Frank Schütze

Ich bin Bolle

 

Geschichte eines Kämpfers 

 

Hugo im Panzerregiment 21 der NVA

 

Armeezeit 1977-1979 in
Torgelow-Spechtberg (Eggesin)

 

1999 bei Agroplant-Verlag, Zützen
Layout: Hans-Jürgen Hahn

1999   73 Seiten   (*1959)

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detopia:

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Jürgen.Fuchs    (Zusatzordner)

 

 

 

 

 

   

Modern als Hörbuch

 

 

Inhalt: 

Vorher (9) 

Panzereinstieg (19) 

Schwedt (41) 

Kommandeur (54)  

Epilog  (mit Leserecho)

 


detopia-2015:

Das Panzerregiment 21 ist auch im Internet vertreten - mit einer anschaulichen Webseite mit vielen Fotos => kotsch.org 

Ich hoffe, Frank Schütze gestattet oder duldet zumindestens den detopischen Nachdruck seines Berichtes. Dieser ist durch seine Unmittelbarkeit so besonders, dass ich ihn hier gerne haben möchte; und das nicht nur, weil ich zur selben Zeit im "Regiment nebenan" (gegenüber), also im PR22 (in der Instandsetzungs-Kompanie), meine Armeezeit rumbrachte.

Bei einer Neuauflage kann ich das Buch wieder heraus nehmen, wenn ich bescheid weiß.

Foto mit großem Dank an kotsch.org. Das sahen wir in den 70/80ern, wenn wir vom Urlaub/Ausgang wieder die Kaserne mussten. Links P22 (Turlach), rechts PR21 (Schütze).

 


 

Vorbemerkung

 

Jeder Mann will aus seinem Leben etwas machen. Der eine möchte eine hübsche Frau, einer will Fußballstar oder Millionär werden und ein anderer Politiker von Format. Es soll sogar Männer geben, die wollen alles. Und dann gibt es den einen oder anderen auf dieser Welt, der für solche Karriere sogar die Voraussetzungen mitbringt.
Aber das Leben geht seinen eigenen Weg.
Und manchmal "meint" das Schicksal: Du nicht!
Das kann eine verkorkste Kindheit sein, ein Krieg, ein gefährlicher Gegner oder eine schwere Krankheit. Nur eine ganz kleine Chance verbleibt in solchen Fällen: Kämpfen! Damit es am Ende vielleicht doch noch ein ausgefülltes, sinnvolles und damit schönes Leben werden kann.

Der Autor des Buches bekommt mit fünf Jahren akutes Gelenkrheuma. Wird glücklicherweise geheilt, bleibt aber für immer gezeichnet. So einer wird in der DDR des Jahres 1977, achtzehnjährig, ins Panzerregiment 21 (Torgelow-Spechtberg) "gesteckt". Als Ladeschütze eines russischen T-55 Panzers, nach dem Willen der Musterungskommission. Zwanzig Jahre später arbeitet der Autor diese Erlebnisse auf. Erstaunlich vieles bleibt unvergessen. Alte Briefe und Zeitzeugen erlauben einen authentischen Bericht, der aufzeigt, wie menschenverachtend das NVA-Regime sich auf den einzelnen kleinen Landser auswirkte.
Selbst die Nazis haben so etwas nicht gemacht ... !

 

Der Mensch ist ein dunkles Wesen. 
Er weiß nicht, woher er kommt, noch wohin er geht.
Er weiß wenig von der Welt und am wenigsten von sich selber.
Goethe, 1829

 

18. Monate Grundwehrdienst in Torgelow - Spechtberg 9. Panzerdivision / 21. Panzerregiment/ 2. Panzerbataillon der Nationalen Volksarmee (NVA) - (November 1977 - Mai 1978 - Stab zweites Panzerbataillon; Mai 1978 - April 1979 Kraftfahrer in der sechsten Panzer-Kompanie)

 

Das muß vorher gesagt werden...

Es gibt in der heutigen Gesellschaft rückblickend grundsätzlich zwei Versionen, wie die Nationale Volksarmee der DDR dargestellt wird. Zuerst natürlich die Version "von oben" - das ist die Sicht derer, die all das zu leiten und zu verantworten hatten. Die Sicht der Paladine des Systems, der Offiziere - meistens der Berufsoffiziere. Da die Unteroffiziere auch "nur" ihren dreijährigen "Ehrendienst" (so nannte sich das damals!) ableisteten, zählten diese meistens nicht zu dieser "Oberschicht". Diese obrigkeitshörige Version nennt die Ausbildungsmethode + die damaligen Bedingungen in der NVA heute zynisch - eine blutsparende Ausbildung! 

"Ich bin Bolle - Haß" erzählt die andere Version. Es ist die Version "von unten"... Daß ist diejenige der einfachen Soldaten, denen man von der Schulzeit an (propagandistisch!) erzählt hatte, daß man in einer besseren Zeit lebte und die das wohl damals alle, als Kinder der sozialistischen Gesellschaft, jeder mehr oder weniger, glaubten. Und dann kamen die Erlebnisse während des Wehrdienstes - unmenschlich, man fühlte sich zurückerinnert an das 17. Jahrhundert... Deshalb fallen auch die Lesermeinungen sehr unterschiedlich aus. Ganz klar, daß die Offiziere dieses Buch heute zerreißen müssen. Seine Stärke ist ja diese entwaffnende Ehrlichkeit... Und auch ganz klar, daß diejenigen, die das selbst so oder noch schlimmer am eigenen Leib erleben mußten, dieses Buch begrüßen. 

Einer aus der ehemaligen 6. Kompanie des 21. Panzerregimentes (in dem dieses Buch spielt) hat bei der Lektüre geheult, so genau gab das Erzählte seine eigenen Erfahrungen wider... Dieses Buch berichtet von 18 Monaten Ehrendienst. in der NVA. Es ist Teil einer authentischen Biografie (geplant sind insgesamt 6 Bände). Bolle hatte seinen Kompaniechef gehaßt und mit ihm (damals noch unbewußt!) den realen Sozialismus, wie er ihn hier "lifé" erlebte. Deshalb will und kann dieser 3. Band der Reihe keinen sachlichen und objektiven Bericht über das damalige 21. Panzerregiment zwischen 1977-1979 liefern! So war es auch nie gedacht...

<Ich bin Bolle - Haß> erzählt eine wahre Geschichte. Wo sich die Erfahrungen im 21. Panzerregiment mit denen anderer Soldaten gleichen, kann man die Erlebnisse von Bolle aber verallgemeinern - hin zur prägenden Lebenserfahrung für eine ganze DDR-Generation! 

Frank Schütze, Autor,
Juli 2007 

 

Prolog

5-6

In der DDR galt seit Mitte der fünfziger Jahre für Männer die Wehrpflicht in der Nationalen Volksarmee (NVA). Diese betrug achtzehn Monate. Zu meiner Zeit (1977) wurden die jungen Männer oft mit 18 Jahren eingezogen. Das galt für die Abiturienten sowieso, da diese noch ihr Studium vor sich hatten. Natürlich wurde für den Offiziersberuf oder den dreijährigen "Ehrendienst" in der NVA geworben. Da ich aber vollkommen unsportlich war, kam dieser Weg für mich nie in Frage. Mein Elternhaus ließ mir für diese Entscheidung alle Möglichkeiten offen und drängte in keiner Weise. In unserer Familie konnten die Kinder selbst über ihren Lebensweg entscheiden. Die Eltern unterstützten dies.

Später wurden viele Abiturienten zum dreijährigen NVA-Dienst mit dem Argument mehr oder weniger gezwungen, daß sie ansonsten keinen Studienplatz bekommen würden. So wurden wir Abiturienten des Schwedter Jahrganges 1977 noch nicht geködert. Obwohl die Geschichten aus der NVA-Zeit, die man so von Freunden hörte, abschreckend wirkten, fanden sich noch genügend für den längeren Dienst bereit. Der Mensch muß immer erst selbst erleben, bevor er vieles für möglich hält.

Die Achtzehnjährigen in der DDR waren ganz anders als die jetzige Jugend, irgendwie aufsässiger, nicht so angepaßt. Jeans, lange Haare und natürlich viel Beat-Musik, das waren unsere Markenzeichen. Eine unbeschwerte Jugend, so daß ich ohne Ängste meine Armeezeit in Torgelow antrat. Vielleicht überwog sogar die Neugier. Aber nie hätte ich daran gedacht, den Waffendienst zu verweigern. Alternativen gab es offiziell nicht. Also mußte die Fahne, so der Volksmund über die Armee, eben sein.

Ein Freund der Armee oder des Krieges war ich jedoch nicht. Meine Haltung zur DDR wurde mit meiner Lebenserfahrung innerlich immer kritischer. Gerade die NVA-Zeit und die damit verbundenen prägenden Erlebnisse formten meinen Lebensweg vor. Hier lernte ich zum ersten Mal richtig für mein Leben. Ich wollte die "Kommunisten" links überholen, dieses Land und seine Menschen besser machen. So etwas kann nur ein junger Mensch mit wenig Lebenserfahrung, den dieses Land geprägt hat, denken. Aber genauso war ich.

Von meinen Eltern wurde ich immer zum Mitdenken erzogen. Eine eigene Meinung war für mich schon in der Schule kennzeichnend. Bei der genossenen Erziehung durch mein unvergessenes Elternhaus kein Wunder. Immer wurde der junge Mensch ernst genommen, im Familienrat wurde offen diskutiert und die Probleme der Kinder gemeinsam gelöst. Klar, daß es solch einem jungen Mann schwer fällt, sich willenlos in das NVA-Regime einzuordnen. Aber meine Offenheit und Aufrichtigkeit zeigten hier ihre Vorteile. Von den Kameraden wurde ich schnell akzeptiert und hatte während meines Wehrdienstes keinerlei Probleme.

So war es kein Wunder, daß ich beim ersten Härtetest von Unteroffizier Jörg Badur (Schwedt) ins Objekt geschleppt wurde. Den Soldaten Schütze haben seine Kameraden nicht im Stich gelassen.

6

 

 

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Schütze, Frank (1999) Bolle, Hugo, Panzer, Regiment, Asche, Armee, Militär, NVA, DDR, Torgelow, Eggesin, Schwedt