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Teil 1   -   Tiefenpsychologische Basis-Therapie (TBT)? Was ist das?

 Kapitel 2 

 

Zur Beantwortung dieser Frage beginnen wir beim letzten Begriff: «Therapie», wenden uns in Teil 2 der «Basis» und in Teil 3 der Charakter­isierung dieser Therapie als «tiefenpsychologisch» zu.

 

   1.  «Therapie» — Für was und für wen ist die TBT geeignet?  

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Kürzlich erzählte mir eine Ärztin und Psychoanalytikerin, daß die Krankenkasse die Finanzierung einer Therapie mit der Begründung abgelehnt habe, die Psychoanalyse sei keine Therapie. Abgesehen davon, daß die Krankenkassen gern versuchen, Zahlungsverpflichtungen für Langzeit-Therapien abzulehnen, muß ich gestehen, daß ich für diese Argumentation in gewissem Umfang Verständnis habe.

Als ausgebildeter Psychoanalytiker habe ich sehr zwiespältige Erfahrungen mit der klassischen Form der Psychoanalyse gemacht, wie Sie in Teil V nachlesen können. Es waren nicht zuletzt meine persönlichen Erfahrungen in zwei Lehranalysen, die dazu beigetragen haben, die Tiefenpsychologische Basis-Therapie (TBT), die eine wesent­liche Erweiterung der klassischen Psychoanalyse darstellt, als ein wirksameres therapeutisches System zu entwickeln.

Es gibt kaum einen Erkrankungsprozeß, bei dem die Tiefenpsychologische Basis-Therapie (TBT) nicht erfolgreich sein kann. Deshalb ist es sehr viel leichter aufzuzählen, welche Erkrankungsprozesse mit der TBT nicht gestoppt, geheilt oder zumindest wesentlich gebessert werden können.

Dazu gehören vor allem die «malignen» («bösartigen») Erkrankungen im «Finalstadium» («Endstadium»). Aber selbst in diesem Fall bedeutet das nicht, daß dann eine Therapie völlig sinnlos wäre. Im Gegenteil: Die TBT wird dann zu einer persönlichen Begegnung mit dem Sterbenden, die ihm helfen kann, den Lebensvorgang des Sterbens von quälendem Ballast aus der unverarbeiteten Vergangenheit zu befreien und den Tod als Wandlungsprozeß zu begreifen und zu akzeptieren.

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Auch solche Erberkrankungen, die entweder von beiden Elternteilen gleichzeitig oder von einem Elternteil dominant (mit unbedingter Durchsetzung) vererbt worden sind, können nicht von der Wurzel her geheilt, sehr wohl aber in ihren psychophysischen Folgen wesentlich gebessert werden.

Um wenigstens einige Beispiele zu nennen, bei denen die TBT besonders erfolgreich angewandt werden kann, will ich mich nicht auf Namen von sogenannten «Krankheiten» stützen, sondern spreche hier lieber von Symptomen.

Über dem Anschlagbrett unseres Therapiezentrums steht der Satz: «Wir behandeln keine Krankheiten. Unsere Sorge gilt dem kranken MenschenDamit will ich ausdrücken, daß es «Krankheiten» als Entitäten (selbständige Größen), als vom betroffenen Menschen unabhängig beschreibbare abstrakte «.. .heiten» im Sinne eines isolierten Organgeschehens, einfach nicht gibt. Jedes Erkrankungs- (und Heilungs-)Geschehen ist ein an die Person, an ihre Lebensgeschichte, an ihre Erfahrungen, an ihre gegenwärtigen inneren und äußeren Lebensumstände, an ihre Ängste und ihre Hoffnungen gebundenes biologisches, psychisches, geistiges und soziales Gesamtgeschehen ein Prozeß. Deshalb vermeide ich nach Möglichkeit den statischen und abstrakten Begriff «Krankheit» überhaupt oder setze ihn in Anführungszeichen.

Die Erkrankungsprozesse, die mit der Tiefenpsychologischen Basis-Therapie geheilt, zumindest aber wesentlich gebessert werden können, spiegeln sich in Symptomen wider, deren Aussagen wir zu lesen und zu verstehen lernen müssen. Das fängt an bei Kältegefühlen in Händen und Füßen (hinter denen sehr viel mehr steckt, als die davon betroffenen Menschen in der Regel ahnen!), bei allen Arten von unklaren Kopf- und Bauchschmerzen (die in jedem Fall ein Signal für verdrängte Probleme sind!), mit Übelkeit, Erbrechen, Eßschwierigkeiten, Darmkrämpfen und anderen Arten von Krampferscheinungen. Das gilt auch für Muskelschmerzen, Wirbelsäulenerkrankungen, Beschwerden in den Atemwegen, Durchblutungsstörungen, Innenohr-Symptomen wie Hörsturz, Tinnitus (Ohrgeräuschen), Drehschwindel (Morbus Meniere) und anderen Formen von Schwindel, und es trifft besonders zu für Angstzustände aller Art, für Sexualstörungen, für alle Arten von Neurosen, Psychosen und für sogenannte psychosomatische Erkrankungen u.s.w., — und geht hin bis zu so schweren Erkrankungsprozessen wie Rheumatismus, Herzinfarkt und bestimmte Arten von Krebs.

Die Tiefenpsychologische Basis-Therapie (TBT) ist eine psycho-therapeutische Methode. Das bedeutet, daß der Heilungsweg ganz wesentlich über die seelischen Kräfte des Menschen gesucht wird und auch seine geistigen Kräfte aktiviert werden. Daß dabei der Körper des Menschen ganz stark mit einbezogen wird, ja sogar den Ausgangspunkt für die therapeutischen Techniken bildet, wird die weitere Darstellung noch zeigen. Die zusätzliche Anwendung von Medikamenten ist allerdings nur in ganz wenigen Ausnahmefällen sinnvoll.

 


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   2. Tiefenpsychologische Basis-Therapie ("TBT") als Teil der Human-Biologischen Ganzheits-Medizin - "HBGM"  

 

 

Um den ganzen Umfang dieses therapeutischen Systems erfassen zu können, müssen wir uns vergegenwärtigen, daß die Tiefenpsychologische Basis-Therapie (TBT) ein Teil der Human-Biologischen Ganzheits-Medizin (HBGM) ist, die ich anhand von 8 grundlegenden Aussagen umreißen will. Alle 8 Aussagen spiegeln sich in der Tiefenpsychologischen Basis-Therapie wider. Einige davon werden wir im Verlauf der weiteren Darstellung noch wesentlich vertiefen.

 

1. Die Human-Biologische Ganzheits-Medizin ist eine «ökologische» Medizin

Das dem modernen Begriff «Ökologie» bzw. «ökologisch» zugrunde liegende altgriechische Wort oikos, das den Raum um die Feuerstelle, also das Haus bezeichnet, dürfen wir nicht, wie das oft geschieht, nur auf unsere gefährdete Umwelt beziehen. Das selbstverständlich auch.

Das erste von uns bezogene Haus aber ist der Leib unserer Mutter, in dem wir gezeugt wurden und 9 Monate lang, mehr oder weniger geschützt, aufgewachsen sind. Es ist eine Tatsache, mit der wir in der Human-Biologischen Ganzheits-Medizin immer wieder hart konfrontiert sind, daß nur sehr wenige Menschen in unserem Kulturkreis in diesem ihrem ersten Hause wirklich sicher, ungestört und ungefährdet waren.

Ja viele meiner Patienten waren dort nicht einmal willkommen! Das wird uns, weil es beträchtliche Folgen für das weitere Leben, für Gesundsein und Kranksein hat, noch ausführlich beschäftigen müssen.

Eine Medizin ist nur dann wirklich «ökologisch», wenn sie dieses erste Haus unserer Existenz voll mit in ihre Diagnosen, Überlegungen und therapeutischen Unternehmungen einbezieht. Dann erst wird sie auch verstehen, was die Menschen mit dem Haus danach und mit der Welt als der Behausung aller Menschen Auffälliges und Schlimmes anstellen, und darauf adäquat prophylaktisch (vorbeugend) und therapeutisch reagieren können.


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Inzwischen leben wir alle in dieser unserer Welt auf einer «Mülldeponie» von äußerst bedrohlichen Ausmaßen, die mehr und mehr zu einer «Zeitbombe» zu werden droht, die wir uns mit unserem Streben nach wirtschaftlichem Wachstum und Wohlstand selbst geschaffen haben. 

Was aber die wenigsten Menschen zur Kenntnis zu nehmen bereit sind, ist die Tatsache, daß wir in unserer zivilisierten westlichen Gesellschaft gewöhnlich auf einer gefährlichen Mülldeponie unserer persönlichen Vergangenheit leben.  

Davon handelt dieses ganze Buch. 

Mein Patient Jahn, der im ganzen Körper von wechselnden Schmerzen geplagt wurde, dessen Blutdruck und Blutfettwerte über viele Jahre ständig erhöht waren, äußerte oft das Gefühl, daß eine «Zeitbombe» in ihm ticke, die ihn eines Tages zerreißen würde. Wie diese seine persönliche «Mülldeponie», die «Zeitbombe», aussieht bzw. ausgesehen hat, werden wir in späteren Kapiteln sehen, denn Jahn wird uns noch einige Male begegnen. Die inzwischen weit verbreiteten Ängste vor unterirdischen Wasseradern, Elektro-Smog und anderen Naturphänomenen und Zivilisationsprodukten erscheinen dann in einem völlig neuen Licht.

 

2. Die Human-Biologische Ganzheits-Medizin ist eine «biologische» Medizin

Das bedeutet, daß sie sich sehr intensiv mit der Ethologie, der vergleichenden Verhaltensforschung, beschäftigen und von ihr lernen muß. Darüber hinaus müssen wir uns ausführlich darüber informieren, daß, wodurch und warum es zu frühen vorgeburtlichen und nachgeburtlichen Schädigungen, vor allem aber auch zu Verletzungen während des Geburtsgeschehens selber kommt. Schädigungen, die so früh auftreten, können von den betroffenen Kindern meist nicht verarbeitet werden. Dadurch ist ihr zukünftiges Leben akut gefährdet. Viele meiner Patienten leiden an den Spätfolgen früher Traumata (Verletzungen). Dazu werde ich noch mehrere Beispiele bringen.

 

3. Die Human-Biologische Ganzheits-Medizin ist eine «genetisch» orientierte Medizin

In dieser Aussage geht es darum, wie weit wir in der Human-Biologischen Ganzheits-Medizin (HBGM) und der ihr zugehörigen Tiefenpsychologischen Basis-Therapie (TBT) die ursächlichen Traumata (Schädigungen), im Gegensatz zu jeder bisherigen sog. psychosomatischen Therapie, zurückverfolgen. Ein ganzheits­medizin­isches System kann und darf nicht darauf verzichten, sich auch mit der Problematik genetischer Schäden zu befassen. Im Gegenteil: Diese Thematik ist im Hinblick auf die laufenden Versuche mit Gen-Manipulationen sogar ganz besonders aktuell. Doch das ist es nicht allein, was mich veranläßt hat, mich mit Genschäden und Erbfaktoren intensiv zu beschäftigen. An erster Stelle stand für mich die Beobachtung, daß das Wissen um die Tatsache einer genetisch bedingten Erkrankung bei den betroffenen Patienten meist eine tiefe Resignation bzw. Depression auslöst, die jede Heilungsmöglichkeit blockiert.


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Im weiteren Verlauf meiner Arbeit ist es gelungen, nicht nur Genschäden diagnostisch aufzudecken und deren Valenz (Schwere) exakt zu beurteilen, sondern auch therapeutische Wege zu entwickeln, in machen Fällen hilfreich einzugreifen. So konnten, um nur zwei Beispiele zu nennen, einige Patienten mit «Morbus Bechterew» in einem relativ frühen Stadium der Erkrankung von ihrem Leiden befreit werden; und für die Erberkrankung «Psoriasis» (Schuppenflechte) haben sich ganz neue Gesichtspunkte und Heilungschancen ergeben.

 

4. Die Human-Biologische Ganzheits-Medizin ist im Wesentlichen ein «Selbstheilungssystem»

Mich schaudert immer ein wenig, wenn ich höre, daß jemand als «Heiler» bezeichnet wird oder sich gar selbst so nennt. Wer mit der Naturheilkunde zu tun hat, dem müßte eigentlich von vornherein klar sein, daß es der Patient selbst, daß es dessen bio-kybernetisches Selbstheilungssystem ist, dem er seine Heilung verdankt, und daß seine Therapeuten nur dessen Helfer sind. Ich habe diesen Gedanken einmal so formuliert:

Gesundsein heißt, mit der Natur in mir und außer mir in Einklang zu leben.

Heilen bedeutet, dem Menschen als Helfer zur Seite und als Orientierung gegenüberzustehen, bis er die Natur in sich und sich selbst in der Natur wiedergefunden hat.

Daß in der traditionellen Medizin die Valenz (die Bedeutung) des biokybernetischen Selbstheilungssystems oft übersehen wird, hängt mit ihrem Wissenschaftlichkeitsanspruch zusammen. Daß das Selbstheilungs­system aber oft auch seitens der Naturheilkunde unterschätzt wird, finde ich ganz besonders bedauerlich. Aber das hängt wohl damit zusammen, und deshalb spreche ich es hier an, daß in der praktizierten Ganzheits-Medizin die psychischen (seelischen) und mentalen (geistigen) Kräfte des Menschen noch zu wenig bekannt sind und genutzt werden.

Das bio-kybernetische Selbstheilungssystem funkioniert von allem Anfang, von der Zeugung und der Befruchtung an — lange bevor das Immunsystem aufgebaut ist. Wir sprachen im Zusammenhang mit der Aussage über die biologische Medizin über die Tatsache, daß bei Embryos und Föten (noch ungeborenen Kindern) so massive Traumata (Verletzungen) eintreten können, daß sie von den betroffenen Kindern nicht mehr aufgefangen, nicht verarbeitet werden können. Und doch überleben sie.


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Das ist eine der ersten Wirkungen des bio-kybernetischen Selbstheilungssystems, das den betroffenen Kindern zwei Überlebensmechanismen zur Verfügung stellt, mit denen der Schaden zwar nicht behoben, aber das Überleben, wenn auch nur vorläufig, gesichert wird. Der eine Überlebensmechanismus ist das, was die Psychoanalytiker «Verdrängung» nennen, der andere ist die Symptombildung. Beide Mechanismen werden uns später noch ausführlich beschäftigen.

 

5. Die Human-Biologische Ganzheits-Medizin ist eine das «Humanum» integrierende Medizin

Was meinen wir mit dem Begriff «Humanum», was ist damit nicht gemeint? Es gibt im Bereich der Psychologie und Psychotherapie seit ca. 25 Jahren eine sog. «humanistische» Richtung. Die Human-Biologische Ganzheits-Therapie, das wird Sie vielleicht verwundern, fühlt sich dieser Richtung und ihrer Ideologie nicht verpflichtet.

Unter Humanum könnte man ganz schlicht verstehen, daß wir uns darum bemühen, mit unseren Patienten menschlich umzugehen, was für Psychotherapeuten, Naturheilärzte und Heilpraktiker eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müßte. Jeder, der einmal längere Zeit im Krankenhaus gelegen ist, weiß, daß das in einem solchen «Gesundheitsbetrieb» leider oft ganz anders ist. Aber auch das ist mit der Integration des Humanum nicht gemeint. Und erst recht nicht zielt dieser Ausdruck darauf ab, uns über Tier- und Pflanzenwelt herrschaftlich zu erheben und uns in einen Gegensatz zu der uns umgebenden Natur zu setzen.

Die Bezeichnung der Ganzheits-Medizin als «human»-biologisch zielt u.a. aber darauf ab, daß der uns Menschen mögliche Bewußtseinsgrad eine besonders hohe Verantwortung uns selbst wie der uns anvertrauten Natur gegenüber einschließt. Es genügt wohl, in diesem Zusammenhang die Problematik der Tierversuche zu erwähnen.

Vor allem aber kommt die Human-Biologische Ganzheits-Medizin nicht ohne intensive Begegnung und Auseinandersetzung mit den humanen Wissenschaften und deren Ethik aus. Besondere Berücksichtigung finden müssen die biologische und die philosophische Anthropologie, die pränatale, perinatale und postnatale Psychologie, die allgemeine Psychologie, die Tiefenpsychologie, die Pädagogik, die Soziologie, die Sozialpsychologie, die Theologie, die Kulturgeschichte und die Politik.

Auf allen Ebenen, die durch diese Fachbereiche charakterisiert sind, spielt sich nämlich menschliches Leben, spielen sich Gesundsein und Kranksein ab. Und jeder dieser Aspekte kann in einem Erkrankungs­prozeß, offen oder versteckt, eine so gewichtige Rolle spielen, daß ohne seine angemessene Berücksichtigung jeder Therapieversuch scheitern muß.


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6. Die Human-Biologische Ganzheits-Medizin ist eine «prozessuale» Medizin

 

Beginnen wir mit einer Feststellung:

Die meisten Menschen unseres Kulturkreises und derjenigen Völker, die davon entscheidend berührt sind, haben kaum detaillierte Wahrnehmungen und Kenntnisse von ihrer frühen persönlichen Vergangen­heit. Deshalb leben sie in einer mehr oder weniger undifferenzierten, ihnen selbst nicht ganz verständlichen Gegenwart und fürchten die (mit ihrer unbewältigten Vergangenheit belastete) Zukunft.

Als Bundespräsident hat Richard von Weizsäcker in seiner berühmt gewordenen Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes sehr eindringlich darauf aufmerksam gemacht, daß nur derjenige eine unbelastete Gegen­wart und eine freie Zukunft hat, der die Vergangenheit nicht verdrängt, sondern sich mit ihr auseinander­setzt und ihre Schatten aufarbeitet. Das gilt natürlich nicht nur für die politische und geschichtliche Vergangenheit unseres ganzen Volkes, sondern erst recht für unsere tief verdrängte individuelle, unsere ganz persönliche früheste Vergangenheit.

Unbewältigte Traumata (Verletzungen) der Frühzeit, die verdrängt sind, feiern nämlich mit zunehmendem Alter in nur schwer erkennbaren Formen, die wir als «Übertragung» bezeichnen, immer wieder «fröhliche Urständ» (Auferstehung). Dadurch wird der Umgang mit den gegenwärtigen Problemen und den uns umgebenden Menschen oft äußerst schwer belastet. Was aber besonders schwer wiegt, ist die Tatsache, daß wir, ohne das zu wissen und zu wollen, die unbewältigten Probleme aus der Vergangenheit in die Zukunft projizieren. Viele Menschen befürchten das von ihrer persönlichen Zukunft oder von der unserer Erde, was in Wirklichkeit unbewältigt zeitlich hinter ihnen liegt.

Karl war getrieben von einer Vergiftungsangst, die er auf die zunehmende Umweltvergiftung bezog, aber auch an der Vergiftung einer mütterlichen jüdischen Freundin in einer der Gaskammern des Dritten Reiches festmachte. Er empfand öfters fauligen und chemischen Gestank. Seine Therapie deckte die Hintergründe auf, die in seinem Geburtsgeschehen zu finden waren: Die Plazenta hatte sich schon in der ersten Phase der Geburt abgelöst und zu zersetzen begonnen. Das Fruchtwasser hatte sich eingetrübt und war von einem fauligen Geschmack erfüllt. Während der Geburt wurde zudem ein chemisches Medikament gespritzt, welches die Verkrampfungen der Mutter lösen sollte. Auch dieses nahm das Kind wahr, zumal die Lungenatmung aufgrund der Plazentaablösung teilweise schon im Mutterleib eingesetzt hatte.

Wenn man sich mit dieser Thematik erst einmal eingehend befaßt, und das ist für die Human-Biologische Ganzheits-Medizin eine Selbstverständlichkeit, entdeckt man mit Erstaunen und großer Erschütterung, daß sehr viele schwere Erkrankungen, besonders aber viele problematische Erkrankungsprozesse und sog. «unheilbare Krankheiten», auf unbewältigte Probleme aus der traumatischen Vergangenheit, besonders aus der pränatalen, perinatalen und postnatalen (der vorgeburtlichen, geburtlichen und nachgeburtlichen) Zeit, zurückgehen.


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Leben ist nichts Statisches, Leben ist ein Prozeß. Und wenn es ein gesundes Leben ist, dann besteht dieser Lebensprozeß aus Werden, Reifen und Vergehen. Er ist ständig gefährdet, ständig bedroht. Er bewegt sich zwischen Skylla und Charybdis hindurch. Jeder Sonnenstrahl, den wir zur Synthese des Vitamins D und damit zum Aufbau unserer Knochen dringend benötigen, gefährdet gleichzeitig die Zellen unserer Haut und zerstört in ihnen kleinste Zellorganellen. Ohne unser ganz unbemerkt arbeitendes bio-kybernetisches Selbstheilungssystem wären wir diesen und vielen anderen Gefahren rettungslos ausgeliefert.

Auch Kranksein ist ein Prozeß, ist Teil unseres Lebensprozesses. Wir haben uns deshalb in der Human-Biologischen Ganzheits-Medizin daran gewöhnt, nicht mehr von Krankheiten zu sprechen. Die Endsilbe ... heit deutet auf etwas Statisches, auf ein Abstraktum hin. Erkrankungen sind jedoch immer ein sehr persönlicher Prozeß. Als Entitäten (festumrissene Gegebenheiten) können Erkrankungen nur dann erscheinen, wenn die psychischen und die geistigen Prozesse außer acht gelassen werden.

Auch Heilung ist ein Teil des Lebensprozesses, und zwar ein sehr aktiver Teil, bestehend aus Wahrnehmen, Innewerden und Verarbeiten. Deshalb ist es im Sinne der Human-Biologischen Ganzheits-Medizin völlig falsch, die Wahrnehmung mit Medikamenten zu dämpfen. Wir müssen vielmehr unseren Patienten dabei behilflich sein, sich auf ihre Symptome zu konzentrieren, um auf diese Weise einen Zugang zur Ätiologie (zum Ursprung) der Erkrankungsprozesse zu eröffnen. Wenn das gelungen ist, wird der Patient inne, welchen Sinn und welche Zusammenhänge der Erkrankungsprozeß hat. Das führt zu mehr und mehr sich vertiefenden Einsichten, mit denen die Verarbeitung und damit der eigentliche Heilungsprozeß beginnt.

Sehr viele Menschen haben eine völlig falsche Vorstellung von dem Vorgang, den wir als Heilung bezeichnen. Sie meinen irrtümlich, er läge in erster Linie in der Hand ihrer Therapeuten (Ärzte, Heilpraktiker, Psychotherapeuten). Ihre eigene Aufgabe sehen sie hauptsächlich im braven Einnehmen der verschriebenen Medikamente. Diese falsche passive Haltung, die zu nichts Gutem führen kann, hat der Dichter Eugen Roth in einem kleinen Sechszeiler vortrefflich charakterisiert:

«Wer krank ist, wird zur Not sich fassen,
gilts, dies und das zu unterlassen.
Doch meistens zeigt er sich immun,
heißt es, dagegen was zu tun.
Er wählt den Weg sich, den bequemen,
was ein- statt was zu unternehmen»


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7. Die Human-Biologische Ganzheits-Medizin ist eine «dialogische» Medizin

Gesundsein, Kranksein, Heilung und Sterben — unser ganzer Lebensprozeß vollzieht sich im Austausch mit anderen Menschen, von der Zeugung an. Martin Buber hat den bedenkenswerten Satz geprägt: «Der Mensch wird am Du zum Ich». Vorgeburtlich ist es das Du der Mutter, und über den liebenden Austausch mit der Mutter auch das Du des Vaters, an dem sich das Ich des Kindes entwickelt und entfaltet — oder auch daran scheitert. Im therapeutischen Prozeß ist es das Du des Therapeuten, das bei der Nachentwicklung und Nachreifung des Ichs des Patienten Orientierung und Hilfestellung anbietet, anbieten muß. Und das Du eines liebenden Angehörigen und ggf. das des Therapeuten sollte eine den Wandlungsprozeß begleitende Hilfe sein, wenn das Leben übergeht in jene Existenzform, die wir Tod nennen.

Verehrte Leser, ich denke, daß Sie verstehen werden, daß diese Vorstellung von Ganzheits-Medizin eine hohe Anforderung an Therapeuten aller Schulen und Richtungen stellt.

 

8. Die Human-Biologische Ganzheits-Medizin ist eine «transpersonale» Medizin

Der Begriff «transpersonale Medizin» ist bislang in keinem medizinischen Lexikon zu finden, obwohl das Phänomen in jeder medizinischen Praxis bei jeder Begegnung zwischen Arzt und Patient, bei jeder Behandlung und bei jeder Verschreibung eine große Rolle spielt.

Im «Lexikon der Psychologie» aus dem Verlag Herder finde ich unter dem Stichwort «Transpersonale Psychologie» folgende kurze Notiz: «Jener Bereich der Psychologie, der das Innenleben der Einzelperson und das Zusammensein sowie das Miteinander(geschehen) im Wesentlichen betrifft: er übersteigt deshalb den konstitutionellen Körperbereich und umgreift insbesondere Seele und Geist.»

Wenn ich mir diesen etwas unbeholfen wirkenden Definitionsversuch genauer ansehe, so zeigt er zwei interessante Aspekte, die sehr eng mit der Medizin zu tun haben, jedenfalls mit jener Art von Medizin, die wir als «Human-Biologische Ganzheits-Medizin» bezeichnen. Das Übersteigen des konstitutionellen Körperbereichs durch Einbeziehung von Seele und Geist macht ja gerade das Wesen der Human-Biologischen Ganzheits-Medizin aus. Ganzheitsmedizin bedeutet, daß Leib, Seele und Geist zwar theoretisch getrennt voneinander betrachtet werden können, in der Realität aber niemals unabhängig voneinander handeln und niemals unabhängig voneinander behandelt werden dürfen.

Der erste Teil der Definition weist auf das Zusammensein und das Miteinander der Menschen hin, auch im akuten Geschehen. Medizin ist immer, beim Berichten eines Patienten, in jedem Zuhören des Arztes, Heilpraktikers oder Psychotherapeuten und in jeder diagnostischen oder therapeutischen Handlung ein Zusammensein und Miteinander (geschehen) von Menschen, das vom einen Menschen auf den anderen und vom anderen Menschen auf den einen hinübergeht. Dieses Hinübergehen von einer Person zur anderen ist der transpersonale Aspekt, und der ist wirksam in jeder Art von Heilkunde.

Patienten sprechen gelegentlich aus, daß sie zu dem einen Arzt mehr, zu dem anderen weniger Vertrauen haben, und sie spüren es ganz genau, was von dem Gegenüber zurückkommt, wenn ihnen z.B. Achtung und menschlicher Respekt entgegengebracht werden. Medizinische und andere therapeutische Maßnahmen wirken in verschiedenen Händen keinesfalls gleich. Der Leib und die Seele der Patienten wie die der Therapeuten sind immer mit am Werk. Ob einem Arzt, einem Heilpraktiker, einem Psychotherapeuten oder einer medizinischen Hilfsperson dieser transpersonale Aspekt bewußt ist und von ihnen bewußt gelebt wird, wird von den Patienten sehr wohl, von manchen Patienten sogar sehr intensiv empfunden und bewußt oder unbewußt beantwortet. Das transpersonale Geschehen kann jedoch auch verdunkelt werden durch unverarbeitete Lebensprobleme auf der einen oder der anderen Seite, die dann in die gegenseitige Wahrnehmung einfließen.

Über weitere Aspekte der «transpersonalen Medizin» und ihre Anwendung in Diagnose und Therapie werde ich in Kapitel 18 im Zusammenhang mit der Kognitiv-Energetischen Diagnose und Therapie (KED/KET) ausführlicher berichten und eine Reihe von Beispielen bringen. Und in Teil V will ich verraten, wie ich in meiner Praxis zu diesen Erkenntnissen und Möglichkeiten gekommen bin.

Um verstehen zu können, in welchen Punkten die Tiefenpsychologische Basis-Therapie (TBT) als Teil der Human-Biologischen Ganzheits-Medizin (HBGM) eine wesentliche Erweiterung der klassischen Psychoanalyse darstellt, wenden wir uns nun dem zweiten Begriff zu.

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