Wilhelm von Humboldt

 

Ideen 
zu einem Versuch, 
die Grenzen 
der Wirksamkeit 
des Staats 
zu bestimmen

 

Mit einer Einleitung 
von Caroline Wolzogen

 

1792   geschrieben; 1851 publiziert  

Wikipedia.Autor  *1767 in Potsdam bis 1835 (68)

DNB.Buch      Google.Buch  

Gutenberg.Spiegel.de  

forum-ordnungspolitik.de .Buch

wikipedia  A. v. Humboldt  *1769 in Berlin-1859 (89)

detopia:

H.htm   Utopiebuch   Sterbejahr

Ro.Nozick    Brüder.Grimm    Thoreau

 


"Wenn man die merkwürdigsten Staatsverfassungen mit einander, und mit ihnen die Meinungen der bewährtesten Philosophen und Politiker vergleicht; so wundert man sich — vielleicht nicht mit Unrecht —, eine Frage so wenig vollständig behandelt, und so wenig genau beantwortet zu finden, welche doch zuerst die Aufmerksamkeit an sich zu ziehen scheint, die Frage nämlich: zu welchem Zweck die ganze Staatseinrichtung hinarbeiten und welche Schranken sie ihrer Wirksamkeit setzen soll?"

 

detopia-2005: Mit 25 Jahren geschrieben, 60 Jahre später veröffentlicht.

 


 

Leseberichte (amazon):

Ein leider wirkungsloses "Liberales Manifest"   ---   2004 Von Morgenländer, Bremen

Wilhelm v. Humboldt steht im Schatten bedeutenderer Philosophen wie Fichte und Hegel - das ist bedauerlich, denn er ist einer der wenigen genuin liberalen deutschen Denker. Die "Ideen", zu Humboldts Lebzeiten nicht veröffentlicht, hätten das Zeug zu einem "Liberalen Manifest" gehabt - nur gab es in Deutschland keine Liberalen, deren Manifest es hätte sein können. Denn die Verbürgerlichung des Deutschen Reiches stand im Zeichen des Nationalismus, nicht des Liberalismus. v. Humboldts Schrift ist also - anders als die Lockes und Mills, seiner Brüder im Geiste - zu Deutschlands Schaden nie wirkmächtig geworden. Es ist aber ein Irrtum zu meinen, die Freiheit des Denkens, Glaubens und Handelns seien in Deutschland mit Inkrafttreten des Grundgesetzes "endgültig" durchgesetzt. Die Gespenster des Glaubenshasses und der Unduldsamkeit sind nie endgültig vertrieben. Es ist also zu wünschen, dass v. Humboldt doch noch seine Leser findet. 

 

 

Deutschlands Beitrag zum Liberalismus ---  2006 Von Kankin Gawain 

Ich muss sagen, ich bin außerordentlich erleichtert (nun endlich) zu wissen, dass auch Deutschland eine liberale Tradition hat - in Wilhelm von Humboldt nämlich. Kerngedanke seiner kleinen Schrift ist, dass der Mensch, wenn er durch äußeren Zwang, beispielsweise staatliche Gesetze und Verordnungen, zu moralischem Verhalten gezwungen wird, nicht eben besser wird, sondern sein Charakter eher Schaden nimmt, solange er dem Guten und Richtigen nicht aus eigenem Antrieb entgegenstrebt. Das ist gewissermaßen die Vorwegnahme der späteren, in der Psychologie gebräuchlichen, Konstrukte der intrinsischen und extrinsischen Motivation. Dass Humboldt darüber hinaus in einem ganz wunderbaren Deutsch schreibt, muss ich wohl nicht eigens erwähnen (und habe es soeben dennoch getan)! Zusammen mit Kants Kritik der reinen Vernunft und Schillers Briefen über die Ästhetische Erziehung des Menschen würde ich Humboldts Gedanken zu jenen drei Werken der deutschen Philosophie zählen, mit denen wir uns auch im Ausland (z.B. England mit seiner großen Tradition des Liberalismus) blicken lassen können! 

 

Plädoyer für den Minimalstaat   ---   2008 Von Frank Reibold

Der Autor versucht in seinem Buch, die Grenzen der Staatstätigkeiten aus dem Naturrecht abzuleiten. Dazu lässt er Ideen von Goethe, Rousseau, Kant und Ferguson einfließen. Die Hauptaufgabe des Staates liegt darin, für Freiheit sowie "Mannigfaltigkeit der Situationen" zu sorgen. Dazu müssen die Bürger Sicherheit haben. Der Autor kommt zu folgenden Schlüssen:

- der Staat darf nur "negative Rechte" (Eigentum, Freiheit, Sicherheit) gewährleisten 
- wenn der Staat auch "positive Rechte" (materielles Wohlergehen, z. B. Wohnrecht oder Sozialhilfe) leisten soll, zerstört er dadurch die Freiheit 
- Ungleichheit der Menschen ist für die Dynamik der Gesellschaft notwendig 
- staatliche Regulierung und öffentliche Erziehung machen aus Menschen "Maschinen" 
- staatliche Sozialpolitik ist nutzlos, erzeugt aber Abhängigkeit (der Autor vergleicht dies mit einem Arzt, der seine Patienten absichtlich nicht heilt, um so die Krankheit endlos zu verlängern) 
- sofern dies möglich ist, sollen die Angelegenheiten der Bürger über Verträge geregelt werden und nicht über staatlichen Zwang 
- was Erwachsene freiwillig tun, soll der Staat nicht verbieten (Kinder und Rechtsunfähige brauchen jedoch ggf. einen Vormund; für sie können auch gesetzliche Beschränkungen der Geschäftsfähigkeit gelten) 
- da der Staat das Gewaltmonopol hat, ist es schädlich, wenn ihm Unternehmen gehören 
- es soll keine Religion vorgeschrieben oder bevorzugt werden 
- für Ärzte und Rechtsanwälte sollte der Staat im Sinne der Qualitätssicherung eine Prüfung anbieten; diese muss jedoch freiwillig sein und darf keine Voraussetzung für das Ausüben des Berufes darstellen 
- Schutzzölle sind schädlich 
- der Staat muss sich somit auf die innere und äußere Sicherheit der Bürger sowie das Rechtswesen beschränken

Wie man sieht, läuft Humboldts Argumentation auf den libertären Minimalstaat hinaus, wie ihn z. B. Rand und Nozick vertreten. Die Argumente ähneln denen moderner "neoliberaler" Denker wie Friedman und Hayek. Mir hat das Buch gut gefallen, weil die Aussagen nach wie vor relevant sind und das Wichtigste in Merksätzen zusammen gefasst wird. Es ist gut zu wissen, dass Deutschland doch einen freiheitlichen Denker hatte, der den Staat nicht verherrlichte (sonst liest man immer nur das Gegenteil).

 

#

 

  ^^^^ 

(Ordnerwww.detopia.de

Humboldt, Wilhelm und Alexander