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Die Autoren

 

 

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Alkmäon oder auch Alkmaion (* um 570 v. Chr. Kroton/Unteritalien, |um 500). Griechischer Philosoph und Arzt. Schüler des Pythagoras, Vorgänger des Hippokrates. Begründer der Physiologie; fand im Gehirn das Organ der Geistestätigkeit. Alkmäon kam auch zu ersten psychologischen Erkenntnissen.   S. 72f., 108, 119

Altes Testament. Das Alte Testament umfaßt 39 Bücher, davon 5 Bücher Mose. Die Texte wurden zu Ende des zweiten Jahrtausends v. Christi Geburt erstmalig aufgezeichnet, schildern aber Ereignisse und Verhältnisse, die bis zu viertausend Jahre vor unserer Zeit liegen. — In diese Sammlung sind Auszüge aus folgenden Büchern aufgenommen und alphabetisch unter die Autoren eingeordnet: 
Mose, Hiob, Psalmen, Sprüche, Prediger, Jesaja.

Anaximander (* um 610 v. Chr. Milet, f um 546). Griechischer Philosoph. Schüler des Thaies von Milet. Durch Einwirkung der Sonne seien im Wasser die ersten niedrigen Lebewesen entstanden, dann die Fische und schließlich die Landtiere und der Mensch. — Von ihm sind nur wenige kurze Zitate erhalten. Begründer der Geographie, zeichnete als erster eine Karte von der damals bekannten Erde.   
S. 108

Buddhistische Märchen. Der Religionsstifter Buddha lebte etwa zwischen 560 und 480 v. Chr. Er gründete einen Orden von Wandermönchen, der einen Mittelweg zwischen totaler Askese und dem Überfluß hielt. Buddha setzte die Lehre der Upanischaden von der ständigen Wiedergeburt in neuen Existenzen fort; im Gegensatz zu ihnen verkündet er aber das Nirwana als Heilsziel, d. h. Befreiung vom Kreislauf der leidvollen Wiedergeburten = Erlösung durch Aufgehen im Nichts. Die spätere Verbreitung des Buddhismus führte zu äußerst unterschiedlichen Ausgestaltungen seiner Lehre. — Der Buddhismus hatte großen Einfluß auf Geist, Kultur und Kunst des mittleren und fernen Asien. Über 500 »Buddhistische Märchen« der Sammlung »Dschätakam« sind in Pali, einer jüngeren Sanskritsprache, abgefaßt. Sie sind alle Buddha in den Mund gelegt und gehören zu den heiligen Schriften.  S. 97-101

Carson, Rachel Louise (* 27.5.1907 Springdale/Pennsylvania, f 14.4.1964 Silver Spring/Md). Amerikanische Schriftstellerin. Schrieb wissenschaftliche Abhandlungen zur Biologie der Gewässer und über Schäden durch Chemikalien. Ihr Hauptwerk »Der stumme Frühling« verursachte 1962 eine Initialzündung der amerikanischen Umweltbewegung, die dann auf Europa übergriff.   
S. 14, 188, 201 ff.

Chateaubriand, Francois Rene (* 4.9.1768 Saint-Malo, f 4.7.1848 Paris). Französischer Schriftsteller und Politiker aus altem Adelsgeschlecht. Lebte 1793 bis 1800 in England. Unter Napoleon und später im Dienste der Regierung; bis 1830 verschiedene diplomatische Missionen. Schrieb vor allem Erinnerungen. Auf Grund seines Aufenthaltes in Nordamerika beschrieb er das Leben eines Indianer-Stammes: »Die Natschez«.   
S. 189


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Churchill, Winston (* 30.11.1874 Blenheim Palace/Oxford, f 24.1.1965 London). Britischer Staatsmann. 1940—45 und 1951 — 55 Premierminister. Nach Teilnahme an Feldzügen in .aller Welt ab 1906 Mitglied vieler Regierungen in verschiedenen Positionen. 1929—39 ohne politisches Amt; in dieser Zeit widmete er sich historischen Arbeiten und warnte ständig vor Hitler. Er war ein hervorragender Redner und Schriftsteller (Nobelpreis für Literatur 1953). Schrieb vor allem vier Bände über den I. und sechs Bände über den II. Weltkrieg. 
S. 14, 138, 154-158

Daly, Herman (* 21.7.1938 Houston/Texas). Amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler. Lehrt an der Louisiana State University und befaßt sich vor allem mit dem Verhältnis von Ökologie und Ökonomie. Verfechter einer »Gleichgewichts-Wirtschaft«. Hauptwerk: »Steady-State Economic«.  S. 242, 245-254

Demokrit (* 460 v. Chr. Abdera/Thrakien, |371 ebenda). Griechischer Philosoph. Begründer der Atomlehre. Die Atome sind verschieden schwer, bewegen sich im leeren, grenzenlosen Raum, auch ihre Anzahl ist grenzenlos. Es gibt verschiedenartigste und zahllose Welten im unendlichen Raum. Der Mensch ist ein Abbild der Welt, ein Mikrokosmos. 
S. 45, 72, 93

Dostojewski, Fjodor Michailowitsch (* 11.11.1821 Moskau, f 9.2.1881 Petersburg). Russischer Dichter, Sohn eines Arztes, zunächst Ingenieur. Als Sozialist zum Tode verurteilt, vier Jahre in Sibirien. Dann häufiger Aufenthalt in Westeuropa. Herausgeber von Zeitschriften. — Sein Werk besteht aus vielen bedeutenden mehrbändigen Romanen, in denen die Psychologie der Personen den stärksten Eindruck hinterläßt; auch in den Novellen. Dostojewski erkennt die schrecklichen Folgen einer Welt ohne Gott, wie sie der Kommunismus lehrt. Sein Leben ist ein ständiges Ringen um den Glauben. Dementsprechend stehen seine Gestalten im dauernden Kampf zwischen Gut und Böse. — Hauptwerke: »Raskolnikow«, »Der Idiot«, »Schuld und Sühne«, »Die Dämonen«, »Die Brüder Karamasow«. 
S. 103

Dschuang Dsi oder auch Chuang Tzu. (Lebte im 4. Jahrhundert v. Chr. in Mong/Südwestschantung.) Chinesischer Philosoph, der sich hauptsächlich an Laotse orientierte. Über sein Leben ist wenig bekannt. Er hatte eine Zeit lang ein Amt in der Stadt Tsi Yüan und war verheiratet. — Seine Schriften bestehen aus Zitaten und Gleichnissen, die über hunderttausend Worte umfassen. Die heutigen Ausgaben fußen auf Niederschriften des 3. und 4. Jahrhunderts nach Chr., als Dschuang Dsi in China Mode wurde. Seit dem Jahre 742 wird sein Werk als »Das wahre Buch vom südlichen Blütenland« bezeichnet. 
S. 45,110-114,120-124,127ff.y 141-144


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Echnaton. Ägyptischer König seit etwa 1364 v. Chr. als Amenophis IV., nannte sich später Aton. Gemahl der Königin Nofretete. Echnaton erhob den Sonnengott Aton zum einzigen Gott. Gründete 1361 die neue Hauptstadt Aton, das heutige Amarna. Es kam zum politischen Umsturz, das Ende Echnatons liegt im Dunkel. Nach dem Tod des Königs im Jahre 1348 wandten sich die Ägypter wieder der Religion mit vielen Göttern zu.  S. 10, 19-22

Edda — Germanische Göttersage. Über die Weltauffassung und Religion der Germanen gibt es wenige Zeugnisse. Die Verfasser der einzelnen Texte sind unbekannt. — »Die Edda« wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Island aufgezeichnet. Dieser sogenannte »Codex Regius« enthält Helden-, Riesen-und Göttersagen, Zauberlieder und Lebensregeln, die aus der vorchristlichen Zeit wahrscheinlich mündlich überliefert worden sind. — Die Götterdichtung unter dem Namen Voluspä = »Der Seherin Gesicht« mit rund 60 Strophen ist keine einheitliche Dichtung, sondern offensichtlich durch Zusätze und Umstellungen verändert. Trotzdem ist die Entstehung der Welt und ihr Untergang in Wasser und Feuer mitsamt den Göttern eindrucksvoll geschildert; doch zuletzt taucht die Vision einer wiederergrünenden Welt mit Adlern und Fischen auf: Land steigt aus den Fluten, Gras wächst, Äcker bringen Frucht. S. 38f., 224f.

Emerson, Ralph Waldo (* 25.5.1803 Boston, f 27.4.1882 Concord/Mass.). Amerikanischer Philosoph und Dichter. Studierte an der Harvard Univer-sity. Ein geistliches Amt hat er aus Gewissensgründen aufgegeben. Europareise, Bekanntschaft mit europ. und amerik. Dichtern. — Schrieb vor allem ausgezeichnete Essays, so daß ihn Nietzsche zu den ganz großen Schriftstellern rechnete. S. 44, 53-60

Empedokles (* 483 oder 482 v. Chr. Akragas/Agrigent auf Sizilien, f 430 bis 420 im Peloponnes). Griechischer Philosoph und Arzt. Aus vornehmer Familie, politisch tätig; doch schlug er die angebotene Königskrone seiner Heimatstadt aus. Er war Wanderprediger mit großer Jüngerschar. Der Legende nach soll sich Empedokles schließlich in den Ätna gestürzt haben. — Das letzte Ziel des Denkens ist die Einsicht in den Sinn des Lebens. Der Begriff des »Glaubens« taucht bei ihm erstmalig auf. Alles Organische ist beseelt, also auch Tiere und Pflanzen. Die Welt bildet einen ewigen dualistischen Kreislauf zwischen Werden und Vergehen, Anziehen und Abstoßen, Liebe und Haß. — Von seinen Werken sind Reste eines Lehrgedichtes »Über die Natur« und ein »Reinigungslied« erhalten. S. 36f.

Franz von Assisi, geboren als Giovanni Bernadone (* 1181 oder 1182 Assisi, f 3.10.1226 ebenda). Sohn reicher Eltern. Ausschweifendes und kriegerisches Leben. Innere Bekehrung zu einem gottgewollten Leben der Armut nach 1202. 1209 Gründung des Franziskanerordens, den er bis 1220 leitete. Dann bis zu seinem Tod 1226 leidend. Zwei Jahre nach dem Tod wurde er heiliggesprochen. S. 10, S. 27j.


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Gilgamesch-Epos. Bedeutendstes Werk der babylonischen Literatur. Behandelt in ursprünglich 3600 Verszeilen den Sagenstoff um den sumerischen König Gilgamesch, der im 28./27. Jahrhundert v. Chr. in Uruk herrschte. Er wurde etwa ab 2600 göttlich verehrt. Fragmentarische Überlieferungen des Epos gibt es seit etwa 1900 v. Chr. S. 65, 221

Global 2000. Bericht an den Präsidenten. Der US-Präsident Jimmy Carter forderte am 23. Mai 1977 den Ausschuß für Umweltqualität und das Außenministerium auf, zusammen mit den anderen Bundesbehörden die voraussichtlichen Veränderungen der Bevölkerung, der natürlichen Ressourcen und der Umwelt auf der ganzen Erde bis zum Ende des zweiten Jahrtausends zu untersuchen. Nach dreijähriger Arbeit unter Mitwirkung vieler Ministerien und Institute wurde der Bericht 1980 fertiggestellt. Er erregte sofort weltweites Aufsehen, führte aber nirgendwo zu einer Änderung der politischen Ziele. In den USA kam es sogar durch den folgenden Präsidenten Ronald Reagan zu einer Politik, welche die Erkenntnisse von »Global 2000« völlig mißachtet. S. 14, 211-217

Goethe, Johann Wolfgang von (* 28.8.1749 Frankfurt, f 22.3.1832 Weimar). Deutscher Dichter. Sohn einer Frankfurter Patrizierfamilie. Ab 1765 Jurastudium in Leipzig, ab 1770 in Straßburg; 1771 — 1775 Advokatur in Frankfurt und Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar. Dann freundschaftliche Einladung des Herzogs Karl August nach Weimar, wo Goethe bis zu seinem Lebensende verschiedenste Regierungsämter ausübte. Unterbrechungen bildeten die zwei Italienreisen (1786—1788 und 1790), bei denen ihm die Antike zum Erlebnis wurde, und drei Reisen in die Schweiz. Seit 1806 Ehe mit Christiane Vulpius. — Die Gefährten der frühen Jahre des »Sturm und Drang« waren Herder, Wieland, Wilhelm Humboldt, die Brüder Schlegel sowie die Maler Runge und Friedrich. Außer vielen Gedichten entstand der Briefroman »Die Leiden des jungen Werther«, die Dramen »Götz von Berlichingen», »Egmont« und der »Urfaust«. — Die Zusammenarbeit mit Schiller in Weimar begründete die deutsche Klassik und damit den Höhepunkt der deutschen Dichtung überhaupt. Herausgabe der Zeitschriften »Hören« und »Prophyläen«. Außer bekannten Balladen entstanden »Wilhelm Meisters Lehrjahre«, »Hermann und Dorothea«, »Iphigenie auf Tauris«, »Torquato Tasso«, »Reineke Fuchs«, der »Faust I« wurde 1806 abgeschlossen. Die Konzentration der damals bedeutenden Geister in Thüringen setzte sich fort, als die Romantiker, vorwiegend in Jena, auftauchten: die Dichter Tieck, Novalis, Brentano, v. Arnim, die Philosophen Fichte und Schelling, der Physiker Ritter. Die neue Wendung führte zu den naturphilosophischen Gedichten Goethes. Unablässig ging die Arbeit am »Wilhelm Meister« weiter, die »Wahlverwandtschaften« wurden fertig. Aber das große Lebenswerk war und blieb der »Faust«, der vom achtzigjährigen Goethe vollendet wurde, eine Dichtung, die in der Welt ihresgleichen sucht. Der Gedichtzyklus »West-Östlicher Diwan« ist noch aus der Fülle der hier nicht genannten Werke herauszuheben. Viele Schriften erzählen auch aus dem Leben Goethes, besonders aber »Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit«. Eckermann hat in seinem Buch »Gespräche mit Goethe« ab 1823 wichtige Betrachtungen aufgezeichnet und über persönliche Geschehnisse berichtet. —


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Goethe hat auch viel gezeichnet und gemalt. Der Wissenschaftler Goethe befaßte sich mit Mineralogie und Geologie. Als Anatom entdeckte er den menschlichen Zwischenkieferknochen, als Botaniker hatte er die Idee der Urpflanze und schrieb »Die Metamorphose der Pflanzen« wie als Zoologe »Die Metamorphose der Tiere«. Mit seiner »Farbenlehre« stellte er sich gegen Newton. Goethes Blick war ganz auf die Natur und die organischen Gesetzmäßigkeiten gerichtet. Seine Denkweise war eine andere als die der herrschenden Naturwissenschaften. Je gründlicher wir die Welt wieder ökologisch betrachten, um so mehr brauchen wir Goethe. S. 12, 40f., 44, 46-52, 78,114f., 134ff., 146f., 167, 243

Grimms Märchen. Grimm, Jacob (* 4.1.1785 Hanau, | 20.9.1863 Berlin), Grimm, Wilhelm (* 24.2.1786 Hanau, f 16.12.1859 Berlin). Die gesammelten deutschen Märchen bekamen zu Recht ihren Namen von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm, die sie durch ihre Sammeltätigkeit davor bewahrten, in Vergessenheit zu geraten. Die Brüder lebten und arbeiteten gemeinsam, so daß ihre Verdienste schwer zu trennen sind. Sie studierten in Marburg, waren von 1816-1830 an der Bibliothek in Kassel, 1831-1837 Professoren in Göttingen, wo sie zu den »Göttinger Sieben« gehörten; ab 1841 Professoren in Berlin. — An den »Kinder- und Hausmärchen«, 2 Bände (1812-1815), hat Wilhelm den Hauptanteil. 1816-1818 erschienen »Deutsche Sagen«, 1819 die »Deutsche Grammatik«, 1848 »Die Geschichte der deutschen Sprache«. Die Arbeit am »Deutschen Wörterbuch« wurde ein Jahrhundertwerk und im Jahr 1971 abgeschlossen S. 95f.

Gruhl, Herbert (* 22.10.1921 Gnaschwitz/Kreis Bautzen). Politiker und Schriftsteller. Bauernsohn. Studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie. Tätigkeiten in der Wirtschaft. 1969—1980 Mitglied des Deutschen Bundestages. Bücher: »Ein Planet wird geplündert — Die Schreckensbilanz unserer Politik« (1975), und »Das irdische Gleichgewicht — Ökologie unseres Daseins« (1982). S. 203-211, 271-292

Heisenberg, Werner (* 5.12.1901 Würzburg, 1.2.1976 München). Deutscher Atom-Physiker. Professor in Leipzig, Berlin und Göttingen. Ab 1958 Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik. Für seine Quantentheorie erhielt er 1932 den Nobelpreis für Physik. Heisenberg hatte Neigungen zur Philosophie und vertrat eine umfassende Weltsicht. S. 242, 255

Heraklit (:;" um 535 v. Chr. Ephesos/Kleinasien, f um 475 ebenda). Stammt aus der vornehmen Familie der Vaterstadt, die das Amt eines Opferpriesters der Demeter erblich innehatte. Heraklit legte das Amt nieder und zog sich auch aus dem politischen Leben in die Einsamkeit zurück. Von seiner im Dianatempel niedergelegten Schrift sind nur Fragmente überliefert. — Heraklit war einer der tiefsinnigsten Philosophen des Altertums. Seine Weisheiten entnahm er aus der Natur. Wir dürfen ihn aus heutiger Sicht als einen ökologischen Philosophen bezeichnen. 


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Er lehrte die Einheit der Welt, die dennoch stets doppeldeutig bleibt, da sie sich im ewigen Werden und Vergehen zwischen den Gegensätzen bewegt. Alles lebendige Geschehen verläuft gesetzmäßig, wenn es auch für den Normalverstand immer unverständlich bleiben wird. Heraklit verwirft alles Äußerliche, so auch die Kulthandlungen, jedoch nicht die Religion selbst, zu der ein intuitiver und mystischer Zugang möglich ist. Die Art Heraklits zu denken, finden wir bei den chinesischen Philosophen wieder. In der Neuzeit hat vor allem Goethe in geistiger Wahlverwandtschaft diese Weltsicht lebendig verkörpert und in seinen Werken Wiederaufleben lassen. Friedrich Nietzsche prägte das Wort: »Die Welt braucht ewig die Wahrheit, also braucht sie ewig Heraklit«.  S. 45, 72, 106f.t 119

Hesiod (lebte um 700 v. Chr. in Böotien). Griechischer Dichter. Sohn eines armen Bauern. Er weidete die Schafe in den Bergen, wobei er der Sage nach von den Musen des Berges Helikon die Dichterweihe empfing. — Hauptwerk »Theogönie« 1022 Verse. »Werke und Tage« 828 Verse, behandelt den Landbau im Kreis des Jahres. S. 65—71

Hesse, Hermann (*2. 7. 1877 in Calw, f 9. 8. 1962 in Montagnola/Tessin). Deutscher Dichter. Stammt aus einer Missionarsfamilie. 1892 Flucht aus dem evangelischen Seminar in Maulbronn. Lebte am Bodensee, ab 1912 in der Schweiz, deren Staatsbürger er 1924 wurde, in Montagnola am Luganer See. Mit der Indienreise 1911 (>Aus Indien<) Wendung zur östlichen Weisheit in >Siddharta< und >Die Morgenlandfahrt<, wie überhaupt seine Romane den Gegensatz zwischen der ökologischen und der mechanistischen Weltauffassung darstellen. Die wichtigsten Romane sind: >Peter Camenzind<, >Demian<, >Der Steppenwolf<, >Narziß und Goldmund<, >Das Glasperlen-spiek S. 164

Hiob. Hiob gab es wohl als Person nicht. Eine alte Legende, vielleicht schon aus vorisraelitischer Zeit, berichtet von den Prüfungen Gottes, die ein reicher Herdenbesitzer bestehen muß. Als er alles verloren hat, spricht er die zeitlosen Worte: »Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen; der Name des Herrn sei gelobt!« Hiob besteht alle Prüfungen, und Gott gibt ihm seine Güter doppelt wieder. — Das Buch »Hiob« gehört zu den sogenannten . »poetischen Büchern« des Alten Testaments und ist eines der bedeutendsten « Werke der Weltliteratur. S. 140f.

Hofmannsthal, Hugo von (* 18.2.1874 Wien, 115.7.1929 Rodaun). Österreichischer Dichter. Er wurde noch vor dem Jahre 1900 durch seine Gedichte und kleinen Dramen berühmt, besonders durch »Der Tor und der Tod« (1893). In seiner mittleren Epoche verfaßte er Dramen über antike Stoffe und »Das Bergwerk zu Falun« sowie Erzählungen, später zunehmend Komödien und Librettos für Richard Strauß. Religiöse Stoffe sind im »Jedermann« und im »Salzburger Großen Welttheater« gestaltet. Kostbare Prosastücke sind »Der Brief des Lord Chandos« und das Romanfragment »Andreas«.  S. 118,136


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Homerische Hymnen. »Homerische Götterhymnen« lautet die Bezeichnung für eine Gattung von Gesängen, die zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert v. Chr., einzelne später, im griechischen Kulturkreis entstanden. Sie stammen nicht von Homer, sondern von unbekannten Dichtern. Die erhaltenen Texte weichen voneinander ab. S. 31 f.

Indianer. Die Indianer sind mongolide Einwanderer, die vor etwa 50000 Jahren aus Asien über die Beringstraße gekommen sein mögen. In Nordamerika kam es zu keinen Hochkulturen wie in Mittel- und Südamerika. Die Lebensweise der vielen Stämme war sehr unterschiedlich, und sie hatten sehr verschiedene Sprachen. Da sie keine Schrift, nur die mündliche Überlieferung kannten, stammen die wiedergegebenen Äußerungen einzelner Indianer aus den letzten 130 Jahren. Darin stellen sie ihre den Weißen entgegengesetzten Naturanschauungen anklagend dar. S. 28-31, 90,101,166, 175-179

Jesaja (lebte im 8. Jahrhundert v. Chr., f um 701 v. Chr.). Jesaja stammt aus Jerusalem, ist wahrscheinlich ein Neffe des Königs Amazja, der Juda von 800—783 regierte. Er empfing angeblich seinen Auftrag durch eine Vision im Tempel (740). Er ist Verkünder einer glücklichen Zukunft der Israeliten, nachdem der moralische Verfall überwunden sein würde. Die Assyrer sieht er als von Gott benutzte Geißel. — Jesaja gehört zu den Propheten, die von 900 v. Chr. bis 600 v. Chr. auftraten. Sie sind weniger Seher als moralische Ermahner, die ihrem Gewissen folgen. Sie geißelten Mißstände, griffen oft den König und besonders seinen Hof an und stellten die Zeit Davids als Vorbild hin. S.221f.

Jünger, Ernst (* 29.3.1895 Heidelberg). Deutscher Dichter. Kriegsteilnehmer des ersten Weltkriegs, den er in seinen ersten Werken beschrieb. Dann viele Romane und Erzählungen bis in die heutige Zeit. — Sein Bruder Friedrich Georg Jünger (1898—1977) schrieb zur Zeit des Zweiten Weltkriegs das im ökologischen Zusammenhang sehr wichtige Buch »Die Perfektion der Tech-^W^-nik«, das 1946 erschien und die Auswirkungen der Technik kritisch unter die ' Lupe nimmt. S. 161 —164

Kerner, Justinus (* 18.9.1786 Ludwigsburg, f 21.2.1862 Weinsberg). Deutscher Dichter und Arzt. Studierte Naturwissenschaften und Medizin. Oberamtsarzt in Württemberg bis 1851. Mit Uhland und Schwab befreundet. Bedeutend durch seine Lyrik. S. 147f.

Klages, Ludwig (* 10.12.1872 Hannover, f 29.7.1956 Kilchberg/Kanton Zürich). Deutscher Philosoph, Psychologe und Graphologe. Zunächst Chemiker. Vertrat die Leib-Seele-Einheit, die durch den Intellekt gestört wird. Hauptwerk »Der Geist als Widersacher der Seele«, 3 Bände (1929-33).  S. 14, 188-201


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Laotse, auch Lao Tzu oder Lau Dan, lebte im 6. Jahrhundert v. Chr. (oder später?). Chinesischer Philosoph. Laotse bedeutet auf Chinesisch „der Alte". Ob die dahinter verborgene Person Laotse wirklich gelebt hat, ist ungewiß; aber daraus wurde eine geradezu göttlich verehrte Gestalt. — Der Kaiser Sze-ma-tsien (163—85 v. Chr.) schreibt einiges über Laotse. Er soll aus dem südlichen China stammen und Geschichtsschreiber des Kaiserhauses Cheu gewesen sein. Bekümmert über den moralischen Verfall habe er das Land verlassen. Am Grenzpaß Han-Gu habe ihn .der Grenzwächter erkannt und um die Niederschrift seiner Lehre gebeten, was Laotse in 81 Kapiteln und :. 5000 Wortbildern getan habe; darauf sei er für immer verschwunden. — Wel-^^dhj Entstehungsgeschichte das >Tao Te King< auch haben mag, daß es zu den ^weisesten Büchern der Menschheit gehört, ist unbestritten. — Die erste datierbare Niederschrift stammt von Wang Pi (226 bis 249 n. Chr.). Die erste deutsche Übersetzung veröffentlichte 1-870 Victor von Strauss.  S. 106,109f., 118,127-131

Leonardo da Vinci (* 15.4.1452 Vinci bei Florenz, t 2.5.1519 Chäteau de Cloux bei Ambois). Italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Ingenieur, Naturforscher und Philosoph. Lebte 1466—82 in Florenz, zunächst Schüler Verrocchios, 1482—99 in Mailand am Hof Herzog Ludwigs, ab 1500 wieder in Florenz im Dienste Cesare Borgias, 1514—16 in Rom und die letzten drei Jahre in Frankreich. — Es gibt fast kein Gebiet, mit dem sich Leonardo nicht beschäftigt hätte. Er machte zahlreiche Erfindungen, einige blieben unent-deckt oder wurden nicht ausgeführt. Anatomische Forschungen mit Hunderten von Zeichnungen. Eine Lehrschrift über das Wasser war geplant. Die »Sintflut-Blätter«, eine Serie von Zeichnungen, stellen in visionärer Schau den Untergang der Welt dar. Leonardo war überzeugt, daß die gigantischen Kräfte der Natur jederzeit den anmaßenden Menschen vernichten könnten. Seine großen Gemälde sind weltweit bekannt. Seine Tagebücher dagegen sind nur wenig beachtet worden, obwohl sie in tiefsinnigen kurzen Sätzen die Zusammenhänge der Natur offenbaren. Seine Verbindung mit der Tierwelt bezeugen an die hundert Fabeln. »Er hatte einen so ausgeprägten Sinn für organisches Leben, für Wachstum und Verfall, für das unendlich Kleine und das unendlich Große — kurz: für die Natur der physischen Welt...« (Clark). Leonardo könnte das größte Universalgenie gewesen sein, das die Menschheit je hervorgebracht hat.  S. 12, 40, 44, 46, 93, 138,145f., 220, 226f.

Leopardi, Giacomo Graf (* 29.6.1798 Recanati, f 14.6.1837 Neapel). Italienischer Dichter. Stets kränklich. Nach dem Verlassen des Elternhauses schlug er sich mit literarischen Arbeiten in verschiedenen italienischen Städten durch. Seit 1833 schwerkrank in Neapel. S. 52

Liä-Dsi oder auch Lieh-tzu (lebte im 4. Jahrhundert v. Chr.). Chinesischer Philosoph. Vertreter des Taoismus, zitiert aber auch Kungfutse. Angebotene Ämter lehnte er ab. Seine Geschichten entstanden um 350 v. Chr., die überlieferten Texte stammen aber nicht aus eigener Hand. Der Inhalt bezieht sich auf Geschehnisse, die zum Teil in das 3. Jahrtausend v. Chr. zurückreichen. Das Werk erhielt erst im 8. Jh. nach Chr. den Titel »Wahre Schrift von der durchströmenden Leere« oder »Das wahre Buch vom quellenden Urgrund«. S. 94,109,112f., 125ff., 144, 222f.


Die Autoren           301

Mose. Fünf Bücher des A. T., die diesen Namen tragen, beziehen sich auf Ereignisse des 13. Jahrhunderts v. Chr. und wurden im 7. Jahrhundert aufgezeichnet. Obwohl vieles zweifelhaft ist, wird es wohl einen historischen Mose gegeben haben, der an der Einführung des monotheistischen Jahweglaubens beteiligt ist. Die ihn umrankenden Sagen haben mehrere Ursprünge, die von verschiedenen Schreibern aufgezeichnet wurden (Jahwist und Elohist) und Ergänzungen durch die Priesterschaft erfuhren. — Im zweiten Buch Mose des Alten Testaments wird geschildert, daß M. die Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft führt. Auf dem Berge Sinai verkündet ihm Gott die zehn Gebote unter Blitz und Donner, während das Volk den in Rauch gehüllten Berg nicht betreten durfte. Er soll dann die Zehn Gebote auf Steintafeln niedergeschrieben haben. Im dritten Gebot wird auf die Schöpfung zurückgegriffen, die sechs Tage dauerte, und der siebente Tag wurde als arbeitsfreier geheiligt. Nach 24, 12 übergab Gott dem Mose die von ihm selbst beschriebenen Steintafeln, die in der Bundeslade aufbewahrt wurden. S. 22-25,140

Mumford, Lewis (* 19.10.1895 Flushing/N.Y.). Amerikanischer Soziologe. Hatte Professuren für Forschung und Lehre an den angesehensten Universitäten der USA inne. Erhielt viele hohe Auszeichnungen. Verfasser zahlreicher Bücher und Aufsätze. Sein wichtigstes Werk ist der »Mythos der Maschine« (1. Band 1967, 2. Band 1970). S. 242, 258-262

Nietzsche, Friedrich (* 15.10.1844 Röcken bei Leipzig, f 25.8.1900 Weimar). Deutscher Philosoph. Stammt aus einem pietistischen Pfarrhaus. Studierte klassische Philologie, erhielt darin 1869 eine Professur in Basel, die er 1879 endgültig aufgab. Längere Aufenthalte in Italien und im Engadin, die durch Krankheit bedingt waren. Am 3.1.1889 in Turin Zusammenbruch; verbrachte den Rest seines Lebens bei seiner Schwester in Weimar. Im Leben Nietzsches spielte zunächst die Philosophie Schopenhauers und die Freundschaft mit Richard Wagner eine große Rolle; mit Wagner brach er 1876. Nietzsche brachte der Welt bedeutende Erkenntnisse über die Kultur und Philosophie der Griechen. Die christliche Lehre bekämpfte er leidenschaftlich. »Gott ist tot«, verkündete er und zog daraus die Konsequenz, daß sich der Mensch zum »Übermenschen« entwickeln müsse. — Seine oft blitzartigen Erkenntnisse legte er in unzähligen kurzen Notizen und auch längeren Abhandlungen nieder. Manipulierte Zusammenstellungen von Texten wurden später in den Gesamtausgaben von Schlechta und Colli/Montinari bereinigt. Nietzsches geschlossenstes und wohl bedeutendstes Werk ist die Dichtung »Also sprach Zarathustra«.                         S. 106,115f., 220, 227, 243f.

Paracelsus. Philippus Aureolus Theophrastus, eigentlich Theophrastus Bom-bastus von Hohenheim (* 10.12.1493 Einsiedeln/Schwyz, f 24.9.1541 Salzburg). Schwäbischer Herkunft. Arzt, Naturforscher und Philosoph. Unstetes Wanderleben in Süddeutschland, Österreich, Schweiz und Italien. In Konflikt mit der Schulmedizin. Schrieb seine vielen Bücher in deutscher Sprache, auch religionsphilosophische und sozialpolitische Schriften; alle betont christlich. Er sah den Menschen als einen Mikrokosmos; seine Betrachtungsweise enthält auch astrologische und alchimistische Elemente.  S. 73-77


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Parmenides (* um 515 v. Chr. Elea in Unteritalien, f um 445). Griechischer Philosoph, Schüler des Xenophanes. Das Seiende ist für ihn ein Ganzes, ohne Anfang und Ende; es ist immer da, ohne Werden und Vergehen. Denken ist auch Sein. Lehrgedicht »Über die Natur«. 5. 32/1

Pascal, Blaise (* 19.6.1623 Clermont-Ferrand, f 19.8.1662 Paris). Französischer Philosoph. Schon in der Jugend mathematisches Genie, ab 1642 arbeitet er an der Konstruktion einer Rechenmaschine; führt physikalische Versuche durch. — Pascal war einer der ersten Wissenschaftskritiker und wandte M sich gegen das rationale Denken von Renf Descartes. Die Intuition, die ™ »Logik des Herzens« muß zum Denken hinzukommen. — Ein mystisches Erlebnis in der Nacht vom 23. zum 24. November 1654 brachte die endgültige Wendung zur Religion.Seitdem arbeitete er an den »Gedanken«, die unvollendet blieben. Trotzdem gehören sie zu den bedeutendsten philosophischen Schriften der Welt. S. 118,131-134

Philolaos (lebte im 5. Jh. v. Chr. in Kroton/Unteritalien, f Anfang des 4. Jh. v. Chr.). Griechischer Philosoph. Vertreter des Pythagoreismus. S. 119

Pindar (* 522 oder 518 v. Chr. Kynoskephalai bei Theben, f nach 446 Argos). Griechischer Dichter. Entstammte einem Adelsgeschlecht Thebens. Außer einem Jahr in Syrakus lebte er meist in seiner Heimat. Von den 17 Büchern seiner Werke sind nur vier erhalten, die 44 Oden enthalten. S. 65,119, 223

Prediger. »Der Prediger« ist mit Sicherheit nicht der »Sohn Davids«, also der König Salomo, wie es zu Beginn des Bibeltextes heißt. Das Buch stammt wohl von einem unbekannten Verfasser aus der Zeit nach 250 v. Christi.  S. 93, 108

Prodikos (lebte in der zweiten Hälfte des 5. Jhs. v. Chr. in Keos). Griechischer Philosoph und Rhetor. Vertreter der Sophistik. Schriften: »Über die Natur« und »Die Hören«. S. 38

Protagoras (* um 485 v. Chr. in Abdera/Thrakien, | 415 bei einem Schiffbruch). Griechischer Philosoph. Wanderlehrer, meist in Athen, lehrte Sprache und Rhetorik. Ältester unter den Sophisten. Schrift »Über die Götter«, die ihm in Athen eine Anklage wegen Atheismus einbrachte. Daraufhin flüchtete er nach Sizilien und soll unterwegs bei einem Schiffbruch umgekommen sein. — Seine hier wiedergegebene Erzählung wurde von Plato aufgezeichnet. S. 33—36


Die Autoren           303

Psalmen. »Psalmen« sind eigentlich zum Saitenspiel vorgetragene Lieder. Die im Bibeltext ausgesprochene Zuordnung der meisten zu David, einiger zu Salomo, zu Mose und anderen ist später erfolgt, wenn sie auch teilweise zur Zeit dieser Könige und vielleicht schon während des Exils der Juden entstanden sein mögen. Die Psalmen gehörten sicherlich auch zum Kultus. S. 25ff.

Rilke, Rainer Maria (* 4.12.1875 Prag, f 29.12.1926 Val-Mont/Wallis). Deutscher Dichter. Wuchs bei der Mutter in Prag auf. Nach mißglückter Kadettenschule studierte er Philosophie, Kunst- und Literaturgeschichte in Prag, München und Berlin. Zwei Rußlandreisen mit Lou Andreas-Salome. In Worpswede Heirat mit Clara Westhoff. Seit 1902 aber allein in Paris, einige Zeit als Sekretär Rodins. Dort Vollendung des »Stunden-Buches« und der »Neuen Gedichte« (1907/08). Viele Reisen; Bekanntschaften und reichhaltiger Briefwechsel mit Personen der Zeitgeschichte. 1911/12 auf Schloß Duino an der Adria Konzeption der »Duineser Elegien«. Seit 1919 in der Schweiz, ab 1921 im Chalet Muzot bei Sierre (Wallis), wo er 1923 auf einem absoluten Höhepunkt seines Schaffens die »Duineser Elegien« und »Die Sonette an Orpheus« in vierzehn Tagen vollendete. Litt dann schwer an Leukämie, woran er 1926 im benachbarten Val-Mont starb. — Rilke ist einer der sensibelsten Dichter gewesen, zu dem selbst tote Dinge sprachen, um so mehr die belebte Welt der Menschen, Pflanzen und Tiere mit ihren geheimsten Beziehungen. Die Grenzen zum Überirdischen, also auch zum Tod, waren für ihn offen. Dennoch gelang ihm eine sprachlich strenge Gestaltung seiner Gedichtzyklen und auch des Romans »Malte Laurids Brigge«.  5. 61, 90,116, 118,136,166, 183ff, 270

Rolland, Romain (* 29.1.1866 Clamecy/Nievre, f 30.12.1944 Vezelay/ Yonne). Französischer Dichter. Ab 1880 in Paris. Professor für Musik und Kunstgeschichte. Starke Berührung mit dem deutschen Geistesleben. Während des ersten Weltkrieges Bemühungen zu dessen Beendigung von der Schweiz aus. Später Berührung mit dem Kommunismus, dem er zuletzt kritisch gegenüberstand. Verfaßte zwei Dramenzyklen und viele Biographien von historischen Persönlichkeiten. Bedeutendster Roman: »Johann Christof« (3 Bände). 1915 Nobelpreis. Verfocht stets eine völkerverbindende humanistische Grundhaltung. 5. 189

Schiller, Friedrich von (* 10.11.1759 Marbach am Neckar, f 9.5.1805 Weimar). Deutscher Dichter. Studierte Recht und Medizin. Nach Aufführung der »Räuber« lebte Schiller in Sachsen und Thüringen und seit 1799 in Weimar. Dort Freundschaft und Zusammenarbeit mit Goethe. Professor für Geschichte in Jena. Umfangreiche historische Schriften und solche über Ästhetik und Dichtkunst. Befaßte sich auch stark mit dem antiken Griechenland, was sich vor allem in seinen Gedichten zeigt. Schiller gestaltete historische Stoffe in großen Dramen. Er starb bereits im 36. Lebensjahr an Tuberkulose. — Hauptwerke: »Die Räuber«, »Die Verschwörung des Fiesko zu Genua«, »Kabale und Liebe«, »Don Carlos«, »Wallenstein« (drei Teile), »Wilhelm Teil«, »Maria Stuart«, »Die Jungfrau von Orleans«, »Die Braut von Messina«. S. 168-173


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Schneider, Reinhold (* 13.5.1903 Baden-Baden, f 6.4.1958 Freiburg im Breisgau). Deutscher Dichter. Sohn eines Hotelbesitzers. Kaufmännische Ausbildung und autodidaktisches Studium. Ab 1932 freier Schriftsteller in Potsdam, dann in Freiburg. Schrieb Dramen und Gedichte im christlichen Sinne. Sein inneres Rir^ea?^^^^^Ä|e dieser Welt offenbart beson- ^ f ders sein Tagebuch »Winter in Wien«, worin er über die letzten Monate seines Lebens berichtet. S. 239, 269

Schweitzer, Albert (* 14.1.1875 Kaysersberg bei Colmar, f 4.9.1965 Lam-barene). Deutscher Arzt, Theologe und Philosoph, auch Musiker. Gründete 1913 das Tropenhospital in Zentralafrika, wo er auch als Missionar wirkte. Nur die Jahre von 1917—24 und während vieler Vortragsreisen hielt er sich in Europa auf. Auf sein Denken übten Goethe, Schopenhauer, Nietzsche und andere Lebensphilosophen Einfluß aus. Schweitzer vertrat ein etwas frei interpretiertes und praktiziertes Christentum. 2fL$eine Lehre von der »Ehr- _^J filjjl&t vor dem Leben« schloß er di^Tiere wie überhaupt alles, was lebt, ein? jj ^^ '"' S. 15,103,138, 159ff., 242, 263-269

Seattle oder auch Seathl (etwa 1786-1865). Häuptling der Duwamish (Suqua-mish) seit 1808. Nach ihm wurde die Stadt Seattle an der amerikanischen Westküste genannt. - Im Jahre 1854 hielt der etwa siebzigjährige Häuptling eine Rede vor den versammelten Stammesmitgliedern auf dem Boden der heutigen Stadt, wahrscheinlich zum Empfang des neuernannten Gouverneurs Isaac I. Stevens, der ihm im Auftrag des amerikanischen Präsidenten Franklin Pierce das Land des Stammes abkaufen wollte. Der Dolmetscher Dr. Henry A. Smith hat auf Grund seiner Notizen einen englischen Text angefertigt, der sich heute im »Museum of History and Industry« in Seattle befindet. Dieser I Är.Test. wurde, vom Herausgeber dieses Budbe$fübersetzt. - Der besonders in *"'* Deutschland verbreitete längere Text mit ausgiebigen ökologischen Betrachtungen geht mit Sicherheit nicht auf die Ausführungen des Häuptlings zurück. Es ist eine im christlichen Sinne erfolgte Umdichtung und, soweit sie dem Häuptling Seattle untergeschoben wird, eine Fälschung. Dieser Text wurde wahrscheinlich im Jahre 1932 von einem gewissen John M. Rieh angefertigt. S. 85-89

Shakespeare, William (* 26.4.1564 Stratford, f 23.4.1616 Stratford). Englischer Dichter. Über ihn ist wenig bekannt. Sohn eines Handschuhmachers. Lebte zunächst in Stratford upon Avon und heiratete dort. Ab 1592 tauchte er in London auf. Etwa um 1612 zog er sich nach Stratford zurück. Seine Werke entstanden ungefähr ab 1590. S. 77f.

Sophokles (* um 496 v. Chr. Athen, f um 406 ebenda). Griechischer Tragödiendichter; wohl der bedeutendste unter ihnen. Entstammte einer wohlhabenden Athener Familie. Bekam eine gute Ausbildung und hohe Ämter. Befehligte 441/440 mit Perikles die Flotte gegen Samos. Errang 468 seinen ersten Sieg im dramatischen Wettstreit gegen den um 30 Jahre älteren Aischylos und blieb in der Gunst des Publikums. Von den 123 Dramen sind nur sieben erhalten: »Aias«, »Trachinierinnen«, »König Ödipus«, »Anti-gone«, »Elektra«, »Philoktet«, »Ödipus auf Kolonos«. S. 139f.


Die Autoren           305

Spengler, Oswald (* 29.5.1880 Blankenburg/Harz, f 8.5.1936 München). Deutscher Kultur- und Geschichtsphilosoph mit großer Nachwirkung. Ab 1908 Gymnasiallehrer in Hamburg, ab 1911 Privatgelehrter in München. Spengler beruft sich ausdrücklich auf Goethe und steht im Gefolge der Lebensphilosophen. Hauptwerk: »Der Untergang des Abendlandes«, 2 Bände (1918—22). Kulturen sind Wesenheiten, die wie Organismen einen Zyklus von Blüte, Reife und Verfall durchlaufen. Spengler ist der erste neuzeitliche Historiker, der die Weltgeschichte unter organischen Gesichtspunkten betrachtet. Dabei erkennt er den Gegensatz zwischen lebendiger Kultur und mechanistischer Zivilisation, in die uns die technisch-industrielle Entwicklung geführt hat. Diese Gedankengänge legt er in diÄ Späteren Bud|l  JiDer Mensch und die Technik« lÄktriert dar.              S. 14V-154,166JT

Sprüche. Die »Sprüche« werden dem König Salomo (ab 961 König, f 922 v. Chr.) zugeschrieben; aber sie haben sicherlich mehrere Urheber späteren Datums. Sie wurden wahrscheinlich darum dem König Salomo zugeschrieben, weil dieser wegen seiner Weisheit gerühmt und zur Legende wurde. S.93

Toynbee, Arnold Joseph (* 14.4.1889 London, f 22.10.1975 York). Britischer Historiker und Geschichtsphilosoph. Erhielt viele Ehrungen und wichtige Aufträge in Wissenschaft und Politik. — Hauptwerk: »A Study of |S|iistory«, 12 Bändet j(f 934—61), stellt alle Zivilisationen dar, die jemals f: Destanden. Nach vielen Einzeluntersuchungen war sein letztes Werk * »Menschheit und Mutter Erde« (1976).                             S. 158, 244f., 256ff.

Upanishaden. Altindische Prosa- und Versdichtungen, die in der Sprache des Sanskrit um 800 bis 600 v. Chr. entstanden. Ihre Anfänge reichen aber weit ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurück. Sie enthalten im religiösen Kult verwendete philosophische Betrachtungen über den Ursprung und den Kreislauf der Welt, die in der indischen Philosophie des Brahmanismus und auch im Buddhismus große Bedeutung hatten.                                                      S. 45

Vergil oder auch Publius Vergilius Maro (* 15.10.70 v. Chr. Andes bei Man-tua, 121.9.19 v. Chr. Brindisi). Römischer Dichter. Bäuerlicher Herkunft, erhielt eine gute Ausbildung. Vergil lebte in seiner Schaffensperiode (z. Z. des Kaisers Augustus) in Neapel und auf Sizilien. — Hauptwerke: Zehn Hirtengedichte (»Bucolica«); Lehrgedicht über den Landbau (»Geor-gica«) in vier Büchern (39—29); das nationale Heldenepos »Äneis« in zwölf Büchern wurde nicht ganz vollendet. Vergil hatte eine große Nachwirkung auf die abendländische Kultur.                                                               S. 71f.

Vico, Giambattista (* 23.6.1668 Neapel, f 23.1.1744). Italienischer Geschichts- und Rechtsphilosoph. Begründer der Völkerpsycholo|j&. Universale Kenntnis ist nur Gott zugänglich; der Mensch kann nur das erkennen, was er selbst geschaffen hat, also vornehmlich die Geschichte. Hauptwerk: »Die neue Wissenschaft über die gemeinschaftliche Natur der Völker« (1725). S.189

W+

Wells, Herbert George (* 21.9.1866-Bromley, f 13.8.1946 London). Englischer Schriftsteller. Verfaßte vor allem utopische Zukunftsromane. Wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Bildete sich autodidaktisch weiter. Journalist und freier Schriftsteller. Präsident des PEN-Clubs. Politische Bestrebungen, geprägt vom Fortschrittsglauben und der Vorstellung eines sozialistischen Weltstaates, wovon er später radikal abrückte. Besonders bekannt: »Die Zeitmaschine« (1895). »Der Geist am Ende seiner Möglichkeiten«, deutsch 1946.  S. 14, 220, 227-239

Whitman, Walt (* 31.5.1819 West Hills/N.Y., f 26.3.1892 Camden/N.Y.). Sohn eines Zimmermanns. Lehrer. Journalist. Ab 1873 wegen einer Lähmung nicht mehr arbeitsfähig. Wichtigste Werke: »Grashalme« (fast 400 Gedichte), »Demokratische Ausblicke« (Essays).  S. 44, 61, 78-84,102,166,173ff.

Wiechert, Ernst (* 18.5.1887 Forsthaus Kleinort/Ostpr., f 24.8.1950 Uerikon/ Kanton Zürich.) Deutscher Dichter. Försterssohn. 1911-33 Studienrat, dann freier Schriftsteller, ab 1948 in der Schweiz. Seine Romane und Novellen sind eng mit der Natur verbunden.   S. 166, 179-183

Xenophanes (*um 565 v. Chr. in Kolophon, f um 470 in Elea/Unteritalien). Griechischer Dichter und Philosoph. Unstetes Leben, bis er in Unteritalien die eleatische Philosophie begründete. Er verwarf die antike Mythologie und setzte an die Stelle der vielen Götter einen höchsten Gott, der unbeweglich in sich ruht. Lehrgedicht »Über die Natur«.   S. 32

Zink, Jörg (22. 11. 1922 Elm/Hessen). Evangelischer Pfarrer und Publizist. Bekannt durch engagierte Predigten und viele Bücher über die Gefährdung unserer Erde und die Pflicht des Christen, sie zu bewahren.   S. 262 f  

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 Herbert Gruhl (Herausgeber) Glücklich werden die sein....  Zeugnisse ökologischer Weltsicht  aus vier Jahrtausenden