Prof. Georg Franck

 

Ökonomie der Aufmerksamkeit
1998. 

 

Mentaler Kapitalismus
2005.
Inhalt in pdf.
Eine politische Ökonomie des Geistes.

wikipedia.Autor  *1946 in Schwaben

DNB.Autor   Google.Buch  

Amazon.Buch    Amazon Autor   

wikipedia Ökonomie der Aufmerksamkeit 

 

detopia:

F.htm   Umweltbuch   Franck.PDF  

Bernd.Hamm    H.Enzensberger 

Aufmerksamkeit  +  Zeitung.Bild  + D.Sprache

L.Lütkehaus  Reklame

Rainer.Funk  Marketing

 

 

 

 

 

 

 

Verlag

Der Werbung und den Medien können wir nicht mehr entkommen. Aber was bedeutet das für uns? Der öffentliche Raum verwandelt sich zunehmend in eine gigantische Werbefläche für Produkte aller Art. Die ästhetischen und politischen Konsequenzen sind überhaupt noch nicht abzusehen. Georg Franck beschreibt zum ersten Mal die Welt unter der Herrschaft dieses mentalen Kapitalismus - und wird damit kontroverse Diskussionen auslösen.

 

Presse

"Georg Franck ist ein selten anregendes Buch gelungen, das alle Achtung und Aufmerksamkeit verdient."  Focus, 07.11.05 

 

"Der spannende, aktuelle und elegante Essay von Georg Franck jedenfalls verdient: alle Achtung! ...Ein rundum kluges Buch. Eines, nach dessen Lektüre man die Welt anders sieht." ---Hendrik Werner, Die Welt, 10.12.05 

 

"Francks Großessay strotz nur von solchen hellsichtigen Beobachtungen, beispielsweise über die Funktionsweise von Werbung und kommerziellen Medien ... extrem lesenswert." ---Robert Misik, Falter, 42/05 

 

 

heise.de/tp/artikel/6/6195/1.html  Goldhaber 1997 

 

heise.de/tp/artikel/2/2003/1.html  Franck 1996

 


(d-2014:) 

Die Hauptthese von G.Franck ist scheinbar Zeitgeistquatsch ("Die neue Währung Aufmerksamkeit") 
R.Altmann widerspricht G.Franck ausführlich. 

2004 cirka gab es mal ein Feature dazu beim DLF dradio. 

Die Bücher über die (gegenwärtige) Neuro-Marketing-Gesellschaftsordnung sind breiter angelegt. 

 


Das Geschäft mit der Aufmerksamkeit 

Warum die "Währung" Aufmerksamkeit das Geld nicht ablösen wird, aber man von der Ausbeutung der Aufmerksamkeit sprechen muss 

Aufmerksamkeit galt manchen als die neue Währung des Kommunikationszeitalters. Doch von der Zurückdrängung des Geldes, welche die Aufmerksamkeitsökonomen versprachen, ist nirgends etwas zu sehen. Was dafür rasant wächst, ist das Geschäft mit der Aufmerksamkeit – und die Aufmerksamkeitsausbeutung.

Ralph Altmann 2009:  heise.de/tp/artikel/30/30046/1.html 

Widerlegung von Ralph Altmann 2009 als pdf


Ökonomie der Aufmerksamkeit  (1998)

Kurzbeschreibung

Dass die Macht der Ökonomie der politischen Macht den Rang abgelaufen hat, wird niemand bestreiten. Georg Franck hat eine weitere Ökonomie entdeckt, die mit der Ökonomie des Geldes konkurriert: Die Ökonomie der Aufmerksamkeit als Kampf um eine Ressource, die immer knapper wird. 

Die Ökonomie der Aufmerksamkeit funktioniert ähnlich wie die Ökonomie des Geldes. Aufmerksamkeit, die uns entgegengebracht wird, lässt sich mit etwas Geschick verzinsen. Und wer am Ende die höchste Stufe der Aufmerksamkeit, den Ruhm erreicht hat, der kann davon ein Stück an seine Kinder vererben. Noch stärker aber als bei der Ökonomie des Geldes zieht der Umgang mit Aufmerksamkeit soziale Konsequenzen nach sich. Deshalb beschließt Georg Franck seinen Entwurf mit dem Grundriss einer Ethik der Aufmerksamkeit.


Aufmerksamkeit, die sich lohnt   2005 Von gerobueno

Zuerst die schlechte Nachricht: Dieses Buch erfordert Aufmerksamkeit. Der Autor schreibt nicht sehr verständlich, aber vielleicht erfordern komplexe Gedanken ja auch komplexe Sätze. 

Jetzt die gute Nachricht: Fuer seine Aufmerksamkeit wird man reich belohnt. In den Zeiten des Information overloads definiert der Autor Aufmerksamkeit als die neue Leitwährung, die das Geld ablösen wird. Unsere Aufmerksamkeit ist das Wertvollste, was wir geben koennen, aber gleichzeitig auch das Wichtigste, was wir von anderen Menschen erhalten können. Auf der Basis dieser Erkenntnis erfährt man Fundamentales über die Bedeutung der Aufmerksamkeit in Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und in zwischenmenschlichen Beziehungen. 

Gerade der letzte Punkt geht weit über das hinaus, was man von einem solchen Buch erwartet. Die Bedeutung der Aufmerksamkeit durch andere Menschen fuer mein Selbstwertgefühl ist nur ein sehr interessanter Aspekt. Außerdem entwickelt Franck ein Konzept für die Vermeidung von Kommunikations-/ Beziehungsproblemen, er nennt es wohlwollendes Interpretieren. 

Mein Tipp: Unbedingt Lesen. Das Buch ist eine wahre Fundgrube. ABER: Am Besten nur in kleinen Häppchen lesen, sich nicht abschrecken lassen von einigen Wort- oder Satzungetümen. Und wenn man fertig ist, noch mal anfangen.

 


 

Sehr empfehlenswert   2003 Von oliver_rizmanoski

Die Grundidee dieses Buches ist die Rolle der Aufmerksamkeit in einer Gesellschaft zu beschreiben. Es geht z.B. um verschiedene Formen von Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit als Tauschmittel, Aufmerksamkeit im wissenschaftlichem Betrieb, Reputation,... Der Author versucht die einzelnen Abstufungen bzw. Unterschiede klar zu umreißen. Bei diesem Thema ist das relativ schwierig, es ist ihm aber trotzdem sehr gut gelungen. Einfach etwas relativ Neues...

 


Schwer verdaulich, kaum lesbar  2003 

Wohl nicht umsonst hat das Buch den Zusatz "Ein Entwurf" im Titel. Die Gedankengänge des Autors sind interessant, aber nicht klar bzw. einfach genug formuliert. 

Heraus kommt dann akademisches, kaum lesbares Kauderwelsch, das vor "phänomenalem Bewusstsein", "Gratifikationssystem der Reputation", "Buchwert bezogener Aufmerksamkeit" und anderen Wortungetümen nur so wimmelt. 

Selbst einfachste Begriffe wie "Knappheit" erläutert der Autor gerne komplex: "Knappheit bezeichnet die Asymmetrie zwischen der Verfügbarkeit einer Sache und ihren Verwendungsmöglichkeiten." 

Eigentlich schade, dass die durchaus interessanten Gedanken in einem so trüben Formulierungs-Sumpf enden. Denn mit derart verquasten Texten macht der Autor das Buch schlicht unlesbar. Ich habe mehrere Anläufe genommen und es jedesmal nach wenigen Kapiteln entnervt beiseite gelegt. 

Bitte nicht falsch verstehen: Ich habe keine populärwissenschaftliche Lese-Kost auf "GEO"-Niveau erwartet. Aber es wäre doch schön, wenn man aus dem "Entwurf" ein klar formuliertes Werk machen könnte! Die Thesen hätten es verdient.

 

Mentaler Kapitalismus: 

Eine politische Ökonomie des Geistes  (2005) 

 

Kurzbeschreibung  

Der Werbung und den Medien können wir nicht mehr entkommen. Aber was bedeutet das für uns? Der öffentliche Raum verwandelt sich zunehmend in eine gigantische Werbefläche für Produkte aller Art. Die ästhetischen und politischen Konsequenzen sind überhaupt noch nicht abzusehen. Georg Franck beschreibt zum ersten Mal die Welt unter der Herrschaft dieses mentalen Kapitalismus - und wird damit kontroverse Diskussionen auslösen.

Pressestimmen  

 

Auszug:

 

Geben wir Acht auf das, worauf wir Wert legen, oder legen wir Wert auf das, worauf wir achten? Die Frage erinnert an jene nach Henne und Ei. Wertlegen kommt nicht ohne Achtgeben, Achtgeben nicht ohne Wertlegen vor. Alles Werten geht auf die angenehmen oder unangenehmen Gefühle zurück, die unser Achten färben. Und alles Achten ist, wie blaß und verschwommen auch immer, emotional gefärbt. 

Trotzdem ist es nicht gleichgültig, was vorher kommt, das Wertlegen oder das Achtgeben. Wenn das Wertlegen dem Achten vorausgeht, dann ist es der Wert, der entscheidet, was wichtig und relevant ist. Wenn hingegen der Wert, den wir legen, der Beachtung folgt, die die Sache findet, dann wird wichtig und erheblich, was Aufsehen erregt. 

Versteht es sich nicht von selbst, daß der erste Fall der rationale und maßgebliche ist? Darf es denn sein, daß eine Sache wertvoll wird nur, weil sie auffällt? Gegenfrage: Ist es nicht so, daß sich der Wert, den wir legen, mit der Acht, die wir geben, verändert? Folgt das Werten nicht gerade dort der Beachtung, wo die Wertschätzung sich um Bildung und Verfeinerung bemüht? Und lernen wir vieles nicht erst dadurch schätzen, daß wir darauf achten, worauf die andern achten? Sagt uns der Rückblick auf die Acht, die wir gegeben haben, nicht mehr über den Wert, den wir eigentlich legen, als die vorausblickende Einschätzung der Relevanz es hätte können? 

Und war schließlich nicht, was so viel Beachtung einnahm, auch besonders wichtig? Wir sind zurück bei Henne und Ei. Es scheint hoffnungslos zu fragen, was vorher kommt, das Wertlegen oder das Achtgeben. Wäre es nun aber müßig, über den Vorrang zu streiten, dann gerieten Grundannahmen ins Gleiten. Es wäre dann unsinnig, über den Wert von Kulturgütern zu debattieren. Wenn nicht zu entscheiden ist, ob die Beachtung dem Wert oder der Wert der Beachtung folgt, dann ist es gleichgültig, ob eine Sache Beachtung findet, weil sie wertvoll ist, oder wertvoll wird, weil sie Beachtung findet.

Wunschdenken wäre es dann, auf eine Objektivierung kultureller Werte und künstlerischen Rangs zu hoffen. Die Unterscheidung zwischen Urteilskraft und Herdentrieb wäre gegenstandslos. Kulturelle Relevanz und künstlerische Qualität wären dann nicht mehr zu unterscheiden von zufällig aufgeschaukelter Beachtung. Keine Kultur, die nicht von – und in – der Beachtung ihrer Mitglieder leben würde. Kein Betrieb der Kultur aber auch, der nicht Unterschiede des Werts und Stufen der Verbindlichkeit etablieren würde. Wie objektiv sind diese Unterschiede, wie gültig die Grade? Ist immer Macht im Spiel, wenn Unterschiede durchgesetzt werden? Ist immer Gewohnheit die Macht, die das Gefälle aufrecht erhält? Oder hat die Verbindlichkeit tiefere, im Wesen der Sachen liegende Gründe? Gibt es objektive, dem subjektiven Dafürhalten entzogene Bestimmungsgründe des Werts? 

Mit diesen Fragen schlagen sich die Kulturwissenschaften seit ihren Anfängen herum. Die Antworten schwanken. Sie schwanken aber nicht wirr, sondern in Wellen. Sie schwanken im Rhythmus gewisser Konjunkturen. Wenn wir nicht annehmen wollen, daß diese Konjunkturen den Launen zufällig aufgeschaukelter Beachtung folgen, dann müssen Erfahrungen hinter den schwankenden Antworten stecken. Es müssen Erfahrungen mit eben dem Prozeß sprechen, der Werte ermittelt und Geltung etabliert. Eine scharfe Wende hat die Auffassung von der Verbindlichkeit kultureller Werte mit der Ankunft der Postmoderne genommen. Die Annahme, es gebe so etwas wie objektiven Wert und universelle Verbindlichkeit verfiel der Kritik. Die Kritik hatte sich den Glauben an Wesensunterschiede vorgenommen, aus denen ein für allemal folgt, was unter den Sachen, über die wir reden, zu verstehen ist. 

Die Wesen, die wir in die Welt setzen, wenn wir uns darüber verständigen, was wir von den Sachen, über die wir reden, beanspruchen zu sein, wurden zum Opfer der Dekonstruktion. Die Dekonstruktion ist keine Kritik an Geltungsansprüchen, wie sie schon immer geübt wurde. Die Dekonstruktion setzt bei der Machart der Ansprüche an, aus denen die Wesen entspringen. Auf diese Machart kommen wir zurück. Bemerkenswert an der Dekonstruktion ist der kritische Impuls aber nicht nur für sich. Bemerkenswert ist auch, daß der Impuls praktisch wurde. Die Botschaft von der Hinfälligkeit der Wesen drang weit über die Philosophie hinaus. Die Entstabilisierung wesentlicher Unterschiede wurde zu einer Strategie der kulturellen Produktion. Sie wurde zum Ferment des Zeitstils. 

Der Universalismus, den die Moderne mit Pathos hochgehalten hatte, wurde zu einer Kategorie der Kritik. An die Stelle des Bilds der Kultur als der die Menschheit verbindenden Einheit trat das Bild einer zersplitterten Vielfalt der Kulturen, deren jede einzelne eine eigene Wirklichkeit konstruiert. Ein solches Umschlagen der Grundstimmung kommt nicht von ungefähr. Er ist auch von keiner bloß theoretischen Revolution zu erwarten. Das Ausmaß des Bebens spricht für eine Diskontinuität in den grundlegenden Produktions- und Rezeptionsbedingungen der Kultur. Da müssen Grundlagen nachgegeben haben, auf die gebaut worden war. Da ging eine Epoche zu Ende. Allerdings gab es keinen Zusammenbruch der Produktion. Der Betrieb ging weiter. Man lernte, ohne feste Verankerung zu leben, richtete sich ein auf dem wankenden Boden, genoß den neuen Spielraum. Das Auflösen und Verflüssigen führte nicht in die Katastrophe. Ein dynamischer Wechsel trat ein. Das Aufgelöste und Aufgewirbelte konfigurierte sich neu. Was also hatte sich da getan? Die These

Die These dieses Buchs ist, daß tatsächlich etwas Grundlegendes in Bewegung geraten ist. In das Verhältnis von Wertlegen und Achtgeben ist eine neue Dynamik eingekehrt. Das Hin und Her ist in einem größeren Zusammenhang aufgegangen. Es ist in einem Zusammenhang aufgegangen, der zwar schon lange spürbar gewesen sein mußte, der aber latent blieb, weil ihn niemand für möglich hielt. Das Wechselspiel von Achtgeben und Wertlegen hat zu einem Gesellschaftsspiel zusammengefunden. Zu einem Spiel, in dem Acht eingesetzt wird, um Beachtung einzunehmen. Das Achten, worauf andere achten, ist in einen Kreislauf des Gebens und Nehmens übergegangen. 

Mehr noch: Der Kreislauf hat sich zu einem System hoch differenzierter und hoch integrierter Märkte entwickelt. Das Achten der Individuen aufeinander verkettet sich zu einem kollektiven Resultat. Die Summe der getauschten Beachtung tritt als Sozialprodukt in Erscheinung. Dem Mengensystem der getauschten Beachtung ist ein System bewertender Tauschrelationen eingezogen. 

Die These ist, daß dieses System der Bewertung die objektivierende Funktion übernommen hat, die so lange in Gründen jenseits des subjektiven Wertens und Achtens gesucht wurde. 

Diese These ist stark. 

Sie läuft auf die Hypothese hinaus, daß der Epochenbruch den Durchbruch einer immateriellen Ökonomie markiert. Die These besagt, daß die Ökonomie der Aufmerksamkeit ein Maß an Rückkopplung und Selbstregulierung angenommen hat, welches externe Stabilisatoren überflüssig, wenn nicht dysfunktional macht. Aus dem Kreislauf des Acht-Gebens, um Beachtung einzunehmen, ist ein System horizontal und vertikal differenzierter Märkte hervorgegangen. 

Diese Entwicklung hat sich im Hintergrund, ohne Plan vollzogen. Sie hat sich selbst organisiert. Auch die ökonomische Form, die wir nun von der Warte des entwickelten Systems aus erkennen, war nicht vorgegeben. Sie hat sich herausgebildet in einem Prozeß der Selbstorganisation, der blind ist und sich hinter dem Rücken der Beteiligten vollzieht. So wird auch jetzt erst sichtbar, daß die so lange latent gebliebene Entwicklung eine Vorgeschichte war. Sie war die Vorgeschichte eines dynamischen Regimes des Tauschwerts, das nun die Regie über die kulturelle Wertschöpfung übernommen hat. 

Horizontale Differenzierung heißt, daß sachlich differenzierte Märkte nebeneinander entstehen. Differenzierung in der Vertikalen meint, daß Märkte entstehen, deren Funktion es ist, das Geschehen auf den anderen Märkten zu koordinieren. Die Stufe zur Differenzierung in diese beiden Richtungen ist erreicht, wenn kapitalistische Verhältnisse Einzug halten. Die These, daß ein dynamisches Regime des Tauschwerts die Regie über die kulturelle Wertschöpfung übernommen hat, meint, daß die Ökonomie der Aufmerksamkeit in die Statur eines kapitalistischen Systems hineingewachsen ist. 

 


 

 

Aufmerksamkeit - Die neue Währung 

Georg Franck 20.03.1996   Das Zeitalter der Geldökonomie geht zuende    heise.de/tp/artikel/2/2003/1.html  

 

Wir leben im Informationszeitalter und merken es daran, daß wir uns vor Information nicht mehr retten können. Nicht der Neuigkeitswert, die Kapazität zu seiner Realisierung ist zu einem knappen Gut geworden. Georg Franck analysiert die Auswirkungen der steigenden gesellschaftlichen Bedeutung der Aufmerksamkeit und sieht in der Umorientierung auch eine Chance, unseren Planeten vor den Verwüstungen der Industriegesellschaft zu bewahren. 

 

Das unentwegte Wachstum reizender und sich interessant machender, aber eben auch lohnender und verpflichtender Möglichkeiten ist, was zu neuen Formen des Haushaltens zwingt. Das Symptom der von zu vielen Seiten mit zu hohem Nachdruck in Anspruch genommenen Aufmerksamkeit heißt Streß; das Symptom der nicht mehr nachkommenden Bewältigung heißt Hektik. Streß und Hektik sind die neuerdings alltäglich gewordenen Formen des Kostendrucks. Nicht, daß wir alle an den Grenzen der Belastbarkeit dahintaumelten, doch wir sind gezwungen, scharf zu selektieren und wegzulassen. Das aber fällt uns schwer. Folge dieses Entscheidungsdrucks sind Hektik und Streß.

Aufmerksamkeit ist nicht nur knapp als selbst aufzubringende Energie, sie ist auch knapp und begehrt als die Zuwendung, die wir von anderen Menschen empfangen. Auch in der Form dieser Zuwendung hat sich Aufmerksamkeit eine neue Rolle erobert. Noch nie huldigten die Menschen im Kollektiv mit solcher Hingabe ihrer Anziehungskraft auf fremde Aufmerksamkeit wie in den heute reichsten und höchst zivilisierten Gesellschaften. Je reicher und offener die Gesellschaft, um so unverhohlener rückt der gesellschaftliche Ehrgeiz ins Zentrum der Lebensinhalte. Nicht der sorglose Genuß, sondern die Sorge, daß die andern ja auch einen wahrnehmen, wird zum tragenden Lebensgefühl und zur herrschenden Lebensangst in der Wohlstandsgesellschaft.

Daß die Aufmerksamkeit auch als empfangene Zuwendung allmählich dem Geld den Rang abzulaufen beginnt, wird am deutlichsten an den dafür spezialisierten Märkten: den Medien. Hier bezahlen die Endabnehmer mit gespendeter Aufmerksamkeit für die ihnen in der Form gewidmete Aufmerksamkeit, daß die Anbieter herausfinden und produzieren, was dem Publikum gefällt. Die Rechnungseinheiten in diesem Geschäft sind Auflagenhöhen und Einschaltquoten. Der Reiz der Medien für die anbietende Seite ist, daß man über ihre Kanäle sehr viel mehr Aufmerksamkeit beziehen kann als über die Straße oder aus dem Saal. Die Medien erlauben - das ist der Kick ihrer Geschäftsidee -, Aufmerksamkeit gezielt, mit kalkulierbaren Aufwand und Ertrag, kontinuierlich und massenhaft anzuziehen.

In der Mediengesellschaft genügt es nicht mehr, nur reich zu sein, man muß auch prominent sein. Das hohe Gut, das die persönliche Präsenz in den Medien verheißt, ist Prominenz. Prominente sind die Einkommensmillionäre in Sachen Aufmerksamkeit. Sie werden zu Großverdienern, indem sie Aufmerksamkeit über bloße Repräsentationen ihrer selbst einnehmen. Sie verbreiten anonym gestreute Information und empfangen dafür persönlich gewidmete Zuwendung. Es ist wie beim Kapital: für anonym ausgegebenes Geld wird persönliche gewidmete Zeit gezollt. Wie Kapital trägt Prominenz sogar für sich alleine Zinsen. Wer einmal prominent geworden ist, bezieht schon dafür ein Einkommen Aufmerksamkeit

Das Angebot der Medien wächst und wächst. Was mit diesem Wachstum zunimmt, ist mehr als nur der Beitrag des Publikationswesens zum Sozialprodukt und der Umsatz an Aufmerksamkeit. Was mit expandiert, ist die zur Attraktion von Aufmerksamkeit eigens herausgegebene Seite der Wirklichkeit. Alles, was in den Medien erscheint, muß durch einen hoch professionellen Formungs- und Prüfungsprozeß hindurch. Mit diesem Prozeß entsteht eine neue Schmiede der Realität, durchaus vergleichbar derjenigen, die einst mit den Fabriken entstanden war.

Die Ökonomie der Aufmerksamkeit 

Die Ökonomie der Aufmerksamkeit blieb vorindustriell, solange die Publikationstechniken noch handwerklich und gesellschaftlich noch nicht durchgängig wirksam waren. Die Ökonomie der Aufmerksamkeit hatte ihre frühindustrielle Phase in der Periode der analogen Informations- und Kommunikationstechniken. Mit Presse, Rundfunk und Tonfilm kamen erstmals die kritischen Mengen anonym gespendeter Aufmerksamkeit zusammen, die den Starkult zum Massenphänomen werden ließen. Das Geschäft der Attraktion wurde professionalisiert, die gezielte Jagd auf die Aufmerksamkeit des allgemeinen Publikums entwickelte sich in der Werbung zur eigenen Industrie. Die hochindustrielle Phase hielt mit der Dominanz des Fernsehens Einzug. Erst mit dem Fernsehen beginnt die zweite, eigens zur Attraktion von Aufmerksamkeit herausgebrachte Schauseite der Wirklichkeit der ersten, unvermittelt angeschauten, Konkurrenz zu machen. Erst hier wird der überwiegende Teil der frei verfügbaren, d.h. konsumierenden Aufmerksamkeit durch die Medien geschleust; erst hier kommt es zur Popularisierung, nämlich eigenen Serienproduktion der Prominenz. Erst hier beginnt sich denn auch abzuzeichnen, daß das Einkommen an Aufmerksamkeit dabei ist, dem Geldeinkommen den Rang abzulaufen.

Geistige Arbeit unterscheidet sich von körperlicher darin, daß sie aufmerksame statt physische Energie einsetzt. Inzwischen hat die Tendenz zur Entmaterialisierung den Wirtschaftsprozeß als ganzen erfaßt. Sowohl die Materiallastigkeit der Wertschöpfung als auch der Materialismus des wirtschaftlichen Strebens ist auf dem Rückzug. Eine der ökonomisch wichtigsten Umwälzungen in diesem Jahrhundert war, daß die dienstleistende Aufmerksamkeit alle anderen Produktionsfaktoren an wirtschaftlicher Bedeutung überrundet hat. Zugleich ist es zum Imperativ wirtschaftlicher Rationalität geworden, die Material- und Energieumsätze zu reduzieren. In den Dimensionen der stofflichen Umsätze kommt keine wirtschaftliche Überlegenheit, sondern der Niedergang unserer natürlichen Lebensgrundlagen und die Unmöglichkeit zum Ausdruck, die herrschende Materialwirtschaft noch lange aufrechtzuerhalten.

Der pekuniäre Ausdruck für die Produktivität dienstleistender Aufmerksamkeit ist der Anteil geistiger Arbeit an der Wertschöpfung. In allen entwickelten Gesellschaften sticht er denjenigen der körperlichen Arbeit aus. Geistige Arbeit unterscheidet sich nun aber von körperlicher sowohl darin, daß sie aufmerksame statt physische Energie einsetzt, als auch darin, daß sie mit geistigem statt physischem Kapital hantiert. Geistiges Kapital besteht aus Wissen und dessen persönliche Aneignung als "Humankapital". Humankapital ist eine andere Art kapitalisierter Aufmerksamkeit.

Geistige Arbeit unterscheidet sich von körperlicher schließlich darin, daß sie zum Zweck der Beachtung durch andere Menschen produziert. Wo immer sie um die persönliche Anerkennung ihrer Leistung kämpft, ist sie in den allgemeinen Kampf um die Aufmerksamkeit eingebunden.

Das Einkommen an Aufmerksamkeit spielt keineswegs nur in den ausgesprochen publikumsorientierten Branchen eine wachsende Rolle. Die beachtende Anerkennung der Leistung ist für sehr viele schon zum schöneren Lohn, die Reputation in der Fachwelt zur eigentlichen Erfüllung des beruflichen Strebens geworden. Das Einkommen an Aufmerksamkeit überwiegt für viele auch in der Berufswahl. Je höher der Bildungsgrad, um so mehr entscheidet die Erwartung dieses immateriellen Einkommens über die Beliebtheit eines Berufs. Eine wissenschaftliche Karriere wird nicht deswegen einer besser verdienenden in der Industrie vorgezogen, weil es aufs Geld nicht ankäme, sondern weil die Chancen des Einkommens an Aufmerksamkeit höher sind.

Mindesteinkommen an Aufmerksamkeit 

Der Rückzug, auf dem sich der wirtschaftliche Materialismus befindet, berührt mehr, als die Rede von der Informationsgesellschaft ahnen läßt. Information ist der selbst noch physische Aspekt der psychischen Ökonomie der Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist weit mehr als nur das Bereitstehen von Informationsverarbeitungskapazität. Sie verkörpert Qualitäten subjektiven Erlebens, die zur Informationsverarbeitung hinzukommen können, aber nicht müssen. Aufmerksamkeit ist der Inbegriff des bewußten Daseins im Sinn von sowohl selbstgewisser Existenz als auch wacher Geistesgegenwart. Sie ist das Medium, in dem alles vorkommen muß, was für uns als erlebende Wesen wirklich werden will. Aufmerksame Wesen sind Zentren einer je eigenen Welt. Diese Welt existiert so oft, wie ein aufmerksames Wesen in ihrem Zentrum "da" ist.

Der Empfang anderer Aufmerksamkeit bedeutet, in eine andere Welt einzugehen. Kein aufmerksames Wesen hat direkten Zugang zur Erlebniswelt eines anderen. Durch den Empfang von Aufmerksamkeit findet es aber Repräsentanz in einer anderen Welt. Es ist diese Repräsentanz der eigenen Person in einem anderen Bewußtsein, was den Wunsch nach Beachtung so unwiderstehlich macht. Nicht nur die Eitelkeit kann nicht genug davon bekommen. Uns alle hält die Frage gefangen, wie wir vor anderen dastehen. Wir halten es einfach nicht aus, keine Rolle im Seelenleben anderer zu spielen. Die Menschenseele fängt schon an zu leiden, wenn sie keine erste Rolle in einer anderen spielt. Und sie nimmt bleibenden Schaden, wenn sie kein Mindesteinkommen an Zuwendung bezieht. Der Entzug kann sogar tödlich sein. Kinder sterben an zu wenig Zuwendung, Erwachsene erleben die Isolation als Folter. Die Seele bedarf der Zuwendung von ihresgleichen wie der Leib seiner körpereigenen Morphine.

Es ist nicht weiters verwunderlich, daß die Menschen keinem Wesen mit solcher Hingaben huldigen wie der Attraktivität der eigenen Person. Der moderne Kult um das Einkommen an Aufmerksamkeit mußte nicht erst erfunden werden. Neu und erstaunlich ist allein die Vehemenz, mit der sich der professionelle Geschäftssinn auf die seelischen Energien stürzt. Und nur in der Macht, mit der die Sphäre der medial kanalisierten Beachtung nun dasteht, kann an der Entdeckung der neuen Ökonomie schockieren.

Dem allzu kulturkritisch eingenommenen Blick könnte nun allerdings entgehen, daß die Ablösung des Gelds als lebenspraktischer Leitwährung die Chance eines möglicherweise lebensrettenden Wertewandels birgt. Wir wissen schon lange und gut genug, daß wir mit jedem Tag, den wir zögern, aus der Materialschlacht gegen die - beziehungsweise gegen unsere eigene - Natur auszusteigen, schreckliches Leid auf künftige Generationen häufen. Bestes Wissen und schlechtestes Gewissen haben bisher jedoch nur verschwindende Minderheiten zur Umkehr bewegt. Es ist wohl illusionär, die gebotene Umkehr des wirtschaftlichen Strebens von massenhafter Abstinenz zu erwarten. Wenn nicht in Abstinenz, dann muß der Ausweg aus dem Materialismus im Hedonismus selber gesucht werden. An Auswegen innerhalb des Hedonismus ist aber keiner zu sehen, der nicht über die selbsttätige Entstofflichung des Wirtschaftsprozesses und über die immanente Umwertung der Einkommensarten führte.

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Literatur:

Georg Franck, Die neue Währung: Aufmerksamkeit. Zum Einfluß der Hochtechnik auf Zeit und Geld, in: Merkur Nr. 486 (August 1989)

Georg Franck, Aufmerksamkeit, Zeit, Raum. Ein knapper Ausdruck für das Veränderungspotential der neuen Informationstechniken und Kommunikationsmedien, in: Martin Bergelt/ Hortensia Völckers (Hg.), Zeit-Räume, München: Hanser 1991

Georg Franck, Ökonomie der Aufmerksamkeit, in: Merkur Nr. 534/535 (September/Oktober 1993)

http://www.heise.de/tp/artikel/2/2003/1.html 

 

 

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