Christa Meves

Es ist noch nicht zu spät !

Neue Wege in eine lebenswerte Welt

2010    

wikipedia.Autorin   *1925

DNB.Autorin

 

detopia:

M.htm    Psychobuch  

W.Bergmann (Pädagoge) 

M.Montessori

Zu Herbert Gruhl 

Von Christa Meves

In: Naturkonservativ heute. Jahrbuch der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. 2003.

Wir waren beide aus Sorge um die Zukunft an die Öffentlichkeit gegangen – jeder auf dem Boden seines Fachgebietes: Herbert Gruhl, der Landwirt, konnte aus Verantwortungsbewusstsein nicht schweigend mit ansehen, wie „der Planet geplündert“ wurde. – Meine Warnungen waren nötig, weil die Natur des Kindes, weil die Entfaltungsbedingungen der Spezies Mensch durch leichtfertige Künstlichkeit missachtet und so die Zerstörung seelischer Gesundheit geradezu programmiert wurde.

Es konnte deshalb gar nicht anders sein, dass wir aufeinander aufmerksam wurden. Mir fehlte die politische Begabung, die Möglichkeit, die gesellschaftlichen Veränderungen etwa durch Gründung einer Partei durchzusetzen – eine Notwendigkeit, die der CDU-Abgeordnete Gruhl am Beginn der 70er Jahre hellsichtig erkannte; denn das nötige Gewicht lag bei den Parteien der 70er Jahre keineswegs auf dieser existenziell bedrohlichen Problematik. Helmut Kohl als Vorsitzender der Oppositionspartei schenkte Herbert Gruhls Appell – trotz des durchschlagenden Erfolgs seines Buches Ein Planet wird geplündert – nicht die angemessene Beachtung, ja, er löste den von Gruhl geleiteten CDU-Arbeitskreis für Umweltvorsorge 1977 sogar auf.

Bekümmert von diesem Unverständnis beschloß Herbert Gruhl, eine eigenständige Partei zu gründen. In dieser Situation wandte er sich brieflich und telefonisch an mich und bat mich um Mitarbeit bei der Erstellung seines Parteiprogramms auf dem Sektor Familie. Um die Fragen zu präzisieren, suchte er mich auf, und ich stellte fest, dass zwischen meinem anthropologischen Konzept und seinen Programmvorstellungen in diesem Bereich einhellige Übereinstimmung bestand.

Ich sagte ihm deshalb zu, jene Teile des Programms, bei denen es um die Erhaltung und künftige Gestaltung der Familien ging, schriftlich zu erstellen. In seinem Grünen Manifest, dem Programm der Partei Grüne Aktion Zukunft (GAZ), kommt das in folgenden Passagen zum Ausdruck:

"9. Das Leben beginnt in der Familie. Den Müttern als dem wichtigsten Stand des Volkes muß mehr Anerkennung und Gerechtigkeit zuteil werden. Den Frauen stehen überall die gleichen Rechte zu wie den Männern, besonders das Recht auf gleichen Lohn für die gleiche Arbeit.

10. Die Bildungspolitik muß davon ausgehen, dass der junge Mensch verschiedene Entwicklungsstadien durchläuft und auch unterschiedliche Begabungen und Möglichkeiten mitbringt. Eine echte Lebens-Schule muß dieser Verschiedenheit gerecht werden.

11. Im gesamten Bildungssystem muß der verantwortliche Umgang mit der Umwelt gepflegt und gelehrt sowie zu solidarischem Handeln erzogen werden. Das Ziel ist eine angstfreie und selbstständige Persönlichkeit. Mammutschulen sollten abgebaut und private Ausbildungsstätten gefördert werden. Die Freiheit von Forschung und Lehre muß garantiert sein, ohne dass sich beide der gesellschaftlichen Verantwortung entziehen."

 

Das Grüne Manifest erregte in der Öffentlichkeit großes Aufsehen. Der Spiegel, dieses Organ planmäßiger Zersetzung, zerriss es unter dem Titel Zu den Müttern. Höhnisch schrieb das Magazin: „Bei den Bildungs- und familienpolitischen Teilen des Manifestes, in dem die Mütter zum wichtigsten Stand des Volkes erhoben und die Förderung privater Ausbildungsstätten sowie handwerkliche Berufe verlangt wird, war ihm die konservative Psychologin Christa Meves behilflich.“

Die Deutsche Zeitung höhnte, dass die Mütter bei Gruhl „als der wichtigste Stand des Volkes“ angesehen werden, und dass hier eine zunehmende Neurotisierung der Kinder prognostiziert würde. – Es ist verständlich, dass sich in der heutigen Journaille angesichts des Eintreffens all dieser Prognosen niemand gern an diesen so wahrheitsgetreuen Ansatz der Grünen erinnern mag.

Allerdings konnte ich Herbert Gruhl keine Zusage auf seine Bitte geben, mich als Gründungsmitglied direkt mit an die Spitze der Grünen Aktion Zukunft zu stellen. Meine familiäre Situation, meine psychotherapeutische Praxis und meine eigentlich unpolitische Natur hielten mich davon ab. Ich erlaubte Herbert Gruhl aber, mich als Initiator der drei Punkte im Text des Manifests zu nennen. 

Noch einmal: Heute sind die Forderungen und Schwerpunkte, die mit dem Grünen Manifest gesetzt wurden, aktueller denn je. 

Es ist dringlich, sich in später Stunde darauf zu besinnen, damit unsere Gesellschaft von der Tiefe her so saniert wird, dass daraus Zukunft erwachsen kann. Der Ausverkauf der Familie kann nur gestoppt werden, wenn es gelingt, der Familienmutter mehr Anerkennung, Respekt und Unabhängigkeit zuzubilligen; denn sonst wird es nicht möglich sein, dass mehr Frauen diesen in der Tat wichtigsten aller Berufe wählen und dafür Sorge tragen, dass der Geburtenschwund der Deutschen gestoppt wird und mehr bindungsfähige gesunde Menschen heranwachsen.

Es gab nach der Gründung der GAZ und der Veröffentlichung des Parteiprogramms außer den eben zitierten Verlautbarungen in den Publikationsorganen, die das Meinungsspektrum bestimmten, bald eine riesige Diffamierungskampagne. Gegen eine solche Dampfwalze konnte sich das Grüne Manifest nicht durchsetzen; denn die bürgerlichen Konservativen stellten sich nicht hinter das Programm. Man wagte es nicht, diesen neuen, existenziell nötigen Ansatz zu stützen. Einmal mehr dominierte im konservativen Lager die Feigheit. Der Versuch, linke Gruppierungen zu integrieren, führte dann bald mit Petra Kelly zu einer Eliminierung der konservativen Akzente aus der neuen Partei, wo mit Herbert Gruhl und seinen Zielen auch die zentrale Führungsposition entschwunden war.

Noch zur rechten Zeit war Herbert Gruhl ein Kämpfer für die Wahrheit. Es ist sein Verdienst, die Menschen für die Gefahr der Umweltzerstörung wach gemacht zu haben. Daß man ihn im Regen stehen ließ, wird eines Tages auf dem Blatt unentschuldbarer und nicht wiedergutzumachender Versäumnisse der deutschen Geschichte zu finden sein.

 

 

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