deto 

Das gute Aschebuch 

Asche-Fahne-NVA

 

 

 Torgelow-Spechtberg zu Ostzeiten, links "PR22" ("Soja") rechts "PR21" ("Empacher")

 

 

 

Autoren

Awiszus (2002)  Bender (1999)  Brumme (1997)  Burmeister-Film (2002)    Dettmann (2006)  Dullau (2005) 

Eisenfeld (1991, 2011) Engelmann (2000)  Erler-Film (2003)  Ewald (2000)  Fleming  (2005)   Jürgen Fuchs (1984, 1988)   Grashoff (2006)  Grünitz (2001)

Handbuch-Militärverlag (1983)  Haußmann (2005)   Jansen (2004)   Kalinke (2001)    Koop (ab 1993)   Kuschel (2003)  Möller (2000)   Müller (2003)

Ritschel (1990)  Rogg (2008)   Sabrow (2007)  Schütze (1999)  Steinacker (1999)  Steinbach (2001)  Strehlow (1997)  Turlach (2002)

Wachtel (1991)   Waehner (2006)   Wolle (2001)  Wolter (2005)   Wüstefeld (1990)   Zaunstöck (2008)   Zerbst  (1999)  

 

Außerdem/früher:   Ditfurth    Gruhl    Jünger    Kasser    Remarque 

 

 

 

 

 

Der "Park"

 

 

 

Der "Park" im Winter

 

 

Prora 

So bleibt uns nur von 40 Jahren NVA-Prora das einfache und klare Foto  von der Webseite des Proramuseums und das wohl Ex-"Ausbildung" (Training) auf dem Kompanieflur zeigt. Vielleicht sogar "Strafexerzieren". Vielleicht reicht das auch? 

 

Prora Gang

Prora Block

Vorwort

Allen Autoren, Heraus­gebern und Rechte­verwaltern - insbesondere jenen, mit denen ich im Kontakt war oder bin - danke ich für ihre wichtige Aufklärung - die jetzt einigermaßen gründlich erledigt scheint. 

Natürlich geht es immer weiter - noch heute erscheinen neue Tagebücher, neue Frontbriefe aus dem 1. Weltkrieg - und aus dem 2. sowieso. 

So wie im Bild kann auch das "Sprutzdenkmal" sein. Vielleicht mit (geschulterter?) NVA-Bohnerkeule. Aber auch nicht zu sehr verharmlosend-humoristisch, nicht digedagmäßig. Vielleicht ein herrschsüchtiger EK daneben und eine erklärende Tafel.

 

08/2009:   Ich war mal in Prora, das erste Mal seit 1978, dem Tag meiner 'Versetzung' aus der Uffz-Schule in die 'Truppe' nach Torgelow-Eggesin (Panzerregiment 22). Prora sieht noch so aus wie immer bzw wie es aussehen muß - es wäre ja ein Wunder (und gar nicht richtig), wenn es gerade dort keinerlei 'Vandalismus' gegeben hätte. Auf jeden Fall sieht es ganz anders aus, als auf offiziellen Fotos.  

Video Prora Ankunft  (2009)


ZDF 2018:

presseportal.zdf.de  -- die-sieben-geheimnisse-der-nva-in-zdfinfo/seite/3/  

youtube.com/watch?v=LZtZb4i5MXI   

presseportal.de/pm/105413/4126997  


Wikipedia:

Entlassungskandidat 

Bausoldat

NVA

DDR-Sprache  

Soldatensprache_der_NVA 


Web:

NVA-Struktur.de 

nva-soldaten.de  

Erinnerungsseite Torgelow 

Google.Asche  

Bing.Asche

Amazon.NVA  

kotsch88 de / pr-21.htm  Spechtberg

mts-prora.piranho.de /TUS/ MeineDienstzeit  Prora 1974

kulturkunststatt.de/nva 

denk-mal-prora.de 

Proraer-Bausoldaten.de  


Schlagzeilen von früher

Asche, Fahne, NVA  - The Army of the GDR 

Die DDR-Armee  - Wehrpflicht, Wehrdienst, "Ehrendienst" 

Die Sicht von unten - Sprutz, EK und Schwedt 

Das Trauma NVA (falls es eines war)  - Bücher und Medien zur Auf- und Umarbeitung  

Der NVA-Jargon - Die Soldatensprache in der DDR


Aschefilme (wmv)

2001   Video Gefängnis in der NVA Joksch  

2002   Video Alltag in der NVA Burmeister 

2003   Video Dienen in der NVA 1.Kuschel  

2003   Video Dienen in der NVA 2. Erler 

2004   Video Bausoldaten in der NVA  


 

 

 

 

Aschebücher nach Erscheinungsjahr 

1984    Fuchs - Fassonschnitt   

1988    Fuchs - Feigheit 

1990    Ritschel - Jahre  #   Wüstefeld - Schutzmaske 

1991    Wachtel - Schwedt

1997    Brumme - 1000 Tage  #  Strehlow - Flucht

1999    Bender - 542 Tage  #  Schütze - Torgelow  #   Andreas Zerbst  #   Steinacker - Sprache  #

2000   Möller - Soldatensprache  #  Ewald - Wachregiment  #    Engelmann 

2001   Grünitz  #  Kalinke  #  Steinbach  #  Joksch - Schwedtfilm  #  Wolle-Sowjetarmee  

2002   Burmeister - Alltagfilm  #  Awiszus  

2003   Müller - Uffze   #  Film: Kuschel-Dienen (1)  Erler-Dienen (2)  

2004   Jansen-Zeichnungen  #  Jancke-Grenze   #   Spaten-Dienen3 

2005   Wolter 1   #  Dullau 1  #  Haußmann  #  Fleming 

2006   Dettmann  #  Waehner   #  Grashoff - Suizid  #  Kranich - Bausoldaten  #

2007   Wolter 2  

2008   Rogg   

2009   Wolter 3   #  Dullau 2    

 

Aschebücher nach Erscheinungsjahr mit Bildern

1984-

1991 

Fassonschnit - Fuchs - 1984   -    Das Ende einer Feigheit (1988) von Jürgen Fuchs    1991  Delikt 220 - Bestimmungsort Schwedt - Gefängnistagebuch  (1991)  Von Stefan Wachtel       Ritschel 1990  -  Harte Jahre (1990)  Von Jürgen Ritschel - NVA 1962 Unteroffizier     

 

1996 -

1999

Schütze - Bolle        Uffz. Bodo Strehlow --        

 

2000

Engelmann   Ewald    Möller 2000

 

2001

Steinbach     Kalinke    Grünitz 2001   Kowalzcuk

 

2002-

2003

Müller            Awiszus 

 

2004-

2005

 Wolter    Jansen 2004   Dullau 2005    Haussmann 2005    Haussmann     Fleming 2005 Schwejk  

 

2006

Lutz Dettmann     Grasshoff 2006    Kranich 2006     Waehner 2006   

 

2007-

2009 

Wolter 2007     Rogg 2008    Dullau 2009    Wolter 2009

 

Sonstiges

           

 


Der einzig wahre Ascheroman - Kann es ihn geben? Soll es ihn geben?

Renatus Deckert (2004):

Das Trauma sitzt tief. Wie anders lässt es sich erklären, dass die Flut bunter Bilder aus der DDR die Armee ausspart? Warum nimmt sich kein Erzähler dieses Stoffes an? — Den einzig nennenswerten Roman über die NVA, der seit der Wende erschienen ist, hat Christoph D. Brumme mit  Tausend Tage geschrieben. Er erschien 1997, ohne auf große Resonanz zu stoßen. Erzählt wird von dem achtzehnjährigen Kian, der sich für drei Jahre verpflichtet und daran fast zerbricht. — Bedenkt man, dass seit Einführung der Wehrpflicht fast dreißig Jahrgänge ostdeutscher Männer nahezu komplett zur Armee eingezogen wurden, ist das erstaunlich wenig. Es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis dieses Thema von der Literatur wiederentdeckt wird.  

Renatus Deckert: Die innerste Zelle. Die Kasernenwelt der DDR wartet auf einen Erzähler
I
n: Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, 12/2004, Seite 1131-1135
online-merkur.de  


Rückblicke /  Bücher über allgemeine Militärgeschichte /  Der größere Zusammenhang 


"Die Freunde" / "Die ruhmreiche Sowjetarmee" /  Dedowschtschina - Die Herrschaft der Großväter 

 

2004: In der russischen Armee ist die E-Bewegung, "Dedowschina", ungebrochen. Über 1000 (junge) Soldaten sterben jedes Jahr (einschl. Unfällen) in der 1,2 Mio-Mann-Armee; 40.000 Deserteure jährlich; siehe: zdf.de / Auslandsjournal ; die "NVA" bzw. die "ruhmreiche Sowjetarmee" ist dort weiterhin (gräuliche) Realität. - 

Die E-Bewegung nahm jedenfalls nicht die erschreckenden Ausmaße an wie das "dedovšcina"-System in der Sowjetarmee, das offiziellen Angaben zufolge zwischen 1975 und 1990 zehntausenden jungen Soldaten des Leben gekostet hat.  (Henri Band)  

Brutale Rekrutenschinderei ist eines der Hauptprobleme des russischen und des sowjetischen Militärs. In der Truppe gelten in weiten Bereichen dieselben Regeln des Faustrechtes, wie unter Kriminellen in Straflagern. Den Quälereien fallen jährlich nach Angaben der Komitees der Soldatenmütter immer noch einige tausend Soldaten zum Opfer. Anfang der 90iger Jahre lag die Zahl bei bis zu 7.000 Toten jährlich. 


Lieder über die Asche? -  Die Asche im Liedgut?

1985 hat Gerhard Schöne die EK-Bewegung erwähnt, in seinem Lied   

Als mein gelber Wellensittich aus dem Fenster flog... 

Sonst war es ja immer so:

Ein böses Pionierlied  zum NVA-Thema  


Suizide und andere Todesfälle bei der Asche?  

An der Universität Leipzig wurde 2006 eine Promotionsarbeit von Udo Grashoff geschrieben - auch mit einer Abschätzung der Suizide in der NVA.

Der Umgang mit Selbsttötungen in der DDR 1949-1990    

In "Dienen 2" (MDR, Erler) wird gesagt: 1973-75: "417 tödliche Unfälle und 90 Suizide." -- Das kann man doch hochrechnen auf 30 Jahre.


Geld?

"1988 gingen 11% des Nationaleinkommens der DDR in die bewaffneten Organe."   (= 21 Milliarden Mark.)  Im Erler-Film (Dienen 2)

Zum Spiegel-Artikel 1999:  Die "100 Milliarden Westmark" (Schießgerät), die der Autor nennt, geben auch eine Vorstellung vom Ressourcenverbrauch - sowohl aus volkswirtschaftlicher als auch aus ökologischer Sicht. Dies ist nämlich auch noch ein interessanter Aspekt der Militär-DDR neben ihrem Gewalt­potential. Ebenfalls ist an die Luxus-Gehälter der Militärs zu erinnern. z.B. anhand der Stasi-Gehaltsliste. (2000 netto DDR-Mark im Monat waren "normal", 3000 M nicht selten.) 


Spiegel-Artikel 1999 über die "Gesamt-Waffen" in der DDR 

detopia-2003:

Auch der Flächenverbrauch war bedeutend: NVA/GT: 2770 km2 - "Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland" (GSSD) bzw. "Westgruppe der Truppen" (WGT): 2400 km2 - Ergo: 5 % der DDR-Fläche verbrauchte das Militär. - Nach dem Willen der komm. Führer hätte es dann darauf hinauslaufen sollen, daß 4-5 Millionen Arbeiter den ganzen Rest ernähren (einschließlich 'Russen' in der DDR) und einschließlich der doppelten und dreifachen Gehälter von Stasi/Militär/Parteiapparat...? - Der Leser vergegenwärtige sich nochmal die 'Betriebsmittel', die benötigt wurden - hunderttausende von Westmark, allein für 'Markus', um seine Agenten zu bezahlen; aber auch Geld für all die Panzer (-kopfhauben), Patronentaschen, MiG 21er, Instandsetzungswerke ...

 

Das Gewaltpotenzial des SED-Staates: eine Million Mann unter Waffen

Original: spiegel.de/spiegel/0,1518,45857,00.html   11.10.1999  

 

Friedrich Engels, 1841 Einjährig-Freiwilliger im Berliner "Garde-Fuß-Artillerie-Regiment", später der Bruder im Geiste des ungedienten Karl Marx, hat den Kommunisten in aller Welt viel Lesestoff hinterlassen, vor allem über die Macht der Gewehre. Deshalb hieß die Militärakademie der Nationalen Volksarmee der DDR nach dem Barmer Fabrikantensohn, es gab einen Friedrich-Engels-Preis für "Stärkung und Vervollkommnung der sozialistischen Landesverteidigung" und ein Friedrich-Engels-Wachregiment.

"Waffen sind Werkzeuge der Gewalt", hatte der Militärtheoretiker scharfsinnig erkannt. Seine ostdeutschen Enkel zogen daraus den dialektischen Schluss, dass Waffen deshalb auf gar keinen Fall in die Hände des Volkes gehörten. Denn die "Diktatur des Proletariats" sei nur machbar, wenn die Partei die Gewehre kommandiere. Das sei die Machtfrage.

Die Machtfrage begleitete die DDR-Kommunisten wie der Mond den Wanderer im dunklen Tann. Schon am 30. April 1945, als die "Gruppe Ulbricht" aus Moskau in die sowjetisch besetzte Zone Deutschlands eingeflogen wurde, gab der KP-Remigrant den Seinen die Losung für den Verwaltungsaufbau aus: "Es muss demokratisch aussehen", befahl Walter Ulbricht, "aber wir müssen alles in der Hand haben."

Vom Tage Null im Mai 1945 bis zu Ultimo am 3. Oktober 1990, als die DDR aus der Geschichte verschwand, stand die Macht im Zentrum aller SED-Überlegungen. Die jeweilige Sicherheitsdoktrin überwucherte alle anderen Politikfelder – sie ruinierte die Wirtschaft, den demokratischen Zentralismus, Kultur- und Geistesleben, überzog das Land mit einem in Deutschland bisher nie da gewesenen Spitzelnetz und brachte am Ende zwei Rekorde zu Stande.

Auf dem vergleichsweise winzigen Territorium der DDR – 108.333 Quadratkilometer, das sind 0,02 Prozent der Erdoberfläche – standen mehr als eine Million Mann, jeder fünfte Erwachsene, mit dem Gewehr bei Fuß, der Machtfrage wegen. Nirgendwo in Europa drängelten sich so viele Schwerbewaffnete auf so engem Raum.

Dieser Rekord wird noch überboten durch das zweite Kuriosum: Die bitterarme DDR hinterließ der Bundesrepublik Deutschland in diversen Waffenkammern Schießgerät und Munition im Wert von rund 100 Milliarden Westmark.

Jahrelang plagten sich die Bonner Behörden mit der Reduktion dieser Altlasten – sie wurden verschrottet, zersägt, verschenkt, verkauft, umgerubelt, ausgeschlachtet oder, wie die legendären Jagdflugzeuge vom Typ MiG-29, in die Bundeswehr integriert. Den Bewaffneten der Ex-DDR blieben nur ein paar Pistolen für die Polizei; die staatsnahen Weidmänner mussten ihre Jagdwaffen abgeben.

Die Volkspolizei ("Vopo") der DDR, 90.000 Mann, hatte bereits Ende 1989 erkennen lassen, dass sie sich auf den west­deutschen Beamtenstatus (und die neuen Funkwagen) freute. Gegen das Versprechen der Weiterbeschäftigung, nunmehr fest auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, hielten die Vopos 1989/90 fein still, ließen sich auf der Straße kaum blicken, bereuten sogar ihre Prügelorgien in den Wochen vor der Maueröffnung und sammelten ohne Trara die Schießprügel der anderen "bewaffneten Organe" ein. Es gab viel zu tun. Als erste war die Stasi dran.

Das Ministerium für Staatssicherheit kommandierte der Armeegeneral und Waffennarr Erich Mielke, Jahrgang 1907. Er führte drei private Faustfeuerwaffen (alles Westimporte) und zwei Dutzend Büchsen für die Jagd. Die 92.000 Mann seiner Geheimpolizei waren bis an die Zähne bewaffnet, mit 124.503 Pistolen, 76.592 Maschinenpistolen, 3611 Scharf­schützen­gewehren, 449 leichten Maschinengewehren, 766 schweren Maschinengewehren, 3537 Panzerbüchsen, 342 Flugabwehr-Maschinengewehren, 48 Polizeiflinten und 3303 Leuchtpistolen. Bei der Stasi waren sogar die hauseigenen Küchen­frauen und Krankenschwestern bewaffnet.

Um die Stasi-Offiziere und ihre 172.000 Inoffiziellen Mitarbeiter (Stand: Oktober 1989) nicht zu reizen, sprach die Volkspolizei nicht von "Entwaffnung", sondern von "Abgabe" oder "Übergabe" der Waffen. Weil es nicht genug Kisten gab, wurde das Schießgerät in Decken abtransportiert. Für jeden Eventualfall hatte Mielkes geheime Armee einen Plan in der Schublade, nur ihre eigene Abschaffung war nicht bedacht worden.

Die "Liquidierung" hatte das MfS den Dissidenten zugedacht, also Personen mit einer "verfestigten feindlich-negativen Grundhaltung gegenüber der sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung". Für diese DDR-Bürger – insgesamt 10.726 namentlich erfasste Abweichler, ein jeder mit aktualisierter Personalkarte – waren "zeitweilige Isolierungsstützpunkte" vorbereitet, für jede der 211 DDR-MfS-Kreisdienststellen einer. Von dort wären die Regimegegner plangemäß in zentrale Internierungslager gebracht worden.

Die Unterbringung in diesen Konzentrationslagern sollte dazu dienen, "die personelle Basis der subversiven Tätigkeit des Feindes zu zerschlagen". Die Dokumente lassen Böses ahnen. In der kalten Sprache des Geheimdienstes wird erläutert, was für den Tag X mit den Internierten geplant war: "ihre Liquidierung/Ausschaltung auf besonderen Befehl ... wenn es die Lage erfordert".

Daraus wurde nichts, weil die Lage sich im Herbst 1989 rasch zu Ungunsten der Staatsgewalt veränderte. Die MfSler hatten Angst um ihren Arbeitsplatz, fürchteten sogar, gelyncht zu werden. Alle früheren Verbündeten – Polizei und Armee, Partei und Betriebs­kampfgruppen – suchten rasch Distanz zwischen sich und die Stasi zu bringen. Die paramilitärischen Verbände der Betriebs­kampfgruppen, insgesamt 202.000 Mann, lösten sich besonders schnell in Wohlgefallen auf.

Eigentlich, so hatte Erich Honecker 1983 im Berliner "Palast der Republik" bei einem Festakt zum 30-jährigen Bestehen der Betriebskampfgruppen getönt, habe "unsere Partei die Kampfgruppen ins Leben" gerufen und ständig "weiterentwickelt", weil "unsere Partei nach der Leninschen Erkenntnis handelt, dass nur diejenige Revolution etwas wert ist, die sich auch zu verteidigen versteht".

Deshalb hatte jeder Klassenkämpfer eine Pistole M(akarow) und eine MPi-K(alaschnikow) für die Abwehr der "Konter­revolutionäre" parat. Falls durch den Feind der Konflikt eskalieren würde, sollten die "Kampfgruppen der Arbeiter­klasse" ihr schweres Gerät – Panzergeschütze, Granatwerfer, Zwillingsflak – in Stellung bringen.

Gegen die friedlichen Demonstranten des Wendeherbstes, die immerzu "Keine Gewalt!" riefen, waren die Kampfgruppen völlig machtlos. In Leipzig und anderen sächsischen Städten verweigerten zahlreiche Mitglieder die Mobilmachung und den Einsatz: "Das sind doch unsere Kinder."

Auch die anderen Waffenträger der Republik hatten keine Lust, in den Bürgerkrieg zu ziehen – weder die "Zivilverteidiger" noch die Zöllner, geschweige denn die Männer der Berufsfeuerwehr. Alle hatten zwar Waffen und Munition im Schrank, unterlagen zugleich aber einem strengen Regiment: "Waffenmeister" führten Buch über jedes Schießgerät und jeden Schuss. Selbst "Geschenk­waffen", etwa von einem hochrangigen Sowjetfreund, wurden registriert.

Die große Sowjetunion unterhielt in der kleinen DDR eine "Westgruppe" ihrer Streitkräfte, 365.000 Mann (plus 208.000 Zivilangestellte und Familienangehörige). Das Riesenheer bestand aus Gardedivisionen, Stoßarmeen und Sturmbrigaden. Die Elitesoldaten waren bestens gerüstet: 4116 Kampfpanzer, 7948 gepanzerte Fahrzeuge, 3578 Artilleriesysteme, 623 Flugzeuge, 615 Hubschrauber, 94.129 Kraftfahrzeuge sowie 677.000 Tonnen Munition. So steht es in den 1990 mit der Bundesregierung geschlossenen Abzugs­vereinbarungen.

Das Kommando führte der Armeegeneral Boris Wassiljewitsch Snetkow, damals 64 Jahre alt, ein Mann zum Fürchten. Den legte Gorbatschow persönlich an die Kette. Der KPdSU-Generalsekretär verbot der Westgruppe jedes Eingreifen in die inneren Konflikte der DDR. Die sowjetischen Streitkräfte zogen sich in die Kasernen zurück und sagten alle Manöver ab. Nicht einmal die Ehefrauen der Offiziere durften mehr einkaufen gehen.

Dass sich der Wind gedreht hatte, erkannten die 15 führenden Generäle der Nationalen Volksarmee der DDR spätestens am 9. November 1989, in der Nacht des Mauersturms. Zur Krisensitzung des Generals-"Kollegiums" erschien der sonst stets anwesende Vertreter der Westgruppe nicht.

In dieser Nacht des höchsten Risikos bewies die NVA-Generalität Verantwortungs­bewusstsein, Augenmaß und Vorsicht. Kommandiert von Generaloberst Fritz Streletz, Chef des Hauptstabes der NVA, einem militärisch talentierten und belastbaren Soldaten, widerstand die NVA-Führung allen Versuchungen, in die finale Krise der DDR mit Gewalt einzugreifen.

detopia-2020: Der Artikel gefällt mir immer noch, aber ich bemängele jetzt den "talentierten und belastbaren Soldaten". Ab Oberst waren in der NVA/DDR die Offiziere "Nomenklatura". Gerade vom "Genossen Streletz" habe ich auch "häusliche" Informationen. (Ich werte ihn nicht ab, weil fast jeder danach strebte, "Westwaren" zu bekommen bzw. die Familien der "aufrechten/spartanischen Kommunisten" bedrängten diese danach.) "Soldat" ist ein Ehrentitel für die Unterdrückten, für die "Befehlsempfänger" (und Ausführenden). Hohe und höchste Offiziere bezeichnen sich gerne selber als "Soldat" - auch schon vor der NVA. Und wenn Broder/Spiegel nicht "beim Bund" waren, dann wissen sie nichts von dem Unterschied. Und dann kommt hier dazu, was an die jüngste Spiegel-Relotius-Affäre erinnert: "talentiert und belastbar"??? - Natürlich war es gut, dass nach dem Alkohol-Hoffmann einer an die NVA-Macht kam, der nur Sekt zum Frühstück trank.

Nun zu "Verantwortungsbewusstsein" und zur "Finale Krise": Niemand wusste (vorher) von "final". Und ja: Ich danke - auch heute noch - nicht nur IHM, sondern auch allen Generälen aller "bewaffneten Organe" der DDR dafür, dass sie - im inneren Kampf vermutlich - der "Versuchung widerstanden" ... 'durchzureißen'. Andererseits: Niemand weiß wirklich, wie groß "die Versuchung" war. Vielleicht war sie kleiner als ich glaube. Ich weiß von Tumulten in normalen Kasernen (Panzer, Mot-Schützen), die, falls sie 'ordnungsgemäß nach Strausberg gemeldet' wurden (auch durch den "V-Nuller"), dem militärischen Hochadel ("talentiert und belastbar") klarmachten, dass sie auch persönlich/familiär alles riskierten.

Zum Schluss: Ja: meistens schießen die Inhaber militärischer Macht, wenn das Volk 'auf die Straße geht'. Es gab und gibt auchfast ideologiefreie Militärdiktaturen (seit hundert Jahren vermehrt um gleichstarke 'Geheimdienste' und politische Polizei). Auf der anderen Seite war die DDR am 9.11.1989 vielleicht schon so ausgehöhlt, dass "ALLE Versuchungen" - zusammengenommen - recht klein waren.

 

Dabei galt die sehr straff geführte Nationalen Volksarmee in diesen Tagen durchaus noch als universell verwendungsfähig. Die rund 210.000 Soldaten - davon 42.000 Mann bei den Grenztruppen, 36.000 bei der Luftwaffe, 16.000 Mariner - standen Gewehr bei Fuß. Volle Gefechtsbereitschaft, hundertmal trainiert, war in 42 Minuten zu erreichen. Das galt zu Recht als "Weltniveau".

Viele Soldaten kamen in den Herbstwochen 1989 tagelang nicht aus den Stiefeln. Trotzdem drehte keiner durch. Auf dem Territorium der kleinen DDR drängelten sich mehr als eine Million Bewaffnete. Und es fiel kein einziger Schuss.

Dabei waren unter den Soldaten natürlich auch Desperados, Trunkenbolde, Angsthasen und Fanatiker. Weil trotzdem niemand das Feuer eröffnete, blieb der Erde ein immerhin möglicher dritter Weltkrieg erspart. Nur weil kein Blut floss, wurde die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands innerhalb eines Jahres erreicht. 

 


 

Der Vollständigkeit halber:

"Vereidigung" bzw. "Fahneneid" von 1962 bis 1990 (?)

 

Ich schwöre 

Der Deutschen Demokratischen Republik, meinem Vaterland, allzeit treu zu dienen
und sie auf Befehl der Arbeiter-und-Bauern-Regierung gegen jeden Feind zu schützen. 

Ich schwöre 

An der Seite der Sowjetarmee und der Armeen der mit uns verbündeten sozialistischen Länder
als Soldat der Nationalen Volksarmee jederzeit bereit zu sein, 
den Sozialismus gegen alle Feinde zu verteidigen
und mein Leben zur Erringung des Sieges einzusetzen

Ich schwöre

Ein ehrlicher, tapferer, disziplinierter und wachsamer Soldat zu sein,
den militärischen Vorgesetzten unbedingten Gehorsam zu leisten,
die Befehle mit aller Entschlossenheit zu erfüllen
und die militärischen und staatlichen Geheimnisse immer streng zu wahren. 

Ich schwöre 

Die militärischen Kenntnisse gewissenhaft zu erwerben,
die militärischen Vorschriften zu erfüllen
und immer und überall die Ehre unserer Republik
und ihrer Nationalen Volksarmee zu wahren.

Sollte ich jemals diesen meinen feierlichen Fahneneid verletzen, 
so möge mich die harte Strafe des Gesetzes unserer Republik 
und die Verachtung des werktätigen Volkes treffen. 

 

 

 

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