Paul Lafargue 

Das Recht auf Faulheit

Widerlegung des <Recht auf Arbeit> von 1848

Die friedliche Beendigung des Klassenkampfes

1883    54/59 Seiten  (*1842)

wikipedia  Das_Recht_auf_Faulheit 

DNB.Buch  

Google.Buch

 

detopia:  Lafargue.Start

1800-Buch   Utopiebuch

 

Inhalt

Vorwort des Autors   

Als Nachwort:
Eine Auseinandersetzung
 mit den Moralisten
 
(55-59)

Anmerkungen?

1. Ein verderbliches Dogma (20)  

2. Der Segen der Arbeit (23) 

3. Was aus der Überproduktion folgt (35) 

4.  Ein neues Lied, ein besseres Lied  (48)

2001: 3. Auflage dieser Ausgabe im Februar 2001  #  ISBN:  3-931786-03-X 
in Kooperation von Trotzdem-Verlag, 71117 Grafenau, txt.de/trotzdem  
und Anares-Nord,  31311 Uetze  # Umschlag: Veit Schiele, unart  
Druck: Druckcooperative Karlsruhe 

2010: Trotzdem bei Alibri, Aschaffenburg 2010, 97 Seiten, 
Um ein Vorwort von Michael Wilk ergänzte Neuauflage. 

(d-2007:)  L. hat 1911 gemeinsam mit seiner Frau Laura, einer Tochter von Karl Marx, suizidiert. Es soll freiwillig geschehen sein.

   

Vorwort des Autors  

 

Im Jahre 1849 sagte Herr Thiers als Mitglied der Kommission für den Elementar­schul­unterricht: »Ich will den Einfluß des Klerus zu einem allgemeinen machen, weil ich auf ihn rechne: in der Verbreitung jener gesunden Philosophie, die den Menschen lehrt, daß er hier ist, um zu leiden; und nicht jener anderen Philosophie, die im Gegenteil zum Menschen sagt: Genieße!« Herr Thiers formulierte damit die Moral der Bourgeoisie, deren brutaler Egoismus und deren engherzige Denkart sich in ihm verkörperte.1)   (d-2016:)   wikipedia  Adolphe_Thiers  (1797-1877)

Als das Bürgertum noch gegen den von der Geistlichkeit unterstützten Adel ankämpfte, pflanzte es das Banner der freien Forschung und des Atheismus auf; kaum aber hatte es sein Ziel erreicht, so änderte es Ton und Haltung; und heute sehen wir es bemüht, seine ökonomische und politische Herrschaft auf die Religion zu stützen. 

Im 15. und 16. Jahrhundert hatte es fröhlich die Überlieferungen des Heidentums aufgegriffen und das Fleisch und dessen Leidenschaften, diesen »Greuel« in den Augen der christlichen Moral, verherrlicht; heute dagegen, wo es in Reichtum und Genüssen aller Art fast erstickt, will es von den Lehren seiner Denker, der Rabelais und Diderot, nichts wissen und predigt den Lohnarbeitern Enthaltsamkeit.

Die kapitalistische Moral - eine jämmerliche Kopie der christlichen Moral - belegt das Fleisch des Arbeiters mit einem Bannfluch: Ihr Ideal besteht darin, die Bedürfnisse des Produzenten auf das geringste Minimum zu reduzieren, seine Genüsse und seine Leidenschaften zu ersticken und ihn zur Rolle einer Maschine zu verurteilen, aus der man ohne Rast und ohne Dank Arbeit nach Belieben herausschindet.

Die revolutionären Sozialisten sind somit vor die Aufgabe gestellt, den Kampf, den einst die Philosophen und Satiriker des Bürgertums gekämpft, wieder aufzunehmen: sie haben wider die Moral und die Soziallehren des Kapitalismus Sturm zu laufen und in den Köpfen der zur Aktion berufenen Klasse die Vorurteile auszurotten, welche die herrschende Klasse gesät hat; sie haben allen Moralitätsheuchlern gegenüber zu verkünden, daß die Erde aufhören wird, das Tal der Tränen für die Arbeiter zu sein, daß in der kommunistischen Gesellschaft, die wir errichten werden — »wenn es geht, friedlich, wenn nicht, mit Gewalt« —, die menschlichen Leidenschaften freien Spielraum haben werden, da alle »von Natur aus gut sind, wir nur ihren falschen und übermäßigen Gebrauch zu vermeiden haben«.2)

Und das wird nur durch das freie Gegenspiel der Leidenschaften und die harmonische Entwicklung des menschlichen Organismus erreicht, »denn«, sagt Dr. Beddoe, »erst wenn eine Rasse das Maximum ihrer physischen Entwicklung erreicht, erreicht sie auch den höchsten Grad von moralischer Kraft und Energie«. Das war auch die Meinung des großen Naturforschers Charles Darwin.3

Die Widerlegung des Rechts auf Arbeit, die ich mit einigen zusätzlichen Anmerkungen neu herausgebe, erschien in der Zeitschrift <L'Egalité> von 1880.

Gefängnis Sainte-Pélagie, 1883
Paul Lafargue   

 

 ^^^^  

(Ordner)   www.detopia.de