Eckhard Giese

Dieter Kleiber (Hrsg.)

Im Labyrinth

der Therapie

Wege, Chancen,
Risiken 

 

1990 by Psychologie-heute bei beltz
1993 by Heyne Verlag   
ISBN  3-453-06557-3  

Giese / Kleiber :  Im Labyrinth der Therapie   (1990)   Wege, Chancen, Risiken   - 

1990  275 Seiten

DNB.Buch

Google.Buch   Amazon.Buch 

 

detopia

G.htm    Psychobuch 

 

M.Huber.1987   Bach.1976 

T.Kiernan.1974   W.Siegel.2003  

H.Maaz.2014 

 

 

detopia-2005:
Guide, Therapieführer, Reiseführer in den "Dschungel des Psychobooms". 

 

Verlag:

Was passiert eigentlich in einer Psychotherapie? -- Für immer mehr Menschen ist sie ein möglicher Weg aus Lebenskrisen, Konflikten und Problemen.

Aber: Nicht jede Therapie ist für jedes Problem geeignet, nicht immer werden die hohen Erwartungen der Klienten erfüllt — und im Angebot der therapeutischen Hilfe liegen eine ganze Reihe von Gefahren, die ein behandeltes Problem noch verschlimmern können.

Die vorliegenden Erfahrungsberichte und Hinweise helfen, Destruktives in einer Therapie rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden, damit sie als persönliche Chance sinnvoll genutzt werden kann. 

 

   

Inhalt

Über dieses Buch  (7)   

Erkundungen in neuen Landschaften — Psychotherapie als Chance und Wagnis   (11) 

 

Klientenberichte

  • "... wenn ich mich selbst an die Hand nehme und losgehe"  #  Susanne Bereuther  (37) 

  • Fasziniert in die Entmündigung  #  Walter Odmarschen  (49) 

  • Psychotherapie als Machtkampf  # Michaela Schütte  (81) 

  • Die Fanfaren des Zarathustra. Tagebuch einer Selbsterfahrungsgruppe  #  Gerhard Schneider  (103) 

  • Liebe, Abhängigkeit, Mißbrauch: Bericht über eine gescheiterte Gestalttherapie Johanna Lindre  (141) 

  • GT, VT oder was?  - Heinrich Waltstraß  (183) 

  • Erfahrungen mit Psychotherapie vor und nach Suizidhandlungen - Karin Becker  (199) 

  • Anleitung zum Laufenlernen  Leachim Kellner  (225) 

  • Der Weg nach oben   Johanna Bruns  (235)

 

Hinweise für Therapiesuchende 

  • Therapie und Autonomie   Eckhard Giese  (251) 

  • Risiken der Psychotherapie    Fragen an Wolfgang Schmidbauer  (267) 

 

   

Über dieses Buch  

      1990 von E. Giese und D. Kleiber 1990

7-10

"Wer hat Lust, über seine Psychotherapieerfahrung zu schreiben? Autoren für ein Buchprojekt <Psycho­therapie­erfahrungen aus Klientensicht> gesucht", lautete ein Text, den wir in 10 Stadt­zeitungen des Bundesgebietes, in Psychozentren, an Uni-Stellwänden und in wissen­schaftlichen Zeit­schriften plazierten. 

75 Reaktionen löste unsere Annonce aus. Die Zuschriften, die uns zunächst erreichten, hatten einen durchweg positiven Tenor. Mißerfolge, schlechte Erfahrungen mit Psychotherapie und Psychotherapeuten oder Enttäuschungen schienen zunächst gar nicht vorzukommen. Psychotherapie erschien als wirkungsvolles Instrument für Menschen, die sich in Krisen befinden, sich auf die Suche nach Glück begeben wollen, die Ängste überwinden, Sinn erfahren oder ihre Handlungsspielräume erweitern wollen.

Erst als wir in weiteren Anzeigen explizit nach kritischen Autorinnen und Autoren fragten, entstand ein differenzierteres Bild. Weitere Berichte erreichten uns, nachdem unser Anliegen, Psychotherapierisiken (ohne Schuldzuschreibungen) in einer breiteren Öffentlichkeit zu diskutieren, etwas bekannter wurde. Nun wurden auch die Schattenseiten und Risiken der Psychotherapie sichtbar: Über Mißerfolge, Verschlechterungen in der Psychotherapie, über Fehlschläge und massive Enttäuschungen von Klientinnen, verzweifeltes Ringen um Anerkennung und Liebe des Therapeuten, über unauflösbare Verstrickungen mit Therapeuten wurde ebenso berichtet wie über materielle Ausbeutung und sexuellen Mißbrauch durch Therapeuten.

Es zeigte sich, daß sich Risiken, Fehlschläge und negative Erfahrungen mit Psychotherapie nicht auf einzelne Therapieschulen oder gar die "Exoten auf dem Psychomarkt" beschränken oder auf mangelnde Ausbildung von Therapeutinnen zurückführen ließen. Auch die sogenannten seriösen Therapieschulen und akademisch erfolgreiche Therapeuten müssen solche Erfahrungen zumindest zeitweilig auf ihr Negativkonto schreiben und sind aufgefordert, an Lösungen zur Risikominderung für alle Betroffenen mitzuarbeiten.

In diesem Band sind neun Therapieberichte von Betroffenen abgedruckt, die uns insgesamt dazu geeignet scheinen, Psychotherapie als Ganzes zu entmystifizieren und ihre Chancen und Risiken zu verdeutlichen. Berichte aus den Bereichen Gesprächspsychotherapie, Psychoanalyse, Gestalttherapie, Verhaltenstherapie und humanistischer Therapie stehen beispielhaft für Erfahrungen vieler Betroffener und zeigen, daß man sich durchaus etwas von Psychotherapie versprechen kann: Etwa 50 Prozent aller behandelten Patienten stehen nach einer Psychotherapie besser da und fühlen sich wohler als 80 Prozent der Personen aus unbehandelten Kontrollgruppen. Doch zeigen sie auch, daß vor zu hohen Erwartungen gewarnt werden muß und Schädigungen nicht immer auszuschließen sind. 

Daß Psychotherapieklienten, die "Behandlung" erwartet haben, aber neben teilweise hohen Kosten sogar Schädigungen in Kauf nehmen mußten, enttäuscht, demoralisiert und teilweise sogar (suizid-) gefährdet sind, ist nicht verwunderlich: Hieraus erwächst unseres Erachtens die Notwendigkeit, verstärkt über Möglichkeiten der Verbraucheraufklärung und des Klientenschutzes nachzudenken.

Dieser und ein kürzlich erschienener Band <Das Risiko Therapie> (Giese/Kleiber, Psychologie-heute-Taschenbuch, Beltz, 1989), mit dem wir zusammen mit Fachkolleginnen auf die Risiken der Psychotherapie aufmerksam machen wollen, verstehen sich als Beiträge zum „Verbraucher­schutz": Risiken für Klienten, insbesondere auch für Frauen in Therapie, aber auch Risiken für die Therapeuten werden ebenso behandelt wie spezielle Risiken einzelner Therapierichtungen (Gesprächspsychotherapie), so daß insgesamt ein Bild von „Psychotherapie als riskanter Chance" gezeichnet wird. In einem früheren Buchband (Kleiber u. Kuhr; DGVT-Verlag 1988) wurden "Handlungsfehler und Mißerfolge in der Psychotherapie" untersucht.

Der hier vorgelegte <Betroffenen-Band> soll Identifikation ermöglichen und Anschauung von dem geben, was ja die Basis von Untersuchungen, Forschungsergebnissen, Statistiken und Problemanalysen von Wissenschaftlern ist. Den Autorinnen sei Dank für ihre Beiträge, die zum Teil unter großen Schmerzen geschrieben worden sind, weil Erlebnisse aufgerüttelt und Erinnerungen geweckt wurden, die manchmal gern weiter verdrängt bzw. verschüttet geblieben wären. Für einige war das Schreiben allerdings auch eine Chance. Es bot die Möglichkeit, Erfahrungen neu zu ordnen, eine Möglichkeit, die eigenen Erlebnisse zu verarbeiten und war teilweise sogar ein Stückchen „Eigentherapie".

Wir glauben, daß die Beiträge anderen Klientinnen helfen können, indem ihre Erwartungen realistischer werden, indem ihnen Möglichkeiten aufgezeigt werden, bereits gemachte Erfahrungen mit Psychotherapie zu relativieren oder neu einzuordnen. Wissenschaftlerinnen und Therapeutinnen ist zu wünschen, daß sie die Bedeutung der "Sicht der Betroffenen" verstärkt als Erkenntnisquelle wahrnehmen und zur Verbesserung psychotherapeutischer Praxis nutzen.

10

Berlin, im Frühjahr 1990, 
Eckhard Giese und Dieter Kleiber

  

 

 ^^^^

 (Ordner)   www.detopia.de