Albert Camus

Literaturnobelpreis 1957

"Wir können es vielleicht nicht verhindern, daß diese Schöpfung eine Welt ist, in der Kinder gemartert werden. Aber wir können die Zahl der gemarterten Kinder verringern. Und wenn Sie uns dabei nicht helfen, wer soll uns dann helfen?"  (Albert Camus)

Der Mensch in der Revolte (1951)

Vom Sinn des Leben

Glücksphilosophie 

Der Mythos des Sisyphos

wikipedia.Autor *1913 in Nordalgerien bis 1960 (47, Autounfall)

DNB.Camus 

wikipedia  Mensch in der Revolte

 

detopia: 

C.htm   Ökobuch  

Sterbejahr    Utopiebuch

E.Cioran  Benatar

E.Canetti   A.Gorz 

 

Politische Haltung  Camus wandte sich in seinen Reden und Schriften gegen alle autoritären Staatsformen, insbesondere gegen den stalinistischen Sozialismus. Es ist jedoch keineswegs so, dass er Befürworter einer parlamentarischen Demokratie war. Vielmehr vertrat Camus einen Anarchosyndikalismus, bei dem die Produktionsmittel in den Händen der Gewerkschaften liegen. Bereits 1944 wünschte er sich eine „internationalistische Ökonomie, in der die Rohstoffe verstaatlicht werden, der Handel kooperativ organisiert und die kolonialen Absatzmärkte allen zugänglich gemacht werden und das Geld selbst Kollektivstatus erhält.“ Wenig später forderte er die „Vereinigten Staaten der Welt“, die „Abschaffung der Lohnarbeit“ und, „die Gewerkschaften an der Verwaltung des Volkseinkommens zu beteiligen“. 1951 betonte er zusammenfassend: „Meine Sympathien gelten den libertären Formen des Syndikalismus.“ wikipedia-2019

 

 

 

 

 

 

 

Audio

Audio 2013 zum 100sten   mit Rudolf Lüthe (Professor in Landau)  9'

Audio 2019 - Philosophische Falschenpost von Albert Camus zum Klimawandel  von Christian Schüle (3')

2019 Text dlf  albert-camus-als-geistiger-pate der Klimaproteste  Text

2019  Text  dlf  zum-60-todestag-des-autors-fuenf-gruende-wieder-albert zu lesen   

Audio - Fünf Gründe

 

 

Der Mensch in der Revolte

(französisch: L’homme révolté), erschienen 1951, ist eine Sammlung philosophisch-politischer Essays des französischen Philosophen und Schriftstellers Albert Camus.

wikipedia  Der_Mensch_in_der_Revolte   (1951, deutsch: 1953)

Im Unterschied zum vorangegangenen Essay -Der Mythos des Sisyphos- will Camus hier nicht nur „das Übel, welches ein Einzelner erlitt“ schildern, sondern die Entwicklung des Nihilismus zur „kollektiven Pest“ in Philosophie, Politik und politischer Theorie protokollieren. Ausgangspunkt hierfür ist wie schon früher seine Philosophie des Absurden.

Historische und metaphysische Revolte

Diese Sammlung von Essays gleicht einer Parforcejagd durch die Ideengeschichte der Moderne, durch die aus Geschichtsphilosophien aller Spielarten hervorgegangenen politischen Theorien und Praxen. Albert Camus entdeckt hier untergründige Verwandtschaften zwischen scheinbar gegensätzlichen Ideologien; er spitzt die einzelnen Theorien und politischen Strategien bis zum Selbstwiderspruch zu, widerlegt eingefahrene Interpretationen: Im vorgeblich antibourgeoisen Marxismus entdeckt er unter anderem eine recht bürgerliche Wissenschaftsfrömmigkeit. Den auf szientistische Exaktheit bedachten Positivismus entlarvt Camus als unwissenschaftlich.

Ähnlich führt er die Absurditäten politischer Bewegungen unterschiedlichster Couleur vor Augen:

Der klassische, angeblich freiheitliche Anarchismus bakuninscher Prägung war tatsächlich eher autoritär und diktatorisch. Die jakobinischen „Freunde des Volkes“ blieben zur Zeit der Französischen Revolution einsame, isolierte und von den Massen nicht verstandene Sektierer. Selbst die Nationalsozialisten, selbsterklärte und fanatische Antisemiten, arbeiteten bei ihrer als „Erlösung“ vorgestellten „nationalen Revolution“ mit biblischen Versatzstücken.

Camus, glänzender Polemiker, schildert Hitler als „gestiefelten Jehova“. Nietzsche, den Alpenwanderer, Übermensch-Künder und unnachgiebigen Kritiker der jüdisch-christlichen „Herdenmoral“, gesellt der Autor zum Dekalog-Empfänger Moses auf den Berg.

Camus’ Fazit aus „zwei Jahrhunderten metaphysischer oder historischer Revolte“:

Mit fanatischen Anhängern einer Ideologie oder eines Glaubens lässt sich nicht diskutieren. Die einen streben nach innerweltlicher, die anderen nach außerweltlicher Erlösung. Beiden entgeht die sich jeweils aktuell bietende, relative Veränderungsmöglichkeit, deren Wahrnehmung eine fortgesetzte „Spannung“ und Aufmerksamkeit erfordert. Ein „gelobtes Land“ absoluter Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit gibt es hier nicht zu entdecken.

Speziell gegen den Ostblock gerichtet schreibt Camus: Der autoritäre Sozialismus hat die lebendige Freiheit beschlagnahmt zugunsten einer idealen, erst noch kommenden Freiheit. Die Aussage wird in der Literatur als auch gegen Jean-Paul Sartre gerichtet verstanden, der sich zu dieser Zeit für die KPF erklärt hatte.

Das Absurde und die Revolte

Wie bereits im Mythos des Sisyphos entwickelt, greift Camus auf den Begriff der Revolte zurück. Die Revolte stellt eine der wenigen philosophisch kohärenten Positionen dar, in die sich der Mensch zum Absurden verhalten kann, ohne dessen Spannungsverhältnis (zwischen Rationalität und Irrationalität) aufzulösen[1].

Während in Der Mythos des Sisyphos die Revolte noch individuell, als „Gewißheit eines erdrückenden Schicksals“[1] identifiziert wird, erweitert Camus diese Konzeption in Der Mensch in der Revolte um einen praktischeren und universelleren Aspekt. Insofern, dass es für den Menschen nicht mehr um eine individuelle Erfahrung des Absurden geht, sondern um eine kollektive, also das Leiden aller Menschen an der Absurdität des Seins (diesen Sachverhalt verarbeitete Camus in dem Roman Die Pest). Dies geschieht unter Rückgriff auf einen allen Menschen gemeinsamen Wert, den Camus die „menschliche Natur“[2] nennt.

Der gewonnene Begriff der Revolte wird nochmals eingeschränkt, so wird der Mord gleich zu Beginn (unter Verweis auf die Ausführungen zum Selbstmord in Der Mythos des Sisyphos) verworfen. Im Anschluss behandelt Camus die metaphysische und historische Revolte, wobei er ein Fazit aus zwei Jahrhunderten metaphysischer und historischer Revolte zieht.

Ausgaben

L’homme révolté. Gallimard, Paris (1951)

Der Mensch in der Revolte. Rowohlt (1953)

 


 

wikipedia Camus 2019:

 

Albert Camus, der in Deutschland eher als Philosoph denn als Literat bekannt ist, zählte sich selbst nicht zu den Vertretern des Existentialismus.[ Insbesondere seine frühen Werke stehen dieser philosophischen Strömung jedoch sehr nahe. So würdigte Jean-Paul Sartre seinen Roman Der Fremde (1942) als wichtiges Werk des Existentialismus. Jedoch teilt Camus nicht die für den Existentialismus typische Grundannahme, dass die Existenz der Essenz vorausgeht ("Zwei gewöhnliche Irrtümer: die Existenz geht der Essenz voraus oder die Essenz der Existenz. Sie gehen und erheben sich beide im gleichen Schritt.")

Das philosophische Werk von Camus hat jedoch auch einen eigenständigen Charakter. Die Camus’sche Philosophie wird daher in Abgrenzung zum Existentialismus oft als „Philosophie des Absurden“ bezeichnet. Dies erscheint gerechtfertigt, da insbesondere Camus’ Sicht der Revolte von der existentialistischen Philosophie abweicht, was schließlich auch zum Bruch mit Sartre führte.

Die beiden philosophischen Hauptwerke von Camus sind die Essays Der Mythos des Sisyphos (Le Mythe de Sisyphe, 1942) und Der Mensch in der Revolte (L’Homme révolté, 1951). Daneben bringt Camus seine Philosophie auch in seinen Romanen und Bühnenstücken zum Ausdruck.

Das Absurde Im Zentrum der Philosophie von Camus steht das Absurde. Das Absurde entsteht aus der Gegenüberstellung der berechtigten Sinnsuche des Menschen und der Sinnlosigkeit der Welt.[19]

Dem Leid und dem Elend in der Welt sei kein Sinn abzugewinnen. Der „absurde Mensch“ sei stets Atheist. Das Leid bleibt für ihn nicht nur sinnlos, es bleibt auch unerklärbar. Wäre Camus’ „Mensch“ nicht Atheist, sondern den christlichen Religionen verbunden, könnte man hinter diesem theoretischen Ansatz das Problem der Theodizee vermuten, das die Frage danach, wie ein „liebender Gott“ mit dem Leid der Welt in Einklang zu bringen ist, sinnvoll aufzulösen versucht. Nach Camus fühle „der Mensch“, wie fremd ihm alles sei, und erkenne dabei die Sinnlosigkeit der Welt; so stürze er im Verlaufe seines Strebens nach Sinn in tiefste existentielle Krisen. Das Absurde mache vor niemandem halt:

„Das Absurde kann jeden beliebigen Menschen an jeder beliebigen Straßenecke anspringen.“

Für Camus besteht das Absurde im Erkennen der Tatsache, dass das menschliche Streben nach Sinn in einer sinnleeren Welt notwendigerweise vergeblich, aber nicht ohne Hoffnung bleiben muss. Um nicht verzweifelt zu resignieren oder in Passivität zu verfallen, propagiert Camus im Sinne des Existentialismus und in Anlehnung an Friedrich Nietzsche den aktiven, auf sich allein gestellten Menschen, der unabhängig von einem Gott und dessen Gnade selbstbestimmt ein Bewusstsein neuer Möglichkeiten der Schicksalsüberwindung, der Auflehnung, des Widerspruchs und der inneren Revolte entwickelt.

Der Tod als absolutes Ende und unausweichliche Fatalität Der Tod ist für Camus zum einen ein absolutes Ende, das wie das Leben keinen Sinn hat. Der Tod ist die einzige Fatalität, die schon vorgegeben ist und der man nicht entrinnen kann (hier zeigt sich der Einfluss Martin Heideggers). Oft ist der Tod „ungerecht“, etwa wenn er wie in dem Roman Die Pest Kinder trifft. Der Tod ist für Camus auch ein endgültiges Ende: All die sinnlosen Taten und Auflehnungen gegen das Absurde werden durch den Tod ein für alle Mal besiegelt. Der Tod ist für die Menschen bei Camus ein krönender Abschluss eines absurden Lebens.

Der Tod ist für Camus (vielleicht) eine unausweichliche Fatalität, aber keinesfalls das Ende bzw. der Endpunkt des absurden Lebens; vielmehr ist der Tod bzw. der Suizid die Umkehrung des Absurden, vor dem die Augen verschlossen werden. Es ist auch absurd, vor dem Absurden fliehen zu wollen. Die Möglichkeit, trotz der Absurdität des Daseins – Unvereinbarkeit von Mensch und Welt – als Mensch Bestand zu haben, liegt für Camus im „existentiellen Sprung“ oder "philosophischen Suizid" (frz. suicide philosophique). Dieser beschreibt den vom Menschen gestellten Anspruch einer intellektuellen Theorie, über die Unmöglichkeit von Sinnerkenntnis hinüberzuschreiten, um den Sinn selbst zu postulieren. Der absurde Mensch begrenzt jedoch seine Erwartungen an Sinnstiftung stets auf die ihm unmittelbaren Tatsachen, um nicht spekulativen Ideen, anstelle der unabdingbaren Sinnlosigkeit, und so dem „philosophischen Suizid“ zu erliegen. Dies soll den realen Suizid unabdingbar verneinen und stellt so das Sich-zur-Wehr-Setzen des absurden Menschen gegen die für ihn fremde und verschlossene Welt dar.

Das führt dann zur anderen Seite der Todeserfahrung bei Camus als ein Moment, das unabhängig vom eigentlichen endgültigen körperlichen Absterben als eine glückliche vorweggenommene Todeserfahrung im Diesseits beschrieben wird. In Der glückliche Tod, dem von ihm selbst nicht veröffentlichten Vorentwurf von Der Fremde, beschreibt er diesen aus der Sicht des Protagonisten Meursault als ein ewiges Ereignis im Bewusstsein. Meursault kauft gegen Ende des Romans ein Haus in einem Dorf am Meer. Nachdem er schwer krank geworden ist, stirbt er angeblich einen glücklichen, bewusst erlebten Tod: „Ein Stein zwischen Steinen, ging er in der Freude seines Herzens wieder in die Wahrheit der unbeweglichen Welten ein.“

Die „permanente Revolte“ als Weg zur Überwindung des Absurden Es gibt zwar keinen „Ausweg“ aus der absurden Situation des Menschen, dennoch kann das Absurde überwunden werden: durch die Annahme der absurden Situation seitens des Menschen. Der Mensch gesteht sich die Absurdität seiner Lage ein und akzeptiert sie, anstatt dem Irrglauben zu erliegen, er müsse sich durch Selbsttötung aus der Absurdität befreien. Vielmehr strebt er trotz allem (und auch das sei absurd) weiter, nach vorne. Der Mensch ist – ebenso wie bei anderen Vertretern des Existentialismus – ein Handelnder, ein Drängender. Sinnbild für diesen „absurden“ Menschen ist die mythologische Gestalt des Sisyphos (vgl. Der Mythos des Sisyphos).

In dem philosophischen Essay Der Mythos des Sisyphos illustriert Camus das Glücklichsein des absurden Menschen am Beispiel der mythologischen Figur, die dazu verdammt ist, einen Stein immer wieder von neuem auf einen Berg zu wälzen.

Dennoch löst sich der Widerspruch des Absurden durch diese „permanente Revolte“ nie ganz auf. Die Revolte ist notwendig, führt aber letztlich nie zum Ziel. Es ist in gewisser Hinsicht ein ewiges Aufstehen mit einem „höhnischen Trotzdem“, mit dem der absurde Mensch den Tag aufs Neue beginnt. Dieser Prozess selbst ist endlos. Jene Sicht der Revolte entzweite Camus mit dem inzwischen marxistischen Sartre, der sich eine gesellschaftliche Revolte vorstellte, die zum historischen Ziel des Kommunismus führen sollte.

Menschliche Solidarität und Liebe als Werte Schon in der Novellensammlung Das Exil und das Reich (L’Exil et le Royaume, 1952) und ansatzweise in Le Mythe de Sisyphe von 1942 wird deutlich, dass „solidaire“ (Beziehungen zu anderen Menschen) und „solitaire“ (Alleinsein) zwei Seiten derselben Medaille sind, das eine so einseitig wie das andere. Würde man sich entscheiden, beträte man einen Irrweg. Nach Camus sind die zwischenmenschlichen Beziehungen für sich betrachtet ebenso absurd wie die Situation des Menschen, der sich alleine der Natur gegenübersieht, die ihn allumfassend umgibt. Beides ist komplementär wie zwei Seiten eines Schriftstückes, die dem Leser nie zugleich bewusst sichtbar sind. Sie schließen sich aus und bedingen sich gleichzeitig. In der Pest versucht er eine Weiterentwicklung dieses Gedankens – allerdings persönlich wohl nicht überzeugt, eher der politischen Situation geschuldet. Es bleibt letztlich dabei, dass der Mensch „vor dem Sprung“ bleiben muss, um nicht einen der beiden sich bietenden einseitigen Irrwege zu beschreiten. In Die Pest reicht die Revolte allein nun nicht mehr zur Sinngebung des Menschen aus. In ihrer scheinbar hoffnungslosen Situation und ihrem aussichtslosen Kampf dagegen finden die Menschen zur gegenseitigen Solidarität, zu Freundschaft und Liebe:

« À la fin, c’est trop bête de ne vivre que dans la peste. Bien entendu, un homme doit se battre […]. Mais s’il cesse de rien aimer par ailleurs, à quoi sert qu’il se batte? »

„Letztendlich ist es sehr dumm, nur mit der Pest zu leben. Ein Mensch muss natürlich kämpfen […]. Aber wenn es damit endet, dass er sonst nichts mehr liebt, wofür ist dann das Kämpfen gut?“[20]

Ohne im Daseinskampf gewonnene Werte ergibt die Revolte keinen Sinn. Aber diese Werte müssen sich auf das richten, was wirklich existiert: auf die Menschen selbst. Was der Mensch braucht, ist „menschliche Wärme“ („chaleur humaine“).

Ähnlich thematisiert Camus in seinem Drama <Der Belagerungszustand> den Widerstand gegen jede Form der Inhumanität, politischer wie existentieller Art. Die spanische Stadt Cádiz ist als Schauplatz exemplarisch gewählt, weil dort in der Vergangenheit zum einen die Pest bereits gewütet hatte und die Stadt zum anderen eine wichtige Rolle in der spanischen Revolution von 1823 spielte, die in der Schlacht von Trocadero niedergeschlagen wurde. Ähnlich manchen Republikanern im Spanischen Bürgerkrieg gibt auch der Held Diego in diesem Drama trotz teils aussichtsloser Lage den Kampf nicht auf. Das Stück wurde daher oft als dramatische Variante des Romans Die Pest bezeichnet. Die Helden Bernard Rieux und Diego haben zwar manches gemeinsam, dennoch gibt es unterschiedliche Diskurse in beiden Werken.

In seinem Roman Der Fall (La chute, 1956) kritisiert Camus den oft heuchlerischen und oberflächlichen Charakter der menschlichen Beziehungen.

 

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