Reinhard Demoll

Bändigt den Menschen

Ketten für Prometheus

Gegen die Natur oder mit ihr?

Mit 36 Abbildungen auf Tafeln und im Text 

 

1954 im Verlag Bruckmann, München. 

Druck: Graphische Kunstanstalten, München.

1. Auflage 1954  unter dem Titel <Ketten für Prometheus>.

2. Auflage 1957.

3. Auflage 1960.

detopia.de    (D.htm)

Buch: 1957   Seiten: 312 (315)

Autor: 1882-1960 (78)

 

Internet: DNB:  Autor   Buch 

Wikipedia.Autor   Google.Autor 

 

Detopia:  Mehr Demoll  

Josef Dreyhaupt: Frühe Warner - Essay 

 

Anton Metternich 

Herbert Gruhl 

Christ. Lauterburg 1998 

K. Hünemörder Umweltgeschichte  

Weinzierl

 

Inhalt

 

Vorwort 1  (7) Demoll 

 

Vorwort 2  (10) Demoll 

 

Einleitung  (11) Demoll

 

Bild-Verzeichnis (313-315)  

 

 

Der Autor: 

Professor für Zoologie, Dr. phil., Dr. med. vet. h.c., Dr.-Ing. E.h., Dr. med. h.c. # *1882 in Kenzingen; †1960 in München, deutscher Zoologe.

Ab 1918 Professor für Zoologie an der Universität München, der er in den Jahren 1932/33 als Rektor vorstand.

Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit war die Reinhaltung der Gewässer und Arbeiten zur Fischereiwirtschaft.

 


Teil 1: Der Mensch ändert seinen Lebensraum (13)

Pseudokultur (15)  Technik, die große Verführung (20)

Klima, Kultur und Technik (26)  Von der heilsamen Angst (27)

Ein zwingendes Erbe (34)  Wozu also Humus? (40)

Der Wald  (43) Wassernot und Wassersnot (50)  Grundwasser, das Blut unseres Planeten (58)

Fluss und See wird zur Kloake (65)  Der Chirurg bei der Arbeit (72) 

Ausverkauf der Bodenschätze (93)  Die moderne Arche Noah (97) 

Der entwertete Kontinent (103)  Wettlauf zwischen Mensch und Schädling (109)  

Der Tiergarten des Menschen (120)  Geschändete Natur (124)  Der bedrohliche Friedhof (127)

 

Teil 2: Der veränderte Lebensraum wirkt auf den Menschen  (137)

Ein gewaltiger Luxus (139)  Die große Karriere (142)  Steigert die Zivilisation die Gesundheit des Menschen? (144)  Zivilisationskrankheiten (149)  Vom gesunden Appetit (156)  

Ein schmerzlicher Tribut an die Zivilisation (162)  Der erloschene Ernährungsinstinkt (165) Alkohol und Opium; Walhalla und Nirwana (171) Die Stadt (177) 

Mysteriöse Auswirkung der Zivilisation (184)  Den Affen entgegen? (188)  Drei konzessionierte Totschläger (194)  

The Next (205)  Schon in den Schulen werden die Neurotiker präpariert (211)  Neigung zur Vermassung schon beim Kind (213)  Veredelte Masse? (216)

Der Unzivilisierte erlebt Zivilisation (220)  Der weiße Tropenmensch (227)  Inzucht und Bastardzucht (231)  Die Hormonspritze (241)

 

Teil 3: Die Welt unserer Enkel (245)

Falsche Propheten (247)  Die sparsame Verschwenderin (251)  Suspekte Zahlen (254)  Zeugungskraft und Zeugungslust (257)  Wer dirigiert? (263)

Von Konfuzius zu Malthus (267)  

Wenn die Besten ungeboren bleiben (275)  Der Übermensch ante portas (283) 

Wenn unsere Enkel achtzig Jahre alt sind (291)  Die Zeit des religiösen Exils ist abgelaufen (300) Zufall und »Anti-Zufall« (304)  Primat der Idee (307)   Das Göttliche wird wieder sichtbar (310) »Es sei wie es wolle - es war doch so schön« (311-312) #

 

Mehr Demoll: 

detopia-2017: 
Ordner
  Umweltbuch  Hans Liebmann1973    William.Vogt.1948   Picht.1969   H..Friedrich.1979 

Hubert Weinzierl mit Erinnerungen an R. Demoll

 

"Demoll schreckte auch nicht davor zurück, seine Fachkollegen auf Kongressen wie dem Biologentag von 1958 mit etwa 1000 Teilnehmern wiederholt vor der "völligen Vernichtung" des Lebensraumes aufgrund der "Profitgier der Menschheit"123 zu warnen." 

aus: Kay Hünemörder 2004, Frühgeschichte, Seite 36.
DNB 969328540    Kai Hünemörder bei detopia 

(detopia-2016) Der Kollege Hünemörder hat hier bewusst 'anti-apokalyptisch' formuliert ("schreckte auch nicht davor zurück", "wiederholt"). Trotzdem danke ich ihm für die Faktenmitteilung. 

R. Demoll hatte sich also getraut, auch mündlich zu warnen und zu prophezeien. Seine Person in die Waagschale zu werfen. Das ist wichtig. Denn 1000 Hörer sind die westdeutsche Öffentlichkeit (und nicht nur seine "Fachkollegen"). 

Es wurde also genug getan. Alle Deutschen wussten (und wissen somit) Bescheid. So können wir heute Ruhe geben. Die Masse und die Elite will es so bzw. kann nicht besser. Wir dürfen uns somit mit dem Untergang abfinden. 

Das bedeutet, G. Fuller und U. Horstmann und H. Gruhl haben recht. Es wird keine Rettung letzter Minute (Horstmann) geben; keine Umkehr (viele); kein Neues Denken (Gorbatschow), Denkwende (H. Friedrich, 1982). Die Deutschen wissen seit 1958 bescheid - was auf sie zukommt, und diese Zukunft ist jetzt. 

 

 

DNB:  Biografie Demoll  

2005 von Wiltrd Proske

 

 

DIE ZEIT vom 29.05.1958 

Der Mensch in der rapid veränderten Welt

von Hedda Westenberger 

zeit.de/1958/22/amoebe-und-h-bombe-in-harmonie 

 

Von gut gemachten Sachbüchern wimmelt es heute: Sie unterscheiden sich meistens nur durch den Grad ihrer Aktualität und den wissenschaftlichen Rang des Autors. 

Hingegen gibt es recht wenige Sachbücher, deren Autoren imstande wären, ungeachtet der eigenen Begeisterung ihre Materie so objektiv und ohne irreführenden Optimismus zu behandeln, daß das Ganze die zuverlässige <Reportage der Wirklichkeit> darstellt.

Von einem amerikanischen Physiker stammt das Buch: George Russell Harrison: <Was der Mensch zu sein vermag – Das Leben im Zeitalter der Wissenschaft> Econ Verlag, Düsseldorf; 320 Seiten.

Der Autor eines anderen Sachbuches ist ein Münchner Kulturphilosoph und Biologe: Reinhard Demoll: „Bändigt den Menschen – Mit der Natur oder gegen sie?“; Bruckmann Verlag, München; 302 Seiten.

Die „Sache“, um die es in beiden Büchern geht, ist der Mensch in der von ihm veränderten und rapid sich weiter verändernden Welt.

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Harrison will als Naturwissenschaftler vor allem dem Unbehagen zu Leibe rücken, das so viele Menschen erfüllt: Weil sie nicht wissen, was heute in der Forschung wirklich vor sich geht. So greift er bis auf die „Urzelle“ zurück, um von dort aus Schritt für Schritt nachzuweisen, daß der gefürchtete Atomphysiker von heute nichts anderes fortführt als das, was die Natur selber vor Jahrmillionen begonnen und seitdem fortgeführt hat: die geordnete und systematische Gruppierung und immer wieder Neu-Gruppierung von Atomen zu immer neuen Lebensformen und Strukturen.

Für Harrison ist daher jede Forschung und unbegrenzte Verwertung des Erforschten die natürliche Aufgabe des Menschen. „Die Wissenschaft“, sagt er, „lehrt uns, daß wir in eine Welt hineingeboren sind, die durch erkennbare Gesetze regiert wird, und daß jedes Geschäft im Rahmen dieser Gesetze über fast unbegrenzte Möglichkeiten zum Erwerb neuer Fähigkeiten verfügt.“

Vielleicht vermag nur ein Amerikaner diesen Irrgarten „unbegrenzter Möglichkeiten“ zu solcher Geradlinigkeit zu entwirren: klarer, knapper, unpersönlicher und darum um so überzeugender kann man die Dinge kaum darstellen. Seine erläuternden Vergleiche sind an Naivität nicht zu überbieten, aber sie „sitzen“. Wer das Buch – man liest’s in einem Tage durch – zuklappt, muß von seinem Unbehagen befreit sein und ein Weltbild mitnehmen, in dem von der Amöbe bis zur H-Bombe alles harmonisch und folgerichtig dasteht.

Daß das immerhin doch nicht abzuleugnende Gefahrenmoment des menschlichen „Puzzlespiels“ mit Atomen die gleiche Vereinfachung, das heißt also: Entschärfung, erfährt, empfindet man als Nachteil des sonst so guten Buches.

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Demoll meldet sich dagegen als Rufer in der Wüste zu Wort und stellt aus der Sicht des Kulturphilosophen einen großen Teil gerade jener Errungenschaften in Frage, die Harrison als natürliche und sogar „glückfördernde“ Entwicklung bejaht.

Sind wir wirklich, so fragt Demoll, die immer unumschränkteren Beherrscher der Welt, als die wir uns fühlen? Ist, was wir als enormen Fortschritt bezeichnen, bei näherer Prüfung nicht häufig eine Fehlleistung? Werden unsere zivilisatorischen Großtaten nicht aus Mangel an Weitsicht in ihren Folge-Erscheinungen oft zu Vernichtungstaten? Und unsere „hohe“ Kultur – ist sie noch eine? Kann sie mit diesem Unterbau hektisch überspitzter Zivilisation noch eine sein?

Noch fünfzig Jahre so weiter, warnt Demoll (mit einer verfehlten Wasserwirtschaft, mit blindem Raubbau an allem, was die Erde birgt und hervorbringt, mit rigoroser Luftverpestung und Denaturalisierung der Nahrung durch die Chemie, mit brutal technisierten Jagdmethoden und Schädlingsbekämpfungs-Feldzügen, die natürliche Nützlingsarten mit vernichten, und so weiter) – und die Menschheit ist am Ende. Denn parallel zu dieser Umweltveränderung ändert sich auch der Mensch selbst.

Zwar lebt er länger und wird er größer, aber für besiegte Krankheiten stellen sich neue, zivilisationsbedingte ein: Wo Spritzen Wunder wirken, treten Schäden bisher unbekannter Art auf. Auch Geist und Seele verkümmern: das gehetzte, naturentfremdete Dasein läßt eine besinnliche innere Hinaufentwicklung nicht mehr zu. Die überforderte Erlebniskraft erzeugt „Seelen-Taubheit“, ethische Indifferenz, Quantitätsdenken.

Das alles prasselt, mit Tatsachen aus zahlreichen Sachgebieten der Wissenschaft belegt, wie ein Steinschlag auf den Leser herunter. Es entsteht das Bild einer alarmierenden Grenzsituation. Nur Demolls immer wieder bekundeter Glaube an die Vernunft, an das letztlich doch Gute im Menschen und damit an die Möglichkeit einer Umkehr und einer „wieder Sichtbarwerdung des Göttlichen“ mindert die Schärfe seiner dialektisch brillanten, mit sarkastischem Humor durchsetzten Darlegung.

Schade nur, daß die Frage nicht eingehender behandelt ist, wie denn die Bändigung des zu unbändig gewordenen menschlichen Forschergeistes im einzelnen auszusehen habe. Aber das sehr nützliche Hauptanliegen des Buches, dem Leser einmal gründlich die Kehrseite der Medaille vorzuführen und alle diejenigen „fruchtbar zu irritieren“, die dem Fortschritt in jeder Form ohne Nachdenken Beifall klatschen, hätte kaum gründlicher besorgt werden können. #

 

 

Foto aus dem Buch:

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