Ernst Jünger 

In Stahlgewittern

Kriegstagebuch 

 

1920   324 Seiten 

Wikipedia Autor  
*1895 in Heidelberg bis 1998 (102)

Wikipedia Buch 

Googl.Autor 

detopia:

J.htm   Sterbejahr 

I.Babel Kriegstagebuch

E.Remarque 

K.Kasser Tagebuch WK1 

Orwell: Katalonien  

 

 

 

 

 

  

 

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Ernst Jünger, geboren in Heidelberg am 29.3.1895, gestorben am 17.2.1998, Bruder von Friedrich Georg Jünger 

Seine Schriften "In Stahlgewittern" (Tagebuch, 1920), "Der Kampf als inneres Erlebnis" (Essay, 1922) und "Feuer und Blut" (En., 1925) gelten als Verherrlichung von Soldatentum und Krieg. 

Später Schriften gegen Gewalt und Macht. 

Jüngers Teilzeitideologien sind bis heute ebenso umstritten wie seine literarischen Werke, u. a. "Der Friede" (Essay, 1945), "Eine gefährliche Begegnung" (R., 1985), "Zwei Mal Halley" (Tageb., 1987); "Die Schere" (Schriften, 1990). 1982 erhielt er den Frankfurter Goethe-Preis, 1985 das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

 


 

"In Stahlgewittern machte ihn zum Helden einer Generation junger Offiziere, die alles gegeben hatten und am Ende bestenfalls das Eiserne Kreuz davontrugen. Gide pries es als "das schönste Kriegsbuch, das ich je las." 

Tatsächlich ähnelt es keinem anderen Buch der damaligen Zeit — keine Spur von den pastoralen Meditationen eines Siegfried Sassoon oder Edmund Blunden, kein Anflug von Feigheit wie bei Hemingway, kein Masochismus wie bei T. E. Lawrence und kein Mitleid wie bei Remarque."     Bruce Chatwin  

 


Spannend und schockierend   2006  von markggn 

Wenn es um den Ersten Weltkrieg geht, wird zuerst meist "Im Westen nichts Neues" von Remarque genannt. Zu Unrecht! "Im-Westen-N-N" ist ein Antikriegsbuch, was durchaus spannend ist. "In Stahlgewittern" dagegen verharmlost den Krieg nicht, verteufelt ihn aber auch nicht, sondern stellt Krieg realistisch dar. Ohne großartige Wertung, sondern einfach "so wie es damals war". Genau das macht das Buch von Anfang bis Ende spannend, realistisch und interessant. Ich habe selten etwas gelesen, bei dem ich so "drin" im Geschehen war.


Zwischen Landser-Heften und »Herrn der Ringe«   2005 von Ekkard Bäuerle 

»In Stahlgewittern« machte Jünger zum Superstar aller Traumatisierten und Enttäuschten des ersten Weltkrieges. Er stilisierte den Urschock des 20. Jahrhunderts — erster Krieg der Maschinen mit massenhaftem Tod — zum spirituellen Erlebnis. Der Autor war hier Seismograph seiner Zeit und drückt intuitiv das aus, was viele empfanden: Unverständnis, was mit ihnen geschehen war, Angst vor der unbekannten neuen Welt einer zivilen Bürgergesellschaft, Wunsch nach Erlösung und Rückkehr in das, was auch heute noch vielen vorschwebt: Vielleicht eine Mischung aus dem »Herrn der Ringe« und dem Deutschland der Romantik. Wem Landser-Hefte zu profan sind und Remarques Werke zu kritisch, für den ist »In Stahlgewittern« sicher das Richtige.


Schutzbrief    2005 von starlin 

E. J. hat die Glaubwürdigkeit seiner Beschreibungen durch Zeitdauer seiner Einsätze, Verwundungen und Auszeichnungen legitimiert, aber er erscheint mir als ein tatsächlicher Dezernent des Teufels, der von vornherein gewußt haben mußte, dass er überlebt, auch hier wieder; das Schlachtfeld als Spielwiese der Dummheit des Menschen — nothing else!


Unreflektiert   2004  von junior-soprano 

Krieg ist die Hölle. Wie der erste Weltkrieg war, wissen wir aus Remarques „Im Westen nichts Neues". Sinnloses Sterben, krepieren durch Giftgas, durch Flammenwerfer bei lebendigem Leib verbrennen, Amputationen, Leid, Schmerz, Angst, Tod... Und dann dieses Buch von Ernst Jünger! Krieg als großes Abenteuer, so wie in einem Gotcha-Spiel. Am Ende gibt es auch noch ein Happy End, Ernst Jünger bekommt einen Orden. Das wirkt wie große Unterhaltung für Nationalsozialisten, und tatsächlich war Adolf Hitler ein großer Fan dieses „Unterhaltungsromans" über den Ersten Weltkrieg.

Für Ernst Jüngers Kritiker dienten diese Tagebuchaufzeichnungen aus dem Großen Krieg als Beweis seiner Sympathie für den Nationalsozialismus und die Kriegsverherrlichung. Es ist schwierig, unvoreingenommen an „In Stahlgewitter" heran zu gehen. 

Als Leser des 21. Jahrhunderts ist es kaum nachzuvollziehen, warum Jünger mit so viel Begeisterung über den Krieg schreibt. Er hatte Spaß am Kämpfen und das gehört sich doch nicht, oder? Es gilt zu bedenken, daß Jünger damals noch sehr jung war, nämlich Anfang 20. Außerdem wuchs er in einem Deutschland auf, in dem das Militär die Schule der Nation war und bisherige Kriege gänzlich anders verlaufen waren, als der Erste Weltkrieg. 

Jünger hat in späteren Veröffentlichungen kritischer über seine Kriegserlebnisse gesprochen, den Gefallenen gedacht und von seinen Alpträumen berichtet.

Wozu ist „In Stahlgewittern" gut? Braucht die Welt, die ohnehin schon so viele Kriege erlebt hat, wirklich ein Buch, in dem der Krieg verherrlicht wird? 

Sicherlich nicht! Im Grunde genommen möchte man das Buch am liebsten zerreißen und sich lieber noch drei weitere Ausgaben von „Im Westen nichts Neues" ins Regal stellen, quasi um Buße zu tun! Aber damit begibt man sich auf das gleiche Niveau, wie die Menschen, die Bücher verbrennen. Wer seinen Ekel überwindet, kann in diesem Buch lesen und versteht die Generation, die im Ersten Weltkrieg kämpfen mußte, vielleicht etwas besser. 

Denn letztlich haben nicht alle den Krieg als abstoßend erlebt, wie Erich Maria Remarque, sondern als großes Abenteuer, so wie Ernst Jünger oder eben auch Adolf Hitler. Es ist einseitige Geschichtsschreibung und eine Lüge zu behaupten, daß der Erste Weltkrieg für alle Soldaten die Hölle war. Manche haben gerade dort erst Blut geleckt und sich im Zweiten Weltkrieg in einen noch schlimmeren Krieg gestürzt. 

"In Stahlgewittern" hilft dabei, diese Menschen besser zu verstehen. Um die interessantere, reifere Seite von Ernst Jünger kennenzulernen empfehle ich seinen Roman „Gläserne Bienen" und seine Alterstagebücher „Siebzig verweht".

 


 

Ernst Jünger auf LSD 

 

Albert Hofmann und Ernst Jünger: "LSD. Der Briefwechsel 1947 bis 1997"

 

dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/2182601   19.07.2013 

Besprochen von Jörg Magenau

 

 

Der Schriftsteller Ernst Jünger und der Schweizer Chemiker Albert Hofmann wurden in den Nachkriegsjahren zu Freunden. Sie verband das Interesse an der halluzinogenen Droge LSD, die Hofmann entwickelte - und die Jünger noch im Alter von über 80 Jahren zu sich nahm.

Die erste Gabe war ein Topf Honig zum Geburtstag. Er kam 1947 aus der Schweiz und war im Nachkriegsdeutschland eine besondere Kostbarkeit. Ernst Jünger dankte dem Spender Albert Hofmann und zeigte sich interessiert an weiterer Korrespondenz. Am 4. April 1949 dankte er für Grüße und "ihre liebe Gabe, vor allem für die Droguen, an deren Extraktion meine Hausfrau jeden Morgen eifrig beschäftigt ist". Da handelte es sich noch um Tee, doch gelegentlich lagen Hofmanns Briefen auch kleine Päckchen mit LSD in Rohrzucker bei. Jünger informierte sich dann sachlich über die Haltbarkeit des Produkts und die richtige Dosierung, bis der Zeitpunkt zum "Einstieg" gekommen war. Oder er dankte für die "rosa Pillen", die er erst einmal "in Reserve legen" wolle.

Drogen und Drogenerfahrungen und natürlich vor allem das LSD, das Albert Hofmann im Labor der Sandoz GmbH synthetisierte und als dessen Erfinder er gelten darf, stehen im Mittelpunkt dieses erstaunlichen, durchaus skurrilen Briefwechsels. Er reicht von 1947 bis 1997, ein Jahr vor Jüngers Tod, auch wenn er dabei immer einseitiger wurde und Jünger schließlich, als Hundertjähriger, nur noch knappe Grüße übermittelte: "Herzlichen Dank für die guten Wünsche und die schönen Gaben. Sie haben mich sehr erfreut."

Als er 80 wurde, nahm Jünger die Drogen nur noch zum Genuss Schon als knapp 80-Jähriger hatte er angekündigt, in Zukunft eher auf homöopathische Dosierungen zu setzen und Drogen weniger experimentell, denn zu reinem Genuss einzunehmen. Das Alter, Zeitlichkeit und Vergehen sind denn auch weitere, implizite Themen, und wenn Hofmann das Alter als einen Zustand "erlösender Zeitlosigkeit" fasst, dann klingt auch das fast wie eine Drogenerfahrung. Daneben gibt es natürlich auch viel ritualhaften Ballast, Urlaubs-, Geburtstags-, Neujahrsgrüße nebst Grüßen an die Gattinnen und Postkarten von den vielen Reisen.

Immer wieder hatten Hofmann und Jünger sich zusammen mit weiteren Interessierten zu experimentellen Sitzungen getroffen. Jüngers erste Einschätzung, LSD sei im Vergleich mit dem "Tiger Meskalin" allenfalls eine Hauskatze, musste er nach Experimenten mit gesteigerter Dosierung revidieren. Ihre gemeinsamen Sitzungen sahen sie als "Reisen" an, die sie vor allem über die Grenzen der Zeit- und Raumbeschränkung hinausführte. Die Drogenerlebnisse, von Jünger als "Annäherungen" bezeichnet, bestärkten die Skepsis gegenüber technischen Anstrengungen: "New York liegt direkt neben Paris. Damit könnte man sich die Mondfahrt sparen", schrieb Jünger im Februar 1960.

Mit Sorge beobachteten die beiden älter werdenden Herren, wie Hofmanns Erfindung in den 60er-Jahren zur Modedroge wurde. Gerade für junge Menschen sei sie ungeeignet, so Hofmann, "da der eigentliche Wert dieser Art Wirkstoff in ihrer Funktion als Aufschlussmittel" liege, der junge Mensch aber im Zentrum seiner Persönlichkeit noch gar nicht reif genug sei, um da etwas aufzuschließen. Thema der Briefe ist immer auch das Verhältnis des Naturwissenschaftlers zum Dichter. Die Schönheit der Struktur von LSD-Kristallen wird dann mit den Produkten moderner Kunst verglichen, die gegen die Chemie eher schlecht abschneiden.

Zwei unterschiedliche Geister auf der Suche nach Transzendenz Erstaunlich dabei vor allem die Position Hofmanns, der immer wieder versucht, die Beschränkungen wissenschaftlicher Rationalität zu überwinden. Wenn Psychiater Schizophrenie - die in ihren Symptomen einem LSD-Rausch ähnelt - als Stoffwechselstörung interpretieren, sei das auf der materiellen Ebene zwar richtig, allerdings werde damit nicht die Ursache der Krankheit beschrieben, sondern nur ihre Wirkungsweise. Die beiden so unterschiedlichen Geister vereint die Suche nach Transzendenz. Die Droge ist nur ein Verkehrsmittel, das sie auf ihren Reisen benutzten.

Die Wertschätzung, die Hofmann der dichterischen Imaginationskraft und der Person Ernst Jüngers entgegenbringt, ist enorm und lässt im Lauf der Jahrzehnte nicht nach. Dennoch dauert es 25 Jahre, bis Jünger vorschlägt: "Ich glaube, wir sollten uns im Zuge gegenseitiger Annäherung das 'Herr' sparen." Bis zum "Du" dauert es dann allerdings doch noch ein paar Jahre. Aber "Annäherung" hat in diesem Fall eine ganz andere, viel tiefere Dimension. #

 

 

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Ernst Jünger - In Stahlgewittern