Dr. Gottfried Benn

 

Arzt, Dichter,

politischer Kommentator

wikipedia.Autor *1886 in Brandenburg bis 1956 (70)

 

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Gottfried Benn in einem persönlichen Brief 1948:

 

»Innerhalb des Abendlandes diskutiert seit vier Jahrzehnten dieselbe Gruppe von Köpfen über dieselbe Gruppe von Problemen mit derselben Gruppe von Argumenten unter Zuhilfenahme von derselben Gruppe von Kausal- und Konditionalsätzen und kommt zu derselben Gruppe von — sei es — Ergebnissen, die sie <Synthese>, — sei es — von Nicht-Ergebnissen, die sie dann <Krise> nennt; das Ganze wirkt schon etwas abgespielt, wie ein bewährtes Libretto, es wirkt erstarrt und scholastisch, es wirkt wie eine Typik aus Kulisse und Staub.

Ein Volk oder das Abendland, das sich erneuern möchte, — und manches läßt darauf schließen, daß es sich auch noch erneuern könnte — ist mit dieser Methode nicht zu regenerieren.

Ein Volk regeneriert sich durch Emanation von spontanen Elementen, nicht durch Pflege und Hochbinden von historisierenden und deskriptiven. Diese letzteren aber füllen bei uns den öffentlichen Raum. Und als Hintergrund dieses Vorgangs sehe ich etwas, das, wenn ich es ausspreche, Sie als katastrophal empfinden werden.

Das Abendland geht meiner Meinung nach gar nicht zugrunde an den totalitären Systemen oder den SS-Verbrechern, auch nicht an seiner materiellen Verarmung oder an den Gottwalds und Molotows, sondern an dem hündischen Kriechen seiner Intelligenz vor den politischen Begriffen.

Das Zoon politikon, dieser griechische Mißgriff, diese Balkanidee — das ist der Keim des Untergangs, der sich jetzt vollzieht. Daß diese politischen Begriffe die primären seien, wird von dieser Art Intelligenz der Klubs und Tagungen schon lange nicht mehr bezweifelt, sie bemüht sich vielmehr nur noch, um sie herumzuwedeln und sich von ihnen als tragbar empfinden zu lassen.

Dies gilt nicht nur für Deutschland, das sogar in dieser Hinsicht in einer besonders schwierigen, fast entschuldbaren Lage ist, sondern ebenso für alle europäischen Intelligenzen.« 

wikipedia  Emanation  Ausfließen, Hervorgehen

 


aus wikipedia-2019:

Bestimmend für Benns Sozialisation war eine gewisse soziale Schieflage. Er wuchs gleichermaßen mit Landarbeiterkindern wie mit Söhnen des ostelbischen Adels auf. Er gehörte, trotz der privilegierten Stellung durch Amt und Bildung des Vaters, aufgrund von dessen relativer Besitzlosigkeit und wegen des Standesunterschieds eben doch nicht zur Schicht der Junkersöhne. Der erste Benn-Biograph Thilo Koch folgerte daraus eine nicht vollendete Sozialisation und Entwurzelung Benns und ein bedrückendes Gefühl wegen seiner Armut, welches einen auch im späteren Leben nachzuweisenden Minderwertigkeitskomplex zur Folge gehabt habe.

....

Als Benns Mutter an Brustkrebs litt, verbot sein Vater dem schon approbierten Sohn aus religiösen Gründen – da der Schmerz gottgewollt sei – sogar die Behandlung der Mutter mit schmerzlindernden Morphinen. Dies führte zu einem schweren Zerwürfnis zwischen Benn und seinem Vater, und Benn unterbrach den Kontakt für die nächsten Jahre vollständig.[8] Dieser Gesamtkomplex eines Vater-Sohn-Konfliktes ist exemplarisch in Benns zwischen 1912 und 1917 geschriebenem und 1922 veröffentlichtem Gedicht Pastorensohn zu beobachten, in dem er – bis zur Kastration des Vaters gehend – mit diesem radikal abrechnet:

[…] Verfluchter alter Abraham, zwölf schwere Plagen Isaake haun dir mit einer Nudelhacke den alten Zeugeschwengel lahm.[9]

Im Gedichtzyklus Söhne von 1913 scheint die Kritik am Vater dann in einem im Expressionismus durchaus üblichen Gesamtzusammenhang eines historischen und überindividuellen Generationenkonflikts[10] erneut auf (Gedicht Schnellzug):

[…] Von meinen Schultern blättern die Gefilde, Väter und Hügelglück –; Die Söhne wurden groß. Die Söhne gehn nackt und im Grame des entbundnen Bluts die Stirn aufrötet ein Abgrundglück.[11]

 

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