Maria Montessori

Kinder sind anders

Erziehung für eine neue Welt

Maria Montessori :  Kinder sind anders   (1936)       - 

1936     303 Seiten   

Wikipedia.Autorin  *1870 in Italien bis 1952 (81)

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Inhalt

Vorwort: Kindererziehung als soziale Frage  (7)

Epilog: Ecce Homo!  (301-303)

 

Italienischer Originaltitel: II segreto dell'infanzia
Ü: Percy Eckstein und Ulrich Weber  
Bearbeitet im Auftrage der Erben, der Verfasserin von Helene Helming  

1952 by Ernst Klett, Stuttgart, Printed in Germany 1980, ISBN 3-548-390021  

detopia-2008: Auf einer italienischen Webseite las ich, IlSegreto dell'Infanzia erschien zum ersten Mal 1936, und zwar infranzösisch unter dem Titel L’Enfant. Danach1938 auf italienisch in Milano. Andererseits wird das Buch (auch) als Nachlaßwerk bezeichnet.

 

Die zehnjährige M. M.

Teil 1

1 Das Jahrhundert des Kindes (15)  Die Psychoanalyse und das Kind, Das Geheimnis des Kindes   2. Der Erwachsene als Angeklagter (23)  3. Biologisches Zwischenspiel (28)  

4 Das Neugeborene in der außernatürlichen Umwelt (35)  5. Die natürlichen Instinkte (44)  6. Der geistige Embryo — Die Fleischwerdung (48)  

7 Der Aufbau der kindlichen Seele (60)  Die sensiblen Perioden # Einsicht in das Wirken der sensiblen Perioden # Beobachtungen und Beispiele   

8 Der Ordnungssinn (77)  Die innere Ordnung (86)  9. Die Intelligenz (92)  

10 Die Kämpfe auf dem Weg des Wachstums — Schlafen (105)  11. Das Gehen (111)  12. Die Hand (116)  Elementare Handlungen (120)  

13 Der Rhythmus (125)  14 Die Substitution der Persönlichkeit (129)  Die Liebe zur Umwelt (131)  15. Die Bewegung (135)  16. Die Verständnislosigkeit (140)  17. Die Schaukraft der Liebe (144)

Teil 2

18 Die Erziehung des Kindes (153)  Die Ursprünge unserer Methode (158)  19. Die Wiederholung der Übungen (165)  20. Die freie Wahl (168)  21. Die Spielsachen (170)  22. Belohnungen und Strafen (171)  23. Die Stille (172)  

24 Die Würde (176)  25. Die Disziplin (181)  26. Der Beginn des Unterrichts / Schreiben — Lesen (183)  27. Körperliche Parallelentwicklungen (189)  28. Folgerungen (191)  29. Kinder aus bevorzugten Gesellschaftsschichten (200) 

30 Die innere Vorbereitung des Lehrers  (208)  31. Abwegigkeiten (214) 32. Fluchterscheinungen (216)  33. Hemmungen (219)  34. Heilungen (222)  35. Die Abhängigen (225)  36. Der Besitztrieb (227)  37. Die Begierde nach Macht (231)  38. Der Minderwertigkeitskomplex (234)  39. Die Angst (239)  40. Die Lüge (242)  41. Seelenleben und Körper (247) 

Teil 3

42 Der Kampf zwischen Kind und Erwachsenem  (255)  43. Der Arbeitsinstinkt (258)  44. Die beiden Arbeitsarten (264)  Die Arbeit des Erwachsenen (265)  Die Arbeit des Kindes (269)  Vergleich zwischen den beiden Arbeitsarten (271)  45. Die Leitinstinkte (276)  46. Das Kind — unser Lehrmeister (287)  47. Die Aufgabe der Eltern (290)  48. Die Rechte des Kindes (292) 

 

 

 

 

 

Maria Montessori

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

16.9.1896: In Berlin wird der von der deutschen Schriftstellerin Lina Morgenstern organisierte erste internationale Frauenkongress in Deutschland eröffnet. 17.000 Delegierte aus 14 Ländern nehmen an dem Kongress teil. Montessori als Referentin auf dem Internationalen Frauenkongress in Berlin; Vorträge zur Frauenemanzipation.


Anthropologische Schriften / Maria Montessori ; herausgegeben, eingeleitet, übersetzt und textkritisch bearbeitet von Harald Ludwig


 

Umschlagtext:

Die auffallende Blindheit des Erwachsenen, seine Gefühllosigkeit Kindern gegenüber — den Früchten seines eigenen Lebens — haben sicher tiefe Wurzeln, die sich durch die Generationen erstrecken, und der Erwachsene, der zwar Kinder gern hat, sie aber dennoch unbewußt nicht voll anerkennt, fügt ihnen unbeabsichtigt ein Leid zu. 

Die soziale Frage des Kindes führt uns an die Gesetze heran, nach denen der Mensch gebildet ist, und hilft uns, selbst ein neues Bewußtsein zu entwickeln und folglich unserem eigenen sozialen Leben eine neue Richtung zu geben.

Maria Montessori, die größte Pädagogin der Gegenwart, hat am 31. August 1870 in Chiaravalla (Italien) das Licht der Welt erblickt. Sie widmete sich dem Medizinstudium und war die erste Ärztin der Universität Rom.

Durch ihren Beruf kam sie vorerst mit anormalen Kindern in Berührung. Nun kam zum Beruf noch eine Berufung, denn durch die Arbeit war ihr pädagogisches Interesse geweckt worden. Ebenso dringend wie die ärztliche Hilfe schien ihr die erzieherische Beeinflussung.

Die als genial bezeichnete Frau stand mit offenen Augen und hilfsbereitem Herzen im Leben; sie sah die Not und versuchte sie zu lindern. So trat sie in einem römischen Armenviertel für die Einrichtung eines Kindergartens ein, sie gründete Kinderheime und ähnliche Institutionen, wie die "case dei bambini", in welchen sie auch ihre neuen Erziehungsmethoden in die Tat umsetzte.

Anfang Mai 1952 starb sie in Nordwijk (Holland).  

 


Zur Biografie

 

Maria Montessori wurde am 31.08.1870 in Chiaravalle bei Ancona (Italien) geboren. Italien war zu diesem Zeitpunkt von Gegensätzen zwischen Arm und Reich, wenigen Machthabern und vielen Armen geprägt. Kinder mussten frühzeitig zum Familienerhalt beitragen, regelmäßiger Schulbesuch war Luxus.

Maria Montessori wurde in eine gutbürgerliche Familie geboren und konnte also 1875 die öffentliche Volksschule besuchen. Das bedeutete: bewegungslos in der Bank sitzen und auswendig gelernte Lektionen wiedergeben. Nach wenigen Jahren zeigte sie Interesse an Mathematik und Naturwissenschaften und trat - für Mädchen damals unüblich - statt in ein Gymnasium in eine technisch, naturwissenschaftliche Schule ein.

Sie schockierte ihre Eltern mit dem Wunsch Medizin zu studieren. 1890 gab es in ganz Italien keine Ärztin. Gegen den Willen ihres Vaters meldete sie sich an, wurde aber abgewiesen. Maria Montessori begann Mathematik, Physik und Naturwissenschaften zu studieren und hatte nach Ablegung der Prüfungen die Berechtigung für ein Medizinstudium erlangt. Bis heute ist nicht geklärt, wie sie die zuständigen Stellen überzeugen konnte: Sie begann 1892 als erste Frau Italiens mit dem Medizinstudium.

Von heute unvorstellbaren Schwierigkeiten sei nur eine erwähnt: Sie musste alleine und des Nachts sezieren. Mit ihrer unbeugsamen Willenskraft schaffte sie auch dies; in den letzten beiden Jahren arbeitete sie bereits als Assistentin im Krankenhaus. Sie begann sich mit Kinderheilkunde und Psychiatrie zu beschäftigen.

1896 schloß sie ihr Studium mit großem Erfolg ab; alle Zeitungen berichteten über die erste Ärzting Italiens.
Im selben Jahr trat sie auf dem Berliner Frauenkongreß auf und begeisterte mit ihren Reden.

Nach Arbeiten an der Universitätsklinik und in der eigenen Praxis meldete sie sich für eine Assistentenstelle an der Psychiatrischen Klinik, wo sie ein Schlüsselerlebnis mit schwachsinnigen Kindern hatte: Diese spielten - in Ermangelung irgendeines anderen Spielzeuges, weil die Zimmer eher Zellen glichen und völlig kahl waren - intensiv und konzentriert mit Essensbrösel.

Sie stieß auf die Werke von J.G. Itard und E. Seguin, die beide davon überzeugt waren, behinderte Kinder besonders anregen zu müssen. Maria Montessori war - nach eingehender Beschäftigung mit behinderten Kindern - der Überzeugung: "Das Problem dieser Kinder ist in erster Linie ein pädagogisches, nicht ein medizinisches."

1899 Wurde Maria Montessori Dozentin an der Lehrerbildungsanstalt und Direktorin eines Institutes zur Ausbildung behinderter Kinder. In der dort angeschlossenen Modellschule setzte sie die Materialien von Itard und Seguin und später auch ihre eigenen Materialien ein. Ihre Erfolge - die Kinder konnten nach 2 Jahren bereits die Regelschule besuchen - erregten größte Aufmerksamkeit. Maria Montessori begann sich aber zu fragen, was am "normalen" Schulsystem so falsch sein könne, daß geistig gesunde Kinder derartig schwache Leistungen erbrachten.

Sie verließ das Institut und begann neuerlich Anthropologie und Psychologie zu studieren, wohl auch wegen Dr. Giuseppe Montessano. Maria Montessori wurde schwanger. Dr. Montessano verließ sie, und da ein uneheliches Kind damals das Ende ihrer Arbeit bedeutete, brachte sie es heimlich zur Welt und ließ es bei einer Pflegefamilie am Land aufwachsen. Umso mehr widmete sie sich der Erziehung von Kindern.

 

Die einsetzende Landflucht führte 1906 zum sozialen Wohnbau. Um die Miete sicherzustellen wurden diese Wohnung an Familien vermietet, wo beide Elternteile berufstätig waren. Dies wiederum führte zur völligen Verwahrlosung der Kinder.  

Um die Beschädigungen gering zu halten, trat man an Maria Montessori heran, bei der Suche nach einer Betreuung behilflich zu sein. Sie sah eine Möglichkeit, ihre Arbeiten mit gesunden Kindern erproben zu können und nahm - sehr zur Verblüffung aller - die Stelle selbst an. Am 6. Januar 1907 eröffnete sie ihr Casa dei Bambini in San Lorenzo.

Das Kinderhaus war bald berühmt und die Leute kamen um das Wunder zu sehen: Verwahrloste, vernachlässigte und verschreckte Kinder begannen, selbständig mit Material zu arbeiten. Mit einer Hingabe und einer Konzentration, die niemand für möglich hielt.

Weitere Kinderhäuser wurden eröffnet: Rom, Mailand. Nicht nur Armenviertel, auch Mittel- und Oberschichten. Woher immer die Kinder auch kamen: Sie begannen nach kurzer Zeit, mit dem Material zu arbeiten und den Prozess der "Normalisierung" (Montessori) durchzumachen.

1909 veranlasste das riesige Interesse Maria Montessori zum ersten Ausbildungskurs für Lehrer und Interessierte. Ihr Buch "Il metodo della pedagogica scientifica" erschien im gleichen Jahr.

Maria Montessori beschloß im Alter von vierzig Jahren, sich ausschließlich diesen Vorträgen zu widmen und gab Praxis und Dozentur auf. Von da an war sie sehr viel auf Reisen um alle Kurse und Fortbildungen selber zu halten. Ihr Vertrauen in Kinder, ihren eigenen Weg zu finden, konnte sie auf Erwachsene nicht ausdehnen. Sie hatte Angst, nicht richtig verstanden zu werden und erlaubte niemandem, Kurse zu halten.

1911 gab es bereits in Italien, Schweiz, Paris, New York, Boston aber auch in England und Argentinien Schulen nach der Montessori Methode

Es folgten Reisen in die USA, die Übersiedlung nach Barcelona, Vorträge in den Niederlanden die 1917 mit der Gründung der niederländischen Montessori Gesellschaft gipfelten.
Zwischen 1919 und 1922 bereiste sie England und hielt Vorträge in Amsterdam, Paris, Mailand, Rom, Neapel und Berlin.

 

1924 wurde nach einer Begegnung von Maria Montessori und Mussolini die Montessori-Methode in den italienischen Schulen eingeführt
1926 bereist Maria Montessori Südamerika.
1929 wird die AMI (Association Montessori Internationale) gegründet, deren Sitz 

 

bis 1935 in Berlin, danach in Amsterdam ist. Im selben Jahr findet auch der 1. internationale Montessori Kongreß in Helsingor (Dänemark) statt
1932 2. internationaler Montessori-Kongreß in Nizza.
1933 Der Nationalsozialismus zerstört die deutsche Montessori Bewegung. 3. internationaler Montessori-Kongreß in Amsterdam.
1934 Die italienischen Montessori Schulen werden nach einem Konflikt mit den Faschisten geschlossen. 4. internationaler Montessori-Kongreß in Rom.
Der Bürgerkrieg in Spanien veranlasst Montessori 1936 Barcelona zu verlassen und nach Amsterdam zu übersiedeln. 5. internationaler Montessori-Kongreß in Oxford.
1937 6. internationaler Montessori-Kongreß in Kopenhagen. Friedenskongreß.
1938 7. internationaler Montessori-Kongreß in Edinburgh.
1939 verlässt Maria Montessori Europa und zieht nach Indien. Sie lebt bis 1946 in Adyar und verleiht der indischen Montessori Bewegung zu einem Aufschwung.
1947 kommt es zur Neugründung der italienischen Montessori Gesellschaft (Opera Montessori) und 40 Jahre nach Gründung des "Casa dei Bambini" entstehen erste Pläne für den Aufbau einer Montessori Universität in Madras.

Obwohl bereits hochbetagt, folgen Reisen nach Indien (1947), Ceylon (1948), Pakistan (1949), die Rückübersiedlung nach Europa. 1949 findet auch der 8. internationaler Montessori-Kongreß in San Remo statt.
1950 folgen Reisen nach Norwegen, Schweden. Montessori feiert ihren 80. Geburtstag auf einer internationalen Konferenz in Amsterdam. Sie reist nach Italien.
1951 9. internationaler Montessori-Kongreß in London. Maria Montessori reist nach Tirol und hält dort ihren letzen Ausbildungskurs in Innsbruck.

Maria Montessori verstarb am 06.05.1952 in Nordwijk aan Zee (Niederlande) mitten in den Überlegungen für eine Afrikareise.

 

"Es ist wohl wahr, daß viel getan wird, aber was wäre denn der Fortschritt, wenn nicht das Erkennen von Dingen, die zuvor nicht erkannt worden sind, als das beständige Verbessern all dessen, was bereits ausreichend, ja unübertrefflich zu sein schien?
So gibt es immer noch kein Land der Erde, in dem das Kind zur Genüge verstanden wird"

(Maria Montessori, "Il segreto dell'infanzia" [Kinder sind anders])


© 2000 by Montessori Verein Mödling


 Il segreto dell’infanzia, Milano, Garzanti, 1992 
I edizione originale francese con il titolo L’Enfant, 1936; 
I edizione italiana Istit. Edit. Ticinese, 1938; 
I edizione Garzanti 1950


Mehr Biografie Montessori

 

"Es ist wohl wahr, dass viel getan wird, aber was wäre denn der Fortschritt, wenn nicht das Erkennen von Dingen, die zuvor nicht erkannt worden sind, als das beständige Verbessern all dessen, was bereits ausreichend, ja unübertrefflich zu sein schien? So gibt es immer noch kein Land der Erde, in dem das Kind zur Genüge verstanden wird."

Maria Montessori (Kinder sind anders - 1953; Nachlasswerk)

Maria Montessori wird am 31. August 1870 in Chiaravalle bei Ancona geboren. Als behütetes Einzelkind wächst sie in einem liberal-religiösen Elternhaus auf. Ihr Vater, Alessandro Montessori, und ihre Mutter, Renide Stoppani, zählen zur politischen Elite Italiens. 1875 besucht Maria die öffentliche Volksschule und wechselt später auf eine technisch, naturwissenschaftliche Schule. Früh zeigt Maria einen für ein junges Mädchen in der damaligen Zeit revolutionären Geist. Maria möchte Medizin studieren, wird jedoch an der Universität abgewiesen. Gegen den Willen der Eltern studiert sie zunächst Ingenieurwesen und Mathematik. Nach Ablegen der Prüfungen erlangt sie die Berechtigung zur Aufnahme eines Medizinstudiums. In die Domäne der Männer einzudringen, scheint nicht nur unerhört, sondern geradezu unmöglich. Wie es ihr gelingt, ihre Einschreibung dennoch durchzusetzen und 1892 als erste Frau Italiens mit dem Studium der Medizin zu beginnen, ist nicht überliefert. Jedoch ist die Zeit ihres Studiums geprägt von großen Schwierigkeiten. Die Professoren versuchen die junge Frau zu übersehen, die Mitstudenten reagieren ablehnend, sogar boshaft. Um im Anatomiesaal arbeiten zu können, muss sie sich nachts darin einschließen lassen, weil ihr die Arbeit zusammen mit den Studenten nicht erlaubt wird. 1896 hat Maria Montessori ihr Ziel erreicht und schliesst ihr Studium mit der Promotion ab. Sie ist die erste "Dottoressa" Italiens.

 

    

In den letzten beiden Jahren ihres Studiums arbeitet sie bereits als Assistentin an einer psychiatrischen Klinik. 1896 bis 1898 folgt eine Anstellung als Assistenzärztin in der römischen Universitätskinderklinik, Abteilung Kinderpsychiatrie

Im Umgang mit den geistig behinderten, kleinen Patienten erkennt sie den Tätigkeitsdrang und Eigenantrieb, der allen Kindern zu Grunde liegt. Sie ist der Überzeugung: "Das Problem dieser Kinder ist in erster Linie ein pädagogisches, nicht ein medizinisches". Sie stößt auf die Werke von J.G.Itard und E.Seguin, die beide davon überzeugt waren, behinderte Kinder durch besondere Förderung anregen zu müssen. Unter Einbringung dieser Sinnesmaterialien, in Kombination mit medizinischen Erkenntnissen, entwickelt sie eine pädagogische Methode, mit der sie in ihrer Arbeit als Dozentin an der Lehrerbildungsanstalt und Direktorin eines heilpädagogischen Instituts in Rom (1898 - 1900) beachtliche Erfolge erzielt. Ihre Zöglinge leisten oft bereits nach zwei Jahren genauso viel wie gesunde Kinder und können die Regelschule besuchen. Maria Montessori beginnt sich zu fragen, was am "normalen" Schulsystem so falsch sein könne, dass geistig gesunde Kinder derartig schwache Leistungen erbringen.

Maria Montessori geht eine Beziehung mit dem angesehenen Arztkollegen Dr. Giuseppe Montesano ein und wird schwanger. Ihr einziges Kind, Sohn Mario, wird im März 1898 geboren. Da ein uneheliches Kind das Ende ihrer Karriere bedeuten würde, hält sie die Geburt geheim und gibt ihren Sohn außerhalb Roms in Pflege. 

Sie verlässt das Institut und studiert Anthropologie und Psychologie. 1904 wird sie zur Professorin für Anthropologie an der Universität Rom ernannt.

Maria Montessori folgert aus ihren Erkenntnissen heraus, dass mit Hilfe ihrer Unterrichtsmethode alle Kinder ungleich besser gefördert werden könnten, als es bisher der Fall war. Durch die Beobachtung eines vierjährigen Mädchens, das eine Übung mit Einsatzzylindern über 40mal wiederholt, entdeckt sie das Phänomen der "Polarisation der Aufmerksamkeit".

1907 wird sie von der italienischen Regierung damit beauftragt, das erste Kinderhaus in San Lorenzo (Casa dei Bambini), einem Vorort von Rom, zu "beaufsichtigen" und die Hygiene zu kontrollieren. Das Kinderhaus war in einem Elendsviertel angesiedelt. Maria Montessori macht sich bei ihrer Arbeit die Erfahrung zunutze, die sie vorher mit behinderten Kindern gemacht hat und verwendet für ihre Arbeit mit den Kindern das Material, das sie aus der Experimentalpsychologie kennt und weiterentwickelt hat, angeregt durch Impulse, die von den Kindern ausgehen. Sehr schnell spricht sich in Rom das Kinderhausmodell herum, da die Kinder nicht geahnte Fortschritte machen mit Erfolgen, die den "unterprivilegierten" Kindern vorher nicht zugetraut wurden.

In ihrer pädagogischen Auffassung orientiert sich Maria Montessori an bestimmten Prinzipien, die für die damalige Zeit geradezu revulotionär waren, und die sicherlich den Erfolg der Montessori-Pädagogik bis heute erklären. 1909 veröffentlicht sie ihr Hauptwerk "Il metodo", das sich auf drei Eckpfeiler stützt. Einer davon wird ein von Maria Montessori selbt entwickelter Satz von Bau- und einfachen Spielelementen, die die Kinder zu selbstständigem Forscherdrang animieren sollen. Den zweiten Pfeiler bilden die eingeführten "Stillezeiten" und gemeinsame Mahlzeiten der Zöglinge, die soziale Lernprozesse anregen und den Kindern vermitteln sollen, dass sie Teil einer großen Einheit sind. Dritter Grundsatz ist die eher beobachtende Distanz der Erzieher, die eine Störung des Lernprozesses durch den Einfluss der Erwachsenen verhindern soll.

Von 1913 an reist sie in viele Länder der Erde. In Europa, Amerika und Indien hält sie Vorträge. Sie verfasst ihr Buch "Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter", das die Verbreitung ihrer Erkenntnisse rasch voranbringt. Im gleichen Jahr hält sie den ersten internationalen Lehrgang in der Ausbildung von Lehrkräften in ihrer Methode. Diese setzt sich immer mehr durch und fast überall in Europa und Amerika entstehen Montessori-Schulen nach ihrem Vorbild. 1922 wird sie zum Regierungsinspektor der Schulen Italiens ernannt.

Die Entwicklung der Montessori-Pädagogik wird immer wieder durch totalitäre Regime, wie in der Sowjetunion, Italien, Spanien und Deutschland gestoppt. In der Zeit des Nationalsozialismus werden in Deutschland alle Montessori-Einrichtungen geschlossen. Wegen Behinderungen durch den Faschismus in Italien verlegt Maria Montessori ihren Wohnsitz 1934 erst nach Barcelona, 1936 wegen des spanischen Bürgerkrieges in die Niederlande, später nach Indien. Dort leitet sie in Adyar eine nach ihrer Methode der Selbsterziehung eingerichtete Schule. 1940 wird sie nach der Besetzung der Niederlande durch die Deutschen als Angehörige eines Feindstaates interniert. Nach ihrer Freilassung arbeitet sie dort und in den Nachbarländern an ihrem Lebenswerk weiter. 1947 kehrt Montessori nach Europa zurück. Bis zu ihrem Lebensende wohnt sie in Nordwijk aan Zee. Dort stirbt sie am 06. Mai 1952.

Zum Weiterlesen:
"Maria Montessori 1870 - 1952. Kind ihrer Zeit, Frau von Welt",
Marjan Schwegman (2000; Biografie)
"Maria Montessori. Leben und Werk einer großen Frau",
Rita Kramer (1995, Fischer, 3596124557)

Quelle: d.g.p.  meinhard 

 

 

 

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