Simon Borowiak 

Alk 

Fast ein medizinisches Sachbuch 

 

Audio 2009 dradio  Alk

2014: Sucht

  

2006  174 Seiten

wikipedia.Autor  *1964  

DNB.Borowiak  37 Publi

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Borowiak nimmt Abschied vom Alkohol    2008    Von Dr. Boger, Berlin  

Als Simon Borowiak noch als »Simone Borowiak« firmierte, erschien in der TITANIC, 1/1992, das folgende Gedicht, das durchaus geeignet ist, der Autorin/dem Autor einen ewigen Platz auf dem Dichter-Olymp zu sichern:  "Hessen nimmt Abschied von Freddie Mercury": 

Mit fünfundverzisch war schon Schluß. / Des kam vom vielen Koitus. 
Der Fred war schwul als wie die Nacht, / Drum hat er's auch net lang gemacht.
Dabei konnt' der doch so schön singe! / Was muß er da noch Kerls bespringe! 
Wär er net rein in jedes Bett, / könnt' er noch leben, unsän Fred.
Am Samstag fragt man: Fred, wie geht's? / Am Sonntag sagt er: Isch hab Ehds. 
Am Montag kommt er aus dem Haus: / Im Eischensarg. Die Füß' voraus.
Am End' hätt' er noch gern gesunge. / Hätt' er halt net die Jungs besprunge! 
Leut'! Sagt Ihr: »Ehds, des krieg isch nie«, / dann denkt an Freddie Mercury. 

 

Borowiaks Buch über den C2-Abusus (vulgo: »Trunksucht«, »Alkoholsucht« oder »Alkoholismus«) ist der Versuch, aufzuklären und dabei qua Schreiben auch mit der eigenen, früheren Alk-Abhängigkeit fertig zu werden. Borowiak gelingt das erhebliche Kunststück, sowohl handfeste Informationen über die Folgen langjährigen harten Trinkens (Wernicke-Korsakow-Syndrom, Leberzirrhose, Pankreatitis, Ösophagusvarizen, etc.) als auch humoristische Portraits Alk-Abhängiger zwischen zwei Buchdeckeln abzulegen.

Marita, eine 40-jährige Hausfrau und Mutter aus dem Hessischen, wird wegen ihrer bedenklichen Leberwerte von ihrem Arzt nach ihrem Alk-Konsum gefragt. Sie ist um eine Antwort nicht verlegen:

»Isch? Isch doch net! Die Werte müsse von was annerem komme. Vielleischt hab isch was Falsches gegesse? [...] Alkohol trink isch so gut wie gar net. Mal 'n Piccolösche, für 'n Blutdruck. Ja, wann isch morgens ma 'n Piccolösche trinke. [...] Isch bin doch kaan Alkoholikä! Sie könne sisch ja mal mei Wohnung ansehe: Alles tipptopp! Mei Haushalt is im 1-a-Zustand! Bei mir könnte Se vom Boden esse! Un nur, weil isch mal morgens odä mittags 'n Piccolösche trink! [...] Mei Haushalt is in Schuss! Bei mir könnte Se vom Boden trinke!« (S. 155 f.)

Was könnte, was sollte ein C2-Abhängiger sagen, wenn er von der Ehefrau gefragt wird: »Hast du getrunken? Wie viel? Wer ist die Blondine im Bad?« Borowiak empfiehlt: »Natürlich habe ich getrunken, Schatz. Und zwar drei Gallonen Wodka. Und was die Blondine im Bad betrifft: Ich erinnere mich nicht mehr an ihren Namen, aber es kam eventuell zu einer Kohabitation.«

Wie dissimulieren C2-Abhängige ihre Sucht oder wie präsentieren sie ihren C2-Kauf?

»XY kaufte zu jeder Sektflasche eine Glückwunschkarte. Und versteckte zu Hause beides. Weil ihr Mann beim Anblick von Glückwunschkarten inzwischen sofort Bescheid wusste. YZ rechtfertigte den späten Flaschenkauf beim Griechen oder Dönermann grundsätzlich mit einer verlorenen Wette oder überraschendem Besuch. Während der bürgerlichen Einkaufszeiten im Supermarkt hingegen dominieren bei den Frauen der stille Alibi-Zukauf von a) einem Strauß Blumen (Einladung?) oder b) einem Beutel Zwiebeln (Kochen? Besuch?).« (S. 163)

»Ridendo dicere severum« - »Im Lachen Ernstes sagen«, diese hohe Kunst wird hier praktiziert. Wer therapeutische Hilfe braucht und wissen möchte, wie Entgiftung und Therapie in der Praxis aussehen, erfährt in den Kapiteln 4 (»show me the way to the next entgiftung«) und 8 (»Behandlungsformen«) viel Wissenswertes, aber auch Ernüchterndes. Man kann dieses Buch allen Leuten empfehlen, die einfach gerne lesen. Lesen sollten es alle, die selbst unter einem C2-Problem leiden oder gelitten haben oder gefährdete oder unmittelbar betroffene Freunde oder Angehörige haben.  

 


Genial           2008 Von Ghandella 

DAS Buch für JEDEN, der sich für dieses Thema interessiert. Ein sehr ernstes Thema wird hier auf sehr amüsante und informative Art umfassend dem Leser nahe gebracht. Die kompliziertesten Prozesse im Körper werden mit den einfachsten Worten mit viel Humor für wirklich jeden verständlich und interessant gemacht. Möglicherweise führt der Umgangston aber auch dazu, dass Leser, die ausschließlich den sachlichen Ton mögen, das Buch nicht verstehen. Ich vermute das aus der ein oder anderen Rezension. In dem Buch wird weder verharmlost, noch erweckt es den Eindruck, dass Alkoholkonsum cool sei. Im Gegenteil. Für diese Leser gibt es ja jede Menge sachliche Bücher zu dem Thema. Aber für jeden weltoffenen 'Ottonormalverbraucher' sollte dieses Buch 1. Wahl sein, wenn er zu diesem Thema informiert sein möchte. Ich hoffe sehr, dass die Ankündigung in dem Buch, ein weiteres Buch zum Thema NIK zu schreiben, ernst gemeint ist. Obwohl Nichtraucher, würde ich es sofort lesen. 

 


Erhellend            2008  Von Janne Hoffmann, Bad Schwalbach 

"Alk" ist ein kleines Meisterwerk. Das Thema Sucht, sonst meist von sauertöpfischen Gesundheitsaposteln abgehandelt, wird hier einerseits ernst, andererseits mit Komik angegangen. Borowiaks Schilderungen von Entzugskliniken sind schrecklich - und gleichzeitig so witzig, dass man sich vor Lachen kringeln könnte. Hier führt jemand die Feder, der wirklich, wirklich schreiben kann - und dessen Blick auf die Welt kritisch und gleichzeitig warm, weise und mitfühlend ist. Eine gute, leider seltene Mischung. Borowiaks These, dass nicht nur Alkis, sondern etwa 70% der heutigen Normalbürger ein ziemliches Problem haben, leuchtet ein. Er untermauert seine Einschätzung mit der Beschreibung einer "herkömmlichen Fußgängerzone" : "Massen von schlecht gelaunten Wracks, überdreht quakend, mit einer Hand telephonierend und mit der anderen ein Fischbrötchen reinwürgelnd, nüchtern torkelnd, bellend, drängend, pöbelnd, und niemand hält mehr dem Nächsten die Tür auf..." Ich war gerade in der Stadt. Genauso ist es! 

 


Unbedingt lesen und weiterempfehlen    2008 Von Doris Darraz 

Simon Borowiak hat mit seinem Buch einen großartigen Beitrag zur Aufklärung der Alkoholabhängigkeit geleistet - Alkoholismus gedeiht nicht auf Grund von Charakterschwäche Einzelner, er ist ein gesellschaftliches Problem. Er gibt dem Leser die Möglichkeit einen tiefreichenden Blick auf die vielen Facetten der Abhängigkeit und deren Ursachen zu werfen. Inspirierend und ermutigend für alle die ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen wollen. Unbedingt lesen und weiterempfehlen! 

 


Frustrierendes Buch - nicht mein Stil      2008 Von Valser 

Sowenig wie Borowiak ein Blatt vor den Mund nimmt, werde ich das nun tun. Ich weiss ja nun wirklich nicht was dem Autor widerfahren ist, aber es scheint nichts Gutes zu sein.

In Bezug auf die Umgangssprache war ich anfangs entsetzt, dann amüsiert und dann nur noch verärgert. Der Slang lässt das Buch auf ein ganz niedriges Niveau sinken, das der Autor mit beeindruckenden Fachausdrücken wieder aufzuwerten versucht. Vergeblich, denn die beiden Sprachen vertragen sich einfach nicht. Ich empfand das Buch als mühsam zu lesen und hab es bis jetzt auch nicht zu Ende gebracht.

Ich hatte zeitweilig den Eindruck, dass er Menschen in Schachteln packt. Es spielt doch keine Rolle, ob einer Bier, Wein oder Korn trinkt. Letztendlich handelt es sich bei allem um ein und dieselbe Droge, nämlich um "Alkohol". Zudem trägt nicht jeder Sekttrinker silberne Schuhe und nicht jeder der Korn trinkt ist so cool wie man hier meinen könnte.

In einem der Kapitel wird die Geschichte des Alkohols aufgerollt und zwar so, dass man denken könnte, es wäre seit Jahrtausenden völlig normal, dass sich die gesamte Menschheit betrinkt. Bier wird im 19. Jahrhundert verharmlosend als Grundnahrungsmittel genannt.

Wenn jemand Alkoholiker ist und Rat sucht, dann kann ich dieses Buch nicht wirklich weiterempfehlen. Da ist mir persönlich der Stil von "Allen Carr" lieber, denn er setzt auf einer positiven und mutmachenden Denkweise auf - oder das von "Viktor Sommer". Wenn sich jemand in einer Entzugsklinik befindet, dann mag das Buch wohl den ganzen Frust den er empfindet wiederspiegeln - mehr nicht.

Das einzige, das ich dem Buch abgewinnen konnte, war die bildliche Ausdrucksweise. Beim Lesen kann man sich wirklich ins Innere des Körpers versetzen und sich vorstellen, was dort geschieht. Deshalb und für andere gutgemeinte Passagen gibt es von mir mit Müh und Not zwei Sterne.

 


 

Locker "von der Leber weg" erzählt      2007 Von Media-Mania 

Titanic-Leser, die beim Autorennamen aufgemerkt haben, können sich bestätigt fühlen: Ja, Simon Borowiak ist Simon Borowiak. Mit diesem Hintergrund erklärt es sich von selbst, dass das vorliegende Buch sehr unterhaltsam geschrieben ist, immer mit genug Selbstironie und dabei auf jede Form der Selbstbeweihräucherung ob dem Suchtausstieg oder Betroffenheit verzichtet. Es wird einfach locker "von der Leber weg" beschrieben, wie aus dem Freund Alkohol der schlimmste Feind wird und wie dieser möglicherweise zu besiegen ist. 

Dabei wird dem Leser ein Dauergrinsen aufs Gesicht gezeichnet, eben weil der Autor nichts und niemanden, schon gar nicht sich selbst oder die Krankheit Alkoholabhängigkeit, übertrieben ernst nimmt. Doch nicht nur durch Humor punktet das Buch, auch die biologischen Zusammenhänge sind so gut erklärt, dass selbst jeder Nicht-Biologe versteht, welche Zusammenhänge es zwischen den Organen und verschiedenen Botenstoffen gibt. 

Doch diese Flapsigkeit ist zugleich auch ein Nachteil, wenn so gut wie nie von einem "Alkoholiker" die Rede ist, sondern fast immer vom "Profitrinker". Ein Profi sein, das ist doch im normalen Sprachgebrauch was Gutes, was Erstrebenswertes? Passend dazu werden Wenigtrinker als Hobbytrinker oder Amateure bezeichnet, allerdings wird sich über die Hobbytrinker, die den guten Tropfen loben, lustig gemacht, scheinbar ohne zu bedenken, dass es wirklich Leute gibt, die nur für den Genuss eines guten Weines trinken, ohne den Rausch zu brauchen oder zu wollen. 

Nichtsdestotrotz ist dieses Buch unbedingt empfehlenswert, nicht nur für Betroffene oder deren Angehörige, sondern am besten für jeden, der öfter mal die ein oder andere alkoholhaltige Flasche öffnet. Dabei muss man sich gar nicht in der Gefahr befinden, in die Abwärtsspirale der Sucht einzusteigen, denn selbst die Schilderungen, was man nur mit einem kleinen Rausch seinem Körper zumutet, machen nachdenklich.  

 


Der Untertitel ist fast Programm       2007 Von Peter Raeggel (Olsberg-Bigge)

Ein anderer Ansatz wirkt oft Wunder. Borowiak will nicht zu fachlich, nicht betroffen und nicht anmaßend schreiben.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Kurzweilig, locker, flockig wird über ein ernstes Thema kenntnisreich referiert. Das Buch bietet informative Unterhaltung. Gekonnt weicht der Autor der alten Sachbuchfalle aus, mit der er selbst gerechnet hat (s. o.).

Ich kann nicht beurteilen, inwieweit gewisse Aspekte, wie z. B. die Ablehnung der Thesen E. M. Jellineks fachlich gerechtfertigt sind. Allerdings sehe ich eine andere Gefahr, die mich von der Vergabe von fünf Sternen abhält: Welche Krankheit wird morgen, natürlich ganz ohne Betroffenheit, dem Lacher um des Lachens willen zum Opfer dargebracht. Wird es Krebs sein? Oder Aids? Oder vielleicht irgendwelche Behinderungen?

Der andere Teil des Programms ist nämlich diese merkwürdig streng daherkommende Absicht, von mir mehr gefühlt als wirklich intellektuell erfaßt, ein humorvolles Buch zu schreiben. Dem Grundsatze folgend, Humor läge vor, wenn man trotzdem lache. 

 


Pflichtlektüre       2007 Von HC Werthern (Peking)

Das Buch ist das Beste, was ich über das Thema Alkohol und Alkoholismus kenne. Borowiak beschreibt aus eigener Erfahrung die verheerenden Wirkungen des Trinkens auf Körper und Seele. Er schreibt sachverständig und nachvollziehbar, denn er kennt die medizinische Literatur und das Fachvokabular und übersetzt es in eine für alle verständliche Sprache. Dem Leser wird unmittelbar und schmerzhaft deutlich, wie schmal die Grenze zwischen "Hobby-Trinken" und Alkoholismus ist. Seine Beschreibungen lassen an Drastik nichts zu wünschen übrig, sowohl über das Trinken und seine Folgen als auch über die Entgiftung und die verschiedenen Therapien. Dabei spart er auch nicht mit sarkastischen Bemerkungen über unfähige oder selbstgefällige Therapeuten und Pfleger; einen besonderen Rochus hat er auf "Silberschuh".

Die größte Stärke des Buches ist sein selbstironischer und von jeglicher Wehleidigkeit freier Ton. Oft habe ich bei der Lektüre laut gelacht - kein Wunder: Der Autor war, damals noch als Simone Borowiak, Kolumnist bei Titanic und hat so wundervoll komische Bücher geschrieben wie "Frau Rettich, die Czerni und ich" oder "Baroness Bibi - Ein Schundroman für die gebildeten Stände".

Alles in allem: Pflichtlektüre für alle, die mehr als ein Glas in der Woche trinken oder jemanden kennen, der dies tut.

 


Kluges, komisches Buch         2006 Von Karsten (Köln)

Harter Stoff, magische Bearbeitung: Nichts wird verniedlicht, nichts wird verherrlicht. Obwohl zum Schreien komisch, von hervorragendem wissenschaftlichen Informationsgehalt. Ein launiges, lustiges Lehrbuch. Mit dabei: tiefe atmosphärische Einblicke in das Elend der Materie. Kann mich dem Lob des "Spiegel" nur anschließen: "Ein Wunder an Komik, Weisheit und Recherche". Sollte vom Jugendlichen aufwärts zur Standardlektüre von jedem gehören, der weiß, wie man eine Flasche öffnet. 

 


Witziger Stil, fragwürdige Botschaft          2006 Von Matthias Berg "Mattiamonte" (Offenburg) 

Der Stil dieses Buches ist witzig und geistreich, die Fakten sind lehrreich und interessant, die Grundaussage hingegen ist fragwürdig bis ärgerlich. Witzig, weil der Autor schreibend einen Sound erzeugt, der dem Leser ein Dauergrinsen aufs Gesicht zaubert, etwa wenn er die typischen Vertreterinnen des Sekt-Alkoholismus beschreibt, die hartnäckig von hin uns wieder ein Piccolo für den Kreislauf schwafeln, und dabei Leberwerte wie der späte Boris Jelzin haben. Da malt man als Leser glatt drei Ausrufezeichen an den Rand. Mein Leseexemplar hat sehr viele Ausrufezeichen. Hier schreibt einer die Alkohol-Version von <Wir Kinder vom Bahnhof Zoo>, und das Ganze im Stil eines Otto-Sketches. Grandios.

Leider spricht der Autor den Knackpunkt der Volksdroge Alk mit keinem Wort an: Wer viel Alk wegstecken KANN, ist ein Held. Wer viel Alk wegstecken MUSS, ist Abschaum. Nun sind beides medizinisch gesehen leider zwei Seiten einer Medaille. Und hier wird das Buch ein Ärgernis (zumindest für Leser, die eine Entgiftungs­station noch nicht von innen gesehen haben und darauf auch keine Lust haben). Denn die einzige Lösung ist es, mit dieser Droge - und nichts anderes ist Alk - vorsichtig umzugehen, sehr vorsichtig sogar. Doch die Leute, die genau dies tun, nennt der Autor abschätzig <Hobby-Trinker> oder <Amateure>, und macht sich über ihr - Zitat - <Gelaber vom Guten Tropfen> lustig. 

Wer den Tag hingegen schon mit einem Wodka beginnt (beginnen muss), der darf sich laut Borowiak PROFI nennen. Wer das Wort <Parkbank> nicht mehr buchstabieren kann, hat es gar zum <Vollprofi> geschafft. Wow! Wer wäre das nicht gerne, ein Profi? Und sei's nur im <Fässchen-Weghauen>! 

Der Grundtenor des Buches ist daher: Saufen ist cool. Erst jenseits des <Kontrollverlustes> hat man ein Problem. Nein: das Problem beginnt viel früher, denn die Grenze zum Kontrollverlust (d.h. ab hier ist man eine Marionette von ALK) ist nicht nur fließend, sondern - schlimmer noch - aus der Innenperspektive des Alkis gar nicht als solche zu erkennen. 

Fazit: Ein kundiges und witziges Buch, das leider dem gängigen Mythos vom heroischen Trinker Vorschub leistet. 

 


Genau so ist es     2006 Von Hamburger "Betroffener" 

Am meinen fast letzten Tag in meiner Suchtklink am Büchertisch wurde ich dazu gedrängt mit Alk von Simon Borowiak zu kaufen. Und jetzt kann ich sagen: Danke für den Tipp! Es ein Buch eines Betroffenen, der alles mitgemacht hat und deshalb völlig authentisch wirkt. Und er lässt auch keinen aus: Angehörige Suchtberater Mitpatienten Schwestern der Entgiftung ( gute und schlechte) und natürlich musizierende Therapeuten!

Am meisten beschäftigt er sich jedoch mit uns, den Betroffenen. Ehrlich, schonungslos und richtig. Ich als selbst Betroffener ,bzw. ehemaliger Profi bis Voll-Profi im (leider noch nicht anerkannten) Boro Schema, habe mich ständig wiedergefunden. Genauso fühlt es sich an , genauso habe ich auch gehandelt. Und Borowiak zeigt einen Weg aus der Sucht auf, auch wenn der sicherlich nicht einfach ist.

Am meisten beeindruckt hat mich neben dieser Offenheit sein Schreibstil. Ich habe selten so gelacht, obwohl ich ein Buch über Alkoholismus gelesen habe. Dieser Schreibstil hat dazu geführt, das ich das Buch regelrecht verschlungen habe. Und je länger ich gelesen habe, desto begeisterter war ich. Geschlossen habe ich das Buch dann mit der festen Überzeugung, dass es das beste zum Thema ist, das ich überhaupt bisher gelesen habe. Und ich habe einige gelesen. Und nicht nur in meiner Suchtklinik.

Und wer schon mal lachen will, wenn er denn noch kann: Kleine Kostprobe gefällig? Also Gut: Als Kontrollverlust bezeichnet der Fachmann nicht den Zustand, da sie unter Alkoholeinfluss Ihren Chef anpöbeln, gegen eine Ampel donnern oder Ihren Nachbarn vergewaltigen. Kontrollverlust bedeutet, dass Sie ein für sich vorab geplantes Trinksystem nicht einhalten konnten. Der Fachmann nennt dies: Nicht mehr über Trinkbeginn, Trinkmenge;Trinkende entscheiden können.

Insgesamt also: Unbedingt lesen und hoffentlich noch vorhandene Angehörige weitergeben. Meine Angehörigen fanden es auch sehr gelungen und einen guten Zugang zu meiner Krankheit. 

 


das beste was ich je gelesen habe               2006 Von Lena  (Berlin) 

Wahsinn. Warum gibt es nicht mehr solcher Bücher. Da mußte man jahrelang auf Herrn Borowiak warten, um mal ein humorvollles und endlich mal auch verständliches Buch lesen zu können. Ich habe 3 Therapien gemacht und in keiner Therapie hat man mir je erklärt was nun letztendlich im Körper abgeht, warum man unter Kontrollverlust leidet.

Ich wußte nichts von MEOS. Das halte ich aber für wichtig, zu wissen, was mit einem passiert ist und warum man auf Medikamente auch verzichten sollte und warum man nach 20 Jahren Trockenheit wieder da landet wo man war, wenn man wieder anfängt zu trinken. In jeder Selbsthilfegruppe werde ich Werbung für das Buch machen. Pflicht für jeden Süchtigen und ebenfalls Nichtsüchtigen.Mein Freund (Nichtsüchtig) hat das Buch wie auch ich verschlungen!! Herr Borowiak-von mir erhalten Sie den Bestsellerpreis in Supergold, ich hoffe, Sie werden "entdeckt " und schreiben noch mehr solcher Bücher!!! Also, von wegen Alkoholiker sind Penner! Hier einer der erfolgreicher und klüger ist als der Rest der Menschheit. 

 


Tränen gelacht....               2006 Von Christian Dams 

Mag auch das Thema ernst sein (und der Autor spart nicht mit Fakten), so ist das Buch nichtsdestoweniger das herzerwärmend Komischste, das ich seit langem gelesen habe. Ein kleines Beispiel (aus der Geschichte des Alkoholgebrauchs): "In grauer Vorzeit fraßen unsere Vorfahren vergorene Früchte. Ergebnis: Der Neandertaler führt ein Tänzchen auf, kneift kichernd Mammuts in den Arsch und knickt seinem Höhlennachbarn die Antenne ab." Um mit Loriot zu sprechen: Das ist fein beobachtet. Lest das Buch, ihr, die ihr betroffen oder nicht betroffen seid - es ist allerbeste Unterhaltung.... 

 


Beim Lesen geschluckt               2006 Von Ein Kunde

Erst dachte ich: iss wohl mal wieder'n typisches Eichborn-Humorbuch. Wird wahrscheinlich frech, rotzig und politisch unkorrekt über "Lallohol" und Schnapsdrosseln abgelästert. Also über die Anderen, diejenigen, die nicht ich sind. Fünf Seiten später dachte ich: das kann man mit "denen" doch nicht machen! Ernsthaft, sachkundig, sprachakrobatisch und laienwissenschaftlich exakt Lachen über / mit / gegen / wegen Alkoholismus??? Und nur kurz darauf warf ich einen nachdenklichen Blick auf meine zuhause gebunkerten Alkoholvorräte und zählte stumm durch, wieviel Gramm von dem Zeug ich mir so zumute. Aus den "Anderen" und mir war schnell ein "wir" geworden - und das während ich mich kringelte und wandt, weil dieses Buch gleichzeitig saukomisch und so ernüchternd ist wie ein Bad in der zugefrorenen Moskwa.

Jetzt weiß ich sehr viel mehr, als meine Leber wollte, dass ich's weiß. Und darüber hinaus auch noch, dass ich jetzt flugs meinen Konsum verändern werde. Sollte ich dem Autor je begegnen, setze ich mir vorher ein paar Hüte auf, damit ich sie vor ihm lüpfen kann. Lesen und dringend weiterempfehlen.

 

 


Das Ultimum                2006 Von Löwe 

Am Anfang denkt man vielleicht kurz (vor allem wenn und und weil man so eine Schreibart, wie der Rezensent, nicht so gewohnt, und wenn man, wie der Rezensent, „Betroffener“ ist): Was ist das denn? Aber je länger ich gelesen habe, desto begeisterter war ich. Geschlossen habe ich das Buch dann mit der festen Überzeugung, daß es das beste zum Thema ist, das ich überhaupt bisher gelesen habe. Und ich habe einige gelesen. 

Einesteils ist es dem Autor gelungen, in seinen eigenen Worten, dem Leser das „Medizinische ins Menschliche“ zu übersetzen. Und mehr als das, er weicht mit SEHR guten Argumenten teilweise von den kanonischen Ansichten ab. Dieser Autor scheint alles zu wissen. Bis hin zum Frauenalkoholismus, den er aus naheliegenden Gründen im Gegensatz zu anderen vielleicht auch noch von innen kennt.

Ständig (wenn man nicht grade lacht!) sagt man sich beim Lesen: Ja, so ist es! Anderenteils berichtet er auf wirklich enorm witzige Weise von seinen Erfahrungen im medizinisch-therapeutischen Apparat. Irgendwie schafft er es, extreme Drastik doch mit einer stellenweise fast rührenden Einfühlsamkeit zu verbinden. Er ist eben (stellenweise) drastisch, nie aber zynisch. Er zieht den Leser durch dauernde Wechselbäder des zitternden Schauderns und des bebenden Lachens. Und doch hat man am Ende das Gefühl, daß das Ganze angemessen abgehandelt wurde. Das grenzt an Magie. Er rückt einiges zurecht, was schon lange mal in dieser Deutlichkeit in Alk-Büchern hätte stehen müssen.

Zum Beispiel seine Ausführungen über die so unglückselige „Krankheitseinsicht“. Über manche Ärzte und manches Pflegepersonal. Trotzdem lässt er keine Mißverständnisse aufkommen, daß schiere Erwartungshaltung und Passivität niemals zielführend sein werden. Kurzum: NUR zu empfehlen. Für alle, die damit zu tun haben oder sich interessieren. Und das Buch, von dem man unübertrieben sagen kann, daß es alle anderen Sachbücher zum Thema überflüssig macht. Daß es wissenschaftlich und literarisch das Ultimum ist. Grausam, wahrhaftig, schön und witzig zugleich. 

 


Ein MUSS für Jeden, der schon mal einen gehoben hat                   2006 Von "nickzachries" 

Kompliment dem Autor. Sein Werk ist einfach genial. Borowiak versteht es, diese Thematik von einer Seite anzupacken, dass dem "nur-ein-Gläschen-noch-kann-ja-nicht-schaden"-Gewohnheitstrinker (kurz: Uns allen!) mal die Augen aufgehen. Man kommt ins Grübeln. Es erwischt einen eiskalt. Was bin ich jetzt laut Boro-Schema: Hobby-Trinker? Amateur? Profi oder gar schon Voll-Profi? Wer trinkt wann warum und wieviel? Was passiert eigentlich in meinem Hirn, wenn ich angesäuselt meiner Nachbarin (oder dem Nachbarn!) unanständige Angebote mache? Gott sei Dank hat dies ein Mann geschrieben, der dabei keine moralische Keule schwingen will oder uns den mahnenden Zeigefinger vorhalten möchte! Er serviert sämtliche Fakten auf feucht-fröhliche Art! Hoch die Tassen! Prost! Herr Ober, bringense noch eins von der letzten Sorte! Warum kann ich bloß 5 Sterne vergeben ...? Danke, Herr Borowiak! 

 


ALK und Ulk        2006 Von Edith Beleites

"Wenn du beim Lesen mal wieder so richtig lachen willst, dann lies dieses grauenhafte Buch über Alkoholismus", sage ich meinen Freunden und Bekannten, seit ich ALK gelesen habe. "Wenn Sie endlich verstehen wollen, was Alkoholismus ist, wie ein Ausstieg aus der Krankheit gelingen kann und wo die Betroffenen dabei bleiben, lesen Sie dieses Buch", sage ich Therapeuten, Ärzten und anderen Leuten vom Fach. Das ist kein Widerspruch. Vielmehr ist es Simon Borowiak gelungen, eine taghelle Schneise ins Dickicht der Alkoholismus-Literatur zu schlagen. 

Als selbst Betroffener hat er sich durch so ziemlich alles gelesen, was die Wissenschaft hergibt, und verschiedene Therapieansätze am eigenen Leibe erfahren, bis ihm der Entzug schließlich gelang. Beides teilt er dem Leser so mit, als sei dieser selbst dabei und dem Terror von "NDR 8 oder HR 14" im dauerdudelnden Radio des Raucherzimmers auf der "Geschlossenen" ausgesetzt gewesen. Das gelingt dem Autor, weil er trotz der gebotenen Sachlichkeit mit perfektem Timing und Pointensicherheit alle Register seines schriftstellerischen Könnens und Sprachgenies zieht, die man aus seinen früheren (unter Pseudonym erschienenen) Ulk- und Satirepublikationen kennt. Heraus kommt ein Buch, dessen Lektüre höchstes Vergnügen bereitet und Hirnzellen wie Lachmuskeln gleichermaßen strapaziert. Und ein Buch, dessen Empathie und Lebensfreude so ansteckend sind, dass es dem einen oder anderen Leser möglicherweise zum Einstieg in den Ausstieg verhilft.

 

 

 

Rausch, Entgiftung, Rückfall 

Simon Borowiaks ultimatives "Alk"-Buch 

Rezensiert von Kim Kindermann    28.02.2006 

RADIOFEUILLETON: KRITIK    dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/474191/   

 

"Heute blau, morgen blau und übermorgen wieder", mit diesen Worten beginnt Simon Borowiak sein neues Buch "Alk". Einem, wie der Untertitel sagt, fast medizinischem Sachbuch zum Thema Alkohol, das für alle geschrieben wurde, die schon mal einen zuviel heben. Und das sind ziemlich viele: Zehn Millionen Menschen greifen allein in Deutschland regelmäßig zu Bier, Wein oder Schnaps.

"Im Zuge einer Entwöhnungstherapie las ich mich durch Regalbretter von Alkoholismus-Literatur. Und wurde zunehmend unwillig. Die Fachbücher waren mir zu fachlich, die Bücher von Betroffenen zu betroffen und die Bücher von Nicht-Betroffenen zu anmaßend. Also beschloss ich anmaßend, das ultimative Alk-Buch zu schreiben. Fachlich fundiert, aber verständlich: geschrieben von einem Betroffenen ohne Betroffenheit. Und das alles im Dienste von Aufklärung, Verständnis, Naturwissenschaft und Komik."

Schreibt Simon Borowiak im Vorwort zu seinem Buch "Alk", diesem fast medizinischen Sachbuch.

Und tatsächlich: Alk wird diesen selbst gesteckten Zielen, diesen hohen selbst gesteckten Zielen mehr als gerecht. Denn "Alk" ist nicht nur ein sachkundiges Buch voller Fakten, sondern bietet dem Leser eine Innenansicht, die deutlich macht: Hier hat jemand geschrieben, der wirklich aus - stellenweise bitterer - Erfahrung weiß, worum es beim Thema Alkohol geht. Und obwohl das bei weitem nicht immer lustig ist, hat der Autor, der früher für das Satireblatt Titanic schrieb und mit dem Buch "Frau Rettich, die Czerny und ich" erfolgreich war, nie den Blick für Komik verloren.

Einen Rausch etwa vergleicht Borowiak gerne mit einer "Art neutraler Wirtshausschlägerei". Wie er überhaupt dazu neigt, körperliche Reaktionen auf Alkohol vereinfacht darzustellen, um so den Leser da abzuholen, wo er steht, nämlich am Nullpunkt. Ausführlich taucht Simon Borowiak also ein in die Welt des Alks: Er nennt die offiziellen Definitionen für Alkoholismus, die er für Quatsch hält, und bietet daher als Alternative sein leicht eingängiges Boro-Schema an, in dem die verschiedenen Trinker-Typen entweder in Hobby-Trinker, Amateur, Profi, Vollprofi oder Ehrenamtlich einteilt werden.

Darüber hinaus werden die unterschiedlichen Methoden zur Alkohol-Entwöhnung vorgestellt, was besonders einprägsam ist, weil Simon Borowiak hier immer von seinen persönlichen Entzugsgeschichten berichtet. Und so wird dann auch schon mal gekotzt, gezittert und geschwitzt. Er erzählt von Angstzuständen, Unruhattacken, Schwächegefühlen und Krampfanfällen genauso offen wie von den stellenweise fiesen Behandlungsmethoden auf einigen Suchtstationen, wo sich das Pflegepersonal gerne mal auf Kosten der entzuggeschüttelten Trinker aufspielt und ihnen ein Beruhigungsmittel vorenthält.

Harter Tabak ist das, denn Simon Borowiak schreckt vor nichts zurück, schreibt kritisch über die Rolle der Partner und nimmt seine Leser schließlich auch noch zu den Sitzungen der Therapiegruppe mit, wo jeder Teilnehmer mehr oder weniger erfolgreich bis zum Schluss versucht, sein Selbstbild zu retten. Erbarmungslos zieht er dabei sämtliche Erklärungen und Lebensgeschichten durch den Kakao. Verlacht die schicke Hausfrau, die auf die hohen Leberwerte angesprochen, immer behauptet nie mehr als einen Piccolo getrunken zu haben und der tollkühne Versuch eines Mannes, der von seinem Chef zum Zwangsentzug geschickt wurde, seine Flasche Korn auf eine Flasche Bier zu reduzieren, kommt auch nicht besser weg.

Gekonnt macht Simon Borowiak damit klar: Der Trinker ist immer der andere! Oder anders gesagt: Alkoholiker sind überall zu finden, in jeder Gesellschaftsschicht und eben nicht nur - wie das Klischee es will - auf der Parkbank. Zumal der Übergang vom locken Hobbytrinker zum Vollprofi fließend ist und man sich schnell in Bereiche hinein trinkt, die längst nicht mehr harmlos sind. Dabei hebt Simon Borowiak nie den moralischen Zeigefinger, sondern gibt auf seine ihm eigene Art dem Leser die wichtigsten Informationen rund zum Thema Alkohol an die Hand. Das zu lesen macht tatsächlich Spaß, selbst wenn es hoch wissenschaftlich wird (ja auch das macht der Autor), denn alle Kapitel sind unterbrochen von kleinen Infokästen, schrägen Dialogen und Zeichnungen oder realsatirischen Beispielen aus dem Alkoholikeralltag.

Simon Borowiak ist ein geniales Buch gelungen, ein eben fast medizinisches Sachbuch, das nicht trocken über das Thema Alkohol schreibt, sondern den Leser mitnimmt auf (s)eine ganz persönliche Reise. Eine Reise, die sich lohnt, denn am Ende der 174 Seiten hat man das Gefühl, tatsächlich alles über Rausch, Entgiftung, Rückfall, Trinkmotive und Behandlungsformen - kurz alles über Alk - zu wissen. Und das ist eine ganz Menge! Tatsächlich ist hier ein Buch geschrieben worden, das sich lohnt gelesen zu werden, denn egal ob man Genusstrinker, Profi-Trinker, Arzt, Therapeut, Winzer, Angehöriger, Getränkelieferant oder Hirnforscher ist, man kommt immer auf seine Kosten.

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