, sondern für die gesamte Menschheit, beschreibt Rudolf Steiner: 

»Denn in diesen Perserkriegen sehen wir, wie die Helden des Griechentums in flammender Begeisterung für dasjenige, was sie empfangen hatten von ihren Vorvätern, sich entgegenwarfen der Strömung, die sozusagen als die verfallende Strömung des Morgenlandes sich ihnen entgegenwälzt. Und was jenes damalige Entgegenwerfen bedeutet, wo die griechische Tempelweisheit, wo die Lehrer der alten griechischen Mysterien in den Seelen der Helden der Perserkriege kämpften gegen die abflutende Kultur des Morgenlandes, gegen die babylonische Kultur, wie sie die späteren Perser übernommen hatten, was das bedeutet, das kann die Menschenseele erfassen, wenn einmal die Frage aufgeworfen wird vor dieser Menschenseele: Was hätte werden müssen aus diesem südlichen Europa und damit aus dem ganzen späteren Europa, wenn dazumal der Anprall der großen physischen Massen aus dem Orient nicht von dem kleinen Griechenvolke zurückgeschlagen worden wäre?«79 

»Das werden wir empfinden als ein Ergebnis spiritueller Machte, die dem Griechentum das gebracht haben, was ihm gebracht werden mußte. Wir werden das alles fühlen in den Seelen der griechischen Helden, die Hegen die Perser in den verschiedenen Schlachten standen.«80

Die Jahre nach den Perserkriegen brachten, vor allem nach der Eroberung von Byzanz im Jahr 478 v. Chr., einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung. Der Geldumlauf stieg gewaltig, die Familien wurden reicher als zuvor. Aber wie es immer in Zeiten großen Reichtums zu geschehen pflegt, so geschah es auch hier.

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Immer mehr Städte der im Athenischen Seebund vereinigten Griechen kauften sich durch Geld vom Kriegs­dienst frei und legten damit, kurzsichtig, den Grund für die späteren Gewaltmaßnahmen der Söldner­heere gegen sie selbst. Nur Sparta nahm an diesem Bund nicht teil, ja es beobachtete ihn mit wachsender Unruhe.

Durch den Zuwachs an Staatsmitteln war Athen bald in der Lage, Tausende von Hoplitenrüstungen an seine Kleinbürger und Kleinbauernfamilien auszugeben, die sich vorher eine solche Rüstung nicht hatten leisten können. Auch die Bevölkerungszahl wuchs, so daß Athen bald etwa 16.000 bis 20.000 Hopliten aus eingesessenen Vollbürgern und »schutzverwandten« Fremden, den Metöken, stellen konnte. Dazu kamen etwa 1000 bis 2000 Reiter, die in den Kämpfen von Hellenen gegen Hellenen im Peloponnesischen Krieg wieder zu Ehren kamen. Selbst Athens Feind Sparta stellte ein Reiterkorps auf.  

Daneben verfügte Athen über ein Bogenschützenkorps von 1600 Mann. Den Wert der Bogenschützen hatte man ja auf bittere Weise in den Perserkriegen kennengelernt. Diese Bogenschützen waren zunächst vornehmlich solche Bürger, die nicht reich genug waren, um sich ein Pferd halten zu können, aber immerhin so wohlhabend, daß sie genügend Zeit für ihre langwierige Ausbildung aufbringen konnten, ohne dem wirtschaftlichen Ruin zu verfallen.

Da die Feldzüge immer länger wurden, machten bald viele Bürger aus dem Hoplitendienst ein Gewerbe. Auf der Suche nach Ersatzleuten entstanden die Söldnerheere, die an Schlagkraft allerdings den Bürgermilizen weit überlegen waren, vor allem weil sie von Berufsoffizieren geführt wurden.

 

Bevor wir in der geschichtlichen Entwicklung weitergehen, soll noch einmal betont werden, daß ohne die Perserkriege, die von beiden Seiten mit äußerster Erbitterung durchgefochten wurden, ohne den griechischen Kampfwillen, der den Tod dem Verlust der Freiheit vorzog, und ohne den griechischen Sieg die weitere Menschheitsentwicklung, vor allem in Europa, einen ganz anderen Verlauf genommen hätte.

Dieser Sieg, wie auch andere kriegerische Entscheidungen ähnlicher Größenordnung, ermöglichte erst die Entwicklung in der Menschheitsgeschichte in der von den geistigen Wesen geplanten Weise. Allein von der Seite der Militärtechnik her gesehen, erbrachten die überlegene Führung, die ausgereifte militärische Technik, zu der vor allem Waffen und Rüstung gehörten, und der entschlossene Nahkampf der in der Phalanx zusammengefaßten Krieger den Sieg über einen Feind, der zwar Mann für Mann jedem Griechen an Kampfkraft überlegen, an Schutz- und Trutzwaffen jedoch unterlegen war, so daß selbst der Kampf Mann gegen Mann für ihn aussichtslos blieb.

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Ganz im Sinn dieser Entwicklung, die auch den ersten Ansatz zur Ausbildung der Verstandesseele widerspiegelt, entstand damals auch die erste klassische militärtheoretische Schrift, die Xenophon (etwa 430-354 v.Chr.) verfaßte.

Dieses »Kyropädie« genannte Werk ist ein Erziehungsroman, in dem Xenophon, einzelne geschichtliche Ereignisse frei benutzend, das Heranwachsen des älteren Kyros zum idealen König schildert. 

Xenophon war ein athenischer Adliger. Als junger Mann schloß er sich Sokrates an, dessen sittliches Vorbild ihm tiefen Eindruck machte, wenn er auch als Mensch von praktisch nüchternem Sinn dem geistigen Streben des Philosophen fremd gegenüberstand. Im Jahr 401 v. Chr. trat Xenophon als Offizier in die Griechentruppe des Kyros ein und leitete nach der Katastrophe von Kunaxa mit Erfolg den schwierigen Rückzug, den er dann in seiner »Anabasis« schilderte. 

Als Berufsoffizier hatte er bereits in der »Kyropädie« erkannt, daß die Kriegführung nicht eine Wissen­schaft, sondern eine Kunst ist. Als praktischer Soldat wußte er auch, daß mit der damaligen Bewaffnung der Nahkämpfer dem Fernkämpfer überlegen war und daß bei allen Erfolgen der Nebenwaffen die Hauptsorge des Feldherrn der Phalanx gelten mußte — eine Erkenntnis, die fast bis zur Erfindung der rasch feuernden Hinterlader und Maschinengewehre ihre Gültigkeit behielt.

Bis dahin war jede Schlacht, die zwischen Phalangen ausgetragen worden war, eine Parallelschlacht gewesen. Das bedeutete, daß die beiden Heere sich in parallelen Linien gegenüberstanden und gleichmäßig aufeinander vorrückten. Durch die schon erwähnte Tatsache, daß die Phalanx automatisch nach rechts zog und dort die besten Krieger standen, kam es im Verlauf der Schlacht dazu, daß der rechte Flügel den feindlichen linken schlug. Die Schlacht drehte sich dann quasi um ihren Mittelpunkt, bis eine Seite sich zur Flucht wandte und dem Gegner das Schlachtfeld überließ.

Das blieb so, bis Epaminondas erschien. Im Jahr 371 v.Chr. überraschte er bei Leuktra mit seinen Thebanern die feindlichen Lakedaimonier mit einer neuen Taktik. 

Wahrscheinlich beließ auch er die besten Krieger auf seinem rechten Flügel, aber gerade dadurch, daß er diese Krieger dort einsetzte und ihnen befahl, gegenüber dem linken Flügel der Spartaner auf der Stelle zu treten, konnte er ihn zugunsten seines eigenen linken Flügels schwächen. Dort verstärkte er die Phalanx derart, daß sie fünfzig Glieder tief stand und überdies noch im Gelände angelehnt war. 

Manche haben darin eine »schiefe Schlachtordnung« erkennen wollen, das trifft aber nicht zu, da es sich auch hier um eine Parallelschlacht handelte. Außerdem beorderte er noch die thebanische Reiterei und die aus hellenisch-illyrischen Mischstämmen bestehenden leichtbewaffneten Peltasten dorthin, die inzwischen einen langen Degen und zu den Wurfspeeren noch eine Stoßlanze bekommen hatten. Ihre ausgezeichnete Disziplin und ihr Korpsgeist ermöglichten es ihnen, durch Speerwürfe die Reihen der feindlichen Hopliten zu erschüttern und dann geschlossen in sie einzubrechen. Hier, bei Leuktra, kämpften sie zusammen mit der thebanischen Reiterei im sog. zerstreuten Gefecht.

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Einer solchen gemischten Truppe aus Reiterei und Fußvolk werden wir später noch bei den Urgermanen begegnen. Ihr Einsatz geschah nicht im Sinne des Schockangriffs der neuzeitlichen Schlachtenkavallerie mit dem Ziel des Durchbruchs durch den Feind; da sie ohne Sattel und Bügel, lediglich auf einer Decke sitzend, die Wucht des Anpralls nicht ausnutzen konnten, suchten sie den Einzelkampf.

Der sieggewohnte rechte Flügel der Lakedaimonier stieß nun mit dem ungeheuer verstärkten linken Flügel der Thebaner zusammen. Auch der Angriffs­schwung der Spartiaten vermochte gegen eine solche Übermacht nichts auszurichten. Sie mußten ihr erliegen. Xenophon sagt, in der Schlacht bei Mantinea, die Epaminondas 362 v.Chr. gegen Spartaner und Athener auf die gleiche Weise anlegte, habe die tiefe Kolonne der Thebaner mit ihrem Gewaltstoß wie eine Triäre, die das feindliche Schiff rammt, die spartanische Phalanx durchbrochen. In der Zwischenzeit war der linke spartanische Flügel, wie es dem traditionellen Verlauf einer Hoplitenschlacht entsprach, nur stockend und zögernd gegen den auf der Stelle tretenden rechten Flügel der Thebaner vorgegangen. So kam das Gefecht dort überhaupt nicht oder erst viel zu spät in Gang. Der rechte Flügel der Spartaner war längst geworfen und die Schlacht damit entschieden worden. Der linke suchte daraufhin sein Heil in der Flucht.

Zum ersten Mal hat so Epaminondas die Flügelschlacht erfolgreich in die Kriegsgeschichte eingeführt, die drei Waffengattungen der Hopliten, Reiter und Leichtbewaffneten zu einer organischen Einheit verschmolzen und damit die Starrheit der Phalangen­schlacht aufgelockert. Mit dieser Neuaufstellung, die zu ihrer Zeit etwas Unerhörtes darstellte und noch heute unsere Bewunderung verdient, hat Epaminondas gezeigt, daß die Aufstellung der Truppen in jeder Schlacht geändert werden konnte und schon in ihrem Ansatz der Schlüssel zum späteren Sieg liegen mußte. Der Feldherr erhielt damit ein geistiges Übergewicht über die ihm unterstellten Führer und in Fachfragen auch über die Politiker, in deren Auftrag er handelte. 

Von nun an wurde die Schlacht zum intellektuellen Kalkül.

Bisher ist immer wieder von Schlachten auf heiligem Boden oder vom Eingreifen der Götter in die Schlacht gesprochen worden. Doch kannte auch bereits die griechische Antike einen »heiligen« Krieg. Im Jahr 356 v.Chr. beschuldigten die Thebaner die Phoker, also die Bewohner der griechischen Landschaft um Delphi und den Berg Parnas, das dem delphischen Apollon geweihte Land bebaut zu haben.

Die Amphiktionie, der heilige Zwölfstämmebund der Griechen, erklärte daraufhin den »heiligen« Krieg. Die Phoker vermehrten ihre Schuld noch dadurch, daß sie die Weihgeschenke aus Delphi raubten und das Gold in Münzen umschmolzen, um ihre Verteidigung bezahlen zu können. Im Jahr 346 unterlagen sie dem zu Hilfe gerufenen Philipp von Makedonien.

Der Amphiktionenrat beschloß daraufhin die Zerstörung aller Städte in Phokis. Die Phoker mußten abrüsten, durften weder Waffen noch Pferde besitzen und sollten eine Kriegsentschädigung von 10.000 Talenten in Raten an die Sieger zahlen. Sie haben sich von dieser Niederlage nie wieder erholen können. Das zeigt sich vor allem darin, daß sie zum Spielball der Politik der anderen Mächte wurden und diesen, vor allem in der Diadochenzeit, ihr Land sehr oft als Kriegsschauplatz diente. Zu Beginn der Römerherrschaft im Jahr 146 v.Chr. war das Land völlig verarmt. Dies ist das erste Beispiel in der Geschichte für die Verarmung und Versklavung eines Volkes durch einseitige Abrüstung und damit Verzicht auf das Notwehrrecht des Staates.

Am Ende dieses Abschnitts, der der Geschichte von den Perserkriegen bis zum Einfall der Makedonier gewidmet ist, soll noch einmal hervorgehoben werden, daß die für die Geschichte der Menschheit, eines Volkes oder Stammes entscheidenden Schlachten der Antike auf heiligem Boden geschlagen wurden. Nicht den Menschen, sondern den Göttern wurde damit die Entscheidung zugewiesen. Nun soll allerdings nicht bestritten werden, daß Schlachten auch an Stellen geschlagen wurden, in deren Nähe sich keine Heiligtümer befanden. Dann aber wurde bei verabredeter Schlacht vorher stets das Schlachtfeld durch Gottesdienst und Opfer geheiligt. Nur gegen einen Feind, der wider göttliches Gesetz verstoßen hatte und damit zum Verbrecher geworden war, durfte auch ohne Einhaltung dieser Riten mit Gewalt vorgegangen werden. Der Verlauf der weiteren Geschichte im Altertum wird dies noch deutlicher hervortreten lassen.

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