Dr. Matthias Kluge

Das Christliche Friedensseminar 

Königswalde bei Werdau

Ein Beitrag zu den Ursprüngen der

ostdeutschen Friedensbewegung 
in Sachsen

 

1. Auflage 2004 by Evangelische Verlagsanstalt Leipzig
Dem Buch liegt eine CD mit verfügbaren Referatstexten des thematisierten Zeitraumes bei. 

Matthias Kluge Das Christliche Friedensseminar Königswalde bei Werdau Ein Beitrag zu den Ursprüngen der ostdeutschen Friedensbewegung in Sachsen  

2004   483 (528) Seiten 

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Die bisher vorliegende Literatur zur christlichen Friedensbewegung in der DDR konzentriert sich auf das runde Jahrzehnt vor der Einführung des Wehrkunde-Unterrichts bis zur friedlichen Revolution und hat vor allem die urbanen Zentren Berlin und Leipzig im Blick. 

Kluges Buch sucht in einer Mikrostudie über das exponierte Fallbeispiel des Christlichen Friedens­seminars Königswalde die Entstehung der innerkirchlichen Friedensarbeit in Sachsen nachvoll­ziehbar zu machen, indem er neben der chronologisch abgearbeiteten Ereignisgeschichte beispielhaft auch ausge­wählte Biographien wichtiger Akteure im Prozess ihrer politischen Sozialisation nachzeichnet. 

Als prägend für die Profilierung der späteren Exponenten erweist sich ihre Auseinandersetzung mit der wiedereingeführten Wehrpflicht und lässt sie schließlich zu dem werden, was als der Typus des "ostdeutschen Achtundsechzigers" umschrieben werden kann. Mit der quellengestützten Untersuchung des ältesten sächsischen Friedensseminars (ab 1973) wird ein erster Beitrag zur Überwindung besteh­ender Forschungsdefizite geleistet.

Autor
Matthias Kluge, Jahrgang 1963, war aktiv in der christlichen Friedensarbeit der DDR. Mit der vorliegenden Arbeit wurde er im Jahr 2002 an der TU Chemnitz zum Dr. phil. promoviert. Der Autor publiziert zur sächsischen Landesgeschichte im Bereich der Zeitgeschichte, u.a. zum sächsischen Kirchenkampf.

 


Inhalt

Vorwort  (9)

Einleitung

1. Zur Bedeutung des Themas  (11) 
2. Tradierte Widersetzlichkeit im regionalgeschichtlichen Kontext  (14) 
3. Quellenlage  (21) 
3.1 Der Aktennachlaß des MfS (23)  3.2 Der Aktenbestand im Staatsarchiv Chemnitz 27   3.3 Der Fundus des Kreisarchivs Zwickauer Land 29  3.4 Das Sächsische Landeskirchenarchiv Dresden  31  3.5 Die schriftliche Überlieferung im Archiv der Kirchenamtsratsstelle Zwickau   34  3.6 Aktenbestände in Privatbesitz 36  
4. Aktueller Forschungsstand (39)   
4.1 Der Widerspruch zwischen Beachtung während der Unzugänglichkeit und Nichtbeachtung seit der Zugänglichkeit 39  4.2 Eine langlebige Legende  41  4.3 Probleme der Periodisierung 44  
5. Probleme der Begriffsbestimmung (47)   
5.1 Zur Problematik des Terminus „Friedensbewegung"  47  5.2 Zur Kategorisierung von Opposition und Widerstand 51  5.3 Das Problem der regionalen Identifizierung  58  
6. Verbleibende Defizite  (61) 

Herkunft und prägende Jugendjahre - 
der Erfahrungshorizont, dargestellt anhand zweier Biographien

1. "Bausoldat ist man lebenslänglich": Hansjörg Weigel  (65) 
1.1 Exkurs: Klaus Albers (68)  1.2 Exkurs: Erneute Militarisierung als Bekenntnisfrage (70)  1.3 Rekurs: Klaus Albers  (73)  1.4 Rekurs: „Bausoldat ist man lebenslänglich": Hansjörg Weigel (74)  
2. Zivilcourage leben: Georg Meusel  (90)
3. Die Frage nach Existenz und Definition ostdeutscher Achtundsechziger  (104) 

1973 bis 1978: Arbeit im kleinen Kreis - die ersten Friedensseminare
1. Hinführende Gemeindearbeit 112  
2. Bisherige christliche Friedensarbeit in Sachsen 114
3. Warum 1973?  121
4. Erste Friedensseminare  125
5. Exkurs: Personelle Weichenstellungen  132
6. Rekurs: Erste Friedensseminare 139
7. Begleitumstände der ersten Friedensseminare  157  
7.1 Ein Brief aus der DDR  163  7.2 Sensible Wege  166  7.3 Ins „Bauerndorf mit ein paar hundert Seelen"  168  7.4 Ein Kirchentag als Geburtsstunde eines Symbols?  171  7.5 Beginnende Bearbeitung durch das MfS  179

Auf dem Weg zur Eskalation
1. Das Frühjahrs-Seminar 1979  (190)  
2. Entfaltung der ökumenischen Dimension  (198) 
3. Das Herbst-Seminar 1979  (200) 
4. Besuch aus Holland  (206) 
5. Begleitumstände des Jahres 1979  (210) 

Zwischen eskalierter Einschüchterung und massiver Repression: Das Jahr 1980
1. Ereignisse im Vorfeld des Mai-Seminars 1980  (216) 
2. Das Mai-Seminar 1980   222
3. Engelhardts Niederlage  231
4. Das Herbst-Seminar 1980  245

Die Friedensseminar-Arbeit im Jahr 1981
1. Das Vorfeld des Mai-Seminars  255
2. Das Mai-Seminar 1981  257
3. Das Herbsttreffen 1981  263
4. Begleitumstände des Jahres 1981  271

Das Jahr 1982
1. Neue Zuspitzungen im Vorfeld des Mai-Seminars  277
2. Das Mai-Seminar 1982   284
3. Weitere Begleitumstände  294
4. Das Oktober-Seminar 1982  297
5. Eine Zäsur kündigt sich an  301

Zwischen Ernüchterung und Festhalten
1. Das Jahr 1983  306
2. Das Jahr 1984  321
3. Das Jahr 1985  332
4. Das Jahr 1986  348

Neuer Zulauf ohne erneuten Bedeutungszuwachs
1. Das Jahr 1987  (362) 
2. Das Jahr 1988  (380) 
3. Das Jahr 1989  (398)   
3.1 Ein Wahlaufruf eigener Art (398)   3.2 Das 3. Königswalder Konzil vom April 1989  401  3.3 Das Mai-Friedensseminar 1989  405
3.4 Im Vorfeld einer Parteigründung  412  3.5 Das Oktober-Seminar 1989  422  3.6 Begleitumstände bis Jahresende 1989  435
4. Das Jahr 1990  (448) 
4.1 Begleitumstände bis zum Frühjahrsseminar (448)  
4.2 Das Mai-Seminar 1990 (456) 

Ausblick, Zusammenfassung und Bewertung 
1. Ausblick  (465) 
2. Zusammenfassung  (471) 
3. Bewertung  (477) 

 

Abkürzungsverzeichnis  484
Quellen- und Literaturverzeichnis 
1. Ungedruckte Quellen  492  1.1 Staatliche Archive 492  1.2 Kirchliche Archive 500  1.3 Memoiren 501  2. Gedruckte Quellen  501  2.1 Zeitungen 501  2.2 Quelleneditionen  502  2.3 Memoiren 503  3. Darstellungen  504
Personenverzeichnis  522


   

Vorwort

 

Das Christliche Friedensseminar Königswalde beging im Mai 2003 seinen 30. Geburtstag. Dies ist ein guter Anlaß, einer breiteren Öffentlichkeit eine christliche Basisinitiative vorzustellen, die nicht nur einer der wichtigsten Brennpunkte innerkirchlicher Friedensarbeit in Sachsen war, sondern auch eine der ältesten (und bis heute durchgehend bestehenden) Initiativen dieser Art ist. 

Zwar hat sich der Autor um größtmögliche innere Distanz zu seinem Betrachtungsgegenstand und um nüchterne Analyse bemüht, doch hat er seit Mai 1979 diese faktische Institution auch aus eigener Anschauung und als beteiligter Zeitzeuge selbst miterlebt. Um so nachdrücklicher war das Bemühen, die dort handelnden und hier (stellvertretend für viele) vorgestellten Akteure einer eben auch kritischen Würdigung zu unterziehen.

Der bisherige zeitliche Abstand zum Untersuchungsgegenstand ist naturgemäß zu gering, um (trotz vielfältiger Rücksichtnahmen) nicht immer noch Emotionen freizusetzen. Die Frage, ob die möglichst objektive Bearbeitung eines Betrachtungsgegenstandes nicht eine Distanz von rund 50 Jahren erfordert, wurde zwar immer wieder erwogen, schließlich aber verworfen: Zu viel heute (noch) zugängliche Quellen wären dann unwiderruflich versiegt. Und ob dann allein aus der schriftlichen Hinterlassenschaft (mit ihrer geradezu erdrückenden Dominanz der MfS-Akten) ein objektiveres, gerechteres Bild zu zeichnen wäre, darf bezweifelt werden.

Die vorliegende Darstellung wurde von der Philosophischen Fakultät der Technischen Universität Chemnitz als Dissertation angenommen, im August 2002 mit "magna cum laude" verteidigt und für die Buchfassung leicht überarbeitet.

Ohnehin wäre der Abschluß dieser Arbeit undenkbar gewesen ohne vielfältigste Hilfe und mannigfache Unterstützung, für die hier nur stellvertretend gedankt werden kann.

Die Untersuchung erstand am Lehrstuhl für Neue und Neueste Geschichte der Technischen Universität Chemnitz unter der fürsorglichen und verständnisvollen Betreuung meines Doktorvaters, Herrn Prof. Dr. Günther Grünthal. Die kollegiale Atmosphäre am Lehrstuhl und die konstruktive Kritik in vielen Sitzungen des dortigen Oberseminars waren entscheidend für den Reifeprozeß dieser Untersuchung. Dankbar bin ich auch für die engagierte Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vieler Archive, für die stellvertretend hier nur die Chemnitzer Außenstelle der Behörde der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und das Sächsische Landeskirchenarchiv genannt seien.

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Zutiefst verpflichtet bin ich der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. für ihre ideelle und materielle Unterstützung, der Fazit-Stiftung für die großzügig gewährte Abschlußfinanzierung und den Zeitzeugen, die mir immer wieder für Nachfragen zur Verfügung standen. Herr Prof. Dr. Reiner Groß vom Lehrstuhl für Regionalgeschichte Sachsens an der Technischen Universität Chemnitz übernahm freundlicherweise das Zweitgutachten und Herr Prof. Dr. Werner Bramke vom Historischen Seminar der Universität Leipzig das auswärtige Gutachten. Ihnen sei herzlich gedankt. Ohne die geduldige Unterstützung von Roland Schimanek M.A., Frank Raabs und Kai Riedel wäre mein Kampf gegen die Tücken der Computertechnik aussichtslos gewesen. 

Ein warmer Dank gilt auch meiner Eltern, Gisela und Gerhard Kluge. Unermessen bleibt die liebevolle Unterstützung, die ich meiner Gattin, Dietlind Starke, verdanke.

Der letzte Gedanke an dieser Stelle gilt dem Gedenken meiner Freunde Paul Grünler, Reinhold Mewes und Loretta Lippmann, die den Herbst 1989 nicht mehr haben miterleben können, deren Vermächtnis aber im Christlichen Friedensseminar Königswalde bewahrt werden möge.

 

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