Dr. Herbert Gruhl

Umweltsoziologe, Kulturphilosoph, politischer Ökologe und aktiver grüner Politiker (CDU, BUND, Grüne Partei, ÖDP)

Ein Kämpfer für Wahrheit, Weisheit und Survival 

"Die Zahl der Bücher, die sich mit der Krise des Menschen auf diesem Planeten ausein­ander­setzen, ist inzwischen auf einige tausend Titel angeschwollen." (H. Gruhl 1992 im Vorwort)

  detopia.de

[G.htm]

1921-1993 

(Schlaganfall nach einer Magen-OP.)

 

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Nachdruck bei detopia.de mit Billigung von Andreas Gruhl (Sohn).

 

Die sieben Umweltbücher des Herbert Gruhl:

 

Posthum:

 

     

 

      

 

         

Audio von, mit und über Herbert Gruhl im Radio

 

Artikel, Reden und Texte:

 

Aus Wikipedia 2011:

Von 1975 bis 1977 war Gruhl Vorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND). In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion entwickelte Gruhl sich zu einem der wenigen Kritiker der Kernenergie. Die Veröffentlichung seines Buches <Ein Planet wird geplündert> im September 1975 avancierte zum Bestseller, wurde von der Parteispitze aber mit Schweigen quittiert. 

Nach der Bundestagswahl 1976, bei der Gruhl in seinem Wahlkreis Hannover-Land überdurchschnittlich Stimmen für die CDU hinzugewinnen konnte, entzog die Partei ihm die Aufgaben des Sprechers für Umweltfragen in Fraktion und Partei. Vor diesem Hintergrund teilte er im Herbst 1977 dem Journalisten Franz Alt, der damals Moderator der SWF-Sendung Report war, mit, dass die CDU nicht mehr seine politische Heimat sei. Gruhls Anregung, zwischen ihm und dem Parteivorsitzenden Helmut Kohl zu vermitteln, lehnte Alt jedoch ab.

Am 12. Juli 1978 trat Gruhl unter großer Medienresonanz aus der CDU aus. Aus diesem Anlass verlas er in Report einen offenen Brief an den damaligen Bundesvorsitzenden der CDU und späteren Bundeskanzler Helmut Kohl, in dem er der CDU vorwarf, an der Wachstumspolitik der 1960er Jahre festzuhalten und damit die „völlig neue Problemstellung der heutigen Welt“ in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht zu verkennen.

Seinen Parteiaustritt aus der CDU begründete Gruhl des weiteren mit deren „Forderung nach der Neutronenwaffe“, dem durch Kohl „laufenden Versuch, strafbare Spendenaktivitäten vieler Jahre nachträglich mit einer Änderung des Parteiengesetzes für rechtmäßig zu erklären“, sowie von Unionspolitikern abgegebenen „Ehrenerklärungen“ für Hans Filbinger. 

Web: 

 

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1980 Juni Gorleben

Franz Alt 2000 anläßlich 20 Jahre ÖDP

Beitrag aus dem Sammelband <20 Jahre ÖDP; Anfänge, Gegenwart und Perspektiven ökologisch-demokratischer Politik> (Dolata-Verlag, Rimpar 1999) und jungefreiheit.de vom 14.01.2000

 

Schon im Herbst 1977 hat mir Herbert Gruhl in unserem Haus in Baden-Baden erzählt, daß er in der CDU keine politische Heimat mehr habe. Der Partei- und Fraktionsvorsitzende Helmut Kohl sei nicht einmal zum Gespräch über Umweltfragen mit ihm, dem Umweltsprecher der Bundestagsfraktion, bereit. "Kohl ist ökologisch ignorant und unsensibel. Partei und Fraktion sind einseitig industriegläubig."

Ob ich ihm ein Gespräch mit Helmut Kohl vermitteln könnte, wollte Herbert Gruhl von mir wissen. Das konnte und wollte ich nicht. Ich bin Journalist und kein Parteipolitiker, wenn auch damals Mitglied der CDU.

Als Leiter und Moderator des politischen Magazins "Report" bot ich Herbert Gruhl spontan ein Live-Interview über seinen Austritt aus der CDU an. Ein Jahr später war es soweit. Er las in "Report" einen Offenen Brief an Helmut Kohl vor, in dem er dem damaligen Oppositionsführer im Bundestag mangelnde Sensibilität in den Überlebensfragen der Menscheit vorwarf und seinen Parteiaustritt erklärte und begründete. Am nächsten Tag war sein Austritt eine der Spitzenmeldungen in den Zeitungen. 

Die grüne Bewegung war jetzt auf dem Weg zu einer Partei. Im Bundestag hatte sie in Herbert Gruhl ihren ersten Abgeordneten. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Herbert Gruhl hatte zuvor sein Buch "Ein Planet wird geplündert" geschrieben und wurde dafür quer durch die politische Parteienlandschaft viel gelobt und heftig kritisiert.

Erstmalig und einmalig wurde darin von einem Politiker eine "radikale Umkehr" und eine "planetarische Wende" gefordert. Das Buch wurde ein Bestseller und war "Unseren Kindern" gewidmet. Die Weltprobleme, meinte der Autor, seien "Überlebensprobleme" geworden. Einer großen Öffentlichkeit war Herbert Gruhl zum ersten Mal aufgefallen, als er im Bundestag 1971 als erster Bundestagsabgeordneter auf das Waldsterben aufmerksam gemacht hatte.

Ich habe von Herbert Gruhl viel gelernt und werde ihm dafür immer dankbar sein. Für Dutzende meiner Fernsehfilme und Fernsehsendungen, aber auch für meine Bücher erhielt ich von ihm die entscheidenden Impulse.

Herbert Gruhl war ein begnadeter Vordenker und ein konsequenter Querdenker. Er paßte überhaupt nicht in das vor 25 Jahren vorherrschende Schema der Alt-Parteien der Bundesrepublik. Den klassischen Linken war er zu konservativ und den Konservativen schien er zu links, weil er an die Zukunft dachte. So einfach und einfältig war damals Parteipolitik in Deutschland.

In seiner Schule durfte ich lernen, warum wir die "Grenzen des Wachstums" erreicht haben, warum "weniger mehr" sein kann und warum eine ökologische Steuerreform gut für die Umwelt, gut für die Wirtschaft und gut für viele neue Arbeitsplätze sei. Das Wort "ökologische Steuerreform" hatte ich nie zuvor gehört. 

Dank Herbert Gruhl weiß ich heute, daß die Ökologie das Kernthema aller Politik und Wirtschaft im 21. Jahrhundert sein wird; ja, daß das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert der Umwelt werden wird – ein Jahrhundert echter, ehrlicher und konsequenter Umweltpolitik oder ein Jahrhundert mit heute noch kaum vorstellbaren Umweltkatastrophen. Wir werden ernten, was wir säen. Das ist ein Naturgesetz, auf das schon die Heiligen Schriften aller Weltreligionen hingewiesen haben. Goethe sagte es so: "Die Natur hat immer recht."

Herbert Gruhl war ein Schreibtischtäter im besten Sinne des Wortes. Am Schreibtisch war er ein Stratege. Sein gerade erschienenes Buch war atemberaubend neu für mein altes Alt’sches Denken, es war er erfrischend radikal und viel zukunftsorientierter und konkreter als alle Thesen der 68er-Bewegung zusammen.

 

Zugleich erkannte ich die Schwäche in Herbert Gruhl als handelnder Politiker. In seinen öffentlichen Auftritten wirkte er steif und hölzern. Die Ausstrahlung seiner politischen Theorien erreichte der politische Redner nie. Seine "Grenzen des Wachstums" wurden deutlich, als er sich als Parteivorsitzender der Grünen Aktion Zukunft (GAZ) und später der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp) versuchte. Seine eigenen Grenzen ließen ihn beinahe verzweifeln. Er wollte unbedingt persönlich korrigieren, was er politisch für falsch hielt. Sein Vertrauen in die Kraft des Geistes war begrenzt. 

Als er sich Mitte der achtziger Jahre immer mehr nationalistischen Ideen näherte und eine Asylpolitik vorschlug, die ich nur noch als ausländerfeindlich empfinden konnte, erlebte ich einen verbitterten Herbert Gruhl. Daß er so wenig Sensibilität für die Not ausländischer Mitbürger entwickeln konnte wie die Vertreter der "Alt-Parteien" gegenüber der Umwelt, konnte und wollte er nicht einsehen.

In dem Buch "20 Jahre ödp" wird von seinen parteipolitischen Mitstreitern behauptet, daß Herbert Gruhl sowohl bei der Gründung der GAZ wie auch der ödp wenig demokratisch und recht ungeduldig vorgegangen sei. Ob das stimmt, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber ich weiß aus vielen Gesprächen mit ihm bis kurz vor seinem Tod, daß die Ungeduld in ihm immer heftiger wurde. Gelassenheit war nicht seine Stärke – auch nicht Vertrauen in die Schöpfung.

Herbert Gruhl hat Parteigründungen von oben versucht – mit ihm selbst als dem "geborenen Vorsitzenden" – ein verhängnisvoller Geburtsfehler, von dem sich die ödp erst spät erholen konnte. Ein ökologisches Prinzip ist, daß, was wachsen soll, "von unten" wachsen muß. Was von unten wächst, ist echt, weil es wie von selbst wächst.

"Es gibt keine Rettung mehr", hatte mir der krebskranke Herbert Gruhl kurz vor seinem Tod am Telefon gesagt und – als ich widersprach – verzweifelt hinzugefügt: "Woher soll sie denn kommen?" Sein letztes Buch hatte den programmatischen Titel "Himmelfahrt ins Nichts – Der geplünderte Planet vor dem Ende". Seinem letzten Essay im Spiegel gab er die Überschrift "Ende der Menschheit".

Jeder, der schreibt, schreibt immer auch über sich selbst. Keiner schreibt über sich hinaus. Das gilt selbstverständlich auch für den politischen Schriftsteller und programmatischen Anstifter Herbert Gruhl.

Um die Jahreswende 1983/84 hatte Herbert Gruhl noch voller Optimismus geschrieben, "das Höchste" sei, "die Zukunft offen zu halten". In seinem Buch "Glücklich werden die sein… Zeugnisse ökologischer Weltsicht aus vier Jahrtausenden" hatte er ein tiefenökologisches Lesebuch voller ökospiritueller Texte vorgelegt, das bis heute zu wenig beachtet wurde. 

Ein überraschendes Buch in einer wohl glücklichen Schaffensphase. Texte aus buddhistischen und christlichen Heiligen Schriften, aus indianischen und abendländischen philosophischen Quellen, von griechischen Naturphilosophen und Naturpoeten des 20. Jahrhunderts; vom Gilgamesch-Epos bis Leonardo da Vinci und dem grünen Goethe hat er Texte ökologischen Denkens und Empfindens aus vier Jahrtausenden zusammengetragen.

 

Wir benutzen heute die fossilen Energie- und Rohstoffreserven, als seien wir die letzte Generation. Wahrscheinlich sind wir aber die erste Generation, die dabei ist, ihren Brut-Instinkt zu verlieren. Die Alternativen, die so reichlich vorhanden sind, daß alle Menschen ein glückliches Leben führen können, sehen wir in unserer Zukunftsblindheit kaum. Daß die Sonne uns täglich 15.000mal mehr Energie zur Verfügung stellt als derzeit alle Menschen verbrauchen, ist noch immer nicht ins allgemeine Bewußtsein vorgedrungen.

Erneuerbare Energiequellen werden die ökonomische Entwicklung der Dritte-Welt-Staaten erlauben. Und ökonomische Entwicklung dort führt ganz natürlich zum Stop des Bevölkerungswachstums, ja sogar zum Rückgang der Bevölkerung so wie heute schon in Deutschland. Solchen möglichen positiven Entwicklungen hat Herbert Gruhl grundsätzlich mißtraut. Hier müssen wir über ihn hinausdenken und handeln.

Im Schlußwort von "Glücklich werden die sein…" finden wir jenen Ur-Gruhl, der uns auch im 21. Jahrhundert viel zu sagen hat: 

"Was in diesen Jahren als ‘die Krise’ bezeichnet wird, ist bereits die Wende, ja sogar der einzig mögliche Weg zur Gesundung. So wie der Kranke das Fieber braucht, so müssen die Völker durch Nöte hindurch, damit sie auf den Boden der Erde zurückgeholt werden. Auf diesem Planeten ist keinem Lebewesen eine bestimmte Form der Daseinsgestaltung garantiert, ein jedes hat sich anzupassen, auch der Mensch. Was jetzt als ‘unzumutbar’ erscheint, wird sich als heilsam erweisen. 

Wenn eine junge Generation heute nach Aufgaben ruft, dann ist ihr zu antworten: Größere hat es nie egeben! Aber die rühmlichen Taten der Zukunft werden aus Unterlassungen bestehen; denn das Gebot der Bewahrung wird das höchste sein! Vor dem Jahr 2000 und hinfort gibt es keine rühmlichere und edlere Aufgabe als die Rettung unserer Erde."

Hier schimmert durch, was eine ökologische Partei programmatisch für das neue Jahrtausend anzubieten hat und was die heutige und künftige Umweltpolitik sowie die heutige und künftige Umweltbewegung von ihrem großen Lehrer Herbert Gruhl lernen kann: Die Ökologie wird die Ökonomie des 21. Jahrhunderts, es wird keinen Weltfrieden geben ohne Frieden mit der Natur, die Technik allein wird uns nicht retten; wir brauchen ein ökologisches Weltethos, das in den Heiligen Schriften aller Religionen fundiert ist; zum Beispiel beim "ökologischen Jesus". Seine Intention heißt: Macht euch der Erde untertan. Maß und Mitte, Freiheit und Gerechtigkeit, Frieden und Liebe sind die spirituellen Grundwerte, mit deren Hilfe jede zukunftsfähige Politik gestaltet werden muß.

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Volker König anläßlich 30 Jahre ÖDP

jungefreiheit.de vom 2.3.2012 und  herbert-gruhl.de/html/presse2012a.html 

 

Am 6. März 2012 kann die deutsche Umweltbewegung des 30. Jahrestages der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) gedenken. Denn an jenem Tag im Jahre 1982 trafen sich in Bad Honnef am Rhein einige hundert enttäuschte Ex-Mitglieder der Grünen, die ein bürgerlich-konservatives, ökologisches Gegengewicht zu der nach links abgedrifteten Partei bilden wollten. 

Der Anspruch war hoch: Man erachtete sich im Grundsatzprogramm als "der von Millionen Mitbürgern als notwendig erachtete parlamentarische Arm der ökologischen Bewegung". 

Der damals gewählte erste Bundesvorsitzende und unbestrittene Kopf der neuen Partei war der einstige CDU-Umweltexperte und Grünen-Mitgründer Herbert Gruhl. Er stellte in seiner Grundsatzrede auf dem Parteitag klar: 

"Alle Bereiche des Lebens auf der Erde gehören zur Ökologie. Alles, aber auch alles muß daher Gegenstand unserer Zukunftsvorsorge sein." Darum sei die ÖDP keine Ein-Punkt-Partei, sondern vertrete ein organisch-konservatives Weltbild. Materialismus, Fortschrittswahn und Wachstumsideologie, egal ob sozialistisch oder liberalistisch begründet, führen hingegen zur Vernichtung der Lebensgrundlagen. 

Zu Wahlerfolgen oberhalb der kommunalen Ebene kam es in drei Jahrzehnten Parteigeschichte nie. Doch als bei der baden-württembergischen Landtagswahl 1988 die Grünen Stimmenverluste an die ÖDP verzeichneten, begannen Diffamierungen („Ökofaschismus“) von linksaußen. Die Mehrheit reagierte darauf mit dem Gutmenschen-Reflex – und Gruhl verzichtete 1989 entnervt auf den Bundesvorsitz. 

Und die heutige ÖDP? 

Es ist bezeichnend, daß sie in ihrem Internetauftritt nicht einmal eine Mitteilung zu dem historischen Anlaß setzt, geschweige denn sich ihrer Granden wie Herbert Gruhl oder Baldur Springmann erinnert. Offenbar ist dem heutigen Parteichef, dem linkskatholischen Nichtraucher-Aktivisten Sebastian Frankenberger bewußt, daß er in offensichtlich zu große Fußstapfen Gruhls getreten ist.

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