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Stichpunkte 

zu einer detopischen Gesellschaftsordnung

 

 

Die nächste Gesellschaftsordung sollen sich alle gemeinsam ausdenken, aushandeln und beschließen. Letzteres durch eine Volksverfassungsabstimmung über einen Gesellschaftsvertrag.

Ich bin für Volksherrschaft.

Aber man (mensch, volk) muß auch handlungsfähig sein, politikfähig, regierungsfähig.

Aber letztendlich muss das Volk der Souverän sein. Souverän ist jemand dann, wenn er nicht alle 5 Minuten die Meinung wechselt. Der Souerän gibt die Linie vor. Die Regierung setzt sie um.

Als Regierung kann ich mir gut eine gleichberechtigte Gruppe vorstellen. 

Die Personen können einzeln gewählt werden. Die Sitzungen sind öffentlich. Also im Prinzip so wie jetzt. Parteien können sein.

Nur: Die Politiker kriegen den Einheitslohn und keine Privilegien.

Die Politiker sollten nicht mehr die Region vertreten. Es können 20 bis 100 Leute sein, soviele, dass man sie persönlich über die Jahre kennt und einschätzen kann, ihre Stärken und Schwächen. Und dass sie sich untereinander kennen. 

Sie sollen fähig sein, eine Sache zu besprechen, überzeugen zu wollen, sich überzeugen zu lassen und zu einer Zweidrittelmehrheit zu kommen.

Wenn sie (politische) "Bauchschmerzen" haben, dann sollen sie diese gut formulieren können.

Detopia wird freiwillig begonnen, sagen wir mit 90 Prozent Zustimmung.

Detopia ist Demokratie, Volksherrschaft. Man kann die gegenwärtige Demokratie als Anfang nehmen und dann weiterentwickeln.

Ich bin für einen Bundestag von 100 Köpfen, damit man sich jeden einzelnen merken kann. Ob die Regierung nochmal getrennt werden muss? Oder kann gleich der Bundestag regieren?

Auch Losentscheidungen gehören zu einer modernen Demokratie. Es muss nicht jede Kleinigkeit ausdiskutiert werden. 

Aber die Formen der Demokratie sind deshalb nicht wichtig, weil man sie ständig (nicht täglich!!) anpasst, weiter entwickelt, sich neue ausdenkt, konstruiert, woanders her 'klaut'. 

Wichtig ist vorher, dass das Volk Demokratie will, also daran teilnehmen will, geistig und auch persönlich zur Wahl steht.

Und dann ist wichtig, dass auch Politiker, Regierungsangestellte den Einheitslohn beziehen. Sie sind auf die detopische Verfassung vereidigt. Es melden sich genügend rechtschaffende Leute dafür. Diejenigen mit großem Mehr-Fach-Wissen und 'sozialer Kompetenz' wählt volk aus.

Das Wichtige ist ja nur, dass das Volk einen einheitlichen Höchstbesitz beschließt. Ich bin für 1000 Quadratmeter. Geld gänge theoretisch auch. Nach heutigem Geld so 50.000 Euro. Mehr dürfte dann keiner haben..... wollen.

In diesem Text sollen einige Prinzipien von Detopia klar werden. Daher gehe ich nicht in Verfeinerungen hinein, wie man dieses und jenes organisieren kann.

Es geht darum, dass jeder ein Dach hat, Heizung und teilweise seine Nahrung anbauen kann. Gleichzeitig hat er auch eine Heimstatt, eine Heimat, eine Kommune, seine Privatsphäre.

Wie und woher aber nun die Arbeitsfreude? Die Frage aller Fragen an die Utopisten aller Zeiten.

"Ora et labora", also Klosterdisziplin? Subbotnik und sozialistischer Wettbewerb? Nein. Das können und wollen die Leute nicht. ("Der Mensch ist nicht 'sozialistisch'.", sagte man nach 1989.)

Irgendwas muss man sich ausdenken, damit die notwendige Arbeit getan wird.

Zum Beispiel kann man nach Arbeitszeit abrechnen. Aber das soll jetzt auch nicht vertieft werden.

Wichtig ist, dass das Volk den Gleichbesitz akzeptiert, also die Besitzobergrenze. Es gibt zwar ausreichend Privateigentum. Aber kein Recht auf unbegrenzte Vermehrung; bei Marx: "Kapitalakkumulation".

Damit soll die "PVI" ausgetrocknet werden, die Privatbesitzvermehrungsideologie.

Geld regiert dann zwar noch die Welt, aber nicht mehr das detopische Land und sein Volk.

Danach und dadurch stelle ich mir vor, dass die Menschen wieder Lust und Freude auf Allgemeinbildung bekommen. Dadurch werden sie auch freundlicher und heftiger denken können. Dadurch dann schließlich wird die "Meinungsvielfalt" endlich kleiner werden und man kann endlich zu 'Konsens' kommen.

So ungefähr.

Detopia fußt auf Bahro und Ferst. Beide hätten nichts dagegen, obwohl sie meine Vereinfachungen beklagen würden. Aber das ist doch kein Problem! Marko Ferst hat einen viel realistischeren "Weg zur ökologischen Zeitenwende" (Buch 2002) ausgearbeitet und dargelegt. Da mache ich gerne mit. Und Rudolf Bahro hat sich 1987 noch mehr Mühe gegeben in seiner "Logik der Rettung". Mir fehlte jedoch noch ein einfaches Prinzip, falls für lange Wege und Logiken keine Zeit (oder Leselust) mehr bleibt. Detopia ist also nichts weiteres Neues, sondern nur eine Ergänzung zu den beiden utopischen Hauptwerken.

Würde Deutschland genügend und dauerhaft lebenswichtige Rohstoffe aus den Ausland importieren können?

Würde sich Deutschland genügend militärisch verteidigen können?

Würde das kapitalistische Weltsystem Deutschlands detopischen Sonderweg tolerieren?

Es lassen sich Gründe denken, um alle drei Fragen mit JA zu beantworten.

Das Ziel oder warum überhaupt Detopia?

Detopia ist zwar auch kurzfristiges Survival, aber heute wird man noch keinen davon überzeugen können, dass er schon 2040 in Detopia besser lebt als auf dem gegenwärtigen Weg mit dem Staatssystem der deutschen Bundesrepublik, was sich sicherlich zu Notstands- und Ausnahmezustandsgesetzen wandeln wird.

Aber das erste Ziel von Detopia ist "Kinderlachen im Jahr 3000", also ein langfristiges Ziel. Und ich gehe heute davon aus, dass wenn das Jahr 3000 erreicht wird, dass dann ein stabiler Gleichgewichtszustand hergestellt ist, und daraus folgt, dass weitere Jahrtausende möglich sind. Und "Kinderlachen" soll heißen, dass es eine fröhliche Gesellschaft ist, denn nur so kann man auch ökologisch sein und leben. "Fröhlich" kann man nur in Freiheit sein, also freiheitlich, keine Diktatur. Mit heutigen Medienworten: "Nachhaltig für die kommenden Generationen."

Detopia ist natürlich schwer zu wollen (heute für deutsche Wohlstandsbürger, wie auch ich einer bin). Aber wenn einmal angefangen wurde, dann ist Detopia eine einfache Kulturaufgabe.

Detopia ist die adäquate Antwort an die 13 apokalyptischen Reiter und kann daher als Gegenapokalypse angesehen werden, mal scherzhaft ausgedrückt.

In der jetzigen Zukunft nützt Geldreichtum nur kurzfristig, nur solange das Geld noch 'funktioniert'. Daher kann es sein, dass die Milliardäre dieser Welt noch ein Jahr länger leben (in ihren Schutzburgen und Bunkern, die sie sich jetzt schon bauen). Aber darum kann es nicht gehen. Das ist unwichtig. Wenn die Zivilisierung der Menschheit erlischt, dann fallen die meisten Kulturfunktionen weg, vermutlich auch das Schreiben und Lesen (weil es keine Schule mehr gibt und keine Ideal der allgemeingebildeten Persönlichkeit). Das wird dann ein Zustand, den wir in den letzten 5000 Jahren noch nicht hatten bzw. nur kurzfristig und nur regional begrenzt. Aber sicher: das menschliche Gehirn ist begrenzt und mehr als foltern, versklaven und Kannibalismus gibt es nicht her. Insofern werden alle Dinge aus dem "Schwarzbuch der Weltgeschichte" (von Dollinger) wiederkehren. 

Aber es wird auch ganz anders und ganz neu sein. Bisher war es trotz ewiger Rückschläge insgesamt doch ein moralischer Aufstieg der Menschheit. Diesmal bzw. nun aber der immerwährende weitere Abstieg, immer weiter, wir wissen nicht, wie tief wir noch fallen. Das liegt an all den Milliarden Mündern (Zehn? Fünfzehn?), an verbrauchter Natur und verschwendeten Ressourcen, an der Technoabhängigkeit, an der planmäßig gesteigerten Waffenherstellung und nicht zuletzt an den neuesten apokalyptischern Reitern: Atomtechno, Gen- und Biotechno, Computertechno einschließlich künstlicher Intelligenz in allen möglichen unbemannten Fahr-, Flug- und Wassermobilen. In manchen amerikanischen Sciencefiktion-Fantasy-Actionfilmen bekommt man schon eine bildliche Vorstellung davon. Nur: Die Hauptaufgabe, nämlich der stressige Alltag für die Normalbevölkerung kommt dort nicht vor. Etwa: Man soll 2 Liter am Tag trinken. Das sehe ich in diesen Filmen nie. Sauberes Trinkwasser wird jedenfalls eines baldigen Jahrzehntes nicht mehr vorhanden sein - weltweit. Und aufs Klo gehen die auch nie. Und erholsam schlafen muss man auch in aller Ewigkeit.

Insofern wird sich der Weltzustand wesentlich von früher unterscheiden. (Bis ca. 1800 gab es weniger als eine Milliarde Menschen, bis 1927 nur zwei Milliarden.) Aber es gab bisher immer auch einen moralischen Aufstieg, wie: Ächtung der Sklaverei, Gleichberechtigung der Frau, Kinderrechte, Gründung der UNO, ökologische Standards, internationaler Gerichtshof, Unesco. - Das war bisher so. Aber wer soll in der jetzigen Zukunft die moralische Fahne hochhalten? Will ich die Anwort wissen?

Dies waren einige Sätze dazu, warum Detopia notwendig ist, allerdings nur dann und für den, dem die Menschheit am Herzen liegt, was im Allgemeinen nicht zur individuellen Grundausstattung gehört. Im Großen und Ganzen können wir heute wohl feststellen, dass der westliche Mensch sich zu 70% um sich selber sorgt und zu 20% um Menschen, die er persönlich kennt oder auf sie angewiesen ist, vorab die Kinder und Enkelkinder. 10% bleiben dann noch für weitere und höhere Ziele übrig, wie die Kirchgemeinde, Gott, das Volk, das Land, der Staat, eine Ideologie, usw.

 

Das Einfache ist so schwer

Eine neue bzw. eine andere bzw. eine nachhaltige bzw. eine detopische Gesellschaftsordnung wird schwerlich Eingang in das Volkswissen finden. Und danach ist der Weg noch weit bis in das Gewissen. Aber momentan (und sicher auch bis 2030) hat ein detopischer Info- und Veranstaltungs-Verein noch beste Voraussetzungen. Allerdings vermute ich: Es fehlt in ganz Bundesdeutschland auch an diesen einhundert Gerechten

Und das ist dann auch wieder okay. Dann wird die Sache rund. Sie findet keinen Abschluß, aber wir kommen wenigstens wieder an den vertrauten Anfang und lesen etwas Untergangsliteratur.

Es gibt auch seriöse Umweltzukunftsbücher mit anderen Schwerpunkten. Eines beschäftigt sich mit dem Funktionieren der deutschen Gesellschaft in der Vielfachkatastrophenzeit. Ein anderes untersucht den Aufbau einer Post-Kollaps-Gesellschaft. (Götz Brandt 2013 und Johannes Heimrath 2012). Ein weiteres beschäftigt sich mit der Endzeitpsyche: "Global gesehen jedoch stehen wir vor der schweren Aufgabe, es aushalten zu müssen, dass sich die bedrohliche Entwicklung wohl allenfalls verzögern, nicht jedoch umkehren lassen wird. Dies zu begründen und trotzdem eine angemessene, lebensbejahende Haltung dazu zu entwickeln, ist Ziel dieses Buches." (Andreas Meissner 2017). Auch Gregory Fuller hat sein altes Endebuch 2017 neu aufgelegt und erweitert.

Aber insgesamt scheint die große Zeit der Untergangsliteratur vorbei, auch wenn hier und da nochmal eine Lücke zu füllen ist. Das liegt zum einen an: Große Autoren, wie Hoimar von Ditfurth und Herbert Gruhl benötigen Raum und Zeit, um sich zu entwickeln. - Die Kapitalgesellschaftsordnung mit seiner Weltreklameindustrie beutet das "Geschäftsfeld Weltuntergang" nunmehr nach dem Ziel der "Profitmaximierung" aus. Dadurch bekommt es einen Anstrich von "Fantasy", "Science Fiktion" und "nur zur Unterhaltung/Zeitvertreib/gegen die Langeweile". Die elektronische Bilderwelt stellt "Dokus" und Spielfilme her, die das Buch übertrumpfen: "Was geschieht, wenn plötzlich alle Menschen verschwunden sind?" Die Computerspielindustrie vermittelt in ihren Endzeitspielen, dass alles wie ein Spiel sein wird. -- Hier muss man immer wieder sagen: "Wir amüsieren uns zu Tode." (Neil Postman 1985).

Und dann die unsäglichen Endzeitactionfilme. Den Beginn kann man mit "Alien 1" auf das Jahr 1979 ansetzen. Und in den 4 Jahrzehnten seitdem ist die Produktion ausgeufert. Ich sage nur eins: Tele5, denn dort kann man jeden Tag zur 'besten Sendezeit' um 20 Uhr 15 einen anderen anderen Endzeitfilm angucken. Hinzu kommt youtube. Und hinzu all das, was ich nicht kenne (facebook, twitter, pc-spiele, und vieles mehr)

(Ich will hier nicht begründen, warum Alien1 'ein echter Endzeitfilm' ist, und es kann auch schon vorher welche gegeben haben, wie Starwars 1977, der allerdings noch so märchenhaft verfremdet ist, das er als "Räuber-und-Gendarm" wirkt. Jedenfalls hat meine Kategorisierung nichts mit dem SciFi-Thema "Angriff aus dem Weltraum" bzw. "Krieg der Welten" zu tun. Auch nicht in der Unterform von: "Komet knallt auf die Erde und löscht alles aus." - 1984 jedenfalls mit dem ersten Terminatorfilm ist der menscheitliche Untergang in der Unterhaltungsindustrie als "Geschäftsfeld" voll angekommen.)

 

Wie heute abschließen?

Mehr optimistisch? Nein, machen wir es mal mit "Medienkritik" als Foto. Ein Foto ist immer gut am Ende. Hier kämpft eine Litfasssäule gegen das Internet. "Kein Wegklicken." Und das Privatradio fügt hinzu: "Radio - geht ins Ohr, bleibt im Kopf." (Weil man seine Ohren nicht 'zumachen' kann). Die Reklame macht Reklame für die Reklame und gegen andere Reklame. Unwichtig? 

Wir werden ohne Hoffnung auf ein besseres Morgen anständig leben lernen müssen.

 

 


Lesen ist eine unverzichtbare Kulturtechnik 


Von Susanne Gaschke #  POLITISCHES FEUILLETON vom 23.07.2018 

 

Deutschland gewöhnt sich gerade das Lesen ab. Und zwar auf allen Ebenen: Grundschüler ringen mit dem Aufbau eines Wortschatzes und sind selbst am Ende der vierten Klasse oft noch weit vom flüssigen, sinnentnehmenden Lesen entfernt. Auch das Schreiben bereitet ihnen Mühe. Fragwürdige Unterrichtsmethoden wie das so genannte "Lesen durch Schreiben" machen es ganz besonders den schwächeren Schülern schwer, sich schriftlich fehlerfrei auszudrücken.


Audio 4 Minuten 

deutschlandfunkkultur  fuer-eine-bildungspolitik-im-geist-der-aufklaerung 

Früherer Artikel der Autorin, 2008 in der ZEIT:  zeit.de/2008/43/Zukunft-des-Neoliberalismus  

Autorin: wikipedia  Susanne_Gaschke *1967 in Kiel, ehem. Bürgermeisterin

 

 

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