George Orwell

 "Wenn Freiheit überhaupt irgend etwas bedeutet, dann das Recht, den Menschen das zu sagen, was sie nicht hören wollen."

 

- Rache ist sauer  Kleine Essays 1920-1950 

- Freiheit und Gerechtigkeit mit: "Kreativität und Lebensqualität" (1937!)

- Farm der Tiere - Ein Zukunftsmärchen  mit dem Orwellschen Nachwort über die Pressefreiheit

 

Wikipedia.Autor  1903-1950  (46) 

Google.Autor     Amazon.Autor 

GeorgeOrwell.de  private Seite 

youtube  Doku    youtube 1984   

 

detopia:  O.htm  

Kommbuch    Utopiebuch   Sterbejahr 

M.Berneri    A.Koestler    A.Huxley 

 

 

 

 

 

 

 

1984

 

 

 

Audio

 

2019 DLF  2084 Theaterarbeit in Dresden zum aktuellen Stand

 

Audio 2009 zu 1984  60 Jahre

 

Audio 2015 dradio Farm-der-Tiere 70 Jahre

 

Der <letzte Mensch> in einem Totalitarismus ohne Alternative? Zu George Orwells <1984>.  
Ein Essay von Richard Saage

George Orwell und der Anarchismus  Lou Marin 1999 

Wiedergelesen  Katalonien Eikermann, Luise, 2000 

Science-Fiktion und Realität  Dietmar Kesten 2002   

Morgenwelten  Kerstin Eitner  2002  aus Greenpeace.de 

diogenes.de  Diogenes-Verlag 

 


ZEITFRAGEN  vom 26.06.2019

 

70 Jahre „1984“ George Orwells Dystopie – aktuell und übertroffen 

Von Lorenz Hoffmann und Tobias Barth

 

George Orwell sitzt an einem Mikrofon der BBC und blickt in die Kamera. 

George Orwell – Journalist, Autor, Sozialist. Seine Dystopie „1984“ stellt auch heute noch einen bemerkenswert zutreffenden Kommentar zur Gegenwart dar. (imago / Leemage) George Orwell war Sozialist, warnte aber vor Stalins Überwachungsapparat. Der DDR war er verhasst, Datenschützer berufen sich bis heute auf ihn. Mit Blick auf Smart-Homes und den chinesischen „Social Score“ ist „1984“ bis heute beklemmend aktuell.

70-jahre-1984-george-orwells-dystopie-aktuell-und.976.de.html?dram:article_id=452333 

 


 

 

George Orwell: 1984  ---- Funkeinrichtung in 14 Folgen von Hanjo Kesting

Gelesen von Charles Wirths  ----  Mit einem Essay von Orwell: "Warum ich schreibe" 

 

NDR Kultur sendet aus Anlass des 100. Geburtstags von George Orwell seinen Roman "1984" nach der deutschen Übersetzung von Kurt Wagenseil. Orwells Roman, erschienen 1949 als das letzte größere Werk des Autors, gehört zu den berühmten utopischen Romanen des 20. Jahrhunderts, allerdings zu den negativen Utopien, die von den geschichtlichen Erfahrungen des Nationalsozialismus und des Stalinismus ausgingen. Die Entstehung des Romans, sein tiefer Pessimismus, läßt sich von dem konkreten historischen Hintergrund nicht ablösen.

Eine düstere Zukunftsvision

Aber in seiner Wirkungsgeschichte wurde "1984" nicht nur zur alptraumartigen Beschreibung einer totalitär beherrschten Welt, sondern auch zum Synonym für die vollständige Unterwerfung des Individuums unter einen Herrschaftsapparat, der mit Hilfe der modernen Technik und unter Anwendung physischen und psychischen Terrors in die Intimsphäre des Menschen eindringt und sich sogar ihrer Gedanken bemächtigt. Orwell gibt in diesem Roman seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Zerstörung des Menschen durch einen immer weiter perfektionierten Staatsapparat unaufhaltsam ist. Und wenn sich Orwells düstere Prophetien bisher nicht bewahrheitet haben, so sind sie nicht schon deshalb widerlegt, weil das prophezeite Jahr ihrer Verwirklichung, das Jahr 1984, schon vergangen ist. 


Orwells Liste  -  Der Kommentar   von Hannes Stein - 25.6.2003 in  welt.de   

Skandal! George Orwell war ein Verräter! Anlässlich seines heutigen 100. Geburtstages wird ruchbar, dass der Autor von "Animal Farm" der britischen Regierung kurz vor seinem Tod 38 Namen von Leuten weitergab, die er verdächtigte, Kommunisten zu sein!

Tatsächlich muss der Schriftsteller gleich in drei Punkten für schuldig befunden werden. Erstens war er ein englischer Patriot; als 1939 Hitler und Stalin gemeinsam Polen überfielen, vollführte er den bedeutendsten politischen Schwenk seines Lebens und verwandelte sich in einen Unterstützer von Winston Churchill. Fortan betrachtete er die englische Lebensweise als das zuverlässigste Bollwerk gegen den Faschismus. Zweitens liebte er die Freiheit. Orwell war ein kalter Krieger, bevor es diesen Terminus überhaupt gab; er sah in der Sowjetunion nie ein hoffnungsvolles "Experiment", sondern nur einen Feind. Drittens war Orwell bis zum Ende seines Lebens ein radikaler Linker. Das beste Mittel, den Kommunismus zu bekämpfen, sah er darin, dass im Westen eine sozialistische Alternative aufgebaut werde.

Und viertens war Orwell verliebt. Er übergab seine Notizen keinem unrasierten Agenten mit Schlapphut, sondern Celia Kirwan, einer schönen, brillanten, jungen Frau, die für das Außenministerium arbeitete. Orwell selbst spielte die Bedeutung seiner Liste herunter: "Sie ist nicht besonders sensationell, und ich vermute nicht, dass sie Deinen Freunden etwas enthüllen wird, was sie nicht schon wissen." Sie enthält ein paar berühmte Namen (Charlie Chaplin, J.B. Priestley) und viele Fragezeichen, aber kaum handfeste Anschuldigungen. Die härteste Anklage - dass der Journalist Peter Smollett "some kind of Russian agent" sei - hat sich mittlerweile bestätigt. Smollett, der verhindern wollte, dass "Animal Farm" gedruckt wird, war tatsächlich ein sowjetischer Spion.

Die britische Regierung hat sich übrigens auf grauenhafte Weise an ihm gerächt. Sie verlieh ihm einen Orden. Überhaupt ist keinem der 38 wirklichen oder vermeintlichen Sympathisanten, die Orwell namhaft machte, irgendetwas passiert. Das war auch nicht der Sinn dieser Liste; es ging darum zu verhindern, dass bei der Schlacht gegen die Propaganda des Ostblocks ausgerechnet Leute eingesetzt würden, die auf der Gehaltsliste des KGB standen.

Neu ist übrigens nur, dass wir jetzt die Notizen und die Namen schwarz auf weiß vor der Nase haben (sie wurden aufgrund eines idiotischen Gesetzes geheimgehalten). Dass die Liste überhaupt existierte, gab schon einmal Anlass zu Skandalgeschrei. Es war schon damals unberechtigt. Denn just dieses Faktum stand in Bernard Cricks Orwell-Biografie, die in den achtziger Jahren erschien.  #


 

 

 

 

 

 

George Orwell zum 100. Geburtstag

Von Klaus Harpprecht

Orwells Staat, Orwells Epoche – jeder weiß, was damit gemeint ist: die Summe von Rasterfahndung, Volkszählung, fälschungssicheren Ausweisen, Personalinformationssystemen und dem Video-Auge über dem Arbeitsplatz und sogar in der eigenen Wohnung. Das Bild des Schriftstellers, der vor hundert Jahren, am 25. Juni 1903, in Bengalen geboren wurde, ist bestimmt von seinen "schwarzen" Utopien: "Die Farm der Tiere" und "1984". Doch muss man die berühmten Bücher in den Zusammenhang seiner politischen und kulturkritischen Publizistik stellen, um die Grundintentionen Orwells zu erkennen. Sie richteten sich gegen Ideologien aller Art: den Nationalsozialismus in Deutschland, den Faschismus in Spanien, den Stalinismus in der Sowjetunion, aber auch gegen den britischen Imperialismus in Indien und anderswo sowie gegen die Konsumideologien Amerikas. George Orwell war der große "Prophet der Ernüchterung" – so beschreibt ihn Klaus Harpprecht in seinem Feature, das am Vorabend des 100. Geburtstags auf NDR Kultur zu hören sein wird. 


 

Jenseits des Großen Bruders  

Von Hanjo Kesting    ndrkultur.de  

 

Orwells Bücher, Orwells Staat, Orwells Epoche – jeder weiß, was gemeint ist: das Zusammenschließen von Personal­informationssystemen, Volkszählung, Rasterfahndung, fälschungssicheren Ausweisen und dem Video-Auge über dem Arbeitsplatz und in der eigenen Wohnung. Big Brother is watching you – der Große Bruder beobachtet dich. "1984" und "Animal Farm" sind geschrieben mit der Erfahrung des Nationalsozialismus, aber auch mit dem Stalinismus im Kopf, dem Elend Nachkriegsenglands vor Augen und der Idee der Videokamera. Der Große Bruder trägt Stalins Züge, und der Terror ist eher den Moskauer Schauprozessen abgeschaut als Auschwitz.

War Orwell zu pessimistisch? Weder ist der Atomkrieg schon ausgebrochen noch hat uns der wirtschaftliche Mangel bis heute in den autoritären Staat getrieben. Aber im Prinzip plagen uns die alten Befürchtungen: die fällige Umverteilung zwischen Nord und Süd, die Unberechenbarkeit eines globalisierten Kapitalismus, die Verletzbarkeit der hochtechnisierten Welt durch den Terror, vielleicht – und daraus resultierend – der "Krieg der Kulturen" statt des älteren Kalten Kriegs der Systeme, wie Orwell ihn erlebte.

Das Bild, das wir von diesem Schriftsteller haben, ist ein bißchen festgelegt durch seine "schwarzen" Utopien. Selbst wer sich mit Bewußtsein auf Orwell bezieht, denkt in der Regel nur an die satirischen Romane, nicht aber an die Arbeiten des Journalisten und Essayisten Orwell, obwohl gerade sie von eminenter Bedeutung sind. Vielleicht machen sie, in rein literarischer Hinsicht, sogar den bleibenden Teil seines Werkes aus. Man muß die berühmten Bücher in den Zusammenhang seiner politischen und kulturkritischen Publizistik stellen, dann erst erhalten sie die richtige Beleuchtung, bewirken anderes als die hysterische Furcht vor Großen Brüdern, Bespitzelung und Folterkellern.

Als Person blieb Orwell zeitlebens sonderbar anonym – er selber hat es testamentarisch untersagt, dass eine Biographie über ihn geschrieben würde. Er wurde 1903 in Bengalen geboren, wo sein Vater in der Kolonialverwaltung beschäftigt war. In England besuchte er erstklassige Schulen, darunter das Elite-Institut von Eton. Nach dem Schulabschluss war er fünf Jahre Polizeisergeant in Burma. 1927 kehrte er als erklärter Gegner des Imperialismus und mit angegriffener Gesundheit nach Europa zurück. Die folgenden Jahre verbrachte er als Tellerwäscher, Hauslehrer und Gelegenheitstramp in Paris und London, hauptsächlich aber als angehender Schriftsteller, der 1933 – da war er dreißig Jahre alt – sein erstes Buch publizierte: "Erledigt in Paris und London", eine Art frühe Sozialreportage über seine Streifzüge durch die Reviere der Armut. 1937 nahm er als Freiwilliger am Spanischen Bürgerkrieg teil, den er später in einem fesselnden Buch beschrieben hat. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er – wegen einer Lungentuberkulose dienstuntauglich – als Mitarbeiter der BBC und Literaturredakteur der linksstehenden Zeitung Tribune. Schon damals war er ein namhafter Autor, dessen Ansehen vor allem auf seinen brillanten, in einem glasklaren und pointierten Stil geschriebenen Reportagen und Essays beruhte.

Als linker Autor und Sozialist, als der er sich immer wieder bezeichnete, war Orwell ein sonderbarer Kauz. Zeitleben hegte er einen nie verhohlenen Widerwillen gegen Losungen und Parolen und gegen jede Art von Theorie. Obwohl es bei ihm an Bekenntnissen zum Sozialismus nicht fehlt, handelt es sich eher um einen Gefühlssozialismus, dem populistische Züge nicht fehlen. Deutlicher als seine Solidarität mit den Benachteiligten, sein Mitgefühl mit den Unterdrückten, ist seine Abneigung gegen die oberen Klassen, die Reichen, die Herrschenden oder ganz allgemein gegen die Macht. Parolen und Theorien, auch solche von links, scheinen für ihn ein Mittel der Macht zu sein; deswegen mißtraut er ihnen und wird nicht müde, sie zu entlarven und auf die Übereinstimmung von Wort und Sinn zu pochen. Das prädestinierte ihn dazu, die Widersprüche zwischen Theorie und Praxis im Sowjetkommunismus aufzudecken.

Aber Orwell hat sich nicht nur eine Welt der Unfreiheit ausgemalt, sondern auch die Welt einer schrankenlosen Freiheit des Konsums, in der er eine andere Art von Unfreiheit sah. Seine Kritik des politischen Totalitarismus war lediglich die Kehrseite seiner Kritik am modernen hedonistischen Lebensstil, und beide zusammen stellten einen Sturmlauf dar gegen die Verstümmelungen, die das zwanzigste Jahrhundert mit sich gebracht hat. In diesem Sinn war Orwell ein "Prophet der Ernüchterung" (so nennt ihn Klaus Harpprecht in seinem Feature zum 100. Geburtstag des Schriftstellers): die Entzauberung aller Ideologien, die erst am Ende des Jahrhunderts vollständige Wirklichkeit wurde, hat Orwell vorweggenommen.

Was in seinen politischen Schriften immer wieder verblüfft, ist die Unmittelbarkeit, die Direktheit, der Instinkt, der Orwell davor bewahrt, schematisch zu werden, in die Fallen irgendeiner Orthodoxie zu gehen, und die Sicherheit, mit der er seinen Sinnen vertraut und am Ende auch seinem Urteil. Man kann den Kuchen nicht aufbewahren und essen – mit dieser simplen Einsicht kommt er sehr weit, findet Mittelwege, die keine bloßen Kompromisse sind, bringt Haltungen auf einen Nenner, die wir der einen oder anderen Seite zuzuschlagen gewohnt sind. Orwell hat, mit einem Wort, den gesunden Menschenverstand rehabilitiert. Man kann ein noch besseres englisches Wort dafür wählen und von common sense sprechen. Einer seiner großartigsten Texte, geschrieben 1946, beschäftigt sich mit den "Vergnügungszentren" der Zukunft; darin heißt es: "Vieles von dem, was so als Vergnügen ausgegeben wird, ist nur ein Versuch, das Bewusstsein zu zerstören. Der Mensch bleibt nur menschlich, wenn er große Flecken von Einfachheit in seinem Leben bewahrt, während die Tendenz vieler moderner Erfindungen dahin geht, ihn den Tieren anzunähern." 

 

 

 

 

 

 

 

"Gute Romane werden von Leuten geschrieben, die keine Angst haben." Dieses Lob des britischen Schriftstellers George Orwell galt seinem Kollegen Henry Miller, aber es trifft vor allem auch auf ihn selbst zu. Orwell war ein Autor, der sich nicht an gängigen Zeitströmungen orientierte.

Seine schriftstellerische Arbeit entstand aus den Erfahrungen seines Lebens.  Als Eric Blair in Bengalen als Sohn britischer Eltern geboren, in Indien aufgewachsen und in Großbritannien ausgebildet,  erlebte er in den zwanziger Jahren als Kolonialpolizist in Burma den britischen Imperialismus und beschrieb seine Eindrücke als "ziemlich großen Volksbetrug" durchschaut.

Im England der dreißiger Jahre wurde er dann mit harten sozialen Konflikten konfrontiert, die er zum Beispiel in seiner Reportage über englische Bergarbeiter festhielt.

1936/37 arbeitete Orwell als Journalist in Spanien und engagierte sich als Kämpfer gegen die Faschisten Von ihm stammen einige der frühesten und genauesten Berichte über die oft blutigen Auseinandersetzungen innerhalb des republikanischen Lagers, zwischen den Anarchisten und unabhängigen linken Gruppen einerseits und den moskauhörigen Kommunisten andererseits. Diese wollten auch in Spanien nicht von den in der UdSSR praktizierten stalinistischen "Säuberungen" lassen.

Diese Erfahrungen haben Orwell hellhörig gemacht. Von da an wandte er sich rigoros gegen jede Art von Totalitarismus und engagierte sich für einen demokratischen Sozialismus. Als Autor bemühte er sich um größtmögliche Objektivität und Wahrheit, verleugnete allerdings nie seine subjektive Sicht. Gerade weil er die Grundlagen seines Urteils immer mitteilte, wurden seine Berichte nachprüfbar.

Orwells Popularität beruht vor allem auf dem Roman "1984", der 1949 erschien, ein Jahr vor seinem Tod. Orwells Modell einer totalitären Welt traf damals den Nerv der Zeit, es bezog sich auf die Erfahrungen des Nationalsozialismus und des Stalinismus. An Aktualität hat  der Roman nichts verloren. Wie beispeilsweise Nachrichten manipuliert werden ist bis heute immer wieder vor allem in Kriegen zu beobachten. 

Neben "1984" schreib Orwell viele weitere Werke wie "Tage in Burma" (1934), seine Reportage "Mein Katalonien" (1938) über den Spanischen Bürgerkrieg und zahlreiche Erzählungen und Essays. Orwell war vor allem ein Journalist. Die Fiktion erwuchs bei ihm direkt aus der Reportage. Als er am 21. Januar 1950 im Alter von 46 Jahren an Lungentuberkulose starb, hinterließ er ein erstaunlich umfangreiches Werk. Die erste große Orwell-Gesamtausgabe, 1998 in London erschienen, umfasst 20 Bände. ##

 


 

Zum 100. Geburtstag des Schriftstellers George Orwell 

George Orwell mit bürgerlichem Namen Eric Arthur Blair war die warnende Stimme unter den Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Seine Werke "Animal Farm" oder "1984" gehören noch heute zum Kanon der Schullektüre. Mit seiner Ideologiekritik und utopischen Gesellschaftsentwürfen schrieb er Literaturgeschichte. 2003 wäre Orwell 100 Jahre alt geworden.

In der Dokumentation des preisgekrönten schottischen Regisseurs Mark Littlewood werden Leben und Werk George Orwells noch einmal lebendig. Der Kosmopolit von Geburt an kam in Indien zur Welt, wurde zur Schulausbildung nach England geschickt und kehrte als junger Polizeioffizier auf den indischen Subkontinent, nach Burma, zurück. Die Spannungen zwischen der englischen Kolonialmacht und den Einheimischen waren prägende Erfahrungen von der Einteilung der Welt in Herrschende und Beherrschte, wiedergegeben in der Erzählung "Tage in Burma". Das Prinzip der Ungleichheit erlebte Orwell aber auch in Europa, wo er sich ab 1928 freiwillig in das für seinen Stand unwürdige Milieu der Armen und Bergleute begab. 

Ende 1936 ging Orwell nach Spanien. Um sich die Fahrkarte kaufen zu können, hatte er das Familiensilber versetzt. In Spanien wurde er Marxist und aktiver Teilnehmer des Bürgerkriegs. Doch der Kampf gegen die Faschisten und für die internationale Solidarität schlug bald um in den totalitären Terror der spanischen und sowjetischen Kommunisten. Orwell musste nach Frankreich fliehen, wo er seine Erlebnisse in dem zentralen Werk "Mein Katalonien" niederschrieb. Orwell, für die fatale Funktionsweise politischer Prozesse sensibilisiert, wurde Journalist. In "Das verschüttete Leben" erhob er schon 1939 seine Stimme warnend zu den Schwächen der modernen Zivilisation, ein Thema, das er 1945 mit "Animal Farm" auf die Spitze trieb. 

Doch totalitäre Tendenzen erkannte Orwell nicht nur im Hitlerfaschismus oder Sowjetkommunismus. Nach Kriegsende, als Korrespondent aus dem zerbombten Deutschland, spürte Orwell schnell, dass auch die amerikanischen Besatzer ein effizientes Herrschaftssystem aus Institutionen, Ideologie und Propaganda errichten. 1949 vollendete er sein bekanntestes Werk "1984", die Schreckensvision einer vollständig kontrollierten Gesellschaft. Der Satz "Big Brother is watching you", in Anspielung auf den Kommissar des totalen Staates, ist seither zum geflügelten Wort geworden. 1950 starb Orwell, der schon lange an Tuberkulose litt, an einer Lungenblutung. Orwells Werk hat bis heute nichts von seiner Brisanz eingebüßt. Imperiale Kriegführung und totalitäre Strukturen bestehen auch in der Welt des 21. Jahrhunderts weiter, ja viele Aspekte seines Zukunftsentwurfs der totalen Überwachung sind sogar Wirklichkeit geworden.

Der Film "George Orwell - Der Ruf nach Freiheit" basiert auf biographischen Nachforschungen des Autors Anthony Grace, die Orwell als couragierten Kämpfer für Demokratie und Individualität zeigen. Dazu hat Regisseur Mark Littlewood faszinierende Archivaufnahmen gefunden und prominente Intellektuelle wie Noam Chomsky oder Richard Rorty befragt.  #

 

 

  ^^^^

www.detopia.de      (Ordner