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Nachwort     Von Professor Dr. Iwan Iljin 

 

 

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Unsere Schilderung ist zu Ende ...... Nach bestem Wissen und Gewissen suchten wir Licht in das Wesen der geschichtlichen Ereignisse zu bringen. Wir suchten die Tatsachen so festzustellen, wie sie einmal sind, in tiefster Überzeugung, daß die heutige Welt auf dem von uns erforschten Gebiete — vor allem und um jeden Preis — die Wahrheit braucht.

Es gehört nicht zur menschlichen und männlichen Würde — angesichts einer großen Gefahr und einer geschichtlichen Schicksals­wende die Augen zu schließen oder mit Illusionen zu spielen; im Gegenteil — es ist geboten mit Wotan zusammen ins Niebelheim der modernen Menschenseele hinabzusteigen und ihre Regungen zu erforschen; es ist geboten zu wachen und zu erwägen.

Denn, wahrlich, die moderne Menschheit steht an einem Scheidewege; eine verhängnisvolle Stunde hat geschlagen; und ihr geistiges Auge schlummert, in leere Träume versunken. Die Weisheit darf nicht zu spät kommen. Und wie vieles wäre in der menschlichen Geschichte anders geworden, wenn die Weisheit zur rechten Zeit da wäre! Aber — "die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug" .....

Dämmert es nicht schon um uns?

Es gehört auch nicht zur menschlichen und männlichen Würde — die Wahrheit zu wissen und ... zu schweigen, sie den anderen aus List oder Rache vorzuenthalten. Es hat uns allerdings eine große Willensanstrengung gekostet — über das schwere Leiden unseres Volkes in wissenschaftlicher Objektivität zu berichten, seine Not, seine Knechtung und Erniedrigung zu schildern. Aber es mußte geschehen und es ist getan.

Die nötige Kraft dazu haben wir aus dem unerschütterlichen Glauben an die große Zukunft unseres Volkes geschöpft. Wir glauben an unser Volk nicht nur darum, weil wir es lieben — die Liebe ist ja die erste Quelle jeglichen Glaubens; sondern auch darum, weil wir unser Volk, seine Gaben, seine Vergangenheit und sein immanentes Schicksal kennen — die unmittelbare Erfahrung ist ja die zweite Quelle jeglichen Glaubens ...

Alles vergeht. Es gibt in der Geschichte nichts von ewiger Dauer; auch keine ewigen Revolutionen und keine ewigen Diktaturen. "Die Stärke des Staates beruht auf den großen Männern, die ihm zur rechten Stunde geboren werden", sagte Friedrich der Große. Diese rechte Stunde wird einmal auch für Rußland schlagen.

In fester Zuversicht harren wir ihrer. Die Seele eines Volkes wird durch Leiden geläutert — zu neuer Evidenz und neuer Tat.

Bonum quod est supprimitur, nunquam extinguitur.

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