Teil 1     

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3  Die Verschiebung des biologischen Gleichgewichtes, 

    ein Alarmzeichen in der Natur 

  4 Bevölkerung  

 

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Fehler, die durch mangelnden Umweltschutz verursacht werden, brechen nicht wie ein Erdbeben plötzlich über uns herein, sondern lange Zeit vorher setzt die Natur ihre Warnsignale. Werden diese »Signale« immer zahlreicher und folgen sie in immer kürzeren Zeitabständen aufeinander, ist es höchste Zeit für den Menschen zu handeln, wenn er überleben will.

Ein untrügliches Zeichen zunehmender Umweltschädigung, denen die Organismen auf der Erde ausgesetzt sind, ist die Verödung von Fauna und Flora. Zur Zeit stirbt auf der Erde jährlich eine Tierart aus. In den letzten Jahren wurden mehr als 200 Säugetier- und Vogelarten ausgerottet. Darüber hinaus sind mehrere hundert weitere Tierarten unmittelbar vom Aussterben bedroht. Man kann eine direkte Beziehung zwischen der Bevölkerungsexplosion und der Zahl der ausgestorbenen Tiere aufstellen (Abb. 15).

Es gibt eine Fülle von Beispielen, die aufzeigen, wie überall auf der Erde in zunehmender Zahl »rotes Warnlicht« aufflammt. Immer drohender zeigen sich Folgen der Verschiebung des biologischen Gleichgewichtes in der Natur — einer Verschiebung, die ausschließlich durch die Schuld des Menschen hervorgerufen worden ist.

 

Abb. 15 

Die Beziehung zwischen der Bevölkerungsexplosion und der Zahl der ausgestorbenen Tiere. 

Schwarze Linie: Die Bevölkerungszunahme zwischen 1650 und 1950 (in Milliarden). 
Weiße Blöcke: Ausgestorbene Säugetiere. 
Graue Blöcke: Ausgerottete Vogelarten

 

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Zunächst ein Beispiel aus meinem Wohngebiet: 

Die Grundwasserabsenkungen im Bereich des Englischen Gartens in München sind durch Ableitung der Isar in einen Kanal bedingt. Unterhalb dieser Kanalableitung ist das Isarbett fast trocken. Das Grundwasser läuft zu dem mehr oder weniger fallenden Isarbett ab, so daß über Jahrzehnte hinaus eine allmähliche Austrocknung, z. B. der umliegenden Gebiete des Englischen Gartens, erfolgt. Gegen Grundwasserabsenkungen sind besonders Ulmen (Rüster) empfindlich. Die ursprünglich feuchten Bastschichten trocknen zunehmend aus. Dadurch kann sich der Ulmenkäfer bis zum Holz durchbohren, was durch die feuchten Schichten verhindert worden wäre. Die Verunreinigungen der Bohrgänge durch den Käfer bilden Basis und Ansiedlungsmöglichkeiten für Pilze, die ihrerseits die Ulme zum Absterben bringen. Innerhalb von ca. 50 Jahren hat sich das gesamte biologische Gleichgewicht der Isarauen verschoben, indem die Ulmen fast ausgestorben sind.

Ein anderes Beispiel:

Entlang der ehemaligen Landstraße, der jetzigen Autobahn München-Starnberg, standen Alleen schöner Kastanien. Laubblätter — so auch die der Kastanien — sind normalerweise mit einem Film harmloser Bakterien und Pilze überzogen. Bei starker Benutzung der Autobahn wird die Lebensgemeinschaft auf den Blättern der Kastanie durch die Abgase zerstört. Viele Bakterienarten gehen ein; nur wenige Pilze, die widerstandsfähige Sporen bilden können, bleiben übrig. Diese übrigbleibenden Pilzarten haben jetzt keinen Nahrungskonkurrenten mehr, da die Begleitbakterien abgestorben sind. Sie werden darüber hinaus, durch genetische Mutationen, Krankheitserreger und stecken ihrerseits die gesunden Bäume an. Die Kastanienblätter werden vom Rand aus zunehmend braun und sterben ab. Die Atmungsfläche der Kastanienbäume wird immer kleiner, sie gehen schließlich an Erstickung zugrunde.

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Wie sieht die Verschiebung des biologischen Gleichgewichtes im Tierreich aus? 

Dazu einige Beispiele aus unseren parasitologischen Forschungen:

Seit mehreren Jahrzehnten muß der Imker eine Reihe von Erkrankungen bei seinen Bienen fürchten: einmal die Bienenruhr, dann aber auch die Bienenmilbe — einen Schädling der Bienen. Diese Erkrankungen treten besonders nach der Winterung des Bienenvolkes auf. Nach der Winterruhe bedeuten die Blüten auf den Weiden die erste willkommene natürliche Vitaminquelle für die Biene. Das durch lange Ruhe geschwächte Tier braucht, um gegen Parasiten widerstands­fähig zu sein, diese natürlichen Vitamine, die in den Blütenpollen der Weiden enthalten sind. Die zunehmende Bachbegradigung und Abholzung der Weidenbüsche aber führen zu einer immer größer werdenden Vernichtung der frühblühenden Weiden und berauben damit die Bienen ihrer natürlichen Quelle an Vitamin B, und B2, so daß sie der Bienenruhr und der Bienenmilbe erliegen (Abb. 16).

 

 

Abb. 16 

Bienenversuchsstände des Zoologisch-Parasitologischen Instituts der Universität München 
im Schleißheimer Forst zur Erforschung der natürlichen Lebensbedingungen der Honigbiene

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Die Gamsräude wird durch eine Grabmilbe verursacht (Abb. 17). Diese Räude hat in den letzten Jahrzehnten im Gebiet der bayerischen und österreichischen Alpen zu einer erheblichen Verminderung der Gamsbestände geführt. Untersuchungen haben ergeben, daß man die Räudemilben in vereinzelten Exemplaren stets findet; als »Schwächeparasiten« können sie die Tiere in solchen Mengen überfallen, daß sie daran sterben. Die Ursachen sind ebenfalls in der Verschiebung des biologischen Gleichgewichtes zu suchen. Auf 100 ha sollen nicht mehr als drei bis vier Gemsen stehen, nicht aber, wie es vor Ausbruch der Seuche in Revieren oft der Fall war, mehr als zehn.

Die Gemse kann ihre natürlichen Äsungsflächen nicht mehr wie früher nutzen, da das scheue Tier durch Bergbahnen und Berghotels immer mehr auf nur wenige Äsungsflächen zusammengedrängt ist. Bei starkem Bestand kommt es zu engem Kontakt der Tiere untereinander und darüber hinaus zu Mangelerscheinungen, weil nicht genügend geeignete Äsung zur Verfügung steht. Die Gemsen werden anfällig gegenüber parasitischen Würmern des Magen-Darm-Kanals. Die Stoffwechselprodukte dieser Würmer schwächen die Abwehrkraft der Gemse gegenüber den Milben, so daß die ursprünglich nur vereinzelt auftretenden harmlosen Milben unter diesen für sie günstigen Bedingungen zu Krankheitserregern werden.

 

In der letzten Zeit wird eine erhöhte Anfälligkeit der Heringe gegenüber Parasiten beobachtet. Diese Anfälligkeit hängt zusammen mit der atypischen Nahrungskette, die durch Änderung der Heringsnahrung durch Abwassereinflüsse erfolgt. Dadurch können immer mehr Fadenwürmer in der Muskulatur der Heringe auftreten, die zwar für den Menschen nicht schädlich sind, aber den Geschmack des Fischfleisches beeinträchtigen (Abb. 18).

Durch die zunehmende Verschmutzung der Nordsee durch eingeleitete Abwässer kommt es zu einer Überdüngung des Wassers mit Fäulnisstoffen. Diese Überdüngung führt zu einer Massenentwicklung von Mikroorganismen, von denen u. a. auch

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Quallen leben. Das ungewöhnliche Nahrungsangebot für die Quallen kann bei ihnen zu genetischen Sprüngen führen, so daß plötzlich sehr große Formen dieser Quallen auftreten. Das vermag unter diesen Umständen zu einer derartigen Masseninvasion von Quallen zu führen, daß das Baden am Meeresstrand allein dadurch unmöglich gemacht würde (Abb. 19).

In den letzten Jahren nimmt die Zahl der Raubseesterne zu (Abb. 20). Diese Raubseesterne leben von Korallen. Korallen sind mit ihrem Kalkkörper für den Aufbau der sogenannten Atolle in den Südseeinseln und, z. B. für den Schutz der Küste in tropischen Gebieten vor Stürmen, von Bedeutung. Durch die Zunahme der Raubseesterne zerfallen die in Jahrtausenden aufgebauten Korallenriffe in kurzer Zeit. Die Larven der Raubseesterne leben planktonisch im Meer. Durch Überdüngung von Küstengebieten des Meeres durch eingeleitete Abwässer kommt es zur Massenentwicklung von Mikroorganismen, die den Larven der Seesterne als Nahrung dienen und deren Chance der Verbreitung erheblich vergrößern.

 

    

Abb. 19 

Anschwemmung großer Quallen 

am Strand von Scheveningen/Nordsee

 

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Abb. 20 

Raubseesterne zwischen Korallen

 

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Ein Musterbeispiel für die Folgen, die der Eingriff des Menschen in den Haushalt der Natur hat, stellt der neue Nilstaudamm bei Assuan dar. Vor der Errichtung des neuen Dammes brachten die Hochwässer des Nils jährlich den begehrten düngenden Schlamm auf die Felder. Mit der Regulierung der Wasserführung des Nils fällt diese »natürliche« Düngung fort, so daß man gezwungen ist, die natürliche Düngung durch künstliche Mineraldüngung zu ersetzen. Die neuen Bewässerungssysteme, die bei gleichmäßiger Wasserführung des Nils für weite Ufergebiete möglich werden, schaffen günstige Lebensbedingungen für Wasserschnecken, die früher in diesen wüstenähnlichen Gebieten keinen Lebensraum fanden. 

Eine Reihe dieser Wasserschnecken sind Zwischenwirte für den sogenannten Blasenwurm. Die Larven dieses Wurmes leben in der Mitteldarmdrüse der Schnecke, machen hier eine gewisse Entwicklungsphase durch, verlassen dann die Schnecke und dringen durch die Haut in den Menschen ein; sie wandern mit dem Blut in die Venen der Harnblase und erzeugen hier schwere, lebensbedrohende Erkrankungen. 

Während die schwankenden Wasserstände vor der Nilregulierung großflächige Feldbewässerungen über das ganze Jahr hin nicht zuließen, ist dies zwar durch den neuen Nilstaudamm jetzt möglich; dafür breitet sich unter der Bevölkerung der Blasenwurm zunehmend aus. Der vor der Nilregulierung mit den Hochwässern abgeführte Schlamm färbte nicht nur das Nildelta weit in das Mittelmeer hinein gelbbraun, sondern lieferte auch Nahrungsstoffe für viele Planktonorganismen, die den Sardinen als Nahrung dienen. Durch den Wegfall der Hochwässer wird das Süßwasser des Nils nicht mehr über das Deltagebiet hinaus ins Mittelmeer gedrängt, sondern, im Gegenteil, das Salzwasser des Mittelmeeres dringt zunehmend in das Delta ein. Sowohl durch die fehlende Nahrung als auch durch den Schwund des Brackwassers verschlechtern sich die Lebensverhältnisse für die Sardine, so daß der Sardinenfang vor der ägyptischen Küste und im Gebiet des Nildeltas seit Errichtung des neuen Assuan-Staudammes um über die Hälfte zurückgegangen ist und künftig noch weiter zurückgehen wird. So wurden z.B. 1965 noch 18.000 Tonnen Sardinen gefangen, drei Jahre später nur noch 5000 Tonnen.

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Das östliche Mittelmeer war schon früher stärker salzhaltig als das westliche. Bis 1964, also bis zur Errichtung des neuen Assuan-Staudammes, konnte durch die jährlichen Nilüberschwemmungen der Salzgehalt im östlichen Mittelmeer immer wieder gesenkt werden. Im Gebiet von Beirut wurde vor Errichtung des Assuan-Staudammes ein Salzgehalt im Meer von 3,74 % gemessen, der heute, nach Wegfall der Nilhoch wässer, auf 3,98% gestiegen ist.

 

Das Kaspische Meer liefert 90 % der Störfänge und des körnigen Kaviars auf der Welt. Durch die Verunreinigung des Kaspischen Meeres hat sich im Vergleich zur Vorkriegszeit der Störbesatz um die Hälfte vermindert, was sich in einer Verdoppelung des Kaviarpreises in der Sowjetunion ausgewirkt hat. Neben der Verschmutzung der Fischnährplätze im südlichen Kaspischen Meer durch Industrieabwässer, besonders der Erdölindustrie, hat sich die große Zahl von Wasserkraftwerken entlang der Wolga auf die Vermehrung des Störes nachteilig ausgewirkt, denn die Laichplätze der Fische wurden dadurch abgeschnitten. Gleichzeitig wurde durch diese Wasserkraftmaßnahmen der Wasserspiegel des Kaspischen Meeres um einige Meter gesenkt. Man mußte, um die Störe vor ihrer Vernichtung im Kaspischen Meer zu bewahren, aus dem Asowschen Meer Futtertiere (Würmer, Muscheln und Schnecken) zum Kaspischen Meer bringen.

In Seen, die durch fäulnisfähige Abwässer stärker als bisher verunreinigt sind, beobachtet man eine Zunahme der Erblindung von Barschen. Auch diese Erscheinung, wie man sie z. B. am Bodensee beobachtet hat, hängt mit der Verschiebung des biologischen Gleichgewichtes zusammen. Durch die stärkere Schlammbildung am Grunde flacher Seebuchten kommt es zu einer starken Entwicklung von Schnecken (Abb. 21), die den ersten Zwischenwirt für einen Parasiten darstellen. In der Leber der Schnecke entwickeln sich verschiedene Larvenstadien der

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Saugwürmer, die nach einer Entwicklungsphase die Schnecke wieder verlassen. Diese Larven dringen durch die Haut in Barsche ein und wandern innerhalb des Körpers in die Linse seiner Augen, wo unter gleichzeitiger Erblindung der Barsche eine abgekapselte Larve entsteht. Die Barsche ihrerseits verlieren durch die Erblindung die Orientierung im Wasser und halten sich mehr in oberflächennahen Wasserschichten auf. Sie werden hier leicht

 

 

Abb. 21 

Kreislaufschema des Erregers 
des sogenannten Wurmstares 

A = Ei 
B = bewimperte Larve
C = Schnecke als Zwischenwirt
D = freischwimmende Gabelschwanzlarve
E= Gabelschwanzlarve beim Eindringen in den Fisch
links: Parasit, im Fischauge schmarotzend
F = Möwe, in deren Darm der Wurm geschlechtsreif wird

 

 

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eine Beute von fischfressenden Vögeln (z. B. Möwen), da sie infolge ihrer Erblindung den anfliegenden Vogel nicht mehr erkennen. Der geschlechtsreife Saugwurm entwickelt sich dann im Vogel. Dieser scheidet wiederum die Eier des Bandwurmes ins Wasser aus. Hier entsteht aus den Eiern eine Larve, die sich in Schnecken einbohrt. Infolge der Zunahme von Abwässern halten sich die Schnecken immer zahlreicher im See auf: Der Entwicklungszyklus ist geschlossen.

Verschiebungen des biologischen Gleichgewichtes können auch dadurch eintreten, daß durch ungünstige Lebensumstände einzelne Arten aussterben. Als ein Beispiel von vielen sei der Bodensee genannt. Von diesem See ist bekannt, daß sich durch Abwässer aus Städten, Industrien und aus der Landwirtschaft seine Wasserqualität zunehmend verschlechtert. Durch die eingeleiteten fäulnisfähigen Abwässer nimmt der Sauerstoffgehalt besonders in der Tiefe des Sees immer mehr ab. Der Bodensee ist ein typischer Renken- bzw. Felchensee. Die Blaufelchen, bis vor wenigen Jahren typisch für diesen See, sind vom Aussterben bedroht. 

Diese Fische haben folgende Laichgewohnheiten: Die vom Weibchen abgegebenen Eier werden unmittelbar nach der Eiabgabe vom Männchen befruchtet und sinken dann bis zum Seeboden herab. Wenn hier genügend Sauerstoff vorhanden ist, schlüpft die Fischlarve nach einer Zeit von etwa 60 Tagen aus. Das Felchenei braucht zu seiner Entwicklung genügend Sauerstoff. Dieser Sauerstoff ist an vielen Stellen des Bodensees in der Tiefe nicht mehr vorhanden. Untersuchungen haben ergeben, daß sich rund 40 % der besamten Feicheneier in der Seetiefe nicht mehr entwickeln können, weil die genügende Menge an freiem Sauerstoff fehlt. Von den Felchen, die aus dem Ei schlüpfen können, ist ein gewisser Prozentsatz verkrüppelt und daher nicht mehr lebensfähig. Der ursprüngliche Felchenbestand des Bodensees geht damit immer mehr zurück. Die Stelle der Felchen nehmen Weißfische und Barsche ein, die in flacheren Uferregionen laichen und deren Eier nicht zum Boden sinken, sondern an Unterwasserpflanzen ankleben. 

Die Zunahme dieser sogenannten »Krautlaicher« und die »Verbarschung« des Sees ist für den Fachmann ein untrügerisches Zeichen dafür, daß der See biologisch krank ist. Diese wenigen Beispiele von vielen mögen zeigen, daß uns die Natur warnend auf kommende Katastrophen hinweist.

Welche Folgerungen ergeben sich aus den wissenschaftlichen Forschungen für die Praxis des Alltags? Man kann der Verschiebung des biologischen Gleichgewichtes Einhalt gebieten, wenn man einer Landschaft genügend Regenerationszentren läßt. In hochindustrialisierten Staaten müssen von den ursprünglichen Einheiten mindestens 20-25 % in der gleichen Form erhalten bleiben, um der Natur Erholungszentren für die durch den Menschen gestörten Lebensgemeinschaften zu schaffen. Regenerationszentren müssen in der Stadt durch Anlage von Grünflächen, auf dem Lande durch die Errichtung großer Naturschutzparks und durch weitflächige Erholungslandschaften für den Menschen geschaffen werden.

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4. Bevölkerungsexplosion   

 

 

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Im Gegensatz zum Verschwinden vieler Tierarten auf der Erde und der erschreckenden Reduktion der Verbreitung vieler heute noch auf der Erde lebenden Tierarten zeigt die Entwicklung des Homosapiens eine gegenteilige Tendenz.

Die Bevölkerung der Erde nimmt in jeder Sekunde (!) um 2 Menschen, jeder Minute um 120, jeder Stunde um 7200, jeden Tag um 172.800, jede Woche um 1.209.600 und jedes Jahr um 63,072 Millionen zu.

Nach dem geschätzten Wachstum der Weltbevölkerung von 8000 v. Chr. bis 2000 n. Chr. (Abb. 22) betrug diese zur Zeit der ersten Anlage von Dörfern und Städten, etwa 6000 v. Chr., rund 86 Millionen. 

Um Christi Geburt betrug die Gesamtbevölkerung der Erde knapp 250 Millionen, im Jahre 1600 etwa 500 Millionen, um 1830 1 Milliarde, 1930 2 Milliarden, 1965 3,3 Milliarden. 1975 wird sie 4 Milliarden betragen. Für das Jahr 2000 wird eine Welt­bevölkerung von 7,5 Milliarden, für das Jahr 2050 ein solche von 25 Milliarden vorausberechnet! 

 

 

  

Abb. 22

Geschätztes Wachstum der Weltbevölkerung von 8000 v. bis 2000 n. Chr. 

Abszisse: Jahreszahlen
Ordinate: Bevölkerungszahl in Milliarden 

 

 

  

Abb. 23 
Bisheriges und voraussichtliches Wachstum der Weltbevölkerung seit 1930 bis zum Jahr 2000, 
in kontinentale und subkontinentale Bevölkerungsgruppen aufgegliedert, 
nach Statistiken der Vereinten Nationen

 

Bedingt durch die Entwicklung der Naturwissen­schaften in neuerer Zeit, führten die Errungenschaften auf dem Gebiet der Medizin und Sozialhygiene zu einer erheblichen Senkung der Kindersterblichkeit und einer gleichzeitigen Erhöhung der Lebenserwartung. Die Produktion an Nahrungsmitteln hält aber mit dem explosionsartigen Wachstum der Bevölkerung nicht Schritt. Von den 3,3 Milliarden Menschen des Jahres 1965 waren nur 35% gut und 50% knapp ausreichend ernährt, während 15% hungerten. Es wird geschätzt, daß an den direkten und indirekten Folgen dieser mangelnden Ernährung jährlich 20 Millionen Menschen auf der Erde sterben. 

Dadurch kann jedoch die Bevölkerungsexplosion nicht aufgehalten werden. Wenn auch im vorigen Jahrhundert, nach vorsichtigen Schätzungen, 100 Millionen Chinesen verhungerten und wenn auch zwischen 1870 und 1900 20 Millionen Inder an Hunger starben, haben beide Völker zusammen heute doch 1,25 Milliarden Einwohner (Abb. 23).

Ursprünglich entsprach eine hohe Geburtenrate auch einer etwas höheren Sterberate, so daß, wie die Abb. 23 zeigt, zunächst der Bevölkerungs­anstieg nur gering war. Das änderte sich durch die Fortschritte von Medizin und der Verbreitung der Hygiene, denn die Sterberate sank, während die Geburtenrate hoch blieb. Eine rasch anwachsende Bevölkerung war die Folge. Schließlich sank mit der Propagierung der Hygiene die Sterberate weiter; es kam aber mit dem steigenden Wohlstand zu einer Reduzierung der Geburtenzahl, was zu einer Verringerung des Bevölkerungszuwachses führte. 

Das Endglied in dieser Entwicklung ist ein Gleichgewichtszustand, der sich zwischen der geringen Sterbe- und Geburtenrate einstellt. Dieser Endzustand der Verlangsamung des Bevölkerungszuwachses ist besonders in Westeuropa festzustellen. Mit der Überwindung der primitiven Lebensbedingungen, des Analphabetentums und des steigenden Wohlstandes erfolgt eine Verlangsamung der Geburtenzunahme. Je schneller es gelingt, diesen Wohlstand in den sogenannten Entwicklungsländern herbeizuführen, um so geringer wird auch dort die Zuwachsrate der Bevölkerung sein.

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 Ein Planet wird unbewohnbar -- Ein Sündenregister der Menschheit von der Antike bis zur Gegenwart  von  Hans Liebmann (Prof. Dr. Dr. h.c.)

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