Wilhelm von Kügelgen

Jugend-
erinnerungen
eines alten Mannes

 

 

 

1870    xxx Seiten 

Wikipedia.Autor *1802 (ab 1805 Dresden) bis 1867 (64) 

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Wilhelm von Kügelgens Jugenderinnerungen gehören nicht nur zu den bekanntesten Selbstdarstellungen in der deutschen Literatur, sondern seit ihrem ersten Erscheinen 1870 auch zu ihren beliebtesten. 

1855 begann Wilhelm von Kügelgen, seine Jugenderlebnisse aufzuschreiben. 1865, zwei Jahre vor seinem Tode, hatte er die Arbeit daran beendet.

Die Neuausgabe stützt sich auf die kritische Ausgabe von Johannes Werner, die 1924 bei K. F. Koehler in Leipzig erschien. Von 1954 bis 1959 veröffentlichte Koehler & Amelang eine Neuausgabe, deren 6. Aufl. (1959) dem vorliegenden Text zugrunde liegt. Anmerkungen und Register wurden geringfügig verändert.

1967 veröffentlichten Else und Bernt von Kügelgen bei Koehler & Amelang eine Ausgabe des Werkes Wilhelm von Kügelgens, deren erster Band die „Jugenderinnerungen eines alten Mannes" und deren zweiter Band, „Lebenserinnerungen eines alten Mannes", eine Auswahl seiner Briefe enthält. Diese Ausgabe kann nicht  weitergeführt werden, weil sich inzwischen bei den Briefen eine veränderte Forschungs­lage ergeben hat.

Wilhelm von Kügelgen läßt seine „Jugenderinnerungen" als in sich geschlossenes, sorgfältig komponiertes Werk mit dem gewaltsamen Tod des geliebten Vaters enden. Dieser Schicksalsschlag traf ihn zu einer Zeit größter Übereinstimmung mit dem Vater. Er beendete die harmonische Jugend auf grausame Weise. 

 

 

Chronologische Inhaltsübersicht  

 

Kindheit ab 1802

Knabenzeit ab 1809

Seit Juni (Okt.) 1809 .... In Herrn Senffs Zucht.  64

Sommer 1811 ..... Im Pfarrhaus zu Halle.  86

1812-1813 ......... Die Napoleonische Zeit  103

Aug. 1813/Febr. 1814 In Ballenstedt  156

Febr./Aug. 1814. .... In Hummelshayn  190

1815-1817........ In der Angerschen Schule zu Dresden und auf dem Begerhauschen  216

März 1817 ...... Bei Roller in Lausa zur Konfirmation  262

Gymnasiast ab 1817

April 1817. ......... Auf dem Merseburger Schloß   297

Fruh)ahr 1817 ....... Auf Schloß Ballenstedt  310

Johanni 1817........ Auf dem Gymnasium zu Bernburg, im Hause des Ätti  314 

Weihnachten 1817 ... In Dresden: Berufsentscheidung  335

Pfingsten 1818 ..... Auf Schloß Ballenstedt  345

Kunstschüler ab 1818 bis 1820

Johanni 1818 .... Im Zeichensaal und (seit Oktober) in der Gipsklasse der Dresdener Kunstakademie  359

Winter 1818/19 .... - Exil in Lausa .... 381 # Die Wendung des Vaters zur Kirche  397

Frühjahr 1819 ....... Junggesellenleben mit dem Vater  403 '

Sommer 1819 ....... Wanderung nach Hummelshayn und Hohenstein und der neue Weinberg  410

Winter 1819/20 ..... Als Schuler des Vaters im Gipssaal und im Aktsaal  439

März 1820. ......... Konfirmation des Bruders und Tod des Vaters  450  

 


 

Natürlich fragt der Leser nach der weiteren Lebensgeschichte des damals Achtzehnjährigen.

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Zunächst überwand er die Krise nach dem furchtbaren Ereignis nur schwer. Es sollte für den sensiblen Menschen zum Ausgangspunkt eines lebenslangen Ringens um Wahrheit und Klarheit im christlichen Glauben werden.

Nachdem Wilhelm von Kügelgen sein inneres Gleichgewicht wiedergefunden hatte, schloß er 1825 seine Studien an der Kunstakademie Dresden ab. 1827 heiratete er Julie Krummacher (1804-1909), die Tochter Friedrich Adolf Krummachers, seines „Ätti".

Ihnen wurden sechs Kinder geboren: Bertha (1829-1853, 24), Anna (1831-1919, 88), Gerhard (1833-1866, 33), Adolph (1835-1899, 64), Benno (1837-1915, 78), Elisabeth (1839-1862, 23).

Im Zusammensein mit der Familie fand Wilhelm von Kügelgen immer wieder Glück und Erfüllung. Tiefe Erschütterungen erfuhr er als reifer Mann durch den frühen Tod einiger seiner Kinder.

Dem Petersburger Zarenhof, wo er eine Anstellung als Maler bekleiden sollte, entfloh er; 1833 nahm er jedoch die Berufung als Hofmaler an den Hof des Herzogs Alexius von Anhalt-Bernburg nach Ballenstedt an. Mit diesem Fürstenhof war die Familie Kügelgen gut bekannt, Wilhelms Bruder Gerhard war einige Jahre mit dem Sohn des Herzogs, Alexander Carl, erzogen worden.

Herzog Alexander Carl übernahm die Regierung nach des Vaters Tod 1834. Wilhelm von Kügelgen verdiente den Lebensunterhalt für seine Familie mehr und mehr als Gesellschafter der Herzogin und des Herzogs, der zunehmend geistiger Umnachtung verfiel. Als der Herzog schließlich schwer geistesgestört nach Schloß Hoym bei Ballenstedt gebracht werden mußte, begleitete ihn Wilhelm von Kügelgen als Kammerherr dorthin und blieb bei dem Kranken bis zu dessen Tod 1863.

In der Enge des kleinen, rückständigen Fürstenhofes war Wilhelm von Kügelgen als Mensch wie als Künstler einsam, abgeschnitten sowohl von politischen als auch kulturellen Ereignissen seiner Zeit. Erfüllung suchte er in seinem eigentlichen Beruf als Maler. Doch zum Leiden unter der Nichtigkeit des Hoflebens, das er verabscheute, kamen quälende Zweifel an der eigenen künstlerischen Meisterschaft, wozu eine sich verstärkende Farbenblindheit beitrug. 

Wilhelm von Kügelgen starb fünfundsechzigjährig am 25. Mai 1867.

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Worterklärung  

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A

Abbreviatur: Abkürzung 

ablativus absolutus: Sonderfall des lateinischen Satzbaues 

Absolution: das Lossprechen yon Sünden nach erfolgter Beichte 

absorbieren: ganz in Anspruch nehmen 

abstrahieren: von etwas absehen, etwas beiseitelassen

accusativus cum inßnitivo!(lat.) Akkusativ mit Infinitiv

a cheval: (franz.) ursprünglich: beritten, übertragen: zu beiden Seiten, auf beiden Ufern

Ägide: Schutz, Obhut

Asop: griechischer Fabeldichter, 6. Jh. v.Chr.

Affektation: Getue, Ziererei

Affinität: Verwandtschaft

Agende: Gottesdienstordnung

aggressiv: (hier) unternehmend, tatbereit

Agrement: Zustimmung, (hier) Annehmlichkeit

Ajax: griech. Sagenheld aus dem Trojanischen Krieg

akkordieren: vereinbaren

Aktrice: Schauspielerin

Alkoven: Nebenraum, Schlafgemach

Allegorie: Sinnbild, Gleichnis

allegorisieren: versinnbildlichen

Ameubhment: Einrichtung

amphitheatralisch: im Halbkreis aufsteigend nach Art der antiken Theater

Ancetres: (franz.) Ahnen, Vorfahren

animal: (lat., franz.) lebendes Wesen, Geschöpf

animaux: (franz.) Tiere

ante portas: (lat.) vor den Toren; Anspielung auf den viel zitierten .Schreckensruf 1 der Römer, als der karthagische Feldherr Hannibal 211 v. Chr. die römische Hauptstadt bedrohte

Anthropophage: Menschenfresser -

Apotheose: Verherrlichung, Vergötterung

approbiert: gebilligt

Aquavit: Branntwein

Arabeske: (arabische) Verzierung

Argandsche Lampen: nach ihrem Erfinder (1783) genannte Lampen mit Hohldocht oder Rundbrenner, erzeugten durch bessere Verbrennung ein helleres Licht

arithmetisch: zahlenmäßig

Arkadler: im Sinne der humorvollen , Unterscheidung des Dichters Jean Paul Menschen mit ausgeprägter Freude am Schönen, aber schwach entwickeltem Wirklichkeitssinn

armiert: bewaffnet, ausgerüstet

arx nemorosa: (lat.) Hainburg

assez bien: (franz.) ganz gut

Attitüden: Stellungen '

Audienz: (hier) stille Zwiesprache mit sich selbst

Aurikel: Primel

autorisieren: ermächtigen

Avancement: Beförderung

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