Jürgen Fuchs

Fassonschnitt

Asche, Fahne, NVA 

 

 

1984 bei Rowohlt

1989 bei rororo

Fassonschnitt (1984) Von Jürgen Fuchs  -  Asche Fahne NVA

1984   384 Seiten

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Harte Jahre von Jürgen Ritschel 

Ende einer Feigheit (Fortsetzung) 

Rachowski

(Zusatzordner)

detopia dankt Frau Fuchs für ihre freundliche Duldung, vermittelt durch Utz Rachowski.

Inhalt

01 (7)  

02 (43)   03 (75)    04 (93) 

05 (133)  06 (177)  07 (207)

08 (231)  09 (251)  10 (277)

11 (303)  12 (331)  13  (359)

Widmung: meinem Vater

 

Die Arbeit des Autors am vorliegenden Text  wurde durch den Deutschen Literaturfonds e.V. gefördert. 

Der Rekrut Fuchs, einberufen zum Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee der DDR, betritt am 4. November 1969, achtzehnjährig, die Kaserne in Johanngeorgen­stadt, einem kleinen Ort im Erzgebirge.

Der Schriftsteller Fuchs, 1977 aus politischer Haft nach West­berlin entlassen, beschreibt 1983, dreiunddreißigjährig, die ersten dreizehn Tage der militärischen Ausbildung in Johann­georgen­stadt. 

Vierzehn Jahre liegen zwischen dem 16. November 1969, dem letzten Tag, den Fuchs beschreibt, und der letzten Seite, die Fuchs über diesen Tag schreibt. Die Eindrücke, vom ersten Tag der Ausbildung an mit dem Vorsatz registriert, irgendwann die äußeren und inneren Vorgänge dieser Zeit zu bezeugen, von einem unerbittlichen Gedächtnis bewahrt, sind niedergelegt in der Schilderung einer unaufhörlich sich bewegenden Maschinerie, die geistig gefügige, körperlich ertüchtigte «Kampfgenossen» hervorbringen soll.

Die Nationale Volksarmee, so sagen die Polit-Offiziere, habe mit den verhängnisvollen Traditionen des deutschen Militarismus gebrochen. Schon in der Schule mußte Fuchs, Sohn eines Arbeiters, hören: «Die Arbeiterklasse ist bei uns die führende Klasse... Das prägen wir uns bis zur nächsten Stunde ein...» 

Die Uniform der Nationalen Volksarmee heißt Ehrenkleid, die Ausbildung zu «Genossen Kämpfern», die «in allen Arten möglicher Kriege» einsatzfähig sein sollen und «den Gegner auf seinem Territorium zu vernichten» haben, heißt Ehrendienst.

(«Nicht vom Gegner einreden lassen, alle gehen hops in modernen Kriegen, l wo!... Jeder hat eine Chance... Was glauben Sie, wie die Zivilisten im Ernstfall herumtanzen ... Wir können solche Situationen meistern», sagt Oberleutnant Patsch)

Der Kasernenhof, so erfahren es die Rekruten, unterwirft («Ich werde zu etwas gezwungen und erlebe, daß ich mich zwingen lasse», sagt Rekrut Fuchs), er schafft Angst («Bei jeder Handlung schrillt es hoch ... <Darf ich das?>», sagt Rekrut Fuchs), er hält im Ungewissen («Keine Ahnung... dauernd Überraschungen. Das macht mich fertig. Schlimmer als Knast», sagt Rekrut Jugel). 

Im Gefängnis kann Identität bewahrt, womöglich gestärkt werden, in der Armee ist sie in großer Gefahr. Die Nationale Volksarmee als eine Schule «der Erziehung staatsbewußter und dem Sozialismus treu ergebener Bürger», wie es dort heißt, also als eine Zucht­stätte des totalitären Staates – sie ist Anstalt, die die männliche Bevölkerung auf besondere Weise und nachhaltig zu einer Ordnung ausrichtet, wie der Staat sie für alle verlangt.

Fuchs beschreibt die äußeren und inneren Geschehnisse in einer eher stillen, fragenden Art, die das Bild jener Tage desto eindring­licher vor Augen führt, und scheinbar wie von selbst tritt das Wesen der Beziehung zwischen Individuum und Macht in einem Obrig­keitsstaat zutage. #

 

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