Claus Leggewie, Harald Welzer

 Das Ende der Welt,

wie wir sie kannten

 

Klima, Zukunft und
die Chancen der Demokratie

 

 

2009 bei S.Fischer

Claus Leggewie Harald Welzer (2009) Das Ende der Welt, wie wir sie kannten Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie

2009   235+40 Seiten

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Klimabuch

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Inhalt      Inhalt.pdf   2009

 

Am Ende - oder: Klimawandel als Kulturwandel (9) Einleitung

 


Kapitel I

Die Krise verstehen, oder: die Grenzen eines kulturellen Modells (15)

Nothing spezial. Über die Entwirklichung von Risiken 17

Biblische Plagen, kulminiert 22

Wider alle Evidenz 29

Der Klimawandel als kulturelles Problem 31

Peak Oil 37

Die Wälder sind gesund 42

Wie aus dem kritischen ein springender Punkt werden kann 49

Anna H. fragt, warum ihre Zukunft kolonialisiert wird 53

Horizontale Ungerechtigkeit 62

Wer »A« sagt, muss nicht »B« sagen 65

Zwei Grad plus 68

Wo wir stehen 71


Kapitel II

Denn sie tun nicht, was sie wissen.
Warum Umweltbewusstsein und Handeln verschiedene Dinge sind
(72)

Kognitive Dissonanzen 74

Partikulare Vernunft 79

Kulturelle Verpfichtungen 82

Der Automann 88

Nachmittags Schwimmschule 91

Warum man warme Winter für normal hält 93

Warum wir uns nicht bewegt haben 99


Kapitel III

Business as usual. Zur Kritik der Krisenbewältigung 100

Marktversagen 102

Die politische Ökonomie des Klimaschutzes 106

Wachstum muss sein 110

Green Recovery, oder: Wird der Kapitalismus grün? 113

Demobilisierung: nicht Konjunkturspritzen, Konversionsprogramme! 118

Geo-Engineering: die Wunderwaffen im Klimakampf 123

Renaissance, oder: Abgesang der Staatlichkeit? 130

Die Dritte Industrielle Revolution 132

Wir sind das Volk 136

Kapitel IV

Demokratie unter Druck 137

Unzufriedene Demokraten 138

Demoautoritarismus 149

(Wie) Können Demokratien den Klimawandel bewältigen? 156

Last Exit Kopenhagen: Schwierigkeiten globalen Regierens 160

Über die Leitplanke 167

Die Alternative 172


Kapitel V

Die Große Transformation 174

Die Menschen wollen nicht verzichten: aus dem Wörterbuch des Unpolitischen 175

Verzicht als Gewinn 176

Andersherum. Frau K.’s Haushaltsverstand 181

Spaß am Widerstand, oder: Kann man die neue Welt auch kaufen? 186

Menschen werden Bürger 192

Empowerment und Resilienz 196

Eine Kultur der Achtsamkeit 197

Resilienz lernen 199

Selbst-Helfer 202

Wie Basisinitiativen die Klimapolitik in Bewegung bringen 205

Dunbars Numbers. Die neue Übersichtlichkeit 206

Seltsame Bündnispartner im Klimakampf 210

Wegen Klima auf die Barrikaden? 212

Utopia.de 216

Frau K. hat keine Wahl 221

APO 2.0, oder: Bürger auf die Barrikaden! 225

Wer ist wir? Eine Geschichte über sich selbst erzählen 231

 

Anmerkungen 236

Literatur 256

Danksagung 265

Personenregister 266

Sachregister 269

 

 

Am Ende - oder:

Klimawandel als Kulturwandel

 

Einleitung der Autoren

It's the end of the world
 as we know it. (R.E.M.)

9

Weltuntergang? Nein, nicht die Welt gerät aus den Fugen, wie man in letzter Zeit lesen konnte, wohl aber die Strukturen und Institutionen, die der Welt, wie wir sie kannten, Namen und Halt gaben: kapitalistische Märkte, zivilisatorische Normen, autonome Persönlichkeiten, globale Kooperationen und demokratische Prozeduren.

Als moderne Menschen sind wir gewohnt, linear und progressiv zu denken – nach vorne offen. Sicher gab es auf dem Weg von Wachstum und Fortschritt Zäsuren und Rückschläge, aber unterm Strich ging es immer weiter aufwärts. Die Denkfiguren von Kreislauf und Abstieg gerieten in Misskredit, Endlichkeit wurde undenkbar.

Das war die Welt, wie wir sie kannten: Märkte expandierten über ihre periodischen Krisen hinweg in eine gefühlte Unendlichkeit, Staaten sicherten die soziale Ordnung und den Weltfrieden, der flexible Mensch verwandelte Naturgefahren per Technik und Organisation in beherrschbare Risiken. Nur manchmal und dann vorübergehend schien die Leitidee des Fortschritts außer Kraft gesetzt zu sein. Selbst ein Zivilisationsbruch wie der Holocaust und ein Völkermord wie in Darfur konnten die Grundüberzeugung nicht erschüttern, auf dem besten aller Wege zu sein. Globale Mobilität und Kommunikation machten die Welt klein und zugänglich, auch die Demokratie vollendete 1989 ihren Siegeszug. Die Welt wurde uns damit immer bekannter.

Dass sie so, wie wir sie kannten, nicht mehr wiederzuerkennen ist, liegt nicht an der Natur, die bei aller Gesetzlichkeit immer Sprünge gemacht hat, sondern an dem von Menschen verursachten Wandel des Klimas. Das Weltklima kann an tipping points mit unkalkulierbarer Dynamik gelangen und umkippen, wenn nicht rasch – genau genommen: im kommenden Jahrzehnt – radikal anders gewirtschaftet und umgesteuert wird.

Die kurze Spanne bis 2020 – nur zwei, drei Legislaturperioden, einen kurzen Wirtschaftszyklus, zwei Sommerolympiaden weiter – entscheidet über die Lebensverhältnisse künftiger Generationen.

Damit ist eine Perspektive der Endlichkeit in den linearen Fortschritt eingezogen, die dem modernen Denken fremd, geradezu ungeheuerlich ist. Risiken verwandeln sich zurück in Gefahren. Nicht nur die Rohstoffe sind endlich, mit ihnen könnten auch die großen Errungenschafen der westlichen Moderne zur Neige gehen, als da sind: Marktwirtschaft, Zivilgesellschaft und Demokratie.1

Der Klimawandel ist somit ein Kulturwandel und ein Ausblick auf künftige Lebensverhältnisse. Das meint nicht »in the year 2525«,* es betrifft eine überschau­bare Zeitgenossenschaft. Wer 2010 zur Welt kommt, kann das Jahr 2100 noch erleben; ohne rasches und entschlossenes Gegensteuern wird die globale Durchschnittstemperatur dann um vier bis sieben Grad Celsius gestiegen sein und unsere Nachkommen eine Atemluft vorfnden, wie sie heute nur in engen und stickigen Unterseebooten herrscht.

*detopia-2021: Ein Lied, Popsong

Während wir – das sind in diesem Fall die Bewohnerinnen und Bewohner der Länder des atlantischen Westens – noch glauben, das Zentrum der Weltgesellschaft zu bilden und ihre Zukunft nach Belieben gestalten zu können, driften wir längst aus diesem Zentrum heraus, und andere Mächte rücken in die Mitte. Der wirtschaftliche und machtpolitische Einflussgewinn von Ländern wie China, Indien, Brasilien, Russland wird sich trotz ihrer aktuellen Probleme fortsetzen, und auch andere werden dieser Aufstiegsbewegung folgen. Die Figuration der Weltgesellschaft verändert sich und damit die Rolle, die wir in ihr spielen. Und Probleme, die vorerst nur die europäische Peripherie – Island, Lettland oder Ungarn – plagen, zeigen dem Zentrum seine eigene Zukunft.

10/11

Unser Selbstbild und unser Habitus sind, nach 250 Jahren überlegener Macht, Ökonomie und Technik, noch an Verhältnisse gebunden, die es so gar nicht mehr gibt. Dieses Nachhinken unserer Wahrnehmung und unseres Selbstbildes hinter der Veränderungsgeschwindigkeit einer »globalisierten Welt« fndet sich auch auf anderen Ebenen unserer Existenz – etwa in Bezug auf die Energie-, Umwelt- und Klimakrisen. Obwohl es nicht den geringsten Zweifel daran gibt, dass die fossilen Energien endlich sind und die zunehmende Konkurrenz um Ressourcen bei gleichzeitigem Rückgang der verfügbaren Mengen zuerst zu Konflikten, wahrscheinlich auch Kriegen führen wird und dann zu einer Welt ohne Öl, pflegen wir politische Strategien und Lebensstile, die für eine Welt mit Öl entwickelt worden sind.

Während das Artensterben in beispielloser Geschwindigkeit voranschreitet, die Meere radikal überfischt und die Regenwälder gerodet werden, wird unser Handeln von der Vorstellung geleitet, es handele sich dabei um reversible Prozesse. Die Zerstörung wird mit illusionären Korrekturvorstellungen bemäntelt, und trotz der Evidenz des Klimawandels bleibt das Gros der Politiker – das gängige Krisenmanagement zeigt es – auf kurzatmige und illusionäre Reparaturziele fixiert. Wer im Blick auf Quartalsbilanzen und Wahltermine vor allem Arbeitsplätze in scheiternden Industrien bewahren will, betreibt eine Politik von gestern.

Die Geschichte kennt Beispiele von Zivilisationen, die länger erfolgreich waren als die Kultur des Westens. Sie sind untergegangen, weil sie an Strategien, die für ihren Erfolg und Aufstieg gesorgt hatten, unter veränderten Umweltbedingungen zäh festgehalten haben.

11/12

›Was mag‹, fragte Jared Diamond, ›derjenige gedacht haben, der auf der Osterinsel den letzten Baum gefällt und damit den unaufaltsamen Untergang einer 700 Jahre lang erfolgreichen Kultur besiegelt hat? Wahrscheinlich, dass Bäume schon immer gefällt wurden und dass es völlig normal sei, wenn auch der Letzte fällt.‹2

Wir sind alle Osterinsulaner: Würde man nach einer schlichten Überlebensregel selbstverständlich davon ausgehen, in einem Jahr nur soviel an Ressourcen zu verbrauchen, wie die Erde per annum zur Verfügung stellen kann, dann müssten wir diese Jahresration auf 365 Tage verteilen und dürfen sie nicht vor dem 31. Dezember ausgeschöpft haben. Der Tag, an dem man so zu rechnen begann, war Silvester 1986, der erste Earth Over-shoot Day. Nur zehn Jahre später wurden bereits 15 Prozent mehr des Jahresbudgets verbraucht, der Scharniertag fiel also in den November, und 2008 war dieser Zeitpunkt bereits am 23. September erreicht.3 Bei Fortschreibung des aktuellen Verbrauchs wird das Budget 2050 schon nach sechs Monaten aufgezehrt sein.

Wir hängen keinen romantischen Naturvorstellungen an, aber solche scheinbar naiven Rechnungen entlarven den vermeintlichen Realismus, der den frivolen Zukunftsverbrauch der kapitalistischen Wachstumsökonomie auszeichnet. An dem waren eben nicht nur gedankenlose Banker beteiligt. Die größte Massen­bewegung nach dem »Ausbruch« der Finanzkrise im September 2008 war der Ansturm auf die Showrooms der Autohäuser, um die Abwrackprämie kassieren zu können.

Gerade in Deutschland dreht sich alles um einen Industriezweig, der in Zukunft gar nicht mehr die Rolle spielen darf, die er in der Vergangenheit einmal hatte. Wer die Automobilindustrie päppelt (und dann auch noch mit so unsinnigen Maßnahmen wie mit einer Verschrottungsprämie), gibt für Überlebtes Geld aus, das für die Gestaltung einer besseren Zukunft nicht mehr verfügbar ist. Solche Rettungspläne folgen der Auto-Suggestion, eine Welt mit mehr als neun Milliarden Bewohnern könnte so aussehen wie Europa heute, mit acht-spurigen Straßen und ausufernden Parkplätzen.

12/13

Wir müssen heraus aus den Pfadabhängigkeiten und Vergleichsroutinen. Die akute Weltwirtschaftskrise wird mit der Großen Depression der 1930er Jahre verglichen und überschreitet bereits deren Parameter! Doch das verkennt noch den Ernst der Lage. Die Welt durchlebt nicht nur eine historische Wirtschaftskrise, ihr steht auch die dramatischste Erwärmung seit drei Millionen Jahren bevor. Es mag sich bombastisch oder alarmistisch anhören: Aber die Große Transformation, die ansteht, gleicht in ihrer Tiefe und Breite historischen Achsenzeiten wie den Übergängen in die Agrargesellschaft und in die Industriegesellschaft.

Der Klimawandel ist deswegen ein Kulturschock, weil es immer schwieriger wird, zu ignorieren, wie stark sich unsere Wirklichkeit bereits verändert hat und wie sehr sie sich noch verändern muss, um zukunftsfähig zu sein. Was Techniker decarbonization (Entkohlung) nennen und Ökonomen als Low Carbon Economy (karbonarme Wirtschaf) ausmalen, kann nicht auf die Veränderung einiger Stellschrauben der Energiewirtschaft beschränkt bleiben – 80 Prozent unseres komfortablen Lebensstils ruhen auf fossilen Energien. Am Horizont der Großen Transformation steht eine postkarbone Gesellschaft mit radikal veränderten sozialen, politischen und kulturellen Parametern.

Eine Gesellschaft, die die Krise verstehen und meistern will, kann sich nicht mehr auf Ingenieurskunst, Unternehmergeist und Berufspolitik verlassen (die alle gebraucht werden), sie muss – das ist die zentrale These unseres Buches – selbst eine politische werden: Eine Bürgergesellschaft im emphatischen Sinn, deren Mitglieder sich als verantwortliche Teile eines Gemeinwesens verstehen, das ohne ihren aktiven Beitrag nicht überleben kann.

Auch wenn diese Zumutung so gar nicht in die Zeit hineinzupassen scheint: Die Metakrise, mit der wir zu kämpfen haben, fordert mehr, nicht weniger Demokratie, individuelle Verantwortungs­bereitschaft und kollektives Engagement.

13

Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie: Unser Buch verbindet eine auf aktuelle Daten gestützte Zeitdiagnose mit einem wirklichkeitsnahen Politikentwurf. Wir sind keine Klimaforscher im herkömmlichen Sinne,4 nehmen den Klimawandel aber als eine Heuristik künftiger Kulturverhältnisse, als ein Findbuch guten Lebens.

Kultur ist eine Antwort auf drei Fragen: wie die Welt im Inneren beschaffen ist, wie sie sein soll und wie sie vermutlich werden wird.5

Im ersten Kapitel stellen wir die Gründe und Ausmaße der aktuellen Metakrise dar, deren bloße Ausrufung noch nicht zu einem Kurswechsel führt, eher zu Verleugnung und Resignation.

Im zweiten Kapitel beschreiben wir die Kluft zwischen Wissen und Handeln – warum Menschen nicht tun, was sie wissen, sondern sich lieber an die »Zuständigen« wenden, an Markt, Technik und Staat.

Im dritten Kapitel tragen wir dazu eine Kritik des laufenden Krisenmanagements vor, das sich auf überholte Instrumente verlässt und in alten Mustern verharrt.

Im vierten Kapitel behandeln wir den Wettstreit autoritärer und demokratischer Ansätze zur Überwindung der globalen Krise, und im Schlusskapitel loten wir die Chancen einer Demokratisierung der Demokratie aus.

Das ist alles andere als ein Weltuntergangsszenario. Wir wünschen uns Leserinnen und Leser, die froh sind, die alte Welt hinter sich lassen zu können, und die an der Gestaltung einer besseren mitwirken wollen. Denn bei aller Absturzgefahr bieten Wirtschaftskrise und Klimawandel Spielräume für individuelles Handeln, für demokratische Teilhabe und globale Kooperation.

Diesem Großexperiment unter Zeitdruck ist alle Welt unfreiwillig, aber wissend ausgesetzt.

14

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Leseprobe bis Seite 14 der Bundeszentrale für pol. Bildung


Leseberichte

perlentaucher.de/buch/claus-leggewie-harald-welzer/das-ende-der-welt-wie-wir-sie-kannten.html

zu Neue Zürcher Zeitung, 12.12.2009

Eine politisch, ja existentialistisch aufgeheizte Atomsphäre herrscht nach Ansicht von Rezensent Uwe Justus Wenzel bisweilen in Claus Leggewies und Harald Welzers Buch über "Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie". Doch auch wenn für ihn manche Diagnose alarmistisch klingt, schätzt er die beiden Autoren nicht als Apokalyptiker ein. Er versteht sie eher als "gut informierte Krisenhermeneutiker", die kritisch mit dem technokratischen Krisenmanagement ins Gericht gehen, Handlungsblockaden analysieren und für einen Wandel der Lebensführung, der Marktwirtschaft sowie für mehr Demokratie plädieren.

Die Rede von einer "APO 2.0", wie die Autoren die ersehnte neue große Bürgerbewegung nennen, scheint Wenzel freilich etwas plakativ. Er sieht in diesem Kontext eine inzwischen in Mode gekommene "politische Psychologie der Selbstaufforderung und Selbstermunterung" am Werk. Für Wenzels Geschmack ist das ein wenig zu überschwänglich.

"Man ist entschlossen", analysiert er nüchtern die Begeisterung der Autoren, "weiß aber noch nicht so genau, wozu."


 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.10.2009

Rezensentin Annette Jensen ist mit Claus Leggewies und Harald Welzers Analyse der aktuellen Krise durchaus einverstanden, auch wenn sie findet, dass die Autoren gerade am Anfang wenig Neues sagen. Das Buch wird ihrer Meinung nach erst ab Seite 71 "spannend". Überzeugend findet sie dann, wie die beiden unter Bezugnahme auf die aktuelle psychosoziale Forschung die derzeit herrschende Weiter-So-Mentalität erklären.

Weniger angetan ist die Rezensentin aber von manchen der Zukunftsszenarien, die die beiden Forscher entwickeln. Die Hoffnung, die Leggewie und Welzer zum Beispiel in die Handlungsweisen von "strategischen Konsumenten" setzen, hält Jensen für "naiv". Anderes, wie etwa ihr Vertrauen in das Funktionieren einer "Mikropolitik", findet sie dann aber schon deutlich sinnvoller.


 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.09.2009
"Überfüllt mit allem Wissen, das man aufschreiben kann, um umzulernen", findet Rezensentin Elisabeth von Thadden dieses Buch über den Klimawandel. Auch fällt es aus ihrer Sicht angenehm im Stapel der übrigen alarmistischen Klimakatastrophenbücher auf, da es den Lesern zutraut, die beschriebenen unhaltbaren Zustände auch zu verändern. Ohnehin ist der zivile Charakter des Buchs, der sozusagen das Handeln zur Bürgersache macht, für Thadden das auffälligste Merkmal dieser Publikation.

Kleine Defizite hat die Rezensentin allerdings auch aufzulisten: etwa das grundsätzlich "Schlaumeierische", mit dem hier für ihren Geschmack auch viel Bekanntes ausgebreitet wird, das Fehlen einer Diskussion über die Frage, warum manche Länder manche Technologien fördern und andere nicht. Auch hätte sie gern den "Gefühlskapitalismus" näher beleuchtet gesehen, der den Menschen so stark (und umweltzerstörend) an das Käufliche bindet.


 

zu Frankfurter Rundschau, 08.09.2009

Man kann sich auch zuviel vornehmen. Rudolf Walther hat es erlebt mit diesem Buch von Claus Leggewie und Harald Welzer. Die Klimakrise zu analysieren und zu lösen auf 235 Seiten, das geht nicht, meint Walther.

Das Buch mit seinen Kleinstkapiteln kommt ihm vor wie eine Mischung aus Feuilleton, Talkshow und Netzlektüre.

Zwar findet der Rezensent die Texte angenehm undramatisch geschrieben, das Verständnis befördert das aber in diesem Fall auch nicht unbedingt. So bleibt Walther lange unklar, welches Feld genau die Autoren eigentlich beackern und was sie meinen, wenn sie "Klimakrise" sagen. Aha, Klimakrise gleich Systemkrise. Nach 50 Seiten ist es dem Rezensenten klar. Bleibt für ihn nur noch zu klären, warum der Band die wichtige Rolle von Interessen und Herrschaft hinsichtlich des Themas so sehr vernachlässigt, und wie sich Leggewie und Welzer eine "Kulturrevolution des Alltags" (so ihr Lösungsvorschlag) vermittels einer neuen Apo 2.0 vorstellen.


 

 

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Claus Leggewie + Harald Welzer (2009) Das Ende der Welt, wie wir sie kannten : Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie