Ursula Rumin

Im Frauen-GUlag am Eismeer

Mit einem Vorwort von K.-W. Fricke

In liebevollem Gedenken an meine Eltern

Audio 2014 mit der Autorin 

 

 

wikipedia  Ursula_Rumin  
*1923 in Schlesien bis 2017 in Köln (93)

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 Vorwort von Karl-Wilhelm Fricke (9) 

Und deshalb kam des Herrn Hand über mich
und sprach zu mir:
Mache dich auf und gehe hinaus ins Feld,
da will ich mit dir reden.
Ez 3,22 

2005 by F.A. Herbig, München  
Mit 40 Fotos und Dokumenten  

Das Buch zu den TV-Dokumentationen »Workuta - Deutsche in Stalins Lagern« (ARTE, WDR, NDR) und »Eisgang - Deutsche im Gulag« (MDR)

 

In Ostberlin vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und wegen angeblicher Spionage zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, musste Ursula Rumin den Albtraum Workuta erleben. Ihre Zeit im Frauen-Lager am Eismeer, voller Entbehrungen, Demütigungen und Schwerstarbeit bei unvorstellbaren Minustemperaturen, beschreibt sie erstmals in diesem Bericht.

»Während dieser Zeit lernte ich viele Menschen kennen, die ähnliches durchlitten haben wie ich, Menschen aus allen Bevölkerungsschichten und vielen Nationen. Und alle diese Menschen um mich ertrugen ihr Leid nur durch die Hoffnung, eines Tages wieder frei zu sein. Erst in der Gefangenschaft, in der Sklaverei, lernt man den Wert der Freiheit kennen und schätzen.« 

 

 

  

Vorwort     von Karl Wilhelm Fricke 

 

9

Workuta — längst sind Stadt und Region dieses Namens zum Synonym für Zwangsarbeitslager in der Sowjetunion Josef Stalins geworden, ein fatales Symbol des Archipel GULAG. Gesichert und bewacht von Truppen des Ministeriums für Innere Angelegenheiten, haben hier in Workuta — jenseits des nördlichen Polarkreises an der Westseite des oberen Ural — seit den frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ungezählte Häftlinge unter ungeheuren Opfern großflächig Barackenlager hochgezogen, auf riesigen Holzeinschlagplätzen zur Nutzholzgewinnung geschuftet, über drei Dutzend Kohlenschächte in die Erde getrieben und leistungsstarke Ziegelbrennereien errichtet. 

Hier verlegten Häftlinge die Petschorabahn, eine fast 1850 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Kotlas nach Workuta. Und hier bauten Häftlinge die Stadt Workuta auf, die von einer dörflichen Siedlung zu einer Stadt mit heute etwa 100.000 Einwohnern heranwuchs. 1953, im Todesjahr Stalins, fristeten allein in den Arbeitslagern von Workuta rund eine Viertelmillion Strafgefangene, politische wie kriminelle, ihr elendes Dasein — ausgebeutet, geschunden, entrechtet, eine Existenz zum Sterben. Wer nennt die Zahl derer, die nicht überlebt haben? Ursula Rumin hat überlebt. Ein gütiges Schicksal bewahrte die Journalistin vor dem Schlimmsten. 

Als 28-Jährige war sie am 25. September 1952 aus Westberlin von einem Spitzel in den Ostteil der damals geteilten Metropole gelockt und am S-Bahnhof Friedrichstraße konspirativ festgenommen worden. Statt eines DEFA-Studios, wohin sie eingeladen schien, wurde sie der sowjetischen Geheimpolizei in die Hände gespielt und in das Gefängnis Berlin-Karlshorst eingeliefert. Der Vorwurf: Spionage für den amerikanischen Geheimdienst. Es war ein gänzlich unbegründeter, damals allerdings häufig gebrauchter Vorwand. Eine Denunziation genügte, um Menschen in das Räderwerk der Repressionen zu bringen. Nach über zwei Monaten quälender Untersuchungshaft wurde Ursula Rumin, obwohl unschuldig, von einem sowjetischen Militärtribunal in Berlin-Lichtenberg zu 15 Jahren Zwangsarbeitslager verurteilt.

Ein Unrechtsurteil, das sich auf den berüchtigten Artikel 58 des Strafgesetzbuches der RSFSR gründete. Die unausweichliche Konsequenz: Mitte März 1953 wurde die Verurteilte zusammen mit mehr als zwei Dutzend anderen deutschen Frauen über Brest-Litowsk, Brjansk und Moskau nach Workuta verbracht. Sie kam in eines der drei Frauenlager, die zu dieser Zeit neben über 30 Männerlagern hier existierten. Sie wurde zur Zwangsarbeit unter kaum noch erträglichen Bedingungen eingesetzt — am Brennofen in der Ziegelei, zum Schneeräumen bei sibirischen Kältegraden um minus 30 Grad Celsius, auf dem Holzplatz und schließlich beim Eisenbahnbau. 

Nach Stalins Tod und dem Sturz Lawrentij Berijas, seines berüchtigten Geheimpolizeichefs, wurde sie unerwartet amnestiert, sodass sie im Jahre 1954 nach Berlin heimkehren durfte. Glück im Unglück.  

Vier Jahrzehnte später, nach dem Zusammenbruch der Sowjetmacht, wurde sie von der Hauptmilitär­staats­anwalt­schaft in Moskau voll rehabilitiert.

In ihrem nun vorliegenden Buch schildert die Autorin ihre Leidenszeit in sowjetischer Haft: authentisch, anschaulich, überzeugend, eben der Realität im Alltagsdasein der Häftlinge entsprechend. Ihr individueller Erlebnisbericht wird so zu einem generell gültigen Zeitzeugenbericht, in dem sich das Kollektiv­schicksal Zehntausender deutscher Häftlinge in den Zwangsarbeitslagern Stalins widerspiegelt. 

Namentlich jungen Menschen ist das Buch als Lektüre zu empfehlen.

10

Köln, im September 2004,
Karl Wilhelm Fricke 

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