Helmut Schelsky

Die Arbeit tun die anderen; Klassenkampf und Priesterherrschaft der Intellektuellen

Die Hoffnung Blochs; Kritik der marxistischen Existenzphilosophie eines Jugendbewegten

  S.htm

*1912 in Chemnitz  
bis 1984 in Münster (71)

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H.Friedrich  V.Kempf  E.Bloch

                      

 

  

aus wikipedia 2015

 

Als Verwundeter kam er in den letzten Kriegstagen 1945 nach Schleswig-Holstein und baute unmittelbar nach Kriegsende mit Kurt Wagner den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes auf.[5] Außerdem war er ab 1946 Mitherausgeber der sozialdemokratischen Zeitschrift Volk und Zeit. Von 1945 bis 1960 lebte er in Hamburg. Ab 1948 vertrat er die Professur und wurde 1949 selbst als ordentlicher Professor für Soziologie an die Akademie für Gemeinwirtschaft nach Hamburg berufen. Von 1949 bis 1950 hatte er die Leitung der Einrichtung inne. 1953 wechselte er zur Philosophischen Fakultät der Universität Hamburg, später als ursprünglich gewollt, da ihm Helmuth Plessner vorgezogen wurde.

1960 nahm er einen Ruf an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Münster an. In dieser Position leitete er von 1960 bis 1970 die renommierteste empirisch-soziologische Forschungsstätte jener Jahre, die Sozialforschungsstelle an der Universität Münster in Dortmund. Unter anderem setzte er sich für die Verpflichtung von Niklas Luhmann ein.

Er war ab 1965 der Spiritus Rector, der für die in Bielefeld neu gegründete Reform-Universität kämpfte und dafür sorgte, dass dort die erste „Soziologische Fakultät“ der Bundesrepublik errichtet wurde. Bereits in diesem Kampf um den ostwestfälischen Standort von der Paderborner CDU als ehedem nationalsozialistischer Student enttarnt, trat er sofort von allen Ämtern zurück, auch von dem des Vorsitzenden des Planungsbeirats des Kultusministers des Landes Nordrhein-Westfalen für die Entwicklung des Hochschulwesens. Er wurde jedoch zurückgerufen und 1970 als Professor an die Bielefelder Universität berufen. Dort leitete er an deren erstem Standort Rheda das als ein ‚deutsches Princeton‘ angelegte Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF).

Er überwarf sich aber mit den Kollegen in seiner eigenen Gründung und kehrte 1973 enttäuscht nach Münster zurück, wo er Rechtssoziologie und -philosophie an der Juristischen Fakultät lehrte, das Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften leitete und 1978 emeritiert wurde.

Schelsky war darüber hinaus als Senator der Deutschen Forschungsgemeinschaft tätig und von 1978 bis 1984 Honorarprofessor für Rechtssoziologie an der Universität Graz.

Er schrieb noch kämpferische und zunehmend als rechtsintellektuell einzuschätzende Großessays gegen die in seinen Augen eine utopische Erziehungsdiktatur anstrebenden Soziologen der 68er-Generation, vereinsamte aber bis zu seinem Tod.

Sein Nachlass befindet sich in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster[9] und im Universitätsarchiv Bielefeld.

Wirkung

Von der Leipziger Schule um Hans Freyer war Schelsky gefördert und gelenkt worden. Schelsky suchte zwischen so bedeutenden Köpfen wie dem rechtshegelianischen Philosophen Hans Freyer, dem Philosophischen Anthropologen Arnold Gehlen und dem später emigrierten Philosophen und Logiker Gotthard Günther ein eigenes Arbeitsfeld und kam so auf die Soziologie. Seine künftig (auch für die Rechtswissenschaft) wirkungsreiche Theorie der Institutionen schrieb er sehr bald nach Kriegsende, danach auch Grundsätzliches zur Schichtung.

Er verfasste in Hamburg eine Reihe anwendungsorientierter und viel gelesener Veröffentlichungen über die westdeutschen Aufbauprobleme. Sie widmeten sich aktuellen Entwicklungen, die er voraussah. Er veröffentlichte Werke zur Familiensoziologie, dann zur Soziologie der Sexualität, zur Industriesoziologie, zur Jugendsoziologie, zur Soziologie der Erziehung und zur Soziologie und Ideengeschichte der deutschen Universität, die oft neu aufgelegt wurden. Viel Zustimmung und auch Kontroversen erregte seine These, dass moderne Gesellschaften zur „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“ tendierten.

In Dortmund leitete er zugleich eine empirieorientierte <Talentschmiede> der Soziologie, die sich erst in den 1970er-Jahren an den deutschen Hochschulen durchsetzte. Er habilitierte siebzehn Soziologen. Schelsky war ein liberaler und gelegentlich zynischer Talentaufspürer, auffällig desinteressiert am Aufbau einer eigenen „Schule“ und für viele sehr unterschiedliche neue Talente attraktiv, so für Heinz Hartmann, Dieter Claessens, Franz-Xaver Kaufmann und Niklas Luhmann. Damit war er professionspolitisch, auch was kommende Lehrstuhlbesetzungen betraf, für die deutsche Soziologie einflussreicher als die nach 1945 zurückgekehrten renommierten René König (vgl. die „Kölner Schule“) und Otto Stammer, während sich die Frankfurter Schule erst nach 1968 durchsetzte.

 

Schelsky widmete sich auch der Kritik marxistischer Klassenanalyse. Aufsehen erregte er 1975 mit seinem Buch <Die Arbeit tun die anderen: Klassenkampf und Priesterherrschaft der Intellektuellen>, in dem er darlegt, dass die linksorientierten Intellektuellen nicht die Interessen der Arbeiter vertreten.

In seinem Buch <Die Hoffnung Blochs> setzte er sich kritisch mit Ernst Bloch, den er als Galionsfigur dieser Intellektuellen sah, und dessen Wirkung auseinander.

In <Funktionäre: Gefährden sie das Gemeinwohl?> kritisiert er das Überhandnehmen des Funktionärstypus und die seiner Meinung nach ideologische und zu deduktive Richtung der Soziologie der Frankfurter Schule:

"Der Umschwung in der bundesdeutschen Soziologie von der <induktiven> empirischen Sozialforschung der 50er und Anfang der 60er Jahre zu der wieder deduktiv vorgehenden Theorienlehre der <Frankfurter Schule>, des Neomarxismus oder des funktionalistischen Systems eines Niclas Luhmann [sic!] hat nicht zuletzt zu einer Reideologisierung der bundesdeutschen Politik beigetragen.“

 

Dass seine eigene Gründung, die Universität Bielefeld, auf ihn nicht mehr hören wollte, zeichnete ihn – trotz hohen Anklangs seiner daraus resultierenden Intellektuellenkritik in konservativen Kreisen – für den Rest seines Lebens tief.

Seine Analysen wurden gerade wegen ihres Aktualitätswertes in den <Goldenen Jahren> der Bundesrepublik Deutschland danach fast vergessen und fanden erst um die Jahrtausendwende wieder einige Beachtung.

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