Mike Davis

Vogelgrippe

Zur gesellschaftlichen
Produktion von Epidemien

 

Orig 2005: The Monster at Our Door. The Global Threat of Avian Flu
Das Monster vor unserer Tür - Die globale Bedrohung durch die Vogelgrippe

deutsch 2005 im Verlag: Assoziation A in Hamburg

2005    170 Seiten

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"Read this book, and after inevitable nightmares, take a deep breath.
..."

 

 

 

Inhalt

 

Vorwort: Die Pietà (9)

  wikipedia  Pieta

wikipedia  Pietà  (Schmerzensmutter)

 

1. Die Evolution auf der Überholspur (14)

2. Die Virulenz der Armut (25)

3. Die falschen Lehren (33)

4. Die Vögel von Hongkong (45)

5. Eine schmutzige Geschichte (55)

6. Pandemische Überraschung (65)

7. Das Dreieck des Todes (75)

8. Seuche und Profit  (87)

9. Am Rande des Abgrunds  (101)

10. Die Verunsicherung im eigenen Land  (111)

11. Strukturelle Widersprüche (121)

12. Das Titanic-Paradigma (131)

 Fazit: Im Jahr des Hahns (141)

Anmerkungen (151)

Glossar (165)

 


 

KLAPPENTEXT
Mike Davis zeichnet die Ausbreitungsformen und virologischen Zusammenhänge nach, die vor dem Hindergrund der schnell voranschreitenden evolutionären Entwicklung der Krankheit bis heute bekannt sind.
Waren Mediziner noch vor kurzem davon ausgegangen, dass eine Übertragung des Vogelgrippevirus auf den Menschen äußerst unwahrscheinlich sei, so muss man heute eingestehen, dass sich die Übertragungen von Mensch zu Mensch nicht mehr ausschließen lassen.
Davis bleibt nicht bei den medizinischen Implikationen stehen, sondern stellt den Zusammenhang mit dem Agro- und Pharmabusiness sowie den Politikformen her, die eine wirksame Bekämpfung und Prävention der Krankheut behindern. Er beschreibt die Veränderung der Nahrungsmittelprodukion in Asien in den 90er Jahren und die damit einhergehende Veränderung der sozialen Verhältnisse in Südchina.


Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.11.2005
https://www.perlentaucher.de/buch/mike-davis/vogelgrippe.html
Was seinen Instinkt für Themen betrifft, dürfte ihm keiner was vormachen, gesteht Harry Nutt dem öko-marxistischen Stadtsoziologen Mike Davis zu, dessen Essay zur Vogelgrippe ungefähr zeitgleich mit der Krankheit Europa ankommt. Für Davis - erklärt uns Nutt die Eckpunkte seiner Überlegungen - ist die Vogelgrippe wie andere Epidemien auch nicht biologisch, sondern gesellschaftlich produziert. Sie ist für ihn Ergebnis einer "kapitalistischen Marktdynamik", der industriellen Massentierhaltung, mangelnder Hygiene und der abrupten Veränderung traditioneller Arbeits- und Lebensbedingungen. Zu beweisen versucht Davis dies am Beispiel der südchinesischen Stadt Guangdong, dem Zentrum der chinesischen Geflügelproduktion - mehr als 700 Millionen Hühner werden hier gehalten. Doch überzeugen konnte Nutt Davis' Erklärung nicht, zu dick sind ihm bei diesem "Katastrophenbild" die ideologischen Farben aufgetragen.


Rezension aus Deutschland vom 19. Oktober 2007
Obwohl ich mich bereits seit Längerem mit der Influenza im allgemeinen sowie H5N1 im besonderen beschäftige war dieses Buch gespickt mit bisher unbekannten Information. Es werden die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe der Influenzabekämpfung in der jüngeren Vergangenheit sehr detailliert aufgearbeitet und kritisch beleuchtet. Insgesamt eine sehr gut zu lesende Faktensammlung mit einer gelungenden Skizzierung der Handlungen in deren Hintergund.


Rezension aus Deutschland vom 25. Februar 2006
Der kalifornische Öko-Marxist Mike Davis (geb. 1946) veröffentlichte im September 2005 sein Buch zur aktuell breit diskutierten Vogelgrippe.
Nach einem knappen naturwissenschaftlichen Überblick (Kapitel 1) beschreibt Davis im Stile eines Krimis die gesellschaftlichen Ursachen der Vogelgrippe. Er verweist auf die Ursprünge von H5N1 im Jahr 1997 im chinesichen Guangdong und geht in diesem Zusammenhang auf die rasante Entwicklung der Massentierhaltung in den siebziger Jahren in Asien ein.
Die Region des Ausbruchs entspricht einem jener Orte der Welt mit den meisten Hühner(farmen) auf einem Fleck. Davis geht auf Vertuschungen ein, zitiert aus Science-Artikeln und asiatischen Medien und zeichnet den Weg bis zum Herbst 2005 minutiös nach. Dabei schießt er mitunter auch übers Ziel hinaus, wenn er etwa, zwar nicht ernsthaft aber doch, auf Aliens eingeht (S. 20 und S. 49) bzw. auf Zitate in diesem Zusammenhang verweist.
Mike Davis liefert mit diesem Buch einen wichtigen Beitrag im Verstehen von Entstehen von Massenseuchen durch Massentierhaltung, ähnlich wie es der Princeton-Professor Peter Singer an anderer Stelle bereits getan hat. Somit ergeben sich mitunter interessante Parallelen zwischen BSE, Schweinepest und Vogelgrippe.
Eine fundierte wissenschaftliche Zitierweise und ein Glossar runden das Büchlein ab, das abseits der massenmedialen Hysterie Einblicke in die Welt des industriellen Lebens(mittel)komplexes gibt.


Stefan Kühner #  Über Seuchen und Profite  #  vom 21. März 2006
...
Mit seiner amerikanischen Regierung, der Bush-Administration, geht Davis hart ins Gericht. Fehlende Impfstoffproduktion, zurückgefahrene Impfprogramme, ungenügende Bevorratung von Grippemitteln und den Abbau von Pflegepersonal und Krankenhausbetten hält er auch den Regierungen der anderen reichen Länder vor. Am schlimmsten empfindet es Davis allerdings, dass die reichen Staaten die armen Länder in Asien und Afrika alleine lassen - allen voran Vietnam, dem die US-Regierung Unterstützung zur Überwachung und Bekämpfung der Vogelgrippe verwehrt.

Mike Davis geht das Thema Vogelgrippe äußerst gründlich aber ohne jegliche Panikmache an. Obwohl es sich um ein solch bedrohliches Thema behandelt, verzichtet er völlig auf Schreckensszenarien und Spekulation. Er trägt Fakten zusammen und reiht diese sachlich aneinander.

Vier Hauptaspekte arbeitet er in seinem Buch heraus. Ausgehend von der großen Grippeepidemie von 1918, die zwischen 40 und 100 Millionen das Leben kostete, zeigt er auf, dass alle tödlichen Grippeviren bis zum heute grassierende H5N1 - Virus durch Mutationen und Veränderungen auseinander hervorgegangen sind. Er weist auch nach, dass die Viren längst zwischen den Arten (Huhn, Ente, Schwein, Katzen, Hund, Pferd, Mensch) hin- und her gesprungen sind. Fachlich fundiert greift er dabei auf biochemische bzw. biogenetische Erkenntnisse zurück.

Im zweiten Teil erklärt er welche Rolle der schnell anwachsende Verzehr von Fleisch sowie die industrielle Massenproduktion von Tieren für die Ausbreitung der Geflügel- und Schweinepest (ausgelöst durch Influenza Viren) spielen. Profitgier führte nicht nur dazu, dass Tierepidemiefälle verschwiegen wurden sondern die Enge der Tierhaltung ist nach seinen Ausführungen auch eine extrem gefährliche Basis für eine unkontrollierbare Mutation des Vogelgrippevirus.

Der dritte Gedankengang befasst sich mit den Mechanismen die eine Pandemie auslösen und zum Sturm werden lassen könnten - die Verstädterung der dritten Welt und Rolle der Megaslums in Asien. Sie sind nach Davis' Meinung mindestens ein eben so großer Gefahrenherd, wie die Gräben im Weltkrieg I, welche die Grippe von 1918 befeuerten. Gepaart mit dem Massentourismus könnte das Virus in wenigen Tagen um die Welt jetten.

Im vierten Teil befasst sich Davis mit den Versäumnissen der Regierungen der reichen Länder. Sie vernachlässigen die Prophylaxe. Ihre auf neoliberalen Denkweisen basierende Achtlosigkeit gegen den Armen dieser Welt wird nach Davis dazu führen, dass vor allem diese Armen beim Ausbruch einer Pandemie die höchste Zahl an Toten zu beklagen hätten.

Wie bereits gesagt, wer Horrorszenarien sucht, kann das Buch auf der Seite liegen lassen. Wer fachliche und kompetente Fakten erwartet, findet sie in diesem Buch zuhauf. Es zu lesen fordert allerdings ein bisschen Konzentration. Ein einfach verständlicher Schreibstil und ein sehr gutes und verständliches Fachwort-Glossar halfen mir, auch die Passagen gut zu verstehen, in denen Inhalte behandelt werden, die sonst von Experten und Wissenschaftlern diskutiert werden.

Politiker, Politikerinnen und Fach- und Führungskräfte im Gesundheitswesen sollten sich dieses Buch zur Pflichtlektüre machen.


Die (Schweizer) Wochenzeitung

https://www.woz.ch/0543/
europa-und-die-vogelgrippe/
die-gefahr-aus-den-megastaedten

Nr. 43/2005 vom 27.10.2005

EUROPA UND DIE VOGELGRIPPE Die Gefahr aus den Megastädten Die europäischen Staaten haben eine besondere Verantwortung bei der Bekämpfung der Vogelgrippe. Sie dürfen nicht länger Zeit mit nationalistischer Politik verlieren.

Von Mike Davis

Die Vogelgrippe begehrt Zutritt nach Europa und wird nicht abgewiesen werden können - auch wenn Tierärzte und Gesundheitsbehörden tapfer versprechen, die Grenzen dichtzumachen und Ausbrüche im Keim zu ersticken. Das Virus H5N1 hat eine fast unbezwingbare Macht.

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