Robert Nozick 

Vom richtigen, guten

und glücklichen

Leben

The Examined Life: 
Philosophical Meditations

Für Trude

1989 bei Simon&Schuster, New York 
1991 bei Carl Hanser Verlag  
1993 bei DTV  # Üb.: Martin Pfeiffer

Robert Nozick :  Vom richtigen, guten und glücklichen Leben   (1989)    -

1989   384 (413) Seiten  

Wikipedia.Autor  
*1938 in Brooklyn bis 2002 (63, Krebs)

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Psychobuch    Sterbejahr 

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Sam.Keen    Rudolf.Lippe  

Danksagung

Dieses Buch ist mehrmals umgearbeitet worden, und ich bin meinen Freunden und meiner Familie für ihre Kritik und ihre Ermunterung außerordentlich dankbar. E., B. und S. haben verschiedene Versionen des Manuskripts gelesen und mir ausführliche und sehr hilfreiche Anmerkungen und Ratschläge zukommen lassen; Emily und David Nozick blieben interessiert und neugierig; H., S., H. und R. halfen mir zu verschiedenen Zeitpunkten mit Bemerkungen oder Warnungen. Gjertrud Schnackenberg, meine Frau, umsorgte das Buch und mich.

Die Abfassung dauerte vier Jahre und begann während eines einmonatigen Aufenthalts in Yaddo, als ich 1984/85 ein Sabbatjahr von Harvard hatte; sie fand ihren Abschluß 1987/88, in einem weiteren Freijahr, das ich in Rom als Gast der American Academy in Rome verbrachte. 

Ich hatte seit 1981 über dieses Projekt nachgedacht. Ein frühes Stadium der Überlegungen wurde durch ein Stipendium der J.Olin Foundation unterstützt, die mittleren Stadien durch ein Stipendium der S.Scaife Foundation und das letzte Stadium des Schreibens durch ein Forschungs­stipendium, das ich vom National Endowment for the Humanities erhielt. Während eines Aufenthalts in der Villa Serbelloni, dem Studienzentrum der Rockefeller Foundation in Bellagio, habe ich das Manuskript sehr eingehend überarbeitet. Ich bin diesen Institutionen für ihre Hilfe dankbar.

 


 

   

Inhalt 

Danksagung (7)

Anmerkungen (385)  

Namenregister (413)  

 

1. Einleitung (9)   

2. Sterben (21)  

3. Eltern und Kinder (32) 

4. Schöpferische Tätigkeit (40)  

5. Das Wesen Gottes, das Wesen des Glaubens (56)  

6. Die Heiligkeit des Alltäglichen (66)  

7. Sexualität (73) 

8. Das Band der Liebe (82)  

9. Emotionen (107) 

10. Glück (122)  

11. Konzentration (146)  

12. Wirklicher sein (159) 

13. Ichlosigkeit (175)  

14. Haltungen (188) 

15. Wert und Sinn (202) 

16. Wichtigkeit und Gewicht (212)  

17. Die Matrix der Wirklichkeit (226) 

18. Finsternis und Licht (254)  

19. Theologische Erklärungen (270) 

20. Der Holocaust (296)  
21. Erleuchtung (305)  

22. Jedem Ding sein Teil geben  (318)  

23. Was ist Weisheit, und warum lieben Philosophen sie so? (335)

24. Das Ideale und das Tatsächliche (351) 

25. Der Zickzackkurs der Politik  (360)   

26. Das Leben der Philosophie (375)  

27. Ein Porträt des Philosophen als junger Mann (384-384) 

 

 

 

 

 

 

 

Verlagstext:

Robert Nozick ist zusammen mit John Rawls der bedeutendste Vertreter des sogenannten »wirtschaftlichen Liberalismus«. »Ich möchte über das Leben nachdenken und über das, was im Leben wichtig ist, ich möchte mir Klarheit in meinem Denken schaffen — und auch in meinem Leben.« 

Mit diesem einfachen, aber fundamentalen Vorsatz vermißt Robert Nozick die trigonometrischen Punkte unserer Existenz anhand von Begriffen wie Glück, Liebe, Sterben, Sexualität oder Sinn. 

Seine philosophische Meditation <Vom richtigen, guten und glücklichen Leben> hat als Generalthema Philosophie der Lebenskunst und Philosophie als Lebenskunst; dabei ist Nozick sich als gestandener Harvard-Professor nicht zu schade, mit einem Witz zu schreiben, der sich so wohltuend von dem hierzulande eher verbreiteten vornehmen Ton unterscheidet. 

Er sucht nach Antworten, indem er ganz einfache Fragen stellt: Warum ist Glück nicht das einzige, worauf es ankommt? Was ist Weisheit? 

Der Autor lädt den Leser ein, mit ihm ein Stück weit gemeinsam zu denken und dabei eine eigene Richtung einzuschlagen. Sein Ziel ist das Verständnis vom Nachdenken als lustvolle Unternehmung, weil nur ein reflektiertes Leben ein bewußtes und daher sinnvolles ist.

 


 

Intelligente Reflexionen   2000 bei Amazon

 

Der amerikanische Titel dieses Buches lautet "The Examined Life" - das untersuchte Leben, was meiner Ansicht nach den Kern dessen, was Nozick hier schreibt, eher trifft. 

Nozick ist ein renommierter Philosopieprofessor, der in diesem Buch seine Gedanken zu verschiedenen Aspekten des Lebens festhält. Insofern darf man anspruchsvolle Anregungen zu alltäglichen Problemen des Lebens erwarten - und wird nicht enttäuscht. 

In kurzen Kapiteln, z.B. zu den Themen Sterben, Sexualität, Kinder oder Spiritualität, gibt Nozick seine tiefgehenden Reflexionen preis. Zunächst mag es nicht einleuchten, daß er sein Buch ausgerechnet mit dem Thema Sterben beginnt, dann wird jedoch klar, dass das Sterben der Ausgangspunkt einer Sinnsuche im Leben des Menschen sein muss: unsere Zeit ist begrenzt, daher müssen wir uns entscheiden, bestimmte Dinge zu tun und andere zu lassen. 

Mit der Weisheit eines gealterten Philosophen führt uns Nozick von diesem Gedanken aus zu seinen Abhanlungen zu Themen im Leben des Menschen, bei denen man oft denkt: ja, so könnte es sein, das macht Sinn (wie z.B. die Erkenntnis, dass man selbst erwachsen ist, wenn man anfängt, seinen eigenen Eltern Mutter oder Vater zu sein - indem man nachsichtig ist, verzeiht und ihnen dabei hilft, die sich ständig verändernde Welt zu verstehen). 

Eine schöne Anregung zum Nachdenken und Innehalten, deren Lektüre besonders bei neu beginnenden oder abgeschlossenen Lebensabschnitten zu empfehlen ist. Es ist jedoch keine konkrete Anleitung zum "richtigen, guten und glücklichen Leben", auch wenn der deutsche Titel dies suggeriert.


 

Kritik aus Wikipedia 2013

Der US-Philosoph Thomas Nagel kritisiert, dass Nozicks libertäre Theorie kein echtes theoretisches Fundament habe, da sie ohne weitere Erklärung davon ausgehe, dass Individuen sich selbst gehörten.

Der indische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Amartya Sen wirft Nozick vor, dass dieser die sozialen Folgen seiner libertären Philosophie völlig missachte. Es könne bei perfekter und vollständiger Wahrung libertärer Eigentumsrechte auch zu schweren Hungersnöten kommen, ohne dass damit die Vorgaben von Nozicks Theorie verletzt würden. Nozick habe zwar die Möglichkeit eines Ausnahmefalls bei der Gefahr „schwerer moralischer Katastrophen“ vorgesehen; dieser passe aber logisch nicht wirklich in Nozicks Theorie hinein. 

Darüber hinaus seien negative Auswirkungen in allen möglichen Schweregraden möglich. Nozicks Ansatz vernachlässige wichtige Variablen etwa der utilitaristischen Theorien und sei somit zu einseitig.

Der Ökonom Nicholas Barr von der London School of Economics kritisiert, dass zwischen sog. Naturrechts-Libertären wie Nozick und den Vertretern nicht-libertärer Positionen kein wissenschaftlicher Dialog möglich sei, da die Naturrechts-Libertären eine völlig kompromisslose Position vertreten. Dies gelte aber nicht für empirisch argumentierende Libertäre wie Milton Friedman.

Der Ökonom Veit Bütterlin konstatiert, dass das Nozicksche Recht absoluten Eigentums die subsistenzrechtliche Dimension des Naturrechts bedrohen würde. 

Durch Nozicks Ausweitung des Naturrechts - nach der der Mensch Eigentümer seiner eigenen Person sei - auf ein absolutes Recht auf Eigentum an Gegenständen, könnten Rechtsumstände entstehen, die den naturrechtlichen Gedanken selbst wiederum untergraben würden.

 


www.nzz.ch   26. Januar 2002    von U.Wenzel

Ein anarchistischer Liberaler    Zum Tod des Philosophen Robert Nozick 

 

«Anarchy, State, and Utopia» — der Titel des 1974 erschienenen Buches lässt in seinem Duktus etwas von der Radikalität seines Autors erahnen. Robert Nozick plädierte in kristallklaren Sätzen für die Abschaffung des Staates: Lediglich ein minimaler Rest — die Ausstattung eines veritablen Nachtwächterstaates — passierte das im Geiste von John Locke und Friedrich Hayek installierte philosophische Prüfverfahren. Nozicks Minimalstaat, ein — beiläufiges — Resultat von individuellen Tauschakten, wäre so etwas wie eine Firma zum Schutz von Grundrechten, eine «Wach- und Schliessgesellschaft», wie Wolfgang Kersting formulierte.

Der damals sechsunddreissigjährige Harvard-Professor wurde als radikaler «libertarian» über Nacht bekannt — und zum philosophisch-politischen Antipoden seines Kollegen John Rawls stilisiert. Dessen «Theory of Justice» war drei Jahre zuvor publiziert worden und griff all denen unter die Arme, die nach philosophischen Argumenten für ein liberales und soziales Gemeinwesen suchten. Die von Rawls für gerecht und nötig erachteten sozialstaatlichen Umverteilungen verlören in einer Nozick'schen Perspektive ihre Rechtmässigkeit. Jegliche Steuer, so Nozick, die nicht zur Kostendeckung der Ausgaben für innere und äussere Sicherheit erhoben werde, sei illegitim.

«Anarchy, State, and Utopia» gewann den National Book Award und wurde vom «Times Literary Supplement» mit dem Ehrentitel ausgezeichnet, eines der hundert einflussreichsten Bücher seit dem Zweiten Weltkrieg zu sein. Dieser Einfluss war Nozick nicht immer auch genehm; dort nicht, wo die politische Rechte sich seiner Argumente für eine Marktgesellschaft zwar bediente, deren Konsequenzen für eine ebenfalls «libertäre» Moral jedoch abblendete.

Nozick, den die Lektüre von Platons «Staat» in die Philosophie gelockt hatte, kehrte allerdings der politischen Theorie (und wohl auch einigen seiner extremistischen Thesen) den Rücken und wandte sich der Philosophie als Lebenskunst zu. Die «Philosophical Explanations» (1981) und «The Examined Life» (1989) tragen kaum noch Spuren jenes Geistes der (erstrebten) Exaktheit, der das erste Buch umwehte. 

Zwar tritt auch Nozicks lebenspraktisch werdende Weltweisheit als eine Instanz auf, die «Inkonsistenzen» — des individuellen Selbstverständnisses — freizulegen und zu beseitigen hat, doch findet sie sich unter vielen Konkurrentinnen in einem pluralistischen Universum wieder.

Wie die Harvard University mitteilte, an der er seit 1969 lehrte, ist Robert Nozick am 23. Januar im Alter von 63 Jahren einem Krebsleiden erlegen.


 

Nachruf auf einen Freigeist - Von Jörg Lau in zeit.de  9/2002  

 

Nahezu unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit ist vor wenigen Wochen der amerikanische Philosoph Robert Nozick verstorben. Wenn man seine Bedeutung für die angelsächsische politische Philosophie der letzten 30 Jahre zugrunde legt, ist das einigermaßen erstaunlich. Im Range eines University-Professors in Harvard, wo Nozick seit 1969 lehrte, führte er nicht gerade eine Nischenexistenz. Für die amerikanische Debatte der siebziger Jahre war Nozicks Kontroverse mit seinem Institutskollegen John Rawls ein polarisierendes Ereignis. Hier schieden sich die Wege: Nozicks große Studie >Anarchie, Staat und Utopie< (1974, auf Deutsch im mvg-Verlag, 1976) war eine Radikalkritik jenes Konzepts von Verteilungsgerechtigkeit, das Rawls ausgearbeitet hatte. Nozick griff die Rawlssche Rechtfertigung von Umverteilung an - und mit ihr den gesellschaftlichen Konsens der westlichen Nachkriegswelt.  

Man glaubte damals, in jenen glücklichen Tagen, eine egalitäre Gesellschaft, basierend auf umverteilender Besteuerung, sei nicht nur moralisch gerechtfertigt, sondern auch ein Gebot ökonomischer und politischer Rationalität, und stehe im Übrigen nicht im Widerspruch zu den Freiheitsrechten des Individuums.

Nozick hat das Seine dazu getan, diesen Glauben zu erschüttern. Er wurde zu einem der Vordenker des Neoliberalismus. Seine "libertäre" Kritik des Wohlfahrtsstaates nahm die Reformen der Thatcher- und Reagan-Jahre vorweg. Nozick war aber nicht, wie ihm gerne unterstellt wurde, ein schlichter Ideologe des Raubtierkapitalismus, sondern ein höchst anregender Renegat, wie ja übrigens so viele unter Amerikas einflussreichen Neoliberalen und Neokonservativen. 

Fast alle haben sie als linientreue Trotzkisten begonnen, bevor sie entdeckten, dass die "permanente Revolution" das Geheimnis des kapitalistischen Erfolgs ist. Nozick unterminierte mit seiner Verteidigung der Ungleichheit als Ergebnis marktwirtschaftlicher Transaktionen, die er als freiwillige Handlungen "zwischen mündigen Erwachsenen" beschrieb, die Grundlage der egalitären linken Sozialkritik. 

Er hat mit der ihm eigenen analytischen Schärfe in Erinnerung gerufen, dass das Ideal der Gleichheit einer anspruchsvollen Rechtfertigung bedarf. Seine Wertschätzung der Eigentumsrechte des Individuums (self-ownership), die ihm viele Freunde auf der politischen Rechten einbrachte, führte ihn zu Folgerungen, die ebendiesen Freunden die Haare zu Berge stehen ließ. Nozick sah in der Enteignung der Ureinwohner Nordamerikas ein Urverbrechen - einen eigentlich "unamerikanischen" Akt. Außerdem engagierte er sich, auch dies im Sinne von self-ownership, für die Rechte der Homosexuellen.

Robert Nozick, der Linken wie Rechten ein Ärgernis war, schonte sich selber nicht: Gegen die Rechthaberei, Berufs­krankheit aller Moralphilosophen, war er bemerkenswert immun. In den neunziger Jahren, als seine einst ketzerischen Angriffe auf das Ideal der Gleichheit zur sozialdemokratischen Regierungspolitik unter den Fahnen von "New Labour", "Third Way" und (wenn auch rheinisch-kapitalistisch abgemildert) "Neuer Mitte" geworden waren, begann Nozick seine Lehre zu revidieren. Er habe in seinem "ernstlich unangemessenen" Furor für den Minimalstaat unterschätzt, wie wichtig es sei, dass die Politik verschiedenen Idealen und Bedürfnissen Anerkennung zolle und sie zum Ausdruck bringe - und die Solidarität gehöre unbedingt dazu.

Demokratische Institutionen, in denen er vormals nur Mittel zur Kontrolle übermäßiger Staatsaktivität gesehen hatte, erschienen ihm nun von Wert: Sie "selbst drücken in einer pointierten Weise unsere gleiche menschliche Würde, unsere Autonomie und unsere Kräfte der Selbstregierung aus". Diese Wende des einstigen Vertreters der reinen libertären Lehre ließ nun manche Anhänger von Verrat sprechen - dabei hatte er sich doch gerade durch die Rücksichtslosigkeit seiner Selbstkritik als einer der wahrhaft freien Geister erwiesen.

Dieser freie Geist erwies sich übrigens auch an anderen Themen: Nozick ist, soweit ich sehe, der einzige Philosoph der Gegenwart, der ohne Scheu, Kitsch oder die Verklemmungen der politischen Korrektheit von der Sexualität zu schreiben wusste. Damit ist hier nicht Sexualität als Foucaultsches "Dispositiv" oder als "Gender"-Problem gemeint, über das heute allenthalben so gerne wie unanschaulich schwadroniert wird. 

Nozick schreibt Vom richtigen, guten und glücklichen Leben (Hanser Verlag, 1991), und ihm geht es um die Bedeutung dessen, was die Leute tatsächlich im Bett und auf der Couch miteinander tun, kurz gesagt "das, was wir (ohne jede Verunglimpfung) <Ficken> nennen könnten" (Nozick). 

Sein Lob der Sexualität hat einen rokokohaften Hauch von Heiterkeit, eine liebenswürdige, freie Anmut: "Ob sie es im sonstigen Leben tun oder nicht, beim Sex handeln Menschen häufig und unbewusst so an anderen, wie sie möchten, dass andere an ihnen handeln. Wie schön, dass Freiheit, Offenheit, Kreativität, Kühnheit und Intelligenz - Züge, die in der größeren Welt nicht immer so umfassend belohnt werden - so überaus süße private Früchte tragen." Darauf möchte man mit Voltaires Candide antworten: "Cela est bien dit, mais il faut cultiver notre jardin." 

 

 

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