Dr. med. Friedrich Wolf 

Die Natur

als Arzt und Helfer

Das neue naturärztliche Hausbuch 

1928 bei Deutsche Verlags-Anstalt
Stuttgart, Berlin und Leipzig
620 Seiten mit 455 Abbildungen und 8 Farbtafeln
(mit Kinderfotos von Markus Wolf)
1988 (DDR), 2003 (MDV)

Die Natur als Arzt und Helfer (1928-2003)  Von Dr. med. Friedrich Wolf   -

DNB.Buch    DNB.Autor

wikipedia Autor  *1888 in Neuwied am Rhein bis 1953, (64, Herzinfarkt zu Hause)

friedrichwolf.de  lebensdaten 

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Sterbejahr   Psychobuch 

Franz Konz    Max Hoelz 

 

Audio 2020 zum Friedrich-Wolf-Haus in Oranienburg  (Lehnitz)

wikipedia.Markus_Wolf  1923-2006, 83 

wikipedia.Konrad_Wolf  1925-1982, 56, Krebs

 

Unsere "Familienbibel" - "Die Natur als Arzt und Helfer"

2003 von brunhildkrueger bei Amazon.de 

Den meisten ist Friedrich Wolf lediglich als Schrifsteller bekannt. Daß er eigentlich Arzt war, wissen einige. Daß er auch ein Buch geschrieben hat, das in vielen Haushalten Deutschlands vor dem 2. Weltkrieg stand, weiß kaum jemand noch.

Dieses Buch begleitete auch meine Kindheit in den 50er und 60er Jahren. Großmutter und Vater benutzten es als Ratgeber bei all ihren Wehwechen. Ich lernte so beizeiten, daß nicht nur Operationen und Pharma-Produkte bei Krankheiten helfen, sondern daß es wichtig ist, eine gesunde Lebensweise zu praktizieren, wenn man gesund bleiben will.

Ich will nur ein paar Gedanken aus seinem Buch anführen, die mir spontan einfallen:

Friedrich Wolf sah die Ursache vieler Krankheiten in einer falschen Ernährung. So forderte er z. B., die Tomate zu einem "Volksgemüse" zu machen. Seine Forderung nach "Licht, Luft und Sonne", nach möglichst nackter Bewegung an der frischen Luft, das Abhärten mit kaltem Wasser, regelmäßige körperliche Betätigung sind heute Allgemeinwissen. Interessant die Fotos, die diese Forderung anschaulich machen. Auf einigen ist auch der kleine Konrad Wolf, der spätere Stasi-Chef der DDR, sein Sohn, zu sehen.

Friedrich Wolf beschäftigte sich bereits in den 20er Jahren mit der Verknüpfung körperlicher und seelischer Krankheiten, bezog den Volkserfahrungsschatz , z. B. das Wissen über Heilkräuter, mit ein. Vor allem stellte er eine Verbindung zwischen individueller Gesundheit und sozialem Umfeld her: in einer gesunden, luftigen, sauberen Wohnung wird der Mensch nicht so schnell krank wie in einer dunklen, muffigen. Er legte großen Wert auf die vorbeugende Gesunderhaltung. Heute würde man Friedrich Wolfs Denkansatz als "ganzheitlich" bezeichnen.

Darüber hinaus waren für mich als Kind die dem Buch beiliegenden Klapp-Karten vom menschlichen Körper ein herausragendes Lernmittel: ein Mann und eine Frau, deren "Innenleben" auf verschiedenen Tafeln sichtbar wurde. Die Frau konnte man so lange "aufklappen", bis man nicht nur Muskeln, Sehnen, Knochen, Blutgefäße usw. geseheh hatte - nein, ganz weit drin klappte man auch noch die Gebärmutter auf und sah den Embryo. Eine Sensation für mich! Schulbuchverlage könnten von diesem Material lernen.

Ich freue mich, daß dieses Buch neu aufgelegt wurde und halte das darin enthaltene Wissen auch rund 80 Jahre nach dem ersten Erscheinen des Buches nicht für überholt sondern für äußerst lesenswert. 

 

 

Zu dieser Ausgabe (1988)

 

Wegen angeblichen Verstoßes gegen den Paragraphen 218 wurden im März 1931 in Stuttgart die Ärzte Dr. Friedrich Wolf und Dr. Else Kienle verhaftet. Wolf war damals nicht nur in ärztlichen Kreisen eine bekannte Persönlichkeit. In den vorangegangenen zwei Jahren hatten viele Bühnen Deutschlands und des Auslandes sein Schauspiel »Cyankali« mit großem Erfolg aufgeführt, ein Stück über das erschütternde Schicksal einer jungen schwangeren Arbeiterin, die an den Folgen einer Abtreibung stirbt. Ende der zwanziger Jahre schätzte man die Zahl der in Deutschland vorgenommenen illegalen Abtreibungen auf rund 800.000 jährlich.

Bereits 1928 war auch Wolfs Buch »Die Natur als Arzt und Helfer« erschienen. Mit diesem medizinischen Hausbuch hatte er sich das Ziel gesetzt, vor allem den sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten einen Weg zur Erhaltung der Gesundheit zu weisen. So bemühte er sich um die Verbreitung von Wissen über eine richtige Lebensweise und damit für eine vorbeugende Gesundheitspflege.

Die Verhaftung von Dr. Wolf führte zu zahlreichen Protesten – aus der Arbeiterbewegung wie aus Kreisen, des liberalen Bürgertums –, die schon nach wenigen Tagen seine und seiner Mitangeklagten Freilassung erzwangen.

Friedrich Wolf konnte seine ärztlichen Pflichten nicht trennen vom Wirken für gesellschaftlichen Fortschritt. 1888 in der Familie eines jüdischen Kaufmanns im Rheinland geboren, hatte er eine solide humanistische Allgemeinbildung erfahren und danach Medizin studiert. Als junger Arzt erlebte er den ersten Weltkrieg mit seinen verlustreichen »Materialschlachten« an der Westfront. Sie erschienen ihm als Zerstörung des Geistes durch die übermächtige Gewalt des Materiellen. Wie viele junge, in der Tradition des deutschen Idealismus erzogene bürgerliche Intellektuelle schloß er sich zunächst dem Aufruf der Expressionisten an, die Welt durch die Wandlung jedes einzelnen zu verändern.

Das Ende des Krieges und die Novemberrevolution in Deutschland verstärkten seinen Drang nach Verwirklichung seiner Ideale. 1920 wurde er Stadtarzt in Remscheid. Im Jahr darauf schloß er sich in Worpswede einer Siedlergruppe an, die auf dem Barkenhoff des Malers Heinrich Vogeler eine »kommunistische« Gemeinschaftszelle zu begründen suchte. Nach dem Scheitern dieses Experiments lebte er mehrere Jahre als Arzt unter armen Bauern auf der Rauhen Alb in Süddeutschland, ehe er 1927 nach Stuttgart zog.

*

Als Kommunist und Antifaschist mußte Wolf bereits im März 1933 ins Exil gehen. Hier entstand sein Drama »Professor Mamlock«, das in vielen Ländern gespielt und später auch verfilmt wurde. Erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, nach opferreichen Jahren, konnte Wolf wieder nach Deutschland zurückkehren.

Nach dem Krieg sollte auch sein großes ärztliches Hausbuch »Die Natur als Arzt und Helfer« wieder aufgelegt werden. Es hatte nach seinem Erscheinen im Jahr 1928 sehr schnell eine einzigartige Stellung innerhalb der populärwissenschaftlichen medizinischen Literatur erlangt. Im Gegensatz zu vielen in den zwanziger Jahren edierten Ratgebern, die oft mit wenig Sachkenntnis geschrieben waren, verband Dr. Wolf die Naturheilkunde mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Medizin und schuf so ein äußerst anregendes, modernes, wissenschaftlich fundiertes System natürlicher Heilmethoden.

Im Zentrum des Buches standen die Kapitel »Erziehung zur Gesundheit« und »Die Naturheilkräfte«. Wolf gab ausführliche Hinweise für eine gesunde Ernährung, richtige Kleidung und Wohnung, für Geburtenregelung, Erziehung der Kinder und für einen effektiven Rhythmus von Arbeit und Ruhe. Er erläuterte eingehend die Wirkungsweise der »Naturheilkräfte« Licht, Luft, Wasser, Erde sowie die verschiedenen Arten ihrer Nutzung; er gab Empfehlungen für Wasseranwendungen, für Massage und Gymnastik, für eine richtige Diät, für die Verwendung von Heilkräutern. Darauf aufbauend, behandelte er unterschiedliche Gruppen von Krankheiten und die Möglichkeiten ihrer Heilung.

 

Dem Buch war ein ungewöhnlicher Erfolg beschieden. In rascher Folge erschienen in der Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart und Berlin mehrere Auflagen. In Zehntausenden Familien eroberte es sich einen festen Platz als alltäglicher Ratgeber. Nach dem Beginn der braunen Diktatur zwangen die neuen Machthaber den Verlag, die letzte Auflage in einer »bereinigten« Fassung heraus­zugeben. Der Autor, der sich bereits im Exil befand, wurde nicht befragt.

Zu einer Überarbeitung und Neuauflage des Buches kam es nach 1945 nicht. Andere Pläne und Aufgaben hatten in diesen Jahren Vorrang. Doch tat dies den Ideen, die Wolf in seinem Arztbuch vertreten hatte, keinen Abbruch. Sie blieben bis heute anregend und gültig; mehr noch: gerade in den letzten Jahren gewannen einige Grundgedanken spürbar an Bedeutung. Die Zunahme von Erkrankungen, die aus Bewegungsmangel, einseitiger Ernährung, dem Mißbrauch von Genußmitteln, aus Umweltschädigungen und anderen negativen Erscheinungen unserer modernen Zivilisation herrühren, hat dafür gesorgt, daß die Hinweise Wolfs noch immer gültig sind. Dabei ist natürlich nicht zu übersehen, daß Friedrich Wolf als einer der progressivsten Vertreter eines ganzheitlichen Denkens in der Medizin auch Kind seiner Zeit war. Seine oft emphatisch vorgetragenen Hoffnungen und seine kategorischen Gesundheits­forderungen werden bei dem heutigen Leser bisweilen den Eindruck einer gewissen Naivität hervorrufen, und nicht alles, was er vorschlägt, hält den Erkenntnissen der modernen Medizin, Psychologie und Sozialwissenschaften stand.

Vieles von dem, was Wolf forderte – moderne Wohnungen, wissenschaftliche Geburtenregelung, wissenschaftliche Nahrungs­kontrolle, Verstaatlichung der Einrichtungen zur Nutzung von Heilquellen –, ist inzwischen Wirklichkeit geworden. Dennoch bleibt noch viel zu tun, um seine Anregungen produktiv zu machen. So ist Wolfs Buch »Die Natur als Arzt und Helfer« ein historisches Dokument von zugleich hohem aktuellem Wert.

Nicht zuletzt ist es auch die Art und Weise, in der Wolf seinen Stoff für den Leser aufbereitete, die dem Buch bis heute seine Anziehungskraft bewahrt hat. Es sei besonders hingewiesen auf die lebendige, direkt an die Alltagserfahrungen des Lesers adressierte Sprache Wolfs, auf die zahlreichen Anleitungen zur Selbsthilfe und die vielen Fotos, auf denen Wolf und seine Familie das Empfohlene oft selbst demonstrierten.

Aus all diesen Gründen bot es sich an, anläßlich des hundertsten Geburtstages von Friedrich Wolf sein Buch »Die Natur als Arzt und Helfer« in Form eines Reprints den interessierten Lesern wieder zugänglich zu machen. Wir danken allen, die uns dabei unterstützt haben, Herrn Markus Wolf und Frau Dr. Emmi Wolf, ferner Frau Dr. med. Ingeborg Michael für die erwiesene fachliche Beratung und nicht zuletzt auch den Grafischen Werken Zwickau für die fachgerechte Ausführung des Reprints.

 

Mitteldeutscher Verlag Halle • Leipzig
Dr. Eberhard Günther
Mai 1988


Nur am Rande: Im Naturbuch von F. Wolf ist auch eine Foto von Kleinmarkus beim Joggen in sandalen mit dem Vater.

 

 

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