2009  - Das neue Buch von Michael Dullau   - 

2009  pdf 

Michael Dullau

Grenzland

Roman 

Auszug mit freundl. Genehmigung des Autors für Detopia

 

2005 by pro literatur Verlag Robert Mayer-Scholz

Michael Dullau :  Grenz-Land  (2005)  Roman 

  

2005  (*1967)

160 Seiten Paperback 

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pro-literatur.de  Verlag

 

detopia: 

D.htm   Aschebuch  

Rezension 

L.Dettmann.2006

 

Der Autor

Michael Dullau, geboren 1967 in Merseburg, beschäftigt sich seit mehreren Jahren als Autor mit der Aufarbeitung der Geschehnisse an der deutsch-deutschen Grenze. Von 1987 bis 1989 war er selbst Wehrdienstpflichtiger bei den DDR-Grenztruppen.

Im Jahr 2005 wurde sein viel beachteter und mittlerweile in der 3. Auflage erschienene Debütroman »Grenzland« veröffentlicht, der vom Alltag an der einstigen Grenze erzählt und einen Einblick in das Leben der DDR-Grenzsoldaten gewährt. Michael Dullau ist heute als freiberuflicher Medien­produktioner, Lektor und Autor tätig. 


Kurzbeschreibung "Trimborns Plan" 

1988 – ein Jahr vor Öffnung der Grenzen: Oberst Trimborn, Leiter einer Fahndungsgruppe im Ministerium für Staatssicherheit der DDR, erfährt, dass er nicht mehr lange zu leben hat, und fasst daraufhin einen perfiden Plan. Der Gefreite Kluth, Grenzsoldat einer Thüringer Grenzkompanie war bisher ein unauffälliger Soldat, doch dann zwingt ihn ein dramatischer Vorfall zum Äußersten. Major Lüders dagegen plant mit allen Mitteln seine nächste Beförderung. Und niemand ahnt, welche Pläne Oberleutnant Viereck verfolgt.

Der Roman „Trimborns Plan“ verknüpft die Geschichte des Oberst mit der dramatischen Fahnenflucht eines Gefreiten der DDR-Grenztruppen und stellt damit ein bislang kaum behandeltes Kapitel deutsch-deutscher Zeitgeschichte dar.

„So möchte man deutsch-deutsche Zeitgeschichte lesen – verpackt in einen spannenden Roman.“
Deutsches Kuratorium zur Förderung von Wissenschaft, Bildung und Kultur e.V.  


Der Roman »Grenzland« erzählt vom Alltag an der ehemaligen innerdeutschen Grenze und gewährt einen unverfälschten Blick in das Leben der DDR-Grenzsoldaten. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwölf Protagonisten, die innerhalb von 24 Stunden Zeugnis über ihr Denken und Handeln ablegen. Den historischen Rahmen des Romans bilden der 7. und 8. September 1987, der erste und zweite Tag des ersten Honecker-Besuches in der Bundesrepublik Deutschland.

Das Buch beruht auf Aufzeichnungen, die der Autor während seiner anderthalbjährigen Dienstzeit (1987-1989) als Wehrpflichtiger in den Grenztruppen der ehemaligen DDR gemacht hat. Die Geschichte, die in einer Grenzkompanie im thüringischen Eichsfeld spielt, basiert auf einem tatsächlichen Grenzzwischenfall. Jedoch sind Personen, Namen und Orte verfremdet.

Nach dem der Roman »Grenzland« im Januar 2005 erschienen ist, wurde das Buch von vielen Grenzmuseen, Gedenkstätten und Dokumentationszentren in deren Museums- bzw. Dokumentations­repertoire aufgenommen und zum Verkauf ausgelegt. Wegen der großen Nachfrage konnte im Juni 2005 eine neue, 2. überarbeitete Auflage herausgegeben werden.

Die 2. Auflage des Romans »Grenzland« wurde um ein Glossar mit DDR-spezifischen Begriffen und Personen erweitert und umfasst jetzt 160 Seiten.


 

Inhalt Grenzland

 

Kapitel »Eins« erzählt die Geschichte des Hauptmanns Hartmut Rogalla, Kompaniechef einer Grenzkompanie, dem aufgrund eines Missgeschickes die Beförderung verweigert wurde.

In Kapitel »Zwei« wird die Geschichte des Gefreiten Jan Portmanns erzählt, der von seinem Posten als Fahrer des Kompaniechefs enthoben wird und sich zudem unglücklich verliebt hat.

Kapitel »Drei« erzählt die Lebensgeschichte des ehrgeizigen stellvertretenden Kompaniechefs Frank Wuttke und dessen Frau Frederike.

In Kapitel »Vier« steht die Geschichte des westdeutschen Versicherungsvertreters Matthias Fissler im Mittelpunkt, der sich zu einem Abenteuer mit ungeahnten Folgen hinreißen lässt.

In Kapitel »Fünf« wird aus dem Alltag des in der Ausbildung stehenden Rekruten Robert Hanke sowie dessen Beziehung zu seiner Freundin Sabine erzählt.

Kapitel »Sechs« verfolgt die Lebensgeschichte des Bäckers Heinrich Schwalm und dessen Frau Anna über ein halbes Jahrhundert hinweg.

Kapitel »Sieben« stellt Unterleutnant Ralf Droemer vor, der für seinen Traum einen hohen Preis zahlen muss sowie dessen Adjutanten, den Gefreiten Udo Rott.

Kapitel »Acht« beleuchtet die Leidenschaften des MfS-Offiziers Dieter Patschinski.

In Kapitel »Neun« kreuzen sich die Wege der Protagonisten während eines Zwischenfalls an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Im letzten Kapitel, unter der Rubrik »Nach dem Ende«, wird der Lebensweg der zwölf Protagonisten nach der Grenzöffnung nachgezeichnet.

 


*

 

Unterleutnant Droemer war, seinen körperlichen, geistigen und sozialen Fähigkeiten nach, nicht fürs Militär geeignet. Er besaß einen schwammigen, gut fünfzehn Kilo Übergewicht tragenden Körper, er kam selbst auf kurzen Distanzen schnell außer Atem, er trug eine Brille, die fünf Dioptrien überschritten hatte – und er verfügte über einen IQ von 138. Außerdem mochte er keinen Alkohol, enthielt sich zotiger Gespräche und war als schwul verrufen.

Weshalb Droemer sich dennoch als Offizier auf Zeit bei den Grenztruppen verpflichtet hatte, erklärte die Praxis der Studienplatzvergabe in der Deutschen Demokratischen Republik.

»Tja, Herr Droemer -«, sagte der Offizier des Wehrkreiskommandos im Rang eines Majors beim Musterungsgespräch, »wenn Sie ein Medizinstudium auf Kosten unseres Arbeiter- und Bauernstaates absolvieren wollen, dann müssen Sie auch etwas für Ihr Vaterland tun!«

Der Major zündete sich eine Cabinett an.

»Ein Medizinstudium ist schließlich nicht irgendetwas! Haben Sie eine Vorstellung, was ein solches Studium unseren Staat kostet?«

Noch ehe Droemer die Antwort geben konnte, gab sie der Major. »Nein? Dann werde ich Ihnen das mal vorrechnen: Das erste Studienjahr kostet so viel wie ein nagelneuer Trabant, im zweiten steigt der Gegenwert auf den Preis eines Wartburgs, im dritten auf den eines Ladas, im vierten auf den eines Moskwitschs, im fünften ist Ihr Studium bereits so teuer wie ein Wolga, und im sechsten Studienjahr haben Sie den Preis eines Tatras erreicht. Und wenn Sie Ihren Facharzt gemacht haben, hat das unseren Staat gut und gerne einen Volvo gekostet – NSW-Preis versteht sich.«

Der Major legte eine Pause ein und rauchte.

»Ich mache Ihnen ein Angebot, Herr Droemer: Wie stehen Sie dazu, mit der Waffe in der Hand unsere Staatsgrenze zu verteidigen? Für vier Jahre – als Offizier auf Zeit. Das wäre eine angemessene Gegenleistung für Ihr Medizinstudium.«

»Ich benötige Bedenkzeit«, sagte Droemer.

»Ich geben Ihnen genau eine Woche.«

»Was passiert, wenn ich ablehne?«

Der Major lachte.

»Junger Mann – das steht Ihnen vollkommen frei! Allerdings werden Sie dann nicht über eine Ausbildung zum Krankenpfleger hinauskommen.«

 

*

 

Unterleutnant Droemer war zur Menschenjagd ausgebildet worden. Aber nicht mit Handkante, Messer, Pistole oder Maschinengewehr, sondern auf einem Turm voller Sicherheitstechnik – der sogenannten Führungsstelle.

Die Führungsstelle war das Nervenzentrum eines jeden Grenzabschnittes. Der neun Meter hohe Wachturm aus Beton trug drei Etagen und besaß im oberen Drittel eine mit Spiegelglas verkleidete Fensterfront. Auf dem Dach thronte ein 3.000-Watt-Suchscheinwerfer. Zur Sicherung waren Signaldrähte um die Führungsstelle gespannt, die bei Berührung Signalraketen auslösten.

Von diesem Turm aus überwachte der Kommandeur des Grenzsicherungsabschnittes, der im Zwölf-Stunden-Rhythmus seinen Dienst tat, einen circa fünfzehn Kilometer langen und einen Kilometer breiten Abschnitt der Staatsgrenze. Dafür standen ihm im Regelfall eine Grenzkompanie mit circa einhundert Soldaten, zehn Einsatzfahrzeuge und fünf speziell für den Grenzdienst ausgebildete Wachhunde sowie eine rückwärtige Kompanie in Bereitschaft zur Verfügung.

 

*

Auszug aus: Michael Dullau :  Grenzland 

 

 

 

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