Manès Sperber

 

Wie eine Träne im Ozean

Trilogie: 
Der verbrannte Dornbusch
Tiefer als der Abgrund
Die verlorene Bucht

 

     Sperber Start

1950-1955

 

 

 

Vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte der Jahre 1931 bis 1945 schildert die Trilogie von Manès Sperber den Niedergang der kommunistischen Widerstandsbewegung und erörtert die Stellung des Einzelnen zum totalitären Staat. Der autobiografische Schlüsselroman ist zugleich ein Abgesang auf die humanistischen Ideale der Menschheit und den Untergang des jüdischen Volkes. 

Entstehung: 

Das Werk, dessen Niederschrift Sperbers Bruch mit der kommunistischen Partei vorausgegangen war, beruht in weiten Teilen auf autobiografischen Erlebnissen: Seit 1927 Mitglied der KP, im Exil Funktionär der Komintern war Sperber nach 1933 u. a. für den Widerstand in Österreich und Jugoslawien aktiv. Vor diesem Erfahrungshintergrund dokumentiert die Trilogie die Geschichte der kommunistischen Widerstandsbewegung zwischen 1931 und 1945. In Form eines Rechenschaftsberichts schildert Sperber, wie Machtkämpfe, Verrat und Missgunst in den eigenen Reihen den Kampf gegen die Faschisten zunehmend aussichtsloser machen; das Scheitern der desillusionierten Widerstandskämpfer wird unabwendbar, als sie im Zuge der sowjetischen Säuberungsaktionen und des deutsch-russischen Nichtangriffspakts selbst Opfer und Verfolgte des Stalinismus werden.

Inhalt: Der verbrannte Dornbusch, der erste Teil der Trilogie, schildert das Schicksal einer von Verrat und inneren Querelen zerrütteten Partisanengruppe in Dalmatien, die der intellektuelle Funktionär Dojno Faber, Protagonist der drei Romane und Sperbers alter ego, auf die Parteilinie einschwören soll. Über Österreich gelangt Faber zurück nach Deutschland, wo er ins KZ verschleppt wird, jedoch durch Fürsprache seines Lehrers und Mentors Stetten in die Tschechoslowakei emigrieren kann. In Prag erfährt Faber, bis dahin Verfechter eines humanen Sozialismus, vom politischen Umschwung in der UdSSR und den stalinistischen Säuberungen unter Parteigenossen. Enttäuscht und erschüttert zieht sich Faber von der Partei zurück.

Zu Beginn des zweiten Teils, Tiefer der Abgrund, versucht Faber, mittlerweile in Paris, das Erlebte mithilfe seines Freundes Stetten intellektuell zu verarbeiten. Die politische Abwärtsentwicklung Europas bis zum Kriegsausbruch steigert Fabers Agonie und Resignation. Er meldet sich als Freiwilliger zur französischen Armee, wird aber nach dem Fall Frankreichs aufs Land verschlagen, wo er im Untergrund lebt und als Betreuer eines Waisenjungen neue Hoffnung schöpft.
Der letzte Teil, Die verlorene Bucht, führt Faber wieder nach Jugoslawien, wo sich sein Schicksal vollendet: Ehemalige Parteifreunde bewegen ihn, sich einer Partisaneneinheit anzuschließen. Von einem Parteigenossen verraten, wird die Gruppe von kommunistischen Widerstandskämpfern niedergemacht; Faber wird im letzten Augenblick gerettet und kann – gleichsam um der Nachwelt Rechenschaft zu geben – ins Ausland entkommen.

Wirkung: 

Der Trilogie blieb lange die ihr gebührende, vorurteilsfreie Aufmerksamkeit versagt. Das eindringliche Plädoyer des Autors für einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz und seine kritische, vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Parteikommunismus stieß in der Adenauer-Ära auf Ablehnung: Rechte Kreise sahen ihre Vorurteile über das »Reich des Bösen« bekräftigt; große Teile der Linken empfanden die Darstellung von Sperber als Nestbeschmutzung eines Renegaten.

 

Buch der 1000 Bücher 

 

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