Q.htm

detopische-Serie:
die ostkultur 

heute:

Die 

Hammer=Rehwü

Die halb-politische Lach-Orgie ("Revue")
aus der DDR 1982 und 1983 

ca. 50 Aufführungen

 

Legendär war die politische Wirkung der immer wieder variierten Hammer=Rehwü von Steffen Mensching, Hans-Eckardt Wenzel und anderen seit 1982, die nicht unwesentlich zur Ermutigung zu Kritik in der DDR beigetragen hat. Sie kombinierte Folk, Lyrik und Slapstick.  

 

Am 30.8.2007 fand eine kleine Feier zum 25-jährigen der Hammer=Rehwü statt. Es lief die DVD von der Aufführung 1982 und einige Veteranen gaben sich die Ehre.  =>  hdjt.org  

 

 

 

 

Video 1982 Berlin  10min 

 

Audio 1983 Chemnitz  
Mitschnitt mit "Minett" - Publikum von TH-KMS, meist Studenten -- Ort: Hörsaal Elisenstr. (früher ein Kino) Das wäre die letzte Aufführung der Hammer=Rehwü, wurde gesagt.

Audio 1993 Potsdam  Tribute-CD

 


Web:

Google HR   Amazon HR 

wikipedia Revue   Erwähnung!


 

detopia:

Q.htm     Pankow 

Pannach   Wildemann   Stuhler  

Körbel    Wacholder   Monty Python


Die Veteranen heute im Web: 

wacholder.de  

wikipedia Wacholder  

ostmusik.de/interview_wacholder_2008.htm  

scarlett-o.de  

nebelhornagentur.de  Stefan Körbel 

wenzel-im-netz.de  

wikipedia Duo_Sonnenschirm  Beckert  

sechzig-vierzig.de/  Verein zu Bewahrung....

sechzig-vierzig.de--folk.htm   

Zeittafel - Die Entwicklung der DDR-Folkszene   

 

 

 

 

buschfunk.com     buschfunk.shopstudio.de/cgi-bin/buschfunk/08602.html 

Musikspektakel aus dem Jahre 1982 - hier als Wiederaufführung von 1993. "Karls Enkel" (u.a. Wenzel & Mensching) und "Walcholder" wie immer subversiv, intelligent und kabarettistisch und zwischen allen Genrevorstellungen: Kabarett? Gauklerei? Folkmusik? Liedprogramm? - Revue- als eingreifendes Mittel trifft es es da schon halbwegs. 


Die Hammer=Rewüh war eine Gemeinschaftsproduktion des Liedertheaters Karls Enkel, der Folkgruppe Wacholder und des Duos Beckert/Schulz, die 1982/1983 durch die DDR tourte. 44mal kam die Polit-Revue auf ostdeutsche Bühnen. Das skurrile Spektakel, das Klischees aller Couleur persiflierte und Wachsein und Widerstand im DDR-Alltag beschwor, wurde einerseits bei offiziellen Veranstaltungen wie dem Festival des Politischen Liedes und der Leistungsschau der DDR-Unterhaltungskunst aufgeführt, erregte aber andererseits großes Misstrauen bei Kulturfunktionären in der Provinz und wurde in Cottbus zeitweilig sogar verboten. Am 30.08.07 jährt sich zum 25. Mal die Premiere der Hammer=Rehwü.

Steffen Mensching (Akteur der Hammer=Rehwü):

"Das Liedertheater Karls Enkel hatte sich nach ersten Produktionen mit eigenen Texten ab 1979 in Programme mit Texten von toten Dichtern wie Erich Mühsam, Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Kramer oder Johannes R. Becher geflüchtet. Die Hammer=Rehwü war 1982 der Versuch, wieder mit eigenen Texten auf die die soziale und politische Situation der DDR direkt einzugehen. Auch wollten wir eigene Erfahrungen ausbauen und andere ästhetische, musikalische und textliche Einflüsse zulassen. Hierfür brauchten wir mehr Leute. So kam es dann zu diesem Projekt Hammer=Rehwüh, das eine Fusion aus Leuten war, die aus verschiedenen musikalischen und darstellerischen Ecken kamen."


 

Weltbühne 26/1983 von Jürgen Schebera

Das Berliner Liedertheater „Karls Enkel" hat sich mit der Gruppe „Wacholder" und den beiden Liedermachern Dieter Beckert und Karl-Heinz Schulz zusammengetan, herausgekommen ist die „Hammer-Rehwü". Die vor Beginn laufende Tonbandmusik stimmt auf das Kommende ein: von (heute unerträglichen) Schlageraufnahmen der fünfziger Jahre bis zu Blasmusik-Adaptionen Eislerscher Kampflieder ist der Bogen gespannt. 

Dann aber geht's los! Schon der Einzug der insgesamt 14 Sänger und Musiker weckt helle Begeisterung im Saal; Kostüm und Maske, Gestus und Bewegung der Musikalkomödianten versprechen ein großes Spektakel. Voran Steffen Mensching als irrwitziger Dirigent, danach Hans-Eckardt Wenzel im Clownskostüm (die beiden „Enkel"-Chefs sind Hauptakteure des Abends), gefolgt von einem vertrottelten Operettengeneral, einem feuchtfröhlichen Seemann, einem Geiger im Einstein-Look, einer kessen „Dame", einem Mädchen in Chaplin-Verkleidung - kurz: jeder ist in die Haut eines ganz bestimmten Typs geschlüpft und spielt diesen Typ konsequent und mit großer Spannung den ganzen Abend über durch. 

Jeder der Beteiligten spielt mehrere Instrumente. Diese musikalische Solidität, das Können der Spieler, ist gewissermaßen das Fundament der Revue. Und da die Leute auch noch alle singen können (übrigens ohne jedes Mikrofon, ohne Hallanlagen und andere elektronische Stützen!), hebt sich der Abend kräftig von anderen Unterhaltungen hierzulande ab. 

Ich habe insgesamt 38 musikalische, pantomimische und szenische Nummern gezählt. Da mischen sich Parodien und Travestien auf verschiedene Genres der musikalischen Unterhaltung (vom alten UFA-Tonfilmschlager über die beliebte Seemannsschnulze bis zur Pseudofolklore) mit poetischen und kessen Liedern über unsere Gegenwart (Städteballaden über Weimar, Berlin, Halle-Neustadt; Liebeslieder und nachdenkliche Reflexionen). Da stehen große, aufrüttelnde politische Lieder und Szenen im Raum, dass es einem den Atem verschlägt.

...Ich kannte bereits die großartigen Literatur-Musik-Programme von „Karls Enkel" (Erich Mühsam, Goethe, Theodor Kramer gewidmet). Dass man anspruchsvolle Themen und große politische Dimension auch in die Unterhaltung einbringen kann - ohne dass das Gaudi dabei zu kurz kommen muss -‚ zeigt nunmehr dieser Abend. 

Als ich den Saal verließ, meinte ein junger Mann zu seiner Freundin: "Mann, war das ein Hammer!".  # #  


 

 

 

 

 

 

deutsche-mugge.de/index.html?rauchzeichen/wacholder/wacholder.htm 

Scarlett:  

In der DDR war man ja von den Bezirken als Musiker zugelassen. Und die Bezirke konnten auch ihre Zulassungen wieder zurückziehen, einen Künstler oder ein Stück verbieten. Nun war es bei der Hammer Rehwü so, dass die Musiker aus vier Bezirken kamen. Die Enkel aus Berlin, Beckert / Schulz aus Dresden und wir aus Cottbus. Dazu ein Potsdamer. Das ganze Programm war von hoher Stelle, vom Komitee für Unterhaltungskunst, abgesegnet. Wir durften sogar Plakate für die Tournee drucken lassen. Dafür sind wir brav von Pontius zu Pilatus gelaufen und hatten am Ende ein Papierkontingent und die Genehmigung für den Druck. Aber auch das hatte noch nicht viel zu sagen. Denn es gab an allen möglichen Stellen ein paar ehrgeizige Menschen, die zwar offiziell mit der Kultur zu tun hatten, aber völlig ahnungslos waren. Und die konnten gewaltigen Ärger verbreiten. Eines Tages, nachdem die Hammer Rehwü schon eine ganze Weile erfolgreich lief und Presse, Funk und Fernsehen sie lobend zur Kenntnis genommen hatten, traf uns unvermittelt das System. Im Ernst! Die Hammer Rehwü wurde in allen möglichen Zeitungen und Zeitschriften in langen Beiträgen gefeiert. Im Radio war wohl auch bereits etwas gelaufen. 

Da wurde wegen dieses Programms die Gruppe Wacholder mit Auftrittsverbot belegt.

In Cottbus saß im Publikum die Direktorin der Cottbuser Konzert- und Gastspieldirektion, beinah hätte ich KGB statt KGD gesagt... Jedenfalls saß eine dieser örtlichen Kulturgewaltigen mit ein paar unauffälligen Herren in der Aufführung und schrieb die ganze Zeit irgendetwas mit. Ganz offensichtlich missfiel ihr das Programm, aber da kam sie insgesamt nicht ran. Sie konnte nur die Cottbuser Akteure maßregeln. Und diese Chance nutze sie gründlich. Am Tag nach diesem Auftritt standen ein paar Herren vor der Tür, und befehligten die Wacholderleute zum Rat des Bezirkes zum Staatsanwalt. So trabten Kies und ich da hin - die anderen waren nicht in Cottbus und daher nicht so schnell greifbar - und wurden richtig in die Mangel genommen. 

An Hand von fünf Zeilen aus dem gesamten Programm bewies man uns staatsfeindliche Hetze gegen die DDR und den offenen Aufruf zum bewaffneten Widerstand gegen die Staatsgewalt. Wir haben uns schon in der Minna auf dem Weg nach Bautzen gesehen… Aufruf zum bewaffneten Widerstand hätte da wohl mehr als genügt. Nach 1 ½ Stunden entzog man Wacholder mit sofortiger Wirkung die Berufsausweise und uns wurde DDR-weit verboten, Konzerte aufzuführen. Dazu gab es die Zusage, man würde uns bei der anderweitigen Berufssuche behilflich sein. Damit waren wir entlassen. (Scarlett schweigt, um dann unter Lachen fortzufahren. Es ist, als erlebe sie diese Episode gerade noch einmal, jedoch dieses mal als Betrachter statt als Betroffene.) 

Kies und ich, wir haben uns vor der Tür angesehen und ohne Worte gefragt, wie geht es denn jetzt weiter? Was machen wir denn nun? Das kam dermaßen unvermittelt… Und wir waren jetzt Staatsfeinde…! Damit war zunächst die Hammer Rehwü, für die es ja eine volle Tour mit noch 20 Muggen oder so gab, gecancelt und Wacholder war eigentlich auf Lebenszeit und für überall verboten. Irgendwann haben wir uns dann ein wenig eingekriegt und haben erst mal losgerackert. Die Kollegen informieren. Gar nicht so einfach ohne Telefon. Es hatte ja nicht jeder eins. Dafür mit Fernschreiben und Telegrammen und über Freunde, die man erreichen konnte. Jedenfalls haben wir Almut, Ko und den Geier informiert, dass sie ihre Pappen abzugeben haben - unsere hat der Staatsanwalt behalten - und jetzt arbeitslos seien. 

Dazu haben wir Wenzel informiert, dass die Hammer Rehwü nicht laufen kann, weil wir verboten sind. Und dann haben wir alle, die wir kannten und die eventuell was bewegen konnten, in Bewegung gesetzt. Wir haben den Zentralrat der FDJ in Berlin, die Akademie der Künste, unsere Gesangslehrer, bekannte Dozenten an den Musikhochschulen, eben jeden, den wir erreichen konnten und von dem wir uns Hilfe und Ideen versprochen haben, angerufen. Die konnten zwar nicht sofort etwas tun, aber wir hatten doch Glück. Denn am nächsten Tag gab es eine große Konferenz der Chefs der Räte der Bezirke mit dem Kulturminister in Berlin. Das wusste man beim Zentralrat FDJ, wo ja nicht nur sture Funktionäre, sondern durchaus ein paar vernünftige Leute saßen. Einer von denen, die wir angerufen hatten, bestellte uns nach Berlin zum Zentralrat. Man wolle versuchen, den Minister wegen des Vorgangs am Rande dieser Konferenz direkt anzusprechen. Wir sollten unbedingt dabei sein. 

Also haben wir alles, was wir an Unterlagen finden konnten, zusammengesucht, sind nach Berlin gefahren, haben einen großen eigenen Bericht verfasst. Den bestätigten die Leute vom Zentralrat und wir sind zusammen zum Minister marschiert. Er hat unser Schreiben auch bekommen und in einer Pause, wir waren da schon wieder weg, wohl den Cottbuser Kumpel antreten lassen und ihn gefragt: "Was ist denn bei euch in Cottbus los? Ihr könnt doch nicht ein Projekt verbieten, das von ganz oben genehmigt ist. Merkt ihr nichts?" Der Cottbuser wurde verdonnert, die Tour zur Hammer Rehwü sofort wieder in Gang zu bringen, und sich die nächste Aufführung persönlich anzusehen. Das geschah natürlich. So saßen, ich glaube in Frankfurt/Oder war das, die Cottbuser Kulturfunktionäre geschlossen im Publikum und bildeten sich eine eigene Meinung (lacht).

Vorher hatte das ja nur diese Lise mit ihren zwei Vertrauten allein gesehen. Wir wurden dann ein paar Wochen später wieder zum Rat des Bezirkes Cottbus bestellt. Es dauerte wieder 1 ½ Stunden. Nur dieses Mal wurden wir nicht verboten, sondern es wurde uns verkündet, wie proletarisch fortschrittlich… und… Mission der Arbeiterklasse… und… bla, bla…, wie toll doch die Hammer Rehwü ist. Was sie allerdings nicht gemacht haben, ein Rundschreiben an alle Bezirke zu senden, dass wir wieder spielen dürfen. Wir hatten dadurch auch immer mal wieder Probleme. Weil einzelne Veranstalter die Information zum aufgehobenen Verbot einfach nicht schriftlich hatten. Es kam immer mal wieder: "Ich denk ihr seid verboten? Wir dürfen euch doch nicht engagieren." Und schon deshalb sind wir ein Jahr später groß und offiziell beim Festival des politischen Liedes aufgetreten. Das war sozusagen unsere öffentliche Rehabilitation. 

Und zudem gab es den Kunstpreis der FDJ und damit viel lobende PR. Aber diese Tante, die sich vielleicht profilieren wollte, übrigens die Frau des Chefs der Cottbuser MfS-Stelle, und was sich aus den Verbot für ein paar Tage entwickelte, hat uns beruflich lange durchaus geschadet. Und dabei hatten wir noch Glück. Wenn man an den bewaffneten Widerstand denkt. (lacht). Wer weiss? Vielleicht war die Dame auch die, die dafür sorgte, dass wir immer brav zu Hause bleiben durften. Bei den Anfragen nach Wacholder aus dem Westen wurde immer mal der Oktoberclub als Ersatz geschickt. Wacholder hatte offiziell nie Zeit für Auslandsgastspiele und so sind wir erst drei Monate vor dem Mauerfall mal bis nach Selb in Bayern… Nee, halt (lacht), das darf man nicht sagen! Also nach Franken, für eine Mugge gekommen. Andererseits hat sie uns so auch eine gehörige Aufmerksamkeit beschert. Denn die Szene verfolgte das Hick-Hack schon sehr genau.

 

 

 


 

Olf, 2009:  Erinnerungen an Chemnitz 1983 

Man muß auch die Zeit beachten. Wenn man sich zurückerinnert. Etwa Krimizeit fand ich damals ganz stark. Warum? Das war punkig. Das schrille outfit der Maske. Die Musik und der typische Sprechgesang. Punk war 1982 in der DDR der letzte (neueste) Schrei. Und, bleiben wir bei diesem Lied. Das wurde ja auch 'gespielt'. "Keine Mätzchen, mein Schätzchen' - das war ein richtiger Schocker. Man hatte kurz Angst. Und dann die ungewohnte orientalische Intro-Musik. Das war 'anders'. 

"Aber die Verhältnisse - die sind nicht so." - Das war politisch schon über die Grenze des Erlaubten hinaus. Das war stark. Ebenso: "Ich möchte wieder vom Glücke gesunden."

Und ich begreife erst nach und nach die Anspielungen und Zitate. Erst kürzlich habe ich Schuberts Leiermann das erste Mal original gehört. Und auch "Der Mond ist aufgegangen" - kannte ich damals noch nicht. (Daher singe ich heute noch: "....der GELBE Nebel wunderbar."

Ich muß auch sagen, ich war ganz schön überfordert. nach 3 Jahren in Eggesin, dann das. Die frechen politischen Aussagen allein hätte ich ja noch verkraftet, danach suchte ich; aber dieses Feuerwerk auch Klamauk, guter Musik (duften Melodien, ein richtiges Schlagzeug), farbigen Kostümen, schönen Frauen, und und und. Das war ziemlich viel; sehr heftig. Etwas kleiner hätte mir auch gut getan; etwas langweiliger.  

Vorher sah ich am selben Ort Wacholder und Krawzyck. Das war ruhiger, langsamer. Auch die Musik war natürlich nicht so präsent, orchestral.

Kießling hat bei dem Rocker-Lied mehrmals mit einem Art Stock auf die Erde geschlagen, der dabei zersplitterte. Echt rockig. Man dachte immer: Gleich passiert ein Unglück. 

 


 

 

 

 

 

 

 

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