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Schlußbetrachtung:

Damit der Sprit nicht ausgeht 

 

 

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Was ist zu tun?  Patentrezepte gibt es nicht, aber ein paar ganz praktikable Möglichkeiten.

1. Punkt:  

Das größte Problem der Menschheit ist die Überbevölkerung. Sie ist die Ursache jeglicher Umweltbelastung schlechthin. Deshalb, so Eilingsfeld, sind "<Grenzwerte> in bezug auf die Zahl der Menschen angebracht", und "eine Ethik (ist gefragt), die das unbeschränkte Kinderzeugen ächtet"

Dem wäre nichts hinzuzufügen.

Würden die Grünen, der BUND, NaBu und alle sonstigen Lichtgestalten dieser Erde es wirklich ernst mit dem Umweltschutz meinen, dann würden sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit durch die Dritte Welt fahren und Lkw-Ladungen von Verhütungsmitteln verteilen. Auch Greenpeace würde aus dem Gummiboot steigen, für Gummiartikel werben und vor den Kreißsälen des ökologisch überbevölkerten Nordens protestieren. 

Der Hinweis auf den Wohlstand des Nordens als Ursache für das Dritte-Welt-Elend greift zu kurz und ist angesichts 32.000 täglich verhungernder Kinder schlichte Heuchelei. Er taugt bestenfalls zu Tischgesprächen in kämpferisch-engagierten Toskanazirkeln, in denen zwischen Carpaccio und Pasta tiefste Betroffenheit angesagt ist.  

Hoffnungslos ist das Überbevölkerungsproblem nicht, denn inzwischen gebrauchen immerhin 57 % der Ehepaare in den Entwicklungsländern Verhütungsmittel. Auch hat sich die durchschnittliche Kinderzahl je Frau von 6,1 in den 50er Jahren auf heute 3,7 verringert. Eine große Rolle spielt dabei die Alphabetisierung, die in den Industrienationen am weitesten vorangeschritten ist. 

Je mehr Frauen der Dritten Welt schreiben und lesen können, je mehr von ihnen Arbeit finden, desto geringer wird die Fertilität. Hier gibt es eindeutige Zusammenhänge, wie die folgende Tabelle zeigt. 

Tabelle

 

Ich will gar nicht so weit gehen und den in den Parlamenten vor sich hin dümpelnden gutmenschlichen Expädagogen empfehlen, ihrer eigentlichen Berufung in der Dritten Welt nachzugehen. Zweifellos würde das unserem parlamentarischen System guttun, aber der Norden kann und muß bei der Alphabetisierung der Dritten Welt Hilfestellung leisten.

Bezüglich der Geburtenrate verhalten sich europäische Länder vorbildlich. So hat Spanien die niedrigste Geburtenrate der Welt. Jede Spanierin bringt statistisch, statt den Bevölkerungsstand haltender 2,1 Kinder, nur 1,2 Kinder zur Welt. 

Auch in Deutschland hat man die "Hausaufgaben" (regierungsamtliches Sülzsprech) gemacht. Die Geburtenzahl ging von 1964 bis 1978 von 1.065.000 auf 576.000 zurück. 

Der einzige Grund, weshalb die deutsche Bevölkerung heute nicht nur 74,4 Millionen zählt, liegt an den zugewanderten Ausländern, die durch ihren Anteil von 8,5 % die Einwohnerzahl 1995 auf 81,3 Millionen hielten. 

Im Gegensatz zu den klassischen Einwanderungsländern, die jährlich zwischen 245 (USA) und 479 (Kanada) Personen pro 100.000 Einwohner aufnehmen, leisten wir uns einen Zuzug von 1566 "Migranten" pro 100.000 Einwohner. Damit nimmt, auf den Quadratkilometer berechnet, Deutschland rund 92mal so viele Menschen auf wie Kanada, und im Vergleich zu den USA sind es sogar 170mal so viele. 

Irenäus Eibl-Eibesfeldt, der an der Max-Planck-Gesellschaft in Andechs tätige Humanethologe, kommentiert in einem Focus-Interview die Deutschland-gleich-Einwanderungsland-Diskussion: 

"Die Leute, die so demonstrativ ihren Heiligenschein polieren" tun das nicht aus Nächstenliebe, sondern weil sie dadurch hohes Ansehen, hohe Rangpositionen, also auch Macht, gewinnen können - früher als Held, heute als Tugendheld. Der Mensch kann alles pervertieren, auch Freundlichkeit oder Gastlichkeit, und wenn die Folgen sich als katastrophal erweisen, schleichen sich die Wohlmeinenden meist davon und sagen: Das haben wir nicht gewollt." 

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Da man heute die Zahl der potentiellen Mütter bis ins 21. Jahrhundert kennt, kann man abschätzen, daß in der Bundesrepublik ohne Zuzug um das Jahr 2050 nur 38,9 Millionen leben würden und daß sich die Zahl zum Ende des 21. Jahrhunderts sogar auf 19,3 Millionen verringern würde. Es gibt Leute, die finden das grauenhaft. Es tut mir leid, ich kann daran nichts Negatives finden, im Gegenteil: Dies wäre ein ernster und vor allen Dingen der humanitärste Beitrag zum Umweltschutz und zur Wohlstandssicherung.

 

2. Punkt: Ein weiteres Problem ist das Gutmenschentum. Die Ökopaxtraumtänzerinnen wollen nicht nur andersdenkenden und andersempfindenden Bürgern ihren Lebensstil und ihre Wahrheit als die einzig richtige überstülpen, sondern behindern auch notwendige Maßnahmen – bis nichts mehr geht. 

Seit die 68er in allen Parteien mehr oder minder akzentuiert die Politik bestimmen, ist "die Bundesrepublik südlicher, informeller und unordentlicher geworden" (Cora Stephan). Nicht nur das: Wir haben uns zu wehleidigen, von Technik- und Endzeitängsten gepeinigten Ökolamentozwergen entwickelt, über die das Ausland nur noch staunen kann. 

Um den deutschen Jammer-Taumel zu beenden, wäre eine Änderung der Parteipolitik unabdingbar. Ehemals konservativ-pragmatischen Parteien, wie der CDU oder der FDP, könnte es nicht schaden, wenn sie sich wieder auf ihre tradierte Wählerklientel besinnen würden. Vielleicht gingen dann auch wieder mehr Bürger zur Wahl, weil es endlich wieder eine richtige Alternative und nicht nur aus einem eng umklammerten Traumtänzerknäuel die am wenigsten schrilli-schrulli Ausgeflippten zu wählen gäbe – damit das Schlimmste verhindert wird. 

In jedem Fall wären die Politakteure gut beraten, der Bevölkerung wieder mehr "aufs Maul zu schauen". Vor allem sollten sie sich weniger und weniger von der Allzweckkeule namens "Populismus" beeindrucken lassen. 

Auch in der SPD ist nicht alles verloren. Diese Partei hat durchaus Persönlichkeiten, die rechnen können. Würden diese sich durchsetzen, dann gäbe es eine Sozialpolitik, die nicht immer nur nach dem Wünschenswerten schielt. Das täte nicht nur dem Steuerzahler, sondern auch der Wirtschaft gut. Auch wäre endlich eine standortsichernde Umweltpolitik mit Maß und Ziel möglich. 

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Bleibt zu fragen: Sind unsere Politiker überhaupt in der Lage, sich den Herausforderungen zu stellen, die mit dem Migrationsund Bedürfnisdruck von einer zusätzlichen Milliarde Menschen um das Jahr 2005 verbunden sein werden? Besitzen sie überhaupt den hierzu notwendigen Sachverstand? 

Unter Berücksichtigung, daß ein Politiker etwa 20 Jahre für seine Karriere benötigt, kommt Professor C. Kernig von der Universität Trier 1995 zu folgendem Ergebnis:20) 

"Wer also analysiert, welche Personen mit welcher Qualifikation heute in irgendwelchen Ortsvereinen zum Karrierestart antreten, kann den technologischen Urteilslevel des Bundestags im Jahr 2015 bereits heute bestimmen. Und das Urteilsniveau unseres heutigen Bundestags wurde demgemäß vor 20 Jahren festgeschrieben."

Vor 20 Jahren waren die 68er en vogue! Bis diese von der Nachfolgegeneration abgelöst werden, kann es zu spät sein. Wir müssen mit der jetzigen Entscheidungselite leben, und die wird ihr Denken modernisieren müssen, denn unsere Zeit ist knapp! 

Auch die Medien müssen erkennen, daß nicht die Technik die Erde bedroht, "sondern die Bevölkerung, die schneller zunimmt, als technische Mittel zur Erfüllung ihrer wachsenden Ansprüche bereitgestellt werden können". Leider sind "die Medien", so Professor Kernig, "von Kommentierungs-Eliten besetzt, die sich pro Redaktion im Schnitt drei bis vier Jahrzehnte lang (bis zum Ableben oder Ausscheiden eines Herausgebers oder Chefredakteurs) in ein und derselben Richtung äußern". Hier hat sich mit dem Erscheinen des Nachrichtenmagazins Focus etwas getan. Plötzlich werden Themen anders behandelt, als es sattsam bekannt seit Jahrzehnten vom Spiegel und seinem bebilderten Pendant, dem Stern, geschieht. Das kann aber erst der Anfang sein, denn noch leben wir, wie das "Brent Spar"-Spektakel zeigte, in einer mediengeheizten Stimmungsdemokratie.  

 

3. Punkt: Das nächste Problem ist die Chemie- und Technikfeindlichkeit. Natürlich ist in der Vergangenheit nicht alles gut gelaufen. Vieles hat sich erst im nachhinein als schädlich erwiesen. Ein Beispiel ist das DDT, das bereits 1874 im Straßburger Labor des Chemikers Adolf von Baeyer synthetisiert wurde. Erst nachdem 1939 der bei Geigy in Basel arbeitende Chemiker Paul Müller die Insektizide Wirkung des DDT entdeckt hatte, wurde die Substanz großtechnisch synthetisiert. 

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Weil man zum erstenmal etwas in Händen hielt, mit dem man die Verbreitung krankheitsübertragender Insekten wie der Chagas-Wanze und der Anophelesmücke eindämmen konnte, erhielt Paul Müller 1948 zu Recht den Nobelpreis. Die Anophelesmücke ist verantwortlich für die Malaria, und folgende Tabelle zeigt die Ausbreitung der Krankheit vor und nach dem Ausbringen von DDT."

Tabelle

 

Deutschland ist keineswegs frei von Bedrohung durch Malaria. 1835 erkrankte in der Festung Jülich ein Viertel der Insassen. Auch waren weder die Westküste Schleswig-Holsteins (28 % der Bewohner 1826/27 erkrankt) noch Duisburg, Grevenbroich und Aachen zu Beginn des 19. Jahrhunderts vom "Wechselfieber" verschont. 

Man stelle sich vor: Während der "schönsten Wochen des Jahres" würden Vollkasko-Urlauber in Italien von einer Anophelesmücke gestochen. Die Boulevardpresse hätte ein Thema: "Malaria auch durch Parma-Schinken?" Und das Lamento wäre riesengroß. Besonders bei der schwersten Form, der Malaria tropica, besteht auch heute noch akute Lebensgefahr! Die Reiselust bringt es mit sich, daß 1994  830 bundesdeutsche Urlauber an Malaria erkrankten, von denen 28 starben. Prominentestes Opfer dürfte Wirtschaftsminister Rexroth sein, der sich die Malaria im Frühjahr 1996 auf einer Dienstreise eingefangen hat. 

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Im übrigen wird ganz gern unter den Müslitisch gekehrt, daß sich die Malariamorbidität seit dem Verbot von DDT wieder massiv erhöht hat. 1946 erkrankten in Sri Lanka 2.800.000 Menschen, von denen 12.587 starben. Mit dem Einsatz von DDT sank die Zahl der Krankheitsfälle 1961 um 99,99 % auf HO! Die Einstellung der DDT-Spritzung hatte zur Folge, daß bereits 1969 wieder 2.500.000 Erkrankungen registriert wurden. 

1986 gab es nach Schätzungen der WHO weltweit wieder 200 Millionen Malariakranke. Das Beispiel DDT belegt nebenbei, daß die Chemie nicht unschuldig an der Bevölkerungsexplosion ist, denn dem "Gift" verdanken wahrscheinlich mehr Menschen ihr Leben, als der Zweite Weltkrieg gekostet hat.  

1972 veröffentlichte die Amerikanerin Rachel Carson ihr Buch "Der stumme Frühling". In dem Werk, das heute als "Altes Testament" der Weltuntergangspropheten gilt, wies Frau Carson darauf hin, daß sich das DDT in der Nahrungskette anreichere und möglicherweise die Eierschalen des weißköpfigen Seeadlers dünner werden lasse. Es gibt zwar viele Veröffentlichungen, die den Verdacht bestätigen ("gute" wissenschaftliche Arbeiten), aber auch genauso viele, die ihn in Frage stellen ("schlechte" wissenschaftliche Arbeiten). Möglicherweise ist es eine "Die Leberwurst ist schuld daran"-Korrelation (s. S. 27) und läßt sich nie endgültig beweisen oder widerlegen. 

Dennoch hat man zu Recht 1972 in der Bundesrepublik und den USA die Herstellung und Verwendung von DDT verboten. Etwas, was Länder wie China überhaupt nicht kratzt. Bittere Kommentare hatten seinerzeit die Malariatoten gegen die Eierschalen von Brutvögeln aufgewogen. Der Makel des DDT liegt vor allem darin, daß die Substanz sich mit einer Halbwertszeit von 60 Jahren sehr langsam abbaut und im Fettgewebe sammelt. (Dennoch ist DDT für den Menschen fast ungiftig, da die Letaldosis zwischen 10 und 30 g liegt.) 

Man hat daraus gelernt. Insektizide und generell alle Pflanzenschutzmittel, die heute neu entwickelt werden, müssen binnen kürzerer Zeit abbaubar sein. Eine neue Substanz, und mag sie noch so wirksam sein, hat keine Chance, jemals produziert zu werden, wenn ihre Umweltpersistenz zu groß ist. 

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Auf keinen Fall darf man die Beispiele, in denen es mit der Chemie und der Technik danebenging, zum Anlaß nehmen, alles mögliche zu verbieten und neuere Entwicklungen auszubremsen. Sonst geht eben der Sprit aus.  

So wie das DDT ein Beispiel dafür ist, daß auch mal etwas mit der Chemie schieflaufen kann, ist die Entdeckung des Wirkstoffs der "Pille" ein Beispiel dafür, daß die Chemie auch viel Gutes für die Menschheit geleistet hat und leisten wird. Die Entkopplung von geschlechtlicher Aktivität und Fortpflanzung ist eine der segensreichsten Entwicklungen der letzten Jahre. Im Gegensatz zu früher bestimmen heutzutage Paare viel gezielter, wann und vor allem wie viele Kinder sie haben wollen. Die tausendfältigen sonstigen alltäglichen Hilfsmittel, von der Seife über Fensterglas und Arzneimitteln bis zu den Farben, seien nur am Rand erwähnt. Ohne industrielle Chemie läuft da nichts!

Man kann den Kopf in den Sand stecken und darüber lamentieren, ob man den technischen Fortschritt als Segen oder als Fluch betrachten soll. Die Zeitläufte interessiert das nicht. Sie stellen neue Herausforderungen:

 

Ernährung der Weltbevölkerung 

Hierzu ist die Entwicklung von Kulturpflanzen notwendig, die auf ärmeren Böden wachsen und einen höheren Hektarertrag bringen. Zwei Möglichkeiten stehen uns offen. Die erste ist die klassische, Jahrzehnte dauernde Züchtung. Die zweite ist die Gentechnik, die prinzipiell zum gleichen Ergebnis führt. Beispielsweise wäre es ein großer Erfolg, wenn wir in absehbarer Zeit einen stickstoffixierenden Mais entwickeln könnten. Weiterhin sind zur Sicherung unserer Ernährung neue Pflanzenschutzmittel notwendig, denn bei knapper werdendem Ackerland können wir uns den Luxus eines geringeren Hektarertrags, wie ihn nun einmal die extensiv-ökologische Anbauweise mit sich bringt, nicht leisten. All das muß in allernächster Zeit geschehen. 

Ein Wetterleuchten ist bereits jetzt am Horizont wahrnehmbar. Am 31. Mai 1996 teilte die FAO (Welternährungsorganisation) mit, daß die Weltgetreidereserven die Frühwarngrenze von 18 % des Jahresverbrauchs unterschritten haben. Aus dem Bonner Agrarministerium war zu hören: "Lange hatten wir 20 bis 24 % Reserve. Jetzt sind es 15 bis 16." Bei einer weiteren Verminderung der Landbaufläche auf 180 bis 360 qm/Kopf wurde empfohlen, uns überwiegend vegetarisch durch Anbau von Hülsenfrüchten zu ernähren. Dies könnte sich als fataler Irrweg herausstellen – wenn die Saunameister mit ihrem Methan recht haben. 

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Heute sind die 1,17 Milliarden Chinesen praktisch Zwangsvegetarier. Sie werden aber mehr Fleisch haben wollen. Es sei denn, daß Greenpeace nebst grünen Bundestagsabgeordneten dort vorstellig wird und den Chinesen klarmacht, daß das Raubbau an der Natur sei und die Krötenmütter gefährde. Das wird sicher beeindrucken. Für die Reisemittel sollten wir schon einmal sammeln. Nein, ohne moderne Landwirtschaft – und zwar intensive und nicht extensive (= alternative) – geht nichts. 

 

Sicherung der Arbeit 

Im Verlauf der Wirtschaftsglobalisierung haben unterbezahlte Arbeitnehmer in den ehemaligen Ostblockländern und in der Dritten Welt den Menschen in den hochentwickelten Industrieländern manchen Job weggenommen. In Deutschland verschärft sich das Problem außerdem, weil eine Flut von Rechtsregelungen den Unternehmen die Luft zum Atmen nimmt. 4874 Gesetze, 84.000 Einzelbestimmungen, 32.000 DIN-Normen mögen zwar für sich betrachtet sinnvoll sein, kosten aber die deutschen Arbeitgeber jährlich 58 Milliarden Mark und nehmen uns 4,7 Millionen Jobs weg!"

Um künftig auf dem Weltmarkt zu bestehen, benötigen wir neue, international konkurrenzfähige Produkte, zu deren Entwicklung F&E-Arbeitsplätze geschaffen werden müssen. Auch ist die manuelle Produktion mit Hammer und Sichel out und die Produktion mittels moderner Prozeßleitsysteme in. 

 

Alte Seuchen, wie Tuberkulose, und neue, wie Aids und Ebola 

In den letzten 20 Jahren ist man auf 30 neue Infektionskrankheiten gestoßen. Der Verbreitung dieser Krankheiten stehen immer weniger Schranken gegenüber, die zunehmende Urbanisierung ist ein idealer Nährboden, und bis zum Jahr 2005 sind wir eine Milliarde potentieller Krankheitsträger mehr. Ein freizügiger Tourismus sorgt dafür, daß die Infektionen weltweit verbreitet werden. 

Nicht verdrängt werden darf, daß nach wie vor täglich auf der Erde 50.000 Menschen von Mikroben weggerafft werden. Weil wir nicht auf einer Insel der Stubenreinen leben, werden sich die pharmazeutische Chemie und die Medizin neuen Herausforderungen stellen müssen. Übrigens sind Chemie und Medizin auch gefragt, wenn es darum geht, die typischen Alterskrankheiten, die bei immer höherer Lebenserwartung zunehmen, zu behandeln.  

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Neue Energien 

Das Recycling erfordert wegen der Entropie (s. S. 222 und 228) einen erheblichen Energieeinsatz. Damit der Hintern warm bleibt, ist ebenfalls Energie erforderlich, und ohne Energieeinsatz kommt auch das Futter nicht auf den Teller. Wer uns weismachen will, wir kämen bereits heute mit alternativen Energiequellen aus, wenn wir die zur Verfügung stehenden Windrädchen samt Toilettenabgasverbrennung und Solarzellen nur konsequent einsetzen würden, der nimmt uns nicht ernst, sondern auf den Arm. Nur ein paar Zahlen: 1995 wurden im wiedervereinten Deutschland 428 Milliarden kWh verbraucht, die zu 34 % aus Kernkraftwerken stammten. Die Windenergie brachte im gleichen Zeitraum nur einen Beitrag von 0,35 Milliarden kWh. Rechnen wir einmal nach, dann sind das schlappe (0,35 Milliarden kWh : 428 Milliarden kWh) • 100 = 0,08 %.

Geht man noch ein Schrittchen weiter, so stellt sich heraus, daß selbst unter den günstigsten Umständen die maximal mögliche Nutzung von Wind- und Wellenenergie in der alten Bundesrepublik höchstens 18 % des benötigten Stroms liefern könnte.23 Selbstverständlich sollten wir alle wirtschaftlich vertretbaren Möglichkeiten nutzen. 1981, als der Barrel-Preis des Rohöls bei 42 Dollar lag, amortisierte sich ein Wind-Turbinen-System in knapp zehn Jahren. Momentan sieht das anders aus. 

Auf Solarzellen wird immer gesetzt. Auch hier finden Traum und Wirklichkeit nicht zusammen. Sämtliche auf der Welt produzierten Solarzellen bringen bei voller Leistung gerade einmal 100 Megawatt.24 Das ist der 13. Teil eines Kernkraftwerksblocks vom Typ Biblis A oder B. Anders ausgedrückt: Diese 100 MW entsprechen gerade einmal 0,2 %o der 1995 in Deutschland benötigten elektrischen Energie. Das reicht noch nicht einmal für den Betrieb unserer Fernsehgeräte. Im übrigen beträgt das in der Bundesrepublik technisch machbare Potential der Photovoltaik 1090 PJ (1 PJ sprich 1 Petajoule ... 1015 J). Dies sind 7,7 % des Primärenergieverbrauchs der Bundesrepublik.26)

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Eine große "Energiequelle" sind zweifellos mögliche Einsparungen. Schlagwort "Negawatt"! Das fängt bei besserer Gebäudeisolierung mit "Superfenstern" an, geht über Stromeinsparung bei Lampen und Haushaltsgeräten und endet in der ressourcen- und energieschonenden Industrieproduktion. Aber alles Sparen nutzt uns nichts. Irgendwann "haben wir uns zu Ende" gespart. 

Kernreaktoren mit noch höherer Sicherheit als die, die zur Zeit in Betrieb sind, sind durchaus realisierbar. Ein Beispiel hierzu wäre der inhärent sichere Hochtemperaturreaktor (HTR). Ganz abgesehen davon müssen wir noch andere Wege der Energiesicherung verfolgen. Ob das die Entwicklung der Photovoltaik, der Wasserstofftechnologie oder die Kernfusion ist (Angst haben, weil nicht ohne radioaktive Abfälle!), das sei dahingestellt. Tun wir nichts, geht über kurz oder lang der Sprit aus!  

 

Neue Werkstoffe 

Dies betrifft Kunststoffe, die sich mikrobiell abbauen lassen, genauso wie Materialien, die eine fünfmal so lange Nutzungsdauer als die heute gebräuchlichen zulassen. Ein hochinteressanter Werkstoff wären Supraleiter, mit denen der Strom verlustfrei über weite Strecken transportiert werden kann. 

 

Neue Verhütungsmittel

Es ist nicht so, daß die Familienplanung in den Entwicklungsländern generell auf Ablehnung stieße. In Indonesien ist man dabei, die Bevölkerung davon zu überzeugen, daß die Familie "klein, glücklich und wohlhabend" sein sollte. Da der Islam prinzipiell nicht gegen Empfängnisverhütung ist, wird in den indonesischen Moscheen offen für empfängnisverhütende Methoden geworben, und täglich werden die Frauen gegen 17 Uhr durch ein Sirenensignal daran erinnert, daß es Zeit für die "Pille" ist.3 Davon könnte sich die katholische Kirche ein Scheibchen abschneiden und gegen 17 Uhr in Brasilien (Verdoppelung der Bevölkerung in 35 Jahren!) die Glocken läuten.  

Manches Sirenengeheul könnte man sich sparen, wenn wir eine "Impfung" gegen Zeugungsfähigkeit entwickeln würden, die bei Bedarf wieder aufgehoben werden kann. Auch dürfte eine "Jahrespille" für Mann und Frau eine sinnvolle Entdeckung sein. Dies muß einhergehen mit der Aufklärung der Massen in der Dritten Welt und hat weiß Gott oder Allah nichts mit Fruchtbarkeitsimperialismus zu tun, sondern ist schlicht menschliche Vernunft und ein Gebot der Humanität. 

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Der moderne Samariter ist nicht der, der eine Decke über den Hungernden legt, damit er nicht so friert. Nein, der moderne Samariter ist der, der sich darum kümmert, daß nicht mehr Menschen auf der Erde leben, als diese an Wohlstandsbürgern trägt. Ja, richtig, Wohlstandsbürger! Nicht die Umweltverschmutzung, der Mangel, Kriege und Seuchen müssen die Menschheit reduzieren, sondern sie sich binnen zweier Generationen aus besserer Einsicht selbst!

 

Schutz der Umwelt mit Maß und Ziel 

Dazu gehört nicht das Abwürgen industrieller Arbeitsplätze und des Wohlstands. Das trägt die Bevölkerung zu Recht nicht mit!

In der Chemie ist unter anderem die weitere Entwicklung intelligenter Produktionsverfahren gefragt, damit die Abwässer, die momentan am Ende des Syntheseprozesses gereinigt werden ("End of Pipe"-Prinzip), erst gar nicht entstehen. Mit neuentwickelten Katalysatoren und biochemischen Methoden lassen sich in der Chemie sowohl die Abfälle als auch der Rohstoffeinsatz weiter massiv senken. 

Niemand will den "Kat" im Auto und die Filter in den Fabrikschloten mehr missen, auch wenn sie dem "End of Pipe"-Prinzip entsprechen. Das gleiche gilt für unsere modernen Kläranlagen, die es erst wieder ermöglichten, daß in den vor 30 Jahren total verdreckten Flüssen langsam wieder Lachse gesichtet werden. 

Die Chancen der Technik sind groß, und es gibt eine Menge zu tun! Wieso leisten wir Deutschen uns dennoch eine solch dämliche Technikfeindlichkeit? Ein Grund dürfte sein, daß man aus durchsichtigen Gründen im Bewußtsein der Bevölkerung die "Naturwissenschaft" von der "Technik" getrennt hat. Motto: Naturwissenschaft an sich ist gut, nur die Technik ist schlecht. Die Trennung ist unredlich und ökoschizoid, weil die chemische Forschung in der Industrie ("Technik") auf genau den gleichen Gesetzen beruht wie die chemische Grundlagenforschung an der Hochschule ("Naturwissenschaft"). 

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Aus Ökoschizosicht entwickelt der "böse Chemiker" im Auftrag der Schlotbarone in den Industrielabors neue Substanzen, die den profitorientierten Ökoholocaust beschleunigen. Dahingegen ist der "gute Chemiker" auf selten der Siechtumspropheten und versorgt sie durch seine Messungen im Ultraspurenbereich täglich mit frischem Hysteriefutter. Ob die Messung einer kritischen Überprüfung im Rahmen eines Ringversuchs standhält und was die Meßwerte wirklich bedeuten, ist sekundär. Wenn ein Wissenschaftler eines Ökoinstituts den Weltuntergang verkündet, kommen die Meinungsschickeria und ihre Panik-Junkies nicht auf die Idee, daß er weltanschaulich entsprechend vorgeprägt ist. 

Wir können uns heute die Frage, ob wir "die Technik" haben wollen oder nicht, gar nicht mehr erlauben. Ohne sie würden wir nämlich in kürzester Zeit den Bach hinuntergehen. Weil die technologischen Zukunftsaufgaben riesig sind, dürfen wir nicht unsere Zeit mit Ökokosmetik vertrödeln, sondern müssen unsere Kräfte einsetzen. Die Bundesrepublik hat einen der höchsten Lebens-, Umwelt- und vor allem Ausbildungsstandards der Welt. Es ist deshalb nicht zu verantworten, daß wir unseren wichtigsten Rohstoff, nämlich unsere technisch-wissenschaftliche Intelligenz, zum Schaden aller vernachlässigen und uns im Ökojammertal verkriechen.  

Niemand kann den bisher benachteiligten Völkern das Streben nach mehr Wohlstand verbieten. Die Erfüllung dieses Wunsches läßt sich auf humanem Weg aber nur über eine Reduktion des Bevölkerungswachstums bewerkstelligen.  

Die Achtung des Kindersegens hat nichts mit Hedonismus oder Kinderfeindlichkeit zu tun. Im Gegenteil, wer Kinder wirklich mag, der betrachtet sie nicht als Spielzeug zur Befriedigung des wie immer gearteten Kinderwunsches oder als potentielle Rentenmelkkühe, sondern sorgt sich darum, daß sie eine menschenwürdige Welt vorfinden, in der der Wohlstand für alle reicht. 

Im Sinne einer "nachhaltigen Entwicklung" trägt die Erde nicht mehr als 500 Millionen Menschen, die den Wohlstand Amerikas oder Deutschlands haben.25)  

Zurück in die Steinzeit kann es auch nicht gehen, denn der Planet kann höchstens 50 Millionen Jäger und Sammler ernähren. Wir haben es heute in der Hand, ob wir unseren Urenkeln eine liebenswerte Welt mit geringer Siedlungsdichte und mit Komfort hinterlassen oder ob unser heutiges Wegschauen und Verdrängen als größte "Leistung" des ausgehenden 20. Jahr­hunderts in Erinnerung bleibt.

Wenn wir jetzt entschlossen handeln und unsere Ökolarmoyanz ablegen, haben wir beste Chancen, die 400-Megatonnen-Freßmaschine namens Menschheit sanft zu landen. 

Der Bevölkerungszuwachs ist bereits am Sinken. In Indien, so wird beklagt, ist es sogar zu einem "dramatischen" Geburtenrückgang gekommen. Was ist daran schlimm? Hoffnung existiert in jeder Menge. 

Der Entdecker der nuklearen Kettenreaktion, der Physiker Leo Szilard, äußerte einmal: "Auf dem Papier läßt sich errechnen, daß die Weltkatastrophe mit 85 % Wahrscheinlichkeit eintreffen muß. Aber ich lebe für die restlichen 15 %."

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 Ende 

 

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