Rudolf Maresch, Florian Rötzer (Hg.)

 

Renaissance der Utopie

Zukunftsfiguren des 21. Jahrhunderts

2004 bei Suhrkamp, Inhalt.pdf

Lesebericht von R.Saage pdf von Utopie-creativ

 

"Weisheit der Masse"? (2010)
heise  Massen-handeln-idiotisch-und-dumm 

 

2004   255 Seiten

DNB.Buch  

Wikipedia Rötzer  *1953

Maresch: *19xx

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detopia:

M.htm   Utopiebuch 

Ma.Chlada   Ga.Valdivia    Ri.Saage  

E.Canetti.Masse    Peter.Werder 

 

 

ISBN 3-518123602 

Verlag:

Utopien scheinen außer Mode gekommen. Kriege, ökolog­ische Katas­trophen und zunehmende Ungleich­heiten nähren Apathie und Pessimismus. 

Zwar gibt es Stimmen, die (auch lautstark) bekunden, daß eine andere Welt möglich sei, doch es fehlen Visionen: das Katapult, das aus der Gegenwart hinaus trägt.

Vergangene Utopien sind gescheitert, weil sie die Komplexität der sozialen Evolution und die Widersprüche der menschlichen Natur nicht beachtet haben. 

Hier setzt der Band an. 

Ihm geht es darum, einfache, aber realistische Utopien anzureißen, die Science und Fiction narrativ aufeinander beziehen. 

Die Aufmerksamkeit der Autorinnen und Autoren richtet sich auch auf die klassischen Bereiche der Utopie, auf Politik, Arbeit und Gesellschaft. 

 

Rudolf Maresch ist freier Medientheoretiker und Publizist.

Florian Rötzer ist Chefredakteur des Online-Magazins Telepolis.de 

 

Inhalt

 

Maresch, Rudolf: 
Zeit für Utopien  (7)

Glotz, Peter: Rückblick auf das 21. Jahrhundert. 
Entwurf für ein Schweizer Geschichtsbuch - Auflage 2080 (21)

Lischka, Konrad:  Es wäre unbedingt ein Leben mit mehr Sinn. 
Businessplan für imaginäre Unterhaltungs-Umwelten von >Senseful Recreation Services< (34)

Leggewie, Claus: 
Afrika. Vom Nicht-Ort der Welt zum Kontinent der Zukunft (47)

Freyermuth, Gundolf: Designermutanten und Echtzeitmigranten: 
Mit der Digitalisierung eskaliert der Prozess zur Utopie des virtuellen Menschen (65)

Heylighen, Francis:
Das Globale Gehirn als neue Utopia (92)

Röttgers, Janko: 
Die Zukunft des Internets (113)

Lumsden, Charles: Das Posthumane Zeitalter: 
Das Spiel der Werkzeuge und das genomische Vergessen einer utopischen Spezies (132)

Bunz, Mercedes: 
Die Utopie der Kopie (156)

Rötzer, Florian:
In Parasitopia (172)

Mania, Hubert: 
Baudrillards Pfeife (191)

Marsiske, Hans:
Lockruf des Alls (207)

Palm, Goedart: 
Die Zukunft des Krieges (223)

Paoli, Guillaume:
Die Hinterbliebenen (237)

Nachwort:
Der Klub der Utopisten (253)

 

 

 

 

 

 

 

 

wikipedia  Narrativ 

 

 

 

 

 

 

Maresch-Artikel bei Telepolis  

 

 


 

 

Lesebericht:  URL: Handelsblatt.com 

 

Renaissance der Utopie:  

Positives Denken statt Schwarzseherei

 

Mit der Auflösung unseres traditionellen Menschenbildes vor allem infolge des rasanten technischen Fortschrittes beschäftigt sich der Sammelband «Renaissance der Utopie». 

An dem Buch fällt auf, dass die neuen Techniken von der Mehrzahl der vierzehn Autoren als ein Mittel betrachtet werden, lang gehegte Menschheitsträume zu verwirklichen. 

Dass dabei der Mensch fast nur noch als Störfaktor betrachtet wird, stört beispielsweise einen bekennenden Transhumanisten wie den Autor Hubert Mania nicht.

Einen Kontrapunkt hierzu setzt allerdings Guillaume Paoli, ein Mitbegründer der «Glücklichen Arbeitslosen». Er malt in seinem Beitrag aus, dass es um die Menschen auf der Erde dann gar nicht so schlecht bestellt sein wird, wenn die wissenschaftlich-technische Elite eines Tages endgültig ins All auswandert.

Dem Mitherausgeber des Bandes Rudolf Maresch zufolge liegt die Absicht des Buches darin, der schwarzseherischen Diskussion über das Ende der Geschichte, wie sie insbesondere in Zentraleuropa geführt wird, etwas Positives entgegenzusetzen. Dabei diene vor allem Amerika mit seinem ausgeprägten Optimismus als Vorbild. 

Maresch räumt allerdings ein, dass einige Artikel des Bandes zu stark auf das technisch Machbare ausgerichtet seien. «Es war aber schwierig», so Maresch, «Autoren und Autorinnen zu finden, die Utopisches zu zwischenmenschlichen und existenziellen Fragen beigetragen hätten.» 

Jüngste Entwicklungen, wie beispielsweise in der Evolutionspsychologie oder der Theorie komplexer Systeme, geben uns inzwischen aber grundlegendere Einsichten in solche Komplexitäten. Neue Utopien haben diese Ergebnisse zu berücksichtigen. 

Andererseits sollte eine Utopie auch unmittelbar ansprechen. Hier setzt dieser Band an. Ihm geht es darum, einfache, aber realistische Utopien anzureißen, die Science und Fiction, Wissenschaft und Vorstellungskraft narrativ aufeinander zu beziehen. 

Die Aufmerksamkeit der Autoren richtet sich dabei nicht bloß auf die neuen Crossover-Wissenschaften, auf Bio- und Nanotechnologien, auf Computer- und Netzwerktechniken, auf Robotik und Posthumanismus, sondern auch und vor allem auf die klassischen Bereiche der Utopie, auf Politik und Arbeit, auf Kunst und Gesellschaft. 

 

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Inspiration für Vordenker   2005 Von Tobias Courtial bei Amazon

Die modernen Utopien werden maßgeblich von neuen Technologien und ihren Auswirkungen auf die soziale Lebenswelt der Menschen angetrieben. 

Die Entwicklungen in der Gentechnik, Medizin, Informationstechniken etc., aber auch neue Entwicklungen wie der globale Terrorismus stellen die Menschheit vor neue Herausforderungen und Fragen, die frühere Denker kaum in Betracht ziehen konnten. In diesem Licht erhalten Utopien eine neue Legitimität, da sie nun nicht mehr bloße Wunschträume ohne Chance auf Verwirklichung bleiben, sondern der Imaginationskraft auf die Sprünge helfen können, um Möglichkeiten im Sinne sowohl von Chancen als auch Risiken für die Zukunft zu entdecken und über diese nachzudenken. 

Wer sich selbst mit Weitblick Gedanken über die Zukunft der Menschheit machen möchte, der findet in diesem wunderbaren Band anregende, plausible und alles andere als unrealistische Zukunftsbilder aus der Feder verschiedener namhafter Autoren. 

Hier werden Gegenwartsbefunde in interessanter und glaubwürdiger Weise in die Zukunft fortgesponnen und daraus entstehen Skizzen, die, die teilweise beklemmende, teils auch hoffnungsvolle Fragen aufwerfen. Welche sozialen Auswirkungen hätte die Erlangung der relativen Unsterblichkeit? Was bleibt übrig vom Menschen, wie er heute existiert? Werden ganze Bevölkerungsschichten in virtuelle Welten abtauchen, da die reale Welt ihnen nichts mehr zu bieten hat und wird man diese Welten überhaupt noch auseinanderhalten können?

Solche und viele andere Fragen kommen dem Leser im Laufe der spannenden Lektüre in den Sinn. Viele Antworten müssen noch gefunden werden. Viel Spaß bei der Denkarbeit!

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Das Mögliche, das Machbare, das Wünschenswerte, das Brauchbare     2008 Von Gawain  bei Amazon 

Dieses Buch habe ich binnen weniger Tage verschlungen. Wie viele andere sehne ich mich manchmal nach Denkalternativen, scheint es doch, als ob unsere Politik alles Visionäre eingebüßt hätte und nicht einmal mehr das mittelfristig Machbare wahrnehmen könnte. Politik ist ja bekanntlich die Kunst des Machbaren. Um aber aus dem Machbaren das Brauchbare zu wählen, braucht es ein Wissen um das Mögliche und, zweitens, ein Wissen vom Wünschenswerten. 

Die erste Bedingung ist in den Zukunftsentwürfen dieses Sammelbandes erfüllt: die Autoren der Beiträge gehen vom derzeitigen Stand der Dinge aus und schildern uns eine Welt von Morgen, in denen der, in den meisten Fällen, technische Fortschritt zu neuen Formen des gesellschaftlichen (oder auch privaten) Lebens geführt hat. 

Hier setzt meine Kritik ein: das Machbare ist nicht immer das Wünschenswerte. Eine Utopie sollte nicht einen möglichen Ausgang eines historischen, z.B. technischen, Prozesses darstellen, sondern eine lebenswerte, in die Zukunft versetzte Alternative zum Bestehenden. Wenn dazu Technologien dienlich sind, sollte dargestellt werden, inwiefern diese Technologien zu einem besseren Leben beitragen. 

Eine Welt, die aufgrund technologischer Entwicklung anders ist, ist deshalb noch lange nicht besser. Kurz, die Autoren schienen mir oft etwas vom Machbaren hypnotisiert gewesen zu sein, und haben dadurch das Wünschenswerte aus dem Blick verloren. Daran, dass die "utopischen" "Berichte" spannend zu lesen waren, ändert meine Kritik aber nichts.

 

 

 

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