Reinhold Zippelius  

Geschichte 

der Staatsideen

 

1971 bei Beck
6., erweiterte Auflage 1989
Umschlagbild: 
Sachsenspiegel, Antwerpen 1506

1971    214 Seiten 

wikipedia.Autor  *1928 in Ansbach; Prof.

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detopia

Z.htm   Utopiebuch 

M.Berneri    K.Heinisch.1960 

(Zusatzordner)

Inhalt

 

Vorwort  (7)

 

Quellen-nachweis (201)

Namen-register (203)

Sach-register (205)


Wie würde dich die Einsicht kränken:
Wer kann was Dummes, 
wer was Kluges denken,
Das nicht die Vorwelt schon gedacht?

Faust II


Widmung: VIKTORIA STOESSEL (1904-1983) in Dankbarkeit


Die Frage nach der bestmöglichen Ordnung menschlichen Zusammenlebens hat sich im Wandel der Geschichte immer von neuem gestellt und fand mehr oder minder phantasievolle Antworten. 

 

Diese hielten zum Teil einer kritischen Prüfung stand, teils wurden sie in ihrem Geltungs­anspruch eingeschränkt oder auch ganz aufgegeben und durch andere Lösungsversuche ergänzt oder ersetzt. 

 

So kann man sich die Geschichte der Staatsideen rückschauend als einen großen Prozeß von trial and error vorstellen, in welchem der menschliche Geist nach einer friedensichernden, wirksamen und gerechten Ordnung menschlichen Zusammenlebens und nach deren anthropologischen Bedingungen gesucht hat und weiterhin sucht. 

Einige wichtige Positionen dieser Ideengeschichte werden hier umrissen.

 


 

 

Reinhold Zippelius ist Professor für Rechtsphilosophie und öffentliches Recht an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.

 

Veröffentlichungen:

  Rechtsphilosophie (2.Aufl. 1989), Allgemeine Staatslehre (10. Aufl. 1988, Übersetzungen ins Portugiesische und Spanische), Gesellschaft und Recht: Grundbegriffe der Rechtsund Staatssoziologie (1980), Juristische Methodenlehre (4. Aufl. 1985), Die Bedeutung kulturspezifischer Leitideen für die Staats- und Rechtsgestaltung (1987), 

Zur Rechtfertigung des Mehrheitsprinzips in der Demokratie (1987), zusammen mit Theodor Maunz: Deutsches Staatsrecht (27.Aufl. 1988).

 

Teil 1:  Die Antike 

 

1. Die Sophisten  (13)

2. Platon  (17)   a) Die Misere der bestehenden Staaten - b) Der Idealstaat c) Der Gesetzesstaat

3. Aristoteles  (28)  a) Die Soziallehre  b) Fragen der Eugenik und Erziehung c) Die Staatsverfassung d) Die Gerechtigkeit

4. Epikureer und Stoiker (41)     a) Die Lehre Epikurs - b) Grundgedanken der stoischen Ethik c) Das stoische Naturrecht d) Die Staatsphilosophie

 

Teil 2: Von Augustinus bis Calvin

 

5. Der Einbruch des Christentums in die antike Welt  (52)
  a) Die Abkehr vom ethischen Intellektualismus b) Die Gesinnungsethik  c) Die irdischen Güter  d) Die Konfrontation mit dem antiken Staat

6. Augustinus  56   a) Die Zwei-Reiche-Lehre - b) Das Naturrecht

7. Thomas von Aquin    a) Naturrecht und Gerechtigkeit - b) Die Soziallehre - c) Die Staatslehre

8. Zwischen Mittelalter und Neuzeit   a) Die Auflösung des Thomistischen Weltbildes - b) Marsilius von Padua - c) Dante

9. Die Rechts- und Staatsauffassungen der Reformatoren   a) Luther - b) Zwingli und Calvin

 

Teil 3:  Von der Entstehung des souveränen Staates bis zur Französischen Revolution

 

10. Utopische Modelle    a) Thomas Morus  b) Spätere Utopisten  

11. Die Staatsgewalt als technisches Problem (Machiavelli) a) Der Denkstil Machiavellis - b) Das Menschenbild - c) Der Herrscher

12. Die Staatsgewalt als Ordnungsmacht (Hobbes)   a) Wegbereitende Erwägungen Bodins - b) Homo homini lupus - c) Der Staat - d) Das Recht

13. Die Idee der Demokratie   a) Althusius - b) Spinoza - c) Rousseau - d) Die Idee der repräsentativen Demokratie

14. Die Kontrolle der politischen Gewalt und die Rechte der Einzelnen a) Locke - b) Montesquieu

15. Das neuzeitliche Naturrecht  (128)
     a) Grotius - b) Pufendorf - c) Thomasius - d) Leibniz - e) Christian Wolff

 

Teil 4:  Die Staats- und Rechtsphilosophie seit Kant  

 

16. Die Rechtsgemeinschaft als System geordneter Freiheit (Kant)  (147)
a) Das Sittengesetz - b) Moralität und Legalität - c) Das Prinzip des Rechts - d) Der Staat - e) Die geschichtliche Hoffnung

17. Der Staat als Institution objektiver Vernünftigkeit 157    a) Fichte - b) Hegel

18. Der Staat als gesellschaftliche Tatsache  167    a) Comte - b) Marx - c) Max Weber - d) Gemeinschaft als Gefüge sinnorientierten Verhaltens

19. Anthropologische Theorien  184     a) Ältere Ansätze - b) Die menschliche Triebstruktur - c) Biologische Vorgegebenheiten

20. Kritische Theorien  191    a) Ideologiekritik - b) Der kritische Rationalismus (Popper)

21. Experimentierende Praxis  196   a) Grundsätzliches - b) Tentative Suche nach Gerechtigkeit 

  

Vorwort  

7

Es gehört zur politischen Kultur, daß man nicht kurzerhand den eigenen Gerechtigkeitsstandpunkt und die eigene Staatsauffassung absolut setzt, sondern sich mit der Möglichkeit anderer Vorstellungen vertraut macht. 

Eine solche Umschau fördert eine Fülle von Gesichtspunkten, Argumenten und Teilwahrheiten zutage. Sie zeigt aber auch das Fragmentarische, Vorläufige, Überholbare vieler Einsichten, gerade auch solcher, die sich sehr grundsätzlich nehmen. Schon Grotius wollte deshalb dem Brauche derer folgen, die auf keines Philosophen Sekte schworen, "weil sie meinten, daß keine Sekte alle Wahrheit besessen habe und daß auch keine gewesen sei, die gar nichts Wahres erkannt hätte". Deshalb sei es darum gegangen, "die im einzelnen zerstreute und unter die Sekten verteilte Wahrheit in ein Ganzes zu sammeln" (De jure belli ac pacis, Vorrede, Nr. 42).

Die Unfähigkeit, die politischen Tatbestände und Fragen in ihrer Differenziertheit zu sehen, ist die Mutter des Radikalismus. Er will alles und jedes auf eine Wurzel, auf eine Grundtatsache oder ein einfaches Prinzip zurückführen, statt in diesen bloße Teilmomente und Teilaspekte des Ganzen zu sehen. Er entstammt dem Unvermögen, das Sowohl-als-auch zu erwägen und einen maßvollen Ausgleich zu suchen, wie er etwa zwischen den Prinzipien der Freiheit und der Ordnung immer wieder gefunden werden muß.

Vorliegende Darstellung soll zugleich eine ideengeschichtliche Ergänzung zu meiner <Rechtsphilosophie> und zu meiner <Allgemeinen Staatslehre (Politikwissenschaft)> liefern, in denen der Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung mit der rechtsphilosophischen und staatstheoretischen Literatur der Gegenwart liegen mußte. 

In diesem historischen Überblick wurden auch aus dem Denken der Gegenwart nur einige wichtige Züge herausgehoben. Der Titel des Buches bedarf einer Einschränkung: Behandelt werden nur die wichtigsten Staatsideen des abendländischen Kulturkreises, nicht auch die anderen großen Kulturen und deren Staatsdenken. 

Gegenüber der 5. Auflage wurde der Text durch einige Einfügungen und durch das 21. Kapitel erweitert.

 

 

 

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