Peter Bürger

 

2005: Kino der Angst. Terror, Krieg und Staatskunst aus Hollywood. 650 Seiten. 

1. Auflage d-nb.info/975106716 +  Inhalt-2005-pdf

2007 2. Aufl. erw+akt.: d-nb.info/979961890  + Inhalt-2007-pdf


2007:  Bildermaschine für den Krieg. Das Kino und die Militarisierung der Weltgesellschaft. 210 Seiten Inhalt--pdf


Artikel 2019:  Durchgreifende Korrekturen als Frage des Überlebens


... und viele gute artikel bei telepolis und anderswo. siehe auch auf seiner webseite.

*1961 im Sauerland,
Theologe, Dialektologe, etc.

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  Inhalt  Bildermaschine  2007

 

Vorwort  (1)

 

1. Gewöhnung an den Ausnahmezustand und Fortschreibung des Programms »Krieg«  (3)

 

2. Culture of War:  Digitales Zeitalter und massenkultureller Krieg  (11) 

Revolution der Massenkultur – Kultur und Macht  (12)  Die Pilatusfrage: Was ist Wahrheit? (15)  Herrschaft über das Denken und die Phantasieräume (19)  Massenkulturelle Produktion von Welt- und Menschenbild (20)  Massenkulturelle (Re-)Produktion von Geschichte (22) Die Ästhetik des »schönen Krieges« und der banale Militarismus (23)  Elektronischer Platonismus: Abstraktion als Herrschaftsinstrument (25)  Das globale Dorf und die Massenkultur (27) Form und Inhalt lassen sich im digitalen Medienzeitalter nicht so einfach trennen (29)  

3.  Ein Überblick zur Filmarbeit des Pentagon  (32)    

Haubitzen und Filmkurbel: Die Anfänge – Durchbruch für das Kriegskino im Zweiten Weltkrieg  (33)  Der McCarthyismus sorgt für das passende Kulturklima (34)  Vietnam: Verstimmungen zwischen Pentagon und Hollywood (36)  Top Gun (1985): Die Rehabilitierung des Militärfilms (37) Tabu Golfkrieg 1991 (38)  Kinolehrplan für eine neue Weltordnung? (38)  Gutes Timing im Kriegskino ab 2001? (41)  Militainment-Sortimente und globale Unterhaltungshegemonie (42)  Förderpraxis und Argumente der Kritiker (43)  Staatskunst im »Neoliberalismus« (44) 

4 Zur Kritik des kriegssubventionierenden Films  (46) 

Eine Fixierung auf das Kriegsfilmgenre ist nicht hilfreich (46)  Herangehensweisen der politischen Filmkritik im Längs- oder Querschnitt (49)  Propagandistische Funktionen und Filmästhetik (51)  Der Blick auf die Logistik des massenkulturellen Krieges und die Anbieterseite (54)  Kriegssubventionierende Massenkultur, Zivilisationskonsens und Verbraucherschutz (57)

5 Kinderfilme und PC-Spiele für den Krieg  (59) 

 

6 Batmans Rüstungsfirma, Krieg der Welten und Endzeit  (68)

Science-Fiction und militärtechnologische Revolution (68)  Krieg der Welten (72)  Irrationalismus und gentechnologisches Zeitalter (74) 

7 »Hitler war’s«: Deutsche Geschichte, Transformation der Bundeswehr und neuer Weltkriegsfilm  (78)

Iran oder: Die aktuellste Hitlerisierungsstrategie (79)  Die »neue deutsche Tragik« im Film (81)  Das neue deutsche Selbstbewusstsein, Nationalinteressen und die Bundeswehr auf RTL  (84)  Neue Filme über den Zweiten Weltkrieg  (88)  

8 Afrika oder: Die Aufrüstung der reichen Weltzentren im Dienste guter Taten  (91)

Das Afrikabild der Humanbellizisten (91)  Private Kriegsunternehmer und Söldner (94)  Der ewige Gärtner (2005): Afrika als Versuchslabor der reichen Länder (95)  Lord of War (2005): Was ist die wahre Massenvernichtungswaffe? (97)

9 Atomschläge sechzig Jahre nach Hiroshima und Nachzügler des Kalten Krieges  (99)

Massenkulturelle Erinnerung im 60. Jahr der Hiroshima-Bombe (100)  Wohin führt uns die Geschichte als nächstes? (102)   Werbung für nukleare Katastrophenbekämpfung und Atomkraftwerke als Filmthema (106)  Nuklearwaffen in Schurkenhänden und Nachzügler des Kalten Krieges (109)

10 Antiislamischer Kulturkampf und »Antiterrorkrieg«  (112)

Kein Krieg gegen den Islam? (113)  Zwei Kriegsszenarien im Irak aus US-Filmen von 1983 und 1998 (114)  Drogenbekämpfung im »Nachkriegs«-Afghanistan und Islamistenjagd auf den Philippinen  (116)  Skandal um einen türkischen Actionfilm und EU-Kino (119)  Filmbeiträge gegen den Strom (123)

11 Exkurs: Gegenkultur zur evangelikalen Aufrüstung und Kritik am Bushismus? (125)

 

12 Sahara (2005): US-amerikanische Identitätsfindung in der Wüste  (134)

 

13 Die Golfkriegsveteranen: Irak, Vietnam-Vergleiche und Heimkehrerfilme (138)

Das US-Kriegskino beginnt mit dem Heimkehrerfilm (139)   Wie kann sich der Film dem Thema »Irak« zuwenden? (140)  The Manchurian Candidate (2004): Golfkriegserinnerung und Angst vor dem »Universal Soldier«  (142)   The Jacket (2005): Der seelisch beschädigte Golfkriegsveteran (145)  Rome (2005): Das Imperium verrät seine Helden (146)

14 Der erste Golfkriegsfilm, die Suche nach einer passenden Popkultur und das »Hadji Girl«  (149)

Der große Skandal: Die U.S. Marines kommen nicht zum Schuss (149)  »Jarhead« und das Vietnam-Kino (151)  War and Music (153)  »Fuck you like an animal« (155)  American Soldiers (2005) und War Tapes (2006)  (156) 

15 Nine Eleven im Kino  (159)

Verschwörungstheoretische Relecture (160)  Loose Change (2005/2006) (161)  Fiktionale Draufgaben zum Elften Neunten (164)  Filmische Annäherungen (165)  Flug 93: Die Terroranschläge werden endgültig zum Kinoereignis (166)  The World Trade Center (2006): Kommen die Nine-Eleven-Filme wirklich zu früh? (169)  Die fiktionale Verschwörung: Ein unverfänglicher Zweig der Nine-Eleven-Forschung  (173) 

16 Syriana (2005):  Im Visier der Ölmafia?   (175)

 

17 Stealth (2005):  Neue Luftkriege und ein pseudomoralischer Diskurs über den Krieg der Zukunft   (180)

Der »Tinman« als neues Teammitglied (180)  »Antiterrorkrieg« der USA: Präzisionsangriff ohne »Kollateralschäden« (181)  Ethischer Diskurs der Kampfpiloten in der Freizeit: Krieg als Videospiel? (182)  Atomwaffen in Tadschikistan und eine scheinbare Umkehr der Zauberlehrlinge (183)  Das Herz des Blechmanns oder: Wie das ethische Dilemma gelöst wird (184)  Beobachtungen zu diesem Hollywood-Produkt mit Militärassistenz (185)

18 »Top Gun auf französisch«:  Staatlich gesponserte Ritter der Lüfte gegen den Terrorismus   (189)

 

19. Was können wir als Bürger und Konsumenten tun?  (192) 

 

20 Literatur (195)

21 Filmografie (203)

 

     

 

Vorwort zur Bildermaschine

Vorwort.PDF 

Kein Produkt erfordert ein so geschicktes Marketing wie eines, 
das gewaltige Mengen an Ressourcen verschwendet und dabei eine

große Anzahl von Menschen abschlachtet.  Norman Solomon und Reese Erlich

1

Zu den Rüstungssektoren des modernen Krieges zählt ein Zweig, der in den offiziellen Rüstungsetats gar nicht auftaucht und doch unverzichtbar ist. Es handelt sich um die industrielle Bildermaschine für den Krieg, deren einflussreichstes Zentrum gemeinhin einfach »Hollywood« genannt wird. 

Der Hollywood-Komplex fungiert innenpolitisch und bei der Durchsetzung der globalen Interessen der Vereinigten Staaten als kultureller Arm der Macht. Seine Produkte dominieren seit Jahrzehnten den weltweiten Markt, prägen den Publikumsgeschmack und finden – nicht nur in der westlichen Welt – Nachahmung durch mehr oder weniger epigonale Unternehmungen.

Das massenkulturelle Standbein des US-amerikanischen Militarismus stützt den Krieg und trägt so zur Sicherung bestehender Besitzverhältnisse bei.

Es hat sich erst im Zuge des Zweiten Weltkrieges voll entfaltet und ist seitdem schrittweise aufgerüstet worden. Schon deshalb kann die Kritik am Kulturbellizismus der Vereinigten Staaten nicht mit der reaktionären antiamerikanischen Kulturkritik der 1920er Jahre in einen Topf geworfen werden. Woher kommt die Besessenheit, mit der sich das US-Kino dem Krieg widmet? 

Die Ursprungsgeschichte der Vereinigten Staaten von Amerika ist nicht gewalttätiger als die vieler anderer Staaten. Zu ihr gehören wegweisende Zivilisation­sideen und ein besonderer multikultureller Reichtum. Der im 20. Jahrhundert zutage getretene Militarismus sollte deshalb nicht pauschal als »Wesensmerkmal« von US-Amerikanismus betrachtet werden. Seine Wurzeln, zu denen allerdings schon der Civil War gehört, sind vielmehr sehr genau in ökonomischen Zusammenhängen auszumachen. 

Krieg ist ein äußerst profitträchtiges Geschäft, gleichzeitig jedoch in den Augen der allermeisten Menschen kein attraktives Produkt. Deshalb erfordert der Krieg, wie Norman Solomon und Reese Erlich schreiben, mehr als alle anderen Produkte ein geschicktes Marketing (Boggs/Pollard 2007, S. 229). Die USA sind Pioniere der Produktwerbung im Kapitalismus und Vorreiter für das moderne Kriegsmarketing. Dem System – und nicht den in ihm lebenden Menschen – kommt die zweifelhafte Ehre zu, eine militarisierte Filmindustrie mit globaler Wirksamkeit und Subunternehmern in aller Welt hervorgebracht zu haben. Den Visualisierungen des modernen Krieges wird in neueren Veröffentlichungen intensiv nachgegangen (Paul 2004; Süselbeck 2006). 

Die Friedensforschung widmet den Informationsmedien seit Ende des letzten Jahrhunderts eine verstärkte Aufmerksamkeit. Der Bereich der Unterhaltungsproduktionen, die das Zentrum der militarisierten Kultur bilden, wird in seiner Bedeutsamkeit allerdings noch immer unterschätzt. Diejenigen, die nicht zu den Konsumenten von »Militainment« gehören, nehmen ihn zumeist gar nicht richtig wahr. Der Gegenstand ist unappetitlich und schreckt schon durch seine Quantitäten ab.

Die Flut der massenkulturellen Produktionen für den Krieg ist schier unübersehbar und lässt sich keineswegs nur auf das klassische Kriegsfilmgenre eingrenzen. Wer wäre für eine Sichtung überhaupt zuständig? Die politische Kritik scheut sich, der Filmwissenschaft und Kunstkritik ins Gehege zu kommen. Auf der anderen Seite sind filmwissenschaftliche Arbeiten, die interessegeleitet vom Friedensstandpunkt ausgehen, nicht sehr zahlreich.

Ich selbst bin auf die kriegsförderliche Funktion von Filmfiktionen erst Anfang 2002 aufmerksam geworden. Anlässlich des ersten Deutschlandsbesuchs von US-Präsident George W. Bush jun. wollten wir – Mitglieder der Düsseldorfer Friedensbewegung und der Betreiber eines Programmkinos – »kritische Vietnam-Filme« aus den Vereinigten Staaten zeigen. 

Als Ideengeber für dieses Dialogprojekt hatte ich vorlaut Optimismus verbreitet. Die Vorbereitung erwies sich hingegen als ziemlich desillusionierend. Das Ausmaß an Militarisierung, das besonders die Sortimente der kommerziellen Videotheken aufwiesen, überstieg die schlimmsten Erwartungen. Dieses wurde ausschlaggebend für den Plan, das Thema »Kriegskino« gründlicher zu erforschen. 

2005 ist dann meine umfangreiche Studie »Kino der Angst – Terror, Krieg und Staatskunst aus Hollywood« zum Kriegskino der letzten zwei Jahrzehnte erschienen. Dieses neue Buch »Bildermaschine für den Krieg« knüpft daran an und erschließt als Fortschreibung vor allem Titel, die seit Beginn des Irak-Krieges auf den Markt gekommen sind. 

Über die Filmförderung des Pentagon, die ein Schwerpunktthema der ersten Arbeit ist, informiert das dritte Kapitel auf der Grundlage eines Telepolis-Artikels (Bürger 2005c) in Form eines Überblicks. Dem eigentlichen Filmteil gehen auch eine friedenspolitische Lagebeschreibung, grundsätzliche Überlegungen zur Massenkultur des Krieges und methodische Vorschläge zur Kritik des kriegssubventionierenden Films voraus. 

In einigen Kapiteln greife ich auszugsweise auf weitere Beiträge zurück, die im Online-Magazin Telepolis erschienen sind und dort vollständig nachgelesen werden können. Filmproduktionen, für die eine militärische bzw. staatliche Assistenz nachweisbar ist, werden auf den folgenden Seiten stets mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet, allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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